Der entscheidende Unterschied zu einem klassischen CRM ist der Fokus. Ein CRM verwaltet Kundenbeziehungen über deren gesamten Lebenszyklus – von der ersten Anfrage bis zur langjährigen Betreuung. lemlist konzentriert sich dagegen auf einen sehr spezifischen, aber geschäftskritischen Ausschnitt daraus: die erste Ansprache noch unbekannter Kontakte, das sogenannte Outbound oder Cold Outreach. Es ist damit kein CRM im engeren Sinne, sondern ein spezialisiertes Werkzeug, das an der Spitze des Vertriebstrichters ansetzt und typischerweise mit einem CRM zusammenarbeitet, nicht statt seiner.
Drei Eigenschaften definieren lemlist:
Um lemlist richtig einzuordnen, lohnt der Begriff „Sales Engagement“. Damit ist die aktive, strukturierte Kontaktaufnahme mit potenziellen Kunden gemeint – im Gegensatz zur passiven Verwaltung bestehender Beziehungen. Ein Sales-Engagement-Tool orchestriert, wer wann über welchen Kanal mit welcher Botschaft angesprochen wird, und misst, was funktioniert. lemlist gehört zu dieser Kategorie und richtet sich damit primär an sogenannte SDR-Teams (Sales Development Representatives), also die Vertriebsmitarbeiter, deren Aufgabe die Generierung neuer Gespräche ist.
Für den Mittelstand ist diese Einordnung wichtig, weil sie eine häufige Verwechslung auflöst. lemlist ersetzt kein HubSpot, Salesforce oder Pipedrive – es ergänzt sie. Das CRM bleibt die zentrale Datenbank für alle Kundenbeziehungen; lemlist ist das spezialisierte Werkzeug, mit dem der Vertrieb kalte Kontakte in warme Gespräche verwandelt. Wer beides verwechselt, kauft entweder ein Werkzeug zu viel oder erwartet von lemlist Funktionen, für die es nie gedacht war.
lemlist unterscheidet sich von vielen bekannten US-amerikanischen Outreach-Tools durch seine europäische Herkunft. Der Anbieter verarbeitet Daten innerhalb Europas, was im DACH-Markt aus Sicht der Datenhoheit ein handfester Vorteil sein kann – gerade bei einem Werkzeug, das naturgemäß mit personenbezogenen Kontaktdaten potenzieller Kunden arbeitet. Wir vertiefen diesen Punkt in Kapitel 09; hier sei nur festgehalten, dass die Herkunft kein reines Marketing-Argument ist, sondern in der Praxis Prüfaufwand und Restrisiko reduzieren kann.
Gleichzeitig ist die Herkunft eines Werkzeugs kein Freibrief. Cold-Email-Marketing im B2B-Bereich ist im DACH-Raum rechtlich sensibel – unabhängig davon, welches Tool eingesetzt wird. Die eingesetzte Software ist datenschutzrechtlich nur ein Baustein; die Rechtmäßigkeit der Ansprache selbst hängt an ganz anderen Fragen, die wir weiter unten behandeln.
lemlist positioniert sich bewusst als spezialisiertes Sales-Engagement-Werkzeug, nicht als Alleskönner. Es will nicht das CRM sein, nicht die Marketing-Automatisierung und nicht das Ticketsystem – es will die beste Lösung für einen klar umrissenen Job sein: kalten Kontakten personalisiert und über mehrere Kanäle nahekommen und daraus Gespräche machen. Diese Fokussierung ist eine Stärke, weil sie das Werkzeug in seiner Disziplin schärft, aber auch eine Grenze, weil vieles außerhalb dieser Disziplin schlicht nicht vorgesehen ist.
Im Markt bewegt sich lemlist zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite stehen reine, oft sehr günstige E-Mail-Versand-Tools, die kaum mehr als das Verschicken von Sequenzen können. Auf der anderen Seite stehen die großen, teuren Sales-Engagement-Suiten, die tief in Enterprise-Vertriebsprozesse eingreifen. lemlist besetzt die Mitte: mehr als ein reines Versandwerkzeug, zugänglicher und schlanker als die Enterprise-Riesen. Für den Mittelstand ist genau diese Positionierung oft der passende Zuschnitt.
