Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Pega Platform — Enterprise-Low-Code für Prozesse, Fälle und Entscheidungen.

Pega ist eine der etabliertesten Enterprise-Plattformen für Business Process Management, Case Management, KI-gestütztes Decisioning und Automatisierung. Der US-Anbieter Pegasystems verbindet visuelle Low-Code-Modellierung mit tiefer Prozess-Orchestrierung, sodass komplexe, langlaufende Geschäftsvorfälle über Abteilungs- und Systemgrenzen hinweg gesteuert werden können. Diese Praxiseinordnung zeigt, was Pega leistet, wie es sich von Appian, UiPath und der Microsoft Power Platform unterscheidet und wann sich die Plattform für den DACH-Mittelstand wirklich lohnt.

23 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Pega Platform
Pegasystems Inc. · Cambridge, USA
Anbieter
Pegasystems (gegr. 1983)
Typ
Low-Code BPM & Case Management
Kernfunktionen
Workflow · Cases · Decisioning · RPA
Hauptsitz
Cambridge, Massachusetts
Betrieb
Pega Cloud & Client-managed
Hauptwettbewerb
Appian · Microsoft · UiPath
INAGRO Eignung komplexe Fall- & Prozessautomatisierung
Kapitel 01 · Was ist Pega

Was ist Pega – und für wen lohnt es sich?

Pega – korrekt die Pega Platform des US-Anbieters Pegasystems – ist eine der langlebigsten und ausgereiftesten Enterprise-Plattformen für die Automatisierung und Orchestrierung von Geschäftsprozessen. Sie verbindet vier Welten, die andernorts oft getrennt gekauft werden: Business Process Management (BPM), Case Management, KI-gestütztes Decisioning und Robotic Process Automation (RPA). Wer komplexe, langlaufende und regelgetriebene Vorgänge über Abteilungs- und Systemgrenzen hinweg steuern muss, findet in Pega eine der mächtigsten verfügbaren Antworten.

Der Grundgedanke von Pega ist die modellgetriebene Entwicklung: Statt Anwendungen Zeile für Zeile zu programmieren, werden Prozesse, Regeln, Datenmodelle und Oberflächen visuell in einem Studio zusammengesetzt. Aus diesen Modellen erzeugt die Plattform die lauffähige Anwendung. Pega hat diesen Ansatz früh unter dem Schlagwort „build for change“ geprägt – die Idee, dass sich fachliche Anforderungen laufend ändern und eine Anwendung deshalb an der Regel- und Prozessebene änderbar bleiben muss, nicht im tief vergrabenen Quellcode. Für den DACH-Mittelstand, der oft mit gewachsenen, schwer wartbaren Individuallösungen kämpft, ist genau dieser Aspekt relevant.
Drei Eigenschaften definieren Pega und erklären seine Marktstellung:
  • Case Management als Herzstück – Pega denkt nicht in starren, linearen Workflows, sondern in Fällen (Cases). Ein Fall – etwa ein Kreditantrag, eine Schadenmeldung oder ein Onboarding – bündelt alle Daten, Dokumente, Aufgaben, Beteiligten und Entscheidungen eines Vorgangs und führt ihn dynamisch bis zum Abschluss. Das macht Pega besonders stark bei unstrukturierten, wissensintensiven Abläufen, die sich nicht in ein simples Flussdiagramm pressen lassen.
  • Decisioning und KI im Kern – über den Customer Decision Hub bringt Pega Echtzeit-Entscheidungslogik mit: welches Angebot, welche nächste beste Aktion, welche Priorisierung. Diese Verbindung aus Prozess und Entscheidung unterscheidet Pega von reinen Workflow-Werkzeugen.
  • Enterprise-Reife und Skalierung – Pega ist auf große, regulierte Organisationen ausgelegt: Banken, Versicherungen, Behörden, Telekommunikation. Governance, Mandantenfähigkeit, Auditierbarkeit und hohe Transaktionsvolumina gehören zum Kern. Diese Reife ist Stärke und Anspruch zugleich.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen mit komplexen, langlaufenden und regelgetriebenen Kernprozessen – Antragsstrecken, Schadenbearbeitung, Kundenservice, Onboarding – ist Pega häufig die technisch überlegene Wahl: Die Tiefe im Case Management, das integrierte Decisioning und die Skalierbarkeit sind am Markt kaum zu übertreffen. Die ehrliche Kehrseite: Pega ist eine Enterprise-Plattform mit entsprechender Komplexität und Kostenstruktur. Für einfache Formular-Workflows oder kleine Automatisierungen ist sie in der Regel überdimensioniert – hier sind leichtgewichtigere Werkzeuge wirtschaftlicher.

Herkunft: US-Anbieter mit langer BPM-Geschichte

Pegasystems wurde 1983 in den USA gegründet und gehört damit zu den ältesten kontinuierlich weiterentwickelten Anbietern im Prozess- und Regelmanagement. Der Hauptsitz liegt in Cambridge, Massachusetts. Diese lange Historie erklärt sowohl die Tiefe der Plattform als auch eine gewisse Schwere: Pega ist über Jahrzehnte in anspruchsvollen Branchen gereift. Für die Datenschutz-Bewertung im DACH-Raum ist die US-Herkunft ein eigenes Thema, das wir in Kapitel 09 ausführlich behandeln – von Serverstandort und EU-Region über den Auftragsverarbeitungsvertrag bis zur On-Prem-Option als datenhoheitsstärkere Alternative.

BPM, Case Management, Workflow – die Begriffe

Im Marktgespräch verschwimmen die Begriffe. Workflow beschreibt eine definierte Abfolge von Schritten. Business Process Management (BPM) ist die umfassendere Disziplin, Prozesse zu modellieren, auszuführen, zu überwachen und kontinuierlich zu verbessern. Case Management geht darüber hinaus: Es steuert Vorgänge, deren Verlauf nicht vollständig vorhersehbar ist und in denen menschliches Urteil, Dokumente und wechselnde Beteiligte eine Rolle spielen. Pega deckt alle drei Ebenen ab und legt mit dem Decisioning noch die Entscheidungslogik obendrauf. Wer diese Unterscheidung versteht, erkennt schnell, warum Pega mehr sein will als ein Automatisierungswerkzeug und sich von reinen RPA-Tools klar abgrenzt.
Kapitel 02 · Produktfamilie & Positionierung

Die Pega-Produktfamilie und ihre Positionierung

Pega wird nicht als einzelnes Produkt verkauft, sondern als Plattform mit mehreren Bausteinen, die aufeinander aufbauen. Um Angebote und Einordnungen richtig zu lesen, hilft ein Überblick über die zentralen Komponenten – bewusst qualitativ gehalten, weil konkrete Editions-Zuschnitte und Lizenzstufen beim Anbieter zu prüfen sind und sich ändern.

