Wissensdatenbank · ERP-Systeme im Vergleich

RISE with SAP

SAPs Transformations- und Migrationsbündel („Business Transformation as a Service“) für den Umstieg auf SAP S/4HANA Cloud: ein Paket aus Software, Cloud-Infrastruktur, Tools und Services in einem Abonnement — kein eigenes ERP, sondern der verpackte Weg dorthin und das prägende Vertriebsmodell im SAP-Bestand.

26 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
RISE with SAP
INAGRO Wissensdatenbank · 36 ERP-Systeme
Anbieter
SAP SE (Walldorf, DE)
Typ
Transformations-/Migrationsbündel
Kern
S/4HANA Cloud (meist Private Edition)
Modell
Subskription (Business Transf. as a Service)
Zielgruppe
ECC-Bestandskunden / Transformation
Abgrenzung
GROW with SAP (Neukunden / Public)
INAGRO Eignung KMU
Kapitel 01 · Was ist RISE with SAP

Was ist RISE with SAP – und was ist es ausdrücklich nicht?

<strong>RISE with SAP</strong> ist kein ERP-System und keine Software-Edition, sondern ein <strong>kommerzielles Bündel</strong>, das SAP für den Umstieg bestehender Kunden auf SAP S/4HANA Cloud geschnürt hat. SAP vermarktet es unter dem Schlagwort <strong>„Business Transformation as a Service“</strong>: Software, Cloud-Infrastruktur, technische Werkzeuge und begleitende Services werden in einem Abonnement zusammengefasst und über einen einzigen Vertrag mit SAP als Hauptansprechpartner bezogen. Wer RISE verstehen will, muss zuerst diese Verpackungslogik begreifen — sonst verwechselt man das Paket mit dem Produkt darin.

Der wichtigste Merksatz zuerst: RISE ist der Weg, nicht das Ziel. Das Ziel ist ein moderner, cloud-betriebener ERP-Kern auf Basis von SAP S/4HANA. RISE ist das kommerzielle und organisatorische Vehikel, mit dem SAP diesen Umstieg anbietet — inklusive der Migration von einem Altsystem (typischerweise SAP ECC), der Bereitstellung der Cloud-Umgebung und einer Reihe von Werkzeugen und Leistungen, die den Übergang strukturieren sollen. Man abonniert also nicht nur eine Software, sondern ein ganzes Übergangs- und Betriebspaket.
Diese Bündelung ist gleichzeitig die größte Stärke und die häufigste Quelle von Missverständnissen. Sie senkt für Kunden die Zahl der Vertragspartner und der Schnittstellen — statt Software, Hosting und Betriebsleistung einzeln zu beschaffen, kommt vieles aus einer Hand. Sie vermischt aber auch technische Ebenen (welches System läuft eigentlich?) mit kommerziellen Ebenen (wie wird es bezogen und abgerechnet?), und genau diese Vermischung sorgt in Auswahlprojekten regelmäßig für Verwirrung.

RISE with SAP versus reines S/4HANA

Die zentrale Abgrenzung dieses Artikels lautet: S/4HANA ist die Software, RISE ist das Bezugs- und Transformationsmodell darum herum. SAP S/4HANA lässt sich grundsätzlich auch außerhalb von RISE beziehen — etwa als klassische On-Premise-Lizenz im eigenen Rechenzentrum oder als eigenständige Cloud-Edition. RISE fügt diesem Kern gezielt weitere Bausteine hinzu: die Cloud-Infrastruktur (meist bei einem Hyperscaler), den technischen Betrieb, Migrationswerkzeuge, ausgewählte Plattform- und Analytikdienste sowie methodische Unterstützung — alles in einem Subskriptionsvertrag.
Ein Bild hilft: S/4HANA ist der Motor, RISE ist das komplette Leasing- und Servicepaket, das Motor, Fahrzeug, Werkstatt, Versicherung und Umzugshilfe vom alten zum neuen Wagen zusammenfasst. Man kann den Motor auch einzeln kaufen und selbst einbauen — aber RISE verspricht, den gesamten Umzug als eine planbare, abonnierte Dienstleistung zu liefern. Ob dieses Versprechen im Einzelfall trägt, hängt von der konkreten Ausgangslage ab und ist eine der Kernfragen jeder RISE-Bewertung.
INAGRO-Einschätzung
Der zentrale Punkt: RISE with SAP ist kein neues ERP, sondern ein Bündel aus Software (S/4HANA Cloud), Cloud-Infrastruktur, Tools und Services in einem Abonnement — SAPs bevorzugtes Vertriebsmodell für die Transformation bestehender Kunden. Wer RISE bewertet, bewertet ein Vertrags- und Betriebsmodell, nicht ein einzelnes Produkt. Die Frage lautet daher nicht „Ist S/4HANA gut?“, sondern „Ist der gebündelte, abonnierte Weg dorthin für uns der richtige?“.

