Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

ARIS — die Prozessplattform mit deutschem Ursprung.

ARIS zählt zu den etabliertesten Plattformen für Business Process Management und hat den Markt für professionelle Prozessmodellierung über Jahrzehnte mitgeprägt. Ursprünglich aus dem deutschen Softwarehaus Software AG hervorgegangen, verbindet ARIS heute Prozessmodellierung – unter anderem in den Notationen EPK und BPMN –, ein zentrales Repository für Prozesslandkarten, Governance-Funktionen und Process Mining in einer durchgängigen Suite. Für den DACH-Mittelstand, der Prozesse nicht nur einmalig analysieren, sondern dauerhaft dokumentieren, steuern und weiterentwickeln will, ist ARIS besonders relevant. Diese ehrliche Praxiseinordnung zeigt, wann sich die Plattform lohnt und wann nicht.

21 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
ARIS
Ursprung: Software AG · deutscher Softwarehersteller
Ursprung
Software AG (Deutschland)
Typ
BPM-Plattform + Process Mining
Kernfunktionen
Modellierung · Governance · Mining
Notationen
EPK · BPMN
Betriebsmodelle
Cloud & On-Premise
Hauptwettbewerb
Signavio · Celonis · Microsoft
INAGRO Eignung ganzheitliches BPM & Prozess-Governance
Kapitel 01 · Überblick

Was ist ARIS – und für wen lohnt es sich?

ARIS ist eine der bekanntesten und am längsten etablierten Plattformen für Business Process Management (BPM) im deutschsprachigen Raum. Der Name steht ursprünglich für ein methodisches Rahmenwerk zur Beschreibung von Unternehmensarchitekturen und hat sich über die Jahrzehnte zu einer umfassenden Software-Suite entwickelt, die Prozessmodellierung, ein zentrales Prozess-Repository, Governance-Funktionen und Process Mining unter einem Dach vereint. Hervorgegangen ist ARIS aus dem deutschen Softwarehaus Software AG – ein Ursprung, der bis heute prägt, wie stark die Plattform auf Methodik, Dokumentation und dauerhafte Prozesssteuerung ausgerichtet ist.

Der grundlegende Anspruch von ARIS unterscheidet sich spürbar von reinen Process-Mining-Werkzeugen. Während Plattformen wie Celonis primär die datengetriebene Rekonstruktion realer Abläufe in den Mittelpunkt stellen, versteht sich ARIS traditionell als Heimat der Prozesse eines Unternehmens: der Ort, an dem Prozesse definiert, modelliert, freigegeben, versioniert und gepflegt werden. Aus diesem BPM-Kern heraus hat ARIS sein Portfolio um Process-Mining-Fähigkeiten erweitert und positioniert sich damit als Plattform, die den gesamten Kreislauf abdeckt: vom modellierten Soll-Prozess über die datenbasierte Analyse des Ist-Zustands bis zur gesteuerten Weiterentwicklung.
Drei Eigenschaften charakterisieren ARIS und erklären seine Marktstellung im DACH-Raum:
  • Methodische Tiefe und Modellierungsstärke – ARIS ist historisch das Referenzwerkzeug für strukturierte Prozessmodellierung. Es beherrscht etablierte Notationen wie die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) und den internationalen Standard BPMN und erlaubt es, Prozesse konsistent, wiederverwendbar und über verschiedene Detailebenen hinweg abzubilden.
  • Ein zentrales Repository als Single Source of Truth – statt verstreuter Visio-Zeichnungen und PowerPoint-Folien hält ARIS alle Modelle in einer gemeinsamen, verknüpften Datenbasis. Rollen, Systeme, Risiken und Kennzahlen lassen sich mit den Prozessschritten verbinden, sodass eine echte Prozesslandkarte des Unternehmens entsteht.
  • Governance und Enterprise-Reife – ARIS ist auf große, regulierte und dokumentationsintensive Organisationen ausgelegt. Freigabe-Workflows, Versionierung, Rollen- und Rechtekonzepte sowie Auswertungen für Audits gehören zum Kern und machen die Plattform für Compliance-getriebene Branchen anschlussfähig.
INAGRO-Einschätzung

Für Organisationen, die Prozesse nicht nur punktuell analysieren, sondern dauerhaft dokumentieren, steuern und in einem Repository pflegen wollen, ist ARIS in vielen Fällen eine sehr tragfähige Wahl – gerade dort, wo Governance, Auditfähigkeit und methodische Konsistenz zählen. Die ehrliche Kehrseite: ARIS ist keine leichtgewichtige Lösung für den schnellen Einstieg. Wer ausschließlich datengetriebenes Process Mining ohne Modellierungsanspruch sucht, findet bei spezialisierten Anbietern womöglich einen schnelleren Weg zum ersten Ergebnis. Die richtige Wahl folgt dem Anwendungsziel, nicht dem Bekanntheitsgrad.

Vom Modellierungswerkzeug zur Prozessplattform

ARIS begann als Werkzeug, um Prozesse sauber zu zeichnen und methodisch korrekt zu beschreiben. Dieser Ursprung ist kein Nachteil, sondern der Grund für die bis heute große Modellierungstiefe. Über die Jahre wuchs die Plattform jedoch weit über das reine Zeichnen hinaus: Prozessmodelle wurden mit Organisationsstrukturen, IT-Systemen, Risiken und Kennzahlen verknüpft, Freigabe- und Governance-Prozesse kamen hinzu, und schließlich wurde die datenbasierte Analyse in Form von Process Mining integriert. Aus dem Modellierungswerkzeug ist so eine Prozessplattform geworden, die den kompletten Lebenszyklus eines Prozesses begleiten kann.

BPM und Process Mining unter einem Dach

Der eigentliche Reiz von ARIS liegt in der Verbindung zweier Welten, die bei vielen Wettbewerbern getrennt sind. Auf der einen Seite steht das klassische Business Process Management: das bewusste Gestalten, Dokumentieren und Steuern von Soll-Prozessen. Auf der anderen Seite steht Process Mining: das faktenbasierte Sichtbarmachen dessen, was tatsächlich in den Systemen passiert. ARIS bringt beides zusammen, sodass sich Soll und Ist unmittelbar gegenüberstellen lassen – der modellierte Prozess und der real gelebte. Für Unternehmen, die einen geschlossenen Regelkreis aus Gestalten, Messen und Verbessern anstreben, ist diese Kombination der zentrale Unterschied.

