Wissensdatenbank · Programmiersprachen · IBM i & Legacy-Systeme

RPG – die bewährte Geschäftssprache für IBM i, AS/400 und kaufmännische Kernsysteme.

RPG ist eine der langlebigsten Geschäftssprachen der IT-Geschichte und bildet bis heute das Herz vieler ERP- und Warenwirtschaftssysteme auf der IBM-i-Plattform – der Nachfolgerin von System/38 und AS/400. Gerade im deutschen Mittelstand laufen zentrale kaufmännische Anwendungen seit Jahrzehnten stabil auf RPG. Aus INAGRO-Sicht: was RPG heute leistet, wie es sich von zyklusbasiert zu frei und prozedural gewandelt hat, und wie sich Bestandssysteme sinnvoll modernisieren lassen, ohne bewährte Substanz zu zerstören.

Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft.

24 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
RPG
IBM · IBM i (AS/400) · proprietäre Plattform
Typ
Kompilierte kaufmännische Sprache, ursprünglich zyklusbasiert
Ursprung
IBM, Anfänge in den 1960er-Jahren
Paradigmen
Zyklusbasiert (klassisch), prozedural & modular (ILE)
Plattform
IBM i – System/38, AS/400, Power
Datenbank
Integriert: DB2 for i
Hauptvergleich
COBOL, PL/I, Natural, Java, SQL
INAGRO Eignung kaufmännische Kernsysteme auf IBM i
★★★★★
Kapitel 01 · Überblick & Historie

Was ist RPG – und warum läuft es bis heute?

RPG ist eine kaufmännisch geprägte Programmiersprache von IBM, die untrennbar mit der Plattform IBM i verbunden ist – jenem System, das viele bis heute unter seinen früheren Namen AS/400 oder auch System/38 kennen. Der Name RPG stand ursprünglich für eine Report-orientierte Idee: Die Sprache wurde in den 1960er-Jahren entworfen, um aus Datenbeständen schnell geordnete Auswertungen und Belege zu erzeugen. Aus diesem sehr speziellen Ursprung ist über Jahrzehnte eine vollwertige Geschäftssprache gewachsen, die heute komplette Warenwirtschafts-, Finanz- und Branchensysteme trägt.

Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Sprachen ist die enge Verzahnung von Sprache, Betriebssystem und Datenbank. RPG ist keine plattformneutrale Allzwecksprache, sondern lebt im Verbund mit IBM i und der integrierten Datenbank DB2 for i. Diese Einheit aus Hardware, Betriebssystem, Datenbank und Sprache ist der Grund, warum RPG-Systeme als außerordentlich stabil, integriert und wartungsarm gelten – und zugleich der Grund, warum sie an eine bestimmte Plattform gebunden sind. Wer RPG verstehen will, muss die Plattform mitdenken.
Drei Eigenschaften prägen RPG bis heute:
  • Fokus auf kaufmännische Kernprozesse – RPG wurde nie für wissenschaftliches Rechnen oder Systemprogrammierung entworfen, sondern für die zuverlässige Verarbeitung großer Mengen betriebswirtschaftlicher Datensätze: Aufträge, Buchungen, Bestandsbewegungen, Rechnungen. In genau diesem Feld ist die Sprache bis heute außerordentlich effizient und ausgereift.
  • Extreme Langlebigkeit und Stabilität – RPG-Anwendungen laufen häufig seit Jahrzehnten weitgehend unverändert im produktiven Einsatz. IBM legt großen Wert auf Abwärtskompatibilität, sodass alter Code auf neuen Systemen weiterläuft. Diese Verlässlichkeit ist für geschäftskritische Systeme ein enormer Wert.
  • Kontinuierliche Modernisierung – RPG ist keineswegs auf dem Stand der 1960er stehen geblieben. Mit RPG IV, der Integrated Language Environment (ILE) und dem heutigen Free-Format hat sich die Sprache grundlegend gewandelt und moderne, prozedurale und modulare Konzepte aufgenommen, ohne die Bestandsbasis zu entwerten.

Von System/38 über AS/400 zu IBM i

Die Geschichte von RPG ist die Geschichte einer Plattform. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte IBM mit dem System/38 und später der AS/400 eine Rechnerfamilie, die konsequent auf integrierte Geschäftsverarbeitung ausgelegt war: Betriebssystem und relationale Datenbank waren von Anfang an eng verbunden, und RPG war die natürliche Anwendungssprache dieser Welt. Die AS/400 wurde in den 1990er-Jahren zu einem der erfolgreichsten Mittelstands-Serversysteme überhaupt und ist in unzähligen Unternehmen bis heute im Einsatz – heute unter dem Namen IBM i auf moderner Power-Hardware.
Dieser Namenswechsel ist für die Praxis wichtig: System/38, AS/400, iSeries, System i und schließlich IBM i bezeichnen im Kern eine durchgängige, sich weiterentwickelnde Plattformlinie. Viele Anwender sprechen umgangssprachlich weiter von der AS/400, meinen damit aber ein aktuelles IBM-i-System. Für die Einordnung von RPG bedeutet das: Die Sprache ist nicht museal, sondern läuft auf aktueller, gepflegter Hardware und Software – nur eben in einem proprietären, in sich geschlossenen Ökosystem.

Warum RPG kein Auslaufmodell ist

Es gehört zu den häufigsten Missverständnissen, RPG pauschal als veraltete Alttechnologie abzustempeln. Richtig ist, dass die Sprache aus einer anderen Zeit stammt und ihr Ökosystem nicht die Breite moderner Allzwecksprachen hat. Falsch ist die Schlussfolgerung, RPG-Systeme seien automatisch ablösereif. In vielen Unternehmen bilden sie ein hochgradig eingespieltes, zuverlässiges Rückgrat, das jahrzehntelanges Prozesswissen abbildet. Eine überstürzte Ablösung vernichtet oft mehr Wert, als sie schafft.
Zugleich ist ehrlich einzuordnen, dass die Fachkräftefrage und die begrenzte Verfügbarkeit junger RPG-Entwickler ein reales strategisches Thema sind, auf das wir in diesem Artikel ausführlich eingehen. Die realistische Haltung liegt zwischen den Extremen: RPG ist weder ein Relikt, das man schnellstmöglich entsorgen muss, noch eine Sprache, in die man ohne Modernisierungsplan blind weiterinvestieren sollte. Die Kunst liegt in einer nüchternen Bestandsaufnahme.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen mit einer gewachsenen IBM-i-Landschaft ist RPG in aller Regel kein Problem, das man beseitigen muss, sondern ein Vermögenswert, den man pflegen und behutsam öffnen sollte. Die stabilen Kernsysteme dürfen weiterlaufen, während man sie schrittweise um moderne Oberflächen, Schnittstellen und freies RPG ergänzt. Eine radikale Komplettablösung ist selten die wirtschaftlich beste Lösung – wohl aber ein realistischer Plan für Fachkräfte und Modernisierung.

