Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Blue Prism — die zentral gesteuerte Digital Workforce für Enterprise-RPA.

Blue Prism, heute Teil von SS&C Technologies, ist eine der prägenden Enterprise-Plattformen für Robotic Process Automation. Ihr Markenzeichen ist eine unbeaufsichtigt laufende, zentral gesteuerte „Digital Workforce“ aus Software-Robotern, die im Rechenzentrum oder in der Cloud arbeiten. Der Fokus liegt seit jeher auf Governance, Sicherheit und Skalierung — Eigenschaften, die Blue Prism vor allem in regulierten Branchen und großen Organisationen stark gemacht haben. Diese ehrliche Praxiseinordnung zeigt, wann sich der Ansatz für den DACH-Mittelstand lohnt und wann nicht.

23 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Blue Prism
SS&C Blue Prism · Teil von SS&C Technologies
Ursprung
2001, Großbritannien
Typ
Enterprise-RPA / Digital Workforce
Bot-Modell
Unattended, zentral gesteuert
Zugehörigkeit
Teil von SS&C Technologies
Betrieb
On-Premises & Cloud
Hauptwettbewerb
UiPath · Automation Anywhere · Microsoft
INAGRO Eignung regulierte, unattended Automatisierung
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Blue Prism – und für wen lohnt es sich?

Blue Prism ist eine Enterprise-Plattform für Robotic Process Automation (RPA) und gilt als einer der Mitbegründer dieser gesamten Werkzeugkategorie. Der Begriff „Robotic Process Automation“ selbst wurde maßgeblich im Umfeld von Blue Prism geprägt. Im Kern automatisiert die Plattform regelbasierte, wiederkehrende Bildschirmarbeit über Software-Roboter, die Anwendungen genauso bedienen wie ein Mensch – nur schneller, fehlerfrei und rund um die Uhr. Anders als leichtgewichtige Desktop-Werkzeuge ist Blue Prism von Grund auf für den zentral gesteuerten, unbeaufsichtigten Betrieb im Rechenzentrum großer Organisationen entworfen.

Der entscheidende Charakterzug von Blue Prism ist die Digital Workforce: eine Flotte von Software-Robotern, die nicht am Arbeitsplatz einzelner Mitarbeitender läuft, sondern auf dedizierten Maschinen im Rechenzentrum oder in der Cloud – zentral orchestriert, überwacht und abgesichert. Aus „Ein Mitarbeiter startet ein Skript auf seinem PC“ wird bei Blue Prism „Eine kontrollierte, skalierbare Roboter-Belegschaft erledigt definierte Prozesse unbeaufsichtigt, mit vollständiger Protokollierung und rollenbasierten Rechten“. Heute gehört Blue Prism zu SS&C Technologies, einem großen Anbieter von Software und Dienstleistungen für die Finanz- und Gesundheitsbranche.
Drei Eigenschaften definieren Blue Prism und erklären seine Marktstellung:
  • Unattended-first und zentral gesteuert – Blue Prism ist auf unbeaufsichtigte Automatisierung ausgelegt. Roboter laufen ohne menschliches Zutun auf Server-Infrastruktur und werden aus einer zentralen Steuerungsinstanz heraus geplant, gestartet und überwacht. Das unterscheidet die Plattform von Ansätzen, die primär den einzelnen Anwender am Desktop unterstützen.
  • Governance, Sicherheit und Auditierbarkeit im Fundament – rollenbasierte Rechte, verschlüsselte Zugangsdatenverwaltung und eine lückenlose Protokollierung jeder Roboter-Aktion sind keine Zusatzmodule, sondern Kernbestandteile. Genau das macht Blue Prism für regulierte Branchen wie Banken, Versicherungen und das Gesundheitswesen attraktiv.
  • Wiederverwendung statt Wegwerf-Skripte – Automatisierungen werden in Blue Prism aus wiederverwendbaren Bausteinen zusammengesetzt. Ein einmal gebauter Baustein für den Zugriff auf ein bestimmtes System lässt sich in vielen Prozessen erneut nutzen. Das erhöht anfangs den Aufwand, zahlt sich bei wachsender Automatisierungslandschaft aber durch Wartbarkeit und Konsistenz aus.
INAGRO-Einschätzung

Für Organisationen mit hohem Volumen an regelbasierten Backoffice-Prozessen, klaren Compliance-Anforderungen und dem Wunsch nach zentraler Kontrolle ist Blue Prism eine ausgereifte, belastbare Wahl. Die Stärken – Governance, Sicherheit, Skalierbarkeit – spielt die Plattform dort aus, wo unbeaufsichtigte Automatisierung im großen Maßstab betrieben wird. Die ehrliche Kehrseite: Blue Prism ist kein Werkzeug für schnelle Selbsthilfe im Fachbereich. Für kleine Automatisierungen, attended Szenarien am Arbeitsplatz oder erste Gehversuche sind leichtgewichtigere Alternativen oft schneller am Ziel. Die richtige Wahl folgt dem Anwendungsfall – nicht dem Markennamen.

Vom RPA-Pionier zum Teil von SS&C

Blue Prism entstand Anfang der 2000er-Jahre in Großbritannien und gehörte zu den ersten Anbietern, die Software-Roboter für den unbeaufsichtigten Unternehmenseinsatz konzipierten. Über viele Jahre war das Unternehmen börsennotiert und einer der drei großen Namen im RPA-Markt neben UiPath und Automation Anywhere. 2022 wurde Blue Prism von SS&C Technologies übernommen und firmiert seither als SS&C Blue Prism. Diese Zugehörigkeit ist für die Einordnung relevant: Sie bindet die Plattform an einen finanzstarken Konzern mit tiefer Verankerung in der Finanz- und Gesundheitsbranche, was die Enterprise-Ausrichtung eher verstärkt als abschwächt.

