Wissensdatenbank · RPA & Process Mining

Automation Anywhere — die cloud-native RPA-Plattform Automation 360.

Automation Anywhere zählt zu den weltweit führenden Anbietern für Robotic Process Automation. Mit Automation 360 stellt der US-amerikanische Hersteller eine cloud-native, vollständig webbasierte Plattform bereit, auf der Software-Roboter regelbasierte Aufgaben über verschiedene Anwendungen hinweg übernehmen — assistiert am Arbeitsplatz (attended) oder vollautomatisch im Hintergrund (unattended). Ergänzt um Dokumentenverständnis, KI-Assistenz und Process Discovery positioniert sich die Plattform als Intelligent-Automation-Lösung. Diese Praxiseinordnung zeigt herstellerneutral, wann Automation Anywhere für den DACH-Mittelstand die richtige Wahl ist — und worauf es bei Cloud, Kosten und Datenschutz ankommt.

23 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Automation Anywhere
Automation Anywhere, Inc. · San Jose, USA
Gegründet
2003 (San Jose, Kalifornien)
Typ
RPA / Intelligent Automation
Kernprodukt
Automation 360 (cloud-native)
Bot-Typen
attended & unattended
Bereitstellung
Cloud-first · On-Prem/Private möglich
Hauptwettbewerb
UiPath · Microsoft · Blue Prism
INAGRO Eignung cloud-native RPA im Mittelstand
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Automation Anywhere – und für wen lohnt es sich?

Automation Anywhere ist einer der weltweit führenden Anbieter für Robotic Process Automation (RPA) – jene Technologie, mit der Software-Roboter wiederkehrende, regelbasierte Bildschirmarbeit übernehmen: Daten aus einem System auslesen, in ein anderes übertragen, Formulare ausfüllen, Berichte zusammenstellen, E-Mails verarbeiten. Gegründet 2003 im kalifornischen San Jose, hat sich das Unternehmen mit seiner Plattform Automation 360 als einer der drei großen Player im RPA-Markt etabliert und den Wandel von klassischen, lokal installierten Bots hin zu einer vollständig cloud-nativen Architektur maßgeblich mitgeprägt.

Der Anspruch von Automation Anywhere geht heute über reine Klick-Automatisierung hinaus. Die Plattform versteht sich als Intelligent-Automation-Lösung: Sie verbindet die klassische Prozessautomatisierung mit Dokumentenverständnis, KI-Assistenz und Analysefunktionen. Aus „ein Bot kopiert Zahlen von A nach B“ wird der Anspruch „ein Bot liest eine eingehende Rechnung, versteht ihre Inhalte, prüft sie gegen die Bestellung und stößt die Buchung an – und ein KI-Assistent hilft dem Mitarbeitenden, den passenden Bot in Sekunden selbst zu bauen“. Diese Ausrichtung ist typisch für den gesamten RPA-Markt, der sich in Richtung Hyperautomatisierung entwickelt.
Drei Eigenschaften prägen Automation Anywhere und erklären seine Marktstellung:
  • Cloud-native Architektur – Automation 360 ist vollständig webbasiert. Bots werden im Browser entwickelt, zentral verwaltet und ausgeführt, ohne dass jede Entwicklungsumgebung lokal installiert werden muss. Das vereinfacht Betrieb, Updates und Skalierung erheblich und unterscheidet die Plattform von älteren, client-lastigen RPA-Ansätzen.
  • Attended und unattended Bots – die Plattform deckt beide Betriebsarten ab: assistierte Bots, die einen Menschen am Arbeitsplatz entlasten, und unbeaufsichtigte Bots, die ganze Prozessketten selbstständig im Hintergrund abarbeiten. Beides wird über eine zentrale Steuerung, das Control Room, orchestriert.
  • Intelligent Automation statt reiner RPA – über die Regelautomatisierung hinaus bringt die Plattform Dokumenten-KI (Document Automation), einen KI-gestützten Assistenten (Automation Co-Pilot) und Process-Discovery-Funktionen mit, die geeignete Automatisierungskandidaten identifizieren.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen, die RPA skalierbar und cloud-first aufbauen wollen, ist Automation Anywhere eine ausgereifte, mächtige Plattform: Die webbasierte Architektur, die zentrale Orchestrierung und die eingebaute Dokumenten-KI sind starke Argumente. Die ehrliche Kehrseite für den DACH-Mittelstand: Automation Anywhere ist ein US-Anbieter, weshalb Serverstandort, Datentransfer und Auftragsverarbeitung sorgfältig zu klären sind (Kapitel 09). Und wer bereits stark im Microsoft-Ökosystem verankert ist, sollte Power Automate fair mitprüfen. Die Tool-Wahl folgt dem Anwendungsfall, nicht dem Markennamen.

Herkunft und Marktstellung: ein US-Pionier der RPA

Automation Anywhere gehört zu den Pionieren der Kategorie. Gemeinsam mit UiPath und – seit dem Markteintritt von Microsoft Power Automate – dem Software-Konzern aus Redmond bildet das Unternehmen die Spitzengruppe des RPA-Marktes. Anders als bei europäischen Anbietern liegt der Unternehmenssitz in den USA, was für DACH-Unternehmen bei der datenschutzrechtlichen Bewertung eine eigene Rolle spielt. Technologisch hat Automation Anywhere früh auf eine konsequente Cloud-Strategie gesetzt und seine gesamte Plattform auf eine webbasierte Architektur umgestellt – ein Schritt, der die Art, wie Bots entwickelt und betrieben werden, spürbar verändert hat.