Die Pega Platform als Fundament

Im Zentrum steht die Pega Platform selbst – die Low-Code-Umgebung, auf der Anwendungen modelliert, ausgeführt und betrieben werden. Sie stellt die grundlegenden Bausteine bereit: Prozess- und Fallmodellierung, ein Regelwerk (Business Rules), das Datenmodell, die Oberflächen-Generierung sowie die Integrationsschicht. Alles Weitere – ob Kundenservice-Anwendung, Antragsstrecke oder Entscheidungslogik – wird auf diesem Fundament gebaut. Die Plattform ist bewusst so ausgelegt, dass Fachbereiche und IT gemeinsam an derselben Anwendung arbeiten: Fachanwender modellieren Prozesse und Regeln visuell, Entwickler ergänzen Integrationen und komplexe Logik.

Case Management als eigenständige Stärke

Das Case Management ist kein Zusatzmodul, sondern das prägende Paradigma der Plattform. Ein Case bündelt einen kompletten Geschäftsvorfall mit allen Daten, Aufgaben, Fristen, Beteiligten, Dokumenten und Entscheidungen. Anders als ein starrer Workflow kann ein Case dynamisch verzweigen, pausieren, auf externe Ereignisse warten und parallele Teilprozesse führen. Genau diese Flexibilität macht Pega stark bei Vorgängen wie Schadenbearbeitung, Kreditanträgen, Beschwerdemanagement oder komplexem Onboarding – überall dort, wo der Weg zum Ziel nicht vorab vollständig feststeht.

Der Customer Decision Hub

Der Customer Decision Hub ist Pegas Angebot für Echtzeit-Entscheidungen im Kundenkontext. Er berechnet die „nächste beste Aktion“ – also welches Angebot, welche Information oder welcher Serviceschritt für einen Kunden im jeweiligen Moment am sinnvollsten ist – und spielt sie kanalübergreifend aus. Für Branchen mit hohem Kundenkontakt und Personalisierungsbedarf, etwa Banken, Versicherungen und Telekommunikation, ist das ein zentrales Argument. Wichtig zur Einordnung: Der Decision Hub ist ein anspruchsvolles, eigenständiges Einsatzfeld und nicht jeder Pega-Kunde nutzt ihn – viele setzen zunächst auf das Prozess- und Case-Management.
Pega Platform
Fundament

Die Low-Code-Umgebung für Prozess- und Fallmodellierung, Business Rules, Datenmodell, Oberflächen und Integration. Basis für alle Anwendungen – von der Antragsstrecke bis zur Serviceabwicklung.

PrinzipModellgetrieben / Low-Code
ZielgruppeFachbereich & IT gemeinsam
EignungKomplexe Kernprozesse
Case Management
Paradigma

Steuert langlaufende, nicht vollständig vorhersehbare Vorgänge: bündelt Daten, Aufgaben, Fristen, Dokumente und Beteiligte in einem Fall und führt ihn dynamisch zum Abschluss.

StärkeUnstrukturierte Vorgänge
TypischAntrag, Schaden, Onboarding
MerkmalDynamisch statt starr
Customer Decision Hub
Decisioning

Echtzeit-Entscheidungslogik für die „nächste beste Aktion“ im Kundenkontakt, kanalübergreifend ausgespielt. Anspruchsvolles, eigenständiges Einsatzfeld für Personalisierung.

FokusNext Best Action
KanäleÜbergreifend / Echtzeit
BranchenBank, Versicherung, Telko
Automatisierung & RPA
Automatisierung

Ergänzt die Prozessorchestrierung um attended und unattended Bots für Altsysteme ohne API sowie um intelligente Automatisierung – als Teil einer breiteren Hyperautomatisierungs-Strategie.

RolleLückenschluss zu Altsystemen
EinbettungIn Prozesse orchestriert
HinweisKein RPA-Spezialist wie UiPath

Betriebsmodelle: Pega Cloud und Client-managed

Pega lässt sich in zwei grundsätzlichen Modellen betreiben. In der Pega Cloud übernimmt der Anbieter Betrieb, Wartung und Skalierung als verwalteten Dienst. Alternativ kann die Plattform client-managed betrieben werden – in der eigenen Infrastruktur, in einer selbst verwalteten Cloud oder On-Premises. Dieses zweite Modell ist für den DACH-Raum wichtig, weil es maximale Kontrolle über Datenstandort und Betrieb erlaubt und damit eine datenhoheitsstärkere Option darstellt (siehe Kapitel 09). Welche Cloud-Regionen, Service-Level und Betriebsvarianten konkret verfügbar sind, ist beim Anbieter zu prüfen und sollte Teil jeder Ausschreibung sein.
Warum die Zuschnitte qualitativ bleiben

Pega ändert Produktnamen, Editionsgrenzen und Lizenzmodelle regelmäßig. Wir verzichten deshalb bewusst auf vermeintlich exakte Feature-Listen oder Preisstufen und beschreiben die Bausteine funktional. Für eine belastbare Auswahl gilt: den konkreten Zuschnitt, die enthaltenen Module und die Betriebsoptionen direkt beim Anbieter oder über einen Partner verbindlich klären lassen.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang im Überblick

Pega bündelt Fähigkeiten, die andernorts über mehrere Werkzeuge verteilt sind: Prozess- und Workflow-Automatisierung, Case Management, Low-Code-Entwicklung und RPA. Dieses Kapitel ordnet die zentralen Funktionsblöcke ein und zeigt, wie sie im Zusammenspiel den Anspruch einer durchgängigen Automatisierungsplattform begründen.