Für wen ARIS gedacht ist

ARIS entfaltet seinen Wert vor allem dort, wo Prozesse eine strategische und dauerhafte Bedeutung haben: in Organisationen mit einem aktiven Prozessmanagement, mit Dokumentations- und Nachweispflichten, mit dem Wunsch nach einer verlässlichen Prozesslandkarte über Abteilungsgrenzen hinweg. Das trifft auf viele Mittelständler zu, die gewachsen sind und ihre Abläufe konsolidieren wollen, ebenso wie auf regulierte Branchen. Weniger geeignet ist ARIS für Unternehmen, die lediglich einen einzelnen Prozess kurzfristig durchleuchten wollen, ohne die Absicht, Prozesse anschließend dauerhaft zu pflegen – hier kann der methodische Anspruch der Plattform mehr Aufwand bedeuten, als der punktuelle Bedarf rechtfertigt.
Kapitel 02 · Produktfamilie & Positionierung

Die ARIS-Produktfamilie und ihre Positionierung

ARIS ist keine einzelne Anwendung, sondern eine Produktfamilie mit unterschiedlichen Editionen und Betriebsmodellen. Vom kompakten Einstieg für kleinere Teams bis zur umfassenden Enterprise-Suite mit Governance und Process Mining decken die Ausbaustufen sehr verschiedene Bedarfe ab. Wichtig für die Auswahl: Die genauen Editionsnamen, Leistungsumfänge und Bündelungen ändern sich im Zeitverlauf – der konkrete Zuschnitt sollte stets beim Anbieter geprüft werden.

Einstiegs- & Team-Edition
Einstieg

Auf Modellierung und Zusammenarbeit fokussierte Ausbaustufe für kleinere Teams und erste Prozessinitiativen. Ermöglicht das strukturierte Erfassen und Teilen von Prozessen, ohne den vollen Governance- und Mining-Umfang vorauszusetzen.

FokusModellierung & Teilen
ZielgruppeKleine Teams
BetriebMeist Cloud
GrenzeWeniger Governance
Enterprise-BPM-Suite
Enterprise

Der umfassende Ausbau mit vollständiger Modellierung, zentralem Repository, Governance-Workflows, Rollen- und Rechtekonzept sowie Auswertungen. Ausgelegt auf unternehmensweites Prozessmanagement über viele Nutzer und Abteilungen hinweg.

FokusUnternehmensweites BPM
KernRepository & Governance
BetriebCloud & On-Premise
EignungGroße Prozesslandschaften
Process-Mining-Erweiterung
Analyse

Ergänzt die BPM-Suite um datengetriebene Analyse: Rekonstruktion realer Abläufe aus Systemdaten, Abgleich mit den modellierten Soll-Prozessen und Aufdecken von Abweichungen. Verbindet Modellierungswelt und Datenwelt.

ZweckIst-Analyse aus Daten
StärkeSoll-Ist-Abgleich
QuellenERP, CRM, Fachsysteme
HinweisUmfang beim Anbieter prüfen
Governance- & Publishing-Module
Steuerung

Zusätzliche Bausteine für Freigabe-Workflows, Prozess-Portale zur breiten Veröffentlichung im Unternehmen und die Verbindung zu Managementsystemen. Machen aus dem Repository ein lebendiges, gesteuertes Prozesshandbuch.

ZweckFreigabe & Publizieren
NutzenProzesse im Zugriff aller
BezugCompliance & Audit
BetriebCloud & On-Premise

Cloud oder On-Premise – zwei Betriebswelten

Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal von ARIS gegenüber vielen jüngeren, rein cloudbasierten Wettbewerbern ist die Wahlfreiheit beim Betriebsmodell. ARIS wird sowohl als Cloud-Angebot betrieben, das der Anbieter bereitstellt und wartet, als auch in einer On-Premise-Variante, bei der die Plattform in der eigenen Infrastruktur des Unternehmens läuft. Diese Wahlmöglichkeit ist mehr als ein technisches Detail: Für Organisationen mit strengen Anforderungen an Datenhoheit, mit eigenen Rechenzentren oder mit regulatorischen Vorgaben zur Datenverarbeitung im eigenen Haus ist die On-Premise-Option ein handfestes Argument. Umgekehrt reduziert der Cloud-Betrieb den eigenen Aufwand für Installation, Aktualisierung und Skalierung erheblich. Welche Editionen jeweils in welchem Betriebsmodell verfügbar sind, sollte konkret beim Anbieter geprüft werden, da sich das Angebot weiterentwickelt.

Positionierung im Markt

ARIS positioniert sich als ganzheitliche Prozessplattform mit starkem BPM-Kern und ergänzendem Process Mining. Das unterscheidet die Plattform von zwei Nachbarkategorien: Reine Process-Mining-Spezialisten setzen den Schwerpunkt auf die datengetriebene Analyse und weniger auf die dauerhafte Modellierung und Governance. Reine Modellierungs- oder Zeichenwerkzeuge wiederum bieten zwar Diagramme, aber kein verknüpftes Repository, keine Governance und keine Datenanalyse. ARIS versucht, die Brücke zu schlagen. Diese Positionierung als Gesamtplattform ist zugleich Stärke und Herausforderung: Sie deckt viel ab, verlangt aber auch eine klare Vorstellung davon, welche Teile man tatsächlich nutzen möchte, damit die Investition nicht in ungenutzte Breite fließt.

BPM-Suite mit Process-Mining-Erweiterung

Wer ARIS einordnen will, sollte die Reihenfolge der Entstehung im Kopf behalten: Zuerst war die BPM- und Modellierungswelt da, das Process Mining kam später hinzu. Das prägt bis heute die Charakteristik. In der Modellierung, im Repository und in der Governance ist ARIS außergewöhnlich reif und tief. Das Process Mining ist ein wertvoller, gut integrierter Baustein, wird aber von manchen Anwendern als Ergänzung des BPM-Kerns wahrgenommen und nicht als dessen Herzstück. Für Unternehmen, deren Priorität auf durchgängigem Prozessmanagement liegt, ist genau diese Gewichtung ideal. Wer dagegen zuallererst tiefes, spezialisiertes Process Mining sucht, sollte die konkrete Mining-Funktionalität im Detail bewerten und mit spezialisierten Anbietern abgleichen.
Praxis-Hinweis zur Editionswahl

Weil sich Editionszuschnitte, Bündel und Betriebsoptionen regelmäßig ändern, ist die wichtigste Empfehlung: Nicht von einer alten Broschüre oder einem Forenbeitrag ausgehen, sondern den aktuellen Zuschnitt direkt beim Anbieter oder über einen Partner klären – und zwar entlang des eigenen konkreten Bedarfs. Aus INAGRO-Sicht beginnt eine gute Auswahl nicht mit der Frage „Welche Edition?“, sondern mit „Welche Prozessziele verfolgen wir und welche Funktionen brauchen wir dafür wirklich?“.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von ARIS im Überblick

Der Kern von ARIS lässt sich in vier zusammenwirkende Bereiche gliedern: die Prozessmodellierung, das zentrale Repository mit den Prozesslandkarten, die Governance-Funktionen und das Process Mining. Erst im Zusammenspiel entsteht der durchgängige Prozesslebenszyklus, für den die Plattform steht.

