Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Apromore — Open-Source-Process-Mining mit Datenhoheit.

Apromore ist eine quelloffene Process-Mining-Plattform, die aus internationaler Hochschulforschung hervorgegangen ist und heute in einer freien Community-Edition sowie einer kommerziellen Enterprise-Edition angeboten wird. Sie deckt den vollen Analyse-Kreislauf ab: die datengetriebene Rekonstruktion realer Abläufe (Discovery), den Abgleich mit dem Sollprozess (Conformance), tiefe Varianten- und Performance-Analysen bis hin zu prädiktiven Prognosen. Ihr Alleinstellungsmerkmal für den DACH-Mittelstand ist die Kombination aus offenem Quellcode und Self-Hosting-Fähigkeit – ein handfestes Argument dort, wo Datenhoheit, Herstellerunabhängigkeit und ein kontrollierter Einstieg zählen. Diese ehrliche Praxiseinordnung zeigt, wann sich Apromore lohnt und wann nicht.

22 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Apromore
Open-Source-Ursprung · Hochschulforschung
Typ
Process-Mining-Plattform
Lizenzmodell
Open Source + Enterprise
Kernfunktionen
Discovery · Conformance · Predictive
Datenformat
Event Logs (u. a. XES/CSV)
Betriebsmodelle
SaaS · Private Cloud · Self-Hosting
Hauptwettbewerb
Celonis · Signavio · ARIS
INAGRO Eignung Datenhoheit & herstellerunabhängiges Process Mining
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Apromore – und für wen lohnt es sich?

Apromore ist eine quelloffene Plattform für Process Mining – also für die datengetriebene Analyse von Geschäftsprozessen auf Basis der Spuren, die diese Prozesse in den operativen IT-Systemen hinterlassen. Der Name steht für „Advanced Process Analytics Platform“ und verweist auf den Ursprung des Projekts in der internationalen Hochschulforschung. Aus einer akademischen Initiative mehrerer Universitäten ist über die Jahre eine Plattform gewachsen, die heute in zwei Ausprägungen existiert: einer freien, quelloffenen Community-Edition und einer kommerziell gepflegten Enterprise-Edition für den produktiven Unternehmenseinsatz.

Process Mining beantwortet eine Frage, die sich mit klassischer Prozessdokumentation nur schwer beantworten lässt: Wie laufen unsere Prozesse wirklich ab – nicht wie sie auf dem Papier stehen? Dazu wertet die Software sogenannte Event Logs aus, die Ereignisprotokolle aus ERP-, CRM- und Fachsystemen. Jeder Geschäftsvorfall – etwa eine Bestellung, ein Antrag oder ein Ticket – hinterlässt eine Kette von Zeitstempeln und Aktivitäten. Aus Tausenden solcher Fälle rekonstruiert Apromore automatisch das reale Prozessmodell, mit allen Schleifen, Nacharbeiten, Wartezeiten und Ausnahmen, die im Alltag tatsächlich vorkommen.
Drei Eigenschaften charakterisieren Apromore und erklären, warum die Plattform gerade für den DACH-Mittelstand interessant ist:
  • Quelloffener Kern und Herstellerunabhängigkeit – Apromore ist im Ursprung Open Source. Der Programmcode ist einsehbar, die Community-Edition frei nutzbar, und das Unternehmen bindet sich nicht in gleicher Weise an einen einzelnen Anbieter wie bei rein proprietären Plattformen. Das senkt die Einstiegshürde und stärkt die langfristige Investitionssicherheit.
  • Voller Process-Mining-Funktionsumfang – anders als manch schlankes Werkzeug deckt Apromore die gesamte Disziplin ab: automatische Prozess-Rekonstruktion, Conformance-Prüfung gegen ein Sollmodell, detaillierte Varianten- und Performance-Analyse, Filterung und – in der Enterprise-Edition – prädiktive Prozessüberwachung. Es ist ein spezialisiertes Analysewerkzeug, keine reine Zeichensoftware.
  • Betriebswahlfreiheit und Datenhoheit – Apromore kann als vom Anbieter betriebene Cloud-Lösung, in einer privaten Cloud oder vollständig selbst gehostet in der eigenen Infrastruktur betrieben werden. Für Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Datenhoheit ist die Self-Hosting-Option ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal gegenüber rein cloudbasierten Wettbewerbern.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen, die datengetriebenes Process Mining ohne den großen Lizenzsprung und ohne vollständige Abhängigkeit von einem einzelnen Cloud-Anbieter einführen wollen, ist Apromore in vielen Fällen eine sehr attraktive Option – besonders dort, wo Datenhoheit, Self-Hosting und ein kontrollierter Einstieg über die Community-Edition zählen. Die ehrliche Kehrseite: Open Source bedeutet nicht automatisch „kostenlos“ im Gesamtbild, denn Betrieb, Datenanbindung und internes Know-how erfordern Aufwand. Und wer ein rundum vermarktetes, mit Vertrieb und Erfolgsteams flankiertes Ökosystem erwartet, findet das eher bei den großen kommerziellen Anbietern. Die richtige Wahl folgt dem Anwendungsziel und der IT-Strategie, nicht der Lizenzform allein.

Von der Hochschulforschung zur Unternehmensplattform

Apromore begann als akademisches Forschungsprojekt im Bereich der Prozesswissenschaften. Diese Herkunft ist bis heute prägend – im positiven Sinn. Viele Verfahren, die im kommerziellen Process Mining zum Standard geworden sind, haben ihre Wurzeln in genau dieser wissenschaftlichen Community. Der Vorteil für Anwender liegt in der methodischen Fundiertheit: Discovery-Algorithmen, Conformance-Verfahren und Varianten-Analysen sind nicht nur Marketing-Begriffe, sondern beruhen auf erforschten und publizierten Methoden. Über die Jahre wurde aus dem Forschungswerkzeug eine praxistaugliche Plattform, die von einem dedizierten Unternehmen weiterentwickelt und in einer Enterprise-Edition für den produktiven Betrieb gepflegt wird.

Was Process Mining vom Prozessmodellieren unterscheidet

Ein häufiges Missverständnis lohnt die Klärung: Process Mining ist nicht dasselbe wie Prozessmodellierung. Beim klassischen Business Process Management zeichnet ein Mensch, wie ein Prozess ablaufen soll. Beim Process Mining rekonstruiert die Software aus realen Daten, wie er tatsächlich abläuft. Apromore gehört klar in die zweite Kategorie: Sein Ausgangspunkt sind die Daten, nicht die Zeichnung. Das ist der wesentliche Unterschied etwa zu einer BPM-Plattform mit deutschem Ursprung wie ARIS, die von der Modellierungswelt kommt. Apromore stellt die datenbasierte Faktenlage in den Mittelpunkt und ergänzt sie um den Abgleich mit einem Sollmodell – nicht umgekehrt.

