Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

SAP Build Process Automation — Low-Code-Automatisierung im SAP-Kern.

SAP Build Process Automation ist der Low-Code-Dienst auf der SAP Business Technology Platform (BTP), mit dem sich Geschäftsprozesse visuell modellieren, Genehmigungen und Aufgaben steuern sowie Routinetätigkeiten per Software-Roboter automatisieren lassen. Der Dienst führt Workflow-Management und robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) in einer Oberfläche zusammen und ist eng mit SAP S/4HANA und der übrigen SAP-Landschaft verzahnt. Diese Praxiseinordnung zeigt, was der Dienst leistet, wo seine Grenzen liegen und für welche Unternehmen im DACH-Mittelstand er sich wirklich lohnt.

23 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
SAP Build Process Automation
SAP SE · Walldorf
Anbieter
SAP SE (Walldorf)
Typ
Low-Code Workflow & RPA
Plattform
SAP Business Technology Platform
Bausteine
Prozesse · Aufgaben · Bots · Sichtbarkeit
Hervorgegangen aus
Workflow Mgmt. & Intelligent RPA
Hauptwettbewerb
UiPath · Microsoft Power Automate
INAGRO Eignung im SAP-zentrierten Mittelstand
Kapitel 01 · Überblick

Was ist SAP Build Process Automation?

SAP Build Process Automation ist ein Low-Code-Dienst auf der SAP Business Technology Platform (BTP), mit dem Unternehmen Geschäftsprozesse automatisieren, ohne für jede Anpassung tiefe Programmierkenntnisse zu benötigen. Der Dienst kombiniert zwei Welten, die früher getrennt waren: die visuelle Modellierung von Arbeitsabläufen mit Aufgaben und Genehmigungen auf der einen Seite und die robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) über Software-Bots auf der anderen. Ergänzt werden beide durch eine Sichtbarkeits-Komponente, die laufende Prozesse überwacht.

Der Grundgedanke ist einfach zu erzählen und in der Praxis dennoch anspruchsvoll: Viele Abläufe im Unternehmen bestehen aus einer Mischung aus menschlichen Entscheidungen (etwa eine Freigabe durch die Führungskraft) und stumpfen, wiederkehrenden Tätigkeiten (etwa das Übertragen von Daten zwischen Systemen). SAP Build Process Automation bildet genau diese Mischung ab. Ein modellierter Prozess kann eine Genehmigung anfordern, auf die Antwort warten, anschließend automatisch einen Datensatz in SAP S/4HANA anlegen und zum Schluss eine Bestätigung versenden — ohne dass ein Mensch die Zwischenschritte von Hand ausführt.
Drei Eigenschaften prägen den Dienst und erklären seine Position im Markt:
  • Low-Code statt reiner Entwicklung — Prozesse, Formulare und Automatisierungen werden überwiegend visuell zusammengesetzt. Fachnahe Mitarbeitende (oft „Citizen Developer“ genannt) können damit selbst Abläufe gestalten, während professionelle Entwickler für anspruchsvolle Logik weiterhin Erweiterungen ergänzen.
  • Verzahnung mit der SAP-Welt — der Dienst ist kein neutrales Werkzeug irgendwo in der Cloud, sondern Teil der SAP-Plattform. Er kennt SAP-Systeme, greift über vorbereitete Verbindungen auf sie zu und bringt vorgefertigte Inhalte für typische SAP-Prozesse mit.
  • Ein Werkzeug für Workflow und RPA — statt für Genehmigungsstrecken und für Bots getrennte Produkte zu betreiben, bündelt SAP Build Process Automation beides. Das senkt die Zahl der Werkzeuge und macht die Automatisierung durchgängiger.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen, deren digitaler Kern ohnehin auf SAP läuft — S/4HANA, SuccessFactors, Ariba und verwandte Systeme —, ist SAP Build Process Automation in vielen Fällen die naheliegende Wahl: Die Nähe zur SAP-Landschaft, die vorgefertigten Inhalte und der gemeinsame Betrieb auf der BTP sparen Integrationsaufwand. Die ehrliche Kehrseite: Wer eine heterogene Systemlandschaft ohne SAP-Schwerpunkt hat oder RPA über viele Fremdanwendungen hinweg betreiben will, findet bei spezialisierten Anbietern wie UiPath oder in der Microsoft Power Platform teils reifere Bausteine. Die Werkzeugwahl folgt dem Systemumfeld — nicht dem Markennamen.

Vom Baukasten zur laufenden Automatisierung

Der Name „Build“ ist Programm: SAP fasst unter der Marke SAP Build mehrere Low-Code-Angebote zusammen, von denen die Prozessautomatisierung eines ist. Der Anwender arbeitet in einer grafischen Umgebung, zieht Prozessschritte auf eine Fläche, verbindet sie zu einem Ablauf, hängt Formulare und Entscheidungsregeln an und veröffentlicht das Ganze anschließend. Aus dem visuellen Modell wird ein tatsächlich laufender Prozess, der Aufgaben an Menschen verteilt, auf Ereignisse reagiert und Systeme anspricht. Diese Durchgängigkeit vom Entwurf bis zum Betrieb ist der Kern des Versprechens.

Low-Code als Leitprinzip — und seine Grenzen

Low-Code bedeutet nicht „ohne Fachwissen“. Es bedeutet, dass ein großer Teil der Arbeit ohne klassisches Programmieren gelingt, während für Sonderfälle weiterhin Skript- oder Entwicklungsanteile möglich bleiben. In der Praxis ist das ein Segen und eine Falle zugleich: Ein Segen, weil Fachbereiche schneller zu Ergebnissen kommen und die IT entlastet wird. Eine Falle, weil unkontrolliert entstehende Prozesse zu einem Wildwuchs führen können, der später schwer zu warten ist. Governance — also klare Regeln, wer was bauen und veröffentlichen darf — gehört deshalb aus unserer Sicht von Anfang an dazu.