Kapitel 02 · Paradigma & Kernmerkmale

Sprachparadigma und Kernmerkmale

RPG hat einen der ungewöhnlichsten Werdegänge aller Programmiersprachen: vom starren, zyklusbasierten Report-Generator zur modernen, prozedural und modular strukturierten Geschäftssprache. Wer beide Welten kennt, versteht sowohl die Eigenheiten des Bestandscodes als auch das Potenzial heutiger RPG-Entwicklung.

Der RPG-Zyklus
Ursprung

Klassisches RPG folgte einem fest eingebauten Programm-Zyklus: Das Programm las automatisch Satz für Satz aus einer Datei, verarbeitete ihn und erzeugte Ausgaben. Diese implizite Steuerung war effizient, aber für Neulinge schwer zu durchschauen.

SteuerungImplizit
StärkeMassenverarbeitung
HürdeSchwer lesbar
StatusBestandscode
Prozedural & modular (ILE)
Heute

Mit RPG IV und der Integrated Language Environment schreibt man heute prozedurales, in Unterprogramme und Module gegliedertes RPG – mit Prozeduren, Dienstprogrammen und wiederverwendbaren Bausteinen statt einem monolithischen Zyklus.

StrukturProzeduren
WiederverwendungModule
RahmenILE
ReifeSehr hoch
Kompiliert & performant
Ausführung

RPG-Programme werden in ausführbare Objekte kompiliert und laufen dicht am Betriebssystem. Für die stapelweise Verarbeitung sehr großer Datenmengen ist RPG damit außerordentlich schnell und ressourceneffizient.

ModellKompiliert
StärkeBatch-Durchsatz
NäheBetriebssystem
ZielgruppeKernsysteme
Enge DB-Integration
Kernmerkmal

Der Datenbankzugriff ist in RPG kein Fremdkörper, sondern Teil der Sprache. Dateien und Tabellen der integrierten Datenbank DB2 for i lassen sich direkt satzweise oder per SQL ansprechen – ohne umständliche Zwischenschichten.

DatenbankDB2 for i
ZugriffSatzweise & SQL
VorteilKeine Bruchstellen
ReifeSehr hoch
Datenbeschreibung
Struktur

Datenstrukturen und Datenformate spielen in RPG eine zentrale Rolle. Historisch wurden sie oft über externe Beschreibungen (DDS) definiert; heute ergänzen SQL-definierte Tabellen und im Programm deklarierte Strukturen dieses Modell.

KlassischDDS
ModernSQL-DDL
Im CodeDatenstrukturen
EffektKlare Formate
Free-Format
Moderner Stil

Das freie Format löst die starre spaltengebundene Schreibweise früherer RPG-Versionen ab. Der Code liest sich dadurch ähnlich wie in anderen modernen Sprachen – ein wichtiger Schritt für Lesbarkeit und Nachwuchsgewinnung.

SchreibweiseFrei
VorherSpaltengebunden
EffektLesbarkeit
ZielgruppeNeu & Bestand

Vom Zyklus zur freien Wahl der Struktur

Das prägendste historische Merkmal von RPG ist der sogenannte Programm-Zyklus – von vielen schlicht „der Zyklus“ genannt. In klassischem RPG musste ein Entwickler die Hauptschleife eines Programms gar nicht selbst schreiben: Die Sprache brachte einen fest eingebauten Ablauf mit, der automatisch die Eingabedatei satzweise las, die definierte Verarbeitung anwandte und Ausgaben erzeugte, bis die Datei zu Ende war. Für die typische Aufgabe – eine große Datei durchlaufen und für jeden Satz etwas tun – war das außerordentlich effizient und mit sehr wenig Code zu erreichen.
Die Kehrseite: Dieser implizite Zyklus ist für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, weil ein wesentlicher Teil der Programmlogik nicht sichtbar im Code steht, sondern in der Sprache verankert ist. Wer heutigen prozeduralen Code gewohnt ist, empfindet zyklusbasiertes RPG oft als rätselhaft. Genau deshalb hat sich die moderne RPG-Entwicklung vom Zyklus gelöst: Man schreibt die Steuerung explizit selbst, in klar strukturierten Prozeduren – gut lesbar und für jeden Entwickler nachvollziehbar. Beide Welten koexistieren in vielen Unternehmen, was den Bestandscode heterogen macht.

ILE: Modularität als Wendepunkt

Der vielleicht wichtigste konzeptionelle Sprung war die Einführung der Integrated Language Environment (ILE) mit RPG IV. ILE erlaubt es, Programme aus einzelnen Modulen und Prozeduren zusammenzusetzen, wiederverwendbare Dienstprogramme zu bilden und Funktionalität sauber zu kapseln. Damit erhielt RPG genau jene modulare Struktur, die moderne Softwareentwicklung ausmacht: kleine, testbare Bausteine statt riesiger monolithischer Programme.
Für Unternehmen ist dieser Punkt strategisch bedeutsam. Wer seinen RPG-Bestand konsequent in Richtung ILE und Prozeduren modernisiert, macht ihn nicht nur besser wartbar, sondern auch anschlussfähig: Modular gebaute RPG-Prozeduren lassen sich als Dienste kapseln und von außen – etwa aus Web-Oberflächen oder anderen Systemen – aufrufen. Modularisierung ist damit die Grundlage fast jeder sinnvollen Modernisierungsstrategie, auf die wir später zurückkommen.
Kernmerkmale in einem Satz

RPG ist eine kompilierte, kaufmännisch spezialisierte Sprache mit tiefer Datenbank-Integration, die sich vom zyklusbasierten Ursprung zu modernem, prozeduralem und modularem RPG IV/ILE gewandelt hat. Wer diese zwei Gesichter kennt, versteht sowohl die Eigenheiten alter Programme als auch das Modernisierungspotenzial des Bestands.