RPA, Digital Workforce, intelligente Automatisierung – die Begriffe

Im Marktgespräch verschwimmen die Begriffe. RPA bezeichnet die regelbasierte Automatisierung von Bildschirmarbeit über Software-Roboter. Die Digital Workforce ist Blue Prisms Bild für die Gesamtheit dieser Roboter als eine steuerbare, digitale Belegschaft. Intelligente Automatisierung beschreibt die Erweiterung klassischer RPA um KI-Fähigkeiten wie Dokumentenverständnis oder Entscheidungsunterstützung. Wer diese Ebenen auseinanderhält, versteht schneller, warum Blue Prism nicht als Desktop-Makro, sondern als unternehmensweite Automatisierungsplattform verstanden werden will – und warum das Anforderungen an Betrieb und Governance stellt, die über ein einzelnes Werkzeug hinausgehen.
Kapitel 02 · Editionen & Positionierung

Produktfamilie und Bereitstellungsmodelle

Blue Prism ist keine einzelne Anwendung, sondern eine Produktfamilie rund um die zentral gesteuerte Digital Workforce. Für die Einordnung im Mittelstand zählt vor allem, wie die Plattform betrieben werden kann – im eigenen Rechenzentrum, aus der Cloud oder als betreuter Service – und wie sie sich gegenüber leichteren RPA-Werkzeugen positioniert.

On-Premises: die klassische Stärke

Traditionell wird Blue Prism im eigenen Rechenzentrum betrieben. Die Roboter, die zentrale Steuerung und die Datenbank laufen auf der Infrastruktur des Unternehmens. Dieses Modell ist der historische Kern der Plattform und einer der Gründe für ihre Beliebtheit in stark regulierten Branchen: Die Organisation behält die volle Kontrolle über Standort, Betrieb und Zugriff auf die verarbeiteten Daten. Wer aus regulatorischen Gründen oder wegen sensibler Datenbestände maximale Datenhoheit benötigt, findet im On-Premises-Betrieb ein Modell, das genau diese Anforderung bedient – zum Preis eigener Verantwortung für Betrieb, Wartung und Sicherheit der Infrastruktur.

Cloud und betreuter Betrieb

Neben dem klassischen Eigenbetrieb bietet Blue Prism Cloud-Bereitstellungen an, bei denen die Plattform als gehosteter oder verwalteter Dienst genutzt wird. Der Vorteil liegt im geringeren Infrastruktur-Aufwand und in der schnelleren Bereitstellung; die Kehrseite ist, dass Verarbeitungsort, Datentransfer und beteiligte Dienstleister sorgfältig geprüft werden müssen (siehe Kapitel 09). Für den Mittelstand ist die Cloud-Variante oft der pragmatischere Einstieg, weil sie den Aufbau eigener Server-Landschaften erspart. Welche konkreten Editionen, Regionen und Betriebsmodelle jeweils verfügbar sind und wie sie lizenziert werden, ändert sich mit dem Portfolio und sollte stets aktuell beim Anbieter geprüft werden.
Betriebsmodell als Grundsatzentscheidung

Die Wahl zwischen On-Premises und Cloud ist bei Blue Prism keine reine IT-Frage, sondern eine Governance- und Datenschutz-Entscheidung. On-Premises maximiert Datenhoheit und Kontrolle, verlangt aber eigenes Betriebs-Know-how. Cloud senkt den Infrastrukturaufwand, verlagert dafür einen Teil der Verantwortung zum Anbieter. Aus INAGRO-Sicht sollte diese Weiche früh und bewusst gestellt werden – idealerweise gemeinsam von IT, Fachbereich und Datenschutz.

Positionierung: bewusst Enterprise, bewusst zentral

Blue Prism positioniert sich seit jeher am oberen, unternehmensweiten Ende des RPA-Marktes. Während andere Anbieter zusätzlich stark auf attended Automatisierung am Arbeitsplatz und niedrigschwellige Einstiegswege für Fachanwender setzen, bleibt Blue Prisms Schwerpunkt die zentral kontrollierte, unbeaufsichtigte Digital Workforce. Das ist eine bewusste Entscheidung mit klaren Konsequenzen: Die Plattform ist tendenziell weniger auf „jeder baut sich selbst schnell einen Bot“ ausgerichtet und stärker auf „eine kontrollierte Fabrik automatisierter Prozesse mit klaren Standards“. Für Organisationen, die Wildwuchs vermeiden und Automatisierung als geregelte Disziplin betreiben wollen, ist das ein Vorteil. Für Teams, die maximale Geschwindigkeit und Selbstbedienung suchen, kann es sich als Einschränkung anfühlen.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Der DACH-Mittelstand ist heterogen: Ein wachsendes Familienunternehmen mit tausend Beschäftigten und regulatorischen Anforderungen hat andere Bedürfnisse als ein schlanker Betrieb mit fünfzig Mitarbeitenden. Blue Prism entfaltet seinen Wert vor allem im oberen Mittelstand und bei Organisationen mit einer gewissen IT-Reife, die viele gleichartige, regelbasierte Vorgänge zu bewältigen haben und dabei Wert auf nachvollziehbare Kontrolle legen. Wer dagegen zunächst nur ein oder zwei Abläufe automatisieren möchte und keine dedizierte IT-Mannschaft hat, sollte ehrlich prüfen, ob die Enterprise-Ausrichtung nicht überdimensioniert ist – und ob ein leichtgewichtigeres Werkzeug schneller Wert liefert.
Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von Blue Prism

Blue Prism setzt sich aus wenigen, klar abgegrenzten Bausteinen zusammen: einer Entwicklungsumgebung, einer zentralen Steuerung, den ausführenden Robotern und einem Marktplatz für wiederverwendbare Komponenten. Dieses aufgeräumte Grundgerüst erklärt viel über die Philosophie der Plattform.

Design Studio
Entwicklung

Die visuelle Entwicklungsumgebung, in der Automatisierungen als Prozessdiagramme modelliert werden. Anstatt Code zu schreiben, setzen Entwickler Abläufe aus Bausteinen zusammen. Die Trennung zwischen Prozesslogik und den technischen Objekten für den Systemzugriff ist ein Kernprinzip.