Die Begriffe: Workflow, RPA und Process Visibility

Im Marktgespräch verschwimmen die Begriffe. Workflow-Automatisierung steuert den Ablauf eines Prozesses mit Aufgaben, Genehmigungen und Entscheidungen — sie orchestriert, wer wann was tut. RPA (Robotic Process Automation) automatisiert dagegen einzelne, oft repetitive Tätigkeiten, indem ein Software-Roboter Benutzeroberflächen oder Schnittstellen bedient, so wie es sonst ein Mensch täte. Process Visibility schließlich macht sichtbar, wie die laufenden Prozesse tatsächlich performen — mit Kennzahlen zu Durchlaufzeiten, Engpässen und Status. Wer diese drei Ebenen auseinanderhält, versteht schneller, warum SAP Build Process Automation mehr sein will als ein reines Bot-Werkzeug.
Kapitel 02 · Einordnung & Positionierung

Bestandteile und Position in der SAP-Welt

Um SAP Build Process Automation richtig einzuordnen, hilft ein Blick auf seine Herkunft und seinen Aufbau. Der Dienst ist kein völlig neues Produkt, sondern die Zusammenführung mehrerer zuvor eigenständiger SAP-Angebote zu einer gemeinsamen Low-Code-Umgebung auf der BTP.

Aus zwei Wurzeln zusammengewachsen

SAP Build Process Automation ist aus zwei Vorläufern hervorgegangen: dem früheren SAP Workflow Management, das Genehmigungen, Aufgaben, Entscheidungslogik und Prozess-Sichtbarkeit bot, und der SAP Intelligent Robotic Process Automation, dem RPA-Werkzeug für Software-Bots. Beide wurden unter dem Dach von SAP Build zusammengeführt, damit Anwender Workflow und RPA nicht mehr in getrennten Produkten mit getrennten Konzepten pflegen müssen. Für Bestandskunden bedeutet das: Wer früher eines der Vorläuferprodukte nutzte, findet die Fähigkeiten in gebündelter Form wieder — mit einer über die Zeit vereinheitlichten Oberfläche und Verwaltung.

Die Bausteine im Überblick

Funktional lässt sich der Dienst in vier zusammenspielende Bausteine gliedern. Der Prozess-Baustein orchestriert Abläufe: Er verkettet Schritte, verteilt Aufgaben, ruft Automatisierungen auf und wartet auf Ereignisse oder Freigaben. Der Aufgaben- und Formular-Baustein bringt Menschen in den Prozess — über Formulare zur Dateneingabe und über einen zentralen Aufgaben-Eingang, in dem Genehmigungen und To-dos landen. Der Bot-Baustein (RPA) automatisiert repetitive Tätigkeiten, indem er Anwendungen bedient, für die es keine saubere Schnittstelle gibt — etwa Altsysteme oder Fremdanwendungen. Der Sichtbarkeits-Baustein (Process Visibility) überwacht schließlich die laufenden Prozesse und stellt ihre Leistung in Kennzahlen dar. Erst das Zusammenspiel dieser vier Ebenen macht aus Einzelfunktionen eine durchgängige Automatisierungsplattform.
Warum das in der Praxis zählt

Die Bündelung klingt nach einem reinen Verwaltungsvorteil, hat aber einen handfesten Nutzen: Ein orchestrierter Prozess kann an der richtigen Stelle einen Bot aufrufen, dessen Ergebnis abwarten und dann eine menschliche Freigabe anfordern — alles im selben Modell. Wer Workflow und RPA getrennt betreibt, muss diese Übergabe über zusätzliche Schnittstellen bauen und pflegen. Aus INAGRO-Sicht ist genau diese Durchgängigkeit einer der stärksten Gründe, den Dienst im SAP-Umfeld ernsthaft zu prüfen.

Position innerhalb der SAP Business Technology Platform

SAP Build Process Automation steht nicht für sich allein, sondern ist ein Dienst innerhalb der SAP BTP — der Technologie-Plattform, mit der SAP Erweiterungen, Integrationen und eigene Anwendungen rund um den SAP-Kern ermöglicht. Das hat weitreichende Folgen. Der Dienst teilt sich mit anderen BTP-Angeboten die Verwaltung von Nutzern und Rollen, die Verbindungen zu Zielsystemen (die sogenannten Destinations) und die Anbindung an lokale Systeme über den SAP Cloud Connector. Er ist damit weniger ein isoliertes Werkzeug als vielmehr ein Baustein einer größeren Erweiterungs-Strategie. Für Unternehmen, die auf dem Weg zu „Clean Core“ sind — also den SAP-Standard möglichst unangetastet lassen und Erweiterungen sauber daneben in der BTP bauen —, ist diese Positionierung besonders relevant: Automatisierungen entstehen außerhalb des Kerns und gefährden Upgrades nicht.

Für wen der Dienst gedacht ist

Die Zielgruppe ist klar umrissen: Organisationen mit SAP-Schwerpunkt, die wiederkehrende Prozesse rund um ihre SAP-Systeme automatisieren wollen, ohne für jede Kleinigkeit ein Entwicklungsprojekt aufzusetzen. Das können Fachbereiche im Einkauf, in der Finanzbuchhaltung, im Personalwesen oder im Vertrieb sein, die Genehmigungen, Onboarding-Abläufe oder Datenpflege automatisieren möchten. Weniger passend ist der Dienst, wenn SAP nur eine Nebenrolle spielt und der Automatisierungsbedarf überwiegend in einer Nicht-SAP-Welt liegt — dann verschiebt sich das Bild zugunsten herstellerneutraler RPA- oder Automatisierungsplattformen, die wir in Kapitel 06 einordnen.
Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang im Detail

Nach der Einordnung lohnt der genaue Blick auf das, was der Dienst konkret kann. Vier Funktionsbereiche bilden das Herzstück: die visuelle Prozessmodellierung, die Steuerung von Genehmigungen und Aufgaben, die Bots für RPA und die vorgefertigten Inhalte für typische SAP-Prozesse.

Visuelle Prozessmodellierung
Kern

Ein grafischer Editor, in dem Abläufe aus Schritten zusammengesetzt werden: Aufgaben, Entscheidungen, Automatisierungen und Wartepunkte. Der Prozess orchestriert, wer wann was tut, und ruft an den passenden Stellen Bots oder Systeme auf.

