Wissensdatenbank · Kollaboration · KI im Design

Figma AI – wenn Gestaltung zur Teamdisziplin wird.

Figma ist eine im Browser laufende Plattform für Gestaltung und gemeinsames Arbeiten an visuellen Inhalten: Benutzeroberflächen, Prototypen, Whiteboards, Präsentationen, Marketingmaterial. Mit den KI-Funktionen kommt eine neue Ebene hinzu – aus einer Beschreibung entsteht ein erster Entwurf, aus Notizen ein Diagramm, aus einem Entwurf ein klickbarer Prototyp mit Code darunter. Für den Mittelstand ist das reizvoll und heikel zugleich: Ein Werkzeug, in dem Produktideen, Kundenprojekte und Markenmaterial liegen, verarbeitet ab dem Moment der KI-Nutzung Inhalte in fremden Modellen. Dieser Artikel ordnet Figma AI herstellerneutral ein: Produktfamilie, Funktionsumfang, KI-Fähigkeiten, Integrationen, die Abgrenzung zu Adobe, Sketch, Penpot und Canva sowie die Fragen, die ein US-Anbieter in einem deutschen Unternehmen aufwirft.

Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft.

27 Min. Lesezeit
Aktualisiert · September 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Figma AI
Figma, Inc. · USA, börsennotiert
Anbieter
US-Unternehmen, Vertrag meist englischsprachig
Typ
Design- und Kollaborationsplattform mit KI
Zugang
Browser sowie Anwendung für Windows und macOS
Betrieb
Nur als Dienst, kein Selbstbetrieb
Stärke
Echtzeit-Zusammenarbeit, Design-Systeme, Übergabe
Wettbewerb
Sketch, Penpot, Canva, Adobe, Framer
INAGRO Eignung Mittelstand mit digitalen Produkten
★★★★★
Kapitel 01 · Überblick

Was ist Figma AI – und warum betrifft es mehr als die Gestaltung?

Figma ist eine Plattform für visuelle Arbeit, die vollständig im Browser läuft. Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig auf derselben Fläche, sehen die Mauszeiger der anderen, kommentieren, verzweigen, versionieren. Ursprünglich für das Gestalten von Benutzeroberflächen gebaut, ist daraus eine Familie von Werkzeugen geworden: ein Whiteboard für Workshops, ein Präsentationswerkzeug, eine Umgebung für Marketingmaterial, ein Bereich für die Übergabe an die Entwicklung. Die KI-Funktionen setzen quer über diese Werkzeuge an. Sie erzeugen erste Entwürfe aus einer Beschreibung, ordnen Notizen zu Themen, schreiben Platzhaltertexte um, suchen nach ähnlichen Bausteinen im eigenen Bestand, benennen Ebenen sinnvoll und übersetzen einen Entwurf in einen klickbaren Prototyp mit dahinterliegendem Code.

Der wichtigste Satz vorweg: Figma ist längst kein Werkzeug für Designerinnen und Designer allein, sondern eine Kollaborationsplattform mit Design im Zentrum. Diese Verschiebung erklärt, warum das Thema in eine Kategorie über Kommunikation und Zusammenarbeit gehört und nicht in eine Nische für Grafikanwendungen. In den Projekten, die wir begleiten, sitzen an den Dateien Produktverantwortliche, Marketingleute, Vertriebsmitarbeitende, Entwicklerinnen und regelmäßig auch Kundschaft. Damit wird das Werkzeug zu einem Ort, an dem Produktwissen, Markenmaterial und Kundenprojekte zusammenlaufen – und jede Entscheidung über KI-Funktionen ist eine Entscheidung darüber, was mit diesen Inhalten passiert.
Drei Eigenschaften beschreiben die Plattform treffender als jede Funktionsliste:
  • Die Datei als gemeinsamer Raum – anders als bei klassischen Gestaltungsprogrammen gibt es keine Datei, die jemand lokal öffnet, bearbeitet und wieder speichert. Es gibt einen Ort, an dem alle gleichzeitig sind. Das beschleunigt Abstimmungen erheblich und verändert gleichzeitig die Frage nach Zugriffsrechten grundlegend: Wer die Verknüpfung hat, ist im Raum.
  • Das Design-System als Wiederverwendungsmaschine – Farben, Abstände, Schriftgrößen und Komponenten werden einmal definiert und überall verwendet. Wird die Definition geändert, ändert sich alles, was darauf verweist. Dieser Mechanismus ist der eigentliche wirtschaftliche Kern der Plattform und der Grund, warum sie im professionellen Umfeld so schwer zu ersetzen ist.
  • Die KI als Beschleuniger an den Rändern – die KI-Funktionen ersetzen keine Gestaltung, sondern verkürzen die unangenehmen Strecken: der erste leere Bildschirm, das Benennen von zweihundert Ebenen, das Erfinden von Beispieltexten, das Ordnen von hundert Notizzetteln nach einem Workshop. Genau dort liegt der messbare Nutzen, und genau dort sollte die Bewertung ansetzen.

Der Weg einer Idee durch die Plattform

Um zu verstehen, worüber Sie in einem Einführungsprojekt eigentlich entscheiden, hilft es, den Weg einer einzelnen Idee nachzuvollziehen. Am Anfang steht meist ein Workshop auf der Whiteboard-Fläche: Notizzettel, Skizzen, Abstimmungspunkte, ein Ablaufdiagramm. Eine KI-Funktion kann die Notizen nach Themen gruppieren und eine Zusammenfassung schreiben – was nach einer Spielerei klingt und nach einem dreistündigen Workshop mit vierzig Zetteln eine echte Arbeitsersparnis ist.
Danach wandert die Idee in eine Design-Datei. Hier entsteht die eigentliche Gestaltung: Bildschirmentwürfe, Zustände, Varianten. Die KI-Funktionen greifen an mehreren Stellen ein. Aus einer Beschreibung entsteht ein grober erster Entwurf, der als Ausgangspunkt dient und praktisch immer überarbeitet wird. Platzhaltertexte werden durch plausible Inhalte ersetzt, gekürzt, verlängert oder in eine andere Sprache übertragen. Eine Suche über den eigenen Bestand findet Komponenten, die schon existieren, statt sie ein zweites Mal zu bauen. Ebenen werden automatisch sinnvoll benannt, was die Übergabe an die Entwicklung erheblich erleichtert.
Aus dem Entwurf wird ein Prototyp: verknüpfte Bildschirme, die sich anklicken lassen wie eine fertige Anwendung. Mit den jüngeren KI-Funktionen entsteht daraus auf Wunsch ein tatsächlich funktionierender Prototyp mit Code darunter – nicht als produktionsreife Software, sondern als belastbare Grundlage für Abstimmung und Test. Zuletzt kommt die Übergabe: Der Entwicklungsbereich zeigt Maße, Abstände, Farben und Verweise auf die zugehörigen Bausteine im Quellcode und erzeugt Codefragmente für die eingesetzte Technologie.
Parallel zu diesem Weg läuft eine zweite Spur, die in Projekten oft übersehen wird: die Marketing- und Vertriebsspur. Präsentationen, Anzeigen, Messematerial, Angebotsseiten – vieles davon entsteht heute in derselben Plattform, mit KI-Unterstützung beim Erzeugen von Varianten in vielen Formaten. Dadurch landen Preislisten, Kundennamen und Produktstrategien in denselben Arbeitsbereichen wie die Gestaltung. Wer nur die Designabteilung im Blick hat, bewertet das Werkzeug also nur zur Hälfte.

Warum diese Werkzeugkategorie gerade jetzt Konjunktur hat

Kollaborative Gestaltungswerkzeuge sind kein neues Konzept, aber drei Entwicklungen haben sich verstärkt. Erstens ist die Verlagerung in den Browser abgeschlossen: Was früher an Arbeitsplatzleistung und installierte Programmversionen gebunden war, läuft heute in einer Registerkarte, und damit funktioniert Zusammenarbeit über Standorte und Unternehmensgrenzen hinweg ohne Reibung. Zweitens hat sich der Markt konsolidiert – ein wichtiger Wettbewerber aus dem Adobe-Umfeld wird nicht mehr weiterentwickelt, andere haben sich auf Teilbereiche zurückgezogen. Drittens haben generative Modelle genau die Aufgaben brauchbar automatisierbar gemacht, die in der Gestaltung am meisten Zeit ohne kreativen Gewinn kosten.
Für Unternehmen entsteht daraus eine ungewohnte Situation. Ein Werkzeug, das früher eine Beschaffungsentscheidung mit Softwareverteilung gewesen wäre, lässt sich heute von einer einzelnen Person mit einer geschäftlichen E-Mail-Adresse in fünf Minuten einrichten. In unseren Projekten ist der häufigste Erstkontakt mit Figma nicht die Anfrage aus der Geschäftsführung, sondern die Entdeckung, dass in der Organisation bereits mehrere kostenlose Arbeitsbereiche existieren, in denen Kundenprojekte liegen – angelegt von Einzelpersonen, außerhalb jeder Verwaltung, mit offenen Freigabeverknüpfungen.
Daraus folgt eine Empfehlung, die wir jeder Organisation geben, unabhängig davon, ob sie das Werkzeug einführen will: Klären Sie zuerst, ob es bereits im Einsatz ist. Ein Blick in die verbundenen Anwendungen des Identitätsdienstes, eine Abfrage bei Marketing, Produkt und Agenturpartnern und eine Suche nach vorhandenen Konten mit Unternehmensdomäne beantwortet diese Frage schnell. Erst danach ist eine sinnvolle Diskussion über Einführung, Regeln und Alternativen möglich – vorher diskutieren Sie über einen hypothetischen Zustand, während die Realität längst eine andere ist.

Für wen die Plattform passt – und wo wir abraten

Aus unserer Beratungspraxis passt Figma mit seinen KI-Funktionen besonders gut zu vier Profilen. Erstens zu Unternehmen, die eigene digitale Produkte oder Portale entwickeln und dafür eine belastbare Brücke zwischen Fachbereich, Gestaltung und Entwicklung brauchen. Zweitens zu Organisationen mit verteilten Standorten oder externen Partnern, bei denen die Abstimmung über Dateiversionen heute mehr Zeit kostet als die Arbeit selbst. Drittens zu Marketing- und Kommunikationsteams, die viele Varianten desselben Materials in unterschiedlichen Formaten benötigen und dafür bislang externe Dienstleister beauftragt haben. Viertens zu Unternehmen, die ein Erscheinungsbild endlich verbindlich machen wollen – ein gepflegtes Design-System ist der wirksamste Hebel gegen den Wildwuchs aus fünfzehn Farbtönen und acht Logovarianten.
Zurückhaltend wären wir in vier Situationen, und wir sagen das in Projekten deutlich. Wenn Ihre Gestaltungsarbeit im Kern aus Druckerzeugnissen mit hohen Anforderungen an Farbverbindlichkeit und Druckvorstufe besteht, ist die Plattform das falsche Werkzeug – dafür gibt es etablierte Alternativen, und sie werden hier nicht ersetzt. Wenn Ihre Datenschutzstrategie eine Verarbeitung außerhalb der Europäischen Union grundsätzlich ausschließt, ist die Produktfrage weitgehend entschieden, bevor sie gestellt wurde; dann gehört eine selbst betreibbare Alternative in die engere Auswahl. Wenn in Ihren Entwürfen regelmäßig echte Personendaten, Gesundheitsangaben oder Vertragsinhalte als Beispielinhalte auftauchen – und das passiert häufiger, als Projektleitungen glauben –, brauchen Sie vor der Einführung eine Regel dafür. Und wenn Ihr Bedarf im Kern aus gelegentlichen einfachen Grafiken besteht, ist eine ausgewachsene Design-Plattform deutlich mehr Werkzeug, als Ihre Aufgabe verlangt.
Die entscheidende Vorfrage

Bevor Sie Produkte vergleichen, klären Sie drei Dinge. Erstens: Welche Inhalte sollen überhaupt in die Plattform – nur Gestaltung, oder auch Produktstrategie, Kundenprojekte und Marketingpläne? Ohne diese Abgrenzung wird aus einem Design-Werkzeug eine zweite, unkontrollierte Wissensablage. Zweitens: Ist eine Verarbeitung bei einem außereuropäischen Anbieter für Ihre Organisation grundsätzlich möglich? Lautet die Antwort Nein, rücken europäische oder selbst betriebene Lösungen in den Vordergrund. Drittens: Wer entscheidet über die KI-Funktionen – und ist die Einstellung zur Verwendung Ihrer Inhalte für Modelltraining in Ihrer Vertragsstufe überhaupt zentral steuerbar? Ohne belastbare Antwort auf diese Frage sollte keine Datei angelegt werden.

Kapitel 02 · Produktfamilie & Editionen

Produktfamilie, Sitzplatztypen und die Positionierung im Markt

Figma ist kein einzelnes Produkt mehr, sondern eine Familie von Werkzeugen auf einer gemeinsamen Fläche, und die Abrechnung folgt nicht Programmen, sondern Rollen: Wer nur schaut und kommentiert, wer gestaltet, wer entwickelt. Für die Beschaffung sind drei Fragen wichtiger als der Preis: Welche Rollen brauchen welchen Zugang, ab welcher Vertragsstufe lässt sich die Organisation zentral verwalten und wo werden Datenschutz- und KI-Einstellungen überhaupt steuerbar. Preise, Rabattstaffeln, Speichergrenzen und exakte Funktionszuordnungen nennen wir bewusst nicht – sie ändern sich und hängen vom Vertragskontext ab.

