Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Microsoft Process Mining — Process Mining in Power Automate.

Microsoft Process Mining ist keine eigenständige Insel, sondern die Process-Mining-Fähigkeit innerhalb von Power Automate und damit ein Baustein der Microsoft Power Platform. Die Funktion rekonstruiert reale Abläufe aus Ereignisdaten, ergänzt sie über Task Mining um die Sicht auf den Desktop der Mitarbeitenden, leitet Empfehlungen ab und führt Erkenntnisse direkt in Automatisierung über — von der Desktop-Automatisierung bis zum Cloud-Flow, unterstützt durch Copilot. Diese Praxiseinordnung zeigt, wann der integrierte Microsoft-Ansatz die richtige Wahl ist und wann spezialisierte Plattformen die Nase vorn haben.

23 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Microsoft Process Mining
Microsoft Corporation · Power Automate / Power Platform
Einordnung
Fähigkeit in Power Automate
Typ
Process & Task Mining
Kernidee
Analyse → Empfehlung → Automatisierung
Plattform
Microsoft Power Platform
Datenbasis
Dataverse · Konnektoren
Betrieb
Azure-Cloud · EU-Regionen möglich
INAGRO Eignung im Microsoft-365-Umfeld
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Microsoft Process Mining?

Microsoft Process Mining ist die Fähigkeit, reale Geschäftsprozesse aus ihren digitalen Datenspuren zu rekonstruieren und sichtbar zu machen — eingebettet in Power Automate und damit in die Microsoft Power Platform. Anders als spezialisierte Process-Intelligence-Anbieter tritt Microsoft nicht mit einem separaten Produkt an, sondern integriert Process Mining und Task Mining als Bausteine seiner Automatisierungsplattform. Der rote Faden lautet: erst verstehen, was tatsächlich passiert, dann gezielt automatisieren.

Wer die Microsoft-Welt kennt, erkennt das Muster sofort. Statt eine eigene Insel zu bauen, verzahnt Microsoft die neue Fähigkeit mit dem, was Unternehmen ohnehin nutzen: Power Automate für Cloud- und Desktop-Automatisierung, Dataverse als Datendrehscheibe, Power BI für Visualisierung, Microsoft 365 als Arbeitsumgebung und Copilot als KI-Assistent. Process Mining ist in dieser Logik kein Selbstzweck, sondern der analytische Einstieg in ein Automatisierungsvorhaben: Es zeigt, wo ein Prozess klemmt, wie häufig welche Varianten vorkommen und wo sich wiederkehrende manuelle Tätigkeiten verbergen — und schlägt dann den Bogen zur Automatisierung mit den bordeigenen Mitteln der Plattform.
Drei Eigenschaften prägen den Microsoft-Ansatz und erklären, warum er im Mittelstand Aufmerksamkeit verdient:
  • Integration statt Insellösung — Process Mining sitzt dort, wo auch die Automatisierung entsteht. Der Weg von der Erkenntnis „diese Aufgabe wird 400-mal im Monat manuell erledigt“ zum gebauten Flow ist kurz, weil beides in derselben Umgebung stattfindet.
  • Zwei Datenperspektiven — die klassische Prozessanalyse aus Ereignisdaten der Fachsysteme und das Task Mining, das über eine Bildschirmaufzeichnung die Tätigkeiten auf dem Desktop erfasst. Zusammen schließen sie die Lücke zwischen dem, was das System protokolliert, und dem, was am Arbeitsplatz wirklich geschieht.
  • Ökosystem-Nähe — die Anbindung an Dataverse, an hunderte Konnektoren und an Copilot macht Microsoft Process Mining für Organisationen attraktiv, die bereits stark auf Microsoft 365 und die Power Platform setzen. Der Zusatznutzen entsteht aus der Nähe zum vorhandenen Stack.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen, die ohnehin auf Microsoft 365 und die Power Platform setzen und Process Mining vor allem als Vorstufe zur Automatisierung verstehen, ist der integrierte Microsoft-Ansatz oft die pragmatisch richtige Wahl: kurze Wege von der Analyse zum Flow, vertraute Werkzeuge, ein gemeinsames Datenmodell. Die ehrliche Kehrseite: Wer tiefes, wertorientiertes Process Mining über komplexe, objektzentrierte Prozesslandschaften als eigene Disziplin braucht, findet bei spezialisierten Plattformen wie Celonis oder SAP Signavio mehr analytische Tiefe. Microsoft Process Mining spielt seine Stärke im eigenen Ökosystem aus — dort aber deutlich.

Prozessanalyse, Task Mining und Automatisierung als Kette

Das Verständnis fällt leichter, wenn man Microsoft Process Mining als Kette begreift und nicht als einzelnes Werkzeug. Am Anfang steht die Frage, was tatsächlich geschieht — beantwortet durch die Prozessanalyse aus Ereignisdaten und durch das Task Mining am Desktop. In der Mitte steht die Bewertung: Welche Prozessvarianten kosten Zeit, wo entstehen Schleifen, welche Tätigkeiten wiederholen sich? Am Ende steht die Handlung: Aus den Erkenntnissen werden Automatisierungen abgeleitet und mit Power Automate umgesetzt. Diese Kette ist der eigentliche Kern des Microsoft-Versprechens — nicht die Analyse für sich, sondern ihr nahtloser Übergang in Wirkung.

Ein US-Anbieter mit europäischen Betriebsoptionen

Microsoft ist ein US-Konzern, und die zugrundeliegenden Dienste laufen in der Azure-Cloud. Für den DACH-Mittelstand ist das kein Ausschlusskriterium, aber ein Punkt, der bewusste Gestaltung verlangt: Microsoft bietet EU-Regionen und im Rahmen der EU-Datengrenze Betriebsoptionen, die eine Verarbeitung innerhalb der EU begünstigen können. Ob und in welchem Umfang das für die konkrete Nutzung gilt, hängt von der gewählten Region, der Lizenz und den vertraglichen Rahmenbedingungen ab und ist im Einzelfall beim Anbieter zu prüfen. Kapitel 09 geht ausführlich auf Datenschutz und Datenhoheit ein.
Kapitel 02 · Einordnung & Bestandteile

Einordnung: Process & Task Mining in der Power Platform

Um Microsoft Process Mining richtig zu bewerten, muss man verstehen, wo es sitzt und aus welchen Bestandteilen es besteht. Es ist kein separat gekauftes Analysewerkzeug, sondern eine Fähigkeit innerhalb von Power Automate — und Power Automate wiederum ist Teil der breiteren Power Platform. Diese Einordnung erklärt sowohl die Stärken als auch die Grenzen.