BedienungGrafisch, Low-Code
ElementeAufgaben, Regeln, Aktionen
ZweckAbläufe orchestrieren
EignungGemischte Prozesse
Formulare, Aufgaben & Genehmigungen
Mensch

Formulare zur Dateneingabe und ein zentraler Aufgaben-Eingang, in dem Genehmigungen und To-dos gebündelt landen. Menschen werden gezielt dort in den Prozess eingebunden, wo eine Entscheidung oder Eingabe nötig ist.

FormulareOhne Code erstellbar
EingangZentraler Aufgaben-Hub
MusterFreigaben, Vier-Augen
ZugriffWeb & mobil
Bots (RPA)
Automat

Software-Roboter, die Anwendungen bedienen, für die keine saubere Schnittstelle existiert — etwa Altsysteme oder Fremdprogramme. Bots können unbeaufsichtigt im Hintergrund oder beaufsichtigt am Arbeitsplatz laufen.

ModiBeaufsichtigt / unbeaufsichtigt
ZielMedienbrüche schließen
BasisDesktop-Agent
EinsatzRepetitive Tätigkeiten
Vorgefertigte Inhalte
Content

Ein Katalog fertiger Prozess-, Bot- und Aktionsvorlagen für typische SAP-Szenarien. Statt bei null zu beginnen, lassen sich bewährte Bausteine übernehmen und an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

InhaltProzesse, Bots, Aktionen
FokusSAP-Standardprozesse
VorteilSchnellerer Start
GrenzeAnpassung meist nötig

Prozessmodellierung und Formulare

Im Zentrum steht der grafische Prozess-Editor. Anwender setzen einen Ablauf aus einzelnen Schritten zusammen: Ein Formular nimmt Daten auf, eine Entscheidungsregel verzweigt den Prozess je nach Betrag oder Kategorie, eine Genehmigungsaufgabe geht an die zuständige Führungskraft, und eine Aktion schreibt das Ergebnis am Ende in ein SAP-System. Die Formulare selbst lassen sich ebenfalls ohne Programmierung gestalten — Felder, Pflichtangaben und einfache Prüfungen werden visuell definiert. Für den Mittelstand ist das entscheidend, weil so auch Prozesse abgebildet werden können, für die sich ein klassisches Entwicklungsprojekt nie gelohnt hätte.

Genehmigungen und Aufgabenmanagement

Genehmigungsstrecken sind der Klassiker der Workflow-Automatisierung — und einer der häufigsten Einstiegspunkte. Urlaubsanträge, Bestellfreigaben, Rechnungsprüfungen oder Investitionsanträge folgen fast immer demselben Muster: beantragen, prüfen, genehmigen oder ablehnen, dokumentieren. SAP Build Process Automation bildet diese Muster mit einem zentralen Aufgaben-Eingang ab, in dem alle offenen Genehmigungen und To-dos einer Person zusammenlaufen — über Web und mobil erreichbar. Mehrstufige Freigaben, Vertreterregelungen und Eskalationen lassen sich modellieren, sodass ein Antrag nicht liegen bleibt, wenn eine Führungskraft im Urlaub ist.
Praxis-Hinweis

Die Process-Visibility-Komponente ist der oft übersehene vierte Baustein. Sie zeigt, wie viele Vorgänge in welchem Status stecken, wo Aufgaben zu lange liegen und ob vereinbarte Bearbeitungszeiten eingehalten werden. Aus unserer Erfahrung entfaltet Automatisierung erst dann vollen Wert, wenn man ihre Wirkung auch messen kann — sonst weiß niemand, ob der neue Prozess wirklich schneller läuft als der alte.

Bots: RPA für Alt- und Fremdsysteme

Wo eine saubere Schnittstelle fehlt, kommen Bots ins Spiel. Sie bedienen Anwendungen wie ein Mensch: Fenster öffnen, Felder ausfüllen, Werte kopieren, Schaltflächen klicken. Das ist besonders für ältere Systeme und Fremdanwendungen wertvoll, die keine moderne Programmierschnittstelle bieten. Bots können unbeaufsichtigt im Hintergrund laufen — etwa nachts einen Stapel Belege verarbeiten — oder beaufsichtigt am Arbeitsplatz, wo sie einer Mitarbeiterin auf Knopfdruck eine lästige Routine abnehmen. Ein wichtiger Grundsatz bleibt: RPA ist eine Brückentechnologie. Wo eine echte Schnittstelle existiert oder wirtschaftlich herstellbar ist, ist sie einem Bot fast immer vorzuziehen, weil Bots empfindlich auf Änderungen der bedienten Oberflächen reagieren und dadurch wartungsintensiv sein können.
Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI- und Automatisierungsfunktionen

SAP hat den Dienst in den vergangenen Jahren um mehrere KI-Fähigkeiten erweitert. Sie zielen darauf, das Erstellen von Automatisierungen zu erleichtern, unstrukturierte Dokumente maschinell auszuwerten und Anwendern per Assistent zur Seite zu stehen. Hier die wichtigsten Bausteine — qualitativ eingeordnet, ohne Wunderversprechen.

Joule: der KI-Copilot

Joule ist der generative KI-Assistent von SAP, der auch in die Prozessautomatisierung integriert wird. Er soll helfen, Automatisierungen in natürlicher Sprache zu beschreiben und daraus erste Entwürfe zu erzeugen, sowie Anwender bei Aufgaben zu unterstützen.

Assistenz per Sprache
Dokument-KI

Über eine Dokument-Informationsextraktion lassen sich Inhalte aus Belegen wie Rechnungen oder Bestellungen automatisch auslesen und in den Prozess übergeben — ein Kernbaustein für die Automatisierung dokumentgetriebener Abläufe.

Belege maschinell lesen
Generatives Erstellen

Statt jeden Prozess von Hand zusammenzuklicken, sollen KI-Funktionen aus einer Beschreibung heraus einen Prozessentwurf vorschlagen, den der Anwender anschließend verfeinert. Das senkt die Einstiegshürde für Fachbereiche.