Die Grundlogik ist ein Sitzplatzmodell mit unterschiedlichen Rollen, in der Regel günstiger bei jährlicher Zahlung. Das ist wirtschaftlich die wichtigste Eigenschaft des Produkts, weil sie die Kalkulation entscheidend verändert: Ein Unternehmen mit fünf gestaltenden Personen und fünfzig Beteiligten, die Entwürfe ansehen und kommentieren, zahlt nicht für fünfundfünfzig vollwertige Zugänge. Wer diese Unterscheidung im Angebot nicht korrekt abbildet, rechnet regelmäßig um ein Mehrfaches zu hoch – oder stellt fest, dass die günstige Rolle für den eigenen Anwendungsfall nicht ausreicht.
Kostenlose Nutzung
Frei / stark begrenzt
Zum Kennenlernen, nicht für den Betrieb
  • Grundfunktionen mit begrenzter Zahl an Dateien, Projekten und Mitwirkenden, eingeschränkter Versionshistorie und ohne organisationsweite Verwaltung. Sinnvoll, um die Arbeitsweise zu verstehen und einen kleinen Entwurf zu testen. Als Dauerlösung ungeeignet, weil Rechtekonzept, zentrale Nutzerverwaltung, Steuerung der KI-Einstellungen und Nachvollziehbarkeit fehlen – und weil ein privat angelegter Arbeitsbereich in Ihrer Datenschutzdokumentation nicht auftaucht.
Team-Ebene
Professional / je Sitzplatz
Für einzelne Teams mit klarem Anwendungsfall
  • Unbegrenzte Dateien und Projekte, vollständige Versionshistorie, gemeinsame Bibliotheken für Komponenten und Gestaltungsvorgaben, private Projekte mit abgestuften Rechten, Rollen für Betrachtung und Bearbeitung. Der typische Einstieg für ein Produkt- oder Marketingteam. Organisationsweite Verwaltung, feingranulare Sicherheitseinstellungen und zentrale Vorgaben über mehrere Teams hinweg sind hier in der Regel noch nicht vorgesehen.
Unternehmensebene
Organization / je Sitzplatz
Für den Einsatz über Teamgrenzen hinweg
  • Anmeldung über den zentralen Identitätsdienst, organisationsweite Bibliotheken und Gestaltungsvorgaben, Verwaltung mehrerer Teams, Einschränkung externer Freigaben, Analysen zur Nutzung von Komponenten, Steuerung von Erweiterungen sowie zentrale Steuerung datenschutzrelevanter Einstellungen einschließlich der Frage, ob Inhalte zur Modellverbesserung verwendet werden. Die praxistaugliche Ebene, sobald mehrere Bereiche arbeiten und die IT wissen muss, wer im Unternehmen gestaltet.
Enterprise-Ebene
Individuell / verhandelt
Für Anforderungen an Governance und Nachweis
  • Automatische Nutzerbereitstellung und Entziehung, mehrere Arbeitsbereiche unter einem Dach, erweiterte Protokollierung administrativer Vorgänge, feinere Rechte- und Freigabesteuerung, erweiterte Sicherheitsnachweise, individuelle Vertrags- und Supportzusagen und in der Regel die Verhandelbarkeit von Datenschutzanlagen. Für regulierte Umgebungen häufig die einzige tragfähige Ebene – und die einzige, auf der sich Fragen zur Datenregion sinnvoll stellen lassen.

Die Produktfamilie im Überblick

Unter demselben Dach liegen heute mehrere Werkzeuge, und für die Bewertung ist es wichtig, sie auseinanderzuhalten, weil Ihre Fachbereiche jeweils andere brauchen. Der Design-Bereich ist der Kern: Bildschirmentwürfe, Komponenten, Varianten, Prototypen. Das Whiteboard dient Workshops, Ablaufdiagrammen, Priorisierungen und allem, was früher auf einer Pinnwand stattfand – hier ist die Nähe zu Miro, Mural und Conceptboard am größten. Das Präsentationswerkzeug erzeugt Foliensätze auf derselben Fläche, mit denselben Komponenten und Markenvorgaben.
Hinzugekommen sind drei Bereiche, die die Plattform deutlich über Gestaltung hinaus erweitern. Ein Bereich für Marketing- und Vertriebsmaterial erzeugt aus einer Vorlage viele Varianten in unterschiedlichen Formaten und Sprachen – gedacht für Teams, die keine Gestaltungsausbildung haben, aber markenkonformes Material brauchen. Ein Bereich für Illustration bringt Vektorwerkzeuge näher an das, was man von klassischen Zeichenprogrammen erwartet. Und ein Bereich für die Umsetzung erzeugt aus Beschreibungen oder Entwürfen funktionierende, im Browser lauffähige Ergebnisse samt Code – der Bereich, der in Diskussionen die meisten Erwartungen und die meisten Missverständnisse erzeugt.
Für die Beschaffung folgt daraus eine Empfehlung: Bewerten Sie nicht die Plattform, sondern die zwei oder drei Bereiche, die Sie tatsächlich nutzen werden. Ein Mittelständler, der ein Kundenportal gestaltet und Messematerial erzeugt, braucht den Design-Bereich, das Whiteboard und den Marketingbereich – und kann alles andere ignorieren. Die Versuchung, wegen einer beeindruckenden Funktionsvielfalt zu kaufen und dann zwanzig Prozent zu nutzen, ist bei Plattformen dieser Art besonders groß.

Sitzplatztypen statt Einheitslizenz

Die Rollenlogik verdient eine genauere Betrachtung, weil sie in Angeboten oft verkürzt dargestellt wird. Vier Rollen sind in der Praxis relevant. Die betrachtende Rolle darf Dateien öffnen, ansehen, kommentieren und in der Regel Werte für die Umsetzung ablesen, aber nicht bearbeiten; sie ist typischerweise kostenfrei oder deutlich günstiger. Die mitwirkende Rolle darf auf dem Whiteboard und in Präsentationen arbeiten, nicht aber vollwertig gestalten – gedacht für Fachbereiche, die im Workshop beitragen. Die gestaltende Rolle ist der vollwertige Zugang. Die entwickelnde Rolle gibt Zugriff auf den Übergabebereich mit Codeerzeugung und Verknüpfung zum Quellcode, ohne vollwertige Gestaltungsrechte.
Diese Staffelung ist im Mittelstand ein echter Vorteil, weil sie die typische Verteilung abbildet: wenige Gestaltende, viele Beteiligte. Sie hat aber zwei Fallstricke. Der erste: Die Zuordnung erfolgt häufig automatisch, sobald eine Person eine Handlung ausführt, die ihre bisherige Rolle überschreitet – dann entsteht ein kostenpflichtiger Platz, ohne dass jemand eine Bestellung ausgelöst hat. Klären Sie, wie diese Automatik in Ihrer Vertragsstufe konfiguriert ist und wer sie freigeben muss. Der zweite: Die Grenzen zwischen den Rollen verschieben sich mit Produktänderungen. Prüfen Sie deshalb vor der Unterschrift anhand Ihrer eigenen Anwendungsfälle, welche Rolle für welche Person tatsächlich ausreicht, statt sich auf eine Tabelle zu verlassen.

Positionierung im Markt: wofür die Plattform gebaut ist

Es lohnt sich, die Positionierung ehrlich zu benennen, weil sie die Produktentscheidungen erklärt. Figma positioniert sich nicht als Zeichenprogramm für Einzelpersonen, sondern als gemeinsame Fläche für alle, die an einem digitalen Produkt oder einem Erscheinungsbild beteiligt sind. Die Gestaltung folgt dieser Logik konsequent: Alles liegt in der Cloud, alles ist teilbar, alles ist kommentierbar, alles verweist auf gemeinsame Bausteine. Wer diese Ausrichtung teilt, bekommt ein außergewöhnlich starkes Werkzeug. Wer sie nicht teilt, kämpft dauerhaft gegen die Architektur.
Für Organisationen mit ausgeprägter Datensparsamkeitskultur ist dieselbe Ausrichtung ein Problem. Ein Werkzeug, dessen Kern die gemeinsame Cloudfläche ist, lässt sich nicht durch Konfiguration in ein lokal arbeitendes Werkzeug verwandeln. Sie können Freigaben einschränken, Sie können KI-Funktionen begrenzen, Sie können Rechte fein schneiden – aber Sie ändern nicht die Bauart. Wenn Ihre Anforderung im Kern lautet, dass Gestaltungsdateien das Unternehmen nicht verlassen dürfen, dann ist ein selbst betreibbares Werkzeug die passendere Familie, nicht eine höhere Vertragsstufe dieses Produkts.
Der Bezug erfolgt üblicherweise direkt beim Anbieter über Selbstbedienung oder über ein Angebot bei größeren Mengen; im deutschsprachigen Raum gibt es zudem Partner, die Beschaffung und Einführung begleiten. Sechs Fragen gehören in jedem Fall vor die Unterschrift. Erstens die Rollenfrage: Wer braucht welchen Sitzplatz, und wie wird die automatische Höherstufung kontrolliert? Zweitens die Verwaltungsfrage: Ab welcher Ebene ist Anmeldung über Ihren Identitätsdienst möglich, und ab welcher Ebene lassen sich Konten zentral entziehen? Drittens die KI-Frage: Welche KI-Funktionen sind in Ihrer Stufe enthalten, welche kostenpflichtig, und welche lassen sich zentral abschalten? Viertens die Trainingsfrage: Ist vertraglich ausgeschlossen, dass Ihre Inhalte zur Verbesserung allgemeiner Modelle verwendet werden, und ist diese Einstellung organisationsweit durchsetzbar? Fünftens die Datenregion: Wo werden Dateien, Vorschaubilder, Kommentare und KI-Eingaben verarbeitet und gespeichert? Sechstens die Ausstiegsfrage: In welchen Formaten lassen sich Dateien, Komponenten und Verlaufsdaten exportieren, und was bleibt beim Wechsel übrig?
Der letzte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er bei Design-Systemen anders wiegt als bei Dokumenten. Ein gepflegtes Design-System ist über Jahre gewachsene Struktur, und diese Struktur ist nur teilweise in offenen Formaten abbildbar. Ein Export liefert Grafiken und Gestaltungswerte, aber nicht zwingend die Logik aus Varianten, Zuständen und Verweisen. Klären Sie deshalb früh, welcher Teil Ihres Systems bei einem Wechsel wirklich mitkommt – und halten Sie die tragenden Gestaltungswerte zusätzlich in einem neutralen Format vor, etwa als maschinenlesbare Sammlung von Gestaltungsvariablen im Quellcodeverwaltungssystem.
Keine Preise, sondern Prüfpunkte

Konkrete Preise, Rabattstaffeln, Kontingente für KI-Nutzung und exakte Funktionszuordnungen nennen wir bewusst nicht: Sie ändern sich, unterscheiden sich nach Region und Vertragsvolumen und werden bei größeren Mengen individuell vereinbart. Belastbar wird Ihre Kalkulation erst mit einem aktuellen, schriftlichen Angebot, in dem Vertragsstufe, Anzahl und Art der Sitzplätze, Behandlung reiner Lesezugriffe, Verfügbarkeit und Abschaltbarkeit der KI-Funktionen, Datenregion, Supportstufe und Vertragslaufzeit ausdrücklich benannt sind. Angaben zur Qualität der KI-Ergebnisse sollten Sie nicht aus Marktübersichten übernehmen, sondern in einem Pilotbetrieb mit Ihren eigenen Projekten prüfen.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Funktionsumfang: von der leeren Fläche bis zur Übergabe

Der Funktionsumfang gliedert sich in vier Blöcke: die gemeinsame Fläche, also Echtzeit-Bearbeitung, Kommentare und Versionen; das Gestalten selbst, also Rahmen, Komponenten, Varianten und automatische Anordnung; das System, also Bibliotheken, Variablen und Vorgaben; und die Übergabe, also Prototypen, Entwicklungsansicht und Export. Wer diese vier Blöcke trennt, schreibt eine Anforderungsliste, die trägt – und erkennt schnell, welche Blöcke er gar nicht braucht.

Die folgenden Bausteine bestimmen den praktischen Alltag. Welche davon in Ihrer Vertragsstufe verfügbar sind und in welcher Ausprägung, sollten Sie vor der Beschaffung abgleichen; der Funktionsumfang von Plattformen dieser Art verändert sich laufend.
Echtzeit-Zusammenarbeit

Mehrere Personen bearbeiten dieselbe Datei gleichzeitig, sichtbar durch farbige Zeiger und Namensschilder. Änderungen erscheinen sofort bei allen, ohne Speichern, Sperren oder Versionskonflikte.

Ende der Dateiversionen
Komponenten und Varianten

Wiederkehrende Elemente werden einmal gebaut und überall verwendet. Zustände wie aktiv, gesperrt oder ausgewählt liegen als Varianten in einem Baustein zusammen und sind über Eigenschaften umschaltbar.

