Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Celonis — der Process-Intelligence-Marktführer aus München.

Celonis ist die weltweit bekannteste Process-Mining-Plattform und ein Münchner Vorzeige-Unternehmen mit zweitem Hauptsitz in New York. Die Plattform rekonstruiert reale Prozesse aus den Datenspuren Ihrer ERP- und CRM-Systeme, deckt Engpässe und Abweichungen auf, beziffert deren Wertpotenzial in Euro und stößt über die Action Engine konkrete Verbesserungen an. Für den DACH-Mittelstand mit SAP-Kern ist Celonis besonders relevant — diese ehrliche Praxiseinordnung zeigt, wann sich der Marktführer lohnt und wann nicht.

22 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juni 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Celonis
Celonis SE · München & New York
Gegründet
2011 (München, TU München)
Typ
Process Mining / Process Intelligence
Kernfunktionen
Discovery · Conformance · Action
Hauptsitze
München & New York
Datenmodell
Process Intelligence Graph (OCPM)
Hauptwettbewerb
SAP Signavio · UiPath · Microsoft
INAGRO Eignung datenreiche Kernprozesse
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Celonis – und für wen lohnt es sich?

Celonis ist die weltweit bekannteste Plattform für Process Mining – jene Disziplin, die reale Geschäftsprozesse nicht aus Workshops und Annahmen, sondern aus den digitalen Datenspuren der eigenen IT-Systeme rekonstruiert. Gegründet 2011 aus einem Forschungsprojekt der Technischen Universität München heraus, hat sich das Unternehmen mit Doppel-Hauptsitz in München und New York zum Kategorie-prägenden Anbieter entwickelt und gilt als eines der wertvollsten Technologie-Unternehmen deutscher Herkunft.

Der entscheidende Anspruch von Celonis geht über das reine Sichtbarmachen hinaus: Die Plattform versteht sich heute nicht mehr nur als Process-Mining-Werkzeug, sondern als Process-Intelligence-Schicht. Sie deckt nicht nur auf, wo ein Prozess klemmt, sondern beziffert das Wertpotenzial in Euro und stößt über die sogenannte Action Engine konkrete Maßnahmen an – bis hin zur ausgelösten Automatisierung. Aus „Wir sehen, dass jede dritte Rechnung zu spät bezahlt wird“ wird „Diese Verzögerung kostet 1,8 Mio. Euro Skonto pro Jahr, und hier sind die fünf Lieferanten, bei denen sich eine Sofortmaßnahme am meisten lohnt“.
Drei Eigenschaften definieren Celonis und erklären seine Marktstellung:
  • Datengestützte Prozesswahrheit – Celonis liest die Ereignisprotokolle (Event Logs) aus ERP-, CRM- und Fachsystemen und zeichnet daraus den tatsächlichen End-to-End-Verlauf eines Prozesses nach. Nicht den dokumentierten Soll-Prozess, sondern den real gelebten – inklusive aller Schleifen, Nacharbeiten und Ausnahmen, die kein Flussdiagramm je zeigt.
  • Wertorientierung statt Diagramm-Schönheit – während viele Tools eindrucksvolle Prozessgrafiken liefern, ist die Celonis-Philosophie auf den Geschäftswert ausgerichtet. Jede Ineffizienz wird, wo möglich, mit einer Kennzahl und einem Euro-Betrag hinterlegt, damit Maßnahmen priorisiert werden können.
  • Enterprise-Reife und SAP-Nähe – Celonis ist auf große, datenreiche Organisationen ausgelegt und in Konzernumgebungen breit erprobt. Die ausgeprägte SAP-Anbindung macht die Plattform im DACH-Raum besonders anschlussfähig, weil hier SAP-Landschaften den Mittelstand und Großkonzern dominieren.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen mit großen, datenreichen Kernprozessen – Einkauf, Vertrieb, Finanzen – und einer gewissen Daten- und Umsetzungsreife ist Celonis in vielen Fällen die wirtschaftlich richtige Wahl: Die Tiefe der Analyse, die Wertquantifizierung und die Action Engine sind am Markt kaum zu schlagen. Die ehrliche Kehrseite: Celonis ist kein leichtgewichtiges Reporting-Tool. Für kleine, SAP-zentrierte Bedarfe ist SAP Signavio (oft im SAP-Vertrag enthalten) häufig wirtschaftlicher, und ohne klares Wertziel sowie Umsetzungsbereitschaft bleibt selbst der beste Marktführer wirkungslos.

Marktstellung: deutscher Ursprung, globale Reichweite

Celonis nimmt eine seltene Position ein: Es ist ein in Deutschland gegründetes Software-Unternehmen, das in einer von US-Anbietern dominierten Kategorie global führend wurde. Diese Herkunft ist mehr als Marketing – sie bedeutet, dass die Plattform mit europäischen Datenschutzanforderungen, deutscher Vertragspraxis und den Eigenheiten von DACH-Konzernen gut vertraut ist. Gleichzeitig ist Celonis längst ein internationaler Anbieter mit großem US-Geschäft, was bei der Datenschutz-Bewertung (Kapitel 06) eine eigene Rolle spielt.

Process Mining, Task Mining, Process Intelligence – die Begriffe

Im Marktgespräch verschwimmen die Begriffe. Process Mining ist die Disziplin, Prozesse aus System-Logs zu rekonstruieren. Task Mining ergänzt das um Tätigkeiten auf dem Desktop einzelner Mitarbeitender (Klicks, Copy-Paste, Tool-Wechsel) und schließt damit Lücken, die in ERP-Logs nicht sichtbar sind. Process Intelligence ist Celonis’ Dachbegriff für die Kombination aus Mining, Wertquantifizierung und Aktion. Wer diese drei Ebenen auseinanderhält, versteht schneller, warum Celonis sich von reinen Visualisierungs- oder BI-Werkzeugen abgrenzt.
Kapitel 02 · Funktionsweise

Wie Process Mining technisch funktioniert

Um Celonis richtig einzuordnen, muss man verstehen, woraus die Plattform ihr Wissen zieht. Process Mining ist keine Magie und kein klassisches Reporting – es ist eine systematische Rekonstruktion der Prozesswirklichkeit aus Daten, die in Ihren Systemen ohnehin schon anfallen.