Kapitel 03 · Syntax & Entwicklung

Syntax und Entwicklungsstil

Kaum ein Merkmal trennt altes und neues RPG so deutlich wie die Schreibweise. Der Übergang vom spaltengebundenen Fixed-Format zum freien Free-Format ist mehr als Kosmetik – er entscheidet über Lesbarkeit, Wartbarkeit und die Frage, ob junge Entwickler mit dem Code überhaupt etwas anfangen können. Wir beschreiben das hier qualitativ, ohne technische Details.

Historisches RPG war spaltengebunden: Jede Codezeile hatte feste Positionen, an denen bestimmte Angaben stehen mussten – in der einen Spalte der Zeilentyp, in der nächsten ein Faktor, dann eine Operation, dann ein Ergebnisfeld. Diese starre Struktur stammt aus der Ära der Lochkarten, auf denen jede Spalte eine feste Bedeutung hatte. Für geübte RPG-Entwickler war das effizient, für alle anderen wirkt solcher Code kryptisch und ist ohne Kenntnis der Spaltenbelegung kaum zu lesen. Genau dieses Bild prägt bis heute den Ruf von RPG als schwer zugänglicher Sprache.

Fixed-Format versus Free-Format

Der Wandel zum Free-Format ist die vielleicht wichtigste Entwicklung der jüngeren RPG-Geschichte. Im freien Format entfällt die Bindung an feste Spalten: Code wird ähnlich geschrieben wie in anderen modernen Sprachen, mit frei wählbarer Einrückung, sprechenden Anweisungen und klar erkennbarer Struktur. Aus schwer entzifferbaren Spaltenkolonnen werden gut lesbare Programme, die auch ein Entwickler ohne jahrzehntelange RPG-Erfahrung nachvollziehen kann.
Für die Praxis bedeutet das eine doppelte Realität. Neue RPG-Entwicklung erfolgt heute weitgehend im freien Format – es ist der empfohlene Stil und ein wichtiges Argument, um jüngere Entwickler für die Sprache zu gewinnen. Zugleich existiert in den meisten Unternehmen sehr viel Bestandscode noch im alten Fixed-Format. Beide Formate lassen sich mischen, und ein zentraler Teil vieler Modernisierungsprojekte besteht darin, kritische Programmteile behutsam ins freie Format zu überführen, um sie wieder wartbar zu machen. Diese Übersetzung sollte planvoll und getestet erfolgen, nicht als hektische Massenkonvertierung.

Was RPG-Entwicklung heute ausmacht

Moderne RPG-Entwicklung hat mit dem Bild aus den 1980er-Jahren wenig gemein. Zeitgemäße Programme nutzen freies Format, gliedern Logik in Prozeduren, greifen über eingebettetes SQL auf die Datenbank zu und lassen sich in einer grafischen Entwicklungsumgebung komfortabel bearbeiten. Wer heute RPG lernt, lernt eine strukturierte, prozedurale Sprache mit tiefer Datenbank-Anbindung – nicht den zyklusbasierten Report-Generator der Anfangszeit.
Wichtig für Unternehmen ist die Erkenntnis, dass Lesbarkeit und Wartbarkeit von RPG heute eine bewusste Entscheidung sind. Wer weiterhin im alten Stil programmiert, zementiert die Zugangshürden; wer konsequent auf freies Format, Prozeduren und SQL setzt, macht seinen Code auch für eine neue Generation zugänglich. Die Sprache selbst gibt beides her – die Entscheidung, wie modern der eigene RPG-Code aussieht, treffen die Verantwortlichen im Unternehmen.
Praxis-Hinweis

Der Umstieg auf das freie Format ist kein Selbstzweck, sondern eine Investition in Lesbarkeit, Wartbarkeit und Nachwuchsfähigkeit. Wir empfehlen, neue Entwicklung konsequent im freien Format vorzunehmen und den Bestand dort schrittweise zu überführen, wo tatsächlich weiterentwickelt wird – nicht als flächendeckende Konvertierung um ihrer selbst willen.

Kapitel 04 · Umfeld, Plattform & Tooling

Plattform, Datenbank und Tooling

RPG lässt sich nicht isoliert betrachten. Seine Stärke wie seine Grenzen ergeben sich aus dem geschlossenen Ökosystem der IBM-i-Plattform: Betriebssystem, integrierte Datenbank DB2 for i und die Entwicklungswerkzeuge von den klassischen Terminal-Tools bis zur modernen grafischen Umgebung RDi.

IBM i: Betriebssystem und integrierte Datenbank

Das Fundament ist das Betriebssystem IBM i, das auf IBMs Power-Servern läuft und die integrierte relationale Datenbank DB2 for i fest eingebaut mitbringt. Diese Integration ist das prägende Merkmal der Plattform: Datenbank, Sicherheit, Job-Steuerung und Anwendungslogik sind Teil eines konsistenten Ganzen, nicht lose gekoppelte Fremdprodukte. Daraus resultiert der Ruf der Plattform als außerordentlich stabil, sicher und wartungsarm – viele IBM-i-Systeme laufen mit minimalem Administrationsaufwand über Jahre zuverlässig.
Für RPG ist diese Einheit ein doppelter Faktor. Einerseits erklärt sie die enorme Effizienz: Ein RPG-Programm greift ohne Umwege direkt auf die integrierte Datenbank zu, was Massenverarbeitung sehr schnell macht. Andererseits bedeutet sie eine feste Bindung an eine proprietäre, kostenpflichtige Plattform eines einzelnen Herstellers. Diese Abhängigkeit ist ein bewusst abzuwägender strategischer Punkt, den wir in den Kapiteln zu Mittelstand und Zukunft aufgreifen.

DB2 for i und die Rolle von SQL

Historisch griff RPG über die satzweise Navigation auf Dateien zu – Satz für Satz lesen, aktualisieren, schreiben. Diese Zugriffsart ist bis heute in viel Bestandscode präsent und für bestimmte Verarbeitungsmuster sehr performant. Parallel dazu hat sich jedoch SQL auch in der IBM-i-Welt als zentraler Datenbankzugang etabliert. Modernes RPG bettet SQL-Anweisungen direkt in den Programmcode ein und nutzt so die volle Ausdrucksstärke einer mengenorientierten Abfragesprache.
Diese Entwicklung ist für die Modernisierung zentral: SQL macht Datenzugriffe lesbarer, flexibler und für Entwickler aus anderen Welten sofort verständlich. Zudem öffnet es die integrierte Datenbank für Standardwerkzeuge und Auswertungen. Unternehmen, die ihren RPG-Bestand zukunftsfähig halten wollen, setzen beim Datenzugriff daher zunehmend auf eingebettetes SQL statt ausschließlich auf die klassische satzweise Navigation – ohne dass alter, funktionierender Code deshalb sofort umgebaut werden müsste.