Einmal bauen, überall nutzen
Automatische Anordnung

Elemente ordnen sich nach Regeln für Abstand, Ausrichtung und Umbruch selbst an. Wächst ein Text, wächst der Rahmen mit – die Grundlage dafür, dass Entwürfe auf verschiedenen Bildschirmgrößen funktionieren.

Entwürfe, die mitdenken
Bibliotheken und Variablen

Farben, Abstände, Schriftgrößen und Texte liegen als benannte Werte vor und werden zentral gepflegt. Änderungen wirken auf alle Dateien, die die Bibliothek verwenden, nach einer bestätigten Aktualisierung.

Erscheinungsbild wird verbindlich
Prototypen

Entwürfe werden durch Verknüpfungen, Überblendungen und Bedingungen zu klickbaren Abläufen. Testpersonen bedienen das Ergebnis im Browser, ohne dass eine Zeile Software entstanden ist.

Testen vor dem Bauen
Entwicklungsansicht

Maße, Abstände, Farben und Schriftwerte sind ablesbar, Bausteine lassen sich mit den entsprechenden Elementen im Quellcode verknüpfen, und für gängige Technologien entstehen Codefragmente als Ausgangspunkt.

Übergabe ohne Rückfragenschleife
Whiteboard-Fläche

Notizzettel, Diagramme, Abstimmungen, Zeitleisten und Vorlagen für Workshops. Dieselbe Fläche, dieselben Rechte, dieselbe Datei – nur ohne den Anspruch fertiger Gestaltung.

Workshop ohne Werkzeugwechsel
Erweiterungen

Ein großer Bestand an Erweiterungen deckt Spezialaufgaben ab: Diagramme, Barrierefreiheitsprüfungen, Datenanbindung, Exportformate. Erweiterungen sind Fremdsoftware mit Zugriff auf Dateiinhalte.

Große Auswahl, eigene Prüfpflicht
Kommentare und Freigabe

Rückmeldungen hängen direkt am betroffenen Element, mit Erwähnungen, Antworten und Erledigt-Status. Freigabe erfolgt über Verknüpfungen mit abgestuften Rechten – der zentrale Hebel für Datensicherheit.

Abstimmung statt E-Mail-Kette

Die gemeinsame Fläche als eigentliche Funktion

Wenn man den Funktionsumfang auf eine einzige Eigenschaft reduzieren müsste, wäre es diese: Es gibt nur eine Fassung. In klassischen Gestaltungsprozessen entsteht der größte Teil des Abstimmungsaufwands nicht durch Gestaltung, sondern durch Versionsverwaltung – welche Datei ist aktuell, welche Rückmeldung bezieht sich auf welchen Stand, wer hat welchen Kommentar eingearbeitet. Dieser Aufwand verschwindet nicht vollständig, aber er sinkt drastisch, weil alle auf denselben Stand schauen.
Das hat zwei Folgen, die in Projekten unterschätzt werden. Die erste ist kulturell: Halbfertiges wird sichtbar. Wer gewohnt ist, Entwürfe erst zu zeigen, wenn sie vorzeigbar sind, empfindet die Plattform zunächst als unangenehm. Das ist normal und lässt sich durch private Projekte und eine klare Regel entschärfen, welche Bereiche offen und welche geschützt sind. Die zweite Folge ist organisatorisch: Die Fläche zieht Inhalte an, die nicht dorthin gehören. Weil das Kommentieren so bequem ist, wandern Entscheidungen, Termine und Kundenaussagen in Kommentare – und damit in ein System, das nicht Ihre Ablage ist und keine Aufbewahrungsregel kennt. Halten Sie Entscheidungen deshalb in Ihrer Wissensablage fest, etwa in Confluence oder Notion, und nutzen Sie Kommentare für Gestaltungsrückmeldungen.

Design-Systeme: der wirtschaftliche Kern

Der Funktionsblock, der im Mittelstand am meisten Wirkung zeigt und am seltensten richtig genutzt wird, ist das Design-System. Gemeint ist eine gepflegte Sammlung aus Farben, Schriftstufen, Abständen, Symbolen und Bausteinen, auf die alle Dateien verweisen. Der Nutzen ist unmittelbar messbar: Ein neues Formular entsteht in Minuten statt in Stunden, weil Eingabefelder, Schaltflächen und Fehlermeldungen schon existieren. Eine Änderung an der Hausfarbe wirkt auf alle Dateien statt auf eine Liste von vergessenen Ausnahmen. Und die Entwicklung baut gegen benannte Werte statt gegen abgelesene Zahlen.
Der Aufwand liegt nicht im Anlegen, sondern in der Pflege. Ein Design-System braucht eine verantwortliche Person, eine Regel für Erweiterungen und eine Entscheidung darüber, wie Abweichungen behandelt werden. Ohne diese Rolle entsteht innerhalb eines Jahres das, was wir in Projekten regelmäßig vorfinden: vier Varianten derselben Schaltfläche, zwei konkurrierende Farbpaletten und eine Bibliothek, die niemand mehr aktualisiert, weil jede Aktualisierung irgendwo etwas kaputt macht. Planen Sie diese Rolle mit einem kleinen, aber verbindlichen Zeitanteil ein – sie entscheidet darüber, ob das Werkzeug Nutzen bringt oder nur Dateien produziert.

Prototyp, Übergabe und die Grenze zur Softwareentwicklung

Der letzte Funktionsblock betrifft die Brücke zur Umsetzung, und hier ist eine nüchterne Einordnung nötig. Ein Prototyp in der Plattform sieht aus wie eine fertige Anwendung, ist aber keine: Es gibt keine echten Daten, keine Rechteprüfung, keine Fehlerbehandlung, keine Anbindung an Ihre Systeme. Das ist kein Mangel, sondern der Zweck – ein Prototyp soll Annahmen prüfen, nicht Software ersetzen. In Projekten entstehen Probleme immer dann, wenn diese Grenze in der Kommunikation verschwimmt und eine Geschäftsführung nach einer beeindruckenden Vorführung annimmt, das Produkt sei fast fertig.
Für die Übergabe gilt das Umgekehrte: Sie ist besser, als viele Entwicklungsteams erwarten. Wenn Bausteine im Entwurf mit den entsprechenden Bausteinen im Quellcode verknüpft sind, sieht die Entwicklung nicht nur Maße, sondern den Namen des Elements, das sie verwenden soll. Damit verschiebt sich die Diskussion von Pixeln zu Verhalten, und genau das ist der Punkt, an dem Zusammenarbeit funktioniert. Diese Verknüpfung ist Einrichtungsaufwand und lohnt sich ab dem Moment, in dem Sie ein eigenes Produkt kontinuierlich weiterentwickeln.
Ein dritter Punkt betrifft die Barrierefreiheit. Die Plattform hilft beim Prüfen von Kontrasten, Schriftgrößen und Reihenfolgen, und Erweiterungen ergänzen das um weitere Prüfungen. Ersetzen kann das keine fachliche Prüfung, aber es verschiebt den Aufwand nach vorn – und für Unternehmen, die öffentliche Auftraggeber bedienen oder von den Anforderungen an barrierefreie Produkte betroffen sind, ist das ein konkreter, kalkulierbarer Vorteil. Nehmen Sie diese Prüfungen in Ihre Gestaltungsrichtlinie auf, statt sie am Ende der Umsetzung zu entdecken.
Kapitel 04 · KI- & Automatisierungsfunktionen

KI-Funktionen: was sie leisten und wo die Erwartung kippt

Die KI-Funktionen der Plattform verteilen sich über alle Bereiche und lassen sich in fünf Gruppen ordnen: Erzeugen von Entwürfen aus einer Beschreibung, Bearbeiten und Übersetzen von Texten, Ordnen und Zusammenfassen von Workshop-Inhalten, Suchen und Aufräumen im eigenen Bestand sowie das Erzeugen lauffähiger Ergebnisse samt Code. Der Nutzen ist in vier dieser Gruppen unstrittig und in der fünften stark vom Anwendungsfall abhängig. Was in Ihrer Vertragsstufe enthalten ist, ob Kontingente gelten und welche Funktionen sich abschalten lassen, ist beim Anbieter zu prüfen.

Vorweg eine Einordnung, die wir in jedem Projekt aussprechen: Die KI-Funktionen ersetzen keine Gestaltungskompetenz, sie verkürzen Vorlauf und Fleißarbeit. Ein erzeugter Entwurf ist ein Ausgangspunkt mit erkennbarer Handschrift generischer Muster – brauchbar, um eine Diskussion zu starten, unbrauchbar als Ergebnis. Wer die Funktionen als Ersatz für Fachleute einkauft, wird enttäuscht. Wer sie als Beschleuniger für die ersten zwanzig und die letzten zwanzig Prozent einer Aufgabe einsetzt, erlebt einen deutlichen Effekt.
Entwurf aus Beschreibung
Generativ

Aus einer Beschreibung in natürlicher Sprache entsteht ein erster Bildschirmentwurf mit Struktur, Platzhaltertexten und Bausteinen. Gedacht als Startpunkt gegen die leere Fläche, nicht als Ergebnis.

NutzenVorlauf verkürzen
GrenzeGenerische Muster
PrüfenBindung an eigenes System
Textwerkzeuge
Alltagsnutzen

Platzhalter durch plausible Inhalte ersetzen, Texte kürzen oder verlängern, Tonalität anpassen, in andere Sprachen übertragen – direkt im Entwurf, ohne Wechsel in ein anderes Werkzeug.

NutzenSehr hoch, sofort
GrenzeFachsprache prüfen
PrüfenKeine echten Kundendaten
Workshop-Auswertung
Whiteboard

Notizzettel nach Themen gruppieren, Doppelungen zusammenführen, Zusammenfassungen und Diagramme erzeugen, Vorlagen aus einer Aufgabenbeschreibung erstellen.

NutzenHoch nach Workshops
GrenzeNuancen gehen verloren
PrüfenInhalte oft personenbezogen
Suchen und Aufräumen
Bestandspflege

Ähnliche Entwürfe im eigenen Bestand finden, Ebenen automatisch sinnvoll benennen, Bildhintergründe entfernen, Symbole und Bausteine über Bedeutung statt über Dateinamen finden.

NutzenUnterschätzt hoch
GrenzeQualität nach Bestandspflege
PrüfenIndexierung der Dateien
Lauffähiges Ergebnis mit Code
Umsetzung

Aus einer Beschreibung oder einem Entwurf entsteht ein im Browser lauffähiges Ergebnis mit dahinterliegendem Code, das sich weiter per Anweisung verändern lässt.

NutzenStark für Prototypen
GrenzeKeine Produktionsreife
PrüfenWartbarkeit, Abhängigkeiten
Markenkonformes Material
Marketing

Aus einer Vorlage entstehen viele Varianten in unterschiedlichen Formaten, Sprachen und Zuschnitten – mit Bindung an Farben, Schriften und Bausteine des eigenen Erscheinungsbildes.

NutzenHoch bei Variantenlast
GrenzeFreigabe bleibt Pflicht
PrüfenBildrechte und Nutzung

Wo der Nutzen real ist – und messbar

Aus unseren Projekten lassen sich vier Stellen benennen, an denen die KI-Funktionen zuverlässig Zeit sparen. Die erste ist der erste Entwurf. Nicht weil das Ergebnis gut wäre, sondern weil die Diskussion sofort konkret wird. Ein Fachbereich, der auf einen groben Entwurf schaut, äußert innerhalb von zwei Minuten präzise Anforderungen, die er auf eine Frage hin nicht formuliert hätte. Der Entwurf ist in diesem Fall ein Gesprächsanlass, und als solcher außerordentlich wirksam.
Die zweite Stelle sind Inhalte statt Platzhalter. Entwürfe mit sinnlosen Blindtexten verführen zu Fehleinschätzungen, weil niemand sieht, dass die Produktbezeichnung in der Realität dreimal so lang ist. Plausible Inhalte, in Sekunden erzeugt und angepasst, verhindern eine ganze Klasse von späteren Überraschungen. Die dritte Stelle ist die Nachbereitung von Workshops: Das Übertragen von Notizzetteln in eine strukturierte Zusammenfassung ist eine klassische Aufgabe, die entweder Stunden kostet oder nie stattfindet. Die vierte Stelle ist das Aufräumen – automatische Benennung von Ebenen, Auffinden vorhandener Bausteine, Freistellen von Bildern. Unspektakulär, aber über ein Jahr gerechnet der größte Einzelposten.
Wir empfehlen, genau diese vier Punkte vor der Einführung zu quantifizieren, mit einer einfachen Schätzung: Wie viele Workshops pro Quartal, wie viele neue Bildschirmentwürfe pro Monat, wie viele Materialvarianten pro Kampagne? Die Rechnung braucht keine Genauigkeit auf zwei Stellen, aber sie verhindert, dass eine Entscheidung auf Begeisterung statt auf Bedarf beruht – und sie gibt Ihnen nach zwölf Monaten eine Grundlage für die Frage, ob sich der Aufpreis für KI-Funktionen gelohnt hat.