Die Power Platform als Rahmen

Microsofts Low-Code-Plattform bündelt mehrere Dienste, die auf einem gemeinsamen Datenfundament aufsetzen: Power Apps für Anwendungen, Power BI für Auswertung und Visualisierung, Power Pages für Web-Portale, Copilot Studio für konversationelle KI und Power Automate für Automatisierung. Power Automate deckt dabei zwei Automatisierungswelten ab — Cloud-Flows, die Systeme über Konnektoren und Trigger verbinden, und Desktop-Flows, die als klassische Robotic Process Automation Tätigkeiten an der Benutzeroberfläche nachbilden. Process Mining ist innerhalb dieses Diensts angesiedelt und liefert die analytische Grundlage, auf der Automatisierungsentscheidungen getroffen werden.
Diese Positionierung ist die entscheidende Weichenstellung. Wo spezialisierte Anbieter Process Mining als eigenständige, tiefe Disziplin verstehen, versteht Microsoft es als ersten Schritt eines Automatisierungszyklus. Das prägt die Ausrichtung: weniger die maximale analytische Tiefe über beliebig komplexe Prozesse, dafür die enge, reibungsarme Verbindung zur Umsetzung.

Die zwei Bestandteile: Prozessanalyse und Task Mining

Microsoft Process Mining stützt sich qualitativ auf zwei komplementäre Datenquellen. Die Prozessanalyse arbeitet mit Ereignisdaten — also Datensätzen, die eine Fall-Zuordnung, eine Aktivität und einen Zeitstempel enthalten. Aus diesen Logs, die aus Fachsystemen stammen und häufig über Dataverse oder Konnektoren bereitgestellt werden, rekonstruiert die Funktion den tatsächlichen Prozessverlauf mitsamt seinen Varianten, Häufigkeiten und Durchlaufzeiten.
Das Task Mining ergänzt diese Systemsicht um die Perspektive des Arbeitsplatzes. Über eine Aufzeichnung der Tätigkeiten am Desktop — Klicks, Eingaben, Wechsel zwischen Anwendungen — macht es sichtbar, wie eine Aufgabe konkret erledigt wird. Genau hier liegen oft die Automatisierungskandidaten: wiederkehrende manuelle Übertragungen, Medienbrüche, das ewige Kopieren von einem Fenster ins nächste. Task Mining ist der Detailgrad, den ein reines Systemlog nie zeigt — und zugleich der datenschutzsensibelste Bestandteil, weil hier Bildschirminhalte und individuelle Arbeitsweisen erfasst werden (siehe Kapitel 09).
Warum die Einordnung zählt

Wer Microsoft Process Mining mit den Maßstäben einer dedizierten Process-Intelligence-Plattform misst, wird zwangsläufig Lücken finden — das ist der falsche Vergleich. Wer es dagegen als integrierte Analyse- und Automatisierungsschicht innerhalb eines bereits vorhandenen Microsoft-Stacks bewertet, erkennt den eigentlichen Mehrwert: die kurze Distanz zwischen Erkenntnis und Umsetzung. Der richtige Vergleichsmaßstab entscheidet über die richtige Erwartung.

Positionierung im Automatisierungsmarkt

Microsoft positioniert seine Automatisierungsfähigkeiten bewusst breit und niedrigschwellig: Low-Code, tief in Microsoft 365 verankert, verbrauchs- und lizenzbasiert und für eine große Zahl von Anwendern zugänglich. Process Mining fügt sich in diese Strategie ein, indem es die Automatisierung nicht dem Bauchgefühl überlässt, sondern datenbasiert begründet. Diese Positionierung trifft einen Nerv im Mittelstand, wo viele Organisationen bereits Microsoft-Lizenzen halten und die Hürde, ein weiteres spezialisiertes System einzuführen, hoch ist. Der Preis dieser Breite ist eine gewisse Tiefenbeschränkung gegenüber den Spezialisten — ein Kompromiss, der für viele mittelständische Bedarfe gut aufgeht und für anspruchsvolle Process-Intelligence-Programme weniger.

Was Microsoft Process Mining nicht ist

Zwei Klarstellungen ersparen Enttäuschungen. Erstens ist Microsoft Process Mining kein Ersatz für Business Intelligence: Power BI zeigt aggregierte Kennzahlen, Process Mining zeigt den Prozessfluss — beide ergänzen sich, ersetzen einander aber nicht. Zweitens ist es kein losgelöstes Analyseinstrument für Häuser ohne Microsoft-Bezug: Der Nutzen entsteht wesentlich aus der Integration in die Power Platform und Microsoft 365. Wer diese Umgebung nicht nutzt, verschenkt einen Großteil des Mehrwerts und sollte spezialisierte Alternativen ernsthaft prüfen.
Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang im Überblick

Was leistet Microsoft Process Mining konkret? Der Funktionsumfang gliedert sich in vier Bereiche: die Prozessanalyse aus Ereignisdaten, das Task Mining am Desktop, die Visualisierung der Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Empfehlungen. Hier die Bausteine mit Praxisbezug — qualitativ, ohne den Detailstand einzelner Versionen zu behaupten.

Prozessanalyse
Kern

Rekonstruiert aus Ereignisdaten den real gelebten Prozess: alle Varianten, Häufigkeiten, Durchlaufzeiten und Engpässe. Grundlage sind Logs mit Fall-Zuordnung, Aktivität und Zeitstempel, häufig über Dataverse oder Konnektoren angebunden.

EingabeEreignisdaten / Logs
ErgebnisProzesskarte & Varianten
MetrikenDurchlaufzeit, Häufigkeit
QuelleDataverse, Konnektoren
Task Mining
Desktop

Zeichnet Tätigkeiten am Arbeitsplatz auf und erkennt wiederkehrende manuelle Abläufe. Schließt die Lücke zwischen Systemereignis und tatsächlicher Handhabung — der Detailgrad, der Automatisierungskandidaten sichtbar macht.

ErfassungBildschirm-Aufzeichnung
ZweckManuelle Abläufe finden
NutzenRPA-Kandidaten erkennen
HinweisDatenschutz-sensibel
Visualisierung
Analyse

Stellt Prozesskarten, Varianten und Kennzahlen anschaulich dar und nutzt die enge Verzahnung mit Power BI. Anwender erkennen Engpässe, Abweichungen und die häufigsten Pfade auf einen Blick.

