Wissensdatenbank · Dokumentenmanagement · DMS/ECM

DocuWare – das DMS/ECM aus Deutschland für GoBD, Workflows und E-Rechnung.

DocuWare ist eines der bekanntesten Dokumentenmanagement-Systeme aus Deutschland: Dokumente erfassen, mit OCR auslesen, verschlagworten, GoBD-konform archivieren und über automatisierte Workflows wie die Rechnungsfreigabe bearbeiten – wahlweise als Cloud oder On-Premise. Für viele Mittelständler im DACH-Raum ist DocuWare der naheliegende Einstieg in das papierlose Büro.

17 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juni 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
DocuWare
DocuWare · Germering, Deutschland
Anbieter
DocuWare (Deutschland)
Typ
DMS / ECM
Betrieb
Cloud & On-Premise
Bezug
GoBD · E-Rechnung · DATEV
Stärke
Rechnungs-Workflows, Archiv
Zielgruppe
DACH-Mittelstand
INAGRO Eignung DACH-Mittelstand
Kapitel 01 · Überblick

Was ist DocuWare – und für wen lohnt es sich?

DocuWare ist ein Dokumentenmanagement-System (DMS) mit ausgeprägtem Workflow-Fokus, das in den Bereich Enterprise-Content-Management (ECM) hineinwächst. Anbieter ist das gleichnamige Unternehmen mit Sitz in Germering bei München. Die Aufgabe ist klar umrissen: Dokumente erfassen, mit Texterkennung auslesen, verschlagworten, GoBD-konform archivieren und über automatisierte Abläufe wie die Rechnungsfreigabe bearbeiten – wahlweise als Cloud-Dienst oder als On-Premise-Installation im eigenen Rechenzentrum.

Der entscheidende Unterschied zu einem reinen Datei-Ablagesystem wie SharePoint oder einem Netzlaufwerk: Ein DMS verwaltet nicht Dateien, sondern Dokumente mit Bedeutung. Eine eingehende Rechnung ist in DocuWare nicht einfach ein PDF in einem Ordner, sondern ein Datensatz mit ausgelesenen Indexfeldern – Lieferant, Rechnungsnummer, Betrag, Fälligkeit, Kostenstelle. Auf dieser Grundlage findet das System Dokumente in Sekunden wieder, startet Freigabeprozesse und sichert die revisionssichere Aufbewahrung. Genau diese Trennung von Inhalt und Struktur macht aus einer Ablage ein Steuerungssystem für dokumentengetriebene Prozesse.
Drei Eigenschaften prägen DocuWare in der Praxis:
  • Praxisnähe im Mittelstand – DocuWare ist nicht für das Großkonzern-ECM mit zehntausenden Akten optimiert, sondern für den typischen DACH-Mittelständler mit 20 bis 1.000 Mitarbeitenden. Standardprozesse wie der Rechnungseingang lassen sich schnell und ohne tiefes Customizing produktiv setzen.
  • GoBD und Compliance ab Werk – Revisionssichere Archivierung, Unveränderbarkeit, Versionierung und ein lückenloser Audit-Trail gehören zum Kern des Produkts. Für deutsche Unternehmen, die ihre steuerrelevanten Belege ordnungsgemäß und nachvollziehbar aufbewahren müssen, ist das ein zentrales Argument.
  • Workflow-Stärke – DocuWare ist nicht nur Archiv, sondern Prozessmaschine. Freigaben, Prüfschritte, Eskalationen, Stellvertreterregelungen und Fristen werden im integrierten Workflow-Designer ohne Programmierung modelliert. Die Rechnungsfreigabe ist der Klassiker, aber bei weitem nicht das einzige Szenario.

Wo DocuWare im Markt steht

Im deutschsprachigen DMS-Markt steht DocuWare in einer Reihe mit ELO, d.velop und – auf der metadatenzentrierten Seite – M-Files. Für sehr große, hochkomplexe ECM-Landschaften ist eher OpenText der Referenzpunkt. DocuWare positioniert sich bewusst dazwischen: leistungsfähiger als eine simple Cloud-Ablage, aber pragmatischer und schneller produktiv als ein schweres Enterprise-ECM. Der typische DocuWare-Kunde sucht ein verlässliches Fundament für digitale Dokumentenprozesse, keine vollständig individuell programmierte Plattform.
Bemerkenswert ist die strategische Einbettung: DocuWare gehört seit 2019 zur Ricoh-Gruppe, agiert am Markt aber weiterhin unter eigenem Namen und mit eigener Produktstrategie. Für Anwenderinnen und Anwender bedeutet das einerseits Investitionssicherheit durch einen großen Mutterkonzern, andererseits ändert sich an der Produktwahrnehmung als deutsches DMS wenig.

Für wen sich DocuWare eignet

Die naheliegende Wahl ist DocuWare für Unternehmen, die zwei Dinge gleichzeitig brauchen: ein GoBD-konformes Archiv für ihre Belege und einen oder mehrere klar umrissene Dokumenten-Workflows, allen voran die Rechnungsfreigabe. Wer überwiegend papierbasiert arbeitet, viele Eingangsrechnungen manuell durchreicht oder seine Verträge in Aktenschränken und verstreuten Netzlaufwerken hält, findet in DocuWare einen pragmatischen Einstieg mit kurzer Amortisationszeit.
INAGRO-Einschätzung

Für den klassischen DACH-Mittelständler ist DocuWare in den meisten Fällen eine sichere, praxiserprobte DMS-Wahl – besonders dann, wenn der Rechnungseingang und die GoBD-konforme Archivierung im Vordergrund stehen. Wer dagegen extrem metadatengetrieben arbeiten will, sollte zusätzlich M-Files prüfen; wer eine sehr große, konzernweite ECM-Landschaft mit tausenden individuellen Aktenarten aufbaut, ist mit OpenText oft besser bedient. In der Mehrzahl unserer Mittelstandsprojekte beginnt der DMS-Weg jedoch mit einem klar abgegrenzten Use-Case – und DocuWare ist dafür ein verlässliches Fundament.