Von der Idee zum Entwurf
Entscheidungsautomatisierung

Regelbasierte Entscheidungen — etwa Freigabegrenzen oder Zuständigkeiten nach Betrag und Kategorie — lassen sich als Entscheidungslogik hinterlegen. So treffen Prozesse konsistente, nachvollziehbare Entscheidungen ohne manuelles Zutun.

Regeln statt Bauchgefühl

Joule und die Idee des KI-Copiloten

SAP verfolgt mit Joule das Ziel, einen durchgängigen KI-Assistenten über die eigenen Anwendungen zu legen. In der Prozessautomatisierung bedeutet das vor allem zweierlei: Erstens soll der Bau von Automatisierungen leichter werden, indem der Anwender in natürlicher Sprache beschreibt, was er erreichen will, und einen ersten Entwurf erhält. Zweitens soll der Assistent im laufenden Betrieb unterstützen, etwa beim Auffinden der richtigen Aktion oder beim Erklären eines Prozessschritts. Wichtig ist eine nüchterne Erwartung: KI-Copiloten liefern Vorschläge, keine fertigen, ungeprüften Ergebnisse. Der fachliche Blick des Menschen bleibt notwendig — gerade bei Prozessen, die auf Geschäfts- oder Personaldaten zugreifen.

Dokument-KI: unstrukturierte Belege nutzbar machen

Ein großer Teil der Arbeit in Finanz- und Einkaufsprozessen dreht sich um Dokumente: Rechnungen, Lieferscheine, Bestellungen, Verträge. Diese liegen oft als PDF oder Scan vor — für einen klassischen Prozess wertlos, weil die Inhalte nicht strukturiert sind. Die Dokument-Informationsextraktion, die sich in SAP-Build-Prozesse einbinden lässt, liest solche Belege maschinell aus und übergibt die erkannten Felder an den Prozess. Aus einem gescannten Beleg wird so ein strukturierter Datensatz, mit dem der Prozess weiterarbeiten kann. Das ist einer der wirkungsvollsten Automatisierungshebel überhaupt, weil er einen sonst manuellen, fehleranfälligen Schritt ersetzt.
KI mit Augenmaß einordnen

KI-Funktionen sind ein echter Fortschritt, aber kein Selbstläufer. Ihre Qualität hängt von der Datengrundlage, der Konfiguration und der Prüfung durch Fachanwender ab. Wer welche KI-Funktionen in welchen Regionen nutzen kann und wie mit den verarbeiteten Daten umgegangen wird, sollte projektspezifisch beim Anbieter geprüft und vertraglich geklärt werden — insbesondere, wenn personenbezogene oder sensible Geschäftsdaten im Spiel sind.

Generatives Erstellen und Entscheidungslogik

Die zweite Stoßrichtung der KI ist das assistierte Erstellen: Aus einer Beschreibung des gewünschten Ablaufs soll ein Prozessentwurf entstehen, den der Anwender dann verfeinert. Ergänzend erlaubt die Entscheidungsautomatisierung, wiederkehrende Entscheidungsregeln zentral zu hinterlegen — etwa welche Freigabestufe ab welchem Betrag greift. Beides zusammen verschiebt die Rolle des Menschen: weg vom manuellen Zusammenbauen jeder Kleinigkeit, hin zum Prüfen, Anpassen und Verantworten. Aus INAGRO-Sicht ist das die produktive Lesart von KI in der Prozessautomatisierung — sie beschleunigt die Arbeit, ersetzt aber nicht das fachliche Urteil.
Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das SAP-Ökosystem

Die größte Stärke von SAP Build Process Automation liegt in der Anbindung an die SAP-Welt. Weil der Dienst Teil der BTP ist, greift er auf bewährte Integrationsmechanismen zurück und kennt die SAP-Systeme, um die es im DACH-Mittelstand meist geht.

Enge Verzahnung mit SAP S/4HANA und der SAP-Landschaft

Der wichtigste Anknüpfungspunkt ist SAP S/4HANA — das ERP-System, das im SAP-Mittelstand den Kern bildet. Über vorbereitete Verbindungen kann ein Prozess in SAP Build Daten aus S/4HANA lesen und in es zurückschreiben: einen Bestellvorgang anlegen, einen Stammdatensatz aktualisieren, einen Status abfragen. Ähnliches gilt für weitere SAP-Anwendungen wie SAP SuccessFactors im Personalbereich oder SAP Ariba im Einkauf. Diese Nähe ist der entscheidende Unterschied zu neutralen Automatisierungswerkzeugen: SAP Build bringt Wissen über die SAP-Systeme und passende Inhalte bereits mit, statt jede Verbindung von Grund auf bauen zu müssen.

Verbindungen, Konnektoren und der Cloud Connector

Technisch stützt sich der Dienst auf die Integrationsdienste der BTP. Über sogenannte Destinations werden Zielsysteme zentral hinterlegt, sodass Prozesse und Aktionen sie ansprechen können. Für Systeme, die nicht in der Cloud, sondern im eigenen Rechenzentrum stehen, schlägt der SAP Cloud Connector eine sichere Brücke zwischen der lokalen Landschaft und der BTP. Darüber hinaus lassen sich über offene Schnittstellen (APIs) auch Nicht-SAP-Systeme anbinden — allerdings mit mehr Konfigurationsaufwand als bei den nativen SAP-Verbindungen. Für Fremdsysteme ohne brauchbare Schnittstelle bleiben die RPA-Bots die Rückfalloption.
Der Ökosystem-Vorteil

Wer bereits SAP BTP nutzt, hat viele Grundlagen — Nutzerverwaltung, Verbindungen, Cloud Connector — schon aufgesetzt. SAP Build Process Automation setzt darauf auf und muss diese Fundamente nicht neu bauen. Das senkt den Einstiegsaufwand für SAP-Kunden spürbar. Umgekehrt gilt: Ohne BTP-Grundlage entsteht dieser Aufwand zuerst, was die Rechnung für Nicht-SAP-lastige Häuser verändert.