Warum RISE 2026 die ERP-Modernisierung im SAP-Bestand prägt

RISE with SAP ist deshalb allgegenwärtig, weil es SAPs bevorzugter kommerzieller Rahmen für den Übergang von ECC nach S/4HANA in der Cloud ist. Der auslaufende Wartungshorizont für ECC setzt tausende Bestandskunden im DACH-Raum unter Handlungsdruck, und RISE ist das Angebot, mit dem SAP diesen Kunden den Weg in die Cloud anbietet. Dadurch begegnet der Begriff in fast jeder Modernisierungsdebatte — oft, bevor die Beteiligten überhaupt geklärt haben, welche technische Edition und welche Migrationsstrategie eigentlich dahinterstehen.
Für eine seriöse Entscheidung ist genau diese Entflechtung nötig. Man muss trennen zwischen der Frage, ob S/4HANA die richtige Zielarchitektur ist (eine fachlich-technische Frage), und der Frage, ob RISE der richtige Weg dorthin ist (eine kommerzielle und betriebliche Frage). Beide Antworten hängen zusammen, sind aber nicht identisch — und wer sie zusammenwirft, verhandelt entweder das Falsche oder unterschätzt, worauf er sich vertraglich einlässt.

Worum es in diesem Fachartikel geht

Dieser Beitrag ordnet RISE with SAP herstellerneutral ein: die Bestandteile und ihre Positionierung (Kapitel 02), der konkrete Leistungsumfang (Kapitel 03), der Kontext rund um KI und Automatisierung inklusive des Assistenten Joule (Kapitel 04), Integrationen und die Hyperscaler-Frage (Kapitel 05), die Abgrenzung zu klassischer S/4HANA-Lizenz und zu GROW with SAP (Kapitel 06), Einführung und Betrieb zwischen Brownfield und Greenfield (Kapitel 07), die Eignung im Mittelstand (Kapitel 08), Kosten, DSGVO und Datenhoheit (Kapitel 09) sowie häufige Fragen (Kapitel 10). Ziel ist nicht, für oder gegen RISE zu werben, sondern eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu liefern.
Kapitel 02 · Bestandteile & Positionierung

Bestandteile & Positionierung des Bündels

RISE with SAP ist ein Baukasten aus mehreren Komponenten, die SAP zu einem Abonnement zusammenfasst. Wer die einzelnen Bausteine kennt, versteht besser, was im Preis enthalten ist, was zusätzlich anfällt und wo die Verantwortungsgrenzen zwischen Anbieter und Kunde verlaufen.