BPM und Workflow-Automatisierung

Das Herz der Plattform ist die Prozess-Orchestrierung. Geschäftsprozesse werden visuell modelliert – mit Schritten, Verzweigungen, Genehmigungen, Fristen, Eskalationen und Zuständigkeiten. Aus dem Modell erzeugt Pega die lauffähige Anwendung inklusive Aufgabenlisten, Oberflächen und Statusverfolgung. Ein zentrales Konzept ist das Business Rules Management: Geschäftsregeln – etwa Genehmigungsschwellen, Preislogik oder Risikoprüfungen – werden von der Prozesslogik getrennt und lassen sich ändern, ohne den ganzen Prozess neu zu bauen. Für regulierte Branchen, in denen sich Vorgaben laufend ändern, ist diese Trennung ein großer Vorteil.

Case Management für unstrukturierte Vorgänge

Wo klassische Workflows an ihre Grenzen stoßen, spielt Pega seine Stärke aus. Ein Case kann Teilprozesse parallel führen, auf externe Ereignisse warten, dynamisch neue Aufgaben erzeugen und wechselnde Beteiligte einbinden. Ein Kreditantrag etwa durchläuft Bonitätsprüfung, Dokumentenprüfung, gegebenenfalls Rückfragen an den Kunden, interne Freigaben und Auszahlung – nicht immer in derselben Reihenfolge und nicht immer vollständig. Genau solche Vorgänge modelliert Pega als Fall mit Lebenszyklus, statt sie in ein starres Ablaufdiagramm zu zwingen. Alle Informationen, jede Entscheidung und jeder Bearbeitungsschritt bleiben nachvollziehbar am Fall dokumentiert – ein wesentlicher Baustein für Auditierbarkeit und Compliance.

Low-Code-Entwicklung

Anwendungen werden in Pega überwiegend visuell zusammengesetzt: Prozesse, Datenobjekte, Oberflächen und Regeln entstehen in einem Studio, ohne dass jeder Baustein programmiert werden muss. Das senkt die Einstiegshürde und beschleunigt Änderungen – verändert aber nicht, dass Pega eine Enterprise-Plattform mit steiler Lernkurve bleibt. „Low-Code“ heißt bei Pega nicht „von jedem Sachbearbeiter nebenbei bedienbar“, sondern „modellgetrieben statt handcodiert“. Für anspruchsvolle Anwendungen braucht es weiterhin geschulte Entwickler und Architekten; die Zertifizierungswege von Pega sind ein Indiz für diese Tiefe. Realistisch betrachtet ist Pega Low-Code für Profis, nicht Citizen Development für Endanwender.
Praxis-Hinweis

Der häufigste Denkfehler bei Low-Code-Enterprise-Plattformen: Man erwartet, dass Fachbereiche ohne IT komplette Anwendungen bauen. In der Praxis entsteht der Wert im Zusammenspiel – Fachbereiche modellieren Prozesse und Regeln, ein geschultes Kern-Team verantwortet Architektur, Integration und Governance. Wer diese Rollen von Anfang an klärt, vermeidet die typische Enttäuschung „das sollte doch einfach sein“.

RPA und intelligente Automatisierung

Pega bringt eigene RPA-Fähigkeiten mit – attended und unattended Bots, die dort einspringen, wo Systeme keine API bieten und Daten nur über die Oberfläche zugänglich sind. In der Pega-Philosophie ist RPA aber kein Selbstzweck, sondern ein Lückenschluss innerhalb der Prozessorchestrierung: Der Prozess bleibt der Dirigent, Bots übernehmen einzelne Handgriffe an Altsystemen. Das ist ein bewusst anderer Ansatz als bei RPA-Spezialisten wie UiPath, bei denen der Bot im Mittelpunkt steht. Ergänzt wird das um intelligente Automatisierung: Dokumentenverarbeitung, E-Mail-Analyse und KI-gestützte Klassifikation, die eingehende Vorgänge automatisch einordnen und den passenden Prozess anstoßen.

Das Zusammenspiel begründet den Plattform-Anspruch

Die Stärke von Pega liegt nicht in einer einzelnen Funktion, sondern in der Durchgängigkeit. Ein eingehender Vorgang wird per KI klassifiziert, als Case angelegt, über einen orchestrierten Prozess geführt, an den relevanten Stellen durch Decisioning-Logik unterstützt und – wo nötig – durch Bots mit Altsystemen verbunden. Diese Kette von der Erfassung bis zum Abschluss, gebaut auf einer gemeinsamen Modell- und Regelbasis, ist der eigentliche Unterschied zu einer Sammlung einzelner Werkzeuge. Genau darin liegt aber auch die Komplexität: Man kauft keine App, sondern eine Plattform, die konzipiert und betrieben werden will.
Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI-gestützte Entscheidungen und Automatisierung

Pega positioniert sich seit Jahren als KI-getriebene Plattform – lange bevor generative KI zum Marktthema wurde. Der Kern ist das Decisioning: die Fähigkeit, in Echtzeit die passende Entscheidung zu treffen. Dazu kommt generative KI, die Modellierung und Bearbeitung unterstützt. Dieses Kapitel ordnet ein, was davon Substanz hat und worauf im DACH-Kontext zu achten ist.

Decisioning: die nächste beste Aktion

Das prägende KI-Konzept von Pega ist die „Next Best Action“. Statt Kunden nach festen Kampagnenregeln anzusprechen, berechnet der Customer Decision Hub in Echtzeit, welche Aktion für einen konkreten Kunden im jeweiligen Moment am sinnvollsten ist – ein Angebot, ein Serviceschritt, eine Information oder auch bewusst gar nichts. Dahinter stehen Vorhersagemodelle, Geschäftsregeln und Priorisierungslogik, die kanalübergreifend zusammenwirken. Für Unternehmen mit hohem Kundenkontakt ist das ein starkes Werkzeug zur Personalisierung – aber auch ein anspruchsvolles: Es setzt saubere Daten, klare Zielgrößen und eine durchdachte Governance voraus, damit die automatisierten Entscheidungen nachvollziehbar und fair bleiben.

