Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Nintex — die Low-Code-Plattform für Prozessautomatisierung.

Nintex zählt zu den etablierten Anbietern für Low-Code-Workflow-Automatisierung und hat sich vom SharePoint-Workflow-Werkzeug zu einer breiten Prozessplattform entwickelt. Unter dem Dach der Nintex Process Platform verbinden sich heute Workflow-Automatisierung, Formulare, Dokumentenerstellung, die erweiterte Anwendungsentwicklung aus K2, Robotic Process Automation und Process Discovery aus der Kryon-Übernahme. Für den DACH-Mittelstand, der Genehmigungs-, Dokumenten- und Fachprozesse ohne großes Entwicklerteam automatisieren will, ist Nintex besonders im Microsoft-365-Umfeld relevant. Diese ehrliche Praxiseinordnung zeigt, wann sich die Plattform lohnt und wann nicht.

22 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Nintex
Hersteller: Nintex · US-amerikanischer Softwareanbieter
Hersteller
Nintex (USA)
Typ
Low-Code-Prozessautomatisierung
Kernfunktionen
Workflow · Formulare · DocGen
Bausteine
Workflow · K2 · RPA · Discovery
Betriebsmodelle
Cloud & On-Premise
Hauptwettbewerb
Power Automate · UiPath · Appian
INAGRO Eignung Low-Code-Workflow-Automatisierung im Microsoft-Umfeld
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Nintex – und für wen lohnt es sich?

Nintex ist eine etablierte Plattform für Low-Code-Prozessautomatisierung. Der Anbieter hat seine Wurzeln in der Automatisierung von Abläufen innerhalb der Microsoft-Welt – insbesondere in SharePoint – und sich von dort über Jahre zu einer breiten Prozessplattform entwickelt, die Workflow-Automatisierung, Formulare, Dokumentenerstellung, erweiterte Anwendungsentwicklung, Robotic Process Automation (RPA) und Process Discovery unter einem Dach bündelt. Der rote Faden ist der Low-Code-Ansatz: Prozesse werden weitgehend visuell gestaltet, sodass Fachbereiche und sogenannte Power-User Automatisierungen bauen können, ohne für jeden Schritt auf klassische Softwareentwicklung angewiesen zu sein.

Der grundlegende Anspruch von Nintex unterscheidet sich spürbar von reinen Process-Mining-Werkzeugen. Während Plattformen wie Celonis primär die datengetriebene Rekonstruktion realer Abläufe in den Mittelpunkt stellen, versteht sich Nintex traditionell als ausführende Automatisierungsschicht: der Ort, an dem Prozesse nicht nur analysiert, sondern tatsächlich modelliert, ausgelöst und automatisiert abgearbeitet werden. Aus diesem Workflow-Kern heraus hat Nintex sein Portfolio um Prozesslandkarten, RPA und Process Discovery erweitert und positioniert sich damit als Plattform, die einen breiten Ausschnitt der Prozesskette abdeckt: vom Sichtbarmachen und Dokumentieren über die Automatisierung bis zur Auswertung.
Drei Eigenschaften charakterisieren Nintex und erklären seine Marktstellung, gerade im Microsoft-geprägten Mittelstand:
  • Low-Code als durchgängiges Prinzip – Nintex ist darauf ausgelegt, dass Prozesse überwiegend visuell zusammengesetzt werden. Der Workflow-Designer, die Formulare und die Dokumentenerstellung folgen demselben Gedanken: die Distanz zwischen einer Prozessidee im Fachbereich und ihrer lauffähigen Umsetzung verkürzen.
  • Nähe zur Microsoft-Welt – historisch ist Nintex eng mit SharePoint und Microsoft 365 verbunden. Für Organisationen, deren Zusammenarbeit, Dokumente und Prozesse ohnehin in dieser Umgebung leben, ist diese Nähe ein praktischer Anknüpfungspunkt, auch wenn Nintex längst nicht mehr allein darauf beschränkt ist.
  • Breite statt Einzelwerkzeug – über Zukäufe hat Nintex sein Angebot deutlich verbreitert. Workflow, die erweiterte Anwendungsentwicklung aus K2, RPA und Process Discovery aus der Kryon-Übernahme sowie das Prozessmanagement aus Promapp ergeben zusammen eine Plattform, die verschiedene Automatisierungsbedarfe unter einem Dach adressiert.
INAGRO-Einschätzung

Für Organisationen, die viele mittelkomplexe Genehmigungs-, Dokumenten- und Fachprozesse ohne großes Entwicklerteam automatisieren wollen – besonders im Microsoft-365-Umfeld – ist Nintex in vielen Fällen eine sehr tragfähige Wahl. Die ehrliche Kehrseite: Nintex ist eine kommerzielle Plattform eines US-Anbieters, die neben Lizenzkosten auch Governance und ein Betriebskonzept verlangt. Wer bereits stark in die Microsoft Power Platform investiert hat, sollte den Mehrwert von Nintex gegenüber Power Automate sauber abwägen. Und wer den Schwerpunkt auf tiefes, skaliertes RPA legt, gehört zu spezialisierten Anbietern in den Vergleich. Die richtige Wahl folgt dem Anwendungsziel, nicht dem Bekanntheitsgrad.

Vom SharePoint-Workflow zur Prozessplattform

Nintex begann als Werkzeug, um Abläufe innerhalb von SharePoint zu automatisieren – etwa Freigaben, Benachrichtigungen und Dokumenten-Workflows. Dieser Ursprung ist kein Nachteil, sondern der Grund für die bis heute große Praxisnähe im Bereich der klassischen Büro- und Verwaltungsprozesse. Über die Jahre wuchs die Plattform jedoch weit über SharePoint hinaus: Ein cloudbasiertes Automatisierungsangebot kam hinzu, Formulare und Dokumentenerstellung wurden ausgebaut, und über Zukäufe erweiterte sich das Portfolio um erweiterte Anwendungsentwicklung, RPA und Process Discovery. Aus dem Workflow-Werkzeug ist so eine breite Prozessplattform geworden, die verschiedene Phasen des Prozess-Lebenszyklus begleiten kann.

Automatisierung und Analyse unter einem Dach

Der eigentliche Reiz von Nintex liegt in der Verbindung von Disziplinen, die bei vielen Wettbewerbern getrennt sind. Auf der einen Seite steht die Ausführung: das tatsächliche Automatisieren von Workflows, das Ausfüllen von Formularen, das Erzeugen von Dokumenten und das Steuern von Softwarerobotern. Auf der anderen Seite steht das Verstehen: das Dokumentieren von Prozessen in Prozesslandkarten und das datenbasierte Sichtbarmachen realer Abläufe über Process Discovery. Nintex versucht, beides zusammenzubringen, sodass Erkenntnis und Umsetzung in einer Plattform zusammenfinden. Für Unternehmen, die den Sprung von der Prozessidee zur laufenden Automatisierung möglichst kurz halten wollen, ist diese Kombination der zentrale Unterschied.