BedienungVisuell, diagrammbasiert
PrinzipProzess- vs. Objektebene
ZielgruppeGeschulte Entwickler
ErgebnisWiederverwendbare Prozesse
Control Room
Steuerung

Die zentrale Leitstelle der Digital Workforce. Von hier werden Roboter geplant, gestartet, überwacht und protokolliert. Warteschlangen verteilen die Arbeit, Fehler werden sichtbar, und jede Aktion ist nachvollziehbar dokumentiert – das Herzstück der zentralen Governance.

FunktionOrchestrierung & Monitoring
SteuerungZeitpläne & Warteschlangen
KontrolleLückenlose Protokolle
NutzenZentrale Übersicht
Digital Workforce
Ausführung

Die ausführenden Software-Roboter, die auf Server-Infrastruktur unbeaufsichtigt arbeiten. Sie bedienen Anwendungen über deren Oberfläche oder Schnittstellen, arbeiten Warteschlangen ab und lassen sich je nach Last skalieren – die eigentliche Arbeitskraft der Plattform.

BetriebUnattended, serverseitig
ZugriffOberfläche & Schnittstellen
SkalierungRoboter je nach Last
EignungHohe Volumina
Digital Exchange
Wiederverwendung

Ein Marktplatz für vorgefertigte Komponenten, Konnektoren und KI-Fähigkeiten. Statt jede Integration neu zu bauen, greifen Teams auf bestehende Bausteine zurück – ein wichtiger Hebel für Wiederverwendung und schnellere Umsetzung neuer Automatisierungen.

InhaltKonnektoren & Bausteine
ZweckWiederverwendung
VorteilSchnellere Umsetzung
HinweisQualität je Baustein prüfen

Das Prinzip der Trennung von Prozess und Objekt

Ein Gestaltungsmerkmal hebt Blue Prism von vielen anderen Werkzeugen ab: die konsequente Trennung zwischen der Prozessebene (was fachlich in welcher Reihenfolge geschehen soll) und der Objektebene (wie technisch mit einer konkreten Anwendung interagiert wird). Ein Objekt kapselt den Zugriff auf ein bestimmtes System – etwa das Anmelden, das Auslesen eines Feldes, das Absenden eines Formulars. Prozesse nutzen diese Objekte, ohne die technischen Details zu kennen. Ändert sich eine Anwendung, muss nur das betroffene Objekt angepasst werden, nicht jeder einzelne Prozess. Diese Architektur erhöht anfangs den Aufwand, ist aber der Grund für die gute Wartbarkeit großer Automatisierungslandschaften – ein echter Vorteil, wenn Dutzende Prozesse dieselben Systeme nutzen.

Unattended Bots und Warteschlangen-Logik

Blue Prism ist auf den unbeaufsichtigten Betrieb ausgelegt. Roboter arbeiten typische Massenprozesse über Warteschlangen ab: Eingehende Vorgänge werden in eine Queue gestellt, die verfügbaren Roboter greifen sich die Elemente und arbeiten sie ab. Fällt ein Element durch einen Fehler auf, wird es markiert und kann automatisch oder manuell erneut versucht werden. Dieses Muster ist robust, transparent und gut skalierbar: Steigt das Volumen, lassen sich weitere Roboter hinzuschalten, ohne die Prozesslogik zu ändern. Für hochvolumige Backoffice-Prozesse – Rechnungsverarbeitung, Stammdatenpflege, Datenabgleiche – ist genau das der passende Mechanismus.
Praxis-Hinweis

Die Wiederverwendungs-Philosophie von Blue Prism ist Segen und Verpflichtung zugleich. Wer von Anfang an sauber in wiederverwendbaren Objekten denkt, baut eine wartbare Automatisierungslandschaft. Wer unter Zeitdruck „schnell durchprogrammiert“ und die Objektebene vernachlässigt, verschenkt genau den Vorteil, für den man Blue Prism gewählt hat. Aus unserer Erfahrung entscheidet die Disziplin im Aufbau der ersten Objekte über die Wartungskosten der nächsten Jahre.

Kapitel 04 · KI & intelligente Automatisierung

KI- und Automatisierungsfunktionen

Klassische RPA automatisiert nur, was klaren Regeln folgt. Sobald Dokumente gelesen, Texte verstanden oder Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden müssen, braucht es zusätzliche Intelligenz. Blue Prism erweitert die regelbasierte Automatisierung deshalb um KI-Fähigkeiten – als Brücke von der reinen Roboterarbeit zur intelligenten Automatisierung.

Dokumentenverständnis und unstrukturierte Daten

Ein großer Teil der Backoffice-Arbeit dreht sich um Dokumente: Rechnungen, Formulare, E-Mails, Bescheinigungen. Reine RPA scheitert, sobald diese Dokumente uneinheitlich aufgebaut sind. Über KI-gestützte Dokumentenverarbeitung – oft als „Intelligent Document Processing“ bezeichnet – lassen sich relevante Angaben aus solchen Dokumenten extrahieren und an die Roboter übergeben. Der Roboter übernimmt dann die strukturierte Weiterverarbeitung. So werden Prozesse automatisierbar, die zuvor an der Unstrukturiertheit der Eingangsdaten gescheitert sind. Wichtig bleibt eine realistische Erwartung: KI liefert Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten, weshalb Prüf- und Ausnahmepfade eingeplant werden müssen.

Entscheidungsunterstützung und Anbindung von KI-Diensten

Über den Digital Exchange und offene Schnittstellen lassen sich KI-Dienste anbinden – etwa für Klassifikation, Textanalyse, Vorhersagen oder generative Sprachmodelle. Der Roboter ruft den KI-Dienst auf, erhält ein Ergebnis und handelt danach. Damit verschiebt sich die Grenze des Automatisierbaren: Nicht nur streng regelbasierte, sondern auch teilweise urteilsabhängige Schritte lassen sich unterstützen. Entscheidend ist die Architektur dahinter – welcher KI-Dienst genutzt wird, wo er läuft und welche Daten ihm übergeben werden. Gerade beim Einsatz externer oder generativer KI sind Datenschutz und Datensparsamkeit von Anfang an mitzudenken.
KI ist kein Selbstläufer

Der Sprung von regelbasierter RPA zu intelligenter Automatisierung klingt verlockend, verlangt aber Sorgfalt. KI-Komponenten müssen trainiert oder konfiguriert, ihre Ergebnisse überwacht und Fehlentscheidungen abgefangen werden. Aus INAGRO-Sicht gilt: Erst den regelbasierten Kern sauber automatisieren, dann gezielt dort KI ergänzen, wo unstrukturierte Daten oder Urteilsschritte den Prozess bremsen – nicht umgekehrt.