Kapitel 02 · Kernfunktionen

Die Kernfunktionen von DocuWare

Hinter dem schlichten Begriff DMS steht ein zusammenhängender Funktionsblock: Dokumente kommen herein, werden maschinell lesbar gemacht, strukturiert abgelegt, kontrolliert verändert und am Ende ordnungsgemäß aufbewahrt. Hier die Bausteine, die in jedem DocuWare-Projekt eine Rolle spielen.

Erfassung & Import
Eingang

Dokumente gelangen per Scanner, Drucker, E-Mail-Postfach, Hotfolder, Mobile-App oder direkt aus Fachanwendungen ins System. Stapelverarbeitung und automatische Trennung mehrseitiger Scans inklusive.

QuellenScan, Mail, App, API
Batch-Scanja
Mobile Erfassungja
Aufwandgering
OCR & Datenextraktion
Auslesen

Texterkennung macht gescannte Dokumente durchsuchbar; Intelligent Indexing liest Felder wie Lieferant, Betrag oder Rechnungsnummer automatisch aus und lernt aus Korrekturen mit.

Volltext-OCRja
Felderkennungselbstlernend
Belegartentrainierbar
Qualitäthoch im Standard
Verschlagwortung & Index
Struktur

Jedes Dokument erhält Indexfelder und wird in Archiven (Dateischränken) abgelegt. Such- und Filterlogik findet Dokumente in Sekunden – über Metadaten, Volltext oder kombinierte Abfragen.

AblageArchiv/Dateischrank
SucheIndex + Volltext
Stempel/Notizenja
WiederfindenSekunden
Workflows
Prozess

Im grafischen Workflow-Designer werden Freigaben, Prüfschritte, Eskalationen und Fristen ohne Programmierung modelliert. Aufgaben landen in der persönlichen Aufgabenliste der Bearbeitenden.

DesignerNo-Code/Low-Code
Eskalationfristbasiert
Vertretungja
MobilFreigabe per App
Versionierung
Kontrolle

Änderungen an Dokumenten werden versioniert, ältere Stände bleiben nachvollziehbar erhalten. Check-out/Check-in verhindert konkurrierende Bearbeitung – wichtig bei Verträgen und Richtlinien.

Versionenvollständig
Check-in/outja
Historienachvollziehbar
Rollenrechtebasiert
Archiv & Aufbewahrung
Compliance

Revisionssicheres Langzeitarchiv mit Unveränderbarkeit, Aufbewahrungsfristen, Lösch-Sperren und vollständigem Protokoll. Die Basis für GoBD-Konformität und Audit-Sicherheit.

Unveränderbarkeitja
Fristenkonfigurierbar
Audit-Traillückenlos
BezugGoBD

Erfassung und OCR – der erste Schritt entscheidet

Jedes DMS-Projekt steht und fällt mit der Qualität der Erfassung. DocuWare bietet hier ein breites Spektrum: Papierbelege werden über Netzwerkscanner oder Multifunktionsdrucker eingezogen, digitale Dokumente kommen per überwachtem E-Mail-Postfach, Hotfolder oder direkt aus dem ERP. Die mobile App erlaubt das Abfotografieren von Belegen unterwegs – praktisch für Außendienst und Spesenquittungen. Entscheidend ist, dass schon beim Eingang die Weichen gestellt werden: Welche Belegart liegt vor, in welches Archiv gehört das Dokument, welcher Workflow soll starten.
Die Texterkennung (OCR) macht gescannte Dokumente volltextdurchsuchbar. Darüber hinaus liest die selbstlernende Komponente „Intelligent Indexing“ die relevanten Felder automatisch aus – bei einer Rechnung also Lieferant, Rechnungsnummer, Betrag, Datum und Steuerbeträge. Das System schlägt Werte vor, Bearbeitende korrigieren bei Bedarf, und die Erkennung wird mit jeder Korrektur besser. In der Praxis erreichen gut eingerichtete Systeme nach einer Lernphase eine hohe Trefferquote bei Standardbelegen. Bei sehr heterogenen oder schlecht gescannten Dokumenten bleibt jedoch manuelle Nacharbeit nötig – realistische Erwartungssteuerung gehört zum Projekt dazu.

Verschlagwortung, Suche und Versionierung

Die ausgelesenen Werte landen als Indexfelder am Dokument. Diese Felder sind das Rückgrat des Systems: Sie ermöglichen die blitzschnelle Suche, steuern Berechtigungen und liefern die Anknüpfungspunkte für Workflows. Dokumente werden in Archiven – bei DocuWare oft „Dateischränke“ genannt – organisiert, etwa getrennt nach Eingangsrechnungen, Personalakten oder Verträgen. Über Stempel, Notizen und Anmerkungen lassen sich Bearbeitungsstände sichtbar machen, ohne das Originaldokument zu verändern.
Bei veränderlichen Dokumenten – Verträgen, Richtlinien, Angeboten – sorgt die Versionierung für Nachvollziehbarkeit: Jeder Bearbeitungsstand bleibt erhalten, der Check-out/Check-in-Mechanismus verhindert, dass zwei Personen gleichzeitig in dieselbe Datei schreiben. Für steuerrelevante Belege gilt dagegen das Gegenteil: Sie werden unveränderbar archiviert. Diese Doppelnatur – kontrollierte Veränderung dort, wo nötig, Unveränderbarkeit dort, wo vorgeschrieben – ist ein Kernmerkmal eines ausgereiften DMS.
Kapitel 03 · Dokumenten-Workflows

Dokumenten-Workflows: wo DocuWare den größten Hebel hat

Das Archiv ist die Pflicht, der Workflow ist die Kür. Den wirtschaftlich spürbarsten Effekt erzielt DocuWare dort, wo Dokumente nicht nur abgelegt, sondern durch klar definierte Prozesse gesteuert werden. Drei Szenarien dominieren die Projektpraxis im Mittelstand.

Rechnungsfreigabe

Eingangsrechnungen werden erfasst, ausgelesen, sachlich und rechnerisch geprüft, nach Kostenstelle und Betrag an die richtigen Freigebenden geleitet und nach Freigabe ans ERP übergeben. Der Klassiker mit dem schnellsten Return.