Von der 5250-Oberfläche zu RDi

Das Bild der IBM-i-Welt ist für viele der sogenannte „Green Screen“: die zeichenbasierte 5250-Terminal-Oberfläche, über die Anwendungen bedient und lange Zeit auch entwickelt wurden. Diese textbasierten Masken sind extrem schnell, tastaturzentriert und bei erfahrenen Anwendern beliebt, wirken auf neue Nutzer aber sperrig und altmodisch. Sie prägen bis heute den Ruf der Plattform.
Die moderne Entwicklung hat sich davon gelöst. Mit dem Rational Developer for i (RDi) steht eine grafische, komfortable Entwicklungsumgebung zur Verfügung, die zeitgemäßes Arbeiten mit Syntaxhervorhebung, Navigation und modernen Werkzeugen erlaubt – vergleichbar mit den Entwicklungsumgebungen anderer Sprachwelten. Dazu kommen weitere Werkzeuge für Datenbankverwaltung, Automatisierung und Betrieb. Auch hier gilt: Wer die modernen Werkzeuge nutzt, entwickelt RPG heute unter deutlich besseren Bedingungen, als es das Klischee vom Green Screen vermuten lässt.
Plattform als Paket

RPGs entscheidende Eigenschaft ist die Einheit aus Sprache, Betriebssystem IBM i und integrierter Datenbank DB2 for i. Das macht Kernsysteme stabil, sicher und effizient – zugleich bindet es an einen einzelnen Hersteller. Bei der Modernisierung sind SQL als Datenzugang und RDi als Werkzeug die beiden Hebel, die den größten Unterschied machen.

Kapitel 05 · Typische Einsatzgebiete

Wofür RPG eingesetzt wird

RPG ist kein Generalist, sondern ein hochspezialisiertes Werkzeug für die kaufmännische Kernverarbeitung. Genau in diesem Feld ist es seit Jahrzehnten das Rückgrat vieler Mittelständler – häufig unsichtbar, aber geschäftskritisch.

ERP & Warenwirtschaft

Das klassische Einsatzfeld: komplette Warenwirtschafts- und ERP-Systeme, die Artikel, Kunden, Lieferanten und Prozesse abbilden. Viele Mittelständler betreiben ihr Kernsystem seit Jahrzehnten auf RPG.

Das operative Rückgrat
Finanzbuchhaltung & Fakturierung

Buchungen, offene Posten, Fakturierung und Abrechnung sind Paradedisziplinen von RPG. Die präzise Verarbeitung großer Mengen an Belegen ist genau das, wofür die Sprache geschaffen wurde.

Zahlen, die stimmen
Auftrags- & Lagerverwaltung

Auftragserfassung, Disposition, Bestandsführung und Versand: RPG steuert die logistischen Kernprozesse zahlreicher Handels- und Fertigungsunternehmen zuverlässig und in hohem Durchsatz.

Prozesse laufen durch
Batch & Nachtläufe

Stapelverarbeitung großer Datenmengen – nächtliche Abrechnungsläufe, Massenaktualisierungen, Reporting – ist eine Kernstärke. RPG verarbeitet solche Läufe extrem effizient und stabil.

Massen in der Nacht
Branchenlösungen

In Versicherung, Logistik, Großhandel und Fertigung existieren spezialisierte, über Jahre gereifte Branchenlösungen auf RPG-Basis, die tiefes Fachwissen abbilden und schwer zu ersetzen sind.

Fachwissen im Code
Schnittstellen & Integration

Zunehmend dient RPG auch als integrierender Kern, der über Schnittstellen Daten mit Webshops, Portalen und Umsystemen austauscht – das stabile Herz einer moderneren Systemlandschaft.

Kern trifft Umsystem

Die Königsdisziplin: kaufmännische Massenverarbeitung

Wenn ein einzelnes Feld die Bedeutung von RPG erklärt, dann ist es die zuverlässige Verarbeitung großer Mengen betriebswirtschaftlicher Datensätze. Aufträge erfassen, Bestände fortschreiben, Rechnungen erzeugen, nächtliche Abrechnungsläufe fahren – diese Aufgaben verlangen Präzision, Stabilität und hohen Durchsatz, und genau dafür wurde RPG optimiert. In Kombination mit der integrierten Datenbank und der stabilen Plattform ergibt sich ein System, das Tag für Tag riesige Transaktionsmengen ohne großes Aufheben bewältigt.
Dieser Nutzen ist selten sichtbar und selten glamourös – aber er ist geschäftskritisch. In vielen Unternehmen würde ein Ausfall des RPG-Kernsystems den Betrieb unmittelbar zum Stillstand bringen. Genau diese stille Verlässlichkeit ist der Grund, warum RPG-Systeme so lange bestehen: Sie tun ihre Arbeit, und sie tun sie gut. Wer diesen Wert nicht anerkennt, unterschätzt die Substanz, die in diesen Systemen steckt.

Der unterschätzte Wert: Prozesswissen im Code

Ein Aspekt, der bei RPG-Systemen häufig übersehen wird, ist das über Jahrzehnte in den Code eingeflossene Fachwissen. Jede Sonderregel, jede Ausnahme, jede branchenspezifische Besonderheit ist irgendwann von jemandem verstanden und in ein Programm gegossen worden. Dieses angesammelte Prozesswissen ist ein realer, schwer zu beziffernder Vermögenswert – und zugleich das größte Risiko bei einer Ablösung, weil es nirgendwo sonst vollständig dokumentiert ist.
Für Unternehmen bedeutet das: Ein RPG-Kernsystem ist nicht einfach Technik, sondern die codifizierte Betriebslogik des Unternehmens. Bei jeder Überlegung zu Modernisierung oder Ablösung muss dieses Wissen ernst genommen werden. Wer es unterschätzt, riskiert bei einer Neuentwicklung, mühsam erarbeitete Feinheiten zu verlieren und Fehler zu wiederholen, die vor Jahrzehnten bereits gelöst wurden.
Praxis-Hinweis

Der Wert eines RPG-Systems liegt selten in der Technik allein, sondern im über Jahre gereiften kaufmännischen Prozesswissen, das darin steckt. Vor jeder Modernisierung oder Ablösung lohnt es sich, dieses Wissen bewusst zu sichern und zu dokumentieren – sonst geht es beim Umbau unbemerkt verloren.