Der Rohstoff: Event Logs aus ERP und CRM

Jede Aktion in einem Geschäftssystem hinterlässt eine Datenspur. Wird eine Bestellung angelegt, eine Rechnung geprüft, ein Auftrag freigegeben oder eine Zahlung verbucht, schreibt das System einen Datensatz mit drei Kernangaben: einer Fall-ID (welcher Vorgang, etwa eine bestimmte Bestellung), einer Aktivität (was geschah, etwa „Rechnung freigegeben“) und einem Zeitstempel (wann). Aus tausenden solcher Einträge entsteht ein Ereignisprotokoll – das Event Log. Celonis extrahiert diese Logs aus SAP, anderen ERP-Systemen, CRM-Plattformen und Fachanwendungen und setzt sie zu vollständigen Prozessverläufen zusammen.
Der Aha-Moment in fast jedem Projekt: Der real gelebte Prozess sieht ganz anders aus als das Soll-Diagramm an der Bürowand. Statt eines geraden Pfades von der Bestellung zur Bezahlung zeigt sich ein dichtes Geflecht aus Schleifen, Rücksprüngen, manuellen Korrekturen und Ausnahmen. Genau diese Abweichungen sind der Hebel: Sie kosten Zeit, Geld und Compliance.

Discovery und Conformance: zwei Grundoperationen

Process Mining kennt zwei zentrale Analysearten. Process Discovery rekonstruiert den tatsächlichen Prozess aus den Daten – ohne Vorannahmen. Das Ergebnis ist eine Prozesskarte, die jeden real vorgekommenen Pfad zeigt, mit Häufigkeiten und Durchlaufzeiten. Conformance Checking vergleicht diese Realität mit dem definierten Soll-Prozess oder mit Compliance-Regeln und deckt jede Abweichung auf: die Rechnung, die ohne Vier-Augen-Prinzip freigegeben wurde; die Bestellung, die nachträglich geändert wurde; den Auftrag, der eine Genehmigungsstufe übersprungen hat.
Für den Mittelstand ist diese Kombination wertvoll: Discovery zeigt, wo Zeit und Geld verloren gehen, Conformance zeigt, wo Risiken und Regelverstöße lauern. Beides zusammen ist die Grundlage für die Wertquantifizierung, die Celonis darüber legt.

Object-Centric Process Mining: die nächste Generation

Klassisches Process Mining betrachtet einen Prozess immer aus der Perspektive einer einzigen Fall-ID – etwa „die Bestellung“. Reale Prozesse hängen aber an mehreren Objekten gleichzeitig: Eine Bestellung umfasst mehrere Positionen, hängt an einem Lieferanten, führt zu mehreren Wareneingängen und mehreren Rechnungen. Wer alles auf eine einzige Fall-ID zwingt, verzerrt das Bild oder verliert Zusammenhänge. Object-Centric Process Mining (OCPM) – ein Ansatz, den Celonis stark vorantreibt – modelliert den Prozess stattdessen über mehrere verknüpfte Objekttypen hinweg. Das ist datenmodellseitig anspruchsvoller, bildet die Realität in komplexen ERP-Welten aber deutlich präziser ab und ist die Grundlage für den Process Intelligence Graph der Plattform (Kapitel 03).
Warum das in der Praxis zählt

Die Qualität jeder Process-Mining-Analyse steht und fällt mit der Qualität der Event Logs. Sind Zeitstempel ungenau, Aktivitäten uneinheitlich benannt oder Datensätze lückenhaft, liefert auch der beste Algorithmus ein verzerrtes Bild. Aus INAGRO-Sicht ist die saubere Datenanbindung deshalb nicht der langweilige Vorlauf, sondern der eigentliche Erfolgsfaktor – der OCPM-Ansatz erhöht die Aussagekraft, erhöht aber auch die Anforderungen an Datenmodellierung und Fachwissen.

Was Process Mining nicht ist

Ein verbreitetes Missverständnis lohnt die Klarstellung: Process Mining ist weder eine Simulation noch eine KI-Prognose und auch kein Ersatz für die Fachkenntnis der Prozessverantwortlichen. Es ist eine faktenbasierte Rekonstruktion dessen, was nachweislich passiert ist. Der Wert liegt genau darin, dass es Diskussionen versachlicht: Statt darüber zu streiten, ob ein Prozess „eigentlich rund läuft“, liegt der tatsächliche Verlauf mit Zahlen auf dem Tisch. In unseren Projekten ist dieser Effekt oft genauso wertvoll wie die konkreten Einsparungen – weil er Bauchgefühl durch Belege ersetzt und damit Entscheidungen beschleunigt. Voraussetzung bleibt, dass die zugrunde liegenden Logs den Prozess vollständig genug abbilden; schlichte Lücken im Datenmodell führen sonst zu falschen Schlüssen.
Kapitel 03 · Plattform & Funktionen

Die Celonis-Plattform im Überblick

Celonis ist heute keine einzelne Anwendung mehr, sondern eine modulare Plattform. Im Zentrum steht das Datenmodell, darum gruppieren sich Analyse-, Aktions- und KI-Funktionen sowie vorgefertigte Apps für Standardprozesse. Hier die wichtigsten Bausteine mit konkretem Praxisbezug.

Process Intelligence Graph
Kern

Das digitale Abbild der Prozess- und Datenlandschaft eines Unternehmens. Verknüpft Objekte (Bestellungen, Rechnungen, Lieferanten, Aufträge) und ihre Beziehungen objektzentriert – die Grundlage für alle Analysen und der Bezugspunkt für die KI-Funktionen.