Durchlaufzeit drastisch kürzer
Digitaler Posteingang

Briefe, E-Mails und Faxe laufen in einem zentralen digitalen Posteingang zusammen, werden klassifiziert und automatisch den zuständigen Abteilungen oder Sachbearbeitenden zugewiesen – ortsunabhängig und nachvollziehbar.

Keine verlorene Post mehr
Vertragsmanagement

Verträge werden zentral abgelegt, versioniert und mit Fristen versehen. Wiedervorlagen erinnern automatisch an Kündigungs- und Verlängerungstermine; Freigabeprozesse steuern Erstellung und Änderung mit Audit-Trail.

Keine verpassten Fristen

Rechnungsfreigabe – der Use-Case mit dem schnellsten Return

Der Eingangsrechnungsprozess ist in den meisten Unternehmen der lohnendste Startpunkt, weil er hochfrequent, regelbasiert und messbar ist. Im klassischen Papierprozess wandert eine Rechnung durch das Haus: Sie wird geöffnet, kopiert, auf den Schreibtisch des Prüfenden gelegt, dort liegen gelassen, gesucht, an die nächste Person weitergereicht und am Ende manuell verbucht. Durchlaufzeiten von ein bis drei Wochen sind keine Seltenheit, Skontofristen verfallen, und niemand weiß zuverlässig, wo eine bestimmte Rechnung gerade liegt.
Mit DocuWare läuft der Prozess strukturiert ab: Die Rechnung wird beim Eingang erfasst und per Intelligent Indexing ausgelesen. Anhand von Lieferant, Betrag und Kostenstelle entscheidet der Workflow automatisch, wer prüfen und freigeben muss – inklusive Wertgrenzen, ab denen eine zweite oder dritte Freigabestufe greift. Die Aufgaben erscheinen in der persönlichen Aufgabenliste; Freigaben sind auch mobil per App möglich. Bleibt eine Aufgabe liegen, eskaliert das System nach Frist automatisch an die Vertretung oder die Führungskraft. Nach finaler Freigabe werden die Buchungsdaten an das ERP oder die Finanzbuchhaltung übergeben und die Rechnung GoBD-konform archiviert.
Praxisbeobachtung

In unseren Projekten ist die Rechnungsfreigabe fast immer der Einstiegs-Use-Case – nicht, weil sie technisch besonders anspruchsvoll wäre, sondern weil der Nutzen sofort sichtbar wird: kürzere Durchlaufzeiten, genutzte Skonti, jederzeit auskunftsfähige Buchhaltung und ein Audit-Trail, der jede Prüfung übersteht. Wer hier startet, schafft Akzeptanz für die nächsten Prozesse.

Digitaler Posteingang und Vertragsmanagement

Der digitale Posteingang erweitert das Prinzip auf den gesamten Schriftverkehr. Statt dass physische Post an einem zentralen Punkt verteilt wird und elektronische Post in unzähligen Einzelpostfächern versickert, läuft alles in einem strukturierten Eingang zusammen. Dokumente werden klassifiziert, mit Eingangsstempel versehen und automatisch den zuständigen Stellen zugewiesen. Das ist besonders für verteilte Standorte und für Unternehmen mit Homeoffice-Anteil wertvoll: Der Posteingang ist nicht mehr an einen physischen Briefkasten gebunden.
Beim Vertragsmanagement spielt DocuWare seine Stärke bei Versionierung und Fristen aus. Verträge werden zentral und revisionssicher abgelegt, jede Änderung ist nachvollziehbar, und automatische Wiedervorlagen erinnern rechtzeitig an Kündigungs-, Verlängerungs- oder Preisanpassungstermine. Gerade verpasste Kündigungsfristen bei automatisch verlängernden Verträgen verursachen jährlich vermeidbare Kosten – ein Fristenmonitor zahlt sich oft schon im ersten Jahr aus. Ergänzend lassen sich Erstellungs- und Änderungsprozesse von Verträgen mit Freigaben absichern.

Weitere Workflows: HR, Bestellungen, Qualität

Über die drei Klassiker hinaus eignet sich DocuWare für eine Vielzahl weiterer dokumentengetriebener Abläufe. In der Personalabteilung bilden digitale Personalakten mit fein abgestuften Zugriffsrechten und Onboarding-Workflows einen sensiblen, aber lohnenden Anwendungsfall. Im Einkauf lassen sich Bestellanforderungen und Lieferscheine mit dem Rechnungsprozess verknüpfen, sodass ein automatischer Abgleich von Bestellung, Lieferung und Rechnung möglich wird. Im Qualitätsmanagement sorgen versionierte, freigabepflichtige Dokumente für lenkbare Verfahrensanweisungen nach Normvorgaben. Entscheidend ist in allen Fällen: Erst wenn ein Prozess klar beschrieben und stabil ist, lohnt sich seine Abbildung im System. Wie wir es intern formulieren: Ein „schlechter Prozess“ wird durch Digitalisierung nicht besser, sondern nur schneller schlecht.
Kapitel 04 · GoBD & Revisionssicherheit

GoBD und Revisionssicherheit mit DocuWare

Für deutsche Unternehmen ist die ordnungsgemäße, nachvollziehbare und unveränderbare Aufbewahrung steuerrelevanter Unterlagen kein Komfortmerkmal, sondern Pflicht. DocuWare ist von Grund auf darauf ausgelegt – die rechtssichere Umsetzung bleibt aber immer eine gemeinsame Aufgabe von System, Konfiguration und Organisation.

Die GoBD – die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff – sind ein Verwaltungsschreiben der Finanzverwaltung. Sie konkretisieren, wie steuerrelevante Dokumente und Daten elektronisch geführt und aufbewahrt werden müssen. Im Kern verlangen sie Nachvollziehbarkeit, Vollständigkeit, Richtigkeit, zeitgerechte Buchung, Ordnung, Unveränderbarkeit und maschinelle Auswertbarkeit. Ein DMS wie DocuWare liefert die technischen Werkzeuge, um diese Anforderungen zu erfüllen.