Modellierung (EPK & BPMN)
Kern

Strukturierte Abbildung von Prozessen in etablierten Notationen. Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) und der internationale Standard BPMN erlauben es, Abläufe konsistent, mehrstufig und wiederverwendbar zu modellieren.

NotationenEPK, BPMN, weitere
PrinzipWiederverwendbare Objekte
StärkeMethodische Konsistenz
Repository & Prozesslandkarten
Datenbasis

Alle Modelle liegen in einer gemeinsamen, verknüpften Datenbank. Objekte wie Rollen, Systeme und Kennzahlen werden nur einmal gepflegt und überall wiederverwendet – die Grundlage einer konsistenten Prozesslandkarte.

PrinzipSingle Source of Truth
NutzenKonsistenz & Wiederverwendung
BezugOrganisation, IT, Risiken
Governance & Workflows
Steuerung

Freigabe-Workflows, Versionierung, Kommentierung und Rollen-/Rechtekonzepte sorgen dafür, dass Prozesse nicht nur gezeichnet, sondern kontrolliert weiterentwickelt werden. Wichtig für Auditfähigkeit und Nachvollziehbarkeit.

FunktionFreigabe & Versionierung
ZweckKontrollierte Pflege
BezugCompliance & Audit
Process Mining & Analyse
Daten

Rekonstruktion realer Abläufe aus Systemdaten und Abgleich mit den modellierten Soll-Prozessen. Dashboards und Auswertungen machen Engpässe, Durchlaufzeiten und Abweichungen sichtbar.

GrundlageEvent Logs
StärkeSoll-Ist-Abgleich
ErgebnisAbweichungen sichtbar

Prozessmodellierung mit EPK und BPMN

Das Herzstück von ARIS ist die Modellierung. Die Plattform unterstützt die Ereignisgesteuerte Prozesskette, eine im deutschsprachigen Raum weit verbreitete Notation, ebenso wie BPMN, den internationalen Industriestandard für Geschäftsprozessmodelle. Diese Doppelunterstützung ist praktisch relevant: Viele DACH-Organisationen haben ihre bestehende Prozessdokumentation in EPK aufgebaut, während neuere, systemnahe und ausführungsorientierte Modelle häufig in BPMN entstehen. ARIS erlaubt es, beide Welten zu pflegen und dieselben zugrunde liegenden Objekte – etwa Rollen oder Systeme – über Notationsgrenzen hinweg wiederzuverwenden. Der methodische Anspruch sorgt dafür, dass Modelle nicht als isolierte Bilder, sondern als strukturierte, konsistente und auswertbare Objekte entstehen.

Repository und Prozesslandkarten

Der eigentliche Unterschied zu einem simplen Zeichenwerkzeug liegt im Repository. Statt hunderter unverbundener Einzeldiagramme hält ARIS alle Modelle in einer gemeinsamen Datenbasis, in der Objekte nur einmal existieren und überall referenziert werden. Ändert sich die Bezeichnung einer Rolle oder wird ein System abgelöst, lässt sich das zentral pflegen und schlägt konsistent in allen betroffenen Prozessen durch. Auf dieser Basis entstehen Prozesslandkarten, die vom groben Überblick der Hauptprozesse bis in die detaillierte Arbeitsanweisung hinabreichen. Diese verknüpfte, mehrstufige Struktur ist die Grundlage dafür, dass eine Organisation ihre Prozesse tatsächlich als zusammenhängendes System versteht und nicht als Sammlung von Insellösungen.

Governance, Rollen und Freigaben

Modelle sind nur so wertvoll wie ihre Aktualität und Verbindlichkeit. Hier setzen die Governance-Funktionen an. Freigabe-Workflows stellen sicher, dass Prozessänderungen geprüft und autorisiert werden, bevor sie gültig werden. Versionierung macht nachvollziehbar, wer wann was geändert hat. Rollen- und Rechtekonzepte steuern, wer modellieren, kommentieren oder nur lesen darf. Über Prozess-Portale lassen sich freigegebene Prozesse breit im Unternehmen veröffentlichen, sodass Mitarbeitende an ihrem Arbeitsplatz jederzeit den gültigen Ablauf nachschlagen können. Für regulierte Branchen und für Organisationen mit Managementsystemen nach gängigen Normen ist diese kontrollierte, nachweisbare Pflege oft der ausschlaggebende Grund für ARIS.

Process Mining innerhalb der Plattform

Die datengetriebene Analyse ergänzt den Modellierungskern um die Perspektive der Realität. ARIS liest Ereignisdaten aus den operativen Systemen und rekonstruiert daraus, wie ein Prozess tatsächlich abläuft – mit allen Schleifen, Nacharbeiten und Ausnahmen. Der besondere Wert innerhalb der ARIS-Welt liegt im unmittelbaren Abgleich: Der modellierte Soll-Prozess und der aus Daten rekonstruierte Ist-Prozess stehen im selben System nebeneinander. Abweichungen werden so nicht nur sichtbar, sondern lassen sich direkt auf das dokumentierte Sollbild beziehen. Dieser geschlossene Kreislauf – modellieren, messen, abgleichen, anpassen – ist das konzeptionelle Alleinstellungsmerkmal einer integrierten BPM-und-Mining-Plattform gegenüber getrennten Einzelwerkzeugen.
Warum das in der Praxis zählt

Der größte praktische Hebel von ARIS ist selten eine einzelne Funktion, sondern die Verbindung aus verlässlicher Dokumentation und datenbasiertem Realitätsabgleich. Aus unserer Projekterfahrung entsteht der Mehrwert vor allem dann, wenn das Repository gepflegt und gelebt wird – ein verwaistes Prozessarchiv, das niemand aktualisiert, verliert seinen Wert unabhängig von der Mächtigkeit des Werkzeugs. Governance ist deshalb kein bürokratischer Zusatz, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Prozesslandkarte dauerhaft brauchbar bleibt.

Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI- und Automatisierungsfunktionen in ARIS

Wie nahezu alle etablierten Prozessplattformen erweitert ARIS seinen Funktionsumfang zunehmend um KI-gestützte Assistenz und Automatisierungsbrücken. Der Anspruch: Modellierung beschleunigen, Analysen zugänglicher machen und den Sprung von der Erkenntnis zur Umsetzung verkürzen. Weil sich dieser Bereich schnell weiterentwickelt, sind die folgenden Funktionsgruppen qualitativ beschrieben – konkrete Verfügbarkeiten und Ausbaustufen sind beim Anbieter zu prüfen.