Die Kostentreiber bei lemlist unterscheiden sich von einem klassischen CRM. Statt Kontakt-Staffelungen wie bei manchen Marketing-Plattformen spielen hier vor allem die Anzahl der Nutzer beziehungsweise verbundenen Postfächer, der gewünschte Funktionsumfang (reines E-Mail versus voller Multichannel) und etwaige Zusatz- und KI-Funktionen die entscheidende Rolle. Wer nur E-Mail-Sequenzen braucht, sollte nicht die Multichannel-Stufe zahlen; wer im Team arbeitet, kommt um die höheren Stufen nicht herum.
Konkrete Preise nennen wir bewusst nicht, da sich Tarifmodelle bei Software dieser Art häufig ändern und aktuelle Konditionen immer direkt beim Anbieter zu prüfen sind. Entscheidend für die Planung ist ohnehin nicht der Listenpreis einer einzelnen Lizenz, sondern die Frage, welche Ausbaustufe der tatsächliche Outbound-Prozess erfordert – und ob dieser Prozess überhaupt sauber definiert ist.
Das Herzstück von lemlist sind Sequenzen – im Werkzeug oft „Kampagnen“ genannt. Eine Sequenz ist eine vordefinierte Abfolge von Kontaktschritten: eine erste E-Mail, nach einigen Tagen ein Follow-up, vielleicht ein weiterer Kontaktversuch über einen anderen Kanal, dann eine letzte Nachricht. lemlist steuert diese Abfolge automatisch: Es versendet zum richtigen Zeitpunkt, pausiert Kontakte, die geantwortet haben, und arbeitet die Schritte für jeden Empfänger individuell ab.
Der wirtschaftliche Wert liegt in der Systematik. Ohne ein solches Werkzeug führt ein Vertriebler Follow-ups im Kopf oder in Tabellen – und vergisst regelmäßig, nachzufassen, obwohl bekannt ist, dass die meisten Abschlüsse erst nach mehreren Kontaktversuchen zustande kommen. Sequenzen stellen sicher, dass kein Kontakt durchrutscht und jeder Interessent die vorgesehene Anzahl an Berührungspunkten erhält – ohne dass der Vertriebler jeden Schritt manuell auslösen muss.
Zugleich birgt gerade diese Automatisierung ein Risiko, das wir in der Beratung immer wieder betonen: Eine schlecht durchdachte Sequenz automatisiert nur schlechten Outreach in großem Maßstab. Die Technik nimmt einem nicht die Arbeit ab, gute Botschaften zu formulieren und die richtigen Empfänger auszuwählen – sie multipliziert lediglich das, was man hineingibt.
lemlists zweite Kernfähigkeit ist die Personalisierung. Auf der einfachsten Ebene arbeitet das Werkzeug mit Variablen – Platzhaltern für Name, Firma, Position oder andere Datenfelder, die beim Versand automatisch mit den echten Werten des Empfängers gefüllt werden. Das ist heute Standard, aber lemlist geht darüber hinaus: Über bedingte Textbausteine lassen sich ganze Absätze abhängig von Merkmalen des Empfängers ein- oder ausblenden, und mit personalisierten Bildern oder Landingpages entstehen Nachrichten, die individuell wirken, obwohl sie aus einer Massenkampagne stammen.
Der Sinn dahinter ist nicht Spielerei, sondern Relevanz. Eine generische Massen-E-Mail wird als das erkannt, was sie ist, und ignoriert oder als störend empfunden. Eine erkennbar auf den Empfänger zugeschnittene Nachricht hat eine echte Chance auf Aufmerksamkeit. Aus unserer Sicht ist gute Personalisierung im Cold-Outreach kein Nice-to-have, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass die Ansprache überhaupt akzeptiert wird – technisch und im Sinne eines respektvollen Umgangs mit dem Empfänger.
Wichtig ist die Grenze: Personalisierung ersetzt keine echte Relevanz. Der Vorname im Betreff macht eine irrelevante Botschaft nicht relevant. Die stärkste Personalisierung entsteht aus gutem Zielkontakt-Research und einer echten Passung zwischen Angebot und Empfänger – das Werkzeug kann diese Passung abbilden, aber nicht erzeugen.
Die dritte Säule ist die Multichannel-Fähigkeit. Reine E-Mail-Kampagnen werden zunehmend schwieriger, weil Postfächer voll sind und die Aufmerksamkeit sinkt. lemlist verbindet deshalb die E-Mail mit weiteren Kanälen: LinkedIn-Aktionen wie das Ansehen eines Profils oder eine Kontaktanfrage lassen sich als Schritte in die Sequenz einbauen, ebenso Aufgaben für den Vertriebler, etwa ein Anruf zum passenden Zeitpunkt. So entsteht eine koordinierte Kontaktstrecke über mehrere Berührungspunkte.