Für wen Nintex gedacht ist

Nintex entfaltet seinen Wert vor allem dort, wo es viele wiederkehrende, regelbasierte Abläufe gibt, die heute manuell in Büroanwendungen abgearbeitet werden: Freigaben, Anträge, Onboarding, Dokumentenerstellung, Datenübertragungen zwischen Systemen. Das trifft auf viele Mittelständler zu, die im Microsoft-365-Ökosystem arbeiten und ihre Verwaltungs- und Fachprozesse verschlanken wollen, ohne ein großes Entwicklungsteam aufzubauen. Weniger naheliegend ist Nintex für Unternehmen, die bereits umfassend auf die Microsoft Power Platform setzen und darin ihren Bedarf abgedeckt sehen, oder für hochspezialisierte Anforderungen, für die ein fokussierter Einzelanbieter der bessere Weg ist. Wie so oft entscheidet der konkrete Anwendungsfall, nicht der Markenname.
Kapitel 02 · Produktfamilie & Positionierung

Die Nintex-Produktfamilie und ihre Positionierung

Nintex ist keine einzelne Anwendung, sondern eine über Jahre und mehrere Zukäufe gewachsene Produktfamilie, die unter dem Dach der Nintex Process Platform zusammengefasst wird. Von der cloudbasierten Workflow-Automatisierung über die erweiterte Anwendungsentwicklung aus K2 bis zu RPA und Process Discovery decken die Bausteine sehr verschiedene Bedarfe ab. Wichtig für die Auswahl: Produktnamen, Bündelungen und Leistungsumfänge ändern sich im Zeitverlauf – der konkrete Zuschnitt sollte stets beim Anbieter geprüft werden.

Workflow & Automation Cloud
Kern

Der Herzschlag der Plattform: visuelle Low-Code-Workflows, die Genehmigungen, Benachrichtigungen und mehrstufige Abläufe automatisieren. Verfügbar als cloudbasiertes Angebot sowie in Varianten für die Microsoft-365- und SharePoint-Welt.

FokusWorkflow-Automatisierung
AnsatzLow-Code, visuell
BetriebCloud & SharePoint
ZielgruppeFachbereich & Power-User
Nintex K2
Erweitert

Aus der K2-Übernahme stammende Bausteine für anspruchsvollere Prozess-Apps und Fachanwendungen mit umfangreicher Logik, Datenanbindung und Formularen. Adressiert komplexere Automatisierungen jenseits einfacher Freigaben.

FokusKomplexe Prozess-Apps
StärkeLogik & Datenanbindung
BetriebCloud & On-Premise
HinweisUmfang beim Anbieter prüfen
Nintex RPA
Roboter

Robotic Process Automation für die Automatisierung von Aufgaben über Benutzeroberflächen hinweg – etwa dort, wo Systeme keine offene Schnittstelle bieten. Softwareroboter übernehmen wiederkehrende, regelbasierte Klick- und Eingabearbeit.

ZweckUI-Automatisierung
EinsatzSysteme ohne API
StärkeRegelbasierte Aufgaben
BezugErgänzt Workflow
Process Discovery & Manager
Analyse

Prozessverständnis von zwei Seiten: Process Discovery aus der Kryon-Übernahme erhebt reale Abläufe datenbasiert, das Prozessmanagement aus Promapp macht Prozesse in Prozesslandkarten kollaborativ sichtbar und pflegbar.

DiscoveryReale Abläufe erheben
ManagerProzesslandkarten
HerkunftKryon & Promapp
NutzenGrundlage vor Automatisierung

Eine gewachsene Plattform aus mehreren Bausteinen

Wer Nintex einordnen will, sollte die Entstehungsgeschichte kennen. Die Plattform ist nicht am Reißbrett als ein Guss entstanden, sondern über einen organisch gewachsenen Kern und mehrere Zukäufe zusammengeführt worden. Der Workflow-Kern ist die historische Basis; die erweiterte Anwendungsentwicklung kam mit K2 hinzu, RPA mit der Übernahme eines Robotics-Anbieters, das kollaborative Prozessmanagement mit Promapp und die datenbasierte Process Discovery mit Kryon. Diese Herkunft prägt bis heute die Charakteristik: Nintex ist breit aufgestellt, aber die einzelnen Bausteine haben unterschiedliche Reifegrade und Integrationstiefen. Für Anwenderunternehmen bedeutet das, genau hinzuschauen, welche Teile der Plattform man tatsächlich benötigt und wie eng sie im konkreten Fall zusammenspielen.

Cloud oder On-Premise – Betriebsvarianten

Nintex bietet je nach Baustein unterschiedliche Betriebsmodelle. Ein wesentlicher Teil des Angebots wird als cloudbasiertes Automatisierungsangebot betrieben, das der Anbieter bereitstellt und wartet. Daneben existieren – historisch bedingt und je nach Produktlinie – Varianten, die enger an die Microsoft-365- und SharePoint-Umgebung gebunden sind, sowie Bausteine, die auch in der eigenen Infrastruktur betrieben werden können. Diese Wahlmöglichkeit ist mehr als ein technisches Detail: Für Organisationen mit strengen Anforderungen an Datenhoheit oder mit regulatorischen Vorgaben zur Datenverarbeitung ist die Frage des Betriebsorts entscheidend. Umgekehrt reduziert der Cloud-Betrieb den eigenen Aufwand für Installation, Aktualisierung und Skalierung. Welche Bausteine in welchem Betriebsmodell verfügbar sind und wo die Daten verarbeitet werden, sollte konkret beim Anbieter geprüft werden, da sich das Angebot weiterentwickelt.

Positionierung im Markt

Nintex positioniert sich als Low-Code-Plattform für Prozessautomatisierung mit einem breiten Funktionsspektrum. Das unterscheidet die Plattform von zwei Nachbarkategorien: Reine RPA-Spezialisten setzen den Schwerpunkt auf skalierte Softwareroboter und weniger auf visuelle Workflows und Dokumentenautomatisierung. Reine Process-Mining- oder Modellierungswerkzeuge wiederum analysieren oder dokumentieren Prozesse, führen sie aber nicht aus. Nintex versucht, die Brücke von der Prozesstransparenz zur tatsächlichen Automatisierung zu schlagen – mit einem historischen Schwerpunkt auf den mittelkomplexen Büro- und Verwaltungsprozessen, die im Alltag vieler Unternehmen den größten Volumenanteil ausmachen. Diese Positionierung als breite Automatisierungsplattform ist zugleich Stärke und Herausforderung: Sie deckt viel ab, verlangt aber eine klare Vorstellung davon, welche Teile man tatsächlich nutzen möchte, damit die Investition nicht in ungenutzte Breite fließt.
Praxis-Hinweis zur Produktauswahl

Weil sich Produktzuschnitte, Bündel und Betriebsoptionen bei Nintex regelmäßig ändern und die Plattform aus mehreren Zukäufen besteht, ist die wichtigste Empfehlung: Nicht von einer alten Broschüre oder einem Forenbeitrag ausgehen, sondern den aktuellen Zuschnitt direkt beim Anbieter oder über einen Partner klären – entlang des eigenen konkreten Bedarfs. Aus INAGRO-Sicht beginnt eine gute Auswahl nicht mit der Frage „Welches Nintex-Produkt?“, sondern mit „Welche Prozesse wollen wir automatisieren und welche Fähigkeiten brauchen wir dafür wirklich?“.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von Nintex im Überblick

Der Kern von Nintex lässt sich in vier zusammenwirkende Bereiche gliedern: den Workflow-Designer, die Formulare, die Dokumentenerstellung und die Low-Code-Anwendungsentwicklung. Erst im Zusammenspiel entsteht die durchgängige Automatisierung von Büro- und Fachprozessen, für die die Plattform steht.

Workflow-Designer
Kern

Der visuelle Baukasten für Abläufe: Aktionen werden per Drag-and-drop zu mehrstufigen Workflows verkettet, mit Verzweigungen, Bedingungen, Genehmigungen und Benachrichtigungen. Das Ziel ist, Prozesslogik ohne klassischen Code abzubilden.