Wo die Erwartung kippt

Drei Enttäuschungen sehen wir regelmäßig, und alle drei sind vorhersehbar. Die erste betrifft die Bindung an das eigene Erscheinungsbild. Erzeugte Entwürfe greifen nicht automatisch und nicht vollständig auf Ihr Design-System zu; je nach Funktion und Einrichtung entsteht ein Ergebnis in generischer Formensprache, das anschließend auf Ihre Bausteine umgestellt werden muss. Dieser Umstellungsaufwand kann den Zeitgewinn auffressen. Prüfen Sie deshalb im Pilotbetrieb ausdrücklich, wie gut die Erzeugung mit Ihrer eigenen Bibliothek arbeitet – das ist der entscheidende Qualitätsunterschied und nicht die Schönheit der Beispielbilder.
Die zweite Enttäuschung betrifft den erzeugten Code. Lauffähige Ergebnisse aus einer Beschreibung sind beeindruckend und für Prototypen, interne Werkzeuge und Abstimmungen ausgesprochen nützlich. Als Grundlage für ein Produkt, das Sie fünf Jahre pflegen, sind sie mit Vorsicht zu behandeln: Struktur, Abhängigkeiten, Testbarkeit und Sicherheitsfragen entsprechen nicht dem, was ein Entwicklungsteam erwarten würde. Behandeln Sie solche Ergebnisse als Wegwerfmaterial mit hohem Erkenntniswert, und treffen Sie die Entscheidung über eine Weiterverwendung bewusst und dokumentiert.
Die dritte Enttäuschung betrifft deutschsprachige Inhalte und Fachsprache. Die Textwerkzeuge arbeiten in der Regel gut, aber sie kennen Ihre Branchenbegriffe nicht. In technischen Feldern mit eigener Nomenklatur – Landtechnik, Maschinenbau, Medizintechnik – entstehen Formulierungen, die plausibel klingen und fachlich falsch sind. Das ist kein Grund, auf die Funktion zu verzichten, wohl aber ein Grund für eine Regel: Erzeugte Texte für Kundschaft gehen nie ohne fachliche Freigabe hinaus. Diese Regel kostet nichts und verhindert peinliche Fehler.

Die Trainingsfrage und was Sie aktiv einstellen müssen

Der wichtigste technische Punkt in diesem Kapitel ist kein Funktionsmerkmal, sondern eine Einstellung. KI-Funktionen verarbeiten Ihre Dateiinhalte – Entwürfe, Texte, Notizen, Bilder – und dafür werden je nach Funktion Modelle von Drittanbietern genutzt. Zwei Fragen sind daran zu stellen und beide vertraglich zu beantworten. Erstens: Werden Ihre Inhalte zur Verbesserung allgemeiner Modelle verwendet? Es existieren Einstellungen dafür, und die Voreinstellung kann sich nach Vertragsstufe unterscheiden – prüfen Sie das für Ihre konkrete Stufe und lassen Sie sich den Ausschluss vertraglich zusichern, statt sich auf eine Produktseite zu verlassen. Zweitens: Wie lange speichern die beteiligten Modellanbieter Eingaben, und wo verarbeiten sie? Diese Antwort gehört in Ihre Subprozessorenliste.
Praktisch bedeutet das drei Aufgaben vor der Freigabe. Erstens die zentrale Einstellung prüfen und dokumentiert setzen, statt sie jeder einzelnen Person zu überlassen – auf niedrigen Vertragsstufen ist genau das der Fall, und damit haben Sie keine belastbare Aussage darüber, was mit Ihren Inhalten passiert. Zweitens eine Regel für sensible Inhalte: Welche Projekte dürfen mit KI-Funktionen bearbeitet werden und welche nicht? Ein Entwurf für ein noch nicht angekündigtes Produkt oder eine Anwendung mit echten Patientendaten als Beispielinhalt gehört in die zweite Gruppe. Drittens Transparenz gegenüber der Belegschaft: Welche Funktionen sind aktiv, was passiert mit Eingaben, und wo kann man nachfragen? Diese drei Aufgaben sind an einem Nachmittag erledigt und ersparen Ihnen die unangenehme Variante derselben Diskussion nach sechs Monaten.
Echte Daten gehören nicht in Entwürfe

Der häufigste vermeidbare Fehler in Design-Projekten hat nichts mit KI zu tun und wird durch KI verschärft: echte Personendaten als Beispielinhalte. Namen, Adressen, Vertragsnummern, Diagnosen und Kontostände wandern aus einer Tabelle in einen Entwurf, weil es schneller geht als das Erfinden plausibler Werte. Damit liegen personenbezogene Daten in einer Design-Datei mit weitreichenden Freigaben – und werden bei Nutzung der KI-Funktionen zusätzlich in Modellen verarbeitet. Legen Sie einen gepflegten Satz an Beispieldaten an, verankern Sie die Regel in Ihrer Gestaltungsrichtlinie und nutzen Sie die Textwerkzeuge genau dafür: plausible Inhalte erzeugen, statt echte zu kopieren.

Kapitel 05 · Integrationen & Ökosystem

Integrationen: wo die Plattform in Ihre Landschaft greift

Eine Design-Plattform entfaltet ihren Wert erst im Zusammenspiel: mit dem Chat, in dem Rückmeldungen entstehen, mit der Aufgabenverwaltung, in der Anforderungen liegen, mit der Wissensablage, in der Entscheidungen dokumentiert werden, mit dem Quellcodeverwaltungssystem, in dem die Umsetzung stattfindet, und mit dem Identitätsdienst, der Zugänge verwaltet. Die Integrationen lassen sich in fünf Gruppen ordnen – und jede Gruppe hat einen eigenen Nutzen und eine eigene Prüfpflicht.

Beginnen wir mit der wichtigsten Gruppe, weil sie nicht als Integration wahrgenommen wird: dem Identitätsdienst. Anmeldung über den zentralen Verzeichnisdienst, automatische Bereitstellung und Entziehung von Konten, Zuordnung von Rollen über Gruppen – das ist keine Komfortfunktion, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Werkzeug überhaupt in Ihre Systemlandschaft gehört. Solange sich Beschäftigte mit eigenen Kennungen anmelden, weiß Ihre IT nicht, wer Zugriff auf Kundenprojekte hat, kann Konten beim Austritt nicht zuverlässig schließen und hat keinen Zugriff auf Inhalte, die im Unternehmensinteresse entstanden sind. In welcher Vertragsstufe diese Funktionen liegen, entscheidet damit über die Ebene, unabhängig von allen Gestaltungsfunktionen.

Chat, Aufgaben und Wissensablage

Die zweite Gruppe verbindet die Design-Fläche mit den Orten, an denen Ihre Organisation kommuniziert. Anbindungen an Chatsysteme wie Slack oder Microsoft Teams sorgen dafür, dass geteilte Verknüpfungen als Vorschau erscheinen und Kommentare als Nachricht ankommen. Das klingt klein und hat eine große Wirkung: Rückmeldungen landen dort, wo die Beteiligten ohnehin arbeiten, statt in einer E-Mail-Benachrichtigung, die niemand liest. Umgekehrt entsteht daraus eine Nebenwirkung, die Sie regeln sollten – jede geteilte Verknüpfung in einem offenen Kanal ist eine Freigabe an alle Kanalmitglieder.
Die Anbindung an die Aufgabenverwaltung verknüpft Entwürfe mit Anforderungen. Ein Vorgang in Jira oder einem vergleichbaren System zeigt den zugehörigen Entwurf als Vorschau, und umgekehrt ist am Entwurf erkennbar, welcher Vorgang ihn auslöst. Für Produktteams ist das der Punkt, an dem die Rückfrage nach dem aktuellen Stand aufhört. Die Anbindung an die Wissensablage – etwa Confluence oder Notion – erlaubt das Einbetten lebender Entwürfe in Konzepte und Dokumentationen. Das ist die wirksamste Maßnahme gegen veraltete Bildschirmfotos in Spezifikationen und zugleich die Stelle, an der Sie eine Rechteentscheidung treffen: Ein eingebetteter Entwurf ist für alle sichtbar, die die Seite sehen.
Eine dritte, oft übersehene Verbindung betrifft die Dokumentation von Abstimmungen. Wenn Sie Workshops auf der Whiteboard-Fläche durchführen, entstehen dort Entscheidungen, die nirgendwo sonst festgehalten sind. Wir empfehlen eine schlichte Regel: Nach jedem Workshop wandert die Zusammenfassung – gern KI-erzeugt, aber redigiert – in Ihre Wissensablage, mit Verweis auf die Fläche. Ohne diese Regel ist Ihr Projektwissen in einer Design-Datei gefangen, deren Aufbewahrung niemand geregelt hat. Wie sich eine solche Ablage sinnvoll strukturieren lässt, behandeln wir ausführlich im Beitrag zu KI im Wissensmanagement.

Entwicklung, Schnittstellen und Erweiterungen

Die dritte Gruppe betrifft die Umsetzung. Über eine Verknüpfung zwischen Bausteinen im Entwurf und Bausteinen im Quellcode entsteht eine verbindliche Zuordnung: Die Entwicklung liest nicht Maße ab, sondern erfährt, welches Element aus der eigenen Bibliothek zu verwenden ist. Eine Anbindung an Werkzeuge zur Darstellung von Bausteinen im Code – in der Frontend-Entwicklung verbreitet – schließt den Kreis in der anderen Richtung. Für Unternehmen mit eigener Softwareentwicklung ist das der Punkt, an dem die Plattform aufhört, ein Gestaltungswerkzeug zu sein, und Teil der Entwicklungskette wird.
Hinzu kommen eine programmierbare Schnittstelle für den Zugriff auf Dateiinhalte, Kommentare und Bibliotheken, Ereignisbenachrichtigungen für Automatisierungen und die Möglichkeit, Gestaltungswerte maschinenlesbar zu exportieren. Damit lassen sich Abläufe bauen, die in Mittelstandsprojekten echten Nutzen bringen: Farben und Abstände automatisch in das Quellcodeverwaltungssystem übertragen, bei Änderung einer Bibliothek eine Benachrichtigung auslösen, Symbole in verschiedene Formate exportieren. Diese Abläufe lassen sich mit Automatisierungsplattformen verbinden. Behandeln Sie jede solche Automatisierung als kleines Softwareprojekt mit Lebenszyklus – ein Zugriffsschlüssel, der zwei Jahre unbemerkt in einem Ablauf liegt, ist ein Sicherheitsrisiko, kein Werkzeug.
Die vierte Gruppe sind Erweiterungen und Widgets. Der Bestand ist groß und deckt Spezialaufgaben ab, die kein Hersteller alle selbst bauen würde. Für die Bewertung ist wichtig zu verstehen, was eine Erweiterung technisch ist: Fremdsoftware, die im Kontext Ihrer Datei läuft und auf deren Inhalte zugreift. Für ein Unternehmen mit Kundenprojekten in den Dateien ist das eine Freigabeentscheidung, keine Geschmacksfrage. Prüfen Sie deshalb, ob Ihre Vertragsstufe erlaubt, Erweiterungen zentral zu genehmigen oder zu sperren, und legen Sie eine kurze Liste geprüfter Erweiterungen fest. Eine Sperrung ohne Alternative funktioniert nicht; eine Freigabeliste mit fünf geprüften Einträgen funktioniert sehr gut.

Die Grenzen und die Stelle, an der Sie selbst arbeiten müssen

Die fünfte Gruppe ist die, die in Marktübersichten fehlt: die Verbindung zu Ihren eigenen Fachsystemen. Eine Design-Plattform weiß nichts über Ihr Warenwirtschaftssystem, Ihre Produktdaten oder Ihre Preislogik. Wenn Sie Entwürfe mit realistischen Produktdaten füllen wollen – und das ist bei Katalogen, Konfiguratoren und Portalen ein echter Bedarf –, braucht es entweder eine Erweiterung, die Daten aus einer Tabelle einliest, oder eine eigene kleine Anbindung über die Schnittstelle. Beides ist machbar, beides ist Aufwand, und beides sollte im Projektplan stehen, statt im Betrieb improvisiert zu werden.
Zwei Prüfpunkte gehören abschließend in jede Integrationsbetrachtung. Erstens: Jede Integration verlängert die Kette der Systeme, die Ihre Inhalte sehen. Ein Chatsystem, das Vorschaubilder erzeugt, speichert diese Vorschaubilder. Eine Wissensablage, die Entwürfe einbettet, greift auf die Datei zu. Diese Kette gehört in Ihr Verarbeitungsverzeichnis, nicht in eine Fußnote. Zweitens: Integrationen brauchen Eigentümerschaft. Benennen Sie eine Person, die weiß, welche Anbindungen aktiv sind, welche Zugriffsschlüssel existieren und wann sie zuletzt geprüft wurden. In den Projekten, in denen wir später Sicherheitsvorfälle aufarbeiten mussten, fehlte fast immer genau diese Person – nicht die Technik.
Kapitel 06 · Abgrenzung & Marktvergleich

Figma in der Abgrenzung zu Adobe, Sketch, Penpot und Canva

Der Markt für Gestaltungswerkzeuge wirkt unübersichtlich, sortiert sich aber entlang von drei Fragen sehr schnell: Arbeitet das Werkzeug im Browser oder lokal? Ist es für Zusammenarbeit gebaut oder für Einzelarbeit? Und ist es auf Bildschirmgestaltung ausgerichtet oder auf Grafik und Druck? Wer diese drei Achsen versteht, ordnet die Anbieter in wenigen Minuten – und erkennt, dass viele scheinbare Wettbewerber gar keine sind.