Die Kernbausteine: S/4HANA Cloud, BTP, Tools und Services

Im Zentrum steht die SAP S/4HANA Cloud — in aller Regel die Private Edition, weil RISE vorrangig auf die Transformation bestehender, oft angepasster Systeme zielt. Sie ist der eigentliche ERP-Kern. Um diesen Kern gruppieren sich weitere Bausteine, die je nach Zuschnitt und Vertragsstand des Programms in unterschiedlichem Umfang enthalten sind. Die folgenden Komponenten gehören typischerweise zum Bild, wobei der genaue Umfang beim Anbieter zu prüfen ist:
  • SAP Business Technology Platform (BTP) — die Plattform für Erweiterungen, Integration und Analytik. Sie ist der cloud-konforme Ort für Eigenentwicklungen (Clean Core), damit der ERP-Kern standardnah und update-fähig bleibt. In RISE ist häufig ein Grundkontingent enthalten, das über einen bestimmten Rahmen hinaus zusätzlich kostet.
  • Cloud-Infrastruktur — die Rechen- und Speicherressourcen, meist auf der Infrastruktur eines Hyperscalers betrieben (siehe Kapitel 05). Der Betrieb dieser Umgebung ist Teil des Bündels.
  • Technischer Betrieb und Managed Services — SAP übernimmt in RISE definierte Betriebsleistungen für die Umgebung, etwa rund um Verfügbarkeit, Updates der Basis und technische Wartung.
  • Transformations- und Migrationstools — Werkzeuge und Methoden, die den Übergang strukturieren (siehe Kapitel 03), von der Analyse der Ausgangslage über die Prozessbewertung bis zur eigentlichen Datenübernahme.
  • Ausgewählte Plattform- und Analytikdienste — je nach Paket eingebettete Dienste rund um Prozessanalyse, Integration und Auswertung.

Was zum Bündel gehört – und was nicht

Ebenso wichtig wie die enthaltenen Bausteine ist die klare Sicht darauf, was RISE nicht automatisch abdeckt. Das Bündel liefert die technische Grundlage und einen Teil der Werkzeuge — aber die eigentliche fachliche Umsetzung bleibt ein Projekt. Konkret nicht oder nur teilweise enthalten sind in der Regel: die inhaltliche Implementierungs- und Prozessberatung, das Change Management, die Bereinigung und fachliche Aufbereitung der Altdaten, der Neubau oder die Anpassung von Eigenentwicklungen sowie das interne Projekt- und Betriebsteam auf Kundenseite. Diese Leistungen werden meist über einen Implementierungspartner erbracht und separat beauftragt.
Diese Trennlinie ist entscheidend für eine realistische Erwartung. RISE reduziert die Zahl der technischen Vertragspartner und nimmt dem Kunden Teile des Basisbetriebs ab — aber es macht aus der Transformation kein Selbstläufer-Produkt. Die betriebswirtschaftlich schwierigen und teuren Themen (Prozessdesign, Datenqualität, Akzeptanz) liegen weiterhin überwiegend beim Kunden und seinem Implementierungspartner. Wer RISE als Rundum-sorglos-Paket missversteht, unterschätzt genau diese Aufwände.

Positionierung im SAP-Portfolio

Innerhalb des SAP-Angebots positioniert sich RISE als der gebündelte Transformationsweg für Bestandskunden. Es steht damit neben zwei anderen Bezugslogiken: dem klassischen, entkoppelten Bezug von S/4HANA (Lizenz, Infrastruktur und Betrieb getrennt beschafft) und dem Schwesterprogramm GROW with SAP, das dieselbe Bündelungsidee für Neukunden und die Public Edition verfolgt (siehe Kapitel 06). RISE ist also nicht die einzige Möglichkeit, zu S/4HANA zu gelangen, sondern SAPs bevorzugtes, standardisiertes Angebot für einen bestimmten Kundentyp — den bestehenden, meist ECC-basierten Kunden, der in die Cloud will oder soll.
Hinweis zu Bündel-Inhalten & Konditionen
Hinweis: Welche Komponenten (BTP-Kontingent, Betriebsleistungen, Tools, Dienste) in welchem Umfang enthalten sind, hängt vom konkreten Paketzuschnitt, der gewählten Edition und dem jeweils aktuellen Vertragsstand ab und ändert sich regelmäßig. Die hier beschriebene Zusammensetzung ist eine Orientierung, kein verbindlicher Leistungsstand und keine Rechtsberatung. Der genaue Leistungsumfang, die Verantwortungsgrenzen und die enthaltenen Kontingente gehören vor Vertragsschluss konkret beim Anbieter geprüft.
Kapitel 03 · Leistungsumfang

Leistungsumfang: was RISE konkret liefert

Über die reinen Bausteine hinaus verspricht RISE einen strukturierten Ablauf: Werkzeuge und Leistungen, die den Weg von der Analyse der Ausgangslage bis zum laufenden Cloud-Betrieb begleiten. Der Wert liegt weniger in einzelnen Funktionen als in der Verzahnung dieser Elemente zu einem durchgehenden Angebot.