Der Reifegrad-Pfad: von RPA zur Hyperautomatisierung

Blue Prism versteht sich zunehmend nicht nur als RPA-Werkzeug, sondern als Baustein einer breiteren, intelligenten Automatisierung. In der Praxis empfiehlt sich ein stufenweiser Reifegrad-Pfad. Zuerst werden klar regelbasierte, hochvolumige Prozesse unbeaufsichtigt automatisiert – hier liegt der schnellste, verlässlichste Wert. In der zweiten Stufe kommen KI-Fähigkeiten hinzu, um unstrukturierte Eingaben wie Dokumente oder E-Mails zu verarbeiten. In der dritten Stufe verbinden sich Automatisierung, KI und Prozessanalyse zu einem durchgehenden Ansatz, der oft als Hyperautomatisierung beschrieben wird. Dieser Pfad ist kein Muss, aber eine bewährte Ordnung: Wer die Stufen überspringt und sofort auf komplexe KI-Prozesse setzt, riskiert Komplexität ohne solide Grundlage. Wer sie einhält, baut auf jeder Stufe belastbaren Wert auf.

Grenzen realistisch benennen

So attraktiv intelligente Automatisierung ist – ihre Grenzen gehören ehrlich benannt. KI erhöht die Reichweite der Automatisierung, aber auch deren Fehleranfälligkeit und Erklärungsbedarf. Ein Roboter, der stur einer Regel folgt, ist vollständig nachvollziehbar; ein Roboter, der einer KI-Empfehlung folgt, braucht Kontrollmechanismen, Schwellenwerte und eine klare Zuständigkeit für Zweifelsfälle. Gerade in regulierten Umgebungen, für die Blue Prism traditionell stark ist, wiegt die Nachvollziehbarkeit schwer. Deshalb ist die richtige Frage nicht „Wie viel KI ist möglich?“, sondern „Wie viel KI ist an dieser Stelle verantwortbar und beherrschbar?“.
Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das Ökosystem

Ein RPA-Roboter ist nur so nützlich wie die Systeme, die er bedienen kann. Blue Prism setzt neben der Bedienung von Oberflächen auf ein Ökosystem aus Konnektoren, Schnittstellen und vorgefertigten Bausteinen, um sich in gewachsene Systemlandschaften einzufügen – ein für den DACH-Mittelstand besonders relevanter Punkt.

Oberflächen-Automatisierung

Blue Prism bedient Anwendungen über deren Bildschirmoberfläche – auch dann, wenn keine Schnittstelle existiert. Genau das macht die Automatisierung von Altsystemen möglich, für die es keine moderne API gibt. Ein zentraler Grund, warum RPA in gewachsenen Landschaften funktioniert.

Auch Altsysteme erreichbar
APIs und Schnittstellen

Wo moderne Schnittstellen vorhanden sind, nutzt Blue Prism diese direkt – das ist schneller und stabiler als die Bedienung über die Oberfläche. Die Kombination aus API-Zugriff und Oberflächen-Automatisierung erlaubt es, sowohl neue als auch alte Systeme in einem Prozess zu verbinden.

Stabiler als reine UI
Digital Exchange

Der Marktplatz stellt vorgefertigte Konnektoren und Komponenten bereit – etwa für gängige Geschäftssysteme, Cloud-Dienste oder KI-Fähigkeiten. Statt jede Anbindung selbst zu bauen, greifen Teams auf geprüfte Bausteine zurück und verkürzen die Umsetzung neuer Automatisierungen.

Wiederverwendbare Konnektoren
ERP- und Fachsystem-Anbindung

In DACH-typischen Landschaften mit ERP-Kern, Fachanwendungen und Office-Programmen verbindet Blue Prism die Systeme, zwischen denen sonst manuell übertragen wird. Medienbrüche werden geschlossen, ohne dass in die Bestandssysteme eingegriffen werden muss.

Medienbrüche schließen
KI-Dienste

Über Schnittstellen lassen sich KI-Fähigkeiten für Dokumentenverständnis, Klassifikation oder Sprache anbinden. So wächst der Kreis der automatisierbaren Prozesse über streng regelbasierte Abläufe hinaus – bei bewusster Steuerung der übergebenen Daten.

RPA plus KI verbinden
Prozessanalyse-Anbindung

Automatisierung wirkt am besten, wenn zuvor klar ist, welche Prozesse sich lohnen. Die Anbindung an Prozessanalyse- und Task-Mining-Werkzeuge hilft, die richtigen Kandidaten zu finden und den Nutzen der Digital Workforce messbar zu machen.

Automatisierung nach Wert

Warum das Ökosystem im Mittelstand zählt

Der DACH-Mittelstand lebt selten in einer sauberen, modernen Systemwelt. Typisch ist eine gewachsene Landschaft aus einem ERP-Kern, einer Handvoll Fachanwendungen, Office-Programmen und dem einen oder anderen betagten Altsystem, das „einfach läuft“ und niemand anfassen will. Genau hier spielt RPA seine Stärke aus: Der Roboter bedient diese Systeme so, wie ein Mensch es täte, und benötigt keinen Eingriff in die Bestandssoftware. Das senkt die Einstiegshürde erheblich, weil keine teuren Schnittstellenprojekte in Altsysteme nötig sind. Die Wiederverwendung über den Digital Exchange und die klare Objektarchitektur sorgen dafür, dass eine einmal gebaute Anbindung mehrfach genutzt werden kann.
Integrations-Faustregel

Wo eine stabile Schnittstelle existiert, sollte sie genutzt werden – sie ist zuverlässiger als die Bedienung über die Oberfläche, die auf Layout-Änderungen empfindlich reagiert. Oberflächen-Automatisierung ist die Brücke zu Altsystemen, nicht der bevorzugte Weg für moderne Systeme. Aus unserer Projekterfahrung lohnt es sich, diese Abwägung für jedes angebundene System bewusst zu treffen, statt reflexhaft alles über die Oberfläche zu steuern.