PrinzipDrag-and-drop
ElementeAktionen & Bedingungen
StärkeGenehmigungsprozesse
Formulare (Forms)
Eingabe

Digitale Formulare, die Daten strukturiert erfassen und einen Workflow auslösen oder speisen. Von einfachen Anträgen bis zu mehrseitigen Fachformularen mit Logik und Validierung – die Eingangsseite vieler automatisierter Prozesse.

ZweckStrukturierte Erfassung
NutzenAnträge & Fachdaten
BezugAuslöser für Workflows
Dokumentenerstellung (DocGen)
Dokumente

Automatisches Erzeugen von Dokumenten aus Vorlagen und Daten – etwa Angebote, Verträge oder Bescheide. In Kombination mit elektronischer Signatur entsteht ein durchgängiger Weg vom Datensatz zum unterschriebenen Dokument.

FunktionVorlage plus Daten
ErgebnisFertige Dokumente
ErgänzungElektronische Signatur
Low-Code-App-Entwicklung
Anwendungen

Über die K2-Bausteine lassen sich anspruchsvollere Prozess-Apps mit Oberflächen, Datenanbindung und komplexer Logik bauen – dort, wo ein einfacher Workflow nicht mehr ausreicht, aber keine vollständige Eigenentwicklung nötig ist.

ZweckFachanwendungen
StärkeKomplexe Logik
GrenzeMehr Aufwand als Workflow

Der Workflow-Designer als Herzstück

Das Herzstück von Nintex ist der Workflow-Designer. Hier werden Abläufe visuell zusammengesetzt: Ein Antrag geht ein, wird geprüft, an eine Führungskraft zur Genehmigung geleitet, bei Freigabe automatisch weiterverarbeitet und bei Ablehnung mit einer Begründung zurückgespielt. Solche mehrstufigen Genehmigungs- und Verwaltungsprozesse sind die klassische Domäne von Nintex. Der Low-Code-Ansatz erlaubt es, diese Logik überwiegend per Drag-and-drop zu gestalten, sodass auch Fachanwender und Power-User Automatisierungen bauen können. Das senkt die Einstiegshürde erheblich und verkürzt die Distanz zwischen einer Prozessidee und ihrer lauffähigen Umsetzung. Wichtig bleibt jedoch: Auch Low-Code ist nicht No-Effort. Anspruchsvollere Workflows verlangen ein solides Verständnis von Prozesslogik und eine bewusste Gestaltung, damit die Automatisierung robust und wartbar bleibt.

Formulare und Dokumentenerstellung

Zwei Bausteine machen die Automatisierung im Büroalltag rund. Am Anfang vieler Prozesse steht ein Formular: Es erfasst die nötigen Daten strukturiert, validiert Eingaben und stößt den nachgelagerten Workflow an. Am Ende vieler Prozesse steht ein Dokument: Angebote, Verträge, Bescheinigungen oder Bescheide, die aus Vorlagen und Daten automatisch erzeugt werden. Genau diese Dokumentenerstellung – oft unter dem Begriff DocGen geführt – ist eine ausgeprägte Stärke von Nintex und ein häufiger Einstiegspunkt, gerade im Zusammenspiel mit CRM-Systemen. Wird die elektronische Signatur ergänzt, entsteht ein durchgängiger Weg vom Datensatz über das fertige Dokument bis zur rechtsverbindlichen Unterschrift, ohne dass jemand ein Textdokument manuell zusammenkopieren muss.

Von einfachen Workflows zu Prozess-Apps

Nicht jeder Prozess passt in einen einfachen Workflow. Für anspruchsvollere Fälle – mit eigenen Oberflächen, komplexer Logik, Anbindung mehrerer Datenquellen und Rollenlogik – bietet Nintex über die K2-Bausteine die Möglichkeit, richtige Prozess-Apps zu bauen. Das ist der Bereich, in dem sich Low-Code der professionellen Anwendungsentwicklung annähert, ohne vollständig in klassische Programmierung überzugehen. Für Anwenderunternehmen ist die entscheidende Frage, wo die eigene Anforderung liegt: Viele Bedarfe sind mit einfachen Workflows und Formularen abgedeckt; einige wenige, dafür geschäftskritische Prozesse rechtfertigen den höheren Aufwand einer Prozess-App. Diese Unterscheidung sauber zu treffen, ist ein wichtiger Teil einer wirtschaftlichen Nintex-Nutzung – sonst wird mit zu schwerem Werkzeug gebaut, wo ein leichtes genügt hätte, oder umgekehrt.
Warum das in der Praxis zählt

Der größte praktische Hebel von Nintex ist selten eine einzelne Funktion, sondern die Kombination aus Formular, Workflow und Dokumentenerstellung für die vielen mittelkomplexen Prozesse, die heute manuell in Büroanwendungen ablaufen. Aus unserer Projekterfahrung entsteht der Mehrwert vor allem dann, wenn zuerst der Prozess durchdacht und verschlankt und erst danach automatisiert wird. Ein schlechter Prozess wird durch Automatisierung nicht besser, sondern nur schneller falsch – Nintex ist hier ein wirksames Werkzeug, aber kein Ersatz für sauberes Prozessdesign.

Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI- und Automatisierungsfunktionen in Nintex

Über die reine Workflow-Automatisierung hinaus umfasst Nintex Bausteine, die den Kreis von der Analyse bis zur Ausführung schließen: Robotic Process Automation, Process Discovery aus der Kryon-Übernahme sowie zunehmend KI- und GenAI-gestützte Assistenz. Weil sich dieser Bereich schnell weiterentwickelt, sind die folgenden Funktionsgruppen qualitativ beschrieben – konkrete Verfügbarkeiten und Ausbaustufen sind beim Anbieter zu prüfen.

Robotic Process Automation

Softwareroboter übernehmen wiederkehrende, regelbasierte Aufgaben über Benutzeroberflächen hinweg – besonders dort, wo Systeme keine offene Schnittstelle bieten. Nintex RPA ergänzt die Workflow-Welt um die Automatisierung von Klick- und Eingabearbeit in Altsystemen.

Altsysteme anbinden
Process Discovery (Kryon)

Aus der Kryon-Übernahme stammende Fähigkeiten, reale Abläufe datenbasiert zu erheben. Statt Prozesse nur zu vermuten, werden tatsächliche Arbeitsschritte sichtbar gemacht – die Grundlage, um Automatisierungspotenziale gezielt zu identifizieren und zu priorisieren.

Potenziale finden
GenAI-gestützte Assistenz

Wie viele Plattformen erweitert Nintex seine Funktionen um KI-Assistenz – etwa um Workflows schneller zu entwerfen, Inhalte für Dokumente zu formulieren oder Auffälligkeiten in Prozessen leichter zu erkennen. Der Nutzen liegt in der Beschleunigung von Routinearbeit.

Schnellerer Entwurf
Von der Analyse zur Ausführung

Die Besonderheit von Nintex ist der kurze Weg von der erkannten Optimierung zur Umsetzung: Was Process Discovery sichtbar macht, lässt sich innerhalb derselben Plattform in Workflows oder RPA-Automatisierungen überführen. So wird aus der Erkenntnis unmittelbar eine laufende Automatisierung.