RPA, Intelligent Automation, Hyperautomatisierung – die Begriffe

Im Marktgespräch verschwimmen die Begriffe. RPA bezeichnet die Automatisierung regelbasierter, wiederkehrender Aufgaben durch Software-Bots, die die Benutzeroberfläche von Anwendungen bedienen. Intelligent Automation erweitert das um KI-Bausteine wie Dokumentenverständnis, maschinelles Lernen und generative KI, sodass auch Prozesse mit unstrukturierten Daten und Entscheidungsanteilen automatisierbar werden. Hyperautomatisierung schließlich ist der strategische Überbau: das orchestrierte Zusammenspiel von RPA, KI, Process Mining und BPM über das gesamte Unternehmen hinweg. Automation Anywhere deckt mit Automation 360 den ersten und zweiten Begriff ab und liefert Bausteine für den dritten.
Kapitel 02 · Editionen & Positionierung

Automation 360 und die Produktfamilie einordnen

Anders als in der Frühzeit der RPA, in der verschiedene Produkte nebeneinander standen, bündelt Automation Anywhere sein Angebot heute unter einer einheitlichen, cloud-nativen Plattform: Automation 360. Um die Positionierung zu verstehen, lohnt der Blick auf die zentralen Bausteine und die verfügbaren Bereitstellungsmodelle – bewusst qualitativ, denn konkrete Editions- und Paketzuschnitte ändern sich und sind beim Anbieter zu prüfen.

Automation 360 als einheitliche Plattform

Automation 360 ist das Herzstück des Angebots und als cloud-native, webbasierte Plattform konzipiert. Im Zentrum steht das Control Room – die zentrale Steuerungs- und Verwaltungsinstanz, über die Bots entwickelt, freigegeben, geplant, ausgeführt und überwacht werden. Rund um das Control Room gruppieren sich die Entwicklungsumgebung für Bots, die Ausführungsinstanzen (Bot Runner), die Dokumenten-KI und der KI-Assistent. Der entscheidende Unterschied zu älteren RPA-Generationen: Es ist keine schwergewichtige lokale Installation je Entwicklerarbeitsplatz mehr nötig; die Entwicklung erfolgt im Browser, was Rollout und Wartung vereinfacht.
Für die Lizenzierung ist die Unterscheidung zwischen Bot-Entwicklung und Bot-Ausführung zentral. Vereinfacht gesprochen entwickeln Bot Creator die Automatisierungen, während Bot Runner sie ausführen – letztere in attended oder unattended Form. Wie viele Entwickler-, Ausführungs- und KI-Lizenzen ein Unternehmen benötigt, hängt vollständig vom Automatisierungsprogramm ab und bestimmt maßgeblich die Kosten (Kapitel 09). Verlässliche Pauschalangaben sind hier nicht seriös möglich.

Bereitstellungsmodelle: Cloud-first, aber nicht Cloud-only

Automation Anywhere verfolgt eine ausgeprägte Cloud-first-Strategie: Der Regelfall ist der Betrieb als vom Anbieter gehosteter Cloud-Dienst (SaaS). Für Unternehmen mit besonderen Anforderungen an Datenhoheit oder Regulatorik sind jedoch auch andere Modelle vorgesehen – etwa der Betrieb in einer privaten Cloud oder On-Premises im eigenen Rechenzentrum. Für den DACH-Mittelstand ist diese Wahlfreiheit relevant: Sie erlaubt es, Datenschutz- und Compliance-Anforderungen (Kapitel 09) mit dem gewünschten Betriebsmodell in Einklang zu bringen. Welche Modelle in welcher Region und mit welchen Konditionen verfügbar sind, sollte konkret beim Anbieter erfragt werden.
Warum die Bereitstellungsfrage früh geklärt gehört

Die Entscheidung zwischen Anbieter-Cloud, Private Cloud und On-Premises ist keine reine Technikfrage, sondern eine Datenschutz- und Governance-Entscheidung. Sie beeinflusst Verarbeitungsort, Betriebsaufwand, Kosten und Skalierbarkeit gleichermaßen. Aus unserer Projekterfahrung lohnt es sich, dieses Thema nicht ans Ende, sondern an den Anfang der Toolauswahl zu stellen – bevor ein einziger Bot gebaut wird.

Einstieg und Evaluierung

Für die Bewertung stellt Automation Anywhere kostenfreie Einstiegs- und Testmöglichkeiten bereit, mit denen sich die Plattform ohne große Anfangsinvestition kennenlernen lässt. Für ein seriöses Bild empfiehlt es sich, einen klar abgegrenzten, realen Prozess als Pilot zu wählen und daran die Bedienbarkeit, den Entwicklungsaufwand und die Stabilität zu prüfen – nicht ein künstliches Demo-Szenario. Genau dieser fokussierte Einstieg über einen echten, wertstiftenden Anwendungsfall ist aus INAGRO-Sicht der verlässlichste Weg zu einer fundierten Investitionsentscheidung.
Kapitel 03 · Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von Automation 360

Die Plattform lässt sich anhand von vier funktionalen Bausteinen verstehen: der Bot-Entwicklung, den attended Bots, den unattended Bots samt zentraler Orchestrierung und der Dokumentenautomatisierung. Zusammen decken sie das Spektrum von der einfachen Klick-Automatisierung bis zur Verarbeitung unstrukturierter Dokumente ab.

Bot-Entwicklung
Kern

Bots werden im Browser mit einem visuellen, aktionsbasierten Editor erstellt – ergänzt um Rekorder-Funktionen, die Abläufe aufzeichnen. Für komplexere Logik stehen Variablen, Bedingungen, Schleifen und die Einbindung von Skripten bereit. Ziel ist eine Low-Code-Erfahrung, die auch Fachanwender an die Entwicklung heranführt.

UmgebungWebbasiert (Browser)
AnsatzLow-Code & Rekorder
SteuerungZentral im Control Room
ZielgruppeEntwickler & Fachbereich
Attended Bots
Assistiert

Assistierte Bots laufen am Arbeitsplatz und unterstützen Mitarbeitende bei ihrer Tätigkeit – etwa indem sie auf Knopfdruck Daten zusammentragen, Systeme parallel bedienen oder Routineschritte abnehmen. Der Mensch bleibt im Prozess, der Bot übernimmt die stupide Fleißarbeit.