Unveränderbarkeit und Aufbewahrung

Das Herzstück der Revisionssicherheit ist die Unveränderbarkeit: Ein einmal archivierter Beleg darf nicht mehr unbemerkt verändert oder gelöscht werden. DocuWare setzt dies durch unveränderbare Archive um, in denen Dokumente schreibgeschützt abgelegt werden. Korrekturen erfolgen nicht durch Überschreiben, sondern durch nachvollziehbare Folgeversionen oder Stornobelege, sodass der ursprüngliche Stand erhalten bleibt. Ergänzend steuern Aufbewahrungsfristen den Lebenszyklus: Belege werden über die gesetzlich vorgeschriebene Dauer vorgehalten, gegen vorzeitige Löschung gesperrt und erst nach Fristablauf kontrolliert aussortiert. Ein lückenloser Audit-Trail protokolliert, wer wann was mit einem Dokument gemacht hat – die Grundlage für jede Betriebsprüfung.
Revisionssicherheit im Detail

Revisionssicherheit entsteht nicht allein aus der Software, sondern aus dem Zusammenspiel von Technik, Konfiguration und dokumentierter Organisation. Diese Bausteine gehören in jedes GoBD-Projekt:

Unveränderbarkeit
Schreibgeschützte Archive, Korrektur nur über nachvollziehbare Folgeversionen
Aufbewahrungsfristen
Konfigurierbare Fristen mit Lösch-Sperre und kontrollierter Aussortierung
Audit-Trail
Lückenlose Protokollierung aller Zugriffe und Änderungen
Verfahrensdokumentation
Beschreibung der Abläufe ist organisatorische Pflicht, kein Software-Feature
Berechtigungen
Rollenbasierte Zugriffe, getrennt nach Lesen, Bearbeiten, Archivieren
Datensicherung
Backup- und Wiederherstellungskonzept als Teil der Ordnungsmäßigkeit

Die Verfahrensdokumentation – häufig unterschätzt

Ein verbreiteter Irrtum lautet: Wenn die Software GoBD-konform ist, ist auch das Unternehmen GoBD-konform. Das stimmt so nicht. Die GoBD verlangen eine Verfahrensdokumentation, die nachvollziehbar beschreibt, wie Belege erfasst, indexiert, verarbeitet, archiviert und nach Fristablauf gelöscht werden – einschließlich der eingesetzten Systeme, Verantwortlichkeiten und internen Kontrollen. Diese Dokumentation ist eine organisatorische Aufgabe, die kein Software-Hersteller abnehmen kann. DocuWare liefert die technische Grundlage und üblicherweise Musterbausteine; die unternehmensspezifische Ausgestaltung und Pflege liegt beim Anwender. In Betriebsprüfungen ist eine fehlende oder veraltete Verfahrensdokumentation einer der häufigsten Kritikpunkte.
Keine Rechtsberatung

Dieser Abschnitt ordnet die Funktionsweise von DocuWare im Kontext der GoBD ein und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Ob Ihre konkrete Einrichtung, Ihre Aufbewahrungsfristen und Ihre Verfahrensdokumentation den Anforderungen genügen, sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung und gegebenenfalls einem auf Datenschutz und Steuerrecht spezialisierten Beratungspartner klären. Gesetze und Verwaltungsauffassungen ändern sich – maßgeblich ist immer der jeweils aktuelle Stand.

Kapitel 05 · E-Rechnung

E-Rechnung und DocuWare: ZUGFeRD und XRechnung

Mit der schrittweisen Einführung der E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich in Deutschland rückt die strukturierte elektronische Rechnung in den Mittelpunkt. Ein DMS mit Workflow-Fähigkeiten ist dafür der natürliche Verarbeitungsort – sowohl für den Empfang als auch für die spätere Archivierung.

Anders als ein eingescanntes Papier- oder PDF-Dokument ist eine E-Rechnung im rechtlichen Sinn ein strukturierter Datensatz, der maschinell ausgelesen und verarbeitet werden kann. In Deutschland haben sich zwei Formate etabliert: XRechnung, ein rein strukturiertes XML-Format, das vor allem im öffentlichen Auftragswesen verlangt wird, und ZUGFeRD, ein Hybridformat, das ein menschenlesbares PDF mit eingebetteten XML-Daten kombiniert. Beide basieren auf der europäischen Norm für die elektronische Rechnungsstellung und sind damit interoperabel.

Empfang und Verarbeitung strukturierter Rechnungen

Für den Eingang ist die Verarbeitung strukturierter Formate ein Effizienzgewinn gegenüber der klassischen OCR. Während bei einem gescannten Papierbeleg die Felder erst per Texterkennung geschätzt und kontrolliert werden müssen, liefert eine E-Rechnung die relevanten Daten – Lieferant, Beträge, Steuersätze, Zahlungsziel, Leistungspositionen – direkt als verlässliche, maschinenlesbare Werte. DocuWare kann diese Daten übernehmen und in die Indexfelder überführen, ohne dass eine fehleranfällige Erkennung dazwischensteht. Das hybride ZUGFeRD-Format hat dabei den Vorteil, dass die eingebettete PDF-Ansicht zugleich die für Menschen lesbare Belegdarstellung liefert – wichtig für die Prüfung und für die archivierte Form.
An den Empfang schließt nahtlos der bereits beschriebene Rechnungs-Workflow an: Die strukturiert ausgelesene E-Rechnung durchläuft Prüfung und Freigabe, die Buchungsdaten werden ans ERP oder an die Finanzbuchhaltung übergeben, und das Dokument wird revisionssicher archiviert. Die Kombination aus strukturiertem Empfang und vorhandenem Freigabe-Workflow ist der eigentliche Mehrwert: Die E-Rechnung wird nicht nur empfangen, sondern in einen durchgängigen, kontrollierten Prozess eingebettet.