Kurzer Weg zur Umsetzung

RPA und Process Discovery: der Automatisierungs-Kreislauf

Die interessanteste Ergänzung des Workflow-Kerns ist die Kombination aus Process Discovery und RPA. Process Discovery beantwortet die Frage, welche Prozesse überhaupt automatisiert werden sollten – indem reale Abläufe datenbasiert erhoben und Muster, Häufigkeiten und Aufwände sichtbar gemacht werden. RPA beantwortet dann die Frage, wie sich diese Abläufe automatisieren lassen, gerade dort, wo keine saubere Schnittstelle existiert und ein Softwareroboter die Benutzeroberfläche bedienen muss. Zusammen mit dem Workflow-Kern entsteht ein Kreislauf: entdecken, was sich lohnt; automatisieren, was sich automatisieren lässt; und über Workflows orchestrieren, wie die Teile zusammenspielen. Dieser geschlossene Kreis von der Analyse bis zur Ausführung ist das konzeptionelle Argument einer breiten Automatisierungsplattform gegenüber einzelnen, getrennten Werkzeugen.

Wo KI in der Prozessautomatisierung wirklich hilft

Der nüchterne Blick auf KI in Automatisierungsplattformen lohnt sich. Der reale Nutzen liegt heute vor allem in zwei Bereichen: erstens in der Beschleunigung mühsamer Routinearbeit – das Erstellen erster Workflow-Entwürfe aus einer Beschreibung, das Formulieren von Dokumenteninhalten, das Zusammenfassen von Analyseergebnissen. Zweitens in der Zugänglichkeit – Fachanwender, die keine Automatisierungsexperten sind, können über natürliche Sprache leichter einsteigen. Was KI nicht leistet, ist der Ersatz für fachliches Prozessverständnis oder für saubere Daten und stabile Regeln. Ein KI-generierter Workflow ist ein Entwurf, kein fertiges Ergebnis, und eine KI-gestützte Analyse ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Daten. Aus INAGRO-Sicht ist die richtige Haltung, KI als Beschleuniger und Assistenten zu nutzen, nicht als Autopiloten.

RPA realistisch einordnen

Eine ehrliche Abgrenzung betrifft die RPA-Fähigkeiten. Robotic Process Automation ist wertvoll, um Systeme ohne offene Schnittstelle zu automatisieren – ein Softwareroboter bedient die Oberfläche, wie es ein Mensch täte. Die Kehrseite ist die Anfälligkeit: Ändert sich die Oberfläche des Zielsystems, kann der Roboter stolpern, und die Automatisierung erfordert Pflege. RPA ist deshalb oft eine Brückentechnologie – sinnvoll, um Altsysteme kurzfristig einzubinden, aber nicht immer die dauerhaft eleganteste Lösung, wenn eine echte Schnittstelle verfügbar ist. Wer skaliertes, unternehmensweites RPA als Kernanforderung hat, sollte die Nintex-RPA-Fähigkeiten im Detail bewerten und mit spezialisierten Anbietern abgleichen. Für viele Mittelständler ist RPA innerhalb von Nintex jedoch ein pragmatischer, gut in die Workflow-Welt eingebetteter Baustein für gezielte Automatisierungen.
Realistische Erwartung an KI und RPA

KI- und Automatisierungsfunktionen entwickeln sich derzeit rasch weiter, und Marketingversprechen laufen der Praxis oft voraus. Unsere Empfehlung: Funktionen anhand des eigenen konkreten Nutzens bewerten, nicht anhand der Demonstration. Die Frage lautet nicht „Kann das Tool KI und RPA?“, sondern „Automatisiert diese Funktion einen Prozess, der uns heute tatsächlich Zeit kostet – und bleibt sie wartbar?“. Weil KI und Discovery mit realen Prozessdaten arbeiten, gelten für sie dieselben Datenschutz-Leitplanken wie für Process Mining insgesamt.

Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das Nintex-Ökosystem

Eine Automatisierungsplattform ist nur so nützlich wie ihre Anbindung an die reale Systemlandschaft. Nintex lebt von der Verbindung zu den Systemen, in denen die täglichen Geschäftsvorfälle verarbeitet werden – allen voran Microsoft 365 und SharePoint, aber auch CRM-Systemen wie Salesforce sowie einer breiten Konnektoren- und Schnittstellenwelt. Diese Anbindung entscheidet darüber, wie tief sich die Plattform in den Unternehmensalltag einfügt.

Microsoft 365 und SharePoint

Die historische und bis heute prägende Heimat von Nintex ist die Microsoft-Welt. Viele Organisationen setzen Nintex ein, um Prozesse rund um SharePoint, Dokumentenbibliotheken, Listen und die Zusammenarbeit in Microsoft 365 zu automatisieren – Freigaben von Dokumenten, Benachrichtigungen bei Änderungen, mehrstufige Abstimmungen. Für Unternehmen, deren Zusammenarbeit ohnehin in dieser Umgebung stattfindet, ist diese Nähe ein praktischer Anknüpfungspunkt: Prozesse setzen dort an, wo die Dokumente und Daten bereits liegen. Wichtig ist die realistische Einordnung: Microsoft selbst bietet mit der Power Platform inzwischen eigene, tief integrierte Automatisierungswerkzeuge an. Die Frage, wo Nintex gegenüber diesen Bordmitteln einen zusätzlichen Mehrwert liefert, gehört deshalb bewusst gestellt – dazu mehr im Vergleichskapitel.

Salesforce und Dokumentenautomatisierung

Ein zweiter, gewachsener Schwerpunkt ist die Dokumentenautomatisierung im Zusammenspiel mit CRM-Systemen, insbesondere Salesforce. Aus Kundendaten im CRM lassen sich automatisch Angebote, Verträge oder andere Dokumente erzeugen, die anschließend elektronisch signiert werden können. Für Vertriebs- und Serviceprozesse ist das ein handfester Nutzen: Der Weg vom Datensatz zum fertigen, unterschriftsreifen Dokument verkürzt sich erheblich, Fehlerquellen durch manuelles Zusammenkopieren entfallen. Diese DocGen-Stärke ist einer der Gründe, aus denen Nintex auch außerhalb der reinen Microsoft-Welt eingesetzt wird. Wie tief die Integration im konkreten Fall reicht und welche Objekte und Felder unterstützt werden, hängt von der jeweiligen Systemkonfiguration ab und sollte im Rahmen eines Scopings geprüft werden.

Konnektoren, APIs und Schnittstellen

Über die genannten Schwerpunkte hinaus verfügt Nintex über eine Reihe von Konnektoren zu gängigen Cloud-Diensten, Datenbanken und Fachsystemen sowie über Programmierschnittstellen (APIs), mit denen sich die Plattform in eigene Anwendungen und Automatisierungsketten einbinden lässt. Diese Offenheit ist wichtig, damit Automatisierungen nicht an Systemgrenzen enden, sondern Daten zwischen verschiedenen Anwendungen fließen können. Für die langfristige Investitionssicherheit ist die Schnittstellen-Offenheit ein zentrales Kriterium: Sie verringert die Abhängigkeit von einem einzelnen Werkzeug und hält den Weg für spätere Architekturänderungen offen. In der Praxis gilt jedoch: Die Verfügbarkeit eines Konnektors sagt noch nichts über die Tiefe der Integration im eigenen Anwendungsfall aus – hier lohnt der genaue Blick, welche Aktionen und Datenfelder tatsächlich unterstützt werden.