Analyse-, Migrations- und Betriebsleistungen

Ein wiederkehrendes Element ist die strukturierte Analyse der Ausgangslage. Bevor migriert wird, geht es darum, den bestehenden Systemzustand zu erfassen: welche Prozesse laufen, welche Eigenentwicklungen existieren, wie ist es um Datenqualität und Systemnutzung bestellt. SAP stellt hierfür Werkzeuge und methodische Unterstützung bereit, die dabei helfen, den Umfang und die Risiken der Transformation abzuschätzen. Diese frühe Standortbestimmung ist wertvoll, ersetzt aber keine eigene, kritische Bewertung der Ergebnisse.
Auf der Migrationsseite bündelt RISE Werkzeuge und Leistungen, die den technischen Übergang vom Altsystem in die neue Cloud-Umgebung unterstützen — von der Datenübernahme bis zur Bereitstellung der Zielumgebung. Auf der Betriebsseite übernimmt SAP definierte Managed-Service-Leistungen für die Infrastruktur und die technische Basis, etwa die Sicherstellung der Verfügbarkeit im vereinbarten Rahmen und die Pflege der Betriebsplattform. Die genauen Service-Level und Verantwortungsgrenzen sind vertraglich geregelt und im Einzelfall zu prüfen.

Vertragliche Bündelung und der Single-Point-of-Contact-Gedanke

Ein zentrales Verkaufsargument von RISE ist die vertragliche Vereinfachung. Statt Software, Hosting und Basisbetrieb bei mehreren Parteien einzeln zu beschaffen und die Schnittstellen selbst zu verantworten, bündelt RISE diese Elemente unter dem Dach eines Abonnements mit SAP als zentralem Ansprechpartner. Das kann die Koordination erleichtern und Zuständigkeitslücken verringern — gerade bei Verfügbarkeits- oder Betriebsfragen, wo sich Anbieter sonst gegenseitig die Verantwortung zuschieben können.
Dieser Vorteil hat allerdings eine Kehrseite, die zur ehrlichen Betrachtung gehört: Die Bündelung erhöht die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter und macht spätere Wechsel tendenziell aufwendiger. Der bekannte Zielkonflikt zwischen Bequemlichkeit und Bindung wird durch das Bündelmodell nicht aufgehoben, sondern verschoben. Wer RISE wählt, sollte die Frage nach Vertragslaufzeiten, Ausstiegsszenarien und Lock-in-Effekten bewusst stellen, statt sie hinter dem Komfortversprechen verschwinden zu lassen.
Praxis-Hinweis zum Leistungsumfang
Genau hinschauen: Der Leistungsumfang von RISE ist ein Rahmen, kein fester Katalog. Entscheidend ist im Einzelfall, welche Service-Level vereinbart sind, wo die Verantwortungsgrenze zwischen SAP-Betrieb und eigenem bzw. partnerseitigem Aufwand verläuft und welche Leistungen (Implementierung, Change Management, Datenbereinigung) ausdrücklich nicht enthalten sind. Diese Punkte gehören vor Vertragsschluss schriftlich geklärt.

Der Nutzen der Verzahnung – und ihre Grenzen

Richtig eingesetzt liegt der Nutzen von RISE in der Durchgängigkeit: Analyse, Migration, Infrastruktur und Basisbetrieb greifen ineinander und werden aus einer Hand verantwortet. Für Organisationen ohne tiefe eigene SAP-Basis-Kompetenz kann das eine echte Entlastung sein, weil sie den technischen Unterbau nicht selbst aufbauen und betreiben müssen. Der Umstieg wird planbarer, weil viele Abhängigkeiten in einem Vertrag gebündelt sind.
Die Grenze dieser Verzahnung liegt dort, wo die fachliche Substanz beginnt. Kein Bündel nimmt einem Unternehmen die Entscheidung ab, welche Prozesse es standardisieren und welche es differenzieren will, wie sauber seine Daten sind und wie es seine Mitarbeitenden mitnimmt. RISE liefert einen guten Rahmen und einen soliden technischen Unterbau — den inhaltlichen Kern der Transformation muss die Organisation weiterhin selbst tragen. Diese realistische Erwartung schützt vor der Enttäuschung, ein Abonnement könne die Arbeit einer Transformation ersetzen.
Kapitel 04 · KI & Automatisierung