KI-gestützte Modellierung

Assistenzfunktionen können helfen, Prozessmodelle schneller zu erstellen – etwa indem aus textlichen Beschreibungen erste Modellentwürfe generiert oder Vorschläge zur Vervollständigung und Standardisierung gemacht werden. Das senkt die Einstiegshürde für Fachbereiche.

Schnellerer Modellentwurf
Sprachgestützte Analyse

Anwender können Fragen zu Prozessen zunehmend in natürlicher Sprache stellen, statt komplexe Auswertungen manuell zu konfigurieren. KI hebt Auffälligkeiten hervor und macht Analyseergebnisse auch für Nutzer ohne Analyse-Hintergrund zugänglich.

Analyse demokratisieren
Mining-basierte Empfehlungen

Auf Basis der aus Daten rekonstruierten Prozesse können Auffälligkeiten wie Engpässe, häufige Nacharbeiten oder Regelabweichungen automatisiert identifiziert und als priorisierte Verbesserungshinweise aufbereitet werden.

Priorisierte Hinweise
Brücke zur Automatisierung

Aus identifizierten Optimierungs- und Automatisierungspotenzialen lassen sich Anschlüsse zu Workflow- und RPA-Werkzeugen herstellen. ARIS liefert dabei die analytische und dokumentarische Grundlage, auf der Automatisierungsentscheidungen fundiert getroffen werden.

Von Analyse zu Umsetzung

Wo KI in der Prozessarbeit wirklich hilft

Der nüchterne Blick auf KI in Prozessplattformen lohnt sich. Der reale Nutzen liegt heute vor allem in zwei Bereichen: erstens in der Beschleunigung mühsamer Routinearbeit – das Erstellen erster Modellentwürfe, das Standardisieren von Bezeichnungen, das Zusammenfassen von Analyseergebnissen. Zweitens in der Zugänglichkeit – Fachanwender, die keine Modellierungs- oder Analyseexperten sind, können über Sprache leichter einsteigen. Was KI nicht leistet, ist der Ersatz für fachliches Prozessverständnis oder für saubere Daten. Ein KI-generiertes Modell ist ein Entwurf, kein fertiges Ergebnis, und eine KI-gestützte Analyse ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Daten. Aus INAGRO-Sicht ist die richtige Haltung, KI als Beschleuniger und Assistenten zu nutzen, nicht als Autopiloten.

Automatisierung: ARIS als Kopf, nicht als Hand

Eine wichtige Abgrenzung betrifft die Rolle von ARIS im Automatisierungsgeschehen. ARIS ist keine RPA-Software, die selbst Bots ausführt, und keine Workflow-Engine, die operative Abläufe steuert. Die Stärke liegt vielmehr im Analysieren, Dokumentieren und Priorisieren: ARIS zeigt, welche Schritte sich für eine Automatisierung lohnen, hält den Prozesskontext dokumentiert und bildet damit die verlässliche Grundlage, auf der spezialisierte Automatisierungswerkzeuge aufsetzen. Bildlich gesprochen ist ARIS eher der Kopf, der plant und steuert, als die Hand, die ausführt. Für ein Hyperautomatisierungs-Programm ist genau diese analytische und dokumentarische Schicht wertvoll, weil sie Automatisierungsentscheidungen versachlicht und verhindert, dass in unpassende Prozesse investiert wird.
Realistische Erwartung an KI

KI-Funktionen entwickeln sich derzeit rasch weiter, und Marketingversprechen laufen der Praxis oft voraus. Unsere Empfehlung: KI-Funktionen anhand des eigenen konkreten Nutzens bewerten, nicht anhand der Demonstration. Die Frage lautet nicht „Kann das Tool KI?“, sondern „Beschleunigt diese Funktion eine Aufgabe, die uns heute tatsächlich Zeit kostet?“. Und weil KI mit realen Prozessdaten arbeitet, gelten für sie dieselben Datenschutz-Leitplanken wie für das Process Mining insgesamt.

Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das ARIS-Ökosystem

Eine Prozessplattform ist nur so nützlich wie ihre Anbindung an die reale Systemlandschaft. ARIS lebt von zwei Arten der Integration: dem Anzapfen operativer Datenquellen für das Process Mining und der Verbindung zu vor- und nachgelagerten Werkzeugen der Prozess- und Automatisierungskette. Beides entscheidet darüber, wie tief sich die Plattform in den Unternehmensalltag einfügt.

Datenquellen für das Process Mining

Damit ARIS reale Prozesse rekonstruieren kann, benötigt es Ereignisdaten aus den operativen Systemen. Diese stammen typischerweise aus ERP-Systemen, aus CRM-Plattformen und aus Fachanwendungen, in denen die täglichen Geschäftsvorfälle verarbeitet werden. Die Anbindung erfolgt über Konnektoren und Datenschnittstellen, die die relevanten Ereignisprotokolle extrahieren und in ein für die Analyse geeignetes Format überführen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei weniger die technische Verbindung als die Qualität und Vollständigkeit der Daten: Nur wenn Zeitstempel, Vorgangs-Kennungen und Aktivitäten sauber und einheitlich vorliegen, entsteht ein aussagekräftiges Bild des tatsächlichen Prozesses.

ERP-Anbindung, insbesondere SAP

Im DACH-Mittelstand dominiert häufig SAP als führendes ERP-System, ergänzt um weitere Fachsysteme. Die Anbindung an solche ERP-Landschaften ist deshalb ein zentrales Thema jeder ARIS-Einführung mit Mining-Anspruch. Grundsätzlich lassen sich die Prozessdaten aus ERP-Systemen extrahieren, um Kernprozesse wie Beschaffung oder Auftragsabwicklung datenbasiert zu analysieren. Wie tief und wie komfortabel diese Anbindung im konkreten Fall ist, hängt von der Systemversion, der Datenstruktur und den verfügbaren Schnittstellen ab und sollte im Rahmen eines Scopings geprüft werden. Wichtig ist die realistische Erwartung: Die ERP-Anbindung ist selten ein Knopfdruck, sondern ein eigenes Teilprojekt, dessen Aufwand von der Sauberkeit der Quelldaten abhängt.

Schnittstellen, Import und Export

Neben der Datenextraktion für das Mining zählt die Offenheit der Plattform gegenüber der übrigen Werkzeuglandschaft. Prozessmodelle sollten sich importieren und exportieren lassen, damit bestehende Dokumentation übernommen und Ergebnisse in anderen Systemen weiterverwendet werden können. Standardisierte Austauschformate für BPMN-Modelle erleichtern den Wechsel und die Zusammenarbeit mit anderen Werkzeugen. Über Programmierschnittstellen (APIs) lässt sich ARIS zudem in eigene Anwendungen und Automatisierungsketten einbinden. Für die langfristige Investitionssicherheit ist diese Offenheit ein wichtiges Kriterium: Sie verringert die Abhängigkeit von einem einzelnen Werkzeug und hält den Weg für spätere Architekturänderungen offen.