Für wen Apromore gedacht ist

Apromore entfaltet seinen Wert vor allem dort, wo Prozesse in datenführenden Systemen ablaufen und wo faktenbasierte Transparenz gefragt ist: in der Auftragsabwicklung, der Beschaffung, der Rechnungsverarbeitung, im Kundenservice oder in der Antragsbearbeitung. Es passt besonders gut zu Organisationen, die einen kontrollierten, technisch souveränen Einstieg in Process Mining suchen, die Wert auf Datenhoheit legen und die über IT-Kompetenz verfügen, um eine self-gehostete Lösung zu betreiben – oder einen Partner haben, der das übernimmt. Weniger geeignet ist Apromore für Organisationen, die keinerlei technische Ressourcen bereitstellen können und ausschließlich ein vollständig gemanagtes Rundum-sorglos-Paket wünschen, ohne sich mit Betrieb und Datenanbindung zu befassen. Auch hier gilt: Die Werkzeugwahl folgt dem Bedarf und den vorhandenen Fähigkeiten, nicht dem Trend.
Kapitel 02 · Editionen & Positionierung

Die Apromore-Editionen und ihre Positionierung

Apromore existiert in zwei grundsätzlichen Ausprägungen: einer freien, quelloffenen Community-Edition und einer kommerziell gepflegten Enterprise-Edition. Dazu kommen verschiedene Betriebsmodelle vom Self-Hosting bis zur vom Anbieter bereitgestellten Cloud. Wichtig für die Auswahl: Konkrete Leistungsumfänge, Bündel und Betriebsoptionen entwickeln sich weiter – der genaue Zuschnitt und mögliche Preise sollten stets beim Anbieter geprüft werden.

Community-Edition
Open Source

Die frei verfügbare, quelloffene Ausprägung. Sie ermöglicht den Einstieg in Process Mining ohne Lizenzkosten und eignet sich für erste Analysen, Lernzwecke, Machbarkeitsnachweise und Szenarien mit vorhandener IT-Kompetenz für den eigenen Betrieb.

LizenzOpen Source
FokusEinstieg & Discovery
BetriebSelf-Hosting
SupportCommunity
Enterprise-Edition
Enterprise

Der produktiv einsetzbare Ausbau mit vollem Funktionsumfang, professionellem Support, erweiterten Analyse- und Automatisierungsfähigkeiten sowie Betriebsmodellen inklusive gemanagter Cloud. Ausgelegt auf den unternehmensweiten, dauerhaften Einsatz.

LizenzKommerziell
FokusVoller Funktionsumfang
SupportProfessionell
PreisBeim Anbieter prüfen
Betriebsmodell Cloud
SaaS

Vom Anbieter betriebene und gewartete Cloud-Variante der Enterprise-Edition. Reduziert den eigenen Aufwand für Installation, Aktualisierung und Skalierung und beschleunigt den produktiven Start erheblich.

ZweckSchneller Start
WartungDurch Anbieter
RegionEU-Region prüfen
EignungOhne eigene IT-Kapazität
Betriebsmodell Self-Hosting
On-Prem

Betrieb der Plattform in der eigenen Infrastruktur oder der eigenen privaten Cloud, häufig containerbasiert. Gibt maximale Kontrolle über Daten und Verarbeitungsort – das zentrale Argument für Datenhoheit und regulatorische Anforderungen.

ZweckMaximale Kontrolle
WartungEigene IT
DatenortIm eigenen Haus
BezugDatenhoheit & DSGVO

Community- versus Enterprise-Edition

Der zentrale Unterschied der beiden Editionen liegt weniger in einer einzelnen Funktion als in Reifegrad, Support und Ausbaustufe. Die Community-Edition ist ideal, um Process Mining kennenzulernen, einen ersten Anwendungsfall auszuprobieren und die Machbarkeit im eigenen Umfeld zu prüfen – ohne Lizenzhürde und mit voller Kontrolle über die Umgebung. Sie verlangt allerdings eigenes technisches Know-how für Installation, Betrieb und Wartung, und der Support beschränkt sich auf die Community. Die Enterprise-Edition richtet sich an den produktiven, dauerhaften Einsatz: Sie bietet den vollen Funktionsumfang, professionellen Support, wartungsarme Betriebsoptionen und die erweiterten Analyse- und Automatisierungsfähigkeiten, die für den Unternehmenseinsatz relevant sind. Aus INAGRO-Sicht ist das ein pragmatischer Pfad: mit der Community-Edition lernen und beweisen, mit der Enterprise-Edition produktiv skalieren.

Open Source ist kein Synonym für kostenlos

Eine wichtige Erwartungskorrektur betrifft das Verständnis von Open Source. Dass der Quellcode offen und die Community-Edition frei nutzbar ist, senkt zwar die Lizenzhürde beim Einstieg deutlich – es bedeutet aber nicht, dass der Einsatz insgesamt kostenlos ist. Betrieb, Datenanbindung, Wartung, Aktualisierung und vor allem das interne Know-how für sinnvolle Analysen erfordern Ressourcen. Der eigentliche Wert von Open Source liegt weniger in der Ersparnis als in der Freiheit: Freiheit von einer einseitigen Abhängigkeit, Nachvollziehbarkeit des Codes, die Möglichkeit des Self-Hostings und eine kontrollierte, schrittweise Annäherung. Wer das versteht, trifft eine realistischere Kosten-Nutzen-Entscheidung, als wenn er Open Source mit Nulltarif verwechselt.

Positionierung im Process-Mining-Markt

Apromore positioniert sich als vollwertige, quelloffene Process-Mining-Plattform mit einem klaren Souveränitäts- und Unabhängigkeitsversprechen. Das unterscheidet sie von zwei Nachbarkategorien. Auf der einen Seite stehen die großen kommerziellen Cloud-Plattformen, die enorme Vertriebs- und Ökosystem-Power mitbringen, aber überwiegend als proprietäre Cloud-Lösungen daherkommen und deren Einstieg oft mit erheblichen Lizenzsummen verbunden ist. Auf der anderen Seite stehen reine BPM- und Modellierungswerkzeuge, die von der Prozesszeichnung her kommen und Process Mining allenfalls als Ergänzung führen. Apromore verortet sich als spezialisiertes, methodisch fundiertes Mining-Werkzeug mit dem besonderen Merkmal der Quelloffenheit und Betriebsfreiheit – eine Nische mit hohem Wert für alle, denen Datenhoheit und Herstellerunabhängigkeit wichtig sind.
Praxis-Hinweis zur Editionswahl

Weil sich Funktionszuschnitte, Bündel und Betriebsoptionen regelmäßig ändern, gilt: Nicht von einem alten Blogbeitrag ausgehen, sondern den aktuellen Zuschnitt direkt beim Anbieter prüfen – entlang des eigenen konkreten Bedarfs. Aus INAGRO-Sicht beginnt eine gute Auswahl nicht mit der Frage „Community oder Enterprise?“, sondern mit „Welchen Prozess wollen wir zuerst analysieren, welchen Nutzen erwarten wir, und welche IT-Kapazität steht uns zur Verfügung?“.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von Apromore im Überblick

Der Kern von Apromore lässt sich in vier zusammenwirkende Kernfähigkeiten gliedern: die automatische Prozess-Rekonstruktion (Discovery), den Abgleich mit dem Sollprozess (Conformance), die tiefe Varianten- und Performance-Analyse sowie die prädiktive Prozessüberwachung. Erst im Zusammenspiel entsteht der durchgängige Analyse-Kreislauf, für den die Plattform steht – vom Verstehen des Ist-Zustands bis zur Vorhersage.

Process Discovery
Kern

Automatische Rekonstruktion des realen Prozessmodells aus Event Logs. Aus Tausenden Fällen entsteht eine visuelle Prozesskarte mit allen Pfaden, Schleifen und Ausnahmen – die faktenbasierte Grundlage jeder weiteren Analyse.

GrundlageEvent Logs
ErgebnisReale Prozesskarte
StärkeFundierte Algorithmen
Conformance Checking
Abgleich

Vergleich des tatsächlichen Ablaufs mit einem definierten Sollprozess. Abweichungen, Regelverstöße und nicht vorgesehene Pfade werden systematisch sichtbar – wichtig für Compliance und Prozessdisziplin.