KI & Automatisierung: Joule und der Business-AI-Kontext

SAP positioniert seine ERP-Cloud zunehmend als Fundament für KI-gestützte Prozesse. Da RISE den Weg in eben diese Cloud verpackt, ist das Thema KI und Automatisierung fester Bestandteil der RISE-Erzählung — allerdings mit klaren Einschränkungen, was heute Realität und was Vision ist.

Joule und eingebettete KI im S/4HANA-Kontext

Ein sichtbares Element der SAP-KI-Strategie ist der Assistent Joule — ein KI-Copilot, der Anwenderinnen und Anwender in SAP-Anwendungen unterstützen soll, etwa durch natürlichsprachliche Interaktion, das Auffinden von Informationen und die Vereinfachung wiederkehrender Aufgaben. Zusätzlich verfolgt SAP das Ziel, KI-Funktionen direkt in einzelne Geschäftsprozesse einzubetten, etwa zur Unterstützung von Vorschlägen, Klassifikationen oder Automatisierungen im laufenden Betrieb. Der Grundgedanke: KI soll nicht als separates Werkzeug danebenstehen, sondern in die ERP-Prozesse hineingewoben werden.
Wichtig ist hier die nüchterne Einordnung. Welche KI-Funktionen konkret verfügbar, in welchem Paket enthalten und in welchem Reifegrad nutzbar sind, verändert sich schnell und hängt stark von Edition, Release und Vertragsstand ab. Manche Funktionen sind eingebettet und ohne Aufpreis nutzbar, andere sind kostenpflichtige Zusatzangebote, wieder andere befinden sich in Entwicklung oder eingeschränkter Verfügbarkeit. Konkrete Funktionsversprechen sollten daher immer gegen den aktuellen, für die eigene Konstellation gültigen Stand beim Anbieter geprüft werden — Marketingaussagen und produktive Realität fallen bei KI-Themen erfahrungsgemäß besonders häufig auseinander.

Warum die Cloud-Basis für KI eine Rolle spielt

Der Zusammenhang zwischen RISE und KI ist kein Zufall. Viele der neueren KI- und Automatisierungsfunktionen setzen eine aktuelle, cloud-betriebene S/4HANA-Umgebung voraus und lassen sich auf alten ECC-Systemen gar nicht oder nur eingeschränkt nutzen. Damit wird die KI-Perspektive zu einem der Argumente, mit denen der Umstieg begründet wird: Wer die kommenden Innovationszyklen mitnehmen will, braucht eine moderne Basis — und RISE ist der von SAP angebotene Weg dorthin. Ob dieses Argument im Einzelfall trägt, hängt davon ab, wie konkret und wie geschäftsrelevant die tatsächlich verfügbaren KI-Funktionen für das eigene Unternehmen sind.
Einordnung zu KI-Versprechen
KI ehrlich bewerten: KI-Funktionen wie Joule und eingebettete Business-AI sind ein realer Trend und ein legitimes Argument für eine moderne Cloud-Basis — aber Verfügbarkeit, Reifegrad, enthaltene Kontingente und Aufpreise ändern sich laufend. INAGRO empfiehlt, konkrete KI-Nutzenversprechen nicht aus Präsentationen zu übernehmen, sondern anhand der eigenen Prozesse und des aktuellen, vertraglich gültigen Stands zu bewerten. Datenschutz- und Governance-Fragen (welche Daten fließen wohin?) gehören dabei von Anfang an mitgedacht.