DarstellungProzesskarte, Varianten
VerzahnungPower BI
ZweckEngpässe sichtbar machen
ZielgruppeFach & Analyse
Empfehlungen
Aktion

Leitet aus der Analyse Hinweise auf Automatisierungspotenziale ab und schlägt den Übergang zur Umsetzung mit Power Automate vor. Der Brückenschlag von der Erkenntnis zur Handlung — der Kern des Microsoft-Ansatzes.

PrinzipAnalyse → Automatisierung
ZielAutomatisierungskandidaten
AnschlussPower Automate Flows
UnterstützungCopilot-Assistenz

Von den Ereignisdaten zur Prozesskarte

Der Ausgangspunkt jeder Prozessanalyse sind Ereignisdaten. Jede Aktion in einem Fachsystem — eine angelegte Bestellung, eine geprüfte Rechnung, ein freigegebener Auftrag — hinterlässt einen Datensatz mit einer Fall-Zuordnung, einer benannten Aktivität und einem Zeitstempel. Microsoft Process Mining setzt diese Einträge zu vollständigen Prozessverläufen zusammen und zeichnet daraus eine Prozesskarte, die jeden real vorgekommenen Pfad zeigt. Der wiederkehrende Aha-Moment: Der gelebte Prozess weicht fast immer vom dokumentierten Soll-Ablauf ab — mit Schleifen, Rücksprüngen und Ausnahmen, die kein Flussdiagramm je abbildet.

Task Mining: der Blick auf den Arbeitsplatz

Wo die Prozessanalyse an der Systemgrenze endet, setzt Task Mining an. Es erfasst über eine Aufzeichnung, wie eine Aufgabe am Bildschirm tatsächlich erledigt wird, und erkennt Muster in den Tätigkeiten. So wird sichtbar, wie oft Daten manuell von einem System ins nächste übertragen werden, wo Mitarbeitende zwischen Anwendungen springen und welche Handgriffe sich immer wiederholen. Für die Automatisierungsplanung ist das Gold wert — denn genau diese repetitiven, regelbasierten Tätigkeiten sind die besten Kandidaten für einen Desktop-Flow. Zugleich ist Task Mining der Bestandteil, der die größte datenschutzrechtliche Sorgfalt verlangt, weil er dicht an der individuellen Arbeitsweise einzelner Personen ist.
Praxis-Hinweis

Die Qualität jeder Prozessanalyse steht und fällt mit der Qualität der Ereignisdaten. Sind Zeitstempel ungenau, Aktivitäten uneinheitlich benannt oder Datensätze lückenhaft, liefert auch die beste Funktion ein verzerrtes Bild. Aus INAGRO-Sicht ist die saubere Datenaufbereitung — oft über Dataverse — nicht der langweilige Vorlauf, sondern der eigentliche Erfolgsfaktor.

Visualisierung und die Nähe zu Power BI

Die Ergebnisse werden nicht in Tabellen versteckt, sondern anschaulich dargestellt: als Prozesskarte mit Häufigkeiten, als Variantenübersicht und als Kennzahlensicht auf Durchlaufzeiten und Engpässe. Die enge Verzahnung mit Power BI ist dabei ein echter Vorteil für Microsoft-Häuser, weil vertraute Visualisierungs- und Verteilungsmechanismen genutzt werden können. Fachanwender, die Power BI ohnehin kennen, finden sich schnell zurecht — ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Akzeptanz im Mittelstand.
Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI-Funktionen und der Übergang zur Automatisierung

Der eigentliche Unterschied des Microsoft-Ansatzes liegt nicht in der Analyse allein, sondern im nahtlosen Übergang zur Umsetzung — unterstützt durch Copilot und getragen von Power Automate. Hier wird aus der Erkenntnis „das läuft ineffizient“ ein konkreter Automatisierungsschritt.

Copilot als Assistenz in der Analyse

Microsoft integriert seinen KI-Assistenten Copilot in die Power Platform und damit auch in den Umkreis von Process Mining. Der Anspruch ist, die Analyse zu demokratisieren: Anwender sollen Prozessfragen in natürlicher Sprache stellen können, statt komplexe Abfragen zu bauen, und Hinweise auf Auffälligkeiten oder Automatisierungspotenziale in verständlicher Form erhalten. Genauso unterstützt Copilot beim Bau von Automatisierungen — etwa indem eine Beschreibung in natürlicher Sprache in einen ersten Entwurf eines Flows übersetzt wird. Wie weit diese Funktionen im konkreten Lizenz- und Versionsstand reichen, ist beim Anbieter zu prüfen; die Richtung ist jedoch eindeutig: KI als Brücke zwischen Fachanwender und Technik.
KI-Qualität folgt Datenqualität

So hilfreich Copilot als Assistenz ist — die Aussagekraft seiner Hinweise hängt an der Qualität der zugrundeliegenden Prozessdaten. KI kann keine belastbaren Empfehlungen aus lückenhaften oder uneinheitlichen Ereignisdaten zaubern. Wer den KI-Nutzen heben will, investiert deshalb zuerst in eine saubere Datengrundlage und behandelt KI-Vorschläge als Ausgangspunkt für die fachliche Prüfung, nicht als Endergebnis.

Der Übergang zu RPA und Cloud-Flows

Der Kern des Microsoft-Versprechens ist die kurze Distanz zwischen Analyse und Automatisierung. Zeigt das Task Mining, dass eine Tätigkeit häufig, manuell und regelbasiert ausgeführt wird, liegt der nächste Schritt nahe: ein Desktop-Flow, der diese Tätigkeit als Robotic Process Automation an der Benutzeroberfläche nachbildet. Zeigt die Prozessanalyse dagegen, dass ein Ablauf an einer Systemschnittstelle klemmt, kann ein Cloud-Flow die beteiligten Systeme über Konnektoren verbinden und den Schritt automatisieren. Beide Automatisierungswelten stehen in Power Automate bereit — und weil Process Mining im selben Dienst sitzt, entfällt der Bruch zwischen einem Analysewerkzeug und einer separaten Automatisierungsplattform.
Diese Nahtlosigkeit ist der zentrale strategische Vorteil des Ansatzes. In der Praxis bedeutet sie, dass ein Team dieselbe Umgebung, dieselben Rechte und dasselbe Datenmodell nutzt, um zu analysieren und zu automatisieren. Der organisatorische Reibungsverlust, der entsteht, wenn Erkenntnisse aus einem Analysetool erst mühsam in ein anderes Automatisierungstool übersetzt werden müssen, fällt weg. Für den Mittelstand, wo Kapazitäten knapp sind, ist das ein handfestes Argument.