Kapitel 06 · RPG im Wandel

RPG im Wandel: Free-Format, Web und API

Das größte Missverständnis über RPG ist, es sei auf dem Stand vergangener Jahrzehnte eingefroren. Tatsächlich hat sich die Sprache samt Plattform kontinuierlich geöffnet – hin zu freiem Format, modularer Struktur, SQL und der Anbindung an Web und Schnittstellen.

Die Modernisierung von RPG verläuft auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Auf der Sprachebene steht der Übergang zum freien Format und zu prozeduralem, modularem Code. Auf der Datenebene tritt eingebettetes SQL neben die klassische satzweise Navigation. Auf der Oberflächenebene lösen sich moderne Anwendungen vom zeichenbasierten Green Screen und präsentieren sich über Web-Oberflächen. Und auf der Integrationsebene öffnen sich RPG-Systeme über Schnittstellen für den Datenaustausch mit der übrigen IT-Welt.

Von der grünen Maske zur Web-Oberfläche

Der sichtbarste Modernisierungsschritt betrifft die Benutzeroberfläche. Klassische RPG-Anwendungen werden über zeichenbasierte 5250-Masken bedient – die vielzitierte „grüne Maske“ –, schnell und effizient für geübte Anwender, aber sperrig für neue Mitarbeiter und ungeeignet für Kunden oder Partner, die von außen zugreifen sollen. Ein zentrales Ziel vieler Projekte ist es daher, diese Oberflächen durch zeitgemäße, browserbasierte Web-Oberflächen zu ersetzen, ohne die dahinterliegende, bewährte Geschäftslogik neu schreiben zu müssen.
Der entscheidende Gedanke dabei ist die Trennung von Oberfläche und Logik. Wenn die kaufmännische Verarbeitung sauber in RPG-Prozeduren gekapselt ist, kann eine moderne Web-Oberfläche diese Logik aufrufen, ohne dass am stabilen Kern etwas geändert werden muss. Das reduziert Risiko und Aufwand erheblich: Man modernisiert das, was der Anwender sieht, und bewahrt das, was seit Jahren zuverlässig funktioniert. Genau diese Strategie steht im Zentrum vieler erfolgreicher IBM-i-Modernisierungen.

APIs: das Kernsystem öffnen

Noch weiter reicht die Öffnung über Schnittstellen und Web-Services. Moderne Systemlandschaften bestehen aus vielen Komponenten, die miteinander sprechen müssen: Webshops, Kundenportale, mobile Anwendungen, Cloud-Dienste. Ein RPG-Kernsystem, das seine Funktionen über definierte Schnittstellen (APIs) bereitstellt, wird vom isolierten Silo zum integrierten Herzstück einer modernen Architektur. Bestellungen aus dem Webshop landen direkt im Kernsystem, Bestände werden in Echtzeit zurückgemeldet, und andere Systeme greifen kontrolliert auf die zentrale Datenbasis zu.
Diese Integrationsfähigkeit ist für den Mittelstand strategisch bedeutsam, weil sie den Investitionsschutz mit Zukunftsfähigkeit verbindet. Das bewährte RPG-System bleibt der verlässliche Kern, wird aber anschlussfähig für neue Geschäftsmodelle und digitale Kanäle. Voraussetzung ist auch hier eine saubere Modularisierung: Nur klar gekapselte Logik lässt sich sinnvoll als Schnittstelle nach außen anbieten. Die Modernisierung der Sprache und die Öffnung des Systems greifen damit unmittelbar ineinander.
Der Leitgedanke der Modernisierung

Erfolgreiche RPG-Modernisierung folgt fast immer dem Prinzip Kern bewahren, Oberfläche und Schnittstellen erneuern. Man kapselt die bewährte Geschäftslogik, öffnet sie über Web und APIs und ersetzt die grüne Maske schrittweise – statt das Kernsystem riskant und teuer komplett neu zu bauen.

Kapitel 07 · Abgrenzung & Zusammenspiel

RPG im Vergleich und Zusammenspiel

RPG wird oft mit anderen etablierten Geschäfts- und Programmiersprachen verwechselt oder verglichen. Der ehrliche Blick auf COBOL, Java und SQL zeigt, wo RPG seinen eigenen Platz hat – und wie es im Zusammenspiel mit modernen Sprachen seine Stärken behält. Diese Einordnung ist herstellerneutral und stammt aus unserer Beratungspraxis.

Aspekt RPG COBOL Java SQL
Plattformbindung IBM i (fest) Mainframe-nah Plattformneutral Datenbanknah
Kaufmännische Kernsysteme Führend (IBM i) Führend (Mainframe) Möglich Ergänzend
Datenbank-Integration Sehr tief Über Zusatz Über Schichten Die DB-Sprache
Web & moderne Oberflächen Über Modernisierung Über Modernisierung Stark Nicht dafür
Fachkräfte-Verfügbarkeit Knapp Knapp Sehr breit Sehr breit
Langlebigkeit / Stabilität Sehr hoch Sehr hoch Hoch Sehr hoch
Sweet Spot Kernsysteme auf IBM i Großrechner-Kernsysteme Plattformneutrale Anwendungen Datenzugriff & Abfragen

RPG versus COBOL: verwandte Idee, andere Welt

RPG und COBOL werden häufig in einem Atemzug genannt, weil beide klassische kaufmännische Sprachen mit langer Geschichte sind und beide große Bestände geschäftskritischer Anwendungen tragen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Plattformwelt: COBOL ist eng mit der Großrechner-Welt (Mainframe) und deren Ökosystem verbunden, während RPG das Kind der IBM-i-Plattform ist. Beide teilen den Fokus auf zuverlässige Massenverarbeitung, leben aber in unterschiedlichen technischen Umgebungen mit eigenen Werkzeugen, Datenbanken und Kulturen.
Für Unternehmen ist die Unterscheidung praktisch relevant, weil sich Fachkräfte, Werkzeuge und Modernisierungswege unterscheiden. Ein COBOL-Entwickler ist nicht automatisch ein RPG-Entwickler und umgekehrt. Wer eine Sprache im Haus hat, sollte deren spezifisches Ökosystem verstehen, statt Erkenntnisse pauschal zu übertragen. Gemeinsam ist beiden Welten allerdings die zentrale strategische Herausforderung: eine alternde Entwicklergeneration und die Frage nach dem Nachwuchs.