Automatisierung als betriebswirtschaftlicher Hebel

Jenseits einzelner Funktionen liegt der eigentliche Wert in der Prozessautomatisierung. Eine moderne, standardnahe ERP-Basis erleichtert es, wiederkehrende Tätigkeiten zu automatisieren, Medienbrüche zu reduzieren und Auswertungen in Echtzeit zu erhalten. Dieser Nutzen entsteht allerdings nicht durch das Abonnement selbst, sondern durch die konsequente Nutzung standardisierter, sauber modellierter Prozesse. KI und Automatisierung wirken als Verstärker auf eine gute Prozess- und Datenbasis — auf einer schlechten Basis verstärken sie vor allem das Chaos. Die alte Wahrheit gilt auch hier: Werkzeuge ersetzen keine Ordnung, sie belohnen sie.
Kapitel 05 · Integrationen & Hyperscaler

Integrationen & die Hyperscaler-Frage

Ein ERP steht nie allein. RISE bringt die Cloud-Infrastruktur mit, wirft damit aber zwei praktische Fragen auf: Wo läuft das System physisch (Hyperscaler-Wahl), und wie fügt es sich in die bestehende Anwendungslandschaft ein (Integration)? Beide Themen sind für Betrieb, Kosten und Datenhoheit relevant.

Die Hyperscaler-Wahl und ihre Bedeutung

Die Cloud-Infrastruktur unter RISE wird in aller Regel auf der Plattform eines Hyperscalers betrieben — je nach Angebot und Region kommen die großen internationalen Anbieter oder von SAP selbst betriebene Rechenzentren infrage. Für den Kunden ist relevant, dass diese Wahl Auswirkungen auf mehrere Dimensionen hat: den Datenstandort (in welcher Region und unter welcher Rechtsordnung liegen die Daten?), die verfügbaren Regionen und Zertifizierungen, mögliche Integrationsvorteile mit anderen Diensten desselben Anbieters sowie die Abhängigkeitsstruktur. Welche Hyperscaler in welcher Region wählbar sind und welche Konsequenzen das im Detail hat, ist beim Anbieter zu prüfen und kann sich ändern.
Gerade für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Datenhoheit und EU-Ansässigkeit ist die Hyperscaler- und Regionsfrage kein Nebenschauplatz. Der Betriebsort der Daten, die Zugriffsmöglichkeiten und die anwendbaren rechtlichen Rahmenbedingungen sollten früh und vertraglich geklärt werden — nicht erst, wenn die Migration bereits läuft. Diese Aspekte greifen unmittelbar in das DSGVO- und Souveränitätsthema hinein, das Kapitel 09 vertieft.

Integration in die bestehende Systemlandschaft

Kaum ein Unternehmen betreibt sein ERP isoliert. Vorsysteme, Fachanwendungen, Webshops, Logistik- und CRM-Lösungen, Datenplattformen und Office-Umgebungen müssen mit dem neuen S/4HANA-Kern zusammenspielen. Die SAP Business Technology Platform (BTP) ist dabei der von SAP vorgesehene zentrale Ort für Integration und Erweiterung: Sie soll Schnittstellen, Automatisierungen und ergänzende Dienste beherbergen, ohne den ERP-Kern zu modifizieren (Clean Core). In der Praxis ist die Integration mit der Umsystemlandschaft regelmäßig einer der aufwendigeren und teureren Teile eines Projekts — Schnittstellen sind erfahrungsgemäß unterschätzte Kostentreiber.
Hier lohnt eine ehrliche Bestandsaufnahme vor dem Projekt: Welche Schnittstellen existieren, welche sind geschäftskritisch, welche lassen sich vereinfachen oder ablösen? Je klarer diese Landschaft vor Projektbeginn kartiert ist, desto realistischer werden Aufwand und Budget. Auch hier gilt, dass RISE die technische Plattform bereitstellt, die inhaltliche Integrationsarbeit aber ein Projekt bleibt, das meist über einen Implementierungspartner läuft.
Hinweis zu Hyperscaler & Integration
Früh klären: Welcher Hyperscaler in welcher Region genutzt wird, welche Zertifizierungen vorliegen und wo die Daten liegen, gehört zu den ersten zu klärenden Punkten — ebenso die Frage, welche Schnittstellen zur bestehenden Landschaft nötig sind. Diese Themen sind betriebs-, kosten- und datenschutzrelevant und sollten beim Anbieter konkret geprüft und vertraglich festgehalten werden. Das ist keine Rechtsberatung.
Kapitel 06 · Abgrenzung

Abgrenzung: RISE, klassische Lizenz und GROW

Die häufigste Verwirrung rund um RISE entsteht durch die Vermischung dreier Ebenen: dem Programm RISE, dem gleichrangigen Programm GROW und dem klassischen, entkoppelten Bezug von S/4HANA. Wer diese drei sauber trennt, versteht das Angebot — und die Alternativen dazu.