E-Rechnungspflicht und was sie für die Archivierung bedeutet

Mit dem Inkrafttreten der Pflicht zur Annahme strukturierter E-Rechnungen im inländischen B2B-Verkehr seit Anfang 2025 müssen Unternehmen elektronische Rechnungen empfangen und verarbeiten können; die Pflicht zum Versand greift gestaffelt in den Folgejahren. Für die Aufbewahrung gilt: Eine E-Rechnung ist in ihrem strukturierten Originalformat aufzubewahren – es genügt nicht, lediglich einen Ausdruck oder eine PDF-Ansicht zu archivieren. Genau hier verbindet sich das Thema mit Kapitel 04: Das DMS muss die E-Rechnung samt ihrer maschinenlesbaren Bestandteile unveränderbar und auswertbar vorhalten. DocuWare ist als Archiv für strukturierte und hybride Rechnungsformate ausgelegt und kann diese Anforderung technisch abbilden.
Praxis-Hinweis E-Rechnung

Behandeln Sie die E-Rechnung nicht als isoliertes Format-Thema, sondern als Anlass, den gesamten Rechnungseingangsprozess zu durchdenken. Wer ohnehin einen Rechnungs-Workflow in DocuWare aufbaut, sollte den strukturierten Empfang von ZUGFeRD und XRechnung von Anfang an mitkonzipieren – und die Aufbewahrung des Originalformats mit der Steuerberatung abstimmen. So wird aus der Pflicht ein Effizienzhebel statt einer Insellösung.

Kapitel 06 · Integrationen

Integrationen: DATEV, SAP und Microsoft 365

Ein DMS entfaltet seinen Wert erst dann voll, wenn es nicht als Insel betrieben wird, sondern in die bestehende Systemlandschaft eingebettet ist. DocuWare bringt für die im DACH-Mittelstand verbreiteten Systeme Schnittstellen und Standardkonnektoren mit – die wichtigsten im Überblick.

System Anbindung Typischer Nutzen Reifegrad
DATEV Standardkonnektor Belegübergabe an die Buchhaltung, Beleg-zu-Buchung Hoch
SAP Zertifizierte Integration Belege am SAP-Buchungssatz, Archiv-Anbindung Hoch
Microsoft 365 / Outlook Add-in & Konnektor Ablage aus Outlook, Office-Dokumente, Teams Hoch
Microsoft Dynamics Konnektor Dokumente am CRM-/ERP-Datensatz Mittel bis hoch
Branchen-ERP (diverse) API / Konnektor Indexübernahme, Verlinkung zum Beleg Projektabhängig
Eigene Anwendungen REST-API Individuelle Erfassung und Abfrage Entwicklungsaufwand

DATEV-Anbindung – relevant für Steuerberatung und Buchhaltung

Für viele Mittelständler ist die DATEV-Anbindung ein entscheidendes Kriterium, weil die laufende Buchhaltung oder die Steuerberatung mit DATEV arbeitet. DocuWare ermöglicht hier die strukturierte Übergabe von Belegen und Belegdaten, sodass ausgelesene Rechnungen nicht doppelt erfasst werden müssen, sondern aus dem DMS heraus in den Buchungsprozess fließen. Der Beleg bleibt revisionssicher im DocuWare-Archiv, während die Buchung in DATEV erfolgt – mit nachvollziehbarer Verlinkung zwischen Buchungssatz und archiviertem Original. Für die Zusammenarbeit zwischen interner Buchhaltung und externem Steuerbüro reduziert das den Abstimmungsaufwand und die Medienbrüche erheblich.

SAP und ERP – Belege am richtigen Datensatz

In größeren oder produktionsnahen Mittelständlern ist häufig ein ERP wie SAP das führende System. DocuWare bietet hier eine zertifizierte Integration, durch die archivierte Dokumente direkt am passenden Buchungssatz oder Stammdatensatz erscheinen. Aus der SAP-Transaktion heraus lässt sich der zugehörige Originalbeleg aufrufen, ohne das System zu wechseln. Umgekehrt können Indexdaten aus dem ERP übernommen werden, um Dokumente automatisch korrekt zu verschlagworten. Neben SAP gilt das Prinzip auch für andere ERP- und Branchenlösungen: Über Standardkonnektoren oder die REST-API wird DocuWare zum Dokumenten-Backend, während das Fachsystem die führende Datenhaltung behält.

Microsoft 365 – Dokumente dort, wo gearbeitet wird

Da Microsoft 365 in vielen Unternehmen die tägliche Arbeitsumgebung bildet, ist die Microsoft-365-Integration besonders alltagsrelevant. Über ein Outlook-Add-in lassen sich E-Mails und Anhänge direkt aus dem Postfach revisionssicher in DocuWare ablegen – ein häufiger Reibungspunkt, weil geschäftsrelevante Korrespondenz sonst in persönlichen Postfächern verschwindet. Office-Dokumente können aus Word oder Excel heraus gespeichert und versioniert werden, und über Teams-Anbindungen wird der Zugriff auf archivierte Dokumente in den Kollaborationsalltag eingebettet. Wichtig in der Abgrenzung: Microsoft 365 und DocuWare ergänzen sich, statt zu konkurrieren – SharePoint ist eine Kollaborations- und Ablageplattform, DocuWare das revisionssichere, prozessgetriebene DMS für steuerrelevante und aktenpflichtige Dokumente.
Einordnung Integrationen

Die Faustregel aus unseren Projekten: Standardkonnektoren zu DATEV, SAP und Microsoft 365 sind ausgereift und schnell produktiv. Sobald jedoch ein individuelles Branchen-ERP oder eine Eigenentwicklung über die REST-API angebunden werden soll, entsteht Projektaufwand, der früh und ehrlich kalkuliert werden muss. Klären Sie die Integrationstiefe und die führende Datenhaltung vor dem Kauf – nicht erst in der Umsetzung.

Kapitel 07 · Betriebsmodell & Datenhoheit

Cloud vs. On-Premise und die Frage der Datenhoheit

DocuWare gibt es als Cloud-Dienst und als On-Premise-Installation. Die Wahl ist keine reine Geschmacksfrage, sondern hängt von IT-Strategie, Compliance-Anforderungen, vorhandenen Ressourcen und der gewünschten Datenhoheit ab. Beide Wege haben ihre Berechtigung.