ZweckSoll-Ist-Abgleich
NutzenAbweichungen sichtbar
BezugCompliance & Regeln
Varianten- & Performance-Analyse
Analyse

Auswertung der verschiedenen Ausprägungen eines Prozesses und ihrer Kennzahlen. Durchlaufzeiten, Engpässe, Wartezeiten und die häufigsten Abweichungsmuster werden quantifiziert und priorisierbar gemacht.

FunktionVarianten & KPIs
ZweckEngpässe finden
WerkzeugFilter & Dashboards
Predictive Monitoring
Prognose

Vorausschauende Prozessüberwachung: Auf Basis historischer Muster werden Prognosen zu laufenden Fällen erstellt – etwa zu erwarteten Durchlaufzeiten oder dem Risiko einer Regelverletzung. In der Enterprise-Edition verortet.

GrundlageHistorische Muster
ErgebnisPrognosen zu Fällen
HinweisUmfang beim Anbieter prüfen

Process Discovery – der reale Prozess aus Daten

Das Herzstück jeder Process-Mining-Plattform ist die automatische Prozess-Rekonstruktion, und hier hat Apromore historisch bedingt eine besondere Stärke. Aus den Ereignisprotokollen der operativen Systeme berechnet die Software ein Prozessmodell, das den tatsächlichen Ablauf zeigt – nicht die idealisierte Vorstellung, sondern die gelebte Realität mit allen Verzweigungen, Wiederholungen und Sonderwegen. Weil das Projekt aus der Prozesswissenschaft stammt, sind die zugrunde liegenden Discovery-Verfahren methodisch fundiert und lassen sich in ihrer Genauigkeit und Lesbarkeit steuern. Für Anwender bedeutet das: Sie erhalten nicht nur ein Bild, sondern eine belastbare, nachvollziehbare Rekonstruktion, die als seriöse Grundlage für Entscheidungen taugt. Ein interaktiver Prozessabspieler, der die Fälle über die Zeit visuell durch das Modell laufen lässt, macht Engpässe und Staus zusätzlich unmittelbar anschaulich.

Conformance Checking – Abweichungen sichtbar machen

Ein reales Prozessmodell allein sagt noch nicht, ob der Prozess so ablaufen sollte. Genau hier setzt das Conformance Checking an: Es stellt dem rekonstruierten Ist-Prozess ein definiertes Sollmodell gegenüber und deckt jede Abweichung systematisch auf. Wo werden Freigabeschritte übersprungen? Wo entstehen nicht vorgesehene Schleifen? Wo weicht die Realität von der Regel ab? Für regulierte Branchen, für interne Kontrollsysteme und für jede Form der Prozessdisziplin ist dieser Abgleich von zentralem Wert. Er verwandelt ein vages Gefühl, „dass da etwas nicht rundläuft“, in eine konkrete, quantifizierte Liste von Abweichungen, an denen gezielt angesetzt werden kann. Apromore bringt für dieses Verfahren die methodische Tiefe aus seiner Forschungsherkunft mit.

Varianten-, Performance- und Filteranalyse

Kein realer Prozess läuft immer gleich ab. Die Varianten-Analyse macht sichtbar, wie viele verschiedene Ausprägungen ein Prozess tatsächlich hat, welche davon die häufigsten sind und welche die problematischsten. Oft folgt hier das ernüchternde, aber wertvolle Aha-Erlebnis: Ein Prozess, den man für standardisiert hielt, zerfällt in Dutzende oder Hunderte Varianten. Die Performance-Analyse ergänzt die Kennzahlen – Durchlaufzeiten, Wartezeiten, Engpässe und Kosten je Pfad. Mit flexiblen Filtern lässt sich der Datenberg zielgenau eingrenzen: nur bestimmte Fälle, nur bestimmte Zeiträume, nur bestimmte Abweichungen. So entsteht aus einer unübersichtlichen Realität eine priorisierte Landkarte der lohnendsten Ansatzpunkte für Verbesserung – die eigentliche Währung des Process Mining.

Predictive Monitoring – vom Verstehen zum Vorhersagen

Die fortgeschrittenste Ausbaustufe verlässt die reine Rückschau. Predictive Monitoring nutzt die in den historischen Daten erkannten Muster, um Aussagen über laufende, noch nicht abgeschlossene Fälle zu treffen: Wie lange wird dieser Vorgang voraussichtlich noch dauern? Droht eine Terminüberschreitung? Steuert dieser Fall auf eine Regelverletzung zu? Aus der Analyse der Vergangenheit wird so ein Frühwarnsystem für die Gegenwart, das ein aktives Eingreifen ermöglicht, bevor ein Problem eintritt. Diese prädiktive Fähigkeit ist in der Enterprise-Edition verortet; der konkrete Funktionsumfang und die Verfügbarkeit sollten beim Anbieter geprüft werden. Für Unternehmen, die vom nachträglichen Analysieren zum operativen Steuern übergehen wollen, ist dies der entscheidende Sprung.
Warum das in der Praxis zählt

Der größte praktische Hebel von Apromore ist selten eine einzelne Funktion, sondern die Kette aus Rekonstruieren, Abgleichen, Priorisieren und – auf der höchsten Stufe – Vorhersagen. Aus unserer Projekterfahrung entsteht der Mehrwert vor allem dann, wenn die Analyse nicht als einmaliger Bericht endet, sondern in konkrete Verbesserungsmaßnahmen mündet. Und wie bei jedem Mining-Werkzeug gilt: Das Ergebnis ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Event-Log-Daten. Saubere Zeitstempel und einheitliche Vorgangs-Kennungen sind die halbe Miete.

Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI- und Automatisierungsfunktionen in Apromore

Wie nahezu alle Process-Mining-Plattformen erweitert auch Apromore seinen Funktionsumfang um KI-gestützte Analyse und Automatisierungsbrücken. Der Anspruch: Muster schneller erkennen, Analysen zugänglicher machen und den Sprung von der Erkenntnis zur Maßnahme verkürzen. Weil sich dieser Bereich rasch weiterentwickelt, sind die folgenden Funktionsgruppen qualitativ beschrieben – konkrete Verfügbarkeiten und Ausbaustufen sind beim Anbieter zu prüfen.

Prädiktive Analytik

Auf Basis maschineller Lernverfahren werden aus historischen Prozessdaten Prognosen abgeleitet – etwa zu Durchlaufzeiten, Terminrisiken oder der Wahrscheinlichkeit einer Regelabweichung. Aus der Rückschau wird ein Frühwarnsystem für laufende Fälle.

Vorhersage statt Rückblick
Automatische Mustererkennung

Auffälligkeiten wie Engpässe, häufige Nacharbeiten, Regelabweichungen oder ungewöhnliche Varianten können automatisiert identifiziert und als priorisierte Hinweise aufbereitet werden. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf die lohnendsten Ansatzpunkte.

Priorisierte Hinweise
Zugänglichere Analyse

KI-gestützte Assistenz senkt die Hürde, aus komplexen Prozessdaten Erkenntnisse zu ziehen. Ergebnisse werden aufbereitet und erklärt, sodass auch Fachanwender ohne tiefen Analyse-Hintergrund fundierte Aussagen treffen können.

Analyse demokratisieren
Brücke zur Automatisierung

Aus den identifizierten Optimierungspotenzialen lassen sich Anschlüsse zu Workflow- und RPA-Werkzeugen herstellen. Apromore liefert dabei die analytische Grundlage, auf der Automatisierungsentscheidungen fundiert getroffen und priorisiert werden.