Das Ökosystem aus Partnern und Anschlusswerkzeugen

Nintex ist über viele Jahre gewachsen und verfügt über ein etabliertes Umfeld aus Beratungs- und Implementierungspartnern sowie über Anknüpfungspunkte zu benachbarten Disziplinen wie Dokumentenmanagement, CRM und Automatisierungsplattformen. Für Anwenderunternehmen bedeutet dieses gewachsene Ökosystem zweierlei. Positiv: Es gibt erfahrene Partner, bewährte Vorgehensmodelle und viel verfügbares Wissen. Zu bedenken: Weil die Plattform aus mehreren Zukäufen besteht, sind nicht alle Bausteine gleich eng verzahnt, und die Auswahl des richtigen Partners sowie der passenden Anschlusswerkzeuge will bewusst getroffen werden. Aus unserer Sicht ist ein erfahrener, herstellerunabhängiger Blick gerade hier hilfreich, damit die Integrationsstrategie dem Bedarf folgt und nicht der maximalen technischen Möglichkeit.
Integration ist ein Teilprojekt, kein Detail

In unseren Projekten wird der Aufwand für die Systemanbindung regelmäßig unterschätzt. Wir empfehlen, die Integration von Anfang an als eigenständigen Arbeitsstrom zu planen – mit Verantwortlichen aus IT und Fachbereich, mit einer ehrlichen Bewertung der vorhandenen Schnittstellen und mit einem klar abgegrenzten ersten Anwendungsfall. Wer hier sauber startet, vermeidet die häufigste Ursache für verzögerte oder enttäuschende Automatisierungsinitiativen: die Erkenntnis, dass die vermeintlich einfache Anbindung in Wahrheit ein eigenes kleines Projekt ist.

Kapitel 06 · Abgrenzung

Nintex im Vergleich zum Wettbewerb

Nintex ist etabliert, aber nicht der einzige relevante Anbieter. Wie ordnet sich die Plattform gegenüber Microsoft Power Automate, UiPath und Appian ein? Diese Übersicht macht die unterschiedlichen Schwerpunkte transparent – mit dem ehrlichen Fazit, wann Nintex die stärkste Wahl ist und wann ein anderer Weg besser passt.

Kriterium Nintex Power Automate UiPath Appian
Low-Code-Workflow Sehr stark Sehr stark Ergänzend Stark
Microsoft-365-Nähe Historisch stark Nativ (Microsoft) Über Konnektoren Über Konnektoren
Dokumentenautomatisierung Ausgeprägt (DocGen) Vorhanden Vorhanden Vorhanden
RPA-Tiefe Solide, integriert Über Plattform Marktführend Über Plattform
Process Discovery / Mining Über Kryon Process Mining Task & Process Mining Prozess-orientiert
Komplexe Prozess-Apps Über K2 Power Apps nötig Apps-Modul Kernstärke
Betriebsmodelle Cloud & On-Premise Cloud (Azure) Cloud & On-Premise Cloud & On-Premise
DACH-/EU-Bezug US-Anbieter US-Konzern US-Anbieter US-Anbieter
Einstiegshürde / Komplexität Mittel Mittel Höher Höher
Schwerpunkt Low-Code-Automatisierung Microsoft-integrierte Automatisierung RPA & Automatisierung Prozess- & App-Plattform

Nintex gegenüber Microsoft Power Automate

Die wichtigste und heikelste Abgrenzung betrifft Microsoft Power Automate. Beide Werkzeuge automatisieren Workflows im Microsoft-Umfeld, und für viele Interessenten stellt sich zuerst die Frage, warum man Nintex neben oder statt der Microsoft-Bordmittel einsetzen sollte. Ehrlich beantwortet: Wer eine reine Microsoft-Landschaft hat und einfache Automatisierungen benötigt, findet in Power Automate häufig eine naheliegende, oft bereits lizenzierte Lösung. Nintex spielt seine Stärken dort aus, wo die Dokumentenautomatisierung ausgeprägt gebraucht wird, wo eine über Jahre gewachsene Workflow-Governance und Wiederverwendbarkeit gefragt ist, wo komplexere Prozess-Apps über K2 gebaut werden sollen oder wo ein einheitliches Werkzeug über Microsoft hinaus – etwa in die Salesforce-Welt – benötigt wird. Die Entscheidung sollte deshalb nicht dogmatisch, sondern entlang des konkreten Bedarfs und der bestehenden Microsoft-Investition getroffen werden.

Nintex gegenüber UiPath und Appian

Zwei weitere Vergleiche schärfen das Bild. Gegenüber UiPath, einem der führenden RPA-Anbieter, liegt der Unterschied in der Ausrichtung: UiPath kommt vom Softwareroboter und ist besonders stark im skalierten, unternehmensweiten RPA mit tiefen Fähigkeiten und ausgeprägter Steuerung vieler Bots. Nintex bringt RPA als integrierten Baustein mit, setzt seinen Schwerpunkt aber auf die breite Low-Code-Workflow- und Dokumentenautomatisierung. Wer RPA als Kernanforderung mit hoher Skalierung hat, gehört zu spezialisierten RPA-Anbietern in den Vergleich; wer RPA als einen Baustein unter mehreren braucht, findet ihn bei Nintex eingebettet. Gegenüber Appian, einer Plattform für anspruchsvolle Prozess- und Anwendungsentwicklung, zeigt sich ein anderer Kontrast: Appian ist besonders stark im Bauen komplexer, geschäftskritischer Prozessanwendungen mit tiefer Logik. Nintex deckt mit K2 einen Teil dieses Bereichs ab, ist in der Gesamtausrichtung aber stärker auf die breite Automatisierung mittelkomplexer Prozesse fokussiert. Die Wahl folgt der Frage, ob der Schwerpunkt auf vielen mittelgroßen Automatisierungen oder auf wenigen, dafür sehr komplexen Anwendungen liegt.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nach Fit, nicht nach Markenglanz. Nintex ist eine breite Low-Code-Automatisierungsplattform mit ausgeprägter Dokumenten- und Workflow-Stärke und historischer Microsoft-Nähe. In reinen Microsoft-Szenarien gehört Power Automate fair in den Vergleich, in RPA-getriebenen UiPath, in Szenarien mit sehr komplexen Prozessanwendungen Appian. Die richtige Wahl folgt aus Anwendungsziel, vorhandenem Stack und Betriebsanforderungen – wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen.

Der Markt insgesamt: Verschmelzung der Kategorien

Ein Blick auf die Marktbewegung hilft bei der Einordnung. Workflow-Automatisierung, RPA, Process Mining und Anwendungsentwicklung wachsen zunehmend zusammen – oft unter dem Schlagwort Hyperautomatisierung. Workflow-Anbieter fügen RPA und Discovery hinzu, RPA-Anbieter ergänzen Orchestrierung und Mining, und die großen Plattformhersteller bündeln alles in umfassende Suiten. Für Anwenderunternehmen bedeutet das, dass die Frage „welches Tool“ immer häufiger zur Frage „welche Gesamtarchitektur“ wird. Nintex positioniert sich in dieser Bewegung als integrierte Plattform, die vom Low-Code-Workflow herkommt. Wer viele mittelkomplexe Prozesse mit vertretbarem Aufwand automatisieren will, findet darin einen pragmatischen Ankerpunkt; wer den Schwerpunkt auf tiefes RPA oder auf sehr komplexe Anwendungen legt, wird die Gewichte anders setzen. Diese strategische Grundhaltung – Breite oder Tiefe zuerst – ist oft der eigentliche Entscheidungspunkt hinter der Werkzeugwahl.
Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Wie Sie Nintex strukturiert einführen

Eine erfolgreiche Nintex-Einführung folgt einem bewährten Muster – mit klarem Fokus auf einen ersten Anwendungsfall, saubere Governance und die frühe Klärung des Betriebsmodells. Wer „nur die Plattform kauft“ und ohne Konzept startet, riskiert einen Wildwuchs unkontrollierter Workflows, der später schwer zu warten ist.