Stärken
  • Schneller Start ohne eigene Server-Infrastruktur
  • Wartung, Updates und Backups durch den Anbieter
  • Planbare laufende Kosten im Abo-Modell
  • Ortsunabhängiger Zugriff, gut für verteilte Teams
  • Skaliert mit dem Bedarf, weniger IT-Eigenaufwand
  • EU-Hosting-Optionen für europäische Datenhaltung
Einschränkungen
  • Maximale Datenhoheit im eigenen Rechenzentrum
  • Volle Kontrolle über Infrastruktur und Updates
  • Oft gefordert bei sehr sensiblen oder regulierten Daten
  • Höherer Eigenaufwand für Betrieb und Wartung
  • Investition in Hardware und IT-Know-how nötig
  • Updates und Sicherheit liegen in eigener Verantwortung

Wann Cloud, wann On-Premise?

Für den typischen Mittelständler ohne große eigene IT-Mannschaft ist die Cloud oft der pragmatischere Weg: schneller Start, kein Server-Betrieb, Updates und Backups als Teil des Dienstes, planbare laufende Kosten. Das senkt die Einstiegshürde und verschiebt den Fokus von der Infrastruktur auf die eigentlichen Prozesse. On-Premise bleibt dort relevant, wo besondere Compliance-Vorgaben, eine bewusste Strategie maximaler Datenhoheit oder bestehende Investitionen in eigene Rechenzentren für die Inhouse-Variante sprechen. Wichtig: On-Premise bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit – es verlagert die Verantwortung für Sicherheit, Updates und Verfügbarkeit auf das eigene Haus. Wer diese Verantwortung nicht stemmen kann, ist in einer professionell betriebenen Cloud unter Umständen besser aufgehoben.

Datenhoheit, EU-Hosting und das Schrems-II-Restrisiko

Beim Thema Datenhoheit punktet DocuWare als deutscher Anbieter mit der Möglichkeit europäischer Datenhaltung. Für die Cloud-Variante existieren EU-Hosting-Optionen, sodass die Daten in europäischen Rechenzentren verarbeitet und gespeichert werden können – ein gewichtiges Argument für datenschutzbewusste deutsche Unternehmen. Dennoch gilt es, das Betreibermodell genau zu prüfen: In welcher Region liegen die Daten konkret, welche Subprozessoren sind beteiligt, und welche vertraglichen Zusicherungen gibt es. Wenn ein Cloud-Dienst auf Infrastruktur eines US-Hyperscalers aufsetzt, bleibt – wie bei vielen Cloud-Angeboten – ein gewisses Schrems-II-Restrisiko bestehen, das über Auftragsverarbeitungsvertrag, technische und organisatorische Maßnahmen sowie eine bewusste Region-Auswahl adressiert werden sollte.
Vor der Entscheidung klären

Legen Sie vor der Wahl des Betriebsmodells schriftlich fest, welche Datenkategorien Sie verarbeiten, welche Aufbewahrungs- und Compliance-Anforderungen gelten und welchen IT-Eigenaufwand Sie tragen können und wollen. Lassen Sie sich den konkreten Datenstandort, die Subprozessoren und die Backup-Konzepte vertraglich zusichern. Diese Punkte gehören in den Auftragsverarbeitungsvertrag – nicht in eine mündliche Zusage.

Kapitel 08 · Nutzen & Wirtschaftlichkeit

Nutzen und Wirtschaftlichkeit im DACH-Mittelstand

Ein DMS ist kein Selbstzweck. Der wirtschaftliche Nutzen entsteht aus kürzeren Durchlaufzeiten, geringerem manuellem Aufwand, weniger Fehlern, genutzten Skonti und der Sicherheit, in jeder Prüfung auskunftsfähig zu sein. Eine ehrliche Betrachtung trennt dabei den realistischen Nutzen vom Werbeversprechen.

Der Nutzen von DocuWare lässt sich in drei Dimensionen fassen. Erstens Zeit: Das Suchen, Kopieren, Weiterreichen und Ablegen von Papierdokumenten bindet in vielen Unternehmen erhebliche Arbeitszeit, die nach der Digitalisierung wegfällt. Zweitens Geld: Genutzte Skontofristen, vermiedene Mahngebühren, eingesparte Lager- und Papierkosten sowie geringere Fehlerquoten schlagen direkt aufs Ergebnis. Drittens Sicherheit: Die GoBD-konforme, revisionssichere Aufbewahrung und der lückenlose Audit-Trail reduzieren das Risiko bei Betriebs- und Wirtschaftsprüfungen – ein schwer zu beziffernder, aber realer Wert.

Wo der Return am schnellsten entsteht

In der Projektpraxis amortisiert sich DocuWare am schnellsten über den Rechnungseingangsprozess. Die Rechnung ist hochfrequent, der bisherige Papierprozess oft besonders ineffizient, und der Effekt ist unmittelbar messbar: Wie viele Rechnungen werden pro Monat verarbeitet, wie lange dauerte die Freigabe vorher, wie viele Skonti gingen verloren, wie viel Zeit floss in die manuelle Erfassung. Wer diese Ausgangswerte erhebt, kann den Nutzen belastbar berechnen, statt sich auf pauschale Prozentversprechen zu verlassen. Der zweite große Hebel ist die Wiederfindbarkeit: Wenn jede Auskunft, jede Reklamation und jede Prüfung in Sekunden statt in Stunden beantwortet werden kann, summiert sich der Effekt über alle Abteilungen.