Prädiktive und adaptive Modelle

Pega kombiniert klassische prädiktive Analytik mit adaptiven Modellen, die aus dem laufenden Feedback lernen – etwa, ob ein Angebot angenommen wurde. Diese Selbstoptimierung ist ein Kennzeichen des Decision Hub. Für den DACH-Raum ist dabei ein Aspekt besonders wichtig: die Erklärbarkeit automatisierter Entscheidungen. Pega legt seit Langem Wert darauf, dass Entscheidungen transparent und dokumentierbar sind – relevant sowohl für die Aufsicht in regulierten Branchen als auch für die Anforderungen an nachvollziehbare KI. Wo automatisierte Entscheidungen Personen betreffen, sind zusätzlich die datenschutzrechtlichen Vorgaben zu beachten (Kapitel 09).
Next Best Action

Echtzeit-Entscheidung, welche Aktion für einen Kunden im Moment am sinnvollsten ist – kanalübergreifend und lernend. Kern des Customer Decision Hub, stark in Bank, Versicherung und Telko.

Personalisierung in Echtzeit
Intelligente Dokumentenverarbeitung

Eingehende Dokumente und E-Mails werden per KI klassifiziert, relevante Daten extrahiert und der passende Prozess angestoßen. Reduziert manuelle Erfassung an der Prozessgrenze.

Erfassung automatisieren
Adaptive Optimierung

Modelle lernen aus dem laufenden Feedback und passen Entscheidungen an – ohne dass jede Regel manuell nachgezogen werden muss. Selbstoptimierung mit dokumentierter Nachvollziehbarkeit.

Lernender Regelkreis
Erklärbare Entscheidungen

Automatisierte Entscheidungen bleiben transparent und dokumentierbar – wichtig für Aufsicht, interne Kontrolle und die Anforderungen an nachvollziehbare KI in regulierten Branchen.

Transparenz & Compliance

Generative KI in der Plattform

Wie der gesamte Markt hat Pega generative KI in die Plattform integriert – gebündelt unter einer eigenen Marke für KI-Assistenz. Der Nutzen liegt in zwei Richtungen: Zum einen unterstützt generative KI die Entwicklung, etwa indem sie beim Modellieren von Prozessen, beim Erstellen von Oberflächen oder beim Formulieren von Regeln assistiert. Zum anderen unterstützt sie die Bearbeitung, etwa durch das Zusammenfassen von Fällen, das Vorformulieren von Antworten oder das Aufbereiten von Informationen für Sachbearbeiter. Realistisch einzuordnen ist das als produktivitätssteigernde Assistenz, nicht als Wundermittel: Der Wert hängt stark von der Datenqualität und der konkreten Ausgestaltung ab, und beim Einsatz mit personenbezogenen oder sensiblen Daten sind Verarbeitungsort und Governance der KI-Funktionen gesondert zu prüfen.
KI mit Augenmaß

Gerade bei generativer KI gilt für den DACH-Mittelstand: erst die Frage nach Datenverarbeitung, Serverstandort und Zweckbindung klären, dann den Nutzen bewerten. Wo KI-Funktionen personenbezogene Daten verarbeiten oder auf externe Modelle zugreifen, gehören Transparenz, Berechtigungen und Datensparsamkeit an den Anfang – nicht als nachträglicher Haken auf einer Liste.

KI ersetzt keine Prozessklarheit

So mächtig das Decisioning ist – aus unserer Projekterfahrung gilt: KI verstärkt einen gut durchdachten Prozess, aber sie repariert keinen schlechten. Wenn die zugrunde liegenden Daten unsauber sind, die Zielgrößen unklar oder die Prozesse widersprüchlich, liefert auch das beste Modell fragwürdige Entscheidungen – nur schneller und in größerem Maßstab. Der KI-Nutzen von Pega entfaltet sich deshalb erst dann, wenn die Prozess- und Datengrundlage stimmt. Das ist keine Schwäche der Plattform, sondern eine Frage der Reihenfolge: erst Prozess und Daten ordnen, dann automatisiert entscheiden lassen.
Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das Pega-Ökosystem

Eine Prozessplattform ist nur so stark wie ihre Anbindung an die umgebende Systemlandschaft. Pega ist von Grund auf als Orchestrierungsschicht konzipiert, die über, nicht anstelle bestehender Systeme arbeitet. Dieses Kapitel ordnet Konnektoren, APIs und die Anbindung an Enterprise-Systeme qualitativ ein.

APIs und Konnektoren als Fundament

Pega bindet Umsysteme über Standard-Schnittstellen an: REST- und SOAP-Services, Datenbank-Konnektoren, Messaging und dateibasierte Integration. Nach außen stellt die Plattform selbst Services bereit, sodass Pega-Anwendungen auch aus anderen Systemen heraus angesprochen werden können. Für den typischen DACH-Mittelstand mit gewachsener Systemlandschaft ist das die entscheidende Eigenschaft: Pega ersetzt nicht das ERP, das CRM oder die Fachanwendung, sondern verbindet sie zu einem durchgängigen Prozess. Wo eine moderne API fehlt – etwa bei älteren Host- oder Nischenanwendungen – schließen die RPA-Fähigkeiten die Lücke, indem sie die Oberfläche automatisiert bedienen.

Anbindung an Enterprise-Systeme

In der Praxis wird Pega regelmäßig mit den zentralen Systemen der Unternehmens-IT verbunden: ERP-Systeme für Stamm- und Bewegungsdaten, CRM-Plattformen für die Kundensicht, Dokumentenmanagement, Identitäts- und Zugriffsverwaltung sowie Kommunikationskanäle. Der Aufwand dieser Integration wird häufig unterschätzt – er ist erfahrungsgemäß einer der größten Posten jedes Einführungsprojekts. Die gute Nachricht: Weil Pega die Prozesslogik von der Integrationsschicht trennt, lassen sich einmal gebaute Anbindungen über mehrere Anwendungen hinweg wiederverwenden. Das zahlt sich aus, sobald mehr als ein Prozess auf der Plattform läuft.
Integration ist der halbe Aufwand

In fast jedem Pega-Projekt gilt: Die Prozessmodellierung ist selten das Problem – die saubere, stabile Anbindung an die Bestandssysteme ist es. Wer den Integrationsaufwand früh und realistisch einschätzt und die Schnittstellen priorisiert, kommt schneller und sicherer zum ersten produktiven Prozess. Aus INAGRO-Sicht gehört diese Bestandsaufnahme an den Anfang jedes Projekts.