Für den Mittelstand ist das relevant, weil verschiedene Zielpersonen unterschiedlich erreichbar sind. Manche reagieren auf E-Mails, andere auf LinkedIn, wieder andere erst auf einen persönlichen Anruf. Ein durchdachter Multichannel-Ansatz erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Empfänger auf dem für ihn passenden Kanal zu erreichen – vorausgesetzt, alle genutzten Kanäle werden ebenso sorgfältig und rechtskonform bespielt wie die E-Mail. Gerade LinkedIn- und Telefon-Kontaktaufnahme unterliegen im DACH-Raum eigenen Regeln, die getrennt zu prüfen sind.
lemlist bietet KI-Unterstützung beim Erstellen von Outreach-Nachrichten. Die Werkzeuge helfen dabei, Entwürfe für Sequenzen zu formulieren, Betreffzeilen vorzuschlagen, Texte umzuschreiben oder Nachrichten auf Basis von Informationen über den Empfänger stärker zu personalisieren. Für Teams, die vor dem leeren Blatt sitzen oder unter Zeitdruck viele Varianten brauchen, senkt das die Einstiegshürde spürbar und beschleunigt die Kampagnenerstellung.
In der Praxis ist der Nutzen dieser Funktionen real, aber begrenzt. KI liefert schnell einen brauchbaren ersten Entwurf, doch die besten Outreach-Nachrichten entstehen weiterhin aus echtem Verständnis für den Empfänger und einer klaren, ehrlichen Botschaft. Wir raten dazu, KI als Assistenten für den ersten Entwurf und für Varianten zu nutzen – nicht als Autopiloten, der ungeprüft ganze Kampagnen erzeugt und versendet. Der menschliche Blick auf Relevanz, Ton und Angemessenheit bleibt unverzichtbar.
Die Automatisierung in lemlist geht über das reine Versenden hinaus. Das Werkzeug kann Kampagnen zeitlich steuern, Versandzeiten über den Tag verteilen, Kontakte automatisch aus der Sequenz nehmen, sobald sie antworten, und Folgeaktionen anhand des Verhaltens auslösen. Diese Regeln nehmen dem Vertrieb repetitive Handarbeit ab und sorgen dafür, dass die Kontaktstrecke gleichmäßig und ohne Lücken abläuft.
Zugleich ist Automatisierung im Cold-Outreach ein zweischneidiges Schwert. Je mehr automatisiert wird, desto größer die Versuchung, Menge über Qualität zu stellen – und desto höher das Risiko, unpassende Empfänger in großer Zahl zu behelligen. Aus INAGRO-Sicht sollte Automatisierung immer der Entlastung von Routinearbeit dienen, nie dem blinden Hochskalieren von Volumen. Ein automatisierter, aber schlecht gezielter Outreach schadet der Absenderreputation, der Zustellbarkeit und – bei rechtlich unzulässiger Ansprache – potenziell auch dem Unternehmen selbst.
Ein weiterer Baustein moderner Outreach-Werkzeuge ist die Anreicherung von Kontaktdaten und die Recherche passender Zielkontakte – etwa das Auffinden von Ansprechpartnern und ergänzenden Informationen zu Unternehmen. lemlist bewegt sich hier in einem Umfeld, in dem solche Funktionen zunehmend erwartet werden. Wie weit der konkrete Funktionsumfang reicht und welche Datenquellen genutzt werden, ist beim Anbieter im Detail zu prüfen.
Datenschutzrechtlich ist gerade dieser Bereich heikel: Das automatisierte Sammeln und Anreichern personenbezogener Kontaktdaten berührt unmittelbar die Frage der Rechtmäßigkeit der Verarbeitung. Wer solche Funktionen nutzt, sollte die Herkunft der Daten und die eigene Rechtsgrundlage sorgfältig prüfen. Auch hier gilt: Das Werkzeug ist nur ein Baustein – die Verantwortung für rechtmäßige Datenverarbeitung liegt beim einsetzenden Unternehmen.
Der Platz von lemlist im Vertriebs-Stack ist klar umrissen: Es sitzt an der Spitze des Trichters und erzeugt aus kalten Kontakten erste Gespräche. Sobald ein Kontakt reagiert und zum echten Interessenten wird, gehört er ins CRM – dorthin, wo die gesamte Kundenbeziehung über ihren Lebenszyklus verwaltet wird. Ohne eine Verbindung zwischen beiden Systemen entsteht genau der Datensilo, den ein sauberer Vertriebsprozess vermeiden soll: Der eine Teil der Kontakthistorie liegt in lemlist, der andere im CRM, und niemand hat den Gesamtüberblick.