Realistische Erwartungen statt Hochglanz-ROI

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Der wirtschaftliche Nutzen realisiert sich nicht durch den Kauf der Lizenz, sondern durch konsequent gelebte Prozesse. Ein DMS, das eingeführt, aber nicht durchgängig genutzt wird – weil Mitarbeitende parallel weiter Papier ablegen oder Workflows umgehen – liefert nur einen Bruchteil seines Potenzials. Der größte Kostenfaktor ist selten die Software, sondern die Einführung: Prozessaufnahme, Konfiguration, Integration, Datenmigration, Schulung und Change-Management. Diese Aufwände sollten von Anfang an realistisch geplant werden. Wer das tut und mit einem klar abgegrenzten Use-Case startet, erreicht im DACH-Mittelstand in der Regel eine überzeugende Wirtschaftlichkeit – ohne auf überzogene Versprechen angewiesen zu sein.
Wirtschaftlichkeit richtig rechnen

Statt mit pauschalen Einsparungsversprechen zu kalkulieren, empfehlen wir eine nüchterne Ist-Aufnahme: Belegvolumen, heutige Durchlaufzeiten, manuelle Erfassungszeit, verlorene Skonti, Such- und Auskunftsaufwand. Aus diesen Zahlen lässt sich der Nutzen für Ihren konkreten Fall ableiten – und gegen die Gesamtkosten aus Lizenz, Einführung und Betrieb stellen. Diese Rechnung trägt deutlich weiter als jeder Branchen-Durchschnitt.

Kapitel 09 · Einführung

Wie Sie DocuWare strukturiert einführen

Eine erfolgreiche DMS-Einführung folgt einem bewährten Muster: klein und konkret starten, einen sauberen Aktenplan aufsetzen, die Migration kontrolliert angehen und das Change-Management von Anfang an mitdenken. Wer alles auf einmal will, scheitert meist an der Komplexität.

01
Use-Case- und Prozessanalyse
Welcher Prozess soll zuerst digitalisiert werden – fast immer der Rechnungseingang? Belegvolumen, beteiligte Abteilungen, heutige Durchlaufzeiten, Schnittstellen zu ERP und DATEV sowie messbare Erfolgskriterien werden erhoben. Ein klar abgegrenzter erster Use-Case ist der wichtigste Erfolgsfaktor.
02
Aktenplan und Ablagekonzept
Bevor ein Dokument abgelegt wird, braucht es Struktur: Welche Archive (Dateischränke) gibt es, welche Indexfelder beschreiben welche Belegart, wie sehen Namens- und Berechtigungskonzept aus? Ein durchdachter Aktenplan verhindert späteres Chaos und ist die Grundlage für gute Suchergebnisse.
03
Pilot mit dem ersten Prozess
Der gewählte Use-Case wird produktiv aufgesetzt und mit einer überschaubaren Nutzergruppe getestet. OCR-Erkennung, Workflow-Logik, Berechtigungen und Integrationen werden unter realen Bedingungen erprobt und nachgeschärft, bevor breiter ausgerollt wird.
04
GoBD-Setup und Verfahrensdokumentation
Unveränderbare Archive, Aufbewahrungsfristen und Audit-Trail werden konfiguriert; parallel entsteht die Verfahrensdokumentation. Datenschutz-Themen wie Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenstandort und Berechtigungskonzept werden mit Datenschutz- und Steuerberatung abgestimmt – das ist keine Software-Aufgabe allein.
05
Migration der Bestandsdokumente
Altdokumente werden kontrolliert übernommen – aber selten alle auf einmal. Häufig bewährt sich ein „Stichtagsmodell“: Neue Belege ab Tag eins ins DMS, Altbestände nach Priorität und Aufbewahrungspflicht nachgezogen. Datenqualität und Indexierung der Altdaten entscheiden über die spätere Auffindbarkeit.
06
Schulung, Rollout und Change-Management
Mitarbeitende werden anhand realer Anwendungsfälle geschult, der Rollout erfolgt schrittweise. Entscheidend ist die Akzeptanz: Wer den Nutzen für die eigene Arbeit erlebt, nutzt das System. Anschließend werden weitere Prozesse ergänzt und der Betrieb in Governance und Reviews überführt.

Aktenplan und Migration – die unterschätzten Stolpersteine

Zwei Themen entscheiden überproportional über Erfolg oder Frust: der Aktenplan und die Migration. Ein zu fein gegliederter Aktenplan überfordert die Anwendenden und macht die Ablage mühsam; ein zu grober verschenkt die Such- und Steuerungsmöglichkeiten des Systems. Die richtige Balance entsteht aus den realen Suchbedürfnissen der Fachabteilungen, nicht am Reißbrett. Bei der Migration gilt: Nicht jedes alte Dokument muss ins neue System. Wer Altbestände unreflektiert übernimmt, importiert auch deren Unordnung. Eine bewusste Auswahl nach Aufbewahrungspflicht und tatsächlichem Nutzungswert spart Aufwand und hält das Archiv sauber.

Change-Management – der menschliche Faktor

Die größte Hürde einer DMS-Einführung ist selten technisch, sondern menschlich. Eingespielte Routinen – der Ausdruck, der Aktenordner, die persönliche E-Mail-Ablage – sind zäh. Akzeptanz entsteht, wenn Mitarbeitende den konkreten Vorteil für ihre eigene Arbeit erleben: Eine Rechnung ist sofort auffindbar, eine Freigabe geht mobil in Sekunden, eine Auskunft an Kunden ist sofort möglich. Frühe Einbindung der Fachabteilungen, Schulung an echten Beispielen und sichtbare Erfolge im Pilot sind wirksamer als jede Anweisung von oben. Ein DMS, das die Menschen ablehnen, scheitert auch bei perfekter Technik.
Realistische Zeitplanung

Eine fokussierte DocuWare-Einführung mit einem ersten Use-Case wie der Rechnungsfreigabe ist im Mittelstand in überschaubarer Zeit produktiv zu setzen. Aufwendiger werden Projekte durch tiefe ERP-Integrationen, umfangreiche Altdaten-Migration und viele parallele Prozesse. Unsere Empfehlung bleibt konstant: erst einen Prozess sauber zum Laufen bringen und Akzeptanz schaffen, dann erweitern. Wer alles gleichzeitig will, verlängert die Einführung und gefährdet die Akzeptanz.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu DocuWare