Partner, Marketplace und Zertifizierung

Rund um Pega hat sich über Jahrzehnte ein Ökosystem aus Implementierungspartnern gebildet – von großen Systemintegratoren bis zu spezialisierten Beratungen. Pega bietet zudem einen Marktplatz mit vorgefertigten Komponenten und branchenspezifischen Anwendungen sowie umfangreiche Schulungs- und Zertifizierungswege. Für den Mittelstand ist das relevant, weil Pega-Kompetenz selten intern vorhanden ist und der Aufbau eigener Zertifizierungen Zeit kostet. Die Verfügbarkeit qualifizierter Partner – und deren Erfahrung in der eigenen Branche – ist daher ein realer Auswahlfaktor, der über den Projekterfolg mitentscheidet.

Offenheit mit Bindung

Ein ehrlicher Punkt zur Einordnung: Pega ist über Standard-Schnittstellen offen anbindbar, erzeugt aber zugleich eine gewisse Plattform-Bindung. Anwendungen werden im Pega-Modell gebaut, Regeln in Pega gepflegt, Prozesse in Pega orchestriert – ein Wechsel des Anbieters bedeutet praktisch einen Neubau. Das ist kein Pega-spezifischer Nachteil, sondern gilt für Enterprise-BPM-Plattformen generell, sollte in der Auswahl aber bewusst bewertet werden. Die entscheidende Frage lautet nicht „binde ich mich?“, sondern „rechtfertigt der Nutzen die Bindung, und ist der Anbieter langfristig tragfähig?“. Pegas lange Historie spricht für Kontinuität, die Kostenstruktur will gegen den Nutzen abgewogen sein.
Kapitel 06 · Abgrenzung

Pega im Vergleich zum Wettbewerb

Pega steht nicht allein im Markt. Die wichtigsten Alternativen für den DACH-Mittelstand sind Appian als Low-Code-BPM-Wettbewerber, die Microsoft Power Platform als breit verfügbare Automatisierungsumgebung und UiPath als RPA-Spezialist. Diese Übersicht ordnet die Stärken ein – mit dem ehrlichen Fazit, wann Pega passt und wann nicht.

Kriterium Pega Appian Microsoft Power Platform UiPath
Grundausrichtung BPM, Case, Decisioning BPM & Low-Code Breite Low-Code-Suite RPA-Automatisierung
Case Management Marktführend Sehr stark Eingeschränkt Kein Fokus
Decisioning / KI im Kern Decision Hub Vorhanden Über KI-Dienste Auf RPA fokussiert
RPA-Tiefe Integriert, ergänzend Integriert Power Automate Spezialist
Low-Code-Zielgruppe Profis / IT Profis / IT Auch Fachanwender Entwickler
Enterprise-Skalierung Sehr hoch Hoch Governance-abhängig Hoch
DACH-/EU-Bezug US-Anbieter, EU-Region US-Anbieter, EU-Region US-Anbieter, EU-Region US/EU
Einstiegshürde Hoch Mittel–hoch Niedrig Mittel
Preissegment Oberes Enterprise Oberes Enterprise Niedrig–mittel Mittel

Pega gegen Appian

Appian ist der direkteste Wettbewerber, weil beide dasselbe Grundversprechen teilen: Low-Code-BPM mit starkem Case Management für Enterprise-Anwendungen. Die Unterschiede liegen im Detail. Pega gilt als der tiefere, aber auch schwerere Spezialist – besonders stark, wo Decisioning und komplexe, regelintensive Kernprozesse zusammenkommen. Appian wird häufig als etwas zugänglicher und schneller im ersten Anlauf wahrgenommen und punktet mit einer engen Verknüpfung von Prozess und Daten. Für den Mittelstand ist die ehrliche Einordnung: Beide sind Enterprise-Plattformen im oberen Segment; die Wahl entscheidet sich weniger an einzelnen Features als an vorhandenem Know-how, Branchenpassung und der konkreten Use-Case-Tiefe.

Pega gegen Microsoft Power Platform

Die Microsoft Power Platform – mit Power Automate, Power Apps und den KI-Diensten – spielt in einer anderen Liga der Einstiegshürde. Sie ist breit verfügbar, oft schon im Microsoft-Vertrag verankert und für Fachanwender vergleichsweise zugänglich. Für viele Mittelstands-Szenarien – Formular-Workflows, Genehmigungsstrecken, einfache Automatisierungen – ist sie die wirtschaftlichere und schnellere Wahl. Pega spielt seine Stärke erst dort aus, wo es um hochkomplexe, langlaufende, stark regulierte Kernprozesse mit anspruchsvollem Case Management und Decisioning geht. Vereinfacht: Power Platform ist die breite Basis für viele kleine bis mittlere Automatisierungen, Pega die Tiefbohrung für die geschäftskritischen Kernprozesse. Wer nur Ersteres braucht, sollte nicht Letzteres kaufen.

Pega gegen UiPath

UiPath ist kein direkter Konkurrent, sondern ein anderer Werkzeugtyp – der Vergleich lohnt trotzdem, weil beide unter dem Dach der Automatisierung genannt werden. UiPath ist der spezialisierte RPA-Marktführer: Bots, die repetitive Tätigkeiten an Oberflächen übernehmen. Pega orchestriert Prozesse und nutzt RPA nur als einen Baustein, um Altsysteme anzubinden. Die Frage ist also nicht „Pega oder UiPath“, sondern „brauche ich eine Prozessplattform mit ergänzendem RPA oder einen RPA-Spezialisten“. In einer reifen Hyperautomatisierungs-Strategie ergänzen sich beide Ansätze durchaus – die Prozessplattform dirigiert, der RPA-Spezialist liefert besonders robuste Bots, wo diese im Vordergrund stehen.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nach Fit, nicht nach Markenglanz. Pega ist die Referenz für komplexe, regelintensive Kernprozesse mit Case Management und Decisioning – aber die richtige Wahl folgt aus Use Case, vorhandenem Stack und Umsetzungskapazität. Für breite, einfache Automatisierung ist die Power Platform oft wirtschaftlicher, für reine Bot-Aufgaben ein RPA-Spezialist. Wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb strukturiert angehen

Eine Pega-Einführung ist kein Werkzeugkauf, sondern ein Plattform-Programm. Erfolg hängt weniger an der Technik als an Fokus, Governance und dem Aufbau eigener Kompetenz. Wer „nur die Plattform lizenziert“ und breit startet, riskiert ein teures Projekt ohne belegbaren Wert.