Kapitel 06 · Abgrenzung

Blue Prism im Vergleich zum Wettbewerb

Blue Prism ist einer der drei großen Namen im RPA-Markt, aber nicht der einzige. Wie grenzt sich die Plattform gegen UiPath, Automation Anywhere und Microsoft Power Automate ab? Diese Übersicht ordnet die Schwerpunkte ein – mit dem ehrlichen Fazit, wann welcher Ansatz passt. Sie ist qualitativ zu verstehen; Momentaufnahmen des Funktionsumfangs ändern sich schnell.

Kriterium Blue Prism UiPath Automation Anywhere Microsoft Power Automate
Grundausrichtung Unattended, zentral Attended & unattended Cloud-native RPA Teil der Power Platform
Governance & Sicherheit Sehr stark Stark Stark Über Microsoft-365-Rahmen
Einstiegshürde für Fachanwender Höher Mittel Mittel Niedrig
Attended / Desktop-Assistenz Nicht der Fokus Ausgeprägt Vorhanden Über Desktop-Flows
On-Premises-Betrieb Historische Stärke Möglich Cloud-Schwerpunkt Eingeschränkt
Wiederverwendung / Objektmodell Kernprinzip Stark Stark Eingeschränkt
Microsoft-365-Integration Über Konnektoren Über Konnektoren Über Konnektoren Nativ
Typisches Umfeld Reguliert / Enterprise Breit, Enterprise bis Team Cloud-orientiert, Enterprise Microsoft-zentriert, Einstieg

Wann Blue Prism die richtige Wahl ist

Aus unserer Beratungspraxis sind die Stärken klar umrissen. Erstens, wenn unbeaufsichtigte Automatisierung im großen Maßstab betrieben werden soll – eine zentral gesteuerte Digital Workforce, die hohe Volumina zuverlässig und nachvollziehbar abarbeitet. Zweitens, in regulierten Branchen mit hohen Anforderungen an Governance, Sicherheit und Auditierbarkeit, wo die lückenlose Protokollierung und das strenge Rechtekonzept zum Fundament gehören. Drittens, wenn der On-Premises-Betrieb aus Gründen der Datenhoheit gewünscht oder gefordert ist. In diesen Konstellationen spielt Blue Prism seine über zwei Jahrzehnte gereifte Enterprise-DNA aus.

Wann ein anderes Werkzeug besser passt

Ebenso ehrlich gehören die Gegenfälle benannt. Geht es primär um attended Automatisierung am Arbeitsplatz – Roboter, die einzelne Mitarbeitende bei ihrer Arbeit unterstützen – ist ein Werkzeug mit ausgeprägtem Desktop-Fokus wie UiPath oder Power Automate oft näher am Bedarf. Wer eine Microsoft-365-zentrierte Landschaft betreibt und niederschwellig einsteigen will, findet in Power Automate eine nativ integrierte, günstig einzustiegende Option. Und wer maximale Selbstbedienung für Fachanwender sucht, könnte die bewusst kontrollierte, entwicklerorientierte Ausrichtung von Blue Prism als Bremse empfinden. Die Kategorien verschwimmen allerdings: Alle großen Anbieter bewegen sich aufeinander zu, und die Frage „welches Tool“ wird zunehmend zur Frage „welche Gesamtarchitektur und welches Betriebsmodell“.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nicht nach Markenglanz, sondern nach Fit. Blue Prism ist eine Referenz für zentral gesteuerte, unbeaufsichtigte Automatisierung in regulierten Umgebungen – aber die richtige Wahl folgt aus Anwendungsfall, vorhandenem Stack, gewünschtem Betriebsmodell und Umsetzungskapazität. In Microsoft-lastigen oder attended-getriebenen Szenarien gehören andere Werkzeuge fair in den Vergleich. Wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen und tool-übergreifend.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Wie Sie Blue Prism strukturiert einführen und betreiben

Eine erfolgreiche Blue-Prism-Einführung folgt einem bewährten Muster – mit klarem Fokus auf die Auswahl der richtigen Prozesse, ein solides Betriebsmodell und eine tragfähige Governance. Wer „nur die Lizenz kauft“ und ohne Struktur loslegt, riskiert teure Roboter ohne Wirkung und Wildwuchs statt Kontrolle.

01
Prozessauswahl mit klaren Kriterien
Geeignet sind hochvolumige, regelbasierte und stabile Prozesse mit wenigen Ausnahmen und digitalen Eingangsdaten. Ungeeignet sind selten laufende oder stark urteilsabhängige Abläufe. Den ersten Prozess mit konkretem Ziel, Verantwortlichem und Erfolgskriterien definieren – und Datenschutz-Anforderungen früh klären.
02
Betriebsmodell festlegen: On-Premises oder Cloud
Die Grundsatzentscheidung über den Betrieb gemeinsam mit IT und Datenschutz treffen. On-Premises für maximale Datenhoheit und Kontrolle, Cloud für geringeren Infrastrukturaufwand. Diese Weiche prägt Sicherheit, Kosten und die spätere Skalierung – sie sollte bewusst und früh gestellt werden.
03
Pilot mit sauberem Objektaufbau
Am ersten Prozess die Automatisierung umsetzen – und dabei von Anfang an in wiederverwendbaren Objekten denken. Der Pilot dient dem Wertnachweis und dem Aufbau der ersten sauberen Bausteine, auf denen spätere Automatisierungen aufsetzen. Fehler- und Ausnahmepfade gehören von Beginn an dazu.
04
Governance & Center of Excellence
Ein Regelwerk für Namenskonventionen, Freigaben, Rechte und Zugangsdaten etablieren und ein kleines Center of Excellence aufbauen, das Standards hütet. Rollenbasierte Rechte, verschlüsselte Credential-Verwaltung und Protokollierung nutzen – Blue Prisms Governance-Fundament will bewusst konfiguriert werden.
05
Betrieb, Überwachung & Skalierung
Die Digital Workforce über den Control Room fortlaufend überwachen, Fehler nachverfolgen und die Datenanbindung bei Änderungen der Quellsysteme warten. Bei steigendem Volumen weitere Roboter zuschalten und die Automatisierungslandschaft geordnet erweitern – statt unkontrolliert wuchern zu lassen.