01
Anwendungsfall & Zielbild definieren
Welcher Prozess soll zuerst automatisiert werden – ein Genehmigungsprozess, die Angebotserstellung, ein Onboarding? Ein klar abgegrenzter erster Anwendungsfall mit messbarem Nutzen, einem Verantwortlichen und Erfolgskriterien gibt der Einführung Richtung. Auch das Betriebsmodell (Cloud oder On-Premise) und die Frage der Datenverarbeitung sollten früh geklärt werden.
02
Prozess verstehen und verschlanken
Vor der Automatisierung steht das Verständnis. Der Ist-Prozess wird aufgenommen – gegebenenfalls mit Process Discovery oder Prozessmapping – und bewusst verschlankt. Ein schlechter Prozess wird durch Automatisierung nur schneller falsch. Dieser Schritt ist der oft unterschätzte, aber entscheidende Grundstein für einen tragfähigen Workflow.
03
Pilot mit erstem Prozess
An einem abgegrenzten Prozess Workflow, Formulare und gegebenenfalls Dokumentenerstellung erproben. Der Pilot liefert den Nachweis, dass Werkzeug und Vorgehen zusammenpassen, deckt Integrationsaufwände realistisch auf und schafft die Vorlage für die spätere Skalierung – inklusive der Erfahrung, was wiederverwendbar gestaltet werden sollte.
04
Governance & Center of Excellence
Damit Low-Code nicht in Wildwuchs endet, braucht es Regeln: Namenskonventionen, Wiederverwendung von Bausteinen, Freigabe- und Test-Prozesse, ein Rechtekonzept und einen Überblick über alle laufenden Automatisierungen. Ein kleines Center of Excellence bündelt Methodik, Standards und Betreuung und sichert die Qualität über einzelne Workflows hinaus.
05
Rollout, Betrieb & Weiterentwicklung
Schrittweise weitere Prozesse erschließen, Fachbereiche befähigen und die Automatisierungen betreiben. Workflows und RPA-Automatisierungen brauchen Pflege: Ändern sich Systeme oder Prozesse, müssen sie angepasst werden. Beim Cloud-Betrieb übernimmt der Anbieter die technische Wartung der Plattform, die inhaltliche Pflege der Automatisierungen bleibt beim Unternehmen.

Cloud oder On-Premise – die Betriebsentscheidung

Die Wahl des Betriebsmodells ist bei Nintex eine der frühesten und folgenreichsten Entscheidungen – auch, weil Nintex ein US-Anbieter ist und damit die Frage des Datenverarbeitungsorts besondere Aufmerksamkeit verdient. Der Cloud-Betrieb reduziert den eigenen Aufwand deutlich: Installation, Aktualisierung, Skalierung und ein Teil der Sicherheitsverantwortung liegen beim Anbieter. Das senkt die Einstiegshürde und beschleunigt den Start. Der On-Premise-Betrieb einzelner Bausteine hingegen gibt dem Unternehmen mehr Kontrolle über die Umgebung und die Daten – ein Argument, wo Datenhoheit oder regulatorische Vorgaben den Ausschlag geben. Der Preis dafür ist mehr eigener Betriebsaufwand. Es gibt keine pauschal richtige Antwort; die Entscheidung sollte entlang von Datenschutzanforderungen, IT-Strategie, verfügbaren Betriebsvarianten und vorhandenen Kapazitäten getroffen werden.

Der kritische Erfolgsfaktor ist die Governance

In unseren Projekten ist nicht der technische Go-live der kritische Punkt, sondern die Frage, ob die wachsende Zahl an Automatisierungen beherrschbar bleibt. Low-Code senkt die Einstiegshürde – und genau das ist Chance und Risiko zugleich. Ohne Governance entstehen schnell dutzende Workflows von unterschiedlichen Personen, ohne einheitliche Standards, ohne Dokumentation, ohne Überblick, wer wofür verantwortlich ist. Verlässt die Person das Unternehmen, die einen kritischen Workflow gebaut hat, kann daraus ein Problem werden. Deshalb planen wir jede Einführung so, dass Namenskonventionen, Wiederverwendung, Test- und Freigabeprozesse sowie ein Center of Excellence von Anfang an mitgedacht sind. Der Unterschied zwischen einer wirksamen Automatisierungsplattform und einem unübersichtlichen Flickenteppich liegt selten in der Software, sondern fast immer in der Disziplin, mit der sie betrieben wird.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem klar abgegrenzten Prozess und einem eindeutigen Nutzenversprechen starten, den Prozess vor der Automatisierung verstehen und verschlanken, das Betriebsmodell entlang der Datenschutzanforderungen wählen und von Beginn an Governance-Regeln und Verantwortliche festlegen. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko, liefert schnell einen sichtbaren Erfolg und schafft die Grundlage für eine fundierte Skalierungsentscheidung.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Nintex im deutschen Mittelstand

Nintex entfaltet seinen Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Aufgaben. Hier die Szenarien, in denen die Plattform im DACH-Mittelstand – und im Kerngebiet von INAGRO, der Prozessoptimierung – am häufigsten sinnvoll eingesetzt wird, mit realistischer Einordnung des Nutzens aus unserer Projektpraxis.

Genehmigungs- & Freigabeprozesse

Urlaubsanträge, Beschaffungsfreigaben, Rechnungsprüfung, Investitionsanträge: Die klassische Domäne von Nintex. Ein Formular startet den Prozess, der Workflow leitet ihn durch die richtigen Instanzen, dokumentiert Entscheidungen und beschleunigt den gesamten Ablauf spürbar.

Schnellere Entscheidungen
Dokumentenautomatisierung

Angebote, Verträge, Bescheinigungen und Bescheide werden aus Vorlagen und Daten automatisch erzeugt und bei Bedarf elektronisch signiert. Gerade im Zusammenspiel mit CRM-Systemen verkürzt das den Weg vom Datensatz zum unterschriftsreifen Dokument erheblich.

Weniger Handarbeit
SharePoint-Prozesse ablösen

Wo Prozesse heute umständlich über SharePoint-Listen, E-Mail-Ketten und manuelle Zwischenschritte laufen, ersetzt Nintex sie durch strukturierte, nachvollziehbare Workflows. Ein häufiger Einstiegspunkt für Organisationen, die bereits in der Microsoft-Welt arbeiten.

Struktur statt E-Mail-Chaos
RPA für Altsysteme

Wo ältere Fachanwendungen keine Schnittstelle bieten, übernehmen Softwareroboter die regelbasierte Eingabe- und Übertragungsarbeit. So werden auch Systeme in die Automatisierung eingebunden, die sich sonst nur mit hohem Aufwand modernisieren ließen.

Medienbrüche schließen
Onboarding & HR-Prozesse

Das Einstellen neuer Mitarbeitender berührt viele Abteilungen: IT-Ausstattung, Zugänge, Dokumente, Schulungen. Ein Workflow orchestriert diese Schritte, sorgt dafür, dass nichts vergessen wird, und macht den Fortschritt transparent – ein dankbarer, wiederkehrender Anwendungsfall.

Nichts fällt durchs Raster
Prozesslandkarte aufbauen

Mit dem Prozessmanagement aus Promapp werden Abläufe kollaborativ dokumentiert und für alle sichtbar gemacht. So entsteht ein gemeinsames Prozessverständnis – die Grundlage, um überhaupt zu entscheiden, welche Prozesse sich für eine Automatisierung lohnen.