Grenzen der Automatisierungs-Automatik

Bei aller Nahtlosigkeit gilt eine nüchterne Einordnung: Der Übergang von der Empfehlung zum funktionierenden, produktiv betriebenen Flow ist kein Knopfdruck. Ein Automatisierungskandidat muss fachlich bewertet, sauber gebaut, getestet und überwacht werden — sonst entsteht ein fragiler Bot, der bei jeder Oberflächenänderung bricht. Die Erkennung des Potenzials ist der leichtere Teil; die belastbare Umsetzung und der stabile Betrieb sind der anspruchsvollere. Microsoft senkt die Hürde, es hebt sie nicht auf. Wer das im Kopf behält, plant realistisch und vermeidet die Enttäuschung, die aus überzogenen Automatisierungs-Erwartungen erwächst.
Praxis-Hinweis

Nutzen Sie Copilot und die Empfehlungen als Beschleuniger, nicht als Entscheider. Die Priorisierung, welche Automatisierung wirklich gebaut wird, sollte weiterhin an klaren Kriterien hängen: Volumen, Stabilität der Regeln, manueller Aufwand und Fehleranfälligkeit. So fließt die knappe Umsetzungskapazität in die Vorhaben mit dem größten und verlässlichsten Hebel.

Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das Microsoft-Ökosystem

Der größte Hebel von Microsoft Process Mining ist zugleich seine größte Abhängigkeit: das Ökosystem. Dataverse als Datenfundament, hunderte Konnektoren zu Fremdsystemen, Power BI zur Visualisierung und Microsoft 365 als Arbeitsumgebung — die Integration ist der eigentliche Mehrwert, aber auch der Grund, warum der Nutzen außerhalb der Microsoft-Welt spürbar sinkt.

Dataverse als gemeinsames Datenfundament

Im Zentrum der Power Platform steht Dataverse, ein verwalteter Datendienst, der Daten strukturiert speichert und plattformweit zugänglich macht. Für Process Mining ist Dataverse ein natürlicher Ankerpunkt: Ereignisdaten können dort abgelegt, aufbereitet und für die Analyse bereitgestellt werden, und die Ergebnisse stehen den übrigen Power-Platform-Diensten offen. Diese gemeinsame Datenschicht ist ein struktureller Vorteil gegenüber losen Werkzeugketten — Analyse, Automatisierung und Anwendungen greifen auf dieselbe verwaltete Basis zu, was Governance, Berechtigungen und Konsistenz erleichtert.

Konnektoren zu Fach- und Fremdsystemen

Damit Process Mining reale Prozesse abbilden kann, müssen die Ereignisdaten aus den operativen Systemen kommen. Hier spielt Microsoft die große Zahl seiner Konnektoren aus: Verbindungen zu ERP- und CRM-Systemen, zu Datenbanken, zu Cloud-Diensten und zu unzähligen Fremdanwendungen. Für die klassischen Microsoft-Quellen — etwa die eigenen Business-Anwendungen und Microsoft 365 — ist die Anbindung besonders reibungsarm. Bei komplexen Fremdsystemen, etwa tiefen SAP-Landschaften, ist die Anbindung möglich, verlangt aber sorgfältige Datenaufbereitung; hier haben spezialisierte Anbieter mit ausgereiften, prozessfertigen Extraktoren teils Vorteile (siehe Kapitel 06).
Integration als zweischneidiges Schwert

Die tiefe Ökosystem-Integration ist Microsofts größte Stärke — für Häuser, die bereits auf Microsoft 365 und die Power Platform setzen, entsteht ein durchgängiger Fluss von der Analyse bis zur Automatisierung. Für Organisationen mit heterogener oder SAP-dominierter Landschaft relativiert sich der Vorteil: Dann konkurriert Microsoft Process Mining mit Spezialisten, die für genau diese Fremdsysteme mehr mitbringen. Die eigene Systemlandschaft ist daher das wichtigste Auswahlkriterium.

Zusammenspiel mit Power BI, Power Apps und Copilot Studio

Über die Datenanbindung hinaus profitiert Process Mining vom Zusammenspiel mit den übrigen Plattformdiensten. Power BI übernimmt die anspruchsvolle Visualisierung und Verteilung der Analyseergebnisse. Power Apps kann Anwendungen bereitstellen, die auf Prozesserkenntnissen aufsetzen. Copilot Studio erlaubt konversationelle Assistenten rund um Prozesse und Automatisierung. Und Power Automate schließt den Kreis zur Umsetzung. Dieses Zusammenspiel ist der Grund, warum Microsoft Process Mining seine Wirkung im Verbund entfaltet — als eine Fähigkeit unter mehreren, die auf demselben Fundament stehen.

Microsoft 365 als Arbeitsumgebung

Nicht zu unterschätzen ist die Verankerung in Microsoft 365. Viele mittelständische Organisationen leben ohnehin in Teams, Outlook, SharePoint und Excel. Wenn Automatisierungen und Prozesserkenntnisse in dieser vertrauten Umgebung ankommen — etwa Benachrichtigungen in Teams oder Auslöser aus einer Excel-Datei — sinkt die Einstiegshürde erheblich. Der Erfolg von Automatisierungsvorhaben hängt oft weniger an der Technik als an der Akzeptanz, und die Nähe zur täglichen Arbeitsumgebung ist ein starker Akzeptanztreiber. Genau darin liegt ein wesentlicher Teil des strategischen Kalküls hinter Microsofts integriertem Ansatz.
Kapitel 06 · Abgrenzung

Abgrenzung zu Celonis, Signavio & Spezialisten

Microsoft Process Mining spielt in einem Markt, den spezialisierte Anbieter geprägt haben. Wie ordnet sich der integrierte Microsoft-Ansatz gegenüber Celonis, SAP Signavio und dedizierten Mining-Tools ein? Diese Übersicht benennt die Unterschiede ehrlich — mit dem Fazit, wann Microsoft die richtige Wahl ist und wann nicht.