Kriterium Figma Sketch Penpot Canva Adobe XD Framer
Anbieterstandort USA Niederlande Spanien, quelloffen Australien USA
Zugang Browser und Anwendung macOS, Web-Ansicht Browser Browser Lokale Anwendung
Echtzeit-Zusammenarbeit Kernstärke Vorhanden Vorhanden Stark Begrenzt
Design-Systeme Sehr ausgereift Ausgereift Im Aufbau Markenvorgaben Vorhanden
KI-Funktionen Breit integriert Punktuell Kaum Breit, Marketingfokus Keine Weiterentwicklung
Selbstbetrieb möglich Nein Nein Ja, quelloffen Nein Nein
Verarbeitung in der EU Beim Anbieter prüfen Beim Anbieter prüfen Frei wählbar Beim Anbieter prüfen Beim Anbieter prüfen
Übergabe an Entwicklung Stark, mit Codebindung Vorhanden Vorhanden Kaum Vorhanden
Eignung Marketingmaterial Zunehmend Nebensache Nebensache Genau dafür gebaut Nebensache
Eignung Druckvorstufe Ungeeignet Begrenzt Ungeeignet Einfache Fälle Ungeeignet

Browser gegen lokal: die eigentliche Trennlinie

Die wichtigste Unterscheidung im Markt ist technischer Natur und hat unmittelbare organisatorische Folgen. Auf der einen Seite stehen Werkzeuge, die vollständig im Browser arbeiten und deren Dateien auf einem Server des Anbieters liegen. Auf der anderen Seite stehen Werkzeuge, die lokal installiert werden und deren Dateien in Ihrer eigenen Ablage liegen – wobei die meisten inzwischen eine Cloudkomponente für Zusammenarbeit ergänzt haben.
Die Browser-Variante hat drei Vorteile: Zusammenarbeit funktioniert ohne Einrichtung, Beteiligte ohne Lizenz können mit einer Verknüpfung teilnehmen, und es gibt keine Versionskonflikte. Die Nachteile sind ebenso deutlich: Ihre Gestaltungsdateien liegen bei einem Anbieter, der Zugriff hängt an der Verfügbarkeit des Dienstes, und Freigaben sind ein Klick weit entfernt. Die lokale Variante dreht diese Bilanz um – mehr Kontrolle, mehr Reibung. Für die Auswahl folgt daraus eine klare Logik: Wenn Zusammenarbeit über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen der eigentliche Zweck ist, führt der Weg zur Browser-Variante. Wenn Datenhoheit die harte Anforderung ist, führt er zu einem selbst betreibbaren Werkzeug – und damit zu deutlich weniger Funktionsumfang.

Die Wettbewerber im Einzelnen und wofür sie stehen

Adobe XD ist der Wettbewerber, den es praktisch nicht mehr gibt. Das Produkt wird nicht weiterentwickelt und steht nicht mehr als eigenständige Neuanschaffung im Mittelpunkt. Für Unternehmen, die noch damit arbeiten, ist das eine Migrationsaufgabe mit Frist, keine Wahlmöglichkeit. Aus dem Adobe-Umfeld bleiben die klassischen Programme für Grafik, Bild und Druckvorstufe relevant – aber in einer anderen Aufgabendomäne, nicht als Ersatz für eine Kollaborationsplattform.
Sketch ist der Klassiker der Bildschirmgestaltung, in der Bedienung geschätzt und mit einem eigenen Lizenzmodell, das Unternehmen mit Abneigung gegen Abonnements entgegenkommt. Die Einschränkung ist erheblich: Die Bearbeitung ist auf macOS gebunden. Für gemischte Landschaften mit Windows-Arbeitsplätzen in Fachbereichen ist das in der Praxis ein Ausschlusskriterium, weil genau die Beteiligten außerhalb der Gestaltung nicht mitarbeiten können.
Penpot ist für datenschutzsensible Organisationen im DACH-Raum der wichtigste Prüfpunkt, weil es das einzige ernsthafte quelloffene Werkzeug dieser Kategorie ist, das sich selbst betreiben lässt. Damit ändert sich die datenschutzrechtliche Ausgangslage grundlegend: Die Dateien liegen dort, wo Sie sie hinlegen. Funktional ist der Abstand zur Marktspitze vorhanden, insbesondere bei KI-Funktionen, bei der Reife der Design-System-Werkzeuge und beim Umfang der Erweiterungen. Für Organisationen, deren Anforderung mit Verarbeitung in eigener Infrastruktur beginnt, ist dieser Abstand oft der akzeptable Preis – prüfen Sie es an einem echten Projekt und nicht an einer Funktionsliste.
Canva ist der Wettbewerber, der am häufigsten falsch verglichen wird. Es ist kein Werkzeug für Produktgestaltung, sondern eines für schnelles, markenkonformes Material durch Personen ohne Gestaltungsausbildung – Präsentationen, Beiträge für soziale Netzwerke, Aushänge, einfache Druckstücke. In dieser Rolle ist es stark und in vielen Mittelstandsunternehmen bereits im Einsatz. Die Überschneidung mit einer Design-Plattform betrifft nur den Marketingbereich. Unsere Empfehlung in solchen Fällen lautet meist nicht entweder oder, sondern eine bewusste Arbeitsteilung: Produkt- und Portalgestaltung in der Design-Plattform, Alltagsmaterial im Marketingwerkzeug – mit einem gemeinsamen Erscheinungsbild als Klammer.
Framer und vergleichbare Werkzeuge zielen auf einen anderen Punkt: Gestaltung und Veröffentlichung einer Website in einem Schritt. Wenn Ihr Bedarf tatsächlich lautet, eine Unternehmensseite oder Kampagnenseite ohne Entwicklungsprojekt zu veröffentlichen, ist das die kürzere Strecke. Für Anwendungen mit Anmeldung, Fachlogik und Anbindung an Ihre Systeme bleibt es bei einem Entwicklungsprojekt – und dort ist die Design-Plattform der Entwurfs- und Übergabeort, nicht die Veröffentlichungsplattform.
Nicht zu vergessen ist die Abgrenzung zu den Whiteboard-Werkzeugen. Wenn Ihr Bedarf primär in Workshops, Ablaufdiagrammen und Moderation liegt, sind Miro, Mural und Conceptboard die naheliegenderen Werkzeuge – letzteres insbesondere, wenn Verarbeitung in Deutschland eine Anforderung ist. Die Whiteboard-Fläche einer Design-Plattform ist gut, aber sie ist ein Baustein und keine ausgebaute Moderationsumgebung. Umgekehrt gilt: Wer beides ohnehin braucht, spart eine Lizenz und einen Werkzeugwechsel.
Stärken
  • Eigene digitale Produkte, Portale oder Konfiguratoren in Entwicklung
  • Zusammenarbeit über Standorte, Abteilungen und Agenturpartner
  • Erscheinungsbild soll verbindlich und pflegbar werden
  • Gemischte Arbeitsplätze mit Windows und macOS
  • Bedarf an belastbarer Übergabe an die Entwicklung
  • Viele Materialvarianten in Formaten und Sprachen
Einschränkungen
  • Harte Anforderung an Verarbeitung ausschließlich in der EU
  • Schwerpunkt auf Druckvorstufe und Farbverbindlichkeit
  • Bedarf ist im Kern einfaches Alltagsmaterial
  • Keine Bereitschaft, ein Design-System zu pflegen
  • Abneigung gegen Abonnements mit Sitzplatzlogik
  • Fehlende Rolle für Rechte-, Freigabe- und Erweiterungspflege
Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb: Struktur vor Werkzeug

Eine Design-Plattform technisch einzuführen dauert zwanzig Minuten: Arbeitsbereich anlegen, Personen einladen, fertig. Genau deshalb geht es so oft schief. Der Aufwand liegt nicht in der Einrichtung, sondern in vier organisatorischen Aufgaben – zu entscheiden, wie Arbeitsbereiche und Projekte geschnitten werden, wie Freigaben nach außen geregelt sind, wer das Design-System pflegt und welche KI-Funktionen in welchen Projekten erlaubt sind. Wer diese vier Punkte überspringt, hat nach einem Jahr dreihundert Dateien ohne erkennbare Struktur und eine Bibliothek, die niemand mehr anfasst.

Das folgende Vorgehen hat sich in Mittelstandsprojekten bewährt. Es beginnt bewusst nicht mit der Technik, sondern mit der Bestandsaufnahme.
01
Bestand aufnehmen, bevor Sie entscheiden
Klären Sie, welche Konten, kostenlosen Arbeitsbereiche und Agenturzugänge bereits existieren und welche Inhalte dort liegen. In fast jedem Projekt finden wir mindestens zwei Arbeitsbereiche mit Kundenprojekten, die niemand kennt. Ziel ist eine Liste: Wer arbeitet mit, welche Dateien gibt es, welche Freigaben nach außen bestehen und welche Erweiterungen sind im Einsatz. Ohne diese Liste führen Sie ein Werkzeug ein, das längst läuft.
02
Struktur festlegen: Arbeitsbereiche, Projekte, Namen
Entscheiden Sie, wie geschnitten wird – nach Produkt, nach Kunde, nach Abteilung – und legen Sie eine schlichte Namenskonvention fest, die auch in zwei Jahren noch verständlich ist. Trennen Sie ausdrücklich zwischen offenen Bereichen für interne Zusammenarbeit und geschützten Bereichen für Kundenprojekte, Vorhaben vor der Ankündigung und Personalthemen. Diese Struktur nachträglich zu ändern ist deutlich aufwendiger als sie einmal zu durchdenken.
03
Anmeldung, Rollen und externe Freigaben einrichten
Anmeldung an den Identitätsdienst anbinden, automatische Bereitstellung und Entziehung aktivieren, Rollen über Gruppen zuweisen. Entscheiden Sie ausdrücklich, ob Freigaben an beliebige Verknüpfungsempfänger erlaubt sind oder auf benannte Personen begrenzt werden. Unsere Empfehlung: standardmäßig auf benannte Personen begrenzen und offene Verknüpfungen als bewusste Ausnahme mit Ablaufdatum behandeln.
04
KI-Einstellungen und Regeln für Inhalte setzen
Prüfen und dokumentieren Sie die zentrale Einstellung zur Verwendung Ihrer Inhalte für Modelltraining, entscheiden Sie, welche KI-Funktionen freigegeben sind, und formulieren Sie zwei Regeln: keine echten Personendaten als Beispielinhalte, keine KI-Nutzung in ausdrücklich als sensibel markierten Projekten. Eine halbe Seite Richtlinie, verständlich formuliert, wirkt hier mehr als jede technische Sperre.
05
Design-System aufsetzen und Eigentümerschaft benennen
Beginnen Sie klein: Farben, Schriftstufen, Abstände, fünf bis zehn Bausteine, die Sie tatsächlich überall brauchen. Benennen Sie eine verantwortliche Person mit festem Zeitanteil und eine Regel für Erweiterungen. Ein System mit zehn gepflegten Bausteinen ist wertvoller als eines mit hundert verwaisten – und es ist der einzige Teil der Einführung, der sich nicht delegieren lässt.
06
Pilot mit einem Vorhaben, dann bewusst ausweiten
Starten Sie mit einem echten Vorhaben über sechs bis acht Wochen, mit klaren Fragen: Verkürzt sich die Abstimmung mit dem Fachbereich? Funktioniert die Übergabe an die Entwicklung? Bringen die KI-Funktionen im eigenen Erscheinungsbild wirklich Zeitgewinn? Werten Sie den Pilot gemeinsam mit Fachbereich, Entwicklung und Datenschutz aus und entscheiden Sie danach über die Ausweitung – oder über den Abbruch, der eine legitime Möglichkeit bleiben muss.