Von Analyse zu Umsetzung

Wo KI in der Prozessanalyse wirklich hilft

Der nüchterne Blick auf KI im Process Mining lohnt sich. Der reale Nutzen liegt heute vor allem in zwei Bereichen. Erstens in der Vorhersage: Prädiktive Verfahren, die aus historischen Mustern das Verhalten laufender Fälle abschätzen, verschieben den Mehrwert von der reinen Nachanalyse hin zum aktiven Steuern. Zweitens in der Zugänglichkeit: KI-gestützte Assistenz hilft, aus dem Datenberg schneller die relevanten Auffälligkeiten herauszuheben, und macht die Analyse auch für Nutzer ohne Data-Science-Hintergrund handhabbar. Was KI dagegen nicht leistet, ist der Ersatz für fachliches Prozessverständnis oder für saubere Daten. Ein KI-generierter Hinweis ist ein Anhaltspunkt, kein Urteil, und jede Prognose ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Ereignisdaten. Aus INAGRO-Sicht ist die richtige Haltung, KI als Beschleuniger und Assistenten zu nutzen, nicht als Autopiloten.

Apromore als analytischer Kopf der Automatisierung

Eine wichtige Abgrenzung betrifft die Rolle von Apromore im Automatisierungsgeschehen. Apromore ist keine RPA-Software, die selbst Bots ausführt, und keine Workflow-Engine, die operative Abläufe steuert. Seine Stärke liegt im Analysieren, Bewerten und Priorisieren: Apromore zeigt datenbasiert, welche Schritte sich für eine Automatisierung wirklich lohnen, wo der manuelle Aufwand hoch und wo die Regeln stabil sind. Damit bildet es die verlässliche Grundlage, auf der spezialisierte Automatisierungswerkzeuge – etwa RPA-Plattformen oder Workflow-Engines – aufsetzen. Bildlich gesprochen ist Apromore eher der analytische Kopf, der zeigt, wo automatisiert werden sollte, als die Hand, die es ausführt. Für ein Hyperautomatisierungs-Programm ist genau diese faktenbasierte Priorisierungsschicht wertvoll, weil sie verhindert, dass Automatisierungsbudget in unpassende oder instabile Prozesse fließt.
Realistische Erwartung an KI

KI-Funktionen entwickeln sich rasch weiter, und Marketingversprechen laufen der Praxis oft voraus. Unsere Empfehlung: KI- und Prognose-Funktionen anhand des eigenen konkreten Nutzens bewerten, nicht anhand der Demonstration. Die Frage lautet nicht „Kann das Tool KI?“, sondern „Beschleunigt oder verbessert diese Funktion eine Entscheidung, die uns heute tatsächlich schwerfällt?“. Und weil prädiktive Verfahren mit realen, oft personenbeziehbaren Prozessdaten arbeiten, gelten für sie dieselben Datenschutz-Leitplanken wie für das Process Mining insgesamt.

Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das Apromore-Ökosystem

Eine Process-Mining-Plattform ist nur so nützlich wie ihre Anbindung an die reale Systemlandschaft. Apromore lebt von zwei Arten der Integration: dem Zuführen von Ereignisdaten aus den operativen Systemen und der Verbindung zu vor- und nachgelagerten Werkzeugen der Analyse- und Automatisierungskette. Beides entscheidet darüber, wie tief sich die Plattform in den Unternehmensalltag einfügt.

Datenquellen und Event-Log-Formate

Damit Apromore reale Prozesse rekonstruieren kann, benötigt es Ereignisdaten aus den operativen Systemen. Diese stammen typischerweise aus ERP-Systemen, aus CRM-Plattformen und aus Fachanwendungen, in denen die täglichen Geschäftsvorfälle verarbeitet werden. Apromore unterstützt die etablierten Austauschformate des Process Mining, insbesondere Ereignisprotokolle in standardisierten Formaten wie XES sowie den pragmatischen Import aus tabellarischen Daten wie CSV. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei weniger die technische Verbindung als die Qualität der Daten: Nur wenn drei Bausteine sauber vorliegen – eine eindeutige Vorgangs-Kennung, eine Aktivitätsbezeichnung und ein verlässlicher Zeitstempel – entsteht ein aussagekräftiges Bild des tatsächlichen Prozesses. Die Aufbereitung der Rohdaten zu einem brauchbaren Event Log ist deshalb regelmäßig der aufwendigste, aber wichtigste Schritt.

Konnektoren, APIs und Datenpipelines

Neben dem reinen Datenimport zählt die Anschlussfähigkeit an eine automatisierte Datenversorgung. Damit Analysen nicht bei einem einmaligen Datenauszug stehenbleiben, braucht es wiederholbare Datenpipelines, die die Event Logs regelmäßig und möglichst automatisiert aus den Quellsystemen ziehen. Apromore bietet dafür Schnittstellen und Programmierschnittstellen (APIs), über die sich die Plattform in bestehende Datenflüsse und eigene Anwendungen einbinden lässt. Gerade der quelloffene Charakter der Community-Edition eröffnet hier zusätzliche Freiheitsgrade für individuelle Anbindungen, wenn eigenes technisches Know-how vorhanden ist. Für den produktiven Betrieb ist entscheidend, die Datenversorgung von Anfang an als wiederholbaren, wartbaren Prozess zu denken – nicht als einmalige Fingerübung.

ERP-Anbindung, insbesondere SAP

Im DACH-Mittelstand dominiert häufig SAP als führendes ERP-System, ergänzt um weitere Fachsysteme. Die Anbindung an solche ERP-Landschaften ist deshalb ein zentrales Thema jeder Process-Mining-Einführung. Grundsätzlich lassen sich die relevanten Prozessdaten aus ERP-Systemen extrahieren, um Kernprozesse wie Beschaffung, Auftragsabwicklung oder Rechnungsverarbeitung datenbasiert zu analysieren. Wie tief und wie komfortabel diese Anbindung im konkreten Fall gelingt, hängt von der Systemversion, der Datenstruktur und den verfügbaren Schnittstellen ab und sollte im Rahmen eines Scopings geprüft werden. Wichtig ist die realistische Erwartung: Die ERP-Anbindung ist selten ein Knopfdruck, sondern ein eigenes Teilprojekt, dessen Aufwand von der Sauberkeit der Quelldaten abhängt. Da Apromore nicht an das Ökosystem eines einzelnen ERP-Herstellers gebunden ist, bleibt der Blick bewusst quellenoffen – ein Vorteil in heterogenen Systemlandschaften.

Das Ökosystem aus Community und Partnern

Als quelloffenes Projekt mit Forschungswurzeln verfügt Apromore über ein besonderes Umfeld. Auf der einen Seite steht eine aktive wissenschaftliche und Open-Source-Community, aus der methodische Impulse und Weiterentwicklungen stammen. Auf der anderen Seite steht das kommerzielle Unternehmen hinter der Enterprise-Edition, das professionellen Support, Weiterentwicklung und Betriebsoptionen bereitstellt. Für Anwenderunternehmen bedeutet das zweierlei. Positiv: Methodische Fundiertheit, Transparenz des Codes und die Freiheit, auch mit eigenen oder Partner-Ressourcen zu arbeiten. Zu bedenken: Das Ökosystem an spezialisierten Implementierungspartnern ist naturgemäß kleiner als bei den größten kommerziellen Plattformen. Aus unserer Sicht ist gerade hier ein erfahrener, herstellerunabhängiger Begleiter hilfreich, der die Datenanbindung, den Betrieb und die methodische Analyse zusammenführt.
Integration ist ein Teilprojekt, kein Detail

In unseren Projekten wird der Aufwand für die Datenanbindung regelmäßig unterschätzt. Wir empfehlen, die Integration von Anfang an als eigenständigen Arbeitsstrom zu planen – mit Verantwortlichen aus IT und Fachbereich, mit einer ehrlichen Bewertung der Datenqualität und mit einem klar abgegrenzten ersten Anwendungsfall. Wer hier sauber startet, vermeidet die häufigste Ursache für verzögerte oder enttäuschende Prozessinitiativen. Das gilt für Open-Source-Plattformen genauso wie für teure kommerzielle Suiten.