BasisObject-Centric Data Model
QuellenERP, CRM, Fachsysteme
ZweckProzesswahrheit als Graph
EignungKomplexe Prozesslandschaften
Action Engine
Aktion

Wandelt Erkenntnisse in Handlungen um. Statt nur ein Dashboard zu zeigen, schlägt die Action Engine priorisierte Maßnahmen vor, weist sie Verantwortlichen zu und kann nachgelagerte Systeme oder Automatisierungen anstoßen – der Schritt von der Analyse zur Wirkung.

PrinzipInsight to Action
AuslöserRegeln & Schwellwerte
AnschlussRPA, BPM, ERP
NutzenMaßnahmen statt Reports
Apps & Accelerators
Vorgefertigt

Vorkonfigurierte Anwendungen für Standardprozesse wie Purchase-to-Pay und Order-to-Cash. Sie bringen typische Kennzahlen, Analysen und Maßnahmen-Vorlagen mit und verkürzen die Zeit bis zum ersten Ergebnis erheblich.

FokusStandard-Kernprozesse
InhaltKPIs, Analysen, Maßnahmen
VorteilSchnellerer Time-to-Value
GrenzeAnpassung an Eigenheiten nötig
KI & Copilot-Funktionen
KI

Sprachgestützte Auswertung und Assistenz: Anwender können Prozessfragen in natürlicher Sprache stellen, KI hebt Auffälligkeiten hervor und schlägt Maßnahmen vor. Die Process Intelligence als Graph dient dabei als verlässlicher Kontext für die KI.

BedienungNatürliche Sprache
GrundlageProcess Intelligence Graph
ZweckAnalyse demokratisieren
HinweisQualität folgt Datenqualität

Vom Graph zur Aktion: das Zusammenspiel

Die Stärke der Plattform liegt nicht in einer einzelnen Funktion, sondern im Zusammenspiel. Der Process Intelligence Graph hält die Prozesswahrheit objektzentriert vor. Analysen und Apps lesen daraus Engpässe und Abweichungen heraus und quantifizieren ihr Wertpotenzial. Die Action Engine verwandelt die priorisierten Erkenntnisse in zugewiesene Maßnahmen und kann nachgelagerte Automatisierungen anstoßen. Die KI-Schicht macht das Ganze auch für Fachanwender ohne Analyse-Hintergrund zugänglich. Erst diese durchgehende Kette von der Datenanbindung bis zur ausgelösten Aktion begründet den Anspruch „Process Intelligence“ statt „nur Process Mining“.

Task Mining als Ergänzung zur ERP-Sicht

ERP-Logs zeigen, was im System passiert ist – aber nicht, was davor auf dem Bildschirm der Sachbearbeiterin geschah. Task Mining erfasst (mit klaren Datenschutz-Leitplanken, siehe Kapitel 06) Tätigkeiten auf dem Desktop: manuelle Übertragungen zwischen Systemen, wiederholtes Nachschlagen, Medienbrüche. Diese Sicht schließt die Lücke zwischen den Systemereignissen und macht Automatisierungspotenziale sichtbar, die im reinen ERP-Log unsichtbar bleiben. Für die Priorisierung von RPA-Vorhaben ist das oft der entscheidende Detailgrad.
Praxis-Hinweis

Die Action Engine ist nur so wirksam wie die nachgelagerten Prozesse und Verantwortlichkeiten. Eine Maßnahme, die niemandem zugewiesen ist oder auf die keine Reaktion erfolgt, erzeugt keinen Wert – egal wie präzise die Analyse war. Aus unserer Projekterfahrung ist die Frage „Wer handelt auf welche Erkenntnis hin?“ mindestens so wichtig wie die Technik selbst.

Kapitel 04 · Use Cases

Einsatzszenarien im deutschen Mittelstand

Process Mining entfaltet seinen Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Kernprozessen. Hier die Szenarien, in denen Celonis im DACH-Markt – und im Kerngebiet von INAGRO, der Prozessoptimierung – am häufigsten erfolgreich eingesetzt wird, mit realistischen Wirkungs-Indikatoren aus unserer Projektpraxis.

Purchase-to-Pay (P2P)

Vom Bedarf über Bestellung, Wareneingang und Rechnungsprüfung bis zur Zahlung: Celonis deckt verpasste Skonti, doppelte Zahlungen, manuelle Nacharbeiten und Maverick Buying auf und beziffert die Hebel. Einer der reifsten und wertstärksten Use Cases überhaupt.

Skonto-Quote & Working Capital
Order-to-Cash (O2C)

Vom Auftragseingang bis zum Geldeingang: Celonis findet Engpässe in Auftragsbearbeitung, Lieferung und Fakturierung, deckt Ursachen verspäteter Zahlungseingänge auf und verkürzt die Durchlaufzeit – mit direkter Wirkung auf Liquidität und Days Sales Outstanding.

DSO senken, Liquidität heben
Prozessoptimierung allgemein

Über die Standardprozesse hinaus lassen sich beliebige datenreiche Abläufe analysieren – Reklamationsbearbeitung, Stammdatenpflege, Service-Tickets. Celonis macht den real gelebten Prozess sichtbar und priorisiert die Verbesserungen nach Wirkung statt nach Bauchgefühl.

Durchlaufzeit & Nacharbeit
Compliance & interne Kontrolle

Conformance Checking deckt systematisch Regelverstöße auf: übersprungene Genehmigungen, verletztes Vier-Augen-Prinzip, nachträgliche Bestelländerungen. Für interne Revision und das interne Kontrollsystem ein objektiver, datengestützter Prüfblick statt Stichproben.

Abweichungen lückenlos sichtbar
Automatisierungs-Priorisierung

Bevor RPA-Bots gebaut werden, zeigt Celonis (oft mit Task Mining), welche Schritte sich wirklich lohnen: hoher manueller Aufwand, hohes Volumen, stabile Regeln. So fließt das Automatisierungsbudget dorthin, wo der Hebel am größten ist – statt in Lieblingsprojekte.