Kriterium Microsoft Process Mining Celonis SAP Signavio Spezial-Tools
Grundausrichtung Analyse → Automatisierung Process Intelligence Mining + BPM Je nach Fokus
Process-Mining-Tiefe Solide Marktführend Sehr gut Variabel
Integration Automatisierung Nativ (Power Automate) Offen, breit Vorhanden Je nach Tool
Ökosystem-Nähe Microsoft 365 / Power Platform Herstellerneutral SAP-nativ Unterschiedlich
Fremdsystem-Anbindung Viele Konnektoren Ausgereift SAP-stark Variabel
Object-Centric Mining Eingeschränkt Vorreiter Im Aufbau Selten
Einstiegshürde Niedrig im MS-Stack Hoch Mittel Variabel
DACH-/EU-Bezug US-Konzern, EU-Regionen Deutsche Herkunft Deutsche Herkunft Unterschiedlich
Preislogik Verbrauch/Lizenz (Power Platform) Oberes Enterprise Mittel–hoch (SAP-Vertrag) Sehr unterschiedlich

Gegenüber Celonis: Tiefe versus Integration

Celonis ist der wertorientierte Process-Mining-Marktführer mit der größten analytischen Tiefe, dem Object-Centric-Ansatz und einer herstellerneutralen, breiten Automatisierungsanbindung. Microsoft Process Mining tritt nicht an, um Celonis in der reinen Mining-Tiefe zu schlagen — es gewinnt dort, wo die Integration in einen bestehenden Microsoft-Stack und der nahtlose Übergang zur Automatisierung wichtiger sind als maximale analytische Raffinesse. Vereinfacht: Celonis ist die Referenz für strategisches, wertgetriebenes Process Mining über komplexe Prozesslandschaften; Microsoft ist die pragmatische Wahl für Häuser, die Analyse und Automatisierung in vertrauter Umgebung verbinden wollen.

Gegenüber SAP Signavio: Ökosystem gegen Ökosystem

SAP Signavio verbindet Process Mining mit ausgeprägter BPM-Modellierung und ist nativ in die SAP-Welt integriert, häufig schon Teil des SAP-Vertrags. Die Parallele zu Microsoft ist deutlich: Beide sind Ökosystem-Angebote, deren Stärke aus der Nähe zum jeweiligen Kernsystem erwächst. Die Auswahl folgt damit oft der bereits vorhandenen Landschaft — SAP-zentrierte Häuser finden in Signavio den kürzeren Weg, Microsoft-365-zentrierte Häuser in Microsoft Process Mining. Wo beide Welten koexistieren, lohnt die ehrliche Frage, wo der Schwerpunkt der zu analysierenden Prozesse liegt.

Gegenüber spezialisierten Mining-Tools

Neben den großen Namen gibt es zahlreiche spezialisierte Process-Mining-Werkzeuge mit je eigenem Fokus — manche besonders schnell einzuführen, manche auf bestimmte Branchen oder Prozesstypen zugeschnitten, manche mit offenem oder besonders flexiblem Datenmodell. Gegen diese Spezialisten ist Microsofts Argument selten die überlegene Mining-Funktion, sondern die Integration und die Wirtschaftlichkeit innerhalb eines bereits lizenzierten Microsoft-Umfelds. Wer Process Mining dagegen als eigenständige, herstellerunabhängige Disziplin betreiben will, sollte die Spezialisten fair in den Vergleich nehmen.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nach Fit, nicht nach Markenglanz. Microsoft Process Mining ist stark, wenn ein Microsoft-Stack vorhanden ist und Analyse in Automatisierung münden soll. Für maximale Mining-Tiefe über komplexe Prozesse gehört Celonis in den Vergleich, für SAP-zentrierte Bedarfe Signavio, für spezielle Anforderungen die passenden Spezial-Tools. Die richtige Wahl folgt aus Systemlandschaft, Use Case und Umsetzungskapazität — wir prüfen das ergebnisoffen.

Marktbewegung: Mining und Automatisierung wachsen zusammen

Die Existenz von Microsoft Process Mining ist selbst ein Beleg für einen größeren Trend: Process Mining, RPA und BPM verschmelzen zunehmend. Automatisierungsanbieter integrieren Mining-Fähigkeiten, Mining-Anbieter erweitern sich um Automatisierung, und ERP-Häuser bündeln beides. Für Anwenderunternehmen bedeutet das, dass die Frage „welches Mining-Tool“ immer häufiger zur Frage „welche Gesamtarchitektur“ wird. Microsoft beantwortet diese Frage mit einer integrierten Plattform aus einer Hand — ein Vorteil für Konsolidierungswillige, ein Nachteil für alle, die auf strategische Unabhängigkeit vom einzelnen Hersteller Wert legen.
Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb in der Cloud

Microsoft Process Mining wird als Cloud-Dienst innerhalb der Power Platform betrieben — es gibt keine eigene Serverinstallation im klassischen Sinn. Das senkt die technische Einstiegshürde, verlagert den Aufwand aber auf Datenaufbereitung, Lizenz-Klärung und Governance. Hier ein bewährtes Vorgehen für eine strukturierte Einführung.

01
Use Case und Datenquelle klären
Welcher Prozess soll analysiert werden, und wo liegen die Ereignisdaten? Meist ein hochvolumiger, gut protokollierter Kernprozess. Frühzeitig klären, ob die Daten über Dataverse, Konnektoren oder Task Mining kommen — und die Datenschutz-Anforderungen von Beginn an mitdenken.
02
Datenaufbereitung & Anbindung
Ereignisdaten mit Fall-Zuordnung, Aktivität und Zeitstempel bereitstellen, uneinheitliche Bezeichnungen vereinheitlichen und die Anbindung — oft über Dataverse — sauber aufsetzen. Dieser Schritt entscheidet über die Aussagekraft aller späteren Analysen und wird regelmäßig unterschätzt.
03
Analyse & ggf. Task Mining
Den Prozess rekonstruieren, Varianten und Engpässe sichtbar machen und — wo sinnvoll und datenschutzkonform abgestimmt — Task Mining ergänzen, um manuelle Tätigkeiten am Desktop zu erfassen. Betriebsrat und Datenschutz vor jeder bearbeiterbezogenen Aufzeichnung einbinden.
04
Automatisierung ableiten & umsetzen
Aus den Erkenntnissen konkrete Automatisierungskandidaten priorisieren und mit Power Automate umsetzen — als Cloud-Flow für Systemschnittstellen oder als Desktop-Flow für oberflächenbasierte Tätigkeiten. Jede Automatisierung testen und für den stabilen Betrieb vorbereiten.
05
Governance, Betrieb & Skalierung
Umgebungen, Berechtigungen und Datenrichtlinien im Rahmen des Power-Platform-Managements ordnen, den Betrieb der Flows überwachen und den Regelkreis aus Messen, Automatisieren und Nachmessen verstetigen. So wächst aus dem Piloten eine dauerhafte Fähigkeit.