Deshalb ist die CRM-Anbindung aus INAGRO-Sicht kein Zusatz, sondern die Voraussetzung für den professionellen Einsatz. lemlist bietet Integrationen zu gängigen CRM-Systemen, sodass Antworten, Kontaktstatus und Ergebnisse des Outreach im CRM sichtbar werden und umgekehrt Zielkontakte aus dem CRM in Kampagnen fließen können. Ziel ist, dass ein reagierender Kontakt automatisch und sauber im CRM landet und der Vertrieb dort nahtlos weiterarbeitet.
Für die verbreiteten CRM-Systeme im Mittelstand bestehen typischerweise direkte oder über Middleware realisierbare Verbindungen. Ergänzend bietet lemlist – wie die meisten modernen Werkzeuge – eine Programmierschnittstelle (API) sowie Anbindungen über Automatisierungsplattformen, mit denen sich individuelle Datenflüsse zu weiteren Systemen aufbauen lassen. Damit ist auch dann eine Anbindung machbar, wenn keine fertige Direktintegration existiert – mit entsprechendem Umsetzungsaufwand.
In der Praxis ist die entscheidende Frage nicht, ob eine technische Verbindung möglich ist, sondern wie sauber sie in den Prozess eingebettet wird. Welche Daten fließen in welche Richtung? Ab wann gilt ein Kontakt als „übergeben“? Wie werden Dubletten vermieden? Diese Prozessfragen entscheiden über den tatsächlichen Nutzen weit mehr als die reine Existenz eines Konnektors. Wir empfehlen, die Integration von Anfang an mitzudenken und nicht als nachgelagerten technischen Schritt zu behandeln.
Am unteren Ende des Marktes stehen einfache, oft sehr günstige Werkzeuge, die im Kern nur eines tun: E-Mail-Sequenzen verschicken. Für einen einzelnen Vertriebler, der gelegentlich eine überschaubare E-Mail-Kampagne fährt und keine weiteren Kanäle braucht, kann ein solches Werkzeug ausreichen und die wirtschaftlichere Wahl sein. lemlists Stärken – tiefe Personalisierung, Multichannel, ausgeprägter Zustellbarkeits-Fokus – blieben hier ungenutzt und damit unbezahlt.
Sobald aber Personalisierung, mehrere Kanäle und ein professioneller, wiederholbarer Prozess gefragt sind, spielt lemlist seinen Vorteil aus. Die Trennlinie verläuft entlang des Anspruchs: Gelegentlicher, einfacher Versand rechtfertigt lemlist selten; ein ernsthaft betriebener Outbound-Prozess dagegen sehr wohl.
Am oberen Ende stehen umfangreiche Sales-Engagement-Plattformen, die tief in die Vertriebsprozesse großer Organisationen eingreifen, mit komplexem Reporting, ausgefeilter Steuerung und entsprechend hohen Kosten sowie Einführungsaufwand. Diese Suiten gewinnen, wenn eine große Vertriebsorganisation mit vielen Mitarbeitern hochstandardisierte Prozesse fahren und detailliert steuern muss.
Für den typischen Mittelständler sind diese Plattformen jedoch häufig überdimensioniert und zu teuer. lemlist bietet einen großen Teil des praktischen Nutzens bei deutlich geringerer Komplexität und niedrigeren Einstiegskosten. Die Faustregel: Je größer und prozesslastiger die Vertriebsorganisation, desto eher eine Enterprise-Suite; je schlanker und pragmatischer das Team, desto eher lemlist.
Viele CRM-Systeme – etwa HubSpot oder Salesforce – bringen selbst Funktionen für E-Mail-Sequenzen mit. Für Unternehmen, deren Outreach-Bedarf moderat ist und die ohnehin stark im CRM arbeiten, kann diese eingebaute Funktion ausreichen und einen zusätzlichen Vertrag ersparen. Der Vorteil liegt in der nahtlosen Datenlage: Alles bleibt im CRM, ohne Integrationsaufwand.
lemlist gewinnt dort, wo der Outbound-Prozess das Kerngeschäft des Vertriebs ist und die eingebauten CRM-Sequenzen an Grenzen stoßen – bei anspruchsvoller Personalisierung, echtem Multichannel und dem konsequenten Zustellbarkeits-Fokus. Die ehrliche Frage lautet: Ist Outbound ein Nebenschauplatz, der im CRM mitlaufen kann, oder eine ernst betriebene Kerndisziplin, die ein spezialisiertes Werkzeug verdient? Von der Antwort hängt die Entscheidung ab.