Kapitel 06 · Abgrenzung

Apromore im Vergleich zum Wettbewerb

Apromore ist quelloffen und methodisch stark, aber nicht der einzige relevante Anbieter. Wie ordnet sich die Plattform gegenüber Celonis, SAP Signavio, ARIS und MEHRWERK ein? Diese Übersicht macht die unterschiedlichen Schwerpunkte transparent – mit dem ehrlichen Fazit, wann Apromore die stärkste Wahl ist und wann ein anderer Weg besser passt.

Kriterium Apromore Celonis SAP Signavio ARIS
Process-Mining-Tiefe Sehr stark Marktführend Sehr gut Solide, integriert
Open Source / Quelloffen Ja (Community) Proprietär Proprietär Proprietär
Self-Hosting / On-Premise Vollständig möglich Cloud-Fokus Cloud-Fokus Cloud & On-Premise
BPM-Modellierung Analyse-Fokus Ergänzend Stark Marktführend
SAP-Nähe Über Konnektoren Sehr stark Nativ (SAP) Über Konnektoren
Einstiegshürde Lizenz Niedrig (Community) Hoch Über SAP-Vertrag Hoch
Datenhoheit / DSGVO-Kontrolle Sehr hoch Vertraglich zu klären Vertraglich zu klären Hoch (On-Prem)
Ökosystem / Partnernetz Kleiner, wachsend Sehr groß Groß (SAP) Groß
Schwerpunkt Souveränes Mining Wertorientiertes Mining BPM + Mining (SAP) Ganzheitliches BPM

Wann Apromore die stärkste Wahl ist

Aus unserer Beratungspraxis sind die Stärken von Apromore klar konturiert. Erstens, wenn Datenhoheit und Self-Hosting zentrale Anforderungen sind – etwa bei besonders schutzwürdigen Datenbeständen, bei kritischen Infrastrukturen oder bei einer strategischen Präferenz für den Betrieb im eigenen Haus. Hier spielt Apromore mit seiner Self-Hosting-Fähigkeit eine Stärke aus, die viele rein cloudbasierte Wettbewerber nicht in gleicher Weise bieten. Zweitens, wenn ein Unternehmen einen kontrollierten, kostengünstigen Einstieg in Process Mining sucht, um zunächst die Machbarkeit und den Nutzen zu beweisen, bevor es sich auf einen großen Lizenzvertrag festlegt – die freie Community-Edition ist dafür ein idealer Ausgangspunkt. Drittens, wenn Herstellerunabhängigkeit und die Vermeidung eines starken Vendor-Lock-in strategisch wichtig sind. Und viertens, wenn die methodische Fundiertheit der Analyse zählt und vorhandenes technisches Know-how den quelloffenen Ansatz tragen kann.

Wann Apromore nicht die naheliegende Wahl ist

Ebenso ehrlich gehören die Gegenfälle benannt. Apromore ist nicht automatisch die naheliegende Wahl, wenn ein Unternehmen keinerlei eigene technische Ressourcen bereitstellen kann und ausschließlich ein vollständig gemanagtes, mit großem Vertrieb und Erfolgsteams flankiertes Rundum-Paket wünscht – dann spielen die großen kommerziellen Anbieter wie Celonis ihre Ökosystem-Stärke aus. Es ist auch nicht zwingend erste Wahl, wenn die Systemlandschaft rein SAP-zentriert ist und eine nativ in die SAP-Welt integrierte Lösung wie SAP Signavio, die häufig schon im SAP-Vertrag angelegt ist, die Anforderungen abdeckt. Und wenn der eigentliche Bedarf weniger in der datengetriebenen Analyse als in der dauerhaften Prozessmodellierung, im Repository und in Governance liegt, ist eine BPM-Plattform wie ARIS die passendere Antwort. Schließlich gilt auch hier: Ohne brauchbare Event-Log-Daten und ohne die Bereitschaft, in Analyse-Know-how zu investieren, bleibt selbst die methodisch reifste Plattform wirkungslos.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nach Fit, nicht nach Markenglanz. Apromore ist eine überzeugende Wahl für souveränes, quelloffenes Process Mining mit maximaler Datenkontrolle und kontrolliertem Einstieg. In vertriebs- und ökosystemgetriebenen Szenarien gehört Celonis fair in den Vergleich, in SAP-zentrierten SAP Signavio, in modellierungs- und governancegetriebenen ARIS, und für Anwender in der Qlik-Welt lohnt der Blick auf MEHRWERK. Die richtige Wahl folgt aus Anwendungsziel, vorhandenem Stack, Datenschutzanforderung und Betriebspräferenz – wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen.

Der Markt insgesamt: Verschmelzung der Kategorien

Ein Blick auf die Marktbewegung hilft bei der Einordnung. Process Mining, BPM und Automatisierung wachsen zunehmend zusammen. Mining-Anbieter fügen Governance und Automatisierung hinzu, Modellierungswerkzeuge ergänzen datengetriebene Analyse, und ERP-Häuser bündeln eigene Prozessangebote. In dieser Bewegung besetzt Apromore eine besondere Position: Es bleibt fokussiert auf tiefes, methodisch fundiertes Mining und ergänzt dies um das Souveränitätsversprechen von Open Source und Self-Hosting. Während sich die großen Plattformen im Wettbewerb um Breite und Ökosystem messen, adressiert Apromore konsequent jene Unternehmen, für die Datenhoheit, Unabhängigkeit und ein kontrollierter Einstieg zentrale Kriterien sind. Diese strategische Grundhaltung – Souveränität und Analyse-Tiefe vor maximaler Marktbreite – ist oft der eigentliche Entscheidungspunkt hinter der Werkzeugwahl.
Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Wie Sie Apromore strukturiert einführen

Eine erfolgreiche Apromore-Einführung folgt einem bewährten Muster – mit klarem Fokus auf einen ersten Anwendungsfall, saubere Datenanbindung und die frühe Klärung des Betriebsmodells. Wer „nur die Plattform installiert“ und ohne konkrete Analysefrage startet, riskiert schöne Prozessgrafiken ohne Wirkung.