RPA-Roadmap nach Wert
Wirkungsmessung & Monitoring

Nach der Umsetzung von Maßnahmen misst Celonis fortlaufend, ob die erwartete Wirkung eintritt. Statt einmaliger Berater-Folien entsteht ein dauerhafter Regelkreis: messen, handeln, nachmessen – die Grundlage für echte kontinuierliche Verbesserung.

Kontinuierlicher Regelkreis

Warum P2P und O2C die typischen Einstiegspunkte sind

Es ist kein Zufall, dass nahezu jedes Celonis-Projekt mit Purchase-to-Pay oder Order-to-Cash beginnt. Beide Prozesse sind hochvolumig, laufen sauber durch ERP-Systeme (also gut messbar), und ihre Ineffizienzen lassen sich unmittelbar in Geld übersetzen: verpasste Skonti, gebundenes Working Capital, verspätete Zahlungseingänge. Damit ist der Wertnachweis vergleichsweise einfach zu führen – die wichtigste Voraussetzung, um ein Process-Mining-Programm intern zu rechtfertigen und auszuweiten.

Der Unterschied zwischen Erkenntnis und Ergebnis

In unserer Beratungspraxis sehen wir immer wieder denselben Bruch: Die Analyse ist beeindruckend, das Dashboard glänzt – und dann passiert nichts. Der Wert eines Use Case entsteht erst, wenn aus der Erkenntnis eine umgesetzte Maßnahme wird. Deshalb empfehlen wir, jeden Use Case von Anfang an mit einer konkreten Maßnahme, einem Verantwortlichen und einem Wertziel zu hinterlegen. „Wir analysieren mal P2P“ ist kein Use Case. „Wir heben die Skonto-Quote von 60 auf 80 Prozent, verantwortet vom Einkaufsleiter, gemessen monatlich“ ist einer.
INAGRO-Kerngebiet Prozessoptimierung

Process Mining ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Instrument der Prozessoptimierung. Der größte Mehrwert entsteht, wenn die Celonis-Erkenntnisse in eine konkrete Verbesserungs-Roadmap überführt werden – mit Maßnahmen, Verantwortlichen und messbaren Zielen. Genau diese Brücke von der Analyse zur Umsetzung ist erfahrungsgemäß der Punkt, an dem die meisten Programme entweder Wert schaffen oder versanden.

Kapitel 05 · Marktvergleich

Celonis im Vergleich zum Wettbewerb

Celonis ist Marktführer, aber nicht der einzige relevante Anbieter. Wie schlägt sich die Plattform gegen SAP Signavio, UiPath Process Mining und Microsoft? Diese Übersicht ordnet die Stärken ein – mit dem ehrlichen Fazit, wann Celonis gewinnt und wann nicht.

Kriterium Celonis SAP Signavio UiPath Process Mining Microsoft
Process-Mining-Tiefe Marktführend Sehr gut Solide Solide
Wertquantifizierung & Aktion Action Engine Vorhanden Auf RPA fokussiert Im Aufbau
SAP-Nähe Sehr stark Nativ (SAP) Über Connectoren Über Connectoren
BPM-Modellierung Ergänzend Stark (BPM-Erbe) Kein Fokus Eingeschränkt
RPA-/Automatisierungs-Anbindung Offen, breit Vorhanden Nativ (UiPath) Power Platform
Object-Centric Process Mining Vorreiter Im Aufbau Eingeschränkt Eingeschränkt
DACH-/EU-Bezug Deutsche Herkunft Deutsche Herkunft US/EU US-Konzern
Einstiegshürde / Komplexität Hoch Mittel Mittel Mittel
Preissegment Oberes Enterprise Mittel–hoch (SAP-Vertrag) Mittel Verbrauch/Lizenz

Wann Celonis gewinnt

Aus unserer Beratungspraxis sind die Stärken klar. Erstens, wenn Process Mining strategisch und wertorientiert betrieben werden soll – mit Quantifizierung in Euro und ausgelösten Maßnahmen, nicht nur mit schönen Diagrammen. Hier ist die Action-Engine-Philosophie kaum zu schlagen. Zweitens, bei großen, datenreichen und komplexen Prozesslandschaften, in denen der Object-Centric-Ansatz seine Stärke ausspielt. Drittens, wenn Process Mining anbieterübergreifend als zentraler Analyse-Layer für ein Hyperautomatisierungs-Programm dienen soll – Celonis bindet RPA, BPM und KI verschiedener Hersteller an, ohne ein bestimmtes Automatisierungs-Ökosystem vorauszusetzen.

Wann Celonis nicht die richtige Wahl ist

Ebenso ehrlich gehören die Gegenfälle benannt. Celonis ist nicht die naheliegende Wahl, wenn der Bedarf rein SAP-zentriert ist und SAP Signavio – das nativ in die SAP-Welt integriert und häufig schon im SAP-Vertrag enthalten ist – die Anforderungen abdeckt; dann ist Signavio oft wirtschaftlicher. Es ist auch nicht richtig, wenn das eigentliche Ziel Automatisierung mit einem konkreten RPA-Tool ist – dann kann das in dieses Ökosystem integrierte Process Mining (etwa UiPath) ausreichen. Und es ist überdimensioniert, wenn lediglich aggregiertes KPI-Reporting gewünscht ist; dafür genügt klassische Business Intelligence, die keine Prozesssicht ersetzt, aber auch keine braucht. Schließlich gilt: Ohne brauchbare Event-Logs und ohne Umsetzungsbereitschaft schlägt kein Tool an – auch der Marktführer nicht.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nicht nach Markenglanz, sondern nach Fit. Celonis ist die Referenz für wertorientiertes, strategisches Process Mining – aber die richtige Wahl folgt aus Use Case, vorhandenem Stack und Umsetzungskapazität. In SAP-zentrierten Szenarien gehört Signavio fair in den Vergleich, in RPA-getriebenen das tool-eigene Process Mining. Wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen.