Wenn ein Thema in Outreach-Projekten regelmäßig unterschätzt wird, dann die Zustellbarkeit. Es hilft nichts, die perfekte Kampagne zu bauen, wenn die E-Mails im Spam-Ordner landen und nie gelesen werden. lemlist legt bewusst Gewicht auf dieses Thema und stellt Werkzeuge bereit, die dabei helfen – doch das technische Fundament muss vom einsetzenden Unternehmen korrekt gelegt werden. Dazu gehören eine dedizierte Versand-Domain, die korrekte Einrichtung der E-Mail-Authentifizierung und ein sorgfältiges Warm-up der Postfächer.
Ebenso wichtig ist das laufende Verhalten. Massenhafter Versand an schlecht gepflegte Listen, hohe Bounce-Raten und viele Empfänger, die eine Nachricht als Spam markieren, beschädigen die Absenderreputation nachhaltig – und eine einmal beschädigte Reputation ist mühsam wiederherzustellen. Gute Zustellbarkeit ist deshalb kein einmaliges Setup, sondern das Ergebnis von dauerhaft diszipliniertem, qualitätsorientiertem Verhalten. Wer auf Menge um jeden Preis setzt, sägt an dem Ast, auf dem der gesamte Outreach sitzt.
Ein häufiger Denkfehler ist, Outreach als abgeschlossenes Projekt zu betrachten: einmal aufgesetzt, läuft es. In Wirklichkeit ist es ein laufender Prozess, der Pflege braucht. Listen veralten, Botschaften nutzen sich ab, Kanäle verändern sich, und die Reaktionen der Empfänger liefern ständig neue Erkenntnisse. Erfolgreiche Teams behandeln Outreach wie einen Muskel, der regelmäßig trainiert wird – mit kontinuierlichem Testen, Messen und Verbessern.
Besonders wichtig ist der zuverlässige Umgang mit Abmeldungen und Widersprüchen. Wer signalisiert, nicht weiter kontaktiert werden zu wollen, muss umgehend und dauerhaft aus den Kampagnen genommen werden – das ist nicht nur eine Frage des Anstands und der Reputation, sondern im DACH-Raum auch eine rechtliche Notwendigkeit. Ein sauberer, dokumentierter Prozess für Opt-outs gehört zu jedem professionellen Outreach-Betrieb.
Aus unserer Erfahrung passt lemlist besonders gut zu Mittelständlern mit einem echten, aktiv betriebenen Outbound-Vertrieb: Unternehmen mit einem eigenen SDR- oder Vertriebsteam, das systematisch neue Kontakte anspricht, mit erklärungsbedürftigen B2B-Angeboten und einer klar umrissenen Zielgruppe, die sich sinnvoll und relevant ansprechen lässt. Auch für spezialisierte Agenturen, die Outreach als Dienstleistung erbringen, ist lemlist ein naheliegendes Werkzeug.
Weniger gut passt lemlist zu Unternehmen, die ausschließlich auf Inbound setzen und gar keinen aktiven Outbound-Prozess wollen; zu Betrieben, deren Zielgruppe sich rechtlich nur schwer kalt ansprechen lässt; und zu Organisationen ohne die Bereitschaft, in ein sauberes technisches und prozessuales Fundament zu investieren. Wer nur „schnell mal ein paar Kalt-E-Mails verschicken“ will, ohne Prozess, Zielgenauigkeit und rechtliche Prüfung, ist mit lemlist überfordert – und riskiert mehr, als er gewinnt. Diese ehrliche Eingrenzung gehört zu jeder seriösen Beratung.
In der Praxis sehen wir einen wiederkehrenden Entwicklungspfad. Unternehmen starten oft mit einem einzelnen Nutzer und reinen E-Mail-Sequenzen, um überhaupt Struktur in die bisher unsystematische Akquise zu bringen. Zeigen sich erste Erfolge und ist der Prozess eingespielt, folgt der Ausbau: mehr Personalisierung, zusätzliche Kanäle und die Aufnahme weiterer Teammitglieder in gemeinsame Kampagnen.