AuslöserMensch / Ereignis
EinsatzAm Arbeitsplatz
NutzenEntlastung, weniger Fehler
TypischService, Sachbearbeitung
Unattended Bots
Automatisch

Unbeaufsichtigte Bots arbeiten ganze Prozessketten selbstständig im Hintergrund ab – zeit- oder ereignisgesteuert, oft auf virtuellen Maschinen. Das Control Room plant Läufe, verteilt die Last, protokolliert Ergebnisse und alarmiert bei Fehlern. So skaliert Automatisierung über Schichten und Volumina hinweg.

AuslöserZeitplan / Ereignis
BetriebIm Hintergrund
OrchestrierungControl Room
NutzenVolumen & Skalierung
Document Automation
Dokumenten-KI

Die Dokumentenautomatisierung – historisch als IQ Bot bekannt, heute in die Plattform integriert – liest strukturierte und unstrukturierte Dokumente wie Rechnungen, Bestellungen oder Formulare, extrahiert die relevanten Felder und übergibt sie an nachgelagerte Bots. Machine Learning verbessert die Erkennung über die Zeit.

VerarbeitetRechnungen, Formulare u. a.
TechnikOCR + Machine Learning
ZweckUnstrukturiertes strukturieren
HinweisPrüfschritt bei Unsicherheit

Bot-Entwicklung: von der Aufzeichnung zur robusten Automatisierung

Der Einstieg in die Bot-Entwicklung ist bewusst niedrigschwellig gehalten: Ein Rekorder zeichnet Abläufe auf, ein visueller Editor setzt Aktionen wie Bausteine zusammen. Der Weg von der ersten Aufzeichnung zu einem produktionsreifen, robusten Bot ist jedoch länger, als Demos suggerieren. Robuste Automatisierungen brauchen sauberes Fehlerhandling, stabile Selektoren für die bedienten Oberflächen, sichere Verwaltung von Zugangsdaten und eine durchdachte Wiederanlauf-Logik. Genau hier entscheidet sich, ob ein Bot im Alltag zuverlässig läuft oder bei jeder kleinen Änderung der Zielanwendung stehenbleibt. Diese Reife ist weniger eine Frage des Werkzeugs als der Entwicklungsdisziplin.

Attended versus unattended: zwei Betriebsarten mit unterschiedlicher Logik

Die Unterscheidung ist mehr als ein Lizenzdetail. Attended Bots entlasten einzelne Mitarbeitende im Moment der Arbeit – ideal für kundennahe Prozesse, in denen ein Mensch die Kontrolle behält, aber von Routineschritten befreit wird. Unattended Bots zielen auf Volumen und Dunkelverarbeitung: Sie laufen nachts, am Wochenende und über Systemgrenzen hinweg, ohne dass jemand zusieht. Für die Praxis bedeutet das unterschiedliche Anforderungen an Infrastruktur, Überwachung und – besonders wichtig – an die vergebenen Berechtigungen. Ein unbeaufsichtigter Bot mit weitreichenden Systemrechten ist ein sensibler Akteur, dessen Zugriffe nach dem Need-to-know-Prinzip eng zu fassen sind (Kapitel 09).

Document Automation: der Brückenschlag zu unstrukturierten Daten

Klassische RPA scheitert dort, wo Informationen nicht in festen Feldern stehen, sondern in Dokumenten unterschiedlicher Form – jede Lieferantenrechnung sieht anders aus. Die Dokumentenautomatisierung schließt diese Lücke: Sie erkennt Dokumententypen, extrahiert die relevanten Angaben und lernt aus Korrekturen dazu. Für den Mittelstand ist das oft der eigentliche Hebel, weil gerade Rechnungs-, Auftrags- und Formularverarbeitung große manuelle Aufwände bindet. Wichtig bleibt ein bewusst gesetzter Prüfschritt: Wo die KI unsicher ist, sollte ein Mensch bestätigen, statt einen falsch erkannten Wert ungeprüft weiterzureichen.
Praxis-Hinweis

Der häufigste Grund für gescheiterte RPA-Vorhaben ist nicht das Werkzeug, sondern die Auswahl ungeeigneter Prozesse. Ein guter Automatisierungskandidat ist regelbasiert, hochvolumig, stabil und arbeitet auf strukturierten oder gut strukturierbaren Daten. Instabile, ständig wechselnde oder stark entscheidungsgetriebene Abläufe sind schlechte Kandidaten – sie erzeugen brüchige Bots mit hohem Wartungsaufwand. Automation Anywhere liefert das Werkzeug; die richtige Prozessauswahl bleibt Ihre Aufgabe.

Kapitel 04 · KI & Automatisierung

Die KI-Funktionen von Automation Anywhere

Wie der gesamte RPA-Markt hat auch Automation Anywhere seine Plattform um künstliche Intelligenz erweitert. Vier Bausteine sind für den Mittelstand besonders relevant: der KI-Assistent Automation Co-Pilot, die Dokumenten-KI, generative KI in der Bot-Entwicklung und die Process Discovery zur Identifikation von Automatisierungspotenzialen.

Automation Co-Pilot

Ein KI-gestützter Assistent, der Automatisierung direkt am Arbeitsplatz zugänglich macht: Er blendet passende Bots im Anwendungskontext ein, unterstützt bei der Bedienung und hilft, Automatisierungen schneller zu erstellen. Ziel ist, RPA aus der reinen IT-Domäne in die Fachbereiche zu tragen.

Automatisierung im Arbeitsfluss
Dokumenten-KI

Die intelligente Dokumentenverarbeitung erkennt Inhalte in Rechnungen, Bestellungen und Formularen, extrahiert Felder und lernt aus Korrekturen. Sie macht Prozesse automatisierbar, die an unstrukturierten Daten hingen – ein zentraler Hebel gerade in Finanz- und Einkaufsprozessen.

Unstrukturiertes verarbeiten
Generative KI

Generative KI hält Einzug in die Bot-Entwicklung: aus Beschreibungen in natürlicher Sprache Automatisierungsschritte vorschlagen, Inhalte zusammenfassen oder Antworten formulieren. Das senkt die Einstiegshürde, verlangt aber klare Leitplanken, welche Daten an KI-Dienste übergeben werden dürfen.