01
Anwendungsfall & Zielbild definieren
Welcher Prozess soll zuerst analysiert werden, und welche Frage soll die Analyse beantworten – Durchlaufzeiten senken, Abweichungen aufdecken, Automatisierungspotenziale finden? Ein klar abgegrenzter erster Anwendungsfall mit messbaren Erfolgskriterien gibt der Einführung Richtung. Auch das Betriebsmodell (Cloud, private Cloud oder Self-Hosting) sollte früh entschieden werden.
02
Datenquellen & Event Log aufbereiten
Der oft unterschätzte Kern: die relevanten Ereignisdaten aus den Quellsystemen extrahieren und zu einem sauberen Event Log mit Vorgangs-Kennung, Aktivität und Zeitstempel aufbereiten. Die Datenqualität entscheidet über die Aussagekraft der gesamten Analyse und verdient die meiste Sorgfalt.
03
Pilot mit der Community-Edition
An einem abgegrenzten Prozess und einem realen Datenauszug die Discovery, den Conformance-Abgleich und die Varianten-Analyse erproben. Der oft kostengünstige Pilot mit der freien Edition liefert den Machbarkeitsnachweis und die Vorlage für die Entscheidung über den produktiven Ausbau.
04
Produktiver Ausbau & Betriebsmodell
Beim Übergang in den produktiven Einsatz das passende Betriebsmodell und gegebenenfalls die Enterprise-Edition wählen, die Datenpipeline automatisieren und den Betrieb absichern. Beim Self-Hosting übernimmt die eigene IT den Betrieb, bei der gemanagten Cloud der Anbieter.
05
Analyse verstetigen & Maßnahmen umsetzen
Der Wert entsteht erst, wenn Erkenntnisse zu Maßnahmen werden. Regelmäßige Aktualisierung der Daten, wiederkehrende Analysen und ein klarer Prozess von der Erkenntnis zur Verbesserung – idealerweise mit Verantwortlichen und einem kleinen Center of Excellence – verstetigen den Nutzen über den ersten Anwendungsfall hinaus.

Cloud, Private Cloud oder Self-Hosting – die Betriebsentscheidung

Die Wahl des Betriebsmodells ist bei Apromore eine der frühesten und folgenreichsten Entscheidungen – und zugleich einer seiner größten Vorzüge, weil hier echte Wahlfreiheit besteht. Der vom Anbieter gemanagte Cloud-Betrieb reduziert den eigenen Aufwand deutlich: Installation, Aktualisierung, Skalierung und ein Teil der Sicherheitsverantwortung liegen beim Anbieter. Das senkt die Einstiegshürde und beschleunigt den Start – ideal für Organisationen ohne freie IT-Kapazität. Das Self-Hosting hingegen, häufig containerbasiert in der eigenen Infrastruktur oder privaten Cloud, gibt dem Unternehmen die volle Kontrolle über Umgebung und Daten. Das ist ein gewichtiges Argument, wo Datenhoheit, regulatorische Vorgaben oder eine bestehende Rechenzentrums-Strategie den Ausschlag geben. Der Preis dafür ist mehr eigener Betriebsaufwand und Verantwortung. Es gibt keine pauschal richtige Antwort; die Entscheidung sollte entlang von Datenschutzanforderungen, IT-Strategie und vorhandenen Kapazitäten getroffen werden.

Der kritische Erfolgsfaktor ist die Datenqualität

In unseren Projekten ist nicht die Installation der kritische Punkt, sondern die Qualität und Verfügbarkeit der Daten. Ein Process-Mining-Ergebnis ist immer nur so gut wie das zugrunde liegende Event Log. Fehlende Zeitstempel, uneinheitliche Aktivitätsbezeichnungen oder lückenhafte Vorgangs-Kennungen führen zu verzerrten oder unbrauchbaren Analysen – unabhängig davon, wie mächtig das Werkzeug ist. Deshalb legen wir in jeder Einführung den Schwerpunkt auf die saubere Datenanbindung und die Aufbereitung, bevor über anspruchsvolle Analysen oder Prognosen gesprochen wird. Der Unterschied zwischen einer beeindruckenden Demonstration und einer wirksamen Analyse liegt selten in der Software, sondern fast immer in den Daten und der Konsequenz, mit der aus Erkenntnissen Maßnahmen werden.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem einzigen, klar abgegrenzten Prozess und einer konkreten Analysefrage starten, die Datenqualität ehrlich bewerten, den Machbarkeitsnachweis kostengünstig mit der Community-Edition führen und das Betriebsmodell entlang der Datenschutzanforderungen wählen. Dieser fokussierte, souveräne Pfad senkt das Risiko und schafft die belastbare Grundlage für eine fundierte Entscheidung über den produktiven Ausbau.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Apromore im deutschen Mittelstand

Apromore entfaltet seinen Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Aufgaben. Hier die Szenarien, in denen die Plattform im DACH-Mittelstand – und im Kerngebiet von INAGRO, der Prozessoptimierung – am häufigsten sinnvoll eingesetzt wird, mit realistischer Einordnung des Nutzens aus unserer Projektpraxis.

Order-to-Cash analysieren

Der Weg von der Bestellung bis zum Zahlungseingang wird faktenbasiert rekonstruiert. Wo entstehen Verzögerungen, wo häufen sich Nacharbeiten, wo blockieren Freigaben? Die Analyse zeigt die realen Engpässe statt vermuteter – die Grundlage für gezielte Verbesserungen.

Durchlaufzeit senken
Purchase-to-Pay durchleuchten

Der Beschaffungsprozess von der Bedarfsmeldung bis zur Rechnungszahlung ist datenreich und regelgetrieben – ideal für Process Mining. Maverick Buying, doppelte Zahlungen und ungenutzte Skonti werden faktenbasiert sichtbar und adressierbar.

Compliance & Einsparung
Compliance & Conformance

Der Conformance-Abgleich prüft, ob Prozesse den vorgeschriebenen Regeln folgen – etwa dem Vier-Augen-Prinzip oder definierten Freigabewegen. Für interne Kontrollsysteme und regulierte Branchen entsteht ein datenbasierter Nachweis der Prozessdisziplin.

Regeln datenbasiert prüfen
Datenhoheit als Anforderung

Für Organisationen mit besonders schutzwürdigen Daten, kritischen Infrastrukturen oder strengen Souveränitätsvorgaben ermöglicht das Self-Hosting die Prozessanalyse, ohne dass sensible Daten das Haus verlassen – ein Argument, das rein cloudbasierte Werkzeuge so nicht bieten.

Analyse ohne Datenabfluss
Automatisierung vorbereiten

Bevor RPA- oder Workflow-Projekte gestartet werden, liefert Apromore die datenbasierte Grundlage: Welche Schritte lohnen sich, wo ist der manuelle Aufwand hoch, wo sind die Regeln stabil genug für einen Bot? So fließt das Budget in die wirksamsten Automatisierungsvorhaben.

Fundierte Roadmap
Kontrollierter Mining-Einstieg

Für Unternehmen, die Process Mining erst kennenlernen wollen, ermöglicht die freie Community-Edition einen risikoarmen Einstieg. Der Nutzen wird an einem realen Fall bewiesen, bevor über einen Lizenzvertrag entschieden wird – ideal für den vorsichtigen Mittelstand.

Erst beweisen, dann investieren

Warum der Mittelstand von einem souveränen Einstieg profitiert

Anders als bei den großen kommerziellen Plattformen, deren Einstieg oft mit erheblichen Lizenzsummen und langfristigen Verträgen verbunden ist, erlaubt Apromore dem Mittelstand einen behutsamen, kontrollierten Weg. Viele mittelständische Unternehmen sind – zu Recht – vorsichtig, bevor sie sich auf eine teure, langfristige Plattformentscheidung festlegen. Die freie Community-Edition entkoppelt die Frage „Bringt uns Process Mining überhaupt etwas?“ von der Frage „Welchen Vertrag schließen wir ab?“. Man kann den Nutzen an einem realen eigenen Prozess belegen, das interne Verständnis aufbauen und erst dann über den produktiven Ausbau entscheiden. Dieser souveräne, schrittweise Ansatz passt gut zur Kultur vieler DACH-Mittelständler und senkt das Risiko einer teuren Fehlinvestition erheblich.