Der Markt insgesamt: Konsolidierung und Verschmelzung

Ein Blick auf die Marktbewegung hilft bei der Einordnung. Process Mining, RPA und BPM wachsen zunehmend zusammen – erkennbar daran, dass Automatisierungsanbieter Process-Mining-Fähigkeiten zukaufen und ERP-Häuser wie SAP mit Signavio eigene Angebote bündeln. Für Anwenderunternehmen bedeutet das zweierlei: Erstens verwischen die Grenzen zwischen den Kategorien, weshalb die Frage „welches Tool“ immer häufiger zur Frage „welche Gesamtarchitektur“ wird. Zweitens erhöht die Konsolidierung den Wert eines herstellerneutralen Analyse-Layers: Wer wie mit Celonis die Prozesswahrheit unabhängig vom Automatisierungswerkzeug erhebt, bleibt flexibel, wenn sich das nachgelagerte Ökosystem ändert. Diese strategische Unabhängigkeit ist im DACH-Mittelstand, der oft über Jahre mit gewachsenen Systemlandschaften lebt, ein nicht zu unterschätzendes Argument.
Kapitel 06 · Datenanbindung & DSGVO

Datenanbindung und DSGVO bei Celonis

Process Mining lebt von Daten aus den operativen Systemen – und genau das macht Datenschutz zum zentralen Thema. Event Logs können personenbezogene Daten enthalten, und die ERP-Extraktion berührt sensible Geschäftsinformationen. Hier die wichtigsten Punkte für eine saubere, DSGVO-konforme Einführung.

ERP-Extraktion: wie die Daten zu Celonis kommen

Celonis bindet die Quellsysteme über Connectoren an – mit besonders ausgereifter Unterstützung für SAP, daneben für andere ERP-Systeme, CRM-Plattformen und Fachanwendungen. Die Anbindung kann als regelmäßige Extraktion oder in Richtung Echtzeit erfolgen. Der entscheidende Designpunkt: Welche Felder werden überhaupt extrahiert? Für Process Mining werden Fall-IDs, Aktivitäten und Zeitstempel benötigt – nicht zwingend Klarnamen. Wo Bearbeiter-Kennungen Teil des Logs sind (etwa für Conformance-Prüfungen), entsteht Personenbezug, der bewusst gesteuert werden muss.

Verarbeitungsort, EU-Region und Auftragsverarbeitung

Celonis ist als deutsches Unternehmen mit den DACH-Datenschutzanforderungen gut vertraut. In der Praxis sind drei Fragen vorab vertraglich und technisch zu klären: Erstens der Verarbeitungsort – die Nutzung einer EU-Region für die Datenverarbeitung ist regelmäßig die naheliegende Wahl und sollte vertraglich festgehalten werden. Zweitens der Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV / DPA) mit dem Anbieter, der Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung sowie die technisch-organisatorischen Maßnahmen regelt. Drittens – weil Celonis auch ein internationales Geschäft mit US-Bezug hat – die Frage nach Subprozessoren und etwaigen Drittlandtransfers, die im Einzelfall zu prüfen und mit geeigneten Garantien abzusichern sind.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Diese Punkte sollten bei jeder Celonis-Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden – sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Verarbeitungsort & Hosting
EU-Region wählen und vertraglich festhalten; Drittland-Bezug prüfen und ggf. mit Garantien absichern
Auftragsverarbeitungsvertrag
AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, Subprozessoren-Liste prüfen
Datenminimierung
Nur die für den Use Case nötigen Felder extrahieren; auf Klarnamen wo möglich verzichten
Anonymisierung / Pseudonymisierung
Bearbeiter-Kennungen in Logs pseudonymisieren, wo der Personenbezug nicht zwingend ist
Berechtigungs-Konzept
Zugriff auf Daten und Analysen rollenbasiert und nach Need-to-know vergeben
Betriebsrat & Mitbestimmung
Bei Task Mining und bearbeiterbezogenen Auswertungen frühzeitig einbinden

Die versteckte Herausforderung: Personenbezug in Event Logs

Der häufigste Stolperstein ist nicht der Anbieter, sondern die eigene Datengrundlage. Event Logs beantworten oft die Frage „wer hat wann was getan“ – und damit sind sie potenziell eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Beschäftigten. Das berührt nicht nur die DSGVO, sondern in Deutschland regelmäßig die betriebliche Mitbestimmung. Wer Task Mining oder bearbeiterbezogene Conformance-Analysen plant, sollte Betriebsrat und Datenschutzbeauftragten von Anfang an einbinden, Auswertungen wo möglich aggregieren oder pseudonymisieren und transparent kommunizieren, dass das Ziel die Prozessverbesserung ist – nicht die Überwachung Einzelner.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Drittlandtransfers, Datenschutz-Folgenabschätzung und Mitbestimmung – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

Self-Hosting und Datenhoheit als Option

Für besonders sensible Umgebungen – etwa bei Berufsgeheimnisträgern, kritischen Infrastrukturen oder besonders schutzwürdigen Datenbeständen – stellt sich die Frage nach maximaler Datenhoheit. Je nach Bereitstellungsmodell und Vertragsgestaltung lassen sich Verarbeitungsort und Kontrolle über die Daten unterschiedlich weit fassen. Wer hier strenge Anforderungen hat, sollte frühzeitig klären, welche Betriebsmodelle der Anbieter anbietet, wie Schlüsselverwaltung und Subprozessoren geregelt sind und ob eine EU-seitige Verarbeitung vollständig garantiert werden kann. Der zweite Hebel ist organisatorisch: Je konsequenter bereits bei der Extraktion auf nicht benötigte personenbezogene Felder verzichtet wird, desto kleiner wird die Angriffsfläche – sowohl rechtlich als auch sicherheitstechnisch. Datenschutz ist hier kein nachgelagerter Haken auf einer Liste, sondern ein Gestaltungsprinzip, das von der ersten Datenanbindung an mitgedacht gehört.
Kapitel 07 · Preise & TCO

Preise und Gesamtkosten realistisch kalkulieren

Celonis liegt im oberen Enterprise-Preissegment und wird nicht über einen simplen Pro-Nutzer-Preis verkauft. Wichtigster Punkt für eine ehrliche Kalkulation: Die Lizenz ist nur ein Teil der Gesamtkosten – Datenanbindung und Umsetzung sind oft der größere Block.