Sprache zu Automatisierung
Process Discovery

Bevor automatisiert wird, hilft Process Discovery dabei, geeignete Kandidaten zu finden: Es macht sichtbar, welche Tätigkeiten häufig, manuell und regelbasiert sind. So fließt das Automatisierungsbudget dorthin, wo der Hebel am größten ist – statt in Lieblingsprojekte.

Potenziale datenbasiert finden

Automation Co-Pilot: Automatisierung im Arbeitsfluss

Der Automation Co-Pilot verfolgt eine klare Idee: Automatisierung soll nicht in einer separaten Spezialsoftware stattfinden, sondern dort, wo die Arbeit passiert. Als Assistent begleitet er Mitarbeitende in ihren Anwendungen, schlägt passende Automatisierungen vor und senkt die Schwelle, sie zu nutzen oder sogar selbst zu erstellen. Für den Mittelstand kann das den Unterschied ausmachen zwischen einer RPA-Initiative, die in der IT versandet, und einer, die von den Fachbereichen getragen wird. Voraussetzung ist jedoch Governance: Wenn Fachanwender Bots bauen, braucht es klare Freigabe-, Test- und Sicherheitsregeln, damit aus demokratisierter Automatisierung kein unkontrollierter Wildwuchs wird.

Generative KI: Chance und Sorgfaltspflicht zugleich

Die Integration generativer KI ist die derzeit dynamischste Entwicklung im gesamten RPA-Markt und macht auch vor Automation Anywhere nicht halt. Sie verspricht, die Bot-Entstehung zu beschleunigen und Prozesse mit Sprach- und Textverständnis zu bereichern. Gleichzeitig entsteht eine neue Sorgfaltspflicht: Sobald Geschäftsdaten an generative Modelle übergeben werden, sind Fragen des Datenschutzes, der Datenhoheit und der Nachvollziehbarkeit zu klären. Aus INAGRO-Sicht gilt hier dasselbe Prinzip wie bei jeder KI-Einführung – die Möglichkeiten nüchtern bewerten, klare Regeln setzen, welche Daten überhaupt in die KI fließen, und nicht dem Reiz des Neuen die Kontrolle opfern.
Nüchterner Blick auf die KI-Funktionen

KI-Funktionen sind ein echter Fortschritt, aber kein Selbstläufer. Ihre Qualität hängt von der Datengrundlage und der Konfiguration ab, und ihr wirtschaftlicher Nutzen entsteht erst im konkreten Prozess. Wir empfehlen, KI dort einzusetzen, wo sie ein reales Problem löst – etwa unstrukturierte Dokumente – und nicht als Selbstzweck. Und wir empfehlen, die Datenschutzfrage bei generativer KI von Anfang an mitzudenken, nicht als nachgelagerte Formalie.

Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen und das Ökosystem

Ein RPA-Werkzeug ist nur so wertvoll wie seine Fähigkeit, sich in die bestehende Systemlandschaft einzufügen. Automation Anywhere setzt hier auf drei Säulen: vorgefertigte Konnektoren zu Standardanwendungen, offene Programmierschnittstellen für individuelle Anbindungen und einen Marktplatz für wiederverwendbare Automatisierungsbausteine.

Konnektoren und APIs

Für die Anbindung gängiger Unternehmenssoftware – von ERP-Systemen wie SAP über Microsoft-Anwendungen und ServiceNow bis zu CRM-Plattformen wie Salesforce – bringt die Plattform vorgefertigte Konnektoren mit, die die Integration beschleunigen. Wo kein fertiger Konnektor existiert, lassen sich Systeme über APIs und Webservices anbinden; zusätzlich können Bots klassische Benutzeroberflächen bedienen, wenn keine Schnittstelle verfügbar ist. Diese Kombination aus API-Integration und UI-Automatisierung ist der Kern jeder RPA-Plattform: Sie erlaubt es, auch Altsysteme ohne moderne Schnittstelle einzubeziehen – ein häufiger Fall im gewachsenen Mittelstand.
Die praktische Faustregel lautet: Wo eine stabile API existiert, ist sie der UI-Automatisierung vorzuziehen. API-Anbindungen sind robuster gegenüber Änderungen der Oberfläche und weniger fehleranfällig. Die Fähigkeit, per Bot auch reine Bildschirmoberflächen zu bedienen, bleibt der wertvolle Rückfallweg für Systeme, die keine Schnittstelle bieten – nicht der bevorzugte Standardweg.

Bot Store und wiederverwendbare Bausteine

Automation Anywhere betreibt mit dem Bot Store einen Marktplatz für vorgefertigte Bots, Konnektoren und Automatisierungsbausteine. Die Idee: Statt jede Automatisierung von Grund auf zu bauen, können Teams auf bestehende Vorlagen für wiederkehrende Aufgaben zurückgreifen und diese anpassen. Das kann die Entwicklung beschleunigen und Standardprozesse schneller produktiv machen. In der Praxis empfiehlt sich dennoch Sorgfalt: Fremdbausteine sollten vor dem Produktiveinsatz geprüft werden – hinsichtlich Sicherheit, Datenzugriffen und Wartbarkeit. Ein zugekaufter Baustein, den niemand im Team wirklich versteht, kann später zur Wartungslast werden.

Einbettung in eine Automatisierungsarchitektur

Für ambitionierte Programme ist entscheidend, dass RPA nicht isoliert steht. Automation Anywhere lässt sich mit Process-Mining-Werkzeugen zur Potenzialerkennung, mit Dokumenten-KI zur Datenextraktion und mit nachgelagerten Systemen zur Weiterverarbeitung verbinden. In einer durchdachten Hyperautomatisierungs-Architektur übernimmt jede Komponente die Rolle, die sie am besten beherrscht: Process Mining findet und priorisiert die Kandidaten, RPA führt die Automatisierung aus, KI verarbeitet unstrukturierte Anteile, und übergreifende Orchestrierung hält das Zusammenspiel zusammen. Automation 360 liefert dafür die RPA- und einen Teil der KI-Bausteine – die Gesamtarchitektur zu entwerfen bleibt eine strategische Aufgabe.
Integration ist der eigentliche Aufwand

In fast jedem RPA-Projekt liegt der Aufwand weniger in der reinen Bot-Logik als in der zuverlässigen Anbindung der beteiligten Systeme und im Umgang mit deren Eigenheiten. Vorgefertigte Konnektoren und der Bot Store helfen, ersetzen aber keine saubere Integrationsarbeit. Wer den Integrationsaufwand realistisch plant, vermeidet die häufigste Enttäuschung nach der ersten Demo: dass der Weg vom hübschen Prototyp zum stabilen Produktivbetrieb länger ist als gedacht.