Governance ist kein Nachgedanke

Der größte Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem versandenden RPA-Programm liegt selten in der Technik, sondern in der Governance. Wer definiert, welche Prozesse automatisiert werden dürfen? Wer gibt Roboter für den Produktivbetrieb frei? Wie werden die Zugangsdaten verwaltet, mit denen sich Roboter an Systemen anmelden? Wer reagiert, wenn ein Roboter fehlschlägt? Blue Prism liefert die technischen Mittel für all das – rollenbasierte Rechte, verschlüsselte Credential-Verwaltung, lückenlose Protokolle. Aber die organisatorischen Antworten muss das Unternehmen selbst geben. Aus unserer Erfahrung ist ein kleines, klar mandatiertes Center of Excellence der wirksamste Hebel, um Automatisierung als geregelte Disziplin statt als Sammlung von Insellösungen zu betreiben.

Der Betrieb der Digital Workforce

Eine oft unterschätzte Wahrheit: Software-Roboter brauchen Pflege. Ändert sich eine angebundene Anwendung – ein neues Feld, ein anderes Layout, eine aktualisierte Version – kann ein Roboter stolpern. Deshalb ist der laufende Betrieb kein Selbstläufer, sondern eine eigene Aufgabe: überwachen, Fehler analysieren, Objekte anpassen, Prozesse nachziehen. Die klare Objektarchitektur von Blue Prism hilft hier, weil eine Änderung meist nur ein Objekt betrifft und nicht jeden Prozess. Dennoch sollte von Anfang an eingeplant werden, dass ein Teil der Kapazität in Wartung und Betrieb fließt. Wer das ignoriert und die gesamte Kapazität in neue Automatisierungen steckt, erlebt früher oder später eine wachsende Zahl stillstehender Roboter.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem einzigen, hochvolumigen und stabilen Prozess starten, das Betriebsmodell bewusst wählen, sauber in wiederverwendbaren Objekten bauen, Governance-Grundlagen von Beginn an setzen und den Betrieb von Anfang an mitdenken. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko, sichert den Wertnachweis und schafft die Grundlage für eine geordnete Skalierung – statt eines schnellen Starts, der später in Wartungsaufwand erstickt.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Blue Prism im deutschen Mittelstand

Eine ehrliche Einschätzung aus unserer Beratungspraxis. Blue Prism ist eine mächtige Enterprise-Plattform – aber Mächtigkeit hat ihren Preis in Komplexität, Betriebsaufwand und Kosten. Der Mittelstand profitiert dort, wo Volumen, Regulierung und Kontrollbedarf zusammenkommen, und sollte anderswo genau hinsehen.

Stärken
  • Ausgereifte, unbeaufsichtigte Digital Workforce
  • Governance, Sicherheit und Auditierbarkeit im Fundament
  • Zentrale Steuerung und Überwachung über den Control Room
  • Klares Objektmodell für Wartbarkeit und Wiederverwendung
  • On-Premises-Betrieb für maximale Datenhoheit
  • Stark in regulierten Branchen bewährt
  • Gut skalierbar über zusätzliche Roboter
  • Auch Altsysteme ohne Schnittstelle erreichbar
  • Digital Exchange für wiederverwendbare Bausteine
  • Rückhalt eines finanzstarken Konzerns (SS&C)
Einschränkungen
  • Höhere Einstiegshürde als leichte Werkzeuge
  • Weniger auf Fachanwender-Selbstbedienung ausgelegt
  • Attended-Szenarien nicht der Schwerpunkt
  • Enterprise-Preissegment, für Kleinstbedarfe überdimensioniert
  • Betrieb und Wartung erfordern eigene Kapazität
  • Wert entsteht nur bei sauberem Objektaufbau
  • Setzt stabile, regelbasierte Prozesse voraus
  • Benötigt eine gewisse IT-Reife im Unternehmen
  • Governance muss selbst ausgestaltet werden
  • Cloud-Betrieb wirft Datenschutzfragen auf (Kapitel 09)

Typische Einsatzfelder im Mittelstand

Wo entfaltet Blue Prism im Mittelstand seinen Wert? Am zuverlässigsten in hochvolumigen, regelbasierten Backoffice-Prozessen: der automatisierten Verarbeitung eingehender Rechnungen, der Pflege und dem Abgleich von Stammdaten zwischen Systemen, der Erstellung wiederkehrender Reports, der Bearbeitung standardisierter Anträge oder dem Übertragen von Daten zwischen Anwendungen, die keine gemeinsame Schnittstelle haben. In der Finanzbuchhaltung, im Einkauf, in der Personalverwaltung und im Kundenservice finden sich fast überall solche Vorgänge. Der gemeinsame Nenner: viele gleichartige Fälle, klare Regeln, digitale Eingangsdaten – genau das Terrain, auf dem eine unbeaufsichtigte Digital Workforce glänzt.