RISE with SAP versus klassische S/4HANA-Lizenz

Der grundlegende Unterschied liegt im Bezugs- und Betriebsmodell. Bei der klassischen Beschaffung kauft oder lizenziert ein Unternehmen S/4HANA (etwa On-Premise), beschafft Infrastruktur und Betrieb getrennt und verantwortet die Integration dieser Teile selbst — mit maximaler Kontrolle, aber auch maximaler Eigenverantwortung. RISE bündelt Software, Infrastruktur und Basisbetrieb in einem Subskriptionsvertrag mit SAP als zentralem Partner. Der Tausch lautet also: mehr Bequemlichkeit und weniger Schnittstellen gegen mehr Anbieterbindung und weniger direkte Kontrolle über einzelne Bausteine.
Für die Entscheidung heißt das: Unternehmen mit starker eigener IT-Tiefe, hohem Kontrollbedarf oder besonderen Anforderungen an den Betriebsort können Gründe haben, den entkoppelten Weg zu bevorzugen. Organisationen, die den technischen Unterbau lieber abgeben und die Zahl der Vertragspartner reduzieren wollen, finden im RISE-Bündel den bequemeren Rahmen. Keine der beiden Optionen ist per se besser — sie passen zu unterschiedlichen Profilen.

RISE versus GROW with SAP

RISE und GROW sind Geschwisterprogramme mit unterschiedlicher Zielgruppe. RISE with SAP zielt auf Bestandskunden und die Transformation gewachsener, oft angepasster Systeme — im Kern meist die S/4HANA Cloud Private Edition, weil dort Anpassungen und Bestand mitgenommen werden können. GROW with SAP adressiert dagegen Neukunden und den Mid-Market mit der Public Edition und einem auf schnelle, standardnahe Einführung ausgelegten Paket. Vereinfacht: RISE ist der Weg für die, die schon SAP haben und transformieren; GROW ist der Weg für die, die neu und schlank einsteigen.
Aspekt Klassische S/4HANA-Lizenz RISE with SAP GROW with SAP
Grundlogik Entkoppelter Bezug Bündel für Transformation Bündel für Schnelleinstieg
Typischer Kern On-Prem / Cloud, getrennt S/4HANA Cloud (meist Private) S/4HANA Cloud Public Edition
Zielgruppe Kontroll-/IT-starke Häuser ECC-Bestandskunden Neukunden / Mid-Market
Anpassbarkeit Hoch Hoch (Private) Standardnah
Betrieb Eigenverantwortung Gebündelt (SAP) Gebündelt (SAP)
Anbieterbindung Geringer Höher Höher
Einordnung der drei Wege
Nicht verwechseln: RISE und GROW sind kommerzielle Bündel, keine eigenen Produkte — dahinter steht in beiden Fällen S/4HANA Cloud (RISE eher Private, GROW Public). Die klassische Lizenz ist der entkoppelte Gegenentwurf. Welcher Weg passt, folgt aus Bestand, Anpassungstiefe, Kontrollbedarf und der Bereitschaft zur Anbieterbindung — nicht aus dem Programmnamen. Konditionen und Zuschnitte ändern sich; vor Auswahl beim Anbieter prüfen.

Warum die saubere Trennung Geld und Nerven spart

Wer diese drei Ebenen vermengt, verhandelt leicht am eigenen Bedarf vorbei. Ein Unternehmen, das eigentlich maximale Kontrolle über den Betriebsort braucht, sollte nicht reflexartig ins Bündel gehen, nur weil es angeboten wird; umgekehrt sollte ein Haus ohne SAP-Basis-Kompetenz nicht den entkoppelten