01
Use-Case-Auswahl mit klarem Wert
Einen komplexen, wertstarken Kernprozess wählen, bei dem Case Management oder Decisioning wirklich gebraucht werden – etwa eine Antragsstrecke oder Schadenbearbeitung. Ziel, Verantwortliche und Erfolgskriterien definieren. Einfache Formular-Workflows gehören nicht auf Pega.
02
Betriebsmodell & Datenschutz früh klären
Pega Cloud oder client-managed / On-Prem? EU-Region, Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag und Zugriff auf personenbezogene Daten gehören an den Anfang – nicht ans Ende. Das Betriebsmodell prägt Kosten, Governance und Datenhoheit gleichermaßen.
03
Integrationen aufnehmen
Welche Bestandssysteme müssen angebunden werden – ERP, CRM, Dokumentenmanagement, Identitätsverwaltung? Die Schnittstellen priorisieren und den Aufwand realistisch schätzen. Dieser Block wird regelmäßig unterschätzt und ist einer der größten Kostentreiber.
04
Pilot mit belegtem Nutzen
Den abgegrenzten Use Case produktiv bringen, den Nutzen messen und intern sichtbar machen. Der belegte Wert eines ersten Prozesses ist die Grundlage für jede weitere Investitionsentscheidung und für die Akzeptanz in der Organisation.
05
Center of Excellence & Governance
Ein kleines Kern-Team für Architektur, Standards, Wiederverwendung und Governance aufbauen, Fachbereiche schulen und die Zertifizierung eigener Leute vorantreiben. Erst mit dieser Struktur skaliert der Nutzen über den ersten Prozess hinaus verlässlich.

Die eigene Kompetenz ist der Engpass

Aus unserer Projekterfahrung ist der kritischste Faktor nicht die Lizenz und selten die Technik – es ist die Verfügbarkeit qualifizierter Pega-Kompetenz. Die Plattform hat eine steile Lernkurve, und zertifizierte Fachkräfte sind knapp und teuer. Mittelständler stehen deshalb früh vor der Entscheidung: eigene Leute ausbilden, einen Implementierungspartner binden oder beides kombinieren. Wir empfehlen in der Regel den Aufbau eines kleinen internen Kern-Teams parallel zur Partnerunterstützung – so bleibt das Wissen im Haus, und die Abhängigkeit vom externen Dienstleister sinkt über die Zeit. Wer allein auf externe Kapazität setzt, zahlt langfristig doppelt: in Tagessätzen und in verlorener Änderungsfähigkeit.

Betrieb: verwaltet oder in eigener Hand

Im laufenden Betrieb unterscheiden sich die Modelle deutlich. Die Pega Cloud nimmt dem Unternehmen Betrieb, Updates und Skalierung ab – bequem, aber mit weniger Kontrolle über Datenstandort und Update-Zeitpunkte. Das client-managed-Modell gibt maximale Kontrolle, verlangt aber eigene Betriebskompetenz für Infrastruktur, Updates und Sicherheit. Für regulierte Umgebungen oder besonders schutzwürdige Daten kann die Kontrolle den Mehraufwand rechtfertigen; für andere überwiegt die Bequemlichkeit des verwalteten Betriebs. Diese Entscheidung sollte bewusst und früh getroffen werden, weil sie die gesamte Kosten- und Governance-Struktur prägt.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem einzigen, wirklich komplexen Kernprozess starten, bei dem Case Management oder Decisioning den Unterschied machen. Betriebsmodell und Datenschutz vorab klären, Integrationen realistisch schätzen, den Nutzen am Piloten belegen und parallel eigene Kompetenz aufbauen. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko und schafft die Grundlage für eine fundierte Skalierungsentscheidung.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Pega im DACH-Mittelstand

Pega ist historisch eine Konzernplattform – Banken, Versicherungen, Behörden, Telekommunikation. Für den Mittelstand stellt sich deshalb die ehrliche Frage: Passt eine Enterprise-Plattform dieser Tiefe überhaupt, und wenn ja, wo? Eine nüchterne Einordnung aus der Beratungspraxis.

Stärken
  • komplexe, langlaufende Kernprozesse vorliegen
  • Case Management echten Mehrwert bringt
  • Decisioning und Personalisierung gefragt sind
  • regulatorische Anforderungen hoch sind
  • hohe Transaktionsvolumina zu bewältigen sind
  • Auditierbarkeit und Nachvollziehbarkeit zählen
  • eine strategische Prozessplattform gewollt ist
  • Budget und Umsetzungsreife vorhanden sind
Einschränkungen
  • nur einfache Formular-Workflows gebraucht werden
  • das Prozessvolumen gering ist
  • kein Budget im oberen Segment vorhanden ist
  • keine Pega-Kompetenz aufgebaut werden kann
  • schnelle Ergebnisse ohne Programm erwartet werden
  • die Systemlandschaft überschaubar ist
  • eine leichtgewichtige Suite ausreicht
  • Citizen Development das eigentliche Ziel ist

Tiefe gegen Aufwand abwägen

Die zentrale Spannung bei Pega im Mittelstand lautet: Tiefe versus Aufwand. Keine leichtgewichtige Suite geht im Case Management und Decisioning so weit wie Pega. Genau diese Tiefe bedeutet aber Kosten, Komplexität und den Zwang, eigene Kompetenz aufzubauen. Für den typischen mittelständischen Bedarf – Genehmigungen, Formulare, überschaubare Automatisierungen – ist Pega in der Regel überdimensioniert; hier sind die Power Platform oder andere leichtgewichtige Werkzeuge die wirtschaftlichere Antwort. Der Mittelständler, für den Pega passt, ist einer mit wenigen, aber geschäftskritischen und komplexen Kernprozessen, für die sich die Investition in Plattform und Kompetenz rechnet.