Die häufigsten Fehler aus INAGRO-Projekten

Das falsche Werkzeug für den Bedarf ist der teuerste Fehler: Wer eigentlich nur ein paar kleine attended Helfer braucht, ist mit einer Enterprise-Plattform überversorgt. Prozesse ohne Reife automatisieren führt dazu, dass instabile oder ständig wechselnde Abläufe die Roboter dauernd stolpern lassen; besser erst den Prozess stabilisieren, dann automatisieren. Objektebene vernachlässigen zerstört den Wartbarkeitsvorteil und erzeugt genau den Wildwuchs, den man vermeiden wollte. Governance zu spät angehen rächt sich, wenn niemand für Freigaben, Rechte und Zugangsdaten zuständig ist. Und Betrieb unterschätzen führt zu einer wachsenden Zahl stillstehender Roboter, weil die Wartung nicht eingeplant war.
Realistische Empfehlung

Blue Prism ist die richtige Wahl, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: hohes Volumen an regelbasierten Prozessen, Bedarf an zentraler Kontrolle und Compliance, sowie eine gewisse IT- und Betriebsreife. Fehlt eine dieser Bedingungen, ist ein leichtgewichtigeres Werkzeug oder ein anderer Ansatz oft die ehrlichere Antwort. Die Tool-Wahl folgt dem Anwendungsfall – nicht umgekehrt.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, Datenhoheit und DSGVO bei Blue Prism

Blue Prism liegt im Enterprise-Preissegment und wird nicht über einen simplen Pro-Nutzer-Preis verkauft. Weil unbeaufsichtigte Roboter mit weitreichenden Rechten auf Systeme und Daten zugreifen, ist der Datenschutz zudem kein Nebenthema, sondern zentraler Bestandteil jeder seriösen Einführung.

Plattform-Lizenzierung
auf Anfrage · nach Roboter/Umfang
Enterprise-Vertrag, kein öffentlicher Pro-Nutzer-Listenpreis
  • Die Lizenzierung orientiert sich typischerweise an der Zahl der Roboter und am genutzten Umfang. Konkrete Preise werden individuell verhandelt und hängen vom Betriebsmodell ab – seriöse Pauschalangaben sind ohne Scoping nicht möglich; aktuelle Modelle beim Anbieter prüfen.
Implementierung
Projektaufwand · einmalig + laufend
Prozessanalyse, Objektaufbau, Anbindung
  • Der oft unterschätzte Block: Auswahl und Analyse der Prozesse, sauberer Aufbau wiederverwendbarer Objekte, Anbindung der Quellsysteme und Test der Ausnahmepfade. Erfordert Fach- und Technik-Know-how und macht einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus.
Betrieb & Wartung
laufend · Team & Infrastruktur
  • Center of Excellence, Überwachung, Wartung bei Systemänderungen
Einstieg / Pilot
begrenzt · klarer Umfang
Pilot an einem abgegrenzten Prozess
  • Für den Wertnachweis empfiehlt sich ein Pilot mit klar begrenztem Umfang. So bleiben Aufwand und Risiko überschaubar, und die Entscheidung für die Breite beruht auf belegten Zahlen statt auf Annahmen.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer Pro-Nutzer-SaaS lässt sich Blue Prism nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Kosten hängen von der Zahl der Roboter, dem Betriebsmodell, der Komplexität der Prozesse und dem Umfang der Anbindung ab. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping. Was sich verlässlich sagen lässt: Blue Prism ist eine Investition im Enterprise-Segment, und Implementierung sowie laufender Betrieb machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus – oft mehr als die reine Lizenz. Aktuelle Lizenz- und Editionsmodelle sollten stets direkt beim Anbieter erfragt werden.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Da unbeaufsichtigte Roboter mit eigenen Berechtigungen auf Systeme und potenziell personenbezogene Daten zugreifen, sollten diese Punkte bei jeder Blue-Prism-Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden:

Betriebsmodell & Serverstandort
On-Premises für maximale Datenhoheit; bei Cloud den Verarbeitungsort und die EU-Region klären und vertraglich festhalten
Anbieter außerhalb DE/EU
Bei Cloud-Betrieb Serverstandort, Datentransfer und Subprozessoren prüfen; SS&C ist international tätig – Drittlandbezug einzeln bewerten
Auftragsverarbeitungsvertrag
AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, Subprozessoren-Liste und Garantien prüfen
Roboter-Berechtigungen
Jedem Roboter nur die minimal nötigen Rechte geben (Need-to-know), Zugangsdaten verschlüsselt verwalten
Datensparsamkeit
Nur die für den Prozess nötigen Daten verarbeiten; personenbezogene Felder wo möglich vermeiden oder maskieren
Protokollierung & Nachvollziehbarkeit
Lückenlose Logs nutzen, aber ihre Aufbewahrung und den Zugriff darauf datenschutzkonform regeln

On-Premises als Datenhoheits-Stärke

Ein spezifischer Vorteil von Blue Prism ist die traditionelle Stärke im On-Premises-Betrieb. Wer die Plattform im eigenen Rechenzentrum betreibt, behält die volle Kontrolle über Serverstandort, Datenverarbeitung und Zugriff – die verarbeiteten Daten verlassen die eigene Infrastruktur nicht. Für Organisationen mit besonders schutzwürdigen Datenbeständen, für Berufsgeheimnisträger oder für Betreiber kritischer Infrastrukturen ist das häufig die DSGVO-konformere und risikoärmere Option, weil die Frage nach Drittlandtransfers und externen Subprozessoren erst gar nicht in derselben Schärfe entsteht. Der Preis dafür ist die eigene Verantwortung für Betrieb und Sicherheit der Infrastruktur. Beim Cloud-Betrieb dagegen sind Serverstandort, EU-Region, Datentransfer und der Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter sorgfältig zu prüfen – zumal SS&C als internationaler Konzern auch außerhalb der EU tätig ist und ein möglicher Drittlandbezug im Einzelfall mit geeigneten Garantien abzusichern ist.

Das besondere Risiko unbeaufsichtigter Bots

Unattended Roboter sind aus Datenschutzsicht heikel, weil sie mit eigenen, oft weitreichenden Berechtigungen selbstständig auf Systeme zugreifen. Ein Roboter, der sich mit einem technischen Benutzerkonto an mehreren Systemen anmeldet, kann im Zweifel auf sehr viele Daten zugreifen. Deshalb gelten hier zwei Prinzipien besonders: minimale Berechtigungen – jeder Roboter erhält nur die Rechte, die sein Prozess zwingend braucht – und Datensparsamkeit – es werden nur die Daten verarbeitet, die der Prozess wirklich benötigt. Die verschlüsselte Verwaltung der Zugangsdaten, ein rollenbasiertes Rechtekonzept und die lückenlose Protokollierung, die Blue Prism mitbringt, sind dafür wertvolle Werkzeuge – sie müssen aber bewusst konfiguriert und organisatorisch untermauert werden.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Drittlandtransfers, zur Datenschutz-Folgenabschätzung, zu Roboter-Berechtigungen und zur Mitbestimmung – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Blue Prism