Vorgefertigte Inhalte als Beschleuniger

Ein oft unterschätzter Teil des Ökosystems sind die vorgefertigten Inhalte: fertige Prozess-, Bot- und Aktionsvorlagen für typische SAP-Szenarien, die sich übernehmen und anpassen lassen. Statt einen Rechnungsfreigabe-Prozess oder ein Mitarbeiter-Onboarding von null zu entwerfen, startet man mit einer bewährten Vorlage und passt sie an die eigenen Regeln an. Das verkürzt die Zeit bis zum ersten Ergebnis erheblich. Der ehrliche Zusatz aus der Praxis: Vorlagen sind ein Startpunkt, kein Endpunkt. Fast jeder Prozess hat unternehmensspezifische Eigenheiten, sodass eine Anpassung nötig bleibt — die Vorlage spart die Grundstruktur, nicht das Nachdenken über den eigenen Ablauf.
Kapitel 06 · Abgrenzung

Abgrenzung zu UiPath, Power Automate & klassischer SAP-RPA

SAP Build Process Automation ist nicht der einzige Weg, Prozesse zu automatisieren. Wie ordnet sich der Dienst gegenüber den spezialisierten RPA-Plattformen, der Microsoft Power Platform und der früheren SAP-eigenen RPA ein? Diese Übersicht benennt die Unterschiede ehrlich — mit dem Fazit, wann welcher Weg passt.

Kriterium SAP Build UiPath Microsoft Power Automate Klassische SAP-RPA
Native SAP-Integration Sehr stark Über Konnektoren Über Konnektoren SAP-eigen
Bot-Reife (RPA-Tiefe) Solide Marktführend Solide Vorläufer
Workflow & Genehmigungen Stark Vorhanden Stark Eingeschränkt
Low-Code für Fachanwender Ja Teils Ja Teils
Nicht-SAP-Systeme Möglich, mehr Aufwand Sehr breit Sehr breit (Microsoft) Begrenzt
KI-/Copilot-Funktionen Joule, Dokument-KI Ausgeprägt Copilot Kaum
Betriebsmodell Cloud auf BTP Cloud & On-Prem Cloud (Microsoft) Ablösung durch Build
Passt am besten zu SAP-zentrierten Häusern heterogener RPA-Breite Microsoft-365-Welten Bestandskunden im Umstieg

Wann SAP Build die richtige Wahl ist

Der klarste Fall ist eine SAP-zentrierte Systemlandschaft. Wenn der Kern aus S/4HANA und weiteren SAP-Anwendungen besteht und der Automatisierungsbedarf überwiegend rund um diese Systeme entsteht, spielt SAP Build seine Nähe zum Ökosystem voll aus: native Verbindungen, vorgefertigte Inhalte und ein gemeinsamer Betrieb auf der BTP. Ein zweiter guter Fall ist der Wunsch, Workflow und RPA in einem Werkzeug zu vereinen, statt getrennte Produkte zu betreiben. Und drittens passt der Dienst gut zu einer Clean-Core-Strategie, bei der Erweiterungen bewusst außerhalb des SAP-Standards in der BTP entstehen.

Wann ein anderer Weg besser passt

Ebenso ehrlich gehören die Gegenfälle benannt. Liegt der Schwerpunkt der Automatisierung in einer heterogenen Nicht-SAP-Welt mit vielen Fremdanwendungen, sind spezialisierte RPA-Plattformen wie UiPath in der Bot-Breite und -Reife oft überlegen. Ist die Organisation stark auf Microsoft 365 ausgerichtet, kann Power Automate mit seiner Nähe zu Teams, SharePoint und Excel die naheliegendere Wahl sein. Und wer noch die frühere SAP Intelligent RPA im Einsatz hat, sollte den Umstieg auf SAP Build Process Automation planen, da die Fähigkeiten dort gebündelt weitergeführt werden — ein Fall für einen geordneten Migrationspfad statt Stillstand.
Stärken
  • Sehr enge, native Integration in SAP S/4HANA und die SAP-Landschaft
  • Workflow und RPA in einem Werkzeug vereint
  • Low-Code befähigt Fachbereiche und entlastet die IT
  • Vorgefertigte Inhalte für typische SAP-Prozesse
  • KI-Funktionen mit Joule und Dokument-KI
  • Gemeinsamer Betrieb und Governance auf der BTP
  • Passt zur Clean-Core-Strategie
Einschränkungen
  • Voller Nutzen vor allem im SAP-zentrierten Umfeld
  • Nicht-SAP-Anbindung aufwendiger als bei neutralen Tools
  • Bot-Reife nicht auf dem Niveau spezialisierter RPA-Anbieter
  • Setzt eine BTP-Grundlage und deren Betrieb voraus
  • Low-Code ohne Governance kann zu Wildwuchs führen
  • Verbrauchsbasierte Kosten erfordern aktive Steuerung
  • Bestandskunden brauchen einen Migrationspfad
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nicht nach Markenglanz, sondern nach Fit. SAP Build Process Automation ist im SAP-zentrierten Mittelstand häufig die wirtschaftlichste Wahl — aber die richtige Entscheidung folgt aus Systemlandschaft, Automatisierungsbedarf und Betriebsmodell. In heterogenen oder Microsoft-lastigen Umgebungen gehören UiPath und Power Automate fair in den Vergleich. Wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb auf der BTP

Eine erfolgreiche Einführung folgt einem bewährten Muster — mit klarem Fokus auf einen wertstarken ersten Prozess, eine saubere BTP-Grundlage und die frühzeitige Klärung von Governance und Datenschutz. Wer breit ausrollt, ohne diese Grundlagen zu legen, riskiert teure Insellösungen ohne Wirkung.