Kapitel 06 · Abgrenzung

Automation Anywhere im Vergleich zum Wettbewerb

Automation Anywhere ist einer der großen RPA-Anbieter, aber nicht der einzige relevante. Wie schlägt sich die Plattform gegen UiPath, Microsoft Power Automate und Blue Prism? Diese Übersicht ordnet die Profile qualitativ ein – mit dem ehrlichen Fazit, wann Automation Anywhere die naheliegende Wahl ist und wann nicht.

Kriterium Automation Anywhere UiPath Microsoft Power Automate Blue Prism
Architektur Cloud-native Cloud & On-Prem Cloud (M365/Azure) Klassisch, On-Prem-Erbe
Attended & unattended Beides Beides Beides Fokus unattended
Dokumenten-KI Integriert Stark Über KI-Dienste Über Partner/Zusatz
Microsoft-Ökosystem-Nähe Über Konnektoren Über Konnektoren Nativ (M365) Über Konnektoren
Governance & Skalierung Zentral (Control Room) Ausgereift Wächst schnell Governance-Stärke
Einstiegshürde Mittel Mittel Niedrig (bei M365) Höher
Anbieter-Herkunft USA Rumänien/USA USA Großbritannien/EU-nah
Preismodell Lizenz nach Rollen/Bots Lizenz nach Rollen/Bots Verbrauch/Lizenz (M365) Lizenz, eher Enterprise

Wann Automation Anywhere die naheliegende Wahl ist

Aus unserer Beratungspraxis sprechen mehrere Punkte für Automation Anywhere. Erstens, wenn RPA von vornherein cloud-first und skalierbar aufgebaut werden soll – die webbasierte Architektur und die zentrale Orchestrierung über das Control Room sind hier eine Stärke. Zweitens, wenn die Dokumentenverarbeitung ein zentraler Anwendungsfall ist – die integrierte Dokumenten-KI adressiert genau die Prozesse, die im Mittelstand die größten manuellen Aufwände binden. Drittens, wenn ein Unternehmen eine dedizierte, herstellerneutrale RPA-Plattform sucht, die nicht an ein bestimmtes Office- oder ERP-Ökosystem gebunden ist, sondern breit integriert.

Wann ein anderer Weg besser passt

Ebenso ehrlich gehören die Gegenfälle benannt. Wer bereits tief im Microsoft-Ökosystem (Microsoft 365, Azure) verankert ist und überwiegend dort automatisieren möchte, findet mit Power Automate oft den wirtschaftlicheren und schneller startbaren Weg, weil vieles bereits lizenziert und nativ integriert ist. Wer eine sehr governance- und sicherheitszentrierte Automatisierung großer, sensibler Backoffice-Prozesse plant, sollte auch Blue Prism fair mitprüfen. Und wer eine besonders breite Community, ein großes Schulungsangebot und ein sehr ausgereiftes Partnernetz priorisiert, wird UiPath ebenbürtig im Rennen sehen. Der entscheidende Punkt bleibt: Alle vier sind reife Plattformen – die richtige Wahl folgt aus Anwendungsfall, vorhandenem Stack, Datenschutzanforderungen und Umsetzungskapazität, nicht aus dem Markennamen.
Herstellerneutrale Einordnung

INAGRO bewertet Werkzeuge nach Fit, nicht nach Markenglanz. Automation Anywhere ist eine ausgereifte, cloud-native RPA-Plattform mit starker Dokumenten-KI. Ob sie besser passt als UiPath, Power Automate oder Blue Prism, hängt von Ihrer Systemlandschaft, Ihren Datenschutzanforderungen und Ihrem Automatisierungsziel ab. Wir prüfen das im Zweifel ergebnisoffen – auch die Empfehlung, bei einem Microsoft-lastigen Haus mit Power Automate zu starten, gehört dazu.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Wie Sie Automation Anywhere strukturiert einführen

Eine erfolgreiche RPA-Einführung folgt einem bewährten Muster – mit klarem Fokus auf die richtige Prozessauswahl, ein tragfähiges Betriebsmodell und eine Governance, die Sicherheit und Skalierung von Anfang an zusammendenkt. Wer „nur Lizenzen kauft“ und drauflos automatisiert, produziert schnell brüchige Bots ohne nachhaltigen Wert.

01
Prozessauswahl & Betriebsmodell klären
Welcher Prozess ist regelbasiert, hochvolumig und stabil genug für Automatisierung? Gleichzeitig die Grundsatzentscheidung treffen: Anbieter-Cloud, Private Cloud oder On-Premises. Diese Wahl bestimmt Verarbeitungsort, Datenschutz-Setup und Betriebsaufwand und gehört an den Anfang, nicht ans Ende.
02
Pilot mit klarem Wertziel
An einem abgegrenzten Prozess einen Bot bauen, produktiv nehmen und die Wirkung messen – eingesparte Zeit, reduzierte Fehler, schnellere Durchlaufzeit. Der belegte Nutzen ist die Grundlage für jede weitere Investitionsentscheidung und die interne Akzeptanz. Berechtigungen von Beginn an nach Need-to-know vergeben.
03
Governance & Sicherheit etablieren
Regeln für Bot-Entwicklung, Test, Freigabe und Betrieb festlegen; Zugangsdaten sicher verwalten (kein Klartext in Bots); Zugriffe unbeaufsichtigter Bots eng fassen. Gerade wenn Fachbereiche über den Co-Pilot selbst automatisieren, verhindert Governance den Wildwuchs unkontrollierter Bots.
04
Center of Excellence & Skalierung
Ein kleines CoE bündelt Methodik, Standards und wiederverwendbare Bausteine, schult die Fachbereiche und priorisiert die Automatisierungs-Roadmap nach Wert. So wächst das Programm kontrolliert von einzelnen Bots zu einer belastbaren Automatisierungsfähigkeit.
05
Betrieb, Monitoring & Wartung
Bots laufend überwachen, Fehler frühzeitig erkennen und – besonders wichtig – Bots warten, wenn sich die bedienten Anwendungen ändern. Änderungen an Zielsystemen sind der häufigste Grund für stehende Bots. Ein zuverlässiger Wartungsprozess entscheidet über den dauerhaften Wert.