Cloud-Betrieb und Lizenz-Kontext

Der Betrieb erfolgt als verwalteter Cloud-Dienst in der Azure-Umgebung. Für Anwenderunternehmen bedeutet das: keine eigene Infrastruktur, automatische Aktualisierung, aber auch eine Abhängigkeit von den Bereitstellungs- und Lizenzmodellen des Anbieters. Der Lizenz-Kontext ist bewusst qualitativ zu betrachten — Microsoft lizenziert die Power Platform über eine Mischung aus nutzer- und verbrauchsbasierten Modellen, und einzelne Fähigkeiten wie Task Mining oder bestimmte Premium-Konnektoren können an bestimmte Lizenzstufen gebunden sein. Welcher Umfang in einer vorhandenen Microsoft-365- oder Power-Platform-Lizenz bereits enthalten ist und was zusätzlich anfällt, ist im konkreten Fall beim Anbieter oder Partner zu prüfen. Pauschale Aussagen wären hier unseriös, weil die Modelle regelmäßig fortentwickelt werden.
Governance nicht dem Zufall überlassen

Die niedrige Einstiegshürde der Power Platform hat eine Kehrseite: Ohne klare Governance entstehen schnell unkontrollierte Flows und Datenzugriffe. Wer Microsoft Process Mining und die anschließende Automatisierung im Mittelstand einführt, sollte von Beginn an Umgebungen, Rollen, Datenrichtlinien und einen Freigabeprozess definieren — sonst wird die Stärke der Zugänglichkeit zum Risiko einer wildwuchernden Landschaft.

Rollen, Akzeptanz und der Wertnachweis

Wie bei jedem Process-Mining-Vorhaben entscheidet nicht allein die Technik über den Erfolg, sondern die Organisation. Es braucht einen fachlichen Verantwortlichen pro Prozess, ein technisches Verständnis für die Datenanbindung und eine Führungshaltung, die datenbasierte Sichtbarkeit als Chance zur Verbesserung versteht — nicht als Kontrollinstrument. Der kritische Meilenstein ist nicht der technische Start, sondern der erste belastbare Nachweis, dass eine abgeleitete Automatisierung tatsächlich Zeit spart oder Fehler reduziert. Dieser Nachweis trägt die Entscheidung, das Vorgehen auf weitere Prozesse auszuweiten.
Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Einsatz im DACH-Mittelstand

Microsoft Process Mining entfaltet seinen Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Abläufen — und im Mittelstand vor allem dort, wo bereits Microsoft-Lizenzen vorhanden sind und Analyse in Automatisierung münden soll. Hier die Szenarien, in denen der integrierte Ansatz im DACH-Markt am häufigsten erfolgreich ist.

Rechnungs- & Bestellprozesse

Von der Bestellung über die Rechnungsprüfung bis zur Freigabe: Die Analyse deckt Schleifen und manuelle Nacharbeiten auf, Task Mining zeigt repetitive Eingaben — ideale Kandidaten für Cloud- oder Desktop-Flows in Power Automate.

Durchlaufzeit & Nacharbeit
Auftrags- & Servicebearbeitung

Vom Auftragseingang bis zur Erledigung von Service-Tickets: Microsoft Process Mining macht die real gelebten Abläufe sichtbar und priorisiert Verbesserungen nach Wirkung — mit direkter Anbindung an die Umsetzung.

Engpässe sichtbar machen
Automatisierungs-Priorisierung

Bevor Flows gebaut werden, zeigen Analyse und Task Mining, welche Tätigkeiten sich wirklich lohnen: hoher manueller Aufwand, hohes Volumen, stabile Regeln. So fließt die knappe Umsetzungskapazität dorthin, wo der Hebel am größten ist.

RPA-Roadmap nach Wert
Onboarding & Stammdaten

Wiederkehrende administrative Prozesse wie Mitarbeiter-Onboarding oder Stammdatenpflege sind oft von manuellen Handgriffen geprägt. Task Mining legt sie offen, und die Automatisierung mit Power Automate entlastet die Fachbereiche spürbar.

Manuelle Handgriffe reduzieren
Kontinuierliche Verbesserung

Nach der Umsetzung von Automatisierungen misst die Analyse fortlaufend, ob die erwartete Wirkung eintritt. So entsteht ein dauerhafter Regelkreis aus Messen, Handeln und Nachmessen statt einer einmaligen Momentaufnahme.

Regelkreis statt Einmalprojekt
Einstieg ohne großes Programm

Für Mittelständler mit vorhandenen Microsoft-Lizenzen ist der niedrigschwellige Einstieg attraktiv: an einem klar abgegrenzten Prozess Erfahrung sammeln, ohne gleich ein großes, teures Process-Intelligence-Programm aufzusetzen.

Niedrige Einstiegshürde

Warum der Mittelstand besonders profitiert — und wo die Grenze liegt

Der DACH-Mittelstand ist für den Microsoft-Ansatz aus mehreren Gründen ein natürlicher Kandidat. Viele Häuser nutzen Microsoft 365 bereits flächendeckend, verfügen also über die Lizenz- und Kompetenzbasis. Die Bedarfe sind häufig konkret und begrenzt — ein paar wertstarke Prozesse verbessern, statt eine unternehmensweite Process-Intelligence-Initiative zu stemmen. Und die knappen Ressourcen sprechen für einen Ansatz, der Analyse und Umsetzung in einer Umgebung bündelt. Genau in diesem Zuschnitt spielt Microsoft Process Mining seine Stärke aus.
Die Grenze ist ebenso klar zu benennen: Sobald die Prozesse hochkomplex und objektzentriert sind, sobald tiefe SAP-Landschaften mit anspruchsvollen Extraktionsanforderungen im Spiel sind oder sobald Process Mining als eigenständige, strategische Disziplin mit maximaler analytischer Tiefe betrieben werden soll, verschieben sich die Vorteile zu den Spezialisten. Für den typischen mittelständischen Bedarf — pragmatische Verbesserung vorhandener Prozesse mit Anschluss an Automatisierung — überwiegen die Argumente für den integrierten Weg jedoch häufig.
Stärken
  • Nahtloser Übergang von Analyse zu Automatisierung
  • Tiefe Integration in Microsoft 365 und Power Platform
  • Niedrige Einstiegshürde bei vorhandenem MS-Stack
  • Process Mining und Task Mining aus einer Hand
  • Copilot als KI-Assistenz für Fachanwender
  • Gemeinsames Datenfundament über Dataverse
  • Viele Konnektoren zu Fach- und Fremdsystemen
  • EU-Regionen und EU-Datengrenze als Option
Einschränkungen
  • Geringere Mining-Tiefe als die Spezialisten
  • Nutzen stark an Microsoft-Ökosystem gebunden
  • Object-Centric Mining nur eingeschränkt
  • Tiefe SAP-Anbindung aufwendiger als bei Signavio
  • Lizenzmodell komplex, Umfang je Stufe zu prüfen
  • US-Konzern: Datentransfer bewusst gestalten
  • Task Mining datenschutzrechtlich sensibel
  • Governance nötig, sonst Flow-Wildwuchs
Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit

Zwei Themen entscheiden im Mittelstand über den realistischen Einsatz: die Gesamtkosten im Lizenz- und Verbrauchsmodell der Power Platform und der Datenschutz — denn Process Mining und Task Mining werten reale Prozess- und teils Personendaten sowie Bildschirmaufzeichnungen aus. Beides betrachten wir hier ehrlich und ohne erfundene Zahlen.

Lizenz-Kontext
nutzer-/verbrauchsbasiert · Power Platform
Teils in Microsoft-365-/Power-Platform-Lizenzen enthalten, teils zusätzlich
  • Der genaue Umfang hängt von der vorhandenen Lizenzierung ab. Einzelne Fähigkeiten wie Task Mining oder Premium-Konnektoren können an höhere Lizenzstufen gebunden sein. Konkreten Enthalten-/Zusatz-Umfang beim Anbieter oder Partner prüfen.
Datenaufbereitung & Umsetzung
Projektaufwand · einmalig + laufend
Datenanbindung, Modellierung, Flows bauen
  • Der oft unterschätzte Block: Ereignisdaten sauber bereitstellen, über Dataverse aufbereiten und die abgeleiteten Automatisierungen bauen, testen und stabilisieren. Erfordert Fach- und Plattform-Know-how.
Betrieb & Governance
laufend · Team & Pflege
  • Umgebungen, Rollen, Datenrichtlinien, Wartung der Flows
Einstieg / Pilot
gering · begrenzter Umfang
An einem abgegrenzten Prozess starten
  • Für den Proof of Concept eignet sich ein einzelner, wertstarker Prozess. So bleibt der Aufwand überschaubar und der Wertnachweis sauber führbar, bevor in die Breite investiert wird.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Die Gesamtkosten lassen sich nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Sie hängen von der vorhandenen Lizenzierung, dem Datenvolumen, der Zahl und Komplexität der Prozesse und dem Umfang der abgeleiteten Automatisierungen ab. Hinzu kommt, dass Microsoft seine Lizenz- und Verbrauchsmodelle regelmäßig weiterentwickelt. Jeder kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen — seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping. Was sich verlässlich sagen lässt: Bei vorhandenem Microsoft-Stack ist der wirtschaftliche Einstieg oft niedriger als bei einer dedizierten Enterprise-Plattform, während der Umsetzungs- und Betriebsaufwand für die Automatisierungen den eigentlichen Kostenblock bildet.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Weil Process Mining und besonders Task Mining reale Prozess- und teils Personendaten sowie Bildschirmaufzeichnungen auswerten, gehören diese Punkte von Anfang an sauber aufgesetzt:

Region & EU-Datengrenze
EU-Region wählen; Optionen der EU-Datengrenze prüfen und vertraglich festhalten
Serverstandort & Datentransfer
US-Konzern: mögliche Drittland-Bezüge und Subprozessoren prüfen und absichern
Auftragsverarbeitung
AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, technisch-organisatorische Maßnahmen dokumentieren
Datensparsamkeit
Nur die für den Use Case nötigen Felder erfassen; auf Klarnamen wo möglich verzichten
Pseudonymisierung
Bearbeiter-Kennungen pseudonymisieren, wo der Personenbezug nicht zwingend ist
Transparenz & Mitbestimmung
Beschäftigte offen informieren; Betriebsrat vor Task Mining frühzeitig einbinden

Serverstandort, EU-Datengrenze und Datentransfer

Microsoft ist ein US-Anbieter, und die Dienste laufen in der Azure-Cloud. Für den DACH-Mittelstand ist der entscheidende Gestaltungspunkt der Verarbeitungsort: Microsoft bietet EU-Regionen und im Rahmen der EU-Datengrenze Betriebsoptionen, die eine Verarbeitung innerhalb der EU begünstigen können — ein möglicher Vorteil gegenüber Konstellationen ohne EU-Bezug. Ob und in welchem Umfang das für die konkrete Nutzung gilt, hängt von der gewählten Region, der Lizenz und den Vertragsdetails ab und sollte vor der Einführung geklärt und dokumentiert werden. Weil Microsoft ein internationales Geschäft mit US-Mutterkonzern betreibt, sind zudem mögliche Drittland-Bezüge über Subprozessoren im Einzelfall zu prüfen und mit geeigneten Garantien abzusichern. Der Auftragsverarbeitungsvertrag ist der vertragliche Anker für all das.

Die besondere Sensibilität von Task Mining

Der datenschutzrechtlich heikelste Punkt ist das Task Mining. Eine Aufzeichnung der Tätigkeiten am Bildschirm erfasst potenziell personenbezogene Daten und ermöglicht — wenn sie bearbeiterbezogen ausgewertet wird — eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Beschäftigten. Das berührt nicht nur die DSGVO, sondern in Deutschland regelmäßig die betriebliche Mitbestimmung. Wer Task Mining einsetzt, sollte den Grundsatz der Datensparsamkeit konsequent anwenden, Auswertungen wo möglich aggregieren und pseudonymisieren, gegenüber den Beschäftigten transparent kommunizieren, dass das Ziel die Prozessverbesserung und nicht die Überwachung Einzelner ist, und Betriebsrat sowie Datenschutzbeauftragten von Anfang an einbinden. Diese Sorgfalt ist kein bürokratisches Beiwerk, sondern die Voraussetzung dafür, dass Task Mining überhaupt zulässig und in der Belegschaft akzeptiert ist.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung — insbesondere zu Drittlandtransfers, Datenschutz-Folgenabschätzung, Bildschirmaufzeichnung und Mitbestimmung — sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