Der Unterschied zwischen Analyse und Wirkung

In unserer Beratungspraxis sehen wir einen wiederkehrenden Bruch: Prozesse werden aufwendig analysiert – und dann folgt keine Konsequenz. Der Wert des Process Mining entsteht erst, wenn aus den Erkenntnissen tatsächlich Maßnahmen werden: ein geänderter Freigabeweg, ein automatisierter Teilschritt, ein beseitigter Engpass. Deshalb empfehlen wir, jede Analyse mit einer konkreten Veränderungsabsicht zu verbinden. „Wir schauen uns mal unsere Prozesse an“ ist kein tragfähiges Ziel. „Wir analysieren den Beschaffungsprozess, um die drei größten Engpässe zu beseitigen und den Rechnungsdurchlauf messbar zu beschleunigen“ ist eines. Die Brücke von der sauberen Analyse zur gelebten Verbesserung ist der Punkt, an dem Process-Mining-Initiativen entweder Wert schaffen oder als beeindruckende Grafiken versanden.
INAGRO-Kerngebiet Prozessoptimierung

Für uns ist Apromore kein Selbstzweck, sondern ein Instrument der Prozessoptimierung. Der größte Mehrwert entsteht, wenn datenbasierte Analyse und konkrete Verbesserungsmaßnahmen zusammenkommen – mit Verantwortlichen und messbaren Zielen. Der quelloffene, souveräne Charakter von Apromore passt dabei besonders gut zu Mittelständlern, die Datenhoheit schätzen und den Nutzen erst beweisen wollen, bevor sie groß investieren. Genau diese Brücke von der sauberen Analyse zur gelebten Verbesserung ist erfahrungsgemäß der entscheidende Punkt.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit bei Apromore

Zwei Fragen entscheiden in der Praxis oft über die Machbarkeit: Was kostet Apromore realistisch, und wie steht es um Datenschutz und Datenhoheit? Beides hängt eng zusammen – denn Edition und Betriebsmodell beeinflussen sowohl die Gesamtkosten als auch die datenschutzrechtliche Bewertung. Und gerade beim Datenschutz spielt Apromore mit Open Source und Self-Hosting eine besondere Stärke aus.

Community-Edition
lizenzfrei · Open Source
Keine Lizenzkosten, eigener Betrieb
  • Die quelloffene Edition ist ohne Lizenzgebühr nutzbar. Kosten entstehen indirekt durch den eigenen Betrieb, die Datenanbindung und das benötigte Know-how. Ideal für Einstieg, Machbarkeitsnachweis und Szenarien mit eigener IT-Kompetenz.
Enterprise-Edition
auf Anfrage · nutzungsabhängig
Kein einheitlicher öffentlicher Listenpreis
  • Die kommerzielle Edition mit vollem Funktionsumfang, Support und gemanagten Betriebsoptionen wird individuell kalkuliert. Die Kosten hängen von Umfang, Nutzung und Betriebsmodell ab. Konkrete Preise beim Anbieter erfragen.
Einführung & Datenanbindung
Projektaufwand · einmalig
Datenextraktion, Event-Log-Aufbereitung, Analyse-Setup
  • Der oft unterschätzte Block: die Anbindung der Quellsysteme, die Aufbereitung sauberer Event Logs und das methodische Analyse-Setup. Erfordert Daten- und Fach-Know-how und macht einen erheblichen Teil der Anfangsinvestition aus – unabhängig von der Edition.
Betrieb
laufend · je Betriebsmodell
Cloud: geringerer Eigenaufwand · Self-Hosting: eigene IT
  • Im gemanagten Cloud-Betrieb übernimmt der Anbieter Wartung und Aktualisierung; beim Self-Hosting fallen dafür eigener Infrastruktur- und Betriebsaufwand an. Hinzu kommen in beiden Fällen die Pflege der Datenpipeline und internes Enablement.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer einfachen Pro-Nutzer-SaaS lässt sich Apromore nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Community-Edition ist lizenzfrei, verursacht aber Betriebs- und Know-how-Kosten. Die Enterprise-Edition wird individuell nach Umfang, Nutzung und Betriebsmodell kalkuliert. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping. Verlässlich lässt sich sagen: Der Einstieg über die freie Edition hält die anfängliche Lizenzhürde niedrig, während die eigentlichen Kosten in Datenanbindung, Betrieb und internem Enablement liegen. Diese Verschiebung – niedrige Lizenz, dafür Aufmerksamkeit für Betrieb und Daten – ist charakteristisch für den Open-Source-Ansatz und sollte in jeder ehrlichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung berücksichtigt werden.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Die Self-Hosting-Fähigkeit spricht für eine hervorragende Datenhoheit. Trotzdem sollten diese Punkte bei jeder Apromore-Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden – sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Betriebsmodell & Datenhoheit
Self-Hosting für maximale Kontrolle; bei gemanagter Cloud Serverstandort und EU-Region prüfen und vertraglich festhalten
Auftragsverarbeitungsvertrag
Beim Cloud-Betrieb AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen und die Subprozessoren-Liste prüfen
Datenminimierung im Mining
Nur die für die Analyse nötigen Felder in das Event Log übernehmen; auf entbehrliche Klarnamen verzichten
Pseudonymisierung
Bearbeiter-Kennungen in Event Logs pseudonymisieren, wo der Personenbezug nicht zwingend ist
Berechtigungs-Konzept
Zugriff auf Daten und Analysen rollenbasiert und nach Need-to-know vergeben
Betriebsrat & Mitbestimmung
Bei bearbeiterbezogenen Auswertungen im Mining frühzeitig einbinden

Open Source und Self-Hosting als Datenhoheits-Argument

Der stärkste Datenschutz-Trumpf von Apromore ist die Kombination aus Quelloffenheit und Self-Hosting-Fähigkeit. Wer die Plattform in der eigenen Infrastruktur oder der eigenen privaten Cloud betreibt, behält die volle Kontrolle über den Verarbeitungsort und die Daten – sensible Prozessdaten verlassen das eigene Haus nicht. Das ist ein außergewöhnlich starkes Argument für Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenhoheit, für Berufsgeheimnisträger, für kritische Infrastrukturen oder für besonders schutzwürdige Datenbestände. Hinzu kommt die Transparenz des offenen Quellcodes, die eine Nachvollziehbarkeit ermöglicht, die proprietäre Cloud-Lösungen so nicht bieten. Entscheidet man sich dagegen für den gemanagten Cloud-Betrieb, verschiebt sich die Betrachtung: Dann sind der Serverstandort, die Nutzung einer EU-Region und der Auftragsverarbeitungsvertrag die entscheidenden Stellschrauben, die vorab vertraglich und technisch geklärt werden sollten. Die Wahl des Betriebsmodells ist damit immer auch eine Datenschutzentscheidung – und bei Apromore existiert für maximale Souveränität eine klare Option.