Plattform-Lizenzierung
auf Anfrage · verbrauchs-/wertbasiert
Enterprise-Vertrag, kein öffentlicher Listenpreis pro Nutzer
  • Die Lizenzierung orientiert sich an Verbrauch und Umfang (z. B. verarbeitete Datenmengen, genutzte Apps, Prozessumfang). Konkrete Preise werden individuell verhandelt – seriöse Pauschalangaben sind ohne Scoping nicht möglich.
Datenanbindung & Implementierung
Projektaufwand · einmalig + laufend
Connectoren, Datenmodellierung, Apps konfigurieren
  • Der oft unterschätzte Block: ERP-/CRM-Anbindung, sauberes Aufsetzen der Event Logs, objektzentrierte Datenmodellierung und Anpassung der Apps an die eigene Prozesswelt. Erfordert Fach- und Technik-Know-how.
Betrieb & Enablement
laufend · Team & Wartung
  • Center of Excellence, Schulung, Wartung bei Änderungen der Quellsysteme
Einstieg / Pilot
gering · begrenzter Umfang
Trial- bzw. begrenzte Einstiegsoptionen
  • Für den Proof of Concept gibt es Einstiegswege mit begrenztem Umfang. Sinnvoll, um an einem klar abgegrenzten Prozess den Wertnachweis zu führen, bevor in die Breite investiert wird.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer Pro-Nutzer-SaaS lässt sich Celonis nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Kosten hängen von Datenvolumen, Anzahl und Komplexität der Prozesse, genutzten Apps und dem Umfang der Anbindung ab. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping. Was sich verlässlich sagen lässt: Celonis ist eine Investition im oberen Segment, und die Implementierungs- und Datenaufwände machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus.

TCO-Denke: vom Lizenzpreis zur Wertrechnung

Die richtige Frage lautet nicht „Was kostet die Lizenz?“, sondern „Welche quantifizierten Hebel stehen welchen Gesamtkosten gegenüber?“. Total Cost of Ownership umfasst Lizenz, Datenanbindung, Implementierung, Betrieb und internes Enablement. Dem gegenüber steht der realisierte – nicht der theoretische – Wert: gehobene Skonti, gesenkte DSO, reduzierte Nacharbeit, vermiedene Compliance-Risiken. Der ROI rechtfertigt sich bei großen, datenreichen Kernprozessen mit klarem Wertpotenzial regelmäßig deutlich. Aber: Er entsteht nur, wenn die gefundenen Hebel tatsächlich umgesetzt werden. Eine Analyse, die im Dashboard endet, erzeugt Kosten ohne Gegenwert.
Kosten-Hinweis

Starten Sie mit einem einzigen, wertstarken Kernprozess und einem klaren Wertziel. So bleiben Datenanbindung und Implementierungsaufwand überschaubar, der Wertnachweis ist sauber führbar, und die Investitionsentscheidung für die Breite beruht auf belegten Zahlen statt auf Annahmen. Für kleine, SAP-zentrierte Bedarfe lohnt der Vergleich mit SAP Signavio (oft im SAP-Vertrag enthalten).

Ein ehrliches Rechenbeispiel-Prinzip statt erfundener Zahlen

Weil seriöse Pauschalpreise nicht möglich sind, ersetzen wir Wunschzahlen durch ein nachvollziehbares Prinzip. Stellen Sie der erwarteten Jahres-Gesamtkostenbelastung – Lizenz plus anteilige Implementierung plus Betrieb – die quantifizierten Hebel des ersten Use Case gegenüber. Wenn allein die realistisch hebbare Skonto-Quote oder die Working-Capital-Wirkung eines einzigen Kernprozesses die Gesamtkosten mehrfach übersteigt, ist die Investitionslogik tragfähig. Bleibt der gegenübergestellte Wert dagegen vage oder klein, ist das ein deutliches Warnsignal: Entweder ist der Use Case falsch gewählt, oder Celonis ist für den konkreten Bedarf überdimensioniert. Diese disziplinierte Gegenüberstellung ist aus unserer Sicht die wichtigste Entscheidungshilfe – und sie schützt zugleich davor, eine teure Plattform mit dem Versprechen kaufen, der Wert werde sich „schon irgendwie“ einstellen.
Kapitel 08 · Bewertung

Wo Celonis überzeugt – und wo nicht

Eine ehrliche Einschätzung aus unserer Beratungspraxis. Celonis ist für datenreiche Kernprozesse in den meisten Fällen die mächtigste verfügbare Lösung – aber Mächtigkeit hat ihren Preis in Komplexität, Datenanforderungen und Kosten.

Stärken
  • Process-Mining-Marktführer mit größter Reife
  • Wertquantifizierung in Euro statt nur Diagramme
  • Action Engine löst konkrete Maßnahmen aus
  • Object-Centric Process Mining als Vorreiter
  • Sehr starke SAP- und ERP-Anbindung
  • Vorgefertigte Apps für P2P und O2C
  • KI-/Copilot-Funktionen auf Graph-Basis
  • Deutsche Herkunft, mit DACH-Anforderungen vertraut
  • Enterprise-erprobt und skalierbar
  • Herstellerneutraler Analyse-Layer für Automatisierung
Einschränkungen
  • Oberes Preissegment, hohe Einstiegshürde
  • Wert entsteht nur bei Umsetzung der Hebel
  • Setzt brauchbare Event-Logs und Datenqualität voraus
  • Datenanbindung ist aufwendig und Know-how-intensiv
  • Komplexität erfordert Schulung und CoE-Strukturen
  • Datenschutz bei personenbezogenen Logs anspruchsvoll
  • Für kleine Bedarfe schnell überdimensioniert
  • SAP-zentrierte Fälle: Signavio oft wirtschaftlicher
  • OCPM erhöht Aussagekraft, aber auch Modellierungsaufwand
  • Laufende Wartung bei Änderungen der Quellsysteme

Mächtigkeit gegen Komplexität abwägen

Die zentrale Spannung bei Celonis lautet: Mächtigkeit versus Komplexität. Keine andere Plattform geht so weit von der Datenanbindung über die Wertquantifizierung bis zur ausgelösten Aktion. Genau diese Tiefe bedeutet aber auch, dass Celonis nichts für nebenbei ist. Die Datenanbindung erfordert Fach- und Technikwissen, das objektzentrierte Datenmodell will durchdacht sein, und die Organisation muss in der Lage sein, auf Erkenntnisse zu handeln. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, erhält ein außergewöhnlich wirksames Werkzeug. Wer sie nicht mitbringt, kauft Komplexität ohne Gegenwert.