Das Ökosystem aus Partnern und Anschlusswerkzeugen

ARIS ist über viele Jahre gewachsen und verfügt über ein etabliertes Umfeld aus Beratungs- und Implementierungspartnern sowie über Anknüpfungspunkte zu benachbarten Disziplinen wie Enterprise-Architektur-Management, Governance-, Risk- und Compliance-Werkzeugen und Automatisierungsplattformen. Für Anwenderunternehmen bedeutet dieses gewachsene Ökosystem zweierlei. Positiv: Es gibt erfahrene Partner, bewährte Vorgehensmodelle und viel verfügbares Wissen. Zu bedenken: Ein reifes Ökosystem geht oft mit einer gewissen Komplexität einher, und die Auswahl des richtigen Partners sowie der passenden Anschlusswerkzeuge will bewusst getroffen werden. Aus unserer Sicht ist ein erfahrener, herstellerunabhängiger Blick gerade hier hilfreich, damit die Integrationsstrategie dem Bedarf folgt und nicht der maximalen technischen Möglichkeit.
Integration ist ein Teilprojekt, kein Detail

In unseren Projekten wird der Aufwand für die Datenanbindung regelmäßig unterschätzt. Wir empfehlen, die Integration von Anfang an als eigenständigen Arbeitsstrom zu planen – mit Verantwortlichen aus IT und Fachbereich, mit einer ehrlichen Bewertung der Datenqualität und mit einem klar abgegrenzten ersten Anwendungsfall. Wer hier sauber startet, vermeidet die häufigste Ursache für verzögerte oder enttäuschende Prozessinitiativen.

Kapitel 06 · Abgrenzung

ARIS im Vergleich zum Wettbewerb

ARIS ist etabliert, aber nicht der einzige relevante Anbieter. Wie ordnet sich die Plattform gegenüber Celonis, SAP Signavio und Microsoft ein? Diese Übersicht macht die unterschiedlichen Schwerpunkte transparent – mit dem ehrlichen Fazit, wann ARIS die stärkste Wahl ist und wann ein anderer Weg besser passt.

Kriterium ARIS Celonis SAP Signavio Microsoft
BPM-Modellierung (EPK/BPMN) Marktführend Ergänzend Stark Eingeschränkt
Repository & Prozesslandkarten Sehr stark Datenmodell-orientiert Stark Eingeschränkt
Governance & Auditfähigkeit Ausgeprägt Vorhanden Ausgeprägt Über Plattform
Process-Mining-Tiefe Solide, integriert Marktführend Sehr gut Solide
SAP-Nähe Über Konnektoren Sehr stark Nativ (SAP) Über Konnektoren
Betriebsmodelle Cloud & On-Premise Cloud-Fokus Cloud-Fokus Cloud (Azure)
DACH-/EU-Bezug Deutscher Ursprung Deutsche Herkunft Deutsche Herkunft US-Konzern
Einstiegshürde / Komplexität Hoch Hoch Mittel Mittel
Schwerpunkt Ganzheitliches BPM Wertorientiertes Mining BPM + Mining (SAP) Automatisierung (Power Platform)

Wann ARIS die stärkste Wahl ist

Aus unserer Beratungspraxis sind die Stärken von ARIS klar konturiert. Erstens, wenn ganzheitliches, dauerhaftes Prozessmanagement das Ziel ist – wenn Prozesse also nicht nur einmalig analysiert, sondern modelliert, freigegeben, versioniert und gepflegt werden sollen. Hier ist die Modellierungs- und Repository-Tiefe kaum zu übertreffen. Zweitens, wenn Governance, Auditfähigkeit und Nachweispflichten eine große Rolle spielen, etwa in regulierten Branchen oder bei zertifizierten Managementsystemen. Drittens, wenn ein Unternehmen aus Gründen der Datenhoheit oder der bestehenden Infrastruktur einen On-Premise-Betrieb bevorzugt – eine Option, die viele rein cloudbasierte Wettbewerber nicht in gleicher Weise bieten.

Wann ARIS nicht die naheliegende Wahl ist

Ebenso ehrlich gehören die Gegenfälle benannt. ARIS ist nicht die naheliegende Wahl, wenn der alleinige Bedarf tiefes, wertorientiertes Process Mining mit ausgeprägter Quantifizierung und ausgelösten Maßnahmen ist – dann spielt ein spezialisierter Mining-Anbieter wie Celonis seine Stärke aus. Es ist auch nicht zwingend erste Wahl, wenn die Systemlandschaft rein SAP-zentriert ist und eine nativ in die SAP-Welt integrierte Lösung wie SAP Signavio, die häufig schon im SAP-Vertrag enthalten ist, die Anforderungen abdeckt. Und es ist überdimensioniert, wenn lediglich einige wenige Diagramme gezeichnet werden sollen, ohne die Absicht, ein gepflegtes Repository und Governance aufzubauen – dafür genügt ein leichtgewichtiges Modellierungswerkzeug. Schließlich gilt auch hier: Ohne brauchbare Daten und ohne die Bereitschaft, Prozesse dauerhaft zu pflegen, bleibt selbst die reifste Plattform wirkungslos.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nach Fit, nicht nach Markenglanz. ARIS ist eine Referenz für ganzheitliches, governance-starkes Prozessmanagement mit deutschem Ursprung und Betriebswahlfreiheit. In rein mining-getriebenen Szenarien gehört Celonis fair in den Vergleich, in SAP-zentrierten Signavio, in automatisierungsgetriebenen die Microsoft Power Platform. Die richtige Wahl folgt aus Anwendungsziel, vorhandenem Stack und Betriebsanforderungen – wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen.

Der Markt insgesamt: Verschmelzung der Kategorien

Ein Blick auf die Marktbewegung hilft bei der Einordnung. BPM, Process Mining und Automatisierung wachsen zunehmend zusammen. Modellierungswerkzeuge ergänzen datengetriebene Analyse, Mining-Anbieter fügen Governance hinzu, und ERP-Häuser bündeln eigene Prozessangebote. Für Anwenderunternehmen bedeutet das, dass die Frage „welches Tool“ immer häufiger zur Frage „welche Gesamtarchitektur“ wird. ARIS positioniert sich in dieser Bewegung als integrierte Plattform, die von der Modellierung her kommt. Wer den Prozess als dauerhaft zu steuerndes Gut versteht, findet darin einen stabilen Ankerpunkt; wer den Prozess primär als Datenanalyse-Objekt betrachtet, wird die Gewichte anders setzen. Diese strategische Grundhaltung – Prozessgestaltung oder Prozessanalyse zuerst – ist oft der eigentliche Entscheidungspunkt hinter der Werkzeugwahl.
Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Wie Sie ARIS strukturiert einführen

Eine erfolgreiche ARIS-Einführung folgt einem bewährten Muster – mit klarem Fokus auf ein Zielbild, saubere Modellierungs- und Governance-Konventionen und die frühe Klärung des Betriebsmodells. Wer „nur die Plattform kauft“ und ohne Konzept startet, riskiert ein verwaistes Prozessarchiv ohne Wirkung.