RPG mit Java und SQL: Arbeitsteilung statt Konkurrenz

Im Verhältnis zu Java und SQL steht RPG weniger in Konkurrenz als in einer sinnvollen Arbeitsteilung. SQL ist heute in der IBM-i-Welt der etablierte Weg des Datenzugriffs und wird direkt in RPG eingebettet – RPG liefert die Ablauf- und Geschäftslogik, SQL den flexiblen, mengenorientierten Zugriff auf die Datenbank. Diese Kombination ist der moderne Standard und verbindet die Stärken beider Sprachen, statt sie gegeneinander auszuspielen.
Java wiederum kommt dort ins Spiel, wo plattformneutrale Komponenten, moderne Web-Oberflächen oder die Integration mit anderen Systemen gefragt sind. In vielen modernisierten IBM-i-Landschaften übernimmt RPG weiterhin die stabile kaufmännische Kernverarbeitung, während Java oder andere moderne Sprachen die Oberflächen, Schnittstellen und Integrationsschichten bilden. Diese hybride Architektur – bewährter RPG-Kern, moderne Peripherie – ist in der Praxis häufig der wirtschaftlich sinnvollste Weg. Die Sprachen ergänzen sich, jede in ihrer Stärke.
Stärken
  • Extrem stabil und langlebig im produktiven Betrieb
  • Tiefe Integration mit IBM i und DB2 for i
  • Sehr effizient bei kaufmännischer Massenverarbeitung
  • Hoher Investitionsschutz durch Abwärtskompatibilität
  • Modernes freies Format und prozedurale Struktur (ILE)
  • Eingebettetes SQL für flexiblen Datenzugriff
  • Bildet jahrzehntelanges Prozesswissen zuverlässig ab
  • Wartungsarme, sichere Gesamtplattform
  • Öffenbar über Web-Oberflächen und Schnittstellen
  • Sehr geringer Administrationsaufwand im Betrieb
Einschränkungen
  • Feste Bindung an die proprietäre IBM-i-Plattform
  • Knappe und alternde Entwicklerbasis
  • Wenig Nachwuchs, geringe Verbreitung an Hochschulen
  • Alter Fixed-Format-Code schwer lesbar und wartbar
  • Kleines Ökosystem im Vergleich zu Allzwecksprachen
  • Kein Werkzeug für Web-Frontend oder allgemeine Software
  • Plattform- und Lizenzkosten des Herstellers
  • Heterogener Bestand aus mehreren Sprachgenerationen
  • Modernisierung erfordert Planung und Know-how
  • Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller
Kapitel 08 · Einsatz & Fachkräfte im Mittelstand

RPG im deutschen Mittelstand

Kaum eine Sprache ist im DACH-Mittelstand so präsent und zugleich so wenig sichtbar wie RPG. Viele Unternehmen betreiben zentrale kaufmännische Systeme auf IBM i, ohne dies nach außen zu tragen. Genau daraus ergeben sich die entscheidenden Praxisfragen: Fachkräfte, Wissenssicherung und der richtige Umgang mit einem bewährten Kern.

Wie verbreitet RPG wirklich ist

Die IBM-i-Plattform hat gerade im gehobenen Mittelstand eine große, stille Verbreitung. Zahlreiche Handels-, Fertigungs-, Logistik- und Versicherungsunternehmen im deutschsprachigen Raum betreiben ihre operativen Kernsysteme seit Jahrzehnten auf dieser Plattform – häufig als Herzstück, ohne das kein Auftrag erfasst und keine Rechnung geschrieben würde. Konkrete Verbreitungszahlen schwanken je nach Quelle und Branche; unstrittig ist, dass RPG im Mittelstand weit mehr als eine Rand-Technologie ist.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Während in der öffentlichen Debatte moderne Sprachen dominieren, arbeiten im Hintergrund vieler erfolgreicher Mittelständler weiterhin RPG-Systeme zuverlässig ihre Transaktionen ab. Diese Unsichtbarkeit ist zugleich ein Risiko: Weil die Systeme so klaglos funktionieren, gerät leicht in Vergessenheit, wie kritisch sie sind – und wie abhängig das Unternehmen von wenigen Menschen ist, die sie noch verstehen.

Die Fachkräftefrage als Kernthema

Das mit Abstand wichtigste strategische Thema rund um RPG ist die Verfügbarkeit von Fachkräften. Viele erfahrene RPG-Entwickler sind seit Jahrzehnten im Beruf und nähern sich dem Ruhestand, während nur wenige junge Entwickler nachrücken – RPG wird an Hochschulen kaum gelehrt und hat außerhalb der IBM-i-Welt geringe Sichtbarkeit. Daraus entsteht für viele Unternehmen ein reales Risiko: Das Wissen über geschäftskritische Systeme hängt an einer schrumpfenden Zahl von Personen.
Dieses Risiko lässt sich nicht wegdiskutieren, aber es lässt sich gestalten. Mögliche Wege sind der gezielte Wissenstransfer von erfahrenen auf jüngere Mitarbeiter, die Modernisierung des Codes hin zu freiem Format, das für Nachwuchskräfte zugänglicher ist, die Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern sowie eine bewusste Entscheidung, welche Systeme langfristig auf RPG bleiben und welche schrittweise abgelöst werden. Entscheidend ist, das Thema aktiv anzugehen, bevor der Ruhestand eines Schlüsselmitarbeiters es akut werden lässt.