01
Anwendungsfall mit Wertziel wählen
Welcher Prozess ist hochvolumig, klar geregelt und spürbar manuell? Häufige Einstiege sind Rechnungsfreigabe, Bestellgenehmigung oder Mitarbeiter-Onboarding. Den Fall mit konkretem Ziel (etwa kürzere Durchlaufzeit oder weniger manuelle Nacharbeit), Verantwortlichem und Erfolgskriterien definieren.
02
BTP-Grundlage und Verbindungen aufsetzen
Die SAP Business Technology Platform bereitstellen, Nutzer und Rollen einrichten, Verbindungen zu S/4HANA und weiteren Systemen anlegen und — für lokale Systeme — den Cloud Connector einrichten. Diese Grundlage trägt alle späteren Automatisierungen und sollte sauber dokumentiert sein.
03
Prozess modellieren und Bot ergänzen
Den Ablauf im grafischen Editor zusammensetzen: Formulare, Genehmigungen, Entscheidungen und Aktionen. Wo eine Schnittstelle fehlt, einen Bot ergänzen. Wo möglich, vorgefertigte Inhalte als Startpunkt nutzen und an die eigenen Regeln anpassen. Datenschutz-Anforderungen früh mitdenken.
04
Testen, freigeben und messen
Den Prozess mit realistischen Fällen testen, kontrolliert in den Produktivbetrieb überführen und über Process Visibility die Wirkung messen. Der belegte Nutzen des ersten Falls ist die Grundlage für jede weitere Investitionsentscheidung und für die interne Akzeptanz.
05
Governance und Skalierung etablieren
Klare Regeln aufstellen, wer bauen, testen und veröffentlichen darf, ein kleines Kompetenzteam aufbauen, Bots und Prozesse überwachen und den Verbrauch steuern. So skaliert der Nutzen kontrolliert, statt in unwartbarem Low-Code-Wildwuchs zu enden.

Der Betrieb in der Cloud: Verantwortung und Steuerung

SAP Build Process Automation läuft als Cloud-Dienst auf der BTP. Das nimmt dem Unternehmen den Betrieb der Infrastruktur ab, verlagert aber Verantwortung auf die richtige Konfiguration und Steuerung. Zwei Themen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens der Verbrauch: Weil die Nutzung der BTP in der Regel verbrauchsbasiert abgerechnet wird, sollten Verbrauch und Kosten aktiv überwacht werden, damit keine Überraschungen entstehen. Zweitens die Bot-Wartung: Bots bedienen Oberflächen, die sich ändern können. Ändert sich eine bediente Anwendung, muss der Bot angepasst werden — ein laufender Aufwand, der von Anfang an eingeplant gehört.

Governance: die stille Erfolgsbedingung

Der größte Fehler bei Low-Code-Plattformen ist paradox: Ihre Stärke — dass viele Menschen schnell etwas bauen können — wird ohne Regeln zur Schwäche. Entstehen Prozesse unkoordiniert in verschiedenen Fachbereichen, wächst eine schwer wartbare Landschaft heran, in der niemand mehr den Überblick über Zugriffe, Verbindungen und Datenflüsse hat. Deshalb empfehlen wir, von Anfang an ein leichtgewichtiges Governance-Modell zu etablieren: klare Rollen, ein Freigabeprozess für Veröffentlichungen, Namens- und Dokumentationsstandards und ein kleines Kompetenzteam, das Methodik und Sicherheit hütet. Das bremst nicht, sondern schützt die Skalierbarkeit.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem einzigen, wertstarken Prozess starten, die BTP-Grundlage sauber aufsetzen, Wirkung über Process Visibility messen und Governance sowie Datenschutz von Beginn an mitdenken. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko, sichert den Nutzennachweis und schafft die Grundlage für eine fundierte Skalierungsentscheidung — statt sich an zu vielen Prozessen gleichzeitig zu verheben.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Einsatz im DACH-Mittelstand

Automatisierung entfaltet ihren Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Abläufen. Hier die Szenarien, in denen SAP Build Process Automation im mittelständischen SAP-Umfeld am häufigsten erfolgreich eingesetzt wird — mit realistischer Einordnung des Nutzens statt erfundener Prozentzahlen.

Rechnungsfreigabe

Eingangsrechnungen werden per Dokument-KI ausgelesen, gegen Bestellung und Wareneingang geprüft und je nach Betrag automatisch an die richtige Freigabestufe geleitet. Ein klassischer, wertstarker Einstiegsprozess mit hohem Volumen.

Schneller, weniger Nacharbeit
Mitarbeiter-Onboarding

Vom Arbeitsvertrag bis zur Ausstattung: Ein Prozess koordiniert Aufgaben über HR, IT und Fachbereich hinweg, legt Stammdaten an und stellt sicher, dass am ersten Tag alles bereitsteht — mit klaren Zuständigkeiten und Fristen.

Weniger vergessene Schritte
Bestell- und Investitionsfreigaben

Anträge durchlaufen regelbasiert die richtigen Genehmigungsstufen, mit Vertreterregelung und Eskalation bei Verzögerung. Der Status ist jederzeit sichtbar, und nichts bleibt in einem überfüllten Posteingang liegen.

Nachvollziehbare Freigaben
Stammdatenpflege

Änderungen an Kunden-, Lieferanten- oder Materialstammdaten laufen über einen kontrollierten Prozess mit Vier-Augen-Prinzip, statt direkt und unkontrolliert im System — das erhöht Datenqualität und Compliance.

Bessere Datenqualität
Routine-Datenübertragung

Wo zwei Systeme ohne Schnittstelle zusammenarbeiten müssen, übernimmt ein Bot das wiederkehrende Übertragen von Daten — nachts oder auf Knopfdruck. Ein typischer Fall, in dem RPA einen echten Medienbruch schließt.

Manuelle Übertragung entfällt
Service- und Antragsprozesse

Interne Anträge — von der Reisekostenfreigabe bis zur IT-Anforderung — erhalten ein Formular, einen definierten Ablauf und einen sichtbaren Status. Aus E-Mail-Pingpong wird ein nachvollziehbarer, messbarer Prozess.

Transparenz statt E-Mail-Chaos

Warum Genehmigungs- und Dokumentprozesse die typischen Einstiege sind

Es ist kein Zufall, dass die meisten Mittelstandsprojekte mit Genehmigungs- oder dokumentgetriebenen Prozessen beginnen. Sie sind hochvolumig, folgen klaren Regeln und lassen sich unmittelbar in Nutzen übersetzen: kürzere Durchlaufzeiten, weniger manuelle Nacharbeit, bessere Nachvollziehbarkeit für die Revision. Genau diese Eigenschaften machen den Nutzennachweis vergleichsweise einfach — die wichtigste Voraussetzung, um ein Automatisierungsprogramm intern zu rechtfertigen und schrittweise auszuweiten.