Die häufigsten Fehler aus INAGRO-Projekten

Analyse ohne Umsetzung ist der Klassiker: beeindruckende Dashboards, aber keine Maßnahmen – kein ROI. Die Lösung ist, Maßnahmen und Verantwortliche von Beginn an zu verankern. Start ohne Wertziel führt zur Verzettelung über zu viele Prozesse; besser mit einem einzigen wertstarken Use Case beginnen. Schlechte Datenqualität verzerrt die Hebel; Logs und Connectoren müssen sauber aufgesetzt sein. Datenschutz übersehen rächt sich, wenn Personenbezug in Logs zu spät auffällt; Anonymisierung, Berechtigungen und Betriebsrat gehören an den Anfang. Und unklarer Kosten-Nutzen erzeugt Budgetdruck; der ROI je Hebel sollte transparent gemacht werden.
Realistische Empfehlung

Celonis ist die richtige Wahl, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: datenreiche, wertstarke Kernprozesse; ausreichende Daten- und Umsetzungsreife; und der Wille, aus Erkenntnissen Maßnahmen zu machen. Fehlt eine dieser Bedingungen, ist eine leichtgewichtigere oder SAP-native Lösung oft die ehrlichere Antwort. Die Tool-Wahl folgt dem Use Case – nicht umgekehrt.

Kapitel 09 · Umsetzung

Wie Sie Celonis strukturiert einführen

Eine erfolgreiche Celonis-Einführung folgt einem bewährten Muster – mit klarem Fokus auf Use-Case-Auswahl, saubere Datenanbindung und vor allem den nachweisbaren Wert. Wer „nur die Plattform kauft“ und breit ausrollt, riskiert teure Dashboards ohne Wirkung.

01
Use-Case-Auswahl mit Wertziel
Welcher Prozess ist hochvolumig, datenreich und hat ein klares Wertpotenzial? Meist P2P oder O2C. Den Use Case mit konkretem Ziel (z. B. Skonto-Quote heben, DSO senken), Verantwortlichem und Erfolgskriterien definieren. Datenschutz-Anforderungen früh klären.
02
Datenanbindung & Datenmodell
Die Quellsysteme (SAP, ERP, CRM) anbinden, Event Logs sauber aufsetzen, das objektzentrierte Datenmodell durchdenken. Dieser Schritt ist Know-how-intensiv und entscheidet über die Aussagekraft aller späteren Analysen. Datenqualität prüfen, Felder minimieren, Personenbezug klären.
03
Pilot & Wertnachweis
An dem abgegrenzten Use Case die Hebel quantifizieren, erste Maßnahmen über die Action Engine verankern und – entscheidend – die Wirkung messen. Der belegte Wert ist die Grundlage für jede weitere Investitionsentscheidung und die interne Akzeptanz.
04
Rollout & Center of Excellence
Schrittweise weitere Prozesse erschließen, ein CoE für Betrieb und Methodik aufbauen, Fachbereiche schulen und Governance für Zugriffe, Credentials und Aufbewahrung etablieren. Datenschutz und Mitbestimmung über alle Erweiterungen hinweg konsistent halten.
05
Betrieb, Wartung & Skalierung
Stabilität und realisierten ROI fortlaufend monitoren, die Datenanbindung bei Änderungen der Quellsysteme zuverlässig warten und den Regelkreis aus Messen, Handeln und Nachmessen verstetigen. So wird aus einem Projekt eine dauerhafte Verbesserungsfähigkeit.

Der Wertnachweis ist der eigentliche Meilenstein

In unseren Projekten ist nicht der technische Go-live der kritische Punkt, sondern der erste belastbare Wertnachweis. Erst wenn der Einkaufsleiter sieht, dass die Skonto-Quote messbar gestiegen ist, oder der CFO, dass die DSO gesunken sind, kippt die Stimmung von „interessantes Tool“ zu „strategischer Hebel“. Deshalb planen wir jeden Piloten so, dass am Ende eine umgesetzte Maßnahme und eine gemessene Wirkung stehen – nicht nur eine Analyse. Dieser Nachweis trägt dann die Entscheidung für die Breite.

Realistische Zeit- und Aufwandsplanung

Eine seriöse Celonis-Einführung ist kein Wochenprojekt. Die Use-Case-Definition und Datenanbindung beanspruchen je nach Systemlandschaft und Datenqualität spürbare Zeit, der Pilot inklusive Maßnahmen und Wirkungsmessung weitere Wochen bis Monate. Der zeitintensivste und am häufigsten unterschätzte Teil ist die Datenanbindung – sind die Logs uneinheitlich oder die Quellsysteme komplex, verschiebt das den ganzen Plan. Wer hier von Anfang an realistisch plant und mit einem einzigen Prozess beginnt, kommt schneller und sicherer zum belegten Wert als ein ambitioniertes Programm, das sich an zu vielen Prozessen gleichzeitig verhebt.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem wertstarken Kernprozess starten, ERP-/SAP-Daten sauber anbinden, Hebel quantifizieren, Maßnahmen über die Action Engine verankern, Wirkung nachmessen – und Datenschutz sowie Betriebsrat von Beginn an einbinden. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko, sichert den Wertnachweis und schafft die Grundlage für eine fundierte Skalierungsentscheidung.