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Blue Prism?
Blue Prism ist eine Enterprise-Plattform für Robotic Process Automation (RPA) und gilt als einer der Mitbegründer dieser Werkzeugkategorie. Ihr Markenzeichen ist eine zentral gesteuerte, unbeaufsichtigt laufende „Digital Workforce“ aus Software-Robotern, die regelbasierte, wiederkehrende Bildschirmarbeit übernehmen. Der Fokus liegt auf Governance, Sicherheit und Skalierung. Seit 2022 gehört Blue Prism zu SS&C Technologies und firmiert als SS&C Blue Prism.
Was unterscheidet unattended von attended Automatisierung?
Unattended Roboter laufen unbeaufsichtigt auf Server-Infrastruktur und arbeiten Prozesse selbstständig ab – rund um die Uhr, ohne dass ein Mensch zusieht. Attended Roboter unterstützen dagegen einzelne Mitarbeitende direkt am Arbeitsplatz und werden von ihnen ausgelöst. Blue Prism ist von Grund auf auf den unattended, zentral gesteuerten Betrieb ausgelegt. Wer primär Desktop-Assistenz für einzelne Anwender sucht, sollte prüfen, ob ein Werkzeug mit stärkerem attended Fokus besser passt.
Blue Prism oder UiPath – was ist die richtige Wahl?
Beide sind ausgereifte Enterprise-RPA-Plattformen. Blue Prism ist konsequent auf unbeaufsichtigte, zentral gesteuerte Automatisierung und strenge Governance ausgerichtet und traditionell stark im On-Premises-Betrieb regulierter Branchen. UiPath deckt zusätzlich attended Szenarien breit ab und legt großen Wert auf niedrigschwelligen Einstieg und ein breites Ökosystem. Für zentral kontrollierte Massenautomatisierung mit hohen Compliance-Anforderungen ist Blue Prism sehr stark; für gemischte oder attended-getriebene Bedarfe kann UiPath näher am Ziel sein. Die Wahl folgt dem Anwendungsfall und dem Betriebsmodell.
Kann Blue Prism auch mit KI arbeiten?
Ja. Über den Digital Exchange und offene Schnittstellen lassen sich KI-Fähigkeiten anbinden – etwa für die Verarbeitung unstrukturierter Dokumente, Klassifikation, Textanalyse oder generative Sprachmodelle. Damit erweitert sich der Kreis der automatisierbaren Prozesse über streng regelbasierte Abläufe hinaus. Wichtig ist, KI gezielt dort einzusetzen, wo unstrukturierte Daten oder Urteilsschritte den Prozess bremsen, Ergebnisse zu überwachen und – gerade bei externen oder generativen Diensten – Datenschutz und Datensparsamkeit von Anfang an mitzudenken.
Ist Blue Prism teuer?
Blue Prism liegt im Enterprise-Preissegment und wird nicht über einen einfachen Pro-Nutzer-Listenpreis verkauft; die Lizenzierung orientiert sich typischerweise an der Zahl der Roboter und am Umfang. Hinzu kommen Implementierung und laufender Betrieb, die einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Seriöse Pauschalpreise sind ohne Scoping nicht möglich, und aktuelle Modelle sollten beim Anbieter geprüft werden. Für kleine oder attended-lastige Bedarfe ist die Plattform schnell überdimensioniert – dann lohnt der Vergleich mit leichteren Werkzeugen.
Kann ich Blue Prism im eigenen Rechenzentrum betreiben?
Ja, der On-Premises-Betrieb ist eine historische Stärke von Blue Prism. Roboter, zentrale Steuerung und Datenbank laufen dann auf der eigenen Infrastruktur, wodurch das Unternehmen die volle Kontrolle über Serverstandort, Datenverarbeitung und Zugriff behält. Für Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenhoheit ist das oft die DSGVO-konformere und risikoärmere Option. Alternativ steht ein Cloud-Betrieb zur Verfügung, der den Infrastrukturaufwand senkt, dafür aber eine sorgfältige Prüfung von Serverstandort, Datentransfer und Auftragsverarbeitung erfordert.
Welche Prozesse eignen sich für Blue Prism?
Am besten geeignet sind hochvolumige, regelbasierte und stabile Prozesse mit wenigen Ausnahmen und digitalen Eingangsdaten – etwa Rechnungsverarbeitung, Stammdatenpflege, Datenabgleiche, wiederkehrende Reports oder standardisierte Anträge. Weniger geeignet sind selten laufende, stark schwankende oder überwiegend urteilsabhängige Abläufe. Eine Faustregel: Je klarer die Regeln und je höher das Volumen, desto größer der Nutzen. Instabile Prozesse sollten vor der Automatisierung erst stabilisiert werden.
Ist Blue Prism DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Konfiguration. Da unbeaufsichtigte Roboter mit eigenen Berechtigungen auf Systeme und potenziell personenbezogene Daten zugreifen, sind minimale Roboter-Berechtigungen, Datensparsamkeit, ein Berechtigungskonzept, verschlüsselte Zugangsdaten und die lückenlose Protokollierung wichtig. Der On-Premises-Betrieb stärkt die Datenhoheit; beim Cloud-Betrieb sind Serverstandort, EU-Region, Datentransfer und der Auftragsverarbeitungsvertrag zu klären, da SS&C international tätig ist. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei Blue Prism?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich Blue Prism für Ihr Unternehmen rechnet, über die Auswahl geeigneter Prozesse, die Entscheidung über das Betriebsmodell und das Datenschutz-Setup bis zum Pilot mit belegtem Wertnachweis und der anschließenden, geordneten Skalierung. Wo ein anderes RPA-Werkzeug oder ein anderer Ansatz besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

RPA strategisch einsetzen

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Von der Auswahl geeigneter Prozesse über die Entscheidung zwischen On-Premises und Cloud und das Datenschutz-Setup bis zum belegten Wertnachweis – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich Blue Prism für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderes Werkzeug besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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