Der Unterschied zwischen Aktivität und Ergebnis

In unserer Beratungspraxis sehen wir denselben Bruch wie bei anderen Automatisierungswerkzeugen: Ein Prozess ist gebaut, sieht gut aus — und trotzdem ändert sich im Arbeitsalltag wenig, weil er nur teilweise genutzt wird oder an einer Stelle hakt. Der Wert entsteht erst, wenn ein Prozess vollständig gelebt wird und seine Wirkung messbar ist. Deshalb empfehlen wir, jeden Anwendungsfall von Anfang an mit einem konkreten Ziel, einem Verantwortlichen und einer Messgröße zu hinterlegen. „Wir automatisieren mal die Rechnungsfreigabe“ ist kein Ziel. „Wir verkürzen die Durchlaufzeit der Rechnungsfreigabe spürbar, verantwortet von der Buchhaltungsleitung, gemessen über Process Visibility“ ist eines.
INAGRO-Kerngebiet Prozessoptimierung

Automatisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Instrument der Prozessoptimierung. Der größte Mehrwert entsteht, wenn vor der Automatisierung geklärt ist, ob der Prozess überhaupt in dieser Form nötig ist. Manchmal ist der beste automatisierte Prozess der, den man vorher vereinfacht — oder ganz gestrichen — hat. Genau diese Vorfrage stellen wir konsequent, bevor Technik ins Spiel kommt.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit

Zwei Themen entscheiden über die Tragfähigkeit einer Einführung: die realistische Kalkulation der Gesamtkosten und die saubere datenschutzrechtliche Gestaltung. Beide lassen sich seriös nur qualitativ und projektspezifisch beantworten — pauschale Eurobeträge wären unseriös.

BTP-Verbrauch
auf Anfrage · verbrauchsbasiert
Abrechnung über das BTP-Modell (z. B. verbrauchs- oder abonnementbasiert)
  • SAP Build Process Automation wird als BTP-Dienst lizenziert. Die Konditionen hängen vom gewählten Modell und Nutzungsumfang ab. Konkrete Preise sollten beim Anbieter erfragt und individuell kalkuliert werden.
Einführung & Anbindung
Projektaufwand · einmalig
BTP-Grundlage, Verbindungen, Prozessbau
  • Der oft unterschätzte Block: BTP bereitstellen, Verbindungen und Cloud Connector einrichten, Prozesse und Bots bauen und testen. Erfordert Fach- und Technik-Know-how — und ist bei bestehender BTP-Nutzung geringer.
Betrieb & Wartung
laufend · Team & Pflege
  • Kompetenzteam, Bot-Wartung, Verbrauchssteuerung
Einstieg / Pilot
gering · begrenzter Umfang
Erprobung an einem klar abgegrenzten Prozess
  • Für den Nutzennachweis empfiehlt sich ein begrenzter Pilot an einem einzigen wertstarken Prozess, bevor in die Breite investiert wird. So bleibt der Anfangsaufwand überschaubar und das Ergebnis belastbar.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer einfachen Pro-Nutzer-Software lässt sich SAP Build Process Automation nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Kosten hängen vom BTP-Modell, vom Verbrauch, von der Zahl und Komplexität der Prozesse und Bots sowie vom Einführungsaufwand ab. Jeder pauschale „Listenpreis“ aus dem Internet ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Seriös ist nur eine individuelle Kalkulation nach einem Scoping — und die aktuellen Konditionen sind stets beim Anbieter zu prüfen. Verlässlich sagen lässt sich: Der Verbrauch will gesteuert werden, und die Einführung ist bei bestehender BTP-Grundlage deutlich günstiger als bei einem Kaltstart.

Datenschutz, EU-Regionen und Datenhoheit

Als Cloud-Dienst verarbeitet SAP Build Process Automation Daten außerhalb der eigenen vier Wände — und weil automatisierte Prozesse regelmäßig auf ERP- und teils Personaldaten zugreifen, ist Datenschutz zentral. Mehrere Punkte sollten vorab geklärt werden. Der Serverstandort und Datentransfer: SAP betreibt die BTP in verschiedenen Regionen, darunter EU-Regionen — die Wahl einer EU-Region kann ein Vorteil für die Datenhoheit sein und sollte vertraglich festgehalten werden; die konkret verfügbare Region und etwaige Datentransfers sind projektspezifisch zu prüfen. Der Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV/DPA) mit SAP regelt Gegenstand, Art und Zweck der Verarbeitung sowie die technisch-organisatorischen Maßnahmen. Und die Berechtigungen der Bots: Ein Bot, der auf ERP- oder Personaldaten zugreift, sollte nur die minimal nötigen Rechte erhalten (Datensparsamkeit) und über eigene, nachvollziehbare Kennungen arbeiten, nicht über die persönlichen Zugänge von Mitarbeitenden.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Diese Punkte sollten bei jeder Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden — sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Region & Datentransfer
EU-Region wählen und vertraglich festhalten; Serverstandort und etwaige Transfers prüfen
Auftragsverarbeitung
AVV/DPA mit SAP abschließen, Subprozessoren-Liste prüfen
Bot-Berechtigungen
Nur minimal nötige Rechte, eigene Bot-Kennungen statt persönlicher Zugänge
Datensparsamkeit
Nur die für den Prozess nötigen Daten verarbeiten; sensible Felder meiden
Berechtigungskonzept
Zugriff auf Bau, Betrieb und Daten rollenbasiert und nach Need-to-know vergeben
Betriebsrat & Mitbestimmung
Bei Prozessen mit Bezug zu Beschäftigtendaten frühzeitig einbinden