Rechte, Freigaben und die Verknüpfung als Sicherheitsrisiko

Der laufende Betrieb dreht sich bei einer Cloudplattform im Kern um eine Frage: Wer kann was sehen? Die Antwort entsteht nicht aus einer Einstellung, sondern aus dem Zusammenspiel von Arbeitsbereichsrechten, Projektrechten, Dateirechten und Freigabeverknüpfungen – und die Verknüpfung ist der schwächste Punkt, weil sie sich in einer Sekunde erzeugen und in einer Chatnachricht weitergeben lässt. In unseren Projekten ist die häufigste Datenschutzfindung nicht ein Angriff, sondern ein Entwurf mit Kundendaten, dessen Verknüpfung vor einem Jahr in einem Angebot verschickt wurde und der weiterhin für jeden erreichbar ist, der sie hat.
Fünf Aufgaben sollten einer benannten Rolle zugeordnet sein – in der Regel einer Person in der IT gemeinsam mit einer fachlichen Ansprechperson:
  • Konten und Rollen: Anmeldung über den Identitätsdienst, automatische Bereitstellung und Entziehung, Prüfung der Sitzplatzzuordnung. Kontrollieren Sie halbjährlich, ob Konten ausgeschiedener Personen und ehemaliger Agenturpartner entfallen sind und ob deren Dateien einer verantwortlichen Person zugeordnet wurden.
  • Freigabehygiene: Prüfen, welche Verknüpfungen nach außen existieren, offene Freigaben administrativ einschränken und einmal jährlich einen Bericht ziehen. Legen Sie fest, dass externe Freigaben ein Ablaufdatum haben, und führen Sie eine kurze Liste bewusster Dauerfreigaben.
  • Erweiterungsverwaltung: Eine Liste geprüfter Erweiterungen führen, neue auf Anfrage prüfen und dokumentieren, welche Zugriffe sie benötigen. Ohne diese Liste läuft in Ihren Dateien Fremdsoftware, über die Sie keine Aussage treffen können.
  • Design-System-Pflege: Änderungen an Bibliotheken bündeln, ankündigen und versioniert veröffentlichen, statt sie laufend durchzudrücken. Prüfen Sie regelmäßig, welche Bausteine tatsächlich verwendet werden – die Nutzungsanalysen höherer Vertragsstufen sind dafür das nützlichste Werkzeug.
  • Aufbewahrung und Aufräumen: Festlegen, wie lange abgeschlossene Kundenprojekte in der Plattform bleiben, und einen jährlichen Aufräumlauf einplanen. Eine Design-Plattform kennt von Haus aus keine Aufbewahrungsfrist – die müssen Sie selbst setzen und durchsetzen.
Zur Aufbewahrung eine konkrete Empfehlung, weil sie in Projekten fast immer fehlt. Legen Sie drei Stufen fest. Stufe eins, aktive Vorhaben: offen zugänglich für das Team, mit voller Versionshistorie. Stufe zwei, abgeschlossene Vorhaben: in ein Archivprojekt verschoben, schreibgeschützt, externe Freigaben aufgehoben. Stufe drei, endgültige Ergebnisse: als exportierte Dateien in Ihrer eigenen Ablage, unabhängig vom Werkzeug – das ist die Stufe, die bei einem Anbieterwechsel oder einer Auskunftsanfrage zählt. Diese Dreiteilung ist einfach zu erklären, technisch mit Bordmitteln umsetzbar und in Datenschutzgesprächen gut vertretbar.

Migration aus bestehenden Werkzeugen

Wenn Sie aus einem anderen Werkzeug kommen, ist die Migration selten ein Import, sondern meist eine Neuanlage mit Übernahme des Wichtigsten. Entwürfe lassen sich in unterschiedlicher Qualität übernehmen; Bausteine, Varianten und die Logik eines Design-Systems in der Regel nicht vollständig. Unsere Empfehlung aus mehreren solchen Projekten: Migrieren Sie nicht den Bestand, sondern das lebende Material. Übernehmen Sie die Gestaltungsgrundlagen und die Bausteine, die Sie aktiv nutzen, bauen Sie diese neu und sauber auf, und lassen Sie den historischen Bestand als exportiertes Archiv liegen.
Diese Vorgehensweise fühlt sich zunächst nach Mehraufwand an und ist in der Summe der günstigere Weg, weil ein halb migriertes Design-System dauerhaft Reibung erzeugt: Bausteine, die fast funktionieren, Namen, die nicht zur neuen Logik passen, Abhängigkeiten, die niemand versteht. Planen Sie für die Neuanlage der Grundlagen einige Tage, nicht Wochen – und nutzen Sie die Gelegenheit, Altlasten nicht mitzunehmen. Ein Werkzeugwechsel ist die einzige Situation, in der eine Aufräumaktion politisch leicht durchsetzbar ist.
Ein dritter Punkt betrifft die Schulung. Die Plattform ist für gestaltende Personen intuitiv und für Fachbereiche zunächst ungewohnt, weil sie einer Zeichenanwendung ähnelt und wie ein Dokument benutzt werden soll. Wir empfehlen zwei getrennte Formate: eine kurze Einführung für Betrachtende und Kommentierende, die nur drei Dinge erklärt – finden, kommentieren, Werte ablesen –, und eine ausführlichere Einarbeitung für die gestaltenden Rollen. Der Fehler, alle in dieselbe zweistündige Schulung zu setzen, führt verlässlich dazu, dass die Fachbereiche danach nichts nutzen.
Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Einsatz im Mittelstand: wo der Nutzen tatsächlich entsteht

Im Mittelstand liegt der Wert einer Design-Plattform selten dort, wo die Produktwerbung ihn verspricht. Er liegt nicht in beeindruckenden Entwürfen, sondern in vier unspektakulären Effekten: kürzere Abstimmungen mit dem Fachbereich, weniger Rückfragen in der Umsetzung, ein Erscheinungsbild, das sich nicht jedes Quartal selbst widerspricht, und die Fähigkeit, eine Idee zu zeigen, bevor sie viel Geld gekostet hat. Die folgenden Anwendungsfälle stammen aus Projekten in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung.

Kundenportal entwerfen

Bevor eine Zeile Software entsteht, wird der Ablauf als klickbarer Prototyp gebaut und mit echten Kunden getestet. Die Änderungen, die dabei auffallen, kosten Minuten statt Entwicklungstage.

Fehler vor dem Bauen finden
Konfigurator gestalten

Produktkonfiguratoren scheitern selten an Technik und häufig an Verständlichkeit. Entwürfe mit realistischen Produktdaten machen sichtbar, an welcher Stelle Interessenten aussteigen.

Abbrüche vorher erkennen
Workshops moderieren

Prozessaufnahmen, Priorisierungen und Anforderungssammlungen auf der Whiteboard-Fläche, mit KI-gestützter Gruppierung und Zusammenfassung direkt im Anschluss statt Wochen später.

Ergebnis am selben Tag
Messematerial in Varianten

Aus einer freigegebenen Vorlage entstehen Roll-ups, Anzeigen, Beiträge und Handzettel in den nötigen Formaten und Sprachen – markenkonform, ohne dass jede Variante neu beauftragt wird.

Weniger Agenturschleifen
Erscheinungsbild verbindlich machen

Farben, Schriften und Bausteine liegen als gepflegte Bibliothek vor. Wer Material erstellt, greift darauf zu, statt Werte aus einem alten Dokument abzuschreiben.

Ende der fünfzehn Blautöne
Angebote und Pitches

Ein Entwurf der geplanten Lösung im Angebot verändert Vertriebsgespräche messbar. Was vorher als Beschreibung erklärt werden musste, ist jetzt sichtbar und diskutierbar.

Höhere Abschlussquote

Drei Muster aus Mittelstandsprojekten

Das erste Muster ist die Abstimmungsverkürzung. In einem Industriebetrieb mit einem Serviceportal dauerte eine Abstimmungsrunde zwischen Fachbereich, Geschäftsführung und Dienstleister regelmäßig zwei Wochen, weil Entwürfe als Bildschirmfotos in Präsentationen wanderten und Rückmeldungen in E-Mails zurückkamen. Nach der Umstellung auf eine gemeinsame Fläche mit Kommentaren am Element lag eine Runde bei zwei Tagen. Der Effekt entstand nicht durch bessere Gestaltung, sondern dadurch, dass Rückmeldung und Gegenstand nicht mehr getrennt waren – und dass niemand mehr fragen musste, welche Fassung aktuell ist.
Das zweite Muster ist die Entlastung der Agenturbeziehung. Ein Handelsunternehmen beauftragte für jede Anzeigenvariante und jede Formatanpassung den Dienstleister, was bei Kampagnen mit sechs Formaten in drei Sprachen erhebliche Kosten und Wartezeiten verursachte. Nach dem Aufbau einer Vorlagenbibliothek und einer kurzen Einarbeitung erzeugt das Marketingteam Varianten selbst, während die Agentur die Grundgestaltung und die Freigabe übernimmt. Wichtig ist die Rollenklärung: Die Agentur verliert nicht Arbeit, sondern die unattraktivste Arbeit – und das ist der Grund, warum diese Umstellung meist auf Zustimmung trifft.
Das dritte Muster ist die Sichtbarkeit vor der Investition. Ein Maschinenbauer wollte ein Ersatzteilportal bauen und hatte zwei konkurrierende Vorstellungen im Haus. Statt eine Entscheidung im Sitzungssaal zu erzwingen, entstanden innerhalb weniger Tage zwei Prototypen, die mit acht Bestandskunden getestet wurden. Das Ergebnis war eindeutig und für beide Lager überraschend. Der Wert lag nicht in den Entwürfen, sondern darin, dass eine sechsstellige Entwicklungsentscheidung auf Beobachtung statt auf Meinung beruhte. Diesen Effekt halten wir für den wirtschaftlich wichtigsten der ganzen Werkzeugkategorie.

Was im Mittelstand regelmäßig schiefgeht

Vier Fehler sehen wir wiederholt, und alle vier sind organisatorisch. Der erste ist der Einkauf ohne Rolle: Lizenzen werden beschafft, aber niemand ist für Struktur, Bibliothek und Rechte verantwortlich. Nach einem Jahr existieren dreihundert Dateien mit Namen wie einer Datumsangabe und einer Initiale, und die Suche funktioniert nicht mehr. Der zweite ist die Gestaltung ohne Fachbereich: Entwürfe entstehen in einer Abteilung und werden am Ende vorgelegt, womit die gesamte Abstimmungsstärke der Plattform verschenkt ist. Beteiligen Sie Fachbereiche früh und mit der günstigen betrachtenden Rolle – das kostet fast nichts und ist der eigentliche Zweck des Werkzeugs.
Der dritte Fehler ist die Verwechslung von Prototyp und Produkt. Eine beeindruckende Vorführung erzeugt in Geschäftsführungen die Erwartung, es sei fast fertig. Sagen Sie bei jeder Vorführung denselben Satz: Was Sie sehen, ist eine Attrappe zur Prüfung von Annahmen, und die Umsetzung beginnt danach. Der vierte Fehler ist die fehlende Regel für Inhalte: echte Kundendaten in Entwürfen, Kundennamen in öffentlich freigegebenen Dateien, Preislisten in Präsentationen mit offener Verknüpfung. Dieser Fehler ist der teuerste, weil er keine Unannehmlichkeit erzeugt, sondern einen meldepflichtigen Vorfall.
Der Nutzen lässt sich dennoch benennen und messen, und wir empfehlen, das vor der Einführung schriftlich zu fixieren: Dauer einer Abstimmungsrunde, Zahl der Rückfragen aus der Entwicklung je Vorhaben, Anteil des Materials, das ohne externen Dienstleister entsteht, und Zeit von der Idee bis zum vorzeigbaren Entwurf. Vier Zahlen, geschätzt statt gemessen, reichen aus – damit nach zwölf Monaten überprüfbar ist, ob die Erwartung eingetreten ist.
Kapitel 09 · Kosten, DSGVO & Datenhoheit

Kosten, DSGVO und Datenhoheit

Bei einer Design-Plattform mit KI-Funktionen sind beide Themen unangenehm konkret. Die Kosten wirken überschaubar, weil ein Sitzplatz wenig kostet – und werden relevant, sobald die Vertragsstufe mit zentraler Verwaltung nötig wird, KI-Funktionen hinzukommen und Pflege, Einführung und Schulung dazugerechnet werden. Beim Datenschutz kommt eine anspruchsvolle Kette zusammen: ein außereuropäischer Anbieter, ein Dienst ohne Selbstbetrieb, Dateien mit Kundenprojekten und häufig personenbezogenen Beispielinhalten, Drittanbietermodelle als weitere Verarbeiter und Freigabemechanismen, die eine Sekunde brauchen. Dieser Abschnitt ist eine fachliche Einordnung aus Beratungssicht. Dies ist keine Rechtsberatung.

Zunächst zu den Kosten. Die Gesamtkosten setzen sich aus fünf Blöcken zusammen, von denen nur der erste auf einem Angebot steht.
  • Sitzplätze nach Rolle: abgerechnet je Person und Rolle, in der Regel günstiger bei jährlicher Zahlung. Der Sprung auf die Vertragsstufe mit zentraler Verwaltung, Identitätsanbindung und steuerbaren Datenschutzeinstellungen ist meist der größte Einzelposten – und er wird durch Anforderungen der IT und des Datenschutzes getrieben, nicht durch Wünsche der Fachbereiche.
  • KI-Nutzung: KI-Funktionen können in der Stufe enthalten sein, Kontingenten unterliegen oder gesondert berechnet werden, und die Zuordnung ändert sich. Klären Sie ausdrücklich, welche Funktionen in Ihrem Angebot enthalten sind, was bei Überschreitung geschieht und ob sich einzelne Funktionen zentral abschalten lassen – das ist gleichzeitig eine Kosten- und eine Datenschutzfrage.
  • Betrachtende und mitwirkende Personen: der Posten, der die Kalkulation kippen oder retten kann. Klären Sie, welche Rolle einen bezahlten Zugang braucht, wie Fachbereiche behandelt werden, die nur kommentieren, und wie die automatische Höherstufung kontrolliert wird, wenn jemand versehentlich bearbeitet.
  • Einführung, System und Schulung: Struktur, Namenskonventionen, Rechtekonzept, Aufbau des Design-Systems, Richtlinie für Inhalte und KI, zwei getrennte Schulungsformate. Bei dieser Werkzeugkategorie ist dieser Block regelmäßig größer als die Lizenzkosten des ersten Jahres – und er ist der Teil, der über den Nutzen entscheidet.
  • Laufender Betrieb: Pflege der Bibliothek, Rechte- und Freigabeprüfungen, Erweiterungsfreigaben, Aufräumläufe, Beantwortung von Betroffenenanfragen. Der letzte Punkt wird fast immer vergessen und ist bei einer Plattform mit vielen Dateien und Kommentaren keine Kleinigkeit.
Diesen Kosten steht ein Nutzen gegenüber, der sich benennen lässt: kürzere Abstimmungen, weniger Rückfragen in der Umsetzung, geringere Fehlerkosten durch frühes Testen, weniger externe Beauftragung für Materialvarianten und ein Erscheinungsbild, das nicht in jedem Projekt neu verhandelt wird. Wir empfehlen, diese Nutzenerwartung vor der Einführung schriftlich zu fixieren, damit sie nach zwölf Monaten überprüfbar ist – gerade weil der Nutzen bei diesem Werkzeugtyp echt, aber diffus ist und sich ohne Messpunkte nicht gegen die Rechnung verteidigen lässt.
Datenschutz-Bausteine im Überblick