01
Zielbild & Anwendungsfall definieren
Wofür soll ARIS konkret dienen – Dokumentation, Governance, datenbasierte Analyse oder alles zusammen? Ein klar abgegrenzter erster Anwendungsfall, ein Verantwortlicher und messbare Erfolgskriterien geben der Einführung Richtung. Auch das Betriebsmodell (Cloud oder On-Premise) sollte früh entschieden werden.
02
Konventionen & Repository-Struktur
Bevor modelliert wird, braucht es Konventionen: welche Notation für welchen Zweck, welche Namensregeln, welche Detailtiefe, welche Objekte wiederverwendet werden. Diese Modellierungs- und Repository-Governance ist der oft unterschätzte, aber entscheidende Grundstein für eine dauerhaft konsistente Prozesslandkarte.
03
Pilot mit erstem Prozessbereich
An einem abgegrenzten Prozessbereich die Modellierung, gegebenenfalls die Datenanbindung für das Mining und die Freigabe-Workflows erproben. Der Pilot liefert den Nachweis, dass Methodik und Werkzeug zusammenpassen, und schafft die Vorlage für die spätere Skalierung.
04
Rollout, Portal & Center of Excellence
Schrittweise weitere Bereiche erschließen, die freigegebenen Prozesse über ein Portal breit verfügbar machen und ein kleines Center of Excellence für Methodik, Standards und Betreuung aufbauen. Schulung der Fachbereiche und konsequente Governance sichern die Akzeptanz.
05
Betrieb, Pflege & Weiterentwicklung
Die Prozesslandkarte lebt nur, wenn sie gepflegt wird. Regelmäßige Reviews, Aktualisierung bei Prozess- und Systemänderungen und der Regelkreis aus Modellieren, Messen und Anpassen verstetigen den Nutzen. Beim Cloud-Betrieb übernimmt der Anbieter die technische Wartung, bei On-Premise die eigene IT.

Cloud oder On-Premise – die Betriebsentscheidung

Die Wahl des Betriebsmodells ist bei ARIS eine der frühesten und folgenreichsten Entscheidungen. Der Cloud-Betrieb reduziert den eigenen Aufwand deutlich: Installation, Aktualisierung, Skalierung und ein Teil der Sicherheitsverantwortung liegen beim Anbieter. Das senkt die Einstiegshürde und beschleunigt den Start. Der On-Premise-Betrieb hingegen gibt dem Unternehmen die volle Kontrolle über die Umgebung und die Daten – ein gewichtiges Argument, wo Datenhoheit, regulatorische Vorgaben oder bestehende Rechenzentrums-Strategien den Ausschlag geben. Der Preis dafür ist mehr eigener Betriebsaufwand und Verantwortung. Es gibt keine pauschal richtige Antwort; die Entscheidung sollte entlang von Datenschutzanforderungen, IT-Strategie und vorhandenen Kapazitäten getroffen werden.

Der kritische Erfolgsfaktor ist die gelebte Pflege

In unseren Projekten ist nicht der technische Go-live der kritische Punkt, sondern die Frage, ob die Organisation die Prozesse anschließend tatsächlich pflegt und nutzt. Ein Repository, das nach dem Projektabschluss nicht aktualisiert wird, veraltet schnell und verliert seine Autorität. Deshalb planen wir jede Einführung so, dass Verantwortlichkeiten, Review-Zyklen und ein Center of Excellence von Anfang an mitgedacht sind. Der Unterschied zwischen einer teuren Zeichensammlung und einer wirksamen Prozessplattform liegt selten in der Software, sondern fast immer in der Governance und der Konsequenz, mit der sie gelebt wird.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem klar abgegrenzten Prozessbereich und einem eindeutigen Zielbild starten, Modellierungs- und Repository-Konventionen früh festlegen, das Betriebsmodell entlang der Datenschutzanforderungen wählen und von Beginn an Verantwortliche für die Pflege benennen. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko und schafft die Grundlage für eine fundierte Skalierungsentscheidung.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

ARIS im deutschen Mittelstand

ARIS entfaltet seinen Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Aufgaben. Hier die Szenarien, in denen die Plattform im DACH-Mittelstand – und im Kerngebiet von INAGRO, der Prozessoptimierung – am häufigsten sinnvoll eingesetzt wird, mit realistischer Einordnung des Nutzens aus unserer Projektpraxis.

Prozessdokumentation aufbauen

Verstreute Visio-Zeichnungen, Word-Dokumente und implizites Wissen werden in eine konsistente, verknüpfte Prozesslandkarte überführt. Gerade bei gewachsenen Mittelständlern schafft das erstmals einen verlässlichen Überblick über die eigenen Abläufe.

Überblick & Konsistenz
Zertifizierung & Managementsysteme

Für Qualitäts-, Umwelt- oder Sicherheitsmanagementsysteme liefert ARIS die dokumentierte, versionierte und freigegebene Prozessbasis, die Audits verlangen. Nachweise entstehen aus dem Repository, statt kurz vor dem Audit mühsam zusammengesucht zu werden.

Auditfähigkeit
Soll-Ist-Abgleich per Mining

Der dokumentierte Soll-Prozess wird dem aus Daten rekonstruierten Ist-Prozess gegenübergestellt. Abweichungen, Nacharbeiten und Engpässe werden faktenbasiert sichtbar – die Grundlage für gezielte, priorisierte Verbesserungen statt Bauchgefühl.

Fakten statt Annahmen
Onboarding & Wissenssicherung

Über ein Prozess-Portal finden neue Mitarbeitende und Fachbereiche jederzeit den gültigen Ablauf. Beim Ausscheiden erfahrener Kräfte bleibt das Prozesswissen im Unternehmen erhalten – ein oft unterschätzter Wert im Fachkräftemangel.

Wissen im Haus halten
Automatisierung vorbereiten

Bevor RPA- oder Workflow-Projekte gestartet werden, liefert ARIS die dokumentierte und analysierte Grundlage: Welche Schritte lohnen sich, wo ist der manuelle Aufwand hoch, wo sind die Regeln stabil? So fließt das Budget in die wirksamsten Vorhaben.