Der realistische Einstiegspunkt

Wenn Pega im Mittelstand eingesetzt wird, dann fast immer über einen einzelnen, klar umrissenen Kernprozess mit hohem Wert – nicht als flächendeckende Automatisierungsplattform von Tag eins an. Das kann eine Antragsstrecke im Kreditgeschäft sein, die Schadenbearbeitung eines Versicherers, ein komplexes Kunden-Onboarding oder ein regulierter Genehmigungsprozess. Der Wert entsteht, weil an genau dieser Stelle Case Management, Regelwerk und gegebenenfalls Decisioning zusammenwirken und ein spürbares Ergebnis liefern. Von diesem belegten Nutzen aus lässt sich die Plattform Schritt für Schritt auf weitere Prozesse ausweiten – oder eben bewusst nicht, wenn kein weiterer Prozess die Tiefe rechtfertigt.
Realistische Empfehlung

Pega ist im Mittelstand die richtige Wahl, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: wenige, aber komplexe und geschäftskritische Kernprozesse; Budget und Bereitschaft, eigene Kompetenz aufzubauen; und ein klarer Wertnachweis am ersten Use Case. Fehlt eine dieser Bedingungen, ist eine leichtgewichtigere Lösung fast immer die ehrlichere Antwort. Die Plattform-Wahl folgt dem Use Case – nicht dem Wunsch nach dem stärksten Werkzeug.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit

Pega liegt im oberen Enterprise-Preissegment, und als US-Anbieter verdient der Datenschutz besondere Aufmerksamkeit. Beide Themen entscheiden im DACH-Mittelstand oft über das Ja oder Nein – hier die wichtigsten Punkte für eine ehrliche Kalkulation und eine saubere, DSGVO-konforme Einführung.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Pega wird nicht über einen einfachen Pro-Nutzer-Preis verkauft, sondern über individuell verhandelte Enterprise-Verträge. Die Kosten hängen von Nutzung, Umfang, Betriebsmodell und den lizenzierten Fähigkeiten ab. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Verlässlich sagen lässt sich nur: Pega ist eine Investition im oberen Segment, und die Lizenz ist selten der größte Posten. Datenanbindung, Implementierung, der Aufbau eigener Kompetenz und der laufende Betrieb machen einen erheblichen – oft den größeren – Teil der Gesamtkosten aus. Konkrete Preise sind beim Anbieter oder über einen Partner nach einem Scoping verbindlich zu klären.
Plattform-Lizenzierung
auf Anfrage · nutzungs-/umfangsbasiert
Enterprise-Vertrag, kein öffentlicher Pro-Nutzer-Listenpreis
  • Die Lizenzierung orientiert sich an Umfang, Nutzung und lizenzierten Fähigkeiten. Konkrete Konditionen werden individuell verhandelt – seriöse Pauschalangaben sind ohne Scoping nicht möglich.
Implementierung & Integration
Projektaufwand · einmalig + laufend
Prozessdesign, Anbindung der Bestandssysteme
  • Der oft unterschätzte Block: Prozess- und Fallmodellierung, Anbindung von ERP, CRM und Fachsystemen, Test und Rollout. Erfordert qualifizierte, meist externe Kompetenz.
Kompetenz & Betrieb
laufend · Team & Wartung
Center of Excellence, Schulung, Wartung, Betrieb
  • Damit der Wert dauerhaft entsteht: eigenes Kern-Team, Zertifizierungen, Pflege der Anwendungen und – bei client-managed – Infrastruktur- und Update-Betrieb.
Betriebsmodell
variabel · Cloud oder On-Prem
Pega Cloud vs. client-managed / On-Prem
  • Das Betriebsmodell beeinflusst die Kostenstruktur erheblich – verwalteter Cloud-Dienst gegen mehr Kontrolle, aber mehr Eigenaufwand beim selbst betriebenen Modell.

TCO-Denke statt Lizenz-Fokus

Die richtige Frage lautet nicht „Was kostet die Lizenz?“, sondern „Welcher quantifizierte Nutzen steht welchen Gesamtkosten gegenüber?“. Total Cost of Ownership umfasst Lizenz, Implementierung, Integration, Kompetenzaufbau und Betrieb. Dem gegenüber steht der realisierte Nutzen: verkürzte Durchlaufzeiten, weniger manuelle Nacharbeit, bessere Entscheidungen, geringere Compliance-Risiken. Bei wenigen, aber geschäftskritischen und komplexen Kernprozessen rechtfertigt sich diese Investition regelmäßig – aber nur, wenn der Nutzen tatsächlich realisiert wird. Eine Plattform, die nach einem ambitionierten Start halbfertig liegen bleibt, erzeugt Kosten ohne Gegenwert. Deshalb unser wiederkehrender Rat: fokussiert mit einem Use Case beginnen und den Wert belegen, bevor in die Breite investiert wird.