Die folgenden Punkte sind bei einer Datenschutzbewertung besonders relevant. Prüfen Sie stets die aktuell gültigen Angaben, Vertragsunterlagen und Nachweise des Anbieters – der Stand kann sich ändern:

Anbieterstandort
US-Unternehmen – damit stellen sich die Fragen des Drittlandtransfers und möglicher behördlicher Zugriffe grundsätzlich, unabhängig von der Produktqualität
Verarbeitungsort
Serverstandort für Dateien, Vorschaubilder, Kommentare und KI-Eingaben schriftlich bestätigen lassen; eine EU-Datenresidenz ist beim Anbieter zu prüfen und gilt nicht automatisch für alle Verarbeitungsschritte
Transfergrundlage
EU-Standardvertragsklauseln und Übermittlungsfolgenabschätzung; zusätzlich prüfen, ob der Anbieter unter dem EU-U.S. Data Privacy Framework zertifiziert ist und für welche Gesellschaften das gilt
Auftragsverarbeitung
Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO mit allen Anlagen, technischen und organisatorischen Maßnahmen und dokumentierter Weisungsbindung
Subprozessoren
Liste der Unterauftragsverarbeiter prüfen – bei KI-Funktionen kommen in der Regel Modell- und Infrastrukturanbieter als weitere Verarbeiter hinzu, teils außerhalb der EU
Modelltraining
Ausdrückliche vertragliche Zusage, dass Dateiinhalte und Eingaben nicht zum Training allgemeiner Modelle verwendet werden; die Voreinstellung kann je Vertragsstufe abweichen und ist zentral zu setzen
Kein Selbstbetrieb
Ein Betrieb in eigener Infrastruktur ist nicht vorgesehen – wer Datenhoheit im engen Sinn braucht, kommt an quelloffenen, selbst betriebenen Alternativen nicht vorbei
Inhalte in Entwürfen
Personenbezogene Daten als Beispielinhalte vermeiden; Regel in der Gestaltungsrichtlinie verankern und einen gepflegten Satz an Beispieldaten bereitstellen
Freigaben
Offene Verknüpfungen sind der häufigste Befund – Freigaben auf benannte Personen begrenzen, Ablaufdaten setzen und jährlich einen Bericht ziehen
Erweiterungen
Erweiterungen sind Fremdsoftware mit Zugriff auf Dateiinhalte – zentrale Freigabeliste führen und Zugriffe dokumentieren
Aufbewahrung
Die Plattform kennt keine eigene Aufbewahrungsfrist – Fristen je Projektart festlegen, Archivierung regeln und die Löschung tatsächlich durchführen
Mitbestimmung
Nutzungsanalysen und Aktivitätsprotokolle können Verhalten und Leistung abbilden – Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung vor der Einführung klären

US-Anbieter, Datentransfer und die Kette der Verarbeiter

Die datenschutzrechtliche Ausgangslage ist bei einem US-amerikanischen Anbieter strukturell anspruchsvoller als bei einem europäischen, und zwar unabhängig von der Qualität des Produkts. Vier Punkte sind zu klären.
Erstens der Verarbeitungsort. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, wo Dateien, Vorschaubilder, Kommentare, Versionshistorien, Protokolle, Sicherungen und KI-Eingaben gespeichert und verarbeitet werden. Ob eine EU-Datenresidenz angeboten wird, ab welcher Vertragsstufe sie gilt und ob sie sämtliche Verarbeitungsschritte einschließlich der eingesetzten Modelle umfasst, ist beim Anbieter zu prüfen und gehört in die Vertragsunterlagen – nicht in eine Vermutung aus einer Produktseite. Achten Sie besonders auf die Unterscheidung zwischen Speicherort und Verarbeitungsort: Daten können in der EU liegen und dennoch für Verarbeitungsschritte, Diagnose oder Support in ein Drittland übermittelt werden.
Zweitens die Transfergrundlage. Wenn Daten das EU-Gebiet verlassen können, brauchen Sie eine tragfähige Grundlage. In Betracht kommen die EU-Standardvertragsklauseln in Verbindung mit einer dokumentierten Abschätzung der Übermittlungsfolgen sowie – bei zertifizierten Unternehmen – der Angemessenheitsbeschluss zum EU-U.S. Data Privacy Framework. Prüfen Sie im Einzelfall, ob der konkrete Vertragspartner zertifiziert ist, für welche Datenarten die Zertifizierung gilt und ob sie aktuell ist. Prüfen Sie außerdem, ob Unterauftragsverarbeiter außerhalb der EU sitzen und wie deren Transfer abgesichert ist. Diese Unterlagen existieren bei etablierten Anbietern in der Regel; die Aufgabe besteht darin, sie einzuholen, zu prüfen und in Ihrem Verarbeitungsverzeichnis zu dokumentieren.
Drittens die Subprozessoren. Eine Design-Plattform mit KI-Funktionen besteht technisch aus mehreren Bausteinen: Infrastruktur, Bildverarbeitung, Sprachmodelle für Text und Erzeugung, gegebenenfalls weitere Dienste für Suche und Analyse. Jeder dieser Bausteine kann von einem anderen Unternehmen stammen. Fragen Sie deshalb ausdrücklich: Welche Anbieter sind beteiligt, wo verarbeiten sie, wie lange speichern sie Eingaben, und ist eine Nutzung zu Trainingszwecken vertraglich ausgeschlossen? Verlangen Sie die Antwort als Vertragsanlage, nicht als E-Mail. Dieser Punkt ist bei KI-Funktionen der Unterschied zwischen einer belastbaren und einer unvollständigen Dokumentation.
Viertens die Frage des Selbstbetriebs. Ein Betrieb in eigener Infrastruktur ist bei Diensten dieser Art nicht vorgesehen und wird es voraussichtlich nicht werden. Wer Datenhoheit im engen Sinne benötigt – Verarbeitung ausschließlich in eigener oder beauftragter Infrastruktur –, findet die Lösung nicht in Vertragsanlagen, sondern nur in einem anderen Ansatz. Im Segment der Design-Werkzeuge ist eine quelloffene, selbst betreibbare Plattform der naheliegende Prüfpunkt; der Preis dafür ist Betriebsverantwortung, ein schmalerer Funktionsumfang und ein deutlich geringeres Angebot an KI-Funktionen. Für besonders sensible Vorhaben ist dieser Weg dennoch häufig die vertretbare Option – und er lässt sich mit einem kommerziellen Werkzeug für unkritische Projekte kombinieren, sofern Sie die Trennung organisatorisch durchhalten.

Was in Ihren Dateien liegt – und warum das die eigentliche Frage ist

Bei Werkzeugen dieser Kategorie wird die Datenschutzdiskussion häufig auf den Anbieterstandort verkürzt, und damit wird die wichtigere Frage übersprungen: Was liegt eigentlich in den Dateien? In unserer Erfahrung sind es vier Kategorien, die alle eine eigene Bewertung verlangen. Erstens Gestaltungsmaterial ohne Personenbezug – unkritisch, aber möglicherweise Geschäftsgeheimnis. Zweitens Beispielinhalte, die in erschreckend vielen Fällen echte Kundendaten sind. Drittens Kommentare, die Entscheidungen, Bewertungen und gelegentlich Aussagen über Personen enthalten. Viertens Workshop-Inhalte auf der Whiteboard-Fläche, die regelmäßig Namen, Einschätzungen und interne Konflikte abbilden.
Diese vier Kategorien lassen sich unterschiedlich behandeln, und genau darin liegt die praktikable Lösung. Gestaltungsmaterial kann in der Plattform bleiben. Beispielinhalte lassen sich durch einen gepflegten Satz künstlicher Daten vollständig ersetzen – die Textwerkzeuge sind dafür ideal geeignet. Kommentare sollten nach Projektabschluss mit der Datei archiviert und nicht dauerhaft offen gehalten werden. Workshop-Inhalte gehören nach der Auswertung in Ihre Wissensablage und die Fläche selbst ins Archiv. Vier Regeln, in einer halben Seite formulierbar, und Sie haben den größten Teil des Risikos adressiert, ohne das Werkzeug unbrauchbar zu machen.
Ein zusätzlicher Punkt betrifft Bild- und Nutzungsrechte bei generierten Inhalten. Wenn KI-Funktionen Bilder oder Bildbestandteile erzeugen, stellt sich die Frage nach Nutzungsrechten, insbesondere bei kommerzieller Verwendung und bei Markenmaterial. Lassen Sie sich vom Anbieter bestätigen, welche Rechte Sie an generierten Ergebnissen haben, ob eine Freistellung bei Ansprüchen Dritter zugesagt wird und ob es Einschränkungen für bestimmte Verwendungen gibt. Für Material, das in Kampagnen oder auf Produkten erscheint, empfehlen wir zusätzlich eine interne Freigabestufe – erzeugte Bilder gehen nicht ungeprüft in die Öffentlichkeit.

Mitbestimmung, Protokolle und was Sie selbst regeln müssen

Der dritte Themenblock betrifft das Verhältnis zur Arbeitnehmervertretung. Eine Design-Plattform ist kein Überwachungswerkzeug, und die Diskussion fällt deutlich milder aus als bei Systemen, die Gespräche aufzeichnen. Sie ist aber nicht gegenstandslos: Die Plattform protokolliert Aktivitäten, zeigt an, wer wann in welcher Datei war, und höhere Vertragsstufen bieten Nutzungsanalysen. Damit besteht eine Eignung, Verhalten und Leistung von Beschäftigten abzubilden, und nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz ist die Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen eröffnet, die dazu geeignet sind – unabhängig davon, ob Sie diese Nutzung beabsichtigen.
Praktisch bedeutet das: Vor der Einführung steht eine Verständigung. Sie sollte regeln, welche Protokolle und Analysen ausgewertet werden, zu welchem Zweck, in welcher Aggregation und wer Zugriff hat, dass eine personenbezogene Leistungsbewertung auf Basis dieser Daten ausgeschlossen ist und wie lange Protokolle aufbewahrt werden. Unsere Erfahrung aus Projekten ist eindeutig: Diese Verständigung ist bei einem Gestaltungswerkzeug in wenigen Gesprächen zu erreichen – sofern sie am Anfang steht und nicht nach einem Rollout nachgeholt werden muss.
Sechs Punkte gehören schließlich in jede Einführung. Erstens der Auftragsverarbeitungsvertrag mit allen Anlagen, abgeschlossen und im Verarbeitungsverzeichnis dokumentiert, einschließlich der Bewertung des Drittlandtransfers auf Grundlage der EU-Standardvertragsklauseln. Zweitens die zentral gesetzte und dokumentierte Einstellung zur Verwendung Ihrer Inhalte für Modelltraining. Drittens eine Regel für Inhalte in Entwürfen, insbesondere das Verbot echter Personendaten als Beispielinhalte. Viertens ein Freigabekonzept mit Begrenzung offener Verknüpfungen und jährlicher Prüfung. Fünftens ein Aufbewahrungs- und Archivierungskonzept, das die Plattform selbst nicht mitbringt. Sechstens die Verständigung mit der Arbeitnehmervertretung über Protokolle und Nutzungsanalysen.
Diese sechs Punkte lassen sich in wenigen Seiten abbilden und sind in überschaubarer Zeit erledigt, wenn sie zu Projektbeginn angegangen werden. Nachträglich sind sie deutlich aufwendiger, weil dann bereits hunderte Dateien existieren, Freigaben in Umlauf sind und Gewohnheiten entstanden sind. Der häufigste Fehler in Projekten dieser Art ist nicht die falsche Produktwahl, sondern der Start ohne Struktur – meist, weil das Werkzeug so harmlos aussieht und in zwanzig Minuten eingerichtet ist.
Keine Rechtsberatung

Die Ausführungen in diesem Kapitel sind eine fachliche Einordnung aus Beratungssicht. Dies ist keine Rechtsberatung. Die datenschutz-, urheber-, arbeits- und aufbewahrungsrechtliche Zulässigkeit hängt vom konkreten Einsatzszenario, den verarbeiteten Daten, der Branche, der Unternehmensstruktur und der jeweils aktuellen Vertrags- und Rechtslage ab. Für eine verbindliche Bewertung – insbesondere bei Drittlandtransfer, Einsatz generativer KI-Funktionen, Nutzungsrechten an erzeugten Inhalten, Mitbestimmungsfragen oder im aufsichtsnahen Umfeld – ziehen Sie Ihre Datenschutzbeauftragten und fachkundige Rechtsberatung hinzu und stützen Sie sich auf die aktuellen Unterlagen des Anbieters.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Figma AI

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungs­gesprächen zu Design- und Kollaborationsplattformen am häufigsten auf – kurz und sachlich beantwortet.