Fundierte Roadmap
Kontinuierliche Verbesserung

Statt einmaliger Projekte entsteht ein dauerhafter Regelkreis: modellieren, veröffentlichen, messen, anpassen. ARIS wird so zum Rückgrat eines gelebten kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, der über einzelne Initiativen hinaus trägt.

Regelkreis statt Projekt

Warum der Mittelstand oft von der Dokumentation profitiert

Anders als bei reinen Mining-Werkzeugen liegt der erste greifbare Nutzen von ARIS im Mittelstand häufig gar nicht in spektakulären Einsparungen, sondern im schlichten Überblick. Viele gewachsene Unternehmen haben ihre Abläufe nie systematisch dokumentiert; Wissen steckt in den Köpfen einzelner Personen. Eine konsistente Prozesslandkarte schafft hier zum ersten Mal Transparenz, entkoppelt das Unternehmen von einzelnen Wissensträgern und macht Verbesserungen überhaupt erst diskutierbar. Dieser Effekt ist weniger glamourös als eine Euro-Zahl im Dashboard, aber in der Praxis oft die eigentliche Grundlage jeder weiteren Optimierung.

Der Unterschied zwischen Dokument und gelebtem Prozess

In unserer Beratungspraxis sehen wir einen wiederkehrenden Bruch: Prozesse werden aufwendig modelliert – und dann nicht gelebt. Der Wert entsteht erst, wenn die dokumentierten Prozesse tatsächlich Grundlage des Handelns werden: als Nachschlagewerk im Alltag, als Basis für Schulungen, als Referenz für den Soll-Ist-Abgleich. Deshalb empfehlen wir, jede Modellierung mit einer konkreten Verwendung zu verbinden. „Wir dokumentieren mal alle Prozesse“ ist kein tragfähiges Ziel. „Wir dokumentieren den Beschaffungsprozess, veröffentlichen ihn im Portal und nutzen ihn als Grundlage für die nächste Optimierung“ ist eines.
INAGRO-Kerngebiet Prozessoptimierung

Für uns ist ARIS kein Selbstzweck, sondern ein Instrument der Prozessoptimierung. Der größte Mehrwert entsteht, wenn Dokumentation, datenbasierter Abgleich und konkrete Verbesserungsmaßnahmen zusammenkommen – mit Verantwortlichen und messbaren Zielen. Genau diese Brücke von der sauberen Prozesslandkarte zur gelebten Verbesserung ist erfahrungsgemäß der Punkt, an dem Prozessinitiativen entweder Wert schaffen oder als schöne Diagramme versanden.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit bei ARIS

Zwei Fragen entscheiden in der Praxis oft über die Machbarkeit: Was kostet ARIS realistisch, und wie steht es um Datenschutz und Datenhoheit? Beides hängt eng zusammen – denn Betriebsmodell und Funktionsumfang beeinflussen sowohl die Gesamtkosten als auch die datenschutzrechtliche Bewertung.

Lizenzierung
auf Anfrage · edition-/nutzerabhängig
Kein einheitlicher öffentlicher Listenpreis über alle Editionen
  • Die Kosten hängen von Edition, Nutzerzahl, Betriebsmodell und genutzten Modulen (Governance, Mining, Portal) ab. Für kleinere Team-Editionen sind eher überschaubare Einstiege möglich, die volle Enterprise-Suite liegt deutlich höher. Konkrete Preise beim Anbieter erfragen.
Einführung & Konventionen
Projektaufwand · einmalig
Konzept, Konventionen, Modellierung, ggf. Datenanbindung
  • Der oft unterschätzte Block: Zielbild, Modellierungs- und Repository-Konventionen, Migration bestehender Dokumentation und – bei Mining – die Datenanbindung. Erfordert Methodik- und Fach-Know-how und macht einen erheblichen Teil der Anfangsinvestition aus.
Betrieb
laufend · je Betriebsmodell
Cloud: geringerer Eigenaufwand · On-Premise: eigene IT
  • Im Cloud-Betrieb übernimmt der Anbieter Wartung und Aktualisierung; im On-Premise-Betrieb fallen dafür eigener Infrastruktur- und Betriebsaufwand an. Hinzu kommen in beiden Fällen Pflege des Repositorys und internes Enablement.
Einstieg / Pilot
gering · begrenzter Umfang
Kleinere Edition oder abgegrenzter Pilotbereich
  • Für den ersten Nachweis eignet sich ein begrenzter Umfang – eine kleinere Edition oder ein einzelner Prozessbereich. So bleibt die Anfangsinvestition überschaubar, bevor in die Breite skaliert wird.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer einfachen Pro-Nutzer-SaaS lässt sich ARIS nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Kosten hängen von der gewählten Edition, der Nutzerzahl, dem Betriebsmodell und den genutzten Modulen ab. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping. Verlässlich lässt sich sagen: Für einen kompakten Einstieg mit Fokus auf Modellierung sind moderate Investitionen möglich, während die volle Plattform mit Governance und Mining eine Investition im gehobenen Segment darstellt – und die Einführungs- und Betriebsaufwände einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Der deutsche Ursprung und die On-Premise-Option sprechen für eine gute Datenhoheit. Trotzdem sollten diese Punkte bei jeder ARIS-Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden – sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Betriebsmodell & Datenhoheit
On-Premise für maximale Kontrolle; bei Cloud den Serverstandort und die EU-Region prüfen und vertraglich festhalten
Auftragsverarbeitungsvertrag
Beim Cloud-Betrieb AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, Subprozessoren-Liste prüfen
Datenminimierung im Mining
Nur die für die Analyse nötigen Felder extrahieren; auf Klarnamen wo möglich verzichten
Pseudonymisierung
Bearbeiter-Kennungen in Event Logs pseudonymisieren, wo der Personenbezug nicht zwingend ist
Berechtigungs-Konzept
Zugriff auf Modelle, Daten und Analysen rollenbasiert und nach Need-to-know vergeben
Betriebsrat & Mitbestimmung
Bei bearbeiterbezogenen Auswertungen im Mining frühzeitig einbinden

Deutscher Ursprung und On-Premise als Datenhoheits-Argument

Ein Pluspunkt von ARIS im Datenschutzkontext ist die Kombination aus deutschem Ursprung und der Möglichkeit des On-Premise-Betriebs. Wer die Plattform in der eigenen Infrastruktur betreibt, behält die volle Kontrolle über den Verarbeitungsort und die Daten – ein starkes Argument für Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenhoheit, für Berufsgeheimnisträger, kritische Infrastrukturen oder besonders schutzwürdige Datenbestände. Beim Cloud-Betrieb verschiebt sich die Betrachtung: Hier sind der Serverstandort, die Nutzung einer EU-Region und der Auftragsverarbeitungsvertrag die entscheidenden Stellschrauben, die vorab vertraglich und technisch geklärt werden sollten. Die Wahl des Betriebsmodells ist damit immer auch eine Datenschutzentscheidung.