DSGVO und US-Anbieter: die zentralen Fragen

Pega ist ein US-Unternehmen. Damit sind bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – und Prozessplattformen verarbeiten regelmäßig personenbezogene Daten – einige Punkte vorab zu klären. Erstens der Verarbeitungsort: Die Nutzung einer EU-Region ist die naheliegende Wahl und sollte vertraglich festgehalten werden. Zweitens der Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV / DPA) mit dem Anbieter, der Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung sowie die technisch-organisatorischen Maßnahmen regelt. Drittens die Frage nach Subprozessoren und etwaigen Drittlandtransfers in die USA, die im Einzelfall zu prüfen und mit geeigneten Garantien abzusichern sind. Für besonders schutzwürdige Umgebungen ist das client-managed- bzw. On-Prem-Modell die datenhoheitsstärkere Option, weil Verarbeitungsort und Kontrolle vollständig im eigenen Haus bleiben können.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Diese Punkte sollten bei jeder Pega-Einführung mit personenbezogenen Daten sauber aufgesetzt und dokumentiert werden – sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Verarbeitungsort & Region
EU-Region wählen und vertraglich festhalten; Drittland-Transfer in die USA prüfen und mit Garantien absichern
Auftragsverarbeitungsvertrag
AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, Subprozessoren-Liste prüfen und dokumentieren
Betriebsmodell & Datenhoheit
Client-managed / On-Prem als datenhoheitsstärkere Option für besonders schutzwürdige Daten erwägen
Datensparsamkeit
Nur die für den Prozess nötigen personenbezogenen Daten verarbeiten und speichern
Berechtigungs-Konzept
Zugriff auf Fälle und Daten rollenbasiert und nach Need-to-know vergeben und protokollieren
Automatisierte Entscheidungen
Bei Decisioning mit Personenbezug Transparenz, Nachvollziehbarkeit und rechtliche Zulässigkeit sicherstellen
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Drittlandtransfers in die USA, zur Datenschutz-Folgenabschätzung und zu automatisierten Einzelentscheidungen – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Pega

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Pega?
Pega – die Pega Platform des US-Anbieters Pegasystems – ist eine Enterprise-Low-Code-Plattform für Business Process Management, Case Management, KI-gestütztes Decisioning und Automatisierung. Sie verbindet visuelle, modellgetriebene Entwicklung mit tiefer Prozess-Orchestrierung und ist auf große, regulierte Organisationen ausgelegt. Ihr prägendes Konzept ist das Case Management: das Steuern komplexer, langlaufender Vorgänge, deren Verlauf nicht vollständig vorhersehbar ist.
Ist Pega eine RPA-Lösung?
Nur zum Teil. Pega bringt eigene RPA-Fähigkeiten mit, versteht sie aber als Baustein innerhalb der Prozessorchestrierung – Bots schließen Lücken zu Altsystemen ohne API. Anders als bei RPA-Spezialisten wie UiPath steht bei Pega nicht der Bot im Mittelpunkt, sondern der orchestrierte Prozess. Wer primär repetitive Oberflächen-Tätigkeiten automatisieren will, ist mit einem RPA-Spezialisten oft besser bedient; wer komplexe Prozesse steuern will, mit Pega.
Pega oder Appian – was ist die richtige Wahl?
Beide sind Enterprise-Low-Code-BPM-Plattformen im oberen Segment mit starkem Case Management. Pega gilt als der tiefere, aber schwerere Spezialist, besonders stark bei Decisioning und regelintensiven Kernprozessen. Appian wird oft als etwas zugänglicher wahrgenommen und punktet mit enger Verknüpfung von Prozess und Daten. Die Wahl entscheidet sich weniger an Features als an vorhandenem Know-how, Branchenpassung und Use-Case-Tiefe. Beide sollten gegen leichtgewichtigere Alternativen geprüft werden, wenn der Bedarf einfacher ist.
Ist Pega für den Mittelstand geeignet?
Bedingt. Pega ist historisch eine Konzernplattform und lohnt sich im Mittelstand nur bei wenigen, aber komplexen und geschäftskritischen Kernprozessen – etwa Antragsstrecken, Schadenbearbeitung oder komplexem Onboarding – bei denen Case Management und Decisioning echten Mehrwert bringen. Für einfache Formular-Workflows, Genehmigungen oder überschaubare Automatisierungen ist Pega überdimensioniert; hier sind die Microsoft Power Platform oder andere leichtgewichtige Werkzeuge wirtschaftlicher.
Was kostet Pega?
Pega liegt im oberen Enterprise-Preissegment und wird über individuell verhandelte Verträge lizenziert – einen einfachen Pro-Nutzer-Listenpreis gibt es nicht. Hinzu kommen Implementierung, Integration, Kompetenzaufbau und Betrieb, die einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Seriöse Pauschalpreise sind ohne Scoping nicht möglich; konkrete Konditionen sind beim Anbieter oder über einen Partner zu klären. Die Investition rechtfertigt sich bei wenigen, aber komplexen Kernprozessen mit belegtem Nutzen.
Ist Pega Low-Code – kann das jeder bedienen?
Pega ist modellgetriebenes Low-Code, aber kein Citizen Development für Endanwender. Anwendungen werden visuell zusammengesetzt statt handcodiert, doch die Plattform hat eine steile Lernkurve und erfordert geschulte Entwickler und Architekten. In der Praxis entsteht der Wert im Zusammenspiel: Fachbereiche modellieren Prozesse und Regeln, ein zertifiziertes Kern-Team verantwortet Architektur, Integration und Governance. „Low-Code“ heißt hier „für Profis produktiver“, nicht „von jedem nebenbei bedienbar“.
Ist Pega DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Konfiguration – wobei die US-Herkunft besondere Aufmerksamkeit verlangt. Wichtig sind die Wahl einer EU-Region, ein Auftragsverarbeitungsvertrag, die Prüfung von Subprozessoren und etwaigen Drittlandtransfers in die USA, ein rollenbasiertes Berechtigungskonzept, Datensparsamkeit und – bei automatisierten Entscheidungen mit Personenbezug – Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Für besonders schutzwürdige Daten ist der client-managed- bzw. On-Prem-Betrieb die datenhoheitsstärkere Option. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei Pega?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich Pega für Ihr Unternehmen überhaupt rechnet, über die Use-Case- und Wertziel-Definition, die Wahl des Betriebsmodells und das Datenschutz-Setup bis zum Pilot mit belegtem Nutzen und dem Aufbau eigener Kompetenz. Wo die Microsoft Power Platform, Appian oder ein RPA-Spezialist besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

Prozessautomatisierung strategisch einsetzen

Brauchen Sie eine ehrliche Pega-Strategie?

Von der Frage, ob Pega überhaupt passt, über die Use-Case-Auswahl, die Wahl des Betriebsmodells und das Datenschutz-Setup bis zum belegten Wertnachweis – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich Pega für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

Seit 2006 am Markt

Erfahrung aus über 100 Digitalprojekten

DSGVO & Souveränität

Datenschutz von Anfang an mitgedacht

Rückmeldung in 24 h

Schnell, direkt, unverbindlich