Gemeinsames Verständnis

Warum der Mittelstand oft bei Verwaltungsprozessen ansetzt

Anders als bei spezialisierten Werkzeugen liegt der erste greifbare Nutzen von Nintex im Mittelstand häufig nicht in spektakulären Großprojekten, sondern in den vielen kleinen, wiederkehrenden Verwaltungsprozessen, die zusammen viel Zeit binden. Freigaben, Anträge, Dokumentenerstellung, Onboarding – Prozesse, die heute per E-Mail, Papier oder in verstreuten Listen ablaufen und dadurch langsam, fehleranfällig und intransparent sind. Eine Automatisierung schafft hier zum ersten Mal Struktur, beschleunigt Durchlaufzeiten und macht Vorgänge nachvollziehbar. Dieser Effekt ist weniger glamourös als eine große Zahl im Dashboard, aber in der Praxis oft der Punkt, an dem die Belegschaft den Nutzen unmittelbar spürt – und genau das trägt die weitere Automatisierung.

Der Unterschied zwischen Werkzeug und gelebter Automatisierung

In unserer Beratungspraxis sehen wir einen wiederkehrenden Bruch: Ein Werkzeug wird eingeführt – und dann nicht konsequent genutzt oder in Wildwuchs betrieben. Der Wert entsteht erst, wenn die Automatisierungen tatsächlich Teil des Arbeitsalltags werden, gepflegt bleiben und in einem geordneten Rahmen wachsen. Deshalb empfehlen wir, jede Automatisierung mit einem klaren Nutzenversprechen und einer verantwortlichen Person zu verbinden. „Wir automatisieren mal alles Mögliche“ ist kein tragfähiges Ziel. „Wir automatisieren den Beschaffungsfreigabe-Prozess, senken die Durchlaufzeit messbar und übertragen das erprobte Muster anschließend auf ähnliche Prozesse“ ist eines. Automatisierung ist kein einmaliges Projekt, sondern eine Fähigkeit, die aufgebaut und gepflegt werden will.
INAGRO-Kerngebiet Prozessoptimierung

Für uns ist Nintex kein Selbstzweck, sondern ein Instrument der Prozessoptimierung. Der größte Mehrwert entsteht, wenn Prozessverständnis, gezielte Verschlankung und Automatisierung zusammenkommen – mit Verantwortlichen und messbaren Zielen. Genau diese Brücke vom durchdachten Prozess zur gelebten, gepflegten Automatisierung ist erfahrungsgemäß der Punkt, an dem Automatisierungsinitiativen entweder dauerhaft Wert schaffen oder als unübersichtliche Ansammlung halbfertiger Workflows versanden.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit bei Nintex

Zwei Fragen entscheiden in der Praxis oft über die Machbarkeit: Was kostet Nintex realistisch, und wie steht es um Datenschutz und Datenhoheit bei einem US-Anbieter? Beides hängt eng zusammen – denn Betriebsmodell und Funktionsumfang beeinflussen sowohl die Gesamtkosten als auch die datenschutzrechtliche Bewertung.

Lizenzierung
auf Anfrage · paket-/nutzungsabhängig
Kein einheitlicher öffentlicher Listenpreis über alle Bausteine
  • Die Kosten hängen von den genutzten Bausteinen (Workflow, K2, RPA, Discovery, DocGen), dem Umfang der Nutzung, der Anzahl der Nutzer oder Automatisierungen und dem Betriebsmodell ab. Für einen fokussierten Einstieg sind überschaubare Pakete möglich, die breite Plattformnutzung liegt deutlich höher. Konkrete Preise beim Anbieter erfragen.
Einführung & Umsetzung
Projektaufwand · einmalig
Konzept, Prozessaufnahme, Workflow-Bau, Integration
  • Der oft unterschätzte Block: Anwendungsfall, Prozessverständnis, Bau der Workflows und Formulare, Dokumentenvorlagen und – bei RPA – die Roboter-Konfiguration sowie die Systemanbindung. Erfordert Methodik- und Fach-Know-how und macht einen erheblichen Teil der Anfangsinvestition aus.
Betrieb & Pflege
laufend · je Betriebsmodell
Cloud: geringerer Eigenaufwand · On-Premise: eigene IT
  • Im Cloud-Betrieb übernimmt der Anbieter Wartung und Aktualisierung der Plattform; im On-Premise-Betrieb fallen dafür eigener Infrastruktur- und Betriebsaufwand an. In beiden Fällen brauchen die Automatisierungen selbst Pflege – besonders RPA-Roboter, wenn sich Zielsysteme ändern.
Einstieg / Pilot
gering · begrenzter Umfang
Ein erster Prozess statt breiter Ausrollung
  • Für den ersten Nachweis eignet sich ein begrenzter Umfang – ein einzelner Prozess mit klarem Nutzen. So bleibt die Anfangsinvestition überschaubar und das Risiko klein, bevor in die Breite skaliert wird. Ein sichtbarer Pilot-Erfolg ist zugleich das beste Argument für die weitere Automatisierung.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer einfachen Pro-Nutzer-SaaS lässt sich Nintex nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Kosten hängen von den genutzten Bausteinen, dem Umfang der Nutzung, dem Betriebsmodell und dem Lizenzmodell ab, das sich zudem im Zeitverlauf ändern kann. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping. Verlässlich lässt sich sagen: Für einen fokussierten Einstieg mit einem Prozess sind moderate Investitionen möglich, während die breite Plattformnutzung mit mehreren Bausteinen eine Investition im gehobenen Segment darstellt – und die Einführungs- und Betriebsaufwände einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Weil Nintex ein kommerzieller US-Anbieter ist, sollte auch die Preisstellung in Fremdwährung und ihre Entwicklung im Blick behalten werden.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Nintex ist ein US-amerikanischer Anbieter. Das macht die Fragen von Datenverarbeitungsort, Datentransfer und vertraglicher Absicherung besonders wichtig. Diese Punkte sollten bei jeder Nintex-Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden – sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Datenverarbeitungsort & EU-Region
Prüfen, ob und wie eine Datenverarbeitung in einer EU-Region möglich ist; Serverstandort und Rechenzentrum vertraglich festhalten
Auftragsverarbeitungsvertrag
AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, Subprozessoren-Liste prüfen und laufend im Blick behalten
Drittlandtransfer & Rechtsgrundlage
Datentransfer in die USA absichern (etwa über anerkannte Transfermechanismen) und die Rechtsgrundlage dokumentieren
Datenminimierung
Nur die für den Prozess nötigen personenbezogenen Daten in Workflows und Formularen verarbeiten
Berechtigungs-Konzept
Zugriff auf Workflows, Formulardaten und Dokumente rollenbasiert und nach Need-to-know vergeben
Betriebsrat & Mitbestimmung
Bei RPA und Process Discovery mit Bezug zu Beschäftigten frühzeitig einbinden

US-Anbieter: Datentransfer klar benennen

Der wichtigste Datenschutzpunkt bei Nintex ist die Herkunft: Es handelt sich um einen US-amerikanischen Anbieter. Werden im Cloud-Betrieb personenbezogene Daten verarbeitet, ist die Frage des Datenverarbeitungsorts und eines möglichen Datentransfers in die USA zentral. Zu klären ist, ob eine Datenverarbeitung in einer EU-Region angeboten wird, welche Rechenzentren genutzt werden und über welche Mechanismen ein etwaiger Drittlandtransfer abgesichert ist. Der Auftragsverarbeitungsvertrag, die Prüfung der Subprozessoren und die Dokumentation der Rechtsgrundlage sind hier die entscheidenden Stellschrauben. Für Organisationen mit besonders hohen Anforderungen an Datenhoheit kann die On-Premise-Betriebsvariante einzelner Bausteine ein Weg sein, mehr Kontrolle über den Verarbeitungsort zu behalten. Die Wahl des Betriebsmodells ist damit auch bei Nintex immer eine Datenschutzentscheidung – und sie sollte bewusst und nicht nebenbei getroffen werden.