Datenhoheit als Gestaltungsprinzip

Datenhoheit entsteht nicht allein aus der Wahl einer EU-Region, sondern aus der Summe vieler Entscheidungen. Je konsequenter bereits bei der Datenerfassung auf nicht benötigte personenbezogene Felder verzichtet wird, desto kleiner ist die Angriffsfläche — rechtlich wie sicherheitstechnisch. Rollenbasierte Zugriffe nach dem Need-to-know-Prinzip, ein durchdachtes Berechtigungskonzept über die Power-Platform-Umgebungen, klare Aufbewahrungsregeln und eine dokumentierte Governance ergänzen die vertragliche Absicherung. Für den Mittelstand empfiehlt sich, Datenschutz nicht als nachgelagerten Haken zu behandeln, sondern als Gestaltungsprinzip, das von der ersten Datenanbindung an mitgedacht wird. So bleibt der Einsatz von Microsoft Process Mining nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch rechtlich tragfähig und in der Belegschaft akzeptiert.
Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Microsoft Process Mining

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf — kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Microsoft Process Mining?
Microsoft Process Mining ist die Fähigkeit, reale Geschäftsprozesse aus ihren Ereignisdaten zu rekonstruieren und sichtbar zu machen — eingebettet in Power Automate und damit in die Microsoft Power Platform. Ergänzt wird die Prozessanalyse durch Task Mining, das Tätigkeiten am Desktop aufzeichnet. Der Kern des Ansatzes ist der nahtlose Übergang von der Analyse zur Automatisierung mit Power Automate, unterstützt durch den KI-Assistenten Copilot.
Ist Microsoft Process Mining ein eigenes Produkt?
Nein. Es ist keine eigenständige Insel, sondern eine Fähigkeit innerhalb von Power Automate, das wiederum Teil der Power Platform ist. Der Nutzen entsteht wesentlich aus der Integration mit Dataverse, Power BI, Copilot und Microsoft 365. Wer diese Umgebung nutzt, profitiert am meisten; wer keinen Microsoft-Bezug hat, sollte spezialisierte Alternativen prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Process Mining und Task Mining?
Process Mining rekonstruiert den Prozess aus Ereignisdaten der Fachsysteme — also aus Logs mit Fall-Zuordnung, Aktivität und Zeitstempel. Task Mining ergänzt diese Systemsicht um die Perspektive des Arbeitsplatzes, indem es über eine Aufzeichnung erfasst, wie Aufgaben am Bildschirm konkret erledigt werden. Zusammen schließen sie die Lücke zwischen dem, was das System protokolliert, und dem, was am Desktop wirklich geschieht. Task Mining ist dabei der datenschutzsensibelste Bestandteil.
Microsoft Process Mining oder Celonis — was ist die richtige Wahl?
Celonis ist der Process-Mining-Marktführer mit der größten analytischen Tiefe, Object-Centric Mining und herstellerneutraler Anbindung — die Referenz für strategisches, wertgetriebenes Process Mining über komplexe Prozesslandschaften. Microsoft Process Mining gewinnt dort, wo ein Microsoft-Stack vorhanden ist und Analyse nahtlos in Automatisierung münden soll. Die Wahl folgt der Systemlandschaft, dem Use Case und der Umsetzungskapazität.
Wie verhält es sich zu SAP Signavio?
Beide sind Ökosystem-Angebote, deren Stärke aus der Nähe zum jeweiligen Kernsystem erwächst: Signavio ist nativ in die SAP-Welt integriert und häufig Teil des SAP-Vertrags, Microsoft Process Mining ist in Microsoft 365 und die Power Platform eingebettet. Die Auswahl folgt oft der vorhandenen Landschaft. SAP-zentrierte Häuser finden in Signavio den kürzeren Weg, Microsoft-zentrierte in Microsoft Process Mining.
Welche Voraussetzungen sollte mein Unternehmen mitbringen?
Erstens brauchbare Ereignisdaten aus Fach- oder Microsoft-Systemen; zweitens idealerweise einen vorhandenen Microsoft-365- und Power-Platform-Bezug, aus dem der Integrationsvorteil erwächst; drittens die Bereitschaft, aus Erkenntnissen Automatisierungen zu machen und diese sauber zu betreiben. Ohne brauchbare Daten liefert auch die beste Funktion kein verwertbares Bild, und ohne Umsetzungswillen bleibt der Nutzen aus.
Was kostet Microsoft Process Mining?
Es gibt keinen einfachen Pauschalpreis. Die Fähigkeit ist Teil der Power-Platform-Lizenzierung, die nutzer- und verbrauchsbasiert funktioniert; einzelne Bestandteile wie Task Mining oder Premium-Konnektoren können an höhere Lizenzstufen gebunden sein. Der genaue Enthalten-/Zusatz-Umfang ist beim Anbieter oder Partner zu prüfen. Den größten Kostenblock bildet in der Praxis nicht die Lizenz, sondern die Datenaufbereitung, die Umsetzung der Automatisierungen und deren Betrieb.
Ist Microsoft Process Mining DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Gestaltung. Weil Ereignisdaten und besonders Task-Mining-Aufzeichnungen Personenbezug enthalten können, sind Datensparsamkeit, Pseudonymisierung, ein Berechtigungskonzept, ein Auftragsverarbeitungsvertrag sowie die frühzeitige Einbindung von Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat wichtig. Als US-Anbieter mit Azure-Cloud sollten Region (EU), EU-Datengrenze und mögliche Drittland-Bezüge vertraglich geklärt werden. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei Microsoft Process Mining?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich der integrierte Microsoft-Ansatz für Ihr Unternehmen rechnet, über die Use-Case-Wahl, die Datenanbindung und das Datenschutz-Setup bis zur abgeleiteten Automatisierung mit belegtem Nutzen. Wo Celonis, SAP Signavio oder ein Spezial-Tool besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad — unverbindlich und kostenlos.

Analyse und Automatisierung verbinden

Brauchen Sie eine ehrliche Microsoft-Process-Mining-Strategie?

Von der Use-Case-Wahl über die Datenanbindung und das Datenschutz-Setup bis zur abgeleiteten Automatisierung mit belegtem Nutzen – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich der integrierte Microsoft-Ansatz für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn Celonis, SAP Signavio oder ein Spezial-Tool besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

Seit 2006 am Markt

Erfahrung aus über 100 Digitalprojekten

DSGVO & Souveränität

Datenschutz von Anfang an mitgedacht

Rückmeldung in 24 h

Schnell, direkt, unverbindlich