Wissenssicherung und Governance

Eng mit der Fachkräftefrage verbunden ist die Sicherung des in den Systemen steckenden Wissens. In vielen gewachsenen RPG-Landschaften ist die Dokumentation lückenhaft, und entscheidende Zusammenhänge existieren nur in den Köpfen einzelner. Wenn diese Personen das Unternehmen verlassen, droht der Verlust von Wissen, das für Betrieb und Weiterentwicklung unverzichtbar ist. Eine strukturierte Bestandsaufnahme – welche Programme existieren, was sie tun, wie sie zusammenhängen – ist daher oft der erste sinnvolle Schritt.
Die Gegenmaßnahme ist pragmatische Governance: den Bestand inventarisieren, kritische Programme dokumentieren, Verantwortlichkeiten klären und den Code in einen wartbaren Zustand überführen. Gerade im Mittelstand, wo Wissen häufig an einzelnen Personen hängt, ist diese Disziplin die beste Versicherung gegen teure Abhängigkeiten. Sie schafft zugleich die Grundlage für jede fundierte Entscheidung darüber, ob und wie modernisiert oder abgelöst werden soll.
Praxis-Hinweis

Das dringendste RPG-Thema im Mittelstand ist selten die Technik, sondern die Fachkräfte- und Wissensfrage. Wer ein geschäftskritisches IBM-i-System betreibt, sollte frühzeitig eine Bestandsaufnahme machen, Wissen dokumentieren und einen realistischen Plan für Nachwuchs, Modernisierung oder Ablösung fassen – bevor der Ruhestand eines Schlüsselmenschen die Sache erzwingt.

Kapitel 09 · Modernisierungsstrategien & Zukunft

Modernisierungsstrategien und Zukunft

Die zentrale Frage lautet selten, ob ein RPG-System modernisiert werden sollte, sondern wie. Zwischen dem riskanten Komplettneubau und dem gefährlichen Nichtstun liegt ein breites Feld pragmatischer Strategien. Dieser Abschnitt ordnet sie ein – mit dem Hinweis, dass vertragliche und lizenzrechtliche Fragen keine Rechtsberatung ersetzen.

Die drei grundsätzlichen Wege

Im Kern stehen Unternehmen vor drei Grundoptionen. Der erste Weg ist Bewahren und behutsam öffnen: Das RPG-Kernsystem bleibt, wird aber modernisiert – freies Format, SQL, Web-Oberflächen und Schnittstellen. Dieser Weg schont die Investition, sichert das Prozesswissen und ist meist der risikoärmste. Der zweite Weg ist die schrittweise Ablösung: Einzelne Funktionsbereiche werden nach und nach durch moderne Systeme ersetzt, während der Kern zunächst weiterläuft. Der dritte Weg ist die vollständige Ablösung durch eine Standardsoftware oder Neuentwicklung – der größte Umbau mit dem höchsten Risiko, aber auch der klarste Schnitt.
Welcher Weg der richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab: Zustand und Kritikalität des Bestands, verfügbarem Wissen, Fachkräftesituation, Budget und strategischer Ausrichtung. In unserer Erfahrung wird die Komplettablösung häufig überschätzt und der Weg des behutsamen Modernisierens unterschätzt. Ein funktionierendes, gepflegtes RPG-System einfach wegzuwerfen, weil es alt ist, vernichtet oft Werte, ohne einen entsprechenden Nutzen zu schaffen. Umgekehrt ist blindes Weiterlaufenlassen ohne Modernisierung ein schleichendes Risiko.

Warum die Radikallösung selten die beste ist

Die Verlockung eines kompletten Neubaus ist groß: ein sauberes, modernes System ohne die Altlasten von Jahrzehnten. In der Praxis scheitern solche Großprojekte jedoch häufig oder werden deutlich teurer und langwieriger als geplant – vor allem, weil das in den Altsystemen steckende Prozesswissen unterschätzt wird. Jede Sonderregel, die im RPG-Code abgebildet ist, muss im neuen System korrekt nachgebildet werden, und genau hier liegen die versteckten Kosten und Risiken.
Deshalb plädieren wir in den meisten Fällen für einen evolutionären statt revolutionären Ansatz: den bewährten Kern erhalten, ihn modernisieren und öffnen, und Ablösungen – wenn überhaupt – schrittweise und beherrschbar vollziehen. Dieser Weg hält das Unternehmen jederzeit handlungsfähig, verteilt Risiko und Aufwand über die Zeit und bewahrt das wertvolle Prozesswissen. Am Ende steht oft eine hybride Landschaft mit stabilem RPG-Kern und moderner Peripherie – kein Kompromiss, sondern eine bewusste, wirtschaftlich sinnvolle Architektur.

Die Zukunft der Plattform

IBM entwickelt die Plattform IBM i und die Sprache RPG weiter und bekennt sich zu langfristiger Unterstützung und Abwärtskompatibilität. Das gibt Unternehmen Planungssicherheit: RPG-Systeme werden nicht über Nacht funktionsunfähig, und Investitionen in ihre Modernisierung sind nicht vergeblich. Der konkrete Umfang und die Roadmap der Herstellerunterstützung sollten jedoch stets am aktuellen Stand geprüft werden, da sich Produktstrategien über die Zeit ändern können.
Zugleich bleibt die strukturelle Herausforderung bestehen: die begrenzte Fachkräftebasis und die proprietäre Plattformbindung. Eine seriöse Zukunftsplanung wiegt daher den hohen Wert und die Stabilität des Bestands gegen diese langfristigen Risiken ab. Für die meisten Unternehmen mit gesunder IBM-i-Landschaft lautet die realistische Antwort nicht Ausstieg um jeden Preis, sondern bewusste Pflege, Modernisierung und ein klarer, dokumentierter Plan für den Fall, dass sich die Rahmenbedingungen ändern.
Modernisierung & Zukunft im Überblick

RPG-Systeme sind stabile Vermögenswerte, die mit der richtigen Strategie zukunftsfähig bleiben. Die wesentlichen Entscheidungsfelder lassen sich so zusammenfassen:

Grundstrategie
Kern bewahren und öffnen statt riskanter Komplettneubau
Sprache
Neuentwicklung im freien Format, Bestand gezielt überführen
Daten
Eingebettetes SQL als moderner Datenzugang etablieren
Oberfläche
Green Screen schrittweise durch Web-Oberflächen ersetzen
Fachkräfte
Wissen sichern, Nachwuchs aufbauen, Dienstleister einbinden
Verträge
Lizenz- und Plattformbindung prüfen – keine Rechtsberatung
Keine Rechtsberatung

Hinweise zu Lizenz-, Plattform- und Vertragsfragen rund um IBM i und RPG in diesem Artikel sind eine allgemeine fachliche Einordnung aus IT- und Projektsicht und keine Rechtsberatung. Die konkrete Bewertung von Herstellerverträgen, Lizenzbedingungen und rechtlichen Pflichten sollte mit fachkundiger rechtlicher Begleitung erfolgen. Die Verantwortung für den rechtskonformen Einsatz bleibt beim einsetzenden Unternehmen.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu RPG