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen zu Dokumentenmanagement am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Was ist DocuWare eigentlich genau?
DocuWare ist ein Dokumentenmanagement-System (DMS) mit starkem Workflow-Fokus aus Deutschland, das in den Bereich Enterprise-Content-Management hineinreicht. Es erfasst Dokumente, liest sie per OCR aus, verschlagwortet sie, archiviert sie GoBD-konform und steuert dokumentengetriebene Prozesse wie die Rechnungsfreigabe. Betrieben wird es wahlweise als Cloud-Dienst oder als On-Premise-Installation. Zielgruppe ist vor allem der DACH-Mittelstand.
Worin unterscheidet sich DocuWare von SharePoint oder einem Netzlaufwerk?
Ein Netzlaufwerk und auch SharePoint verwalten in erster Linie Dateien in Ordnern. Ein DMS wie DocuWare verwaltet Dokumente mit strukturierten Indexdaten, revisionssicherer Archivierung, Versionierung und integrierten Workflows. Für steuerrelevante und aktenpflichtige Belege, GoBD-Konformität und Freigabeprozesse ist ein DMS gemacht – SharePoint ist eher Kollaborations- und Ablageplattform. In der Praxis ergänzen sich beide: Microsoft 365 für die tägliche Zusammenarbeit, DocuWare als revisionssicheres Dokumenten-Backend.
Macht DocuWare mein Unternehmen automatisch GoBD-konform?
Nein. DocuWare liefert die technischen Voraussetzungen für eine GoBD-konforme Aufbewahrung – Unveränderbarkeit, Aufbewahrungsfristen, Audit-Trail. GoBD-Konformität entsteht aber erst aus dem Zusammenspiel von Technik, korrekter Konfiguration und organisatorischen Maßnahmen, insbesondere einer gepflegten Verfahrensdokumentation. Diese beschreibt, wie Belege erfasst, verarbeitet, archiviert und gelöscht werden. Sie ist eine Aufgabe des Unternehmens und sollte mit der Steuerberatung abgestimmt werden. Dies ist keine Rechtsberatung.
Kann DocuWare E-Rechnungen wie ZUGFeRD und XRechnung verarbeiten?
Ja. DocuWare ist auf die Verarbeitung strukturierter und hybrider Rechnungsformate ausgelegt. Bei XRechnung (reines XML) und ZUGFeRD (PDF mit eingebettetem XML) können die strukturierten Daten direkt übernommen werden, ohne dass eine fehleranfällige OCR-Erkennung dazwischensteht. Die Rechnung durchläuft anschließend den Freigabe-Workflow und wird revisionssicher im Originalformat archiviert. Die genauen Aufbewahrungsanforderungen sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung klären.
Cloud oder On-Premise – was ist die richtige Wahl?
Das hängt von Ihrer IT-Strategie und Ihren Anforderungen ab. Die Cloud ist für viele Mittelständler pragmatischer: schneller Start, kein eigener Server-Betrieb, Updates und Backups inklusive, planbare Kosten und EU-Hosting-Optionen. On-Premise bietet maximale Datenhoheit und volle Kontrolle, verlangt aber eigenes IT-Know-how, Infrastruktur und die Verantwortung für Sicherheit und Updates. On-Premise ist nicht automatisch sicherer – es verlagert die Verantwortung ins eigene Haus.
Lässt sich DocuWare an DATEV, SAP und Microsoft 365 anbinden?
Ja. Für DATEV gibt es eine Standardanbindung zur strukturierten Belegübergabe an die Buchhaltung, für SAP eine zertifizierte Integration, durch die archivierte Belege am Buchungssatz erscheinen. Microsoft 365 wird über ein Outlook-Add-in und Konnektoren angebunden, etwa zur revisionssicheren Ablage von E-Mails. Für individuelle Branchen-ERP oder Eigenentwicklungen steht eine REST-API bereit – hier entsteht allerdings projektabhängiger Aufwand, der vorab kalkuliert werden sollte.
Wie lange dauert die Einführung und womit sollte man starten?
Eine fokussierte Einführung mit einem ersten klar abgegrenzten Use-Case – fast immer die Rechnungsfreigabe – ist im Mittelstand vergleichsweise zügig produktiv zu setzen. Aufwendiger werden Projekte durch tiefe ERP-Integrationen, große Altdaten-Migrationen und viele parallele Prozesse. Wir empfehlen, mit einem Prozess sauber zu starten, Akzeptanz zu schaffen und dann schrittweise zu erweitern. Aktenplan, Migrationsstrategie und Change-Management sind dabei wichtiger als die reine Technik.
Für wen ist DocuWare weniger geeignet?
DocuWare ist stark im Standard – Rechnungs-Workflows, GoBD-Archiv, klassische Dokumentenprozesse. Wer extrem metadatengetrieben arbeiten und Dokumente unabhängig von festen Ablagestrukturen organisieren möchte, sollte zusätzlich M-Files prüfen. Für sehr große, konzernweite ECM-Landschaften mit tausenden individuellen Aktenarten und tiefem Customizing ist häufig OpenText der passendere Referenzpunkt. Für den typischen Mittelständler mit klaren Standardprozessen ist DocuWare jedoch eine sichere Wahl.
Wo liegen meine Daten und wie steht es um den Datenschutz?
Als deutscher Anbieter bietet DocuWare europäische Datenhaltung an; für die Cloud-Variante existieren EU-Hosting-Optionen. Prüfen Sie dennoch den konkreten Datenstandort, die beteiligten Subprozessoren und die vertraglichen Zusicherungen und schließen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag ab. Setzt ein Cloud-Dienst auf US-Infrastruktur auf, bleibt ein gewisses Schrems-II-Restrisiko, das über vertragliche, technische und organisatorische Maßnahmen adressiert werden sollte. Eine verbindliche Beurteilung sollte mit Ihrem Datenschutzbeauftragten erfolgen.

Dokumentenmanagement strategisch einführen

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Von der Prozess- und Use-Case-Analyse über Aktenplan, GoBD-Setup und Integration bis zum produktiven Rollout – INAGRO begleitet Sie auf jedem Schritt Ihrer DMS-Einführung. Mit ehrlicher Beratung, Prozessverständnis und Blick für die Wirtschaftlichkeit. Pragmatisch, strukturiert und mit messbarem Ergebnis.

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