Process Mining berührt reale Prozess- und Personendaten

Sobald Apromore für Process Mining eingesetzt wird, wertet es reale Betriebsdaten aus – und diese können personenbezogen sein. Event Logs beantworten oft die Frage „wer hat wann was getan“ und sind damit potenziell eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Beschäftigten. Das berührt nicht nur die DSGVO, sondern in Deutschland regelmäßig die betriebliche Mitbestimmung. Die Leitplanken sind Datensparsamkeit und Pseudonymisierung: Es sollten nur die für die jeweilige Analyse wirklich nötigen Felder extrahiert und Bearbeiter-Kennungen pseudonymisiert werden, wo der Personenbezug nicht zwingend erforderlich ist. Wer bearbeiterbezogene Auswertungen plant, sollte Datenschutzbeauftragten und Betriebsrat von Anfang an einbinden und transparent machen, dass das Ziel die Prozessverbesserung ist – nicht die Überwachung Einzelner. Das Self-Hosting erleichtert diese Governance zusätzlich, weil die Daten die kontrollierte eigene Umgebung nicht verlassen.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Cloud-Verarbeitung, Datenschutz-Folgenabschätzung und Mitbestimmung beim Process Mining – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

TCO-Denke: von der Lizenz zum Gesamtwert

Die richtige Frage lautet nicht „Was kostet die Lizenz?“, sondern „Welcher Nutzen steht welchen Gesamtkosten gegenüber?“. Total Cost of Ownership umfasst Lizenz (bei der Community-Edition null), Einführung, Datenanbindung, Betrieb und internes Enablement. Dem gegenüber steht der Wert: faktenbasierte Transparenz über die eigenen Prozesse, aufgedeckte Engpässe und Regelabweichungen, gesenkte Durchlaufzeiten, eine fundierte Automatisierungs-Roadmap und – über das Self-Hosting – volle Datenhoheit. Gerade weil der Lizenzeinstieg über die freie Edition niedrig ist, verschiebt sich die Aufmerksamkeit zu Recht auf die Frage, ob genügend internes Know-how und Betriebskapazität vorhanden sind, um den Wert tatsächlich zu heben. Bleibt der erwartete Nutzen vage oder fehlt die Kapazität für Betrieb und Analyse, ist das ein Warnsignal – dann braucht es entweder einen klareren Anwendungsfall oder einen Partner, der die fehlenden Fähigkeiten beisteuert.
Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Apromore

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Apromore?
Apromore ist eine quelloffene Process-Mining-Plattform, die aus internationaler Hochschulforschung hervorgegangen ist. Sie analysiert Geschäftsprozesse datenbasiert, indem sie aus den Ereignisprotokollen (Event Logs) der operativen IT-Systeme den tatsächlichen Prozessablauf rekonstruiert. Der Funktionsumfang reicht von der automatischen Prozess-Rekonstruktion (Discovery) über den Abgleich mit dem Sollprozess (Conformance) und die Varianten- und Performance-Analyse bis zur prädiktiven Prozessüberwachung. Apromore existiert als freie Community-Edition und als kommerzielle Enterprise-Edition.
Ist Apromore wirklich Open Source und kostenlos?
Apromore hat einen quelloffenen Kern, und die Community-Edition ist ohne Lizenzgebühr nutzbar. „Kostenlos“ ist aber irreführend: Betrieb, Datenanbindung, Wartung und vor allem das interne Know-how für sinnvolle Analysen erfordern Ressourcen. Der eigentliche Wert von Open Source liegt weniger in der Ersparnis als in der Freiheit – Nachvollziehbarkeit des Codes, Self-Hosting und Unabhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Die kommerzielle Enterprise-Edition mit vollem Funktionsumfang und Support ist kostenpflichtig und wird individuell kalkuliert.
Was ist der Unterschied zwischen Apromore und Celonis?
Beide sind spezialisierte Process-Mining-Plattformen mit hoher Analyse-Tiefe, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Apromore ist quelloffen, self-hostbar und erlaubt einen kontrollierten, kostengünstigen Einstieg mit maximaler Datenhoheit. Celonis ist eine große, proprietäre, überwiegend cloudbasierte Plattform mit sehr breitem Ökosystem, starker SAP-Nähe und ausgeprägter Vertriebs- und Erfolgsteam-Begleitung, aber typischerweise höherer Einstiegshürde. Vereinfacht: Apromore für Souveränität und kontrollierten Einstieg, Celonis für maximale Marktbreite und gemanagtes Ökosystem. Die Wahl folgt Anforderung und IT-Strategie.
Was bedeuten Discovery, Conformance und Predictive?
Das sind die Kernfähigkeiten des Process Mining. Discovery rekonstruiert aus den Daten automatisch das reale Prozessmodell. Conformance Checking vergleicht diesen Ist-Ablauf mit einem definierten Sollprozess und deckt Abweichungen und Regelverstöße auf. Predictive Monitoring nutzt historische Muster, um Prognosen für laufende Fälle zu treffen – etwa zu erwarteten Durchlaufzeiten oder Terminrisiken. Apromore deckt alle drei ab; prädiktive Funktionen sind in der Enterprise-Edition verortet, der genaue Umfang ist beim Anbieter zu prüfen.
Kann Apromore selbst gehostet werden?
Ja, und das ist eines der zentralen Argumente. Apromore lässt sich vollständig in der eigenen Infrastruktur oder der eigenen privaten Cloud betreiben, häufig containerbasiert. Damit behält das Unternehmen die volle Kontrolle über Verarbeitungsort und Daten – sensible Prozessdaten verlassen das eigene Haus nicht. Alternativ steht ein vom Anbieter gemanagter Cloud-Betrieb zur Verfügung, der den eigenen Aufwand reduziert. Die Wahl ist zugleich eine Datenschutzentscheidung und sollte entlang von Datenschutzanforderungen, IT-Strategie und vorhandenen Kapazitäten getroffen werden.
Ist Apromore DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Konfiguration – und die Self-Hosting-Option ist dabei ein klarer Vorteil, weil die Daten die kontrollierte eigene Umgebung nicht verlassen müssen. Beim gemanagten Cloud-Betrieb sind Serverstandort, EU-Region und ein Auftragsverarbeitungsvertrag zu klären. Weil Event Logs Personenbezug enthalten können, sind Datenminimierung, Pseudonymisierung, ein Berechtigungskonzept und die frühzeitige Einbindung von Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat wichtig. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Welche Daten braucht Apromore für eine Analyse?
Im Kern braucht Apromore ein Event Log mit drei Bausteinen: einer eindeutigen Vorgangs-Kennung (welcher Fall?), einer Aktivitätsbezeichnung (welcher Schritt?) und einem Zeitstempel (wann?). Diese Daten stammen typischerweise aus ERP-, CRM- und Fachsystemen und werden in Formaten wie XES oder CSV importiert. Der aufwendigste und wichtigste Schritt ist meist die Aufbereitung sauberer, vollständiger Event Logs – die Datenqualität entscheidet über die Aussagekraft der gesamten Analyse.
Für welche Unternehmen eignet sich Apromore?
Besonders für Organisationen, die datengetriebenes Process Mining mit hoher Datenhoheit und Herstellerunabhängigkeit einführen wollen, die einen kontrollierten, kostengünstigen Einstieg über die freie Edition schätzen und die über eigenes IT-Know-how verfügen oder einen Partner dafür haben. Weniger geeignet ist Apromore, wenn ein Unternehmen ausschließlich ein vollständig gemanagtes Rundum-Paket mit großem Vertriebs-Ökosystem wünscht, keinerlei technische Ressourcen einbringen kann oder wenn der eigentliche Bedarf in dauerhafter Prozessmodellierung und Governance statt in Datenanalyse liegt.
Wie unterstützt INAGRO bei Apromore?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich Apromore für Ihr Unternehmen rechnet, über die Wahl von Edition und Betriebsmodell, die Datenanbindung und die Event-Log-Aufbereitung bis zum Machbarkeitsnachweis mit der Community-Edition und zum produktiven Ausbau. Wo Celonis, SAP Signavio, ARIS oder ein anderes Werkzeug besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

Prozesse souverän analysieren

Brauchen Sie eine ehrliche Apromore-Strategie?

Von der Editions- und Betriebswahl über die Datenanbindung und Event-Log-Aufbereitung bis zum belegten Nutzen – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich Apromore für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, souverän und mit messbarem Ergebnis.

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