Governance ist kein Bremsklotz, sondern Voraussetzung für Skalierung

Ein verbreiteter Irrtum lautet, Governance stehe der schnellen Automatisierung im Weg. Das Gegenteil ist der Fall: Ohne klare Regeln für Entwicklung, Freigabe, Berechtigungen und Wartung skaliert kein RPA-Programm sauber. Gerade weil Automation Anywhere mit dem Co-Pilot Automatisierung in die Fachbereiche trägt, braucht es einen definierten Rahmen – wer darf welche Bots bauen, wer gibt frei, wie werden Zugangsdaten verwaltet, wie werden Bots getestet, bevor sie auf Produktivsysteme losgelassen werden. In unseren Projekten ist genau dieser Rahmen der Unterschied zwischen einer Handvoll fragiler Insellösungen und einer Automatisierung, die das Unternehmen wirklich trägt.

Realistische Aufwandsplanung

Eine seriöse RPA-Einführung ist kein Wochenendprojekt. Der erste produktive Bot ist oft schnell erstellt – der Weg zu einem stabilen Portfolio mit sauberer Governance, sicherem Betrieb und verlässlicher Wartung dauert länger. Der am häufigsten unterschätzte Aufwand ist die Wartung: Jeder Bot ist an die Oberflächen und Schnittstellen der Systeme gekoppelt, die er bedient; ändern sich diese, muss der Bot angepasst werden. Wer diesen laufenden Aufwand von Anfang an einplant, vermeidet die Enttäuschung, dass vermeintlich „fertige“ Automatisierungen im Betrieb doch Pflege brauchen.
Pragmatischer Einstieg

Unsere Empfehlung für den Mittelstand: mit einem regelbasierten, hochvolumigen Prozess starten, das Betriebsmodell (Cloud/On-Prem) bewusst wählen, einen Bot produktiv nehmen, die Wirkung messen – und Governance, Sicherheit und Wartung von Beginn an mitdenken. Dieser fokussierte Pfad senkt das Risiko, sichert den Wertnachweis und schafft die Grundlage für eine fundierte Skalierungsentscheidung.

Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Automation Anywhere im deutschen Mittelstand

RPA entfaltet seinen Wert nicht abstrakt, sondern an konkreten Prozessen. Gerade der Mittelstand mit seinen gewachsenen Systemlandschaften und knappen Personalressourcen profitiert von Automatisierung – wenn die richtigen Prozesse gewählt und die Erwartungen realistisch gehalten werden.

Rechnungsverarbeitung

Eingehende Rechnungen erfassen, Inhalte per Dokumenten-KI auslesen, gegen Bestellungen prüfen und die Buchung vorbereiten. Einer der wertstärksten Einstiegs-Anwendungsfälle, weil er hohes Volumen und viel manuelle Fleißarbeit verbindet.

Weniger manuelle Erfassung
Stammdaten & Systempflege

Daten zwischen Systemen abgleichen, Stammdaten anlegen und pflegen, Medienbrüche überbrücken. Klassische Bot-Arbeit, die sonst Sachbearbeitung bindet und fehleranfällig ist – ideal für unattended Automatisierung im Hintergrund.

Konsistenz & Zeitgewinn
Berichte & Auswertungen

Wiederkehrende Berichte aus mehreren Quellen zusammenstellen, formatieren und verteilen. Attended oder zeitgesteuert – ein dankbarer Anwendungsfall, weil Regeln stabil sind und der Zeitgewinn unmittelbar spürbar wird.

Regelmäßige Routine abnehmen
Kundenservice-Unterstützung

Attended Bots tragen im Servicefall Informationen aus mehreren Systemen zusammen, sodass Mitarbeitende schneller auskunftsfähig sind. Der Mensch bleibt im Kontakt, der Bot übernimmt das parallele Nachschlagen.

Schnellere Bearbeitung

Stärken und Grenzen im Mittelstands-Kontext

Stärken
  • Cloud-native Architektur, geringer Installationsaufwand
  • Attended und unattended aus einer Plattform
  • Starke, integrierte Dokumenten-KI
  • Zentrale Orchestrierung über das Control Room
  • KI-Assistent bringt Fachbereiche an die Automatisierung
  • Breite Konnektoren, offene APIs, Bot Store
  • Skaliert von einzelnen Bots zu großen Programmen
  • Reifer, etablierter Anbieter mit Ökosystem
Einschränkungen
  • US-Anbieter: Datentransfer & AVV sorgfältig klären
  • Wert entsteht nur bei richtiger Prozessauswahl
  • Bots erfordern laufende Wartung bei Systemänderungen
  • Governance nötig, sonst Wildwuchs an Bots
  • Lizenzkosten je nach Bot-Zahl spürbar
  • Bei Microsoft-lastigen Häusern oft Power Automate näher
  • Robuste Bots verlangen Entwicklungsdisziplin
  • Kein Ersatz für die Sanierung schlechter Prozesse

Der häufigste Denkfehler: den kaputten Prozess automatisieren

Der teuerste Fehler im Mittelstand ist, einen ineffizienten Prozess einfach zu automatisieren, statt ihn zuerst zu hinterfragen. Ein Bot, der eine überflüssige Doppelerfassung schneller erledigt, zementiert die Doppelerfassung – er beseitigt sie nicht. Aus INAGRO-Sicht gehört vor jede Automatisierung die Frage: Muss dieser Schritt überhaupt sein? Oft lässt sich durch eine bessere Schnittstelle oder eine geänderte Prozesslogik mehr gewinnen als durch den schönsten Bot. RPA ist ein Werkzeug der Prozessoptimierung – und Optimierung heißt zuerst weglassen, dann automatisieren.
INAGRO-Kerngebiet Prozessoptimierung

RPA ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Baustein der Prozessoptimierung. Der größte Mehrwert entsteht, wenn vor der Automatisierung der Prozess auf den Prüfstand kommt und danach die richtigen, stabilen Schritte automatisiert werden. Genau diese Reihenfolge – erst verstehen und verschlanken, dann automatisieren – ist erfahrungsgemäß der Punkt, an dem Automatisierungsvorhaben entweder nachhaltigen Wert schaffen oder nur bestehende Ineffizienz beschleunigen.

Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit realistisch bewerten

Zwei Themen entscheiden im DACH-Mittelstand oft über die Toolwahl: die Gesamtkosten – und der Datenschutz. Weil Automation Anywhere ein US-Anbieter ist und Bots tief in Fachsysteme eingreifen, verdienen beide eine nüchterne, ehrliche Betrachtung.

Lizenzierung
auf Anfrage · nach Rollen & Bots
Bot Creator, Bot Runner, KI-Bausteine
  • Die Kosten hängen von der Zahl der Entwickler- und Ausführungslizenzen, der genutzten KI-Funktionen und dem Bereitstellungsmodell ab. Öffentliche Pauschalpreise sind nicht seriös möglich – der Zuschnitt ist beim Anbieter zu erfragen.
Einführung & Entwicklung
Projektaufwand · einmalig
Prozessanalyse, Bot-Entwicklung, Integration
  • Der oft unterschätzte Block: Prozesse analysieren, robuste Bots bauen, Systeme anbinden, testen. Die Integration und das saubere Fehlerhandling machen einen erheblichen Teil des Aufwands aus.
Betrieb & Wartung
laufend · Team & Pflege
Monitoring, Wartung, Center of Excellence
  • Damit der Wert bleibt: Bots überwachen, bei Systemänderungen anpassen, Governance pflegen. Der laufende Wartungsaufwand ist real und sollte von Anfang an eingeplant werden.
Einstieg / Test
gering · Evaluierung
Kostenfreie Einstiegs- und Testoptionen
  • Für den Proof of Concept gibt es Einstiegswege ohne große Anfangsinvestition. Sinnvoll, um an einem realen Prozess Bedienbarkeit, Aufwand und Stabilität zu prüfen, bevor in die Breite investiert wird.

Warum es keine seriösen Pauschalpreise gibt

Anders als bei einer einfachen Pro-Nutzer-Software lässt sich RPA nicht mit einem einzigen Eurobetrag beziffern. Die Kosten hängen davon ab, wie viele Bots entwickelt und betrieben werden, welche Betriebsart (attended/unattended) und welche KI-Funktionen genutzt werden und welches Bereitstellungsmodell gewählt wird. Jeder im Internet kursierende „Listenpreis“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Verlässlich lässt sich nur sagen: Der Lizenzpreis ist selten der größte Posten – Einführung, Integration und laufende Wartung machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus. Die richtige Frage lautet nicht „Was kostet die Lizenz?“, sondern „Welcher realisierte Nutzen steht welchen Gesamtkosten gegenüber?“.

Datenschutz bei einem US-Anbieter: die zentralen Punkte

Automation Anywhere ist ein US-amerikanisches Unternehmen. Für DACH-Unternehmen, die die Plattform als Cloud-Dienst nutzen, sind daher einige Punkte vorab zu klären. Erstens der Serverstandort und die Verarbeitungsregion – eine EU-Region für die Datenverarbeitung ist regelmäßig die naheliegende Wahl und sollte vertraglich festgehalten werden. Zweitens die Frage möglicher Datentransfers in Drittländer und der zugehörigen rechtlichen Grundlagen, die im Einzelfall zu prüfen und mit geeigneten Garantien abzusichern sind. Drittens der Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV / DPA) mit dem Anbieter, der Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung sowie die technisch-organisatorischen Maßnahmen und die Subprozessoren regelt. Für besonders sensible Umgebungen ist die On-Premises- oder Private-Cloud-Variante die datenschutzfreundlichere Option, weil sie den Verarbeitungsort und die Kontrolle über die Daten im eigenen Einflussbereich hält.
Datenschutz-Checkliste für die Einführung

Diese Punkte sollten bei jeder Automation-Anywhere-Einführung sauber aufgesetzt und dokumentiert werden – sie bilden das Fundament einer DSGVO-konformen Nutzung:

Serverstandort & EU-Region
EU-Region für die Verarbeitung wählen und vertraglich festhalten; Drittland-Transfers prüfen und ggf. mit Garantien absichern
Auftragsverarbeitungsvertrag
AVV/DPA mit dem Anbieter abschließen, Subprozessoren-Liste prüfen
On-Prem / Private Cloud
Für sensible Daten als DSGVO-freundlichere Option mit maximaler Datenhoheit erwägen
Berechtigungen (Need-to-know)
Zugriffe unbeaufsichtigter Bots auf Fachsysteme eng und rollenbasiert vergeben
Datensparsamkeit
Bots nur die für die Aufgabe nötigen Daten verarbeiten lassen; keine Datenberge auf Vorrat
Zugangsdaten-Verwaltung
Credentials sicher speichern, kein Klartext in Bots; generative KI mit Daten-Leitplanken

Unattended Bots als sensible Akteure

Ein Punkt verdient im Mittelstand besondere Aufmerksamkeit: Unbeaufsichtigte Bots handeln mit den Berechtigungen, die man ihnen gibt – und laufen ohne menschliche Aufsicht. Ein Bot mit weitreichenden Rechten auf Fachsysteme ist damit ein Sicherheits- und Datenschutzfaktor ersten Ranges. Deshalb gilt konsequent das Need-to-know-Prinzip: Ein Bot erhält nur die Zugriffe, die er für seine konkrete Aufgabe zwingend braucht, nicht mehr. Zugangsdaten gehören in eine sichere Verwaltung und niemals im Klartext in den Bot. Und die Datenverarbeitung sollte dem Grundsatz der Datensparsamkeit folgen – ein Bot, der nur die nötigen Felder verarbeitet, verkleinert die rechtliche wie die sicherheitstechnische Angriffsfläche.
Keine Rechtsberatung