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen rund um IBM i und RPG am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist RPG?
RPG ist eine kaufmännisch geprägte Programmiersprache von IBM, die eng mit der Plattform IBM i (früher AS/400, System/38) und deren integrierter Datenbank DB2 for i verbunden ist. Ursprünglich als zyklusbasierter Report-Generator entworfen, hat sie sich über Jahrzehnte zu einer prozeduralen, modularen Geschäftssprache (RPG IV, ILE) gewandelt. RPG trägt bis heute zahlreiche ERP-, Warenwirtschafts- und Branchensysteme, besonders im Mittelstand.
Ist RPG dasselbe wie die AS/400?
Nein, aber beides gehört untrennbar zusammen. Die AS/400 ist ein Rechnersystem beziehungsweise dessen Plattform, die sich über System/38, iSeries und System i zur heutigen IBM i weiterentwickelt hat. RPG ist die typische Anwendungssprache dieser Plattform. Umgangssprachlich sagen viele weiterhin AS/400, meinen damit aber ein aktuelles IBM-i-System, auf dem RPG-Programme laufen.
Ist RPG eine veraltete Sprache?
RPG stammt aus einer anderen Zeit, ist aber keineswegs eingefroren. Mit freiem Format, prozeduraler Struktur (ILE) und eingebettetem SQL entspricht modernes RPG weitgehend heutigen Programmierstandards. IBM entwickelt Sprache und Plattform weiter. Richtig ist, dass das Ökosystem klein und die Entwicklerbasis knapp ist. Als ablösereifes Relikt sollte man ein funktionierendes RPG-System jedoch nicht pauschal betrachten – es ist meist ein stabiler Vermögenswert.
RPG oder COBOL – wo liegt der Unterschied?
Beide sind klassische kaufmännische Sprachen mit langer Geschichte und großen Beständen geschäftskritischer Anwendungen. Der Hauptunterschied ist die Plattformwelt: COBOL ist eng mit der Großrechner-Welt (Mainframe) verbunden, RPG mit der IBM-i-Plattform. Werkzeuge, Datenbanken, Fachkräfte und Modernisierungswege unterscheiden sich entsprechend. Gemeinsam ist beiden die strategische Herausforderung einer alternden Entwicklergeneration.
Kann man RPG-Systeme modernisieren, ohne sie neu zu schreiben?
Ja, und das ist meist der empfohlene Weg. Wenn die Geschäftslogik sauber in Prozeduren gekapselt ist, lassen sich moderne Web-Oberflächen und Schnittstellen darauf aufsetzen, ohne den bewährten Kern neu zu bauen. Zusätzlich kann man den Code schrittweise ins freie Format überführen und SQL einführen. Das Leitprinzip lautet: Kern bewahren, Oberfläche und Schnittstellen erneuern.
Wie problematisch ist der Fachkräftemangel bei RPG?
Er ist das wichtigste strategische Thema. Viele erfahrene RPG-Entwickler nähern sich dem Ruhestand, während wenig Nachwuchs nachrückt, da RPG kaum an Hochschulen gelehrt wird. Das Risiko lässt sich aber gestalten: durch Wissenstransfer, Modernisierung auf freies Format, Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern und eine bewusste Entscheidung, welche Systeme langfristig auf RPG bleiben. Entscheidend ist, das Thema frühzeitig aktiv anzugehen.
Wofür wird RPG typischerweise eingesetzt?
Vor allem für kaufmännische Kernsysteme: ERP und Warenwirtschaft, Finanzbuchhaltung und Fakturierung, Auftrags- und Lagerverwaltung sowie Stapelverarbeitung großer Datenmengen in nächtlichen Läufen. Dazu kommen spezialisierte Branchenlösungen in Handel, Fertigung, Logistik und Versicherung. Zunehmend dient RPG auch als integrierender Kern, der über Schnittstellen mit Webshops und Umsystemen Daten austauscht.
Was ist der Unterschied zwischen Fixed- und Free-Format?
Fixed-Format ist die klassische, spaltengebundene Schreibweise, bei der Angaben an festen Positionen der Codezeile stehen müssen – ein Erbe der Lochkarten-Ära, das schwer lesbar ist. Free-Format löst diese Bindung: Der Code wird frei und mit sprechender Struktur geschrieben, ähnlich wie in anderen modernen Sprachen. Free-Format ist der heute empfohlene Stil und wichtig für Lesbarkeit und Nachwuchsgewinnung.
Arbeitet RPG mit SQL zusammen?
Ja. Historisch griff RPG satzweise auf Dateien zu, doch heute ist eingebettetes SQL ein etablierter, oft bevorzugter Weg des Datenzugriffs auf DB2 for i. RPG liefert die Ablauf- und Geschäftslogik, SQL den flexiblen, mengenorientierten Zugriff auf die Datenbank. Diese Kombination gilt als moderner Standard und macht Datenzugriffe lesbarer und für Entwickler aus anderen Welten verständlicher.
Sollten wir unser RPG-System ablösen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt von Zustand, Kritikalität, Wissen, Fachkräftesituation und Strategie ab. In vielen Fällen ist der behutsame, evolutionäre Weg – Kern bewahren, modernisieren und öffnen – wirtschaftlich sinnvoller als ein riskanter Komplettneubau, weil Letzterer das in den Systemen steckende Prozesswissen leicht unterschätzt. Am Anfang steht immer eine ehrliche Bestandsaufnahme. Hinweise zu Verträgen und Lizenzen sind keine Rechtsberatung.

RPG & IBM i strategisch weiterdenken

Brauchen Sie eine ehrliche IBM-i-Strategie?

Wir prüfen herstellerunabhängig, wie es um Ihre RPG-Landschaft steht: Zustand und Kritikalität des Bestands, Fachkräfte- und Wissenssituation, Datenzugriff und Tooling, Modernisierung Richtung freies Format, Web und Schnittstellen sowie die realistische Abwägung zwischen Bewahren, schrittweiser Öffnung und Ablösung – pragmatisch auf den Mittelstand zugeschnitten und mit ehrlichem Blick auf COBOL, Java und SQL im Zusammenspiel.

Seit 2006 am Markt

Erfahrung aus über 100 Digitalprojekten

DSGVO & Souveränität

Datenschutz von Anfang an mitgedacht

Rückmeldung in 24 h

Schnell, direkt, unverbindlich