Process Mining berührt reale Prozess- und Personendaten

Sobald ARIS für Process Mining eingesetzt wird, wertet es reale Betriebsdaten aus – und diese können personenbezogen sein. Event Logs beantworten oft die Frage „wer hat wann was getan“ und sind damit potenziell eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Beschäftigten. Das berührt nicht nur die DSGVO, sondern in Deutschland regelmäßig die betriebliche Mitbestimmung. Die Leitplanken sind Datensparsamkeit und Pseudonymisierung: Es sollten nur die für die jeweilige Analyse wirklich nötigen Felder extrahiert und Bearbeiter-Kennungen pseudonymisiert werden, wo der Personenbezug nicht zwingend erforderlich ist. Wer bearbeiterbezogene Auswertungen plant, sollte Datenschutzbeauftragten und Betriebsrat von Anfang an einbinden und transparent machen, dass das Ziel die Prozessverbesserung ist – nicht die Überwachung Einzelner.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Cloud-Verarbeitung, Datenschutz-Folgenabschätzung und Mitbestimmung beim Process Mining – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

TCO-Denke: von der Lizenz zum Gesamtwert

Die richtige Frage lautet nicht „Was kostet die Lizenz?“, sondern „Welcher Nutzen steht welchen Gesamtkosten gegenüber?“. Total Cost of Ownership umfasst Lizenz, Einführung, Datenanbindung, Betrieb und internes Enablement. Dem gegenüber steht der Wert: Transparenz über die eigenen Prozesse, gesicherte Auditfähigkeit, gesenkter Aufwand für Nachweise, bewahrtes Prozesswissen und – über den Soll-Ist-Abgleich – gezielte Verbesserungen. Bei Organisationen mit echtem Prozessmanagement-Bedarf rechtfertigt sich diese Investition regelmäßig. Bleibt der Nutzen dagegen vage, ist das ein Warnsignal: Entweder ist der Anwendungsfall unklar, oder ARIS ist für den konkreten Bedarf überdimensioniert.
Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu ARIS

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist ARIS?
ARIS ist eine etablierte Plattform für Business Process Management mit deutschem Ursprung, hervorgegangen aus dem Softwarehaus Software AG. Sie vereint Prozessmodellierung in Notationen wie EPK und BPMN, ein zentrales Repository für Prozesslandkarten, Governance-Funktionen für Freigabe und Versionierung sowie Process Mining zur datenbasierten Analyse. ARIS deckt damit den gesamten Lebenszyklus eines Prozesses ab – vom modellierten Soll bis zum datenbasierten Ist.
Was ist der Unterschied zwischen ARIS und Celonis?
Beide haben deutschen Ursprung, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. ARIS kommt von der BPM- und Modellierungswelt und ist besonders stark in Dokumentation, Repository und Governance; Process Mining ist ein integrierter Baustein. Celonis kommt vom Process Mining und ist besonders stark in datengetriebener Analyse, Wertquantifizierung und ausgelösten Maßnahmen. Vereinfacht: ARIS zuerst Prozesse gestalten und steuern, Celonis zuerst Prozesse aus Daten analysieren. Die Wahl folgt dem primären Ziel.
Was bedeuten EPK und BPMN?
Beides sind Notationen zur Prozessmodellierung. Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) ist im deutschsprachigen Raum weit verbreitet und eng mit ARIS verbunden. BPMN (Business Process Model and Notation) ist der internationale Industriestandard, der sich besonders für systemnahe, ausführungsorientierte Modelle eignet. ARIS unterstützt beide, sodass bestehende EPK-Dokumentation gepflegt und zugleich in BPMN modelliert werden kann – mit wiederverwendbaren gemeinsamen Objekten.
Gibt es ARIS als Cloud- und On-Premise-Lösung?
Ja. ARIS wird sowohl als Cloud-Angebot betrieben, das der Anbieter bereitstellt und wartet, als auch in einer On-Premise-Variante in der eigenen Infrastruktur des Unternehmens. Die Wahl ist eine strategische Entscheidung: Cloud senkt den eigenen Betriebsaufwand, On-Premise gibt maximale Kontrolle über Daten und Verarbeitungsort. Welche Editionen in welchem Betriebsmodell verfügbar sind, sollte beim Anbieter geprüft werden, da sich das Angebot weiterentwickelt.
Ist ARIS teuer?
Es gibt keinen einheitlichen Listenpreis. Die Kosten hängen von Edition, Nutzerzahl, Betriebsmodell und genutzten Modulen ab. Ein kompakter Einstieg mit Fokus auf Modellierung ist mit moderater Investition möglich, die volle Enterprise-Suite mit Governance und Mining liegt deutlich höher. Hinzu kommen Einführung, Datenanbindung und Betrieb, die einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Seriöse Pauschalpreise sind ohne Scoping nicht möglich – konkrete Angaben beim Anbieter erfragen.
Ist ARIS DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Konfiguration. Der deutsche Ursprung und die On-Premise-Option sprechen für eine gute Datenhoheit. Beim Cloud-Betrieb sind Serverstandort, EU-Region und ein Auftragsverarbeitungsvertrag zu klären. Wird ARIS für Process Mining genutzt, können Event Logs Personenbezug enthalten; dann sind Datenminimierung, Pseudonymisierung, ein Berechtigungskonzept und die frühzeitige Einbindung von Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat wichtig. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Für welche Unternehmen eignet sich ARIS?
Besonders für Organisationen, die Prozesse dauerhaft dokumentieren, steuern und weiterentwickeln wollen, für regulierte Branchen mit Nachweispflichten und für gewachsene Mittelständler, die erstmals eine konsistente Prozesslandkarte aufbauen. Weniger geeignet ist ARIS, wenn nur einige wenige Diagramme ohne Pflegeabsicht benötigt werden oder wenn ausschließlich tiefes, spezialisiertes Process Mining gesucht wird – dann sind leichtgewichtigere oder spezialisierte Alternativen oft passender.
Wie unterstützt INAGRO bei ARIS?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich ARIS für Ihr Unternehmen rechnet, über Zielbild, Editions- und Betriebswahl, Modellierungs- und Governance-Konventionen bis zum Pilot und zur Skalierung. Wo Celonis, SAP Signavio oder ein leichtgewichtigeres Werkzeug besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

Prozesse ganzheitlich managen

Brauchen Sie eine ehrliche ARIS-Strategie?

Von der Editions- und Betriebswahl über Modellierungs- und Governance-Konventionen und das Datenschutz-Setup bis zum belegten Nutzen – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich ARIS für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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