Die Hinweise in diesem Kapitel sind eine praxisorientierte Orientierung aus unseren Projekten und ersetzen keine Rechtsberatung. Die konkrete datenschutzrechtliche Bewertung – insbesondere zu Drittlandtransfers, zur Rechtsgrundlage der Verarbeitung, zur Datenschutz-Folgenabschätzung und zur betrieblichen Mitbestimmung – sollte stets mit dem eigenen Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls fachkundiger juristischer Beratung erfolgen.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Automation Anywhere

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist Automation Anywhere?
Automation Anywhere ist ein US-amerikanischer Anbieter für Robotic Process Automation (RPA) mit Sitz in San Jose, Kalifornien. Seine cloud-native Plattform Automation 360 ermöglicht es, mit Software-Robotern (Bots) regelbasierte, wiederkehrende Aufgaben über verschiedene Anwendungen hinweg zu automatisieren – assistiert am Arbeitsplatz (attended) oder vollautomatisch im Hintergrund (unattended). Ergänzt um Dokumenten-KI, einen KI-Assistenten und Process Discovery positioniert sich die Plattform als Intelligent-Automation-Lösung.
Was bedeutet cloud-native bei Automation 360?
Cloud-native heißt, dass die Plattform vollständig webbasiert ist: Bots werden im Browser entwickelt und zentral über das Control Room verwaltet und ausgeführt, ohne dass eine schwergewichtige lokale Installation je Entwicklerarbeitsplatz nötig ist. Das vereinfacht Betrieb, Updates und Skalierung. Für Unternehmen mit besonderen Anforderungen an Datenhoheit sind daneben auch Private-Cloud- und On-Premises-Betriebsmodelle vorgesehen.
Was ist der Unterschied zwischen attended und unattended Bots?
Attended Bots laufen assistiert am Arbeitsplatz und unterstützen Mitarbeitende bei ihrer Tätigkeit – der Mensch bleibt im Prozess. Unattended Bots arbeiten unbeaufsichtigt im Hintergrund ganze Prozessketten ab, zeit- oder ereignisgesteuert, und werden zentral über das Control Room orchestriert. Attended eignet sich für kundennahe, entscheidungsbehaftete Abläufe, unattended für hochvolumige Dunkelverarbeitung. Unattended Bots benötigen ein besonders sorgfältiges Berechtigungskonzept.
Automation Anywhere oder UiPath – was ist besser?
Beide sind reife, führende RPA-Plattformen mit attended und unattended Bots, starker Dokumenten-KI und zentraler Orchestrierung. Eine pauschale „bessere“ Plattform gibt es nicht – die Wahl folgt aus Ihrer Systemlandschaft, Ihren Datenschutzanforderungen, dem gewünschten Betriebsmodell und der vorhandenen Kompetenz. Wir empfehlen, beide anhand eines realen Pilotprozesses zu bewerten, statt sich an Feature-Listen zu orientieren.
Wann ist Microsoft Power Automate die bessere Wahl?
Wenn ein Unternehmen bereits tief im Microsoft-Ökosystem (Microsoft 365, Azure) verankert ist und überwiegend dort automatisieren möchte, ist Power Automate oft wirtschaftlicher und schneller startbar, weil vieles bereits lizenziert und nativ integriert ist. Automation Anywhere spielt seine Stärken dagegen aus, wenn eine dedizierte, herstellerneutrale RPA-Plattform gefragt ist, die breit über verschiedene Systeme hinweg integriert und stark auf Dokumentenverarbeitung setzt.
Ist Automation Anywhere DSGVO-konform einsetzbar?
Ja, bei sorgfältiger Gestaltung. Weil es sich um einen US-Anbieter handelt, sind Serverstandort und Verarbeitungsregion (idealerweise EU), mögliche Drittland-Transfers und der Auftragsverarbeitungsvertrag vorab zu klären. Für sensible Daten ist die On-Premises- oder Private-Cloud-Variante die datenschutzfreundlichere Option. Bei unattended Bots mit Zugriff auf Fachsysteme sind Berechtigungen nach Need-to-know und Datensparsamkeit zentral. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.
Was kostet Automation Anywhere?
Es gibt keinen einfachen Listenpreis. Die Kosten hängen von der Zahl der Entwickler- und Ausführungslizenzen, der Betriebsart, den genutzten KI-Funktionen und dem Bereitstellungsmodell ab und werden individuell vereinbart. Wichtig für eine ehrliche Kalkulation: Der Lizenzpreis ist selten der größte Posten – Einführung, Integration und laufende Wartung machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus. Für die Evaluierung stehen kostenfreie Einstiegsoptionen bereit.
Wie unterstützt INAGRO bei Automation Anywhere?
Wir beraten herstellerunabhängig: von der Frage, ob und wo sich RPA für Ihr Unternehmen rechnet und welches Werkzeug am besten passt, über die Prozessauswahl, das Datenschutz- und Betriebsmodell-Setup bis zum Pilot mit belegtem Wertnachweis und der anschließenden Skalierung samt Governance. Wo Microsoft Power Automate, UiPath oder ein anderer Weg besser passt, sagen wir das ehrlich. Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir Fit, Kosten und Umsetzungs-Pfad – unverbindlich und kostenlos.

RPA strategisch einsetzen

Brauchen Sie eine ehrliche RPA-Strategie?

Von der Werkzeugauswahl über die Prozessauswahl und das Datenschutz-Setup bis zum belegten Wertnachweis – INAGRO begleitet Sie herstellerunabhängig auf jedem Schritt. Wir prüfen, ob und wo sich Automation Anywhere für Ihr Unternehmen rechnet, und sagen ehrlich, wenn ein anderer Weg besser passt. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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