Menschen, Rollen und Akzeptanz

Technik und Datenmodell sind nur die halbe Miete. Eine Process-Intelligence-Plattform verändert, wie Abteilungen über ihre eigenen Prozesse sprechen – und das berührt Befindlichkeiten. Wenn plötzlich datenbasiert sichtbar wird, wo Nacharbeiten entstehen oder Regeln umgangen werden, entscheidet die Führungshaltung darüber, ob daraus Lernen oder Abwehr wird. Erfolgreiche Einführungen kommunizieren von Beginn an, dass das Ziel die Verbesserung des Prozesses ist und nicht die Bewertung einzelner Personen. Genauso wichtig sind klare Rollen: ein fachlicher Owner pro Use Case, ein technisches Team für die Datenanbindung und ein kleines Center of Excellence, das Methodik und Standards hütet. Wo diese Rollen fehlen, versandet selbst eine technisch perfekte Implementierung – und wo sie besetzt sind, skaliert der Nutzen oft schneller als erwartet.
Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Celonis

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Celonis?
Celonis ist die weltweit bekannteste Process-Mining-Plattform, gegründet 2011 in München mit zweitem Hauptsitz in New York. Sie rekonstruiert reale Geschäftsprozesse aus den Event Logs von ERP-, CRM- und Fachsystemen, deckt Engpässe und Abweichungen auf, beziffert deren Wertpotenzial in Euro und stößt über die Action Engine konkrete Maßnahmen an. Celonis nennt diesen Gesamtansatz „Process Intelligence“ und geht damit über reine Analyse hinaus.
Was ist der Unterschied zwischen Process Mining und Business Intelligence?
BI und Reporting liefern aggregierte Kennzahlen – etwa Umsatz pro Monat oder offene Posten. Process Mining zeigt dagegen den real gelebten End-to-End-Prozessfluss: jeden tatsächlich vorgekommenen Pfad, jede Schleife, jede Nacharbeit. Es beantwortet nicht nur, wie die Zahlen stehen, sondern wo und warum ein Prozess klemmt – und bei Celonis zusätzlich, was die Behebung wert ist. BI ersetzt keine Prozesssicht, und Process Mining ersetzt kein klassisches Reporting; beide ergänzen sich.
Celonis oder SAP Signavio – was ist die richtige Wahl?
Celonis ist der wertorientierte Marktführer mit Action Engine, Object-Centric Process Mining und sehr breiter, herstellerneutraler Anbindung. SAP Signavio verbindet Process Mining mit BPM-Modellierung und ist nativ in die SAP-Welt integriert, häufig schon im SAP-Vertrag enthalten. Für strategische, wertgetriebene Optimierung über komplexe Prozesslandschaften ist Celonis führend; für SAP-zentrierte Bedarfe mit Fokus auf Modellierung ist Signavio oft wirtschaftlicher. Die Wahl folgt dem Use Case und dem vorhandenen Stack.
Was ist Object-Centric Process Mining?
Klassisches Process Mining betrachtet einen Prozess immer aus der Sicht einer einzigen Fall-ID. Reale ERP-Prozesse hängen aber an mehreren Objekten gleichzeitig – eine Bestellung umfasst mehrere Positionen, Wareneingänge und Rechnungen. Object-Centric Process Mining (OCPM) modelliert den Prozess über mehrere verknüpfte Objekttypen hinweg und bildet die Realität dadurch präziser ab. Celonis treibt diesen Ansatz stark voran; er erhöht die Aussagekraft, aber auch den Aufwand bei der Datenmodellierung.
Ist Celonis teuer?
Celonis liegt im oberen Enterprise-Preissegment und wird verbrauchs- bzw. wertbasiert lizenziert – einen einfachen Pro-Nutzer-Listenpreis gibt es nicht. Hinzu kommen Datenanbindung, Implementierung und Betrieb, die einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Seriöse Pauschalpreise sind ohne Scoping nicht möglich. Der ROI rechtfertigt sich bei großen, datenreichen Kernprozessen mit klarem Wertpotenzial – vorausgesetzt, die gefundenen Hebel werden auch umgesetzt. Für kleine Bedarfe lohnt der Vergleich mit Signavio.
Welche Voraussetzungen muss mein Unternehmen mitbringen?
Drei Dinge: erstens datenreiche Kernprozesse mit brauchbaren Event-Logs aus ERP, CRM oder Fachsystemen; zweitens eine gewisse Daten- und Analysereife, denn die Datenanbindung ist Know-how-intensiv; drittens die Bereitschaft, aus Erkenntnissen Maßnahmen zu machen. Ohne brauchbare Logs liefert auch der beste Algorithmus kein verwertbares Bild, und ohne Umsetzungswillen bleibt der ROI aus. Für sehr kleine Unternehmen ohne Prozessvolumen ist Celonis in der Regel überdimensioniert.
Ist Celonis DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Konfiguration. Da Event Logs Personenbezug enthalten können (wer hat wann was getan), sind Datenminimierung, Anonymisierung bzw. Pseudonymisierung, ein Berechtigungskonzept, ein Auftragsverarbeitungsvertrag und die frühzeitige Einbindung von Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat wichtig. Verarbeitungsort (EU-Region) und etwaige Drittland-Bezüge sollten vertraglich geklärt werden. Als deutsches Unternehmen ist Celonis mit DACH-Anforderungen vertraut. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei Celonis?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich Celonis für Ihr Unternehmen rechnet, über die Use-Case- und Wertziel-Definition, die Datenanbindung und das Datenschutz-Setup bis zum Pilot mit belegtem Wertnachweis und der anschließenden Skalierung. Wo SAP Signavio oder ein anderer Weg besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

Process Mining strategisch einsetzen

Brauchen Sie eine ehrliche Celonis-Strategie?

Von der Use-Case-Auswahl über die Datenanbindung und das Datenschutz-Setup bis zum belegten Wertnachweis – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich Celonis für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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