Automatisierung berührt reale Prozess- und Personendaten

Sobald Nintex reale Prozesse automatisiert, verarbeitet es echte Betriebsdaten – und diese können personenbezogen sein. Ein Genehmigungs-Workflow weiß, wer was beantragt und wer entschieden hat; ein HR-Prozess verarbeitet Personaldaten; Process Discovery und RPA erheben, wie an Arbeitsplätzen gearbeitet wird. Gerade Process Discovery und RPA können damit potenziell eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Beschäftigten berühren. Das betrifft nicht nur die DSGVO, sondern in Deutschland regelmäßig die betriebliche Mitbestimmung. Die Leitplanken sind Datensparsamkeit und Transparenz: Es sollten nur die wirklich nötigen personenbezogenen Daten verarbeitet und der Zweck – Prozessverbesserung, nicht Überwachung Einzelner – klar kommuniziert werden. Wer Discovery oder bearbeiterbezogene Auswertungen plant, sollte Datenschutzbeauftragten und Betriebsrat von Anfang an einbinden.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Cloud-Verarbeitung bei einem US-Anbieter, zum Drittlandtransfer, zur Datenschutz-Folgenabschätzung und zur Mitbestimmung bei RPA und Process Discovery – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

TCO-Denke: von der Lizenz zum Gesamtwert

Die richtige Frage lautet nicht „Was kostet die Lizenz?“, sondern „Welcher Nutzen steht welchen Gesamtkosten gegenüber?“. Total Cost of Ownership umfasst Lizenz, Einführung, Systemanbindung, Betrieb und internes Enablement. Dem gegenüber steht der Wert: beschleunigte Prozesse, weniger manuelle Arbeit, geringere Fehlerquoten, nachvollziehbare Abläufe und – über Dokumentenautomatisierung und RPA – konkret eingesparte Zeit. Bei Organisationen mit vielen wiederkehrenden, gut automatisierbaren Prozessen rechtfertigt sich diese Investition regelmäßig. Bleibt der Nutzen dagegen vage oder liegt der Bedarf bereits durch vorhandene Bordmittel wie die Microsoft Power Platform abgedeckt, ist das ein Warnsignal: Entweder ist der Anwendungsfall unklar, oder Nintex ist für den konkreten Bedarf die falsche oder überdimensionierte Wahl.
Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Nintex

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Nintex?
Nintex ist eine Low-Code-Plattform für Prozessautomatisierung eines US-amerikanischen Anbieters. Unter dem Dach der Nintex Process Platform vereinen sich Workflow-Automatisierung, Formulare, Dokumentenerstellung (DocGen), die erweiterte Anwendungsentwicklung aus K2, Robotic Process Automation und Process Discovery aus der Kryon-Übernahme sowie Prozessmanagement aus Promapp. Historisch ist Nintex eng mit SharePoint und Microsoft 365 verbunden, deckt heute aber ein breiteres Automatisierungsspektrum ab.
Was ist der Unterschied zwischen Nintex und Microsoft Power Automate?
Beide automatisieren Workflows im Microsoft-Umfeld. Power Automate ist tief in Microsoft 365 integriert und oft bereits lizenziert – für einfache Automatisierungen in einer reinen Microsoft-Landschaft häufig die naheliegende Wahl. Nintex spielt seine Stärken bei ausgeprägter Dokumentenautomatisierung, gewachsener Workflow-Governance, komplexeren Prozess-Apps über K2 und beim einheitlichen Werkzeug über Microsoft hinaus aus. Die Entscheidung sollte entlang des konkreten Bedarfs und der bestehenden Microsoft-Investition fallen, nicht dogmatisch.
Was sind K2, Kryon und Promapp bei Nintex?
Es handelt sich um zugekaufte Bausteine, die die Plattform verbreitert haben. K2 steht für die erweiterte Anwendungsentwicklung, mit der sich komplexere Prozess-Apps bauen lassen. Kryon lieferte die Fähigkeiten für Process Discovery, also das datenbasierte Erheben realer Abläufe. Promapp brachte das kollaborative Prozessmanagement für Prozesslandkarten. Zusammen mit dem Workflow-Kern und RPA ergeben sie das breite Nintex-Portfolio – mit dem Hinweis, dass die Bausteine unterschiedliche Reifegrade und Integrationstiefen haben.
Braucht man für Nintex Programmierkenntnisse?
Nintex ist als Low-Code-Plattform konzipiert, das heißt, Prozesse werden überwiegend visuell gestaltet, und auch Fachanwender oder Power-User können Automatisierungen bauen. Für einfache Workflows und Formulare sind keine klassischen Programmierkenntnisse nötig. Anspruchsvollere Prozess-Apps über K2 oder komplexe Integrationen erfordern jedoch mehr technisches Verständnis. Wichtig: Low-Code senkt die Einstiegshürde, ersetzt aber nicht das Verständnis für sauberes Prozessdesign und eine geordnete Governance.
Gibt es Nintex als Cloud- und On-Premise-Lösung?
Je nach Baustein bietet Nintex unterschiedliche Betriebsmodelle. Ein wesentlicher Teil wird als cloudbasiertes Angebot betrieben, das der Anbieter bereitstellt und wartet; daneben gibt es Varianten mit engerer Bindung an Microsoft 365 sowie Bausteine, die auch in der eigenen Infrastruktur betrieben werden können. Die Cloud senkt den Eigenaufwand, On-Premise gibt mehr Kontrolle über Daten und Verarbeitungsort. Welche Bausteine in welchem Betriebsmodell verfügbar sind, sollte beim Anbieter geprüft werden, da sich das Angebot weiterentwickelt.
Ist Nintex teuer?
Es gibt keinen einheitlichen Listenpreis. Die Kosten hängen von den genutzten Bausteinen, dem Umfang der Nutzung, dem Betriebsmodell und dem Lizenzmodell ab. Ein fokussierter Einstieg mit einem Prozess ist mit moderater Investition möglich, die breite Plattformnutzung mit mehreren Bausteinen liegt deutlich höher. Hinzu kommen Einführung, Systemanbindung und Betrieb, die einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Seriöse Pauschalpreise sind ohne Scoping nicht möglich – konkrete Angaben beim Anbieter erfragen.
Ist Nintex DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Konfiguration. Weil Nintex ein US-Anbieter ist, sind beim Cloud-Betrieb der Datenverarbeitungsort, eine mögliche EU-Region, ein Auftragsverarbeitungsvertrag und die Absicherung eines etwaigen Datentransfers in die USA besonders wichtig. Da Workflows, RPA und Process Discovery personenbezogene Daten berühren können, sind Datenminimierung, ein Berechtigungskonzept und die frühzeitige Einbindung von Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat wesentlich. Für hohe Datenhoheits-Anforderungen kann eine On-Premise-Variante helfen. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei Nintex?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich Nintex für Ihr Unternehmen rechnet, über die Abgrenzung zu Power Automate und anderen Werkzeugen, die Auswahl der passenden Bausteine, das Datenschutz-Setup bis zum Pilot und zur Skalierung mit sauberer Governance. Wo Power Automate, ein spezialisierter RPA-Anbieter oder ein anderes Werkzeug besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

Prozesse pragmatisch automatisieren

Brauchen Sie eine ehrliche Nintex-Strategie?

Von der Abgrenzung zu Power Automate über die Auswahl der passenden Bausteine und das Datenschutz-Setup bei einem US-Anbieter bis zum belegten Nutzen – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich Nintex für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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