Bots mit Zugriff auf ERP- und Personaldaten

Ein besonderes Augenmerk verdienen unbeaufsichtigte Bots, die im Hintergrund auf ERP- oder Personaldaten zugreifen. Sie handeln nicht als Mensch, sondern als technischer Nutzer — und genau deshalb müssen ihre Rechte bewusst und eng vergeben werden. Aus INAGRO-Sicht gelten drei Grundsätze: Erstens Datensparsamkeit — ein Bot sieht nur, was er für seine Aufgabe braucht. Zweitens Nachvollziehbarkeit — jede Bot-Aktion sollte protokolliert und einer eigenen technischen Identität zuordenbar sein. Drittens Trennung — persönliche Zugänge von Mitarbeitenden gehören nicht in Bots, weil sonst Verantwortung und Protokollierung verwischen. Wo Prozesse Beschäftigtendaten berühren, gehört zudem der Betriebsrat frühzeitig eingebunden.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung — insbesondere zu Region und Datentransfer, Datenschutz-Folgenabschätzung und Mitbestimmung — sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen. Aktuelle Konditionen, Regionen und Vertragsdetails sind beim Anbieter zu prüfen.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu SAP Build Process Automation

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf — kurz und sachlich beantwortet.

Was ist SAP Build Process Automation?
SAP Build Process Automation ist ein Low-Code-Dienst auf der SAP Business Technology Platform (BTP), der Workflow-Automatisierung und robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) in einem Werkzeug vereint. Anwender modellieren Prozesse visuell, binden Formulare, Genehmigungen und Entscheidungen ein und automatisieren repetitive Tätigkeiten über Software-Bots. Ergänzt wird das durch Process Visibility zur Überwachung der laufenden Prozesse sowie durch KI-Funktionen wie den Copiloten Joule und eine Dokument-KI.
Was ist der Unterschied zu SAP Intelligent RPA?
SAP Intelligent RPA war das frühere, eigenständige RPA-Werkzeug von SAP. Zusammen mit dem früheren SAP Workflow Management ist es in SAP Build Process Automation aufgegangen. Statt zwei getrennter Produkte gibt es nun eine gebündelte Low-Code-Umgebung für Workflow und RPA. Bestandskunden der Vorläufer sollten den Umstieg auf SAP Build als geordneten Migrationspfad planen, da die Fähigkeiten dort weitergeführt und weiterentwickelt werden.
Brauche ich zwingend SAP S/4HANA?
Nein, zwingend nicht — der Dienst kann grundsätzlich auch andere Systeme anbinden. Seinen vollen Wert entfaltet er aber im SAP-zentrierten Umfeld, weil er S/4HANA und weitere SAP-Anwendungen über native Verbindungen kennt und vorgefertigte Inhalte für typische SAP-Prozesse mitbringt. Je stärker der digitale Kern auf SAP läuft, desto größer ist der Vorsprung gegenüber neutralen Automatisierungswerkzeugen. In einer überwiegenden Nicht-SAP-Welt lohnt der Vergleich mit spezialisierten Anbietern.
SAP Build, UiPath oder Power Automate — was ist die richtige Wahl?
Die Wahl folgt der Systemlandschaft. SAP Build ist im SAP-zentrierten Umfeld dank nativer Integration und vorgefertigter Inhalte oft die wirtschaftlichste Wahl und vereint Workflow und RPA. UiPath ist in der Bot-Breite und -Reife über heterogene, viele Nicht-SAP-Systeme hinweg führend. Microsoft Power Automate ist die naheliegende Option in stark auf Microsoft 365 ausgerichteten Organisationen. Es gibt keinen pauschalen Sieger — entscheidend sind Systemumfeld, Automatisierungsbedarf und Betriebsmodell.
Was bedeutet Low-Code hier konkret?
Low-Code bedeutet, dass ein großer Teil der Arbeit visuell und ohne klassisches Programmieren gelingt: Prozesse zusammenklicken, Formulare gestalten, Regeln definieren. Für Sonderfälle bleiben Skript- und Entwicklungsanteile möglich. Der Vorteil ist, dass Fachbereiche schneller zu Ergebnissen kommen und die IT entlastet wird. Der Preis ist die Notwendigkeit von Governance: Ohne klare Regeln, wer was bauen und veröffentlichen darf, droht ein schwer wartbarer Wildwuchs.
Welche KI-Funktionen bietet der Dienst?
Zu den wichtigsten zählen der KI-Copilot Joule, der beim Erstellen von Automatisierungen und im Betrieb unterstützt, sowie eine Dokument-KI, die Inhalte aus Belegen wie Rechnungen maschinell ausliest und in den Prozess übergibt. Hinzu kommen assistierte, generative Ansätze, die aus einer Beschreibung Prozessentwürfe vorschlagen. Wichtig ist eine nüchterne Erwartung: KI liefert Vorschläge, die fachlich geprüft werden müssen. Welche Funktionen in welcher Region verfügbar sind, sollte beim Anbieter geprüft werden.
Ist der Dienst DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Gestaltung. Da automatisierte Prozesse auf ERP- und teils Personaldaten zugreifen, sind die Wahl einer EU-Region, ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit SAP, ein Berechtigungskonzept, Datensparsamkeit und die frühzeitige Einbindung von Datenschutzbeauftragtem und Betriebsrat wichtig. Bots sollten nur minimal nötige Rechte und eigene Kennungen erhalten. Als Cloud-Dienst sind Serverstandort und Datentransfer zu benennen und vertraglich zu klären. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei SAP Build Process Automation?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich der Dienst für Ihr Unternehmen rechnet, über die Auswahl des ersten Anwendungsfalls, die BTP-Grundlage und das Datenschutz-Setup bis zum Piloten mit belegtem Nutzennachweis und der anschließenden Skalierung mit sauberer Governance. Wo UiPath, Power Automate oder ein anderer Weg besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad — unverbindlich und kostenlos.

Automatisierung im SAP-Kern strategisch angehen

Brauchen Sie eine ehrliche SAP-Build-Strategie?

Von der Auswahl des ersten Anwendungsfalls über die BTP-Grundlage und das Datenschutz-Setup bis zum belegten Nutzennachweis — INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich SAP Build Process Automation für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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