Grundlagen und Funktionsweise

Brauchen wir Figma, wenn wir keine eigene Software entwickeln?
Häufig ja, aber aus einem anderen Grund als erwartet. Der Nutzen entsteht nicht nur bei Softwareprodukten, sondern überall dort, wo visuelle Inhalte in Abstimmung entstehen: Website-Relaunch, Kundenportal, Messematerial, Erscheinungsbild, Bedienoberflächen von Maschinen, Verpackungen in ihrer digitalen Vorstufe. Entscheidend ist nicht die Art des Ergebnisses, sondern ob mehrere Personen daran mitwirken und ob Sie ein verbindliches Erscheinungsbild wollen. Wenn Ihr Bedarf aus gelegentlichen einfachen Grafiken besteht, ist ein Werkzeug für Alltagsmaterial die passendere und günstigere Antwort.
Ersetzen die KI-Funktionen unsere Agentur oder unsere Gestaltungsrolle?
Nein, und wir halten diese Erwartung für die häufigste Ursache enttäuschter Projekte. Die KI-Funktionen verkürzen Vorlauf und Fleißarbeit: der erste Entwurf gegen die leere Fläche, plausible Texte statt Blindtext, Benennen von Ebenen, Gruppieren von Notizzetteln, Varianten in vielen Formaten. Sie ersetzen keine Gestaltungsentscheidung, keine Markenführung und keine Nutzerforschung. Was sich in Projekten tatsächlich verändert, ist die Arbeitsteilung: Die Agentur macht Grundgestaltung und Freigabe, das interne Team die Varianten. Diese Verschiebung spart Geld – die Rolle bleibt.
Funktioniert das Werkzeug ohne Gestaltungsausbildung?
Für Betrachten, Kommentieren und Ablesen von Werten ja, und zwar nach einer Einführung von zwanzig Minuten. Für das Arbeiten auf der Whiteboard-Fläche und in Präsentationen ebenfalls. Für vollwertige Gestaltung nein – Komponenten, Varianten, automatische Anordnung und Bibliotheken sind ein eigenes Handwerk, und ein Entwurf ohne diese Struktur erzeugt Folgeaufwand. Unsere Empfehlung: zwei getrennte Schulungsformate, eines kurz für alle Beteiligten und eines ausführlich für die gestaltenden Rollen. Alle in dieselbe Schulung zu setzen führt verlässlich dazu, dass die Fachbereiche danach nichts nutzen.
Was ist der Unterschied zwischen der Whiteboard-Fläche und einem Werkzeug wie Miro?
Die Whiteboard-Fläche ist ein solider Baustein derselben Plattform – gleiche Rechte, gleiche Dateien, kein Werkzeugwechsel. Spezialisierte Werkzeuge wie Miro, Mural und Conceptboard bieten mehr Moderationsfunktionen, mehr Vorlagen und mehr Anbindungen an Projektsysteme; Conceptboard ist zudem der naheliegende Prüfpunkt, wenn Verarbeitung in Deutschland eine harte Anforderung ist. Die Auswahllogik lautet: Wenn Workshops Ihr Schwerpunkt sind, nehmen Sie ein spezialisiertes Werkzeug. Wenn Gestaltung der Schwerpunkt ist und Workshops dazukommen, sparen Sie eine Lizenz.
Können wir mit den KI-Funktionen eine fertige Anwendung erzeugen?
Sie können ein lauffähiges Ergebnis mit Code erzeugen, und für Prototypen, interne Hilfswerkzeuge und Abstimmungen ist das ausgesprochen nützlich. Als Grundlage für ein Produkt, das Sie über Jahre pflegen, ist es mit Vorsicht zu behandeln: Struktur, Abhängigkeiten, Testbarkeit, Datenschutz und Sicherheitsfragen entsprechen nicht dem, was ein Entwicklungsteam erwarten würde. Behandeln Sie solche Ergebnisse als Material mit hohem Erkenntniswert und kurzer Lebensdauer. Eine Entscheidung zur Weiterverwendung sollte bewusst, dokumentiert und nach technischer Prüfung fallen – nicht aus Begeisterung über die Vorführung.
Ist der Einsatz DSGVO-konform möglich?
Er ist gestaltbar, verlangt aber mehr Sorgfalt als bei einem gewöhnlichen Cloudwerkzeug, sobald KI-Funktionen genutzt werden. Notwendig sind: ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO mit allen Anlagen, eine Bewertung des Drittlandtransfers mit EU-Standardvertragsklauseln und Übermittlungsfolgenabschätzung sowie die Prüfung, ob eine Zertifizierung nach dem EU-U.S. Data Privacy Framework vorliegt, die Klärung des Serverstandorts, eine geprüfte Subprozessorenliste einschließlich der Modellanbieter, eine vertragliche Zusage zum Ausschluss von Modelltraining, ein Freigabe- und Aufbewahrungskonzept sowie eine Regel gegen echte Personendaten in Entwürfen. Eine EU-Datenresidenz ist beim Anbieter zu prüfen. Dies ist keine Rechtsberatung – ziehen Sie Ihre Datenschutzbeauftragten hinzu.
Wo liegen unsere Daten, und gibt es eine EU-Datenresidenz?
Der Anbieter ist ein US-Unternehmen; damit stellen sich Drittlandfragen grundsätzlich. Ob Dateien, Vorschaubilder, Kommentare, Protokolle und KI-Eingaben in einer europäischen Region verarbeitet und gespeichert werden können, ab welcher Vertragsstufe das gilt und ob es alle Verarbeitungsschritte einschließlich der eingesetzten Modelle einschließt, ist beim Anbieter zu prüfen und schriftlich zu bestätigen. Achten Sie auf die Unterscheidung zwischen Speicher- und Verarbeitungsort: Daten können in der EU liegen und dennoch für Support, Diagnose oder Modellverarbeitung übermittelt werden. Fragen Sie außerdem, wo die Unterauftragsverarbeiter sitzen.
Werden unsere Entwürfe zum Training von KI-Modellen verwendet?
Dafür existieren Einstellungen, und die Voreinstellung kann sich je nach Vertragsstufe unterscheiden – genau darin liegt das Risiko. Verlassen Sie sich nicht auf eine Produktseite: Lassen Sie sich den Ausschluss vertraglich zusichern, prüfen Sie, ob die Einstellung organisationsweit zentral gesetzt werden kann oder von jeder Person selbst geändert werden könnte, und dokumentieren Sie den gesetzten Stand mit Datum. Fragen Sie in derselben Runde nach den beteiligten Modellanbietern, deren Speicherdauer für Eingaben und deren Trainingsausschluss. Diese Antworten gehören als Anlage in den Vertrag, nicht in eine E-Mail.
Können wir die Plattform im eigenen Rechenzentrum betreiben?
Nein. Es handelt sich um einen Dienst, ein Selbstbetrieb in eigener Infrastruktur ist nicht vorgesehen. Wenn Ihre Organisation Verarbeitung ausschließlich in eigener oder beauftragter Infrastruktur verlangt, führt der Weg zu einem anderen Ansatz – im Segment der Design-Werkzeuge ist eine quelloffene, selbst betreibbare Plattform der naheliegende Prüfpunkt. Der Preis ist Betriebsverantwortung, ein schmalerer Funktionsumfang, weniger Erweiterungen und deutlich weniger KI-Funktionen. Für besonders sensible Vorhaben ist das häufig dennoch die vertretbare Option, gegebenenfalls in Kombination mit einem kommerziellen Werkzeug für unkritische Projekte.
Wir haben Microsoft 365 oder Canva – warum ein weiteres Werkzeug?
Ein berechtigtes Argument, und wir prüfen es in Projekten zuerst. Für die vorhandenen Werkzeuge spricht, dass keine zusätzliche Datenverarbeitung bei einem weiteren Anbieter unter einem weiteren Vertrag entsteht. Wenn Ihr Bedarf bei Präsentationen und Alltagsmaterial endet, ist das der bessere Weg. Für eine Design-Plattform spricht alles, was mit Produktgestaltung, Prototypen, Design-Systemen und Übergabe an die Entwicklung zu tun hat – das leisten die vorhandenen Werkzeuge nicht. Unsere Empfehlung lautet meist nicht entweder oder, sondern eine Arbeitsteilung entlang der Aufgabenart mit einem gemeinsamen Erscheinungsbild als Klammer.
Was kostet der Einsatz in einem mittelständischen Unternehmen?
Konkrete Preise nennen wir bewusst nicht, weil sie sich ändern und vom Vertragskontext abhängen. Die Struktur der Kosten lässt sich aber klar benennen: Sitzplätze nach Rolle, wobei Betrachtende und Kommentierende deutlich günstiger oder kostenfrei sind; möglicherweise gesonderte Kosten oder Kontingente für KI-Funktionen; ein Aufpreis für die Vertragsstufe mit zentraler Verwaltung, die meist aus Anforderungen der IT folgt; Einführung, Aufbau des Design-Systems und Schulung; sowie laufende Pflege. Der Einführungsblock ist regelmäßig größer als die Lizenzkosten des ersten Jahres. Belastbar wird die Rechnung nur mit einem aktuellen schriftlichen Angebot.
Was passiert mit unseren Dateien, wenn wir kündigen?
Diese Frage gehört vor die Einführung, nicht ans Vertragsende. Klären Sie schriftlich, in welchen Formaten sich Dateien, Bausteine, Gestaltungswerte und Verlaufsdaten exportieren lassen, wie lange nach Vertragsende ein Export möglich ist und wann der Anbieter löscht. Rechnen Sie damit, dass Grafiken und Gestaltungswerte gut exportierbar sind, die Logik eines Design-Systems aus Varianten und Verweisen aber nur teilweise. Unsere Empfehlung: Halten Sie die tragenden Gestaltungswerte zusätzlich in einem neutralen, maschinenlesbaren Format in Ihrem eigenen Quellcodeverwaltungssystem vor – das ist der Teil, der bei einem Wechsel wirklich zählt.
Dürfen unsere Agenturen und Freelancer mitarbeiten?
Technisch ja, und das ist eine der Stärken der Plattform. Organisatorisch brauchen Sie drei Regeln. Erstens: Externe erhalten Zugriff auf das Projekt, an dem sie arbeiten, nicht auf den Arbeitsbereich. Zweitens: Zugänge haben ein Enddatum, das mit dem Auftragsende zusammenfällt, und werden tatsächlich entzogen – in unseren Prüfungen ist der vergessene Agenturzugang einer der häufigsten Befunde. Drittens: Klären Sie im Vertrag, wem die entstandenen Dateien und Bausteine gehören und in welcher Form sie bei Projektende übergeben werden. Ohne diese Klärung liegt Ihr Design-System im Arbeitsbereich eines Dienstleisters.
Was ist der häufigste Fehler bei der Einführung?
Der Start ohne Struktur und ohne Eigentümerschaft. Das Werkzeug ist in zwanzig Minuten eingerichtet, funktioniert an der IT vorbei und wirkt harmlos – deshalb läuft es in vielen Unternehmen bereits, bevor jemand eine Entscheidung getroffen hat. Der zweithäufigste Fehler ist die fehlende Rolle für das Design-System: Ohne verantwortliche Person mit festem Zeitanteil verfällt die Bibliothek innerhalb eines Jahres, und der wirtschaftliche Kern des Werkzeugs verschwindet. Beide Fehler haben dieselbe Gegenmaßnahme: zuerst Bestand aufnehmen, Struktur festlegen, Rechte und KI-Einstellungen setzen, Verantwortung benennen – dann ausrollen, nicht umgekehrt.
Wie läuft eine Einführung mit INAGRO ab?
Wir beginnen mit einer Bestandsaufnahme: Welche Arbeitsbereiche, Konten und Agenturzugänge existieren bereits, welche Inhalte liegen dort, welche Freigaben bestehen nach außen? Darauf folgen die Struktur- und Rechteentscheidung, die Produktentscheidung einschließlich der ehrlichen Prüfung selbst betreibbarer Alternativen, die Einrichtung von Anmeldung, Rollen, Freigaben und KI-Einstellungen, der Aufbau eines kleinen, tragfähigen Design-Systems sowie ein begleiteter Pilot an einem echten Vorhaben. Parallel unterstützen wir bei Datenschutzdokumentation, Auftragsverarbeitungsvertrag und der Verständigung mit der Arbeitnehmervertretung. Umfang und Kosten stimmen wir nach einem unverbindlichen Erstgespräch transparent auf Ihre Ausgangslage ab.

Recht, Betrieb und Alternativen

Design-Zusammenarbeit verantwortungsvoll aufsetzen

Bereit für Entwürfe, aus denen tragfähige Produkte werden?

Von der Bestandsaufnahme über Struktur, Rechte und Freigaben, die Produktentscheidung samt europäischer und selbst betriebener Alternativen, den Aufbau eines tragfähigen Design-Systems bis zur Abstimmung mit Datenschutz und Arbeitnehmervertretung – INAGRO begleitet Sie auf jedem Schritt. Mit herstellerneutraler Beratung, klarer Struktur und Fokus auf messbaren Nutzen. Pragmatisch, strukturiert und ehrlich.

Seit 2006 am Markt

120+ erfolgreiche Digitalprojekte

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