Mit zunehmender Reife rückt die saubere CRM-Anbindung in den Vordergrund, damit reagierende Kontakte nahtlos in die Kundenverwaltung übergehen und der gesamte Vertriebsprozess durchgängig wird. Dieser schrittweise Ausbau ist sinnvoll – wichtig ist nur, dass das rechtliche und das Zustellbarkeits-Fundament von Anfang an stimmen. Wer hier abkürzt, baut auf Sand und erlebt später schmerzhafte Rückschläge bei Reputation, Zustellrate oder – im ungünstigsten Fall – rechtlich.
Anders als bei einem Marketing-CRM mit Kontakt-Staffelung skalieren die Kosten von lemlist vor allem über die Anzahl der Nutzer und verbundenen Postfächer, den gewählten Funktionsumfang (reines E-Mail versus voller Multichannel) und etwaige Zusatz- und KI-Funktionen. Für ein einzelnes Team ist die Rechnung meist überschaubar; mit wachsender Nutzerzahl und mehr Postfächern steigt sie entsprechend. Konkrete Beträge nennen wir bewusst nicht, da sich Tarife häufig ändern – die aktuellen Konditionen sind stets direkt beim Anbieter zu prüfen.
In der Gesamtbetrachtung ist die reine Software-Lizenz ohnehin selten der größte Posten. Hinzu kommen der Aufwand für das technische Zustellbarkeits-Setup, die laufende Pflege der Kampagnen und Listen, gegebenenfalls die Beschaffung und rechtliche Prüfung von Zielkontaktdaten sowie die Zeit des Vertriebs für die Gespräche selbst. Wer nur den Lizenzpreis betrachtet, unterschätzt die tatsächlichen Kosten – und den nötigen Einsatz für einen erfolgreichen Betrieb.
Hier spielt die europäische Herkunft von lemlist ihren Vorteil aus. Als EU-Anbieter verarbeitet lemlist Daten innerhalb Europas, was die datenschutzrechtliche Bewertung gegenüber vielen US-amerikanischen Wettbewerbern vereinfacht: Der heikle Drittlandtransfer in die USA und die damit verbundenen zusätzlichen Prüf- und Absicherungspflichten entfallen oder reduzieren sich. Gerade bei einem Werkzeug, das mit personenbezogenen Kontaktdaten potenzieller Kunden arbeitet, ist das ein handfester Pluspunkt für die Datenhoheit.
Zur sauberen Nutzung gehören dennoch die üblichen Bausteine: der Abschluss eines Auftragsverarbeitungsvertrags (AVV) mit dem Anbieter, eine klare Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der Kontaktdaten, die Wahrung der Betroffenenrechte und ein zuverlässiger Prozess für Auskunft, Löschung und Widerspruch. Die EU-Herkunft erleichtert die Abwägung, ersetzt sie aber nicht – die Verantwortung als Verantwortlicher im Sinne der DSGVO bleibt beim einsetzenden Unternehmen.
Dies ist der wichtigste Abschnitt dieses Artikels – und der, bei dem die meisten Fehler passieren. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die unaufgeforderte Ansprache per E-Mail zu Werbezwecken rechtlich deutlich strenger reguliert als in vielen anderen Ländern, aus denen die Marketing-Erzählungen rund um Cold Email oft stammen. In Deutschland ist hier insbesondere das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) einschlägig, das Werbung per elektronischer Post grundsätzlich an eine vorherige, ausdrückliche Einwilligung des Empfängers knüpft – und zwar auch im B2B-Verhältnis, wenn auch mit engen, im Einzelfall zu prüfenden Ausnahmen.
Das bedeutet in der Praxis: Die verbreitete Vorstellung, man dürfe im B2B beliebig fremde Geschäftskontakte kalt anmailen, solange es „geschäftlich relevant“ sei, ist im DACH-Raum in dieser Pauschalität nicht haltbar. Ob eine konkrete Ansprache zulässig ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab – der Art des Empfängers, dem sachlichen Zusammenhang, der Datenherkunft und dem Vorliegen einer Rechtsgrundlage –, die im Einzelfall sorgfältig zu bewerten sind. Ein Werkzeug wie lemlist ändert daran nichts: Es macht den Versand technisch komfortabel, trifft aber keine Aussage über dessen rechtliche Zulässigkeit.
Der EU-Vorteil von lemlist liegt daher klar auf der Datenschutz-Ebene – Datenverarbeitung in Europa, kein Drittlandtransfer –, nicht auf der Ebene der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit der Ansprache selbst. Diese beiden Ebenen werden häufig vermischt, sind aber getrennt zu betrachten: Ein EU-Werkzeug macht die Datenverarbeitung einfacher, aber es legitimiert keine Ansprache, die nach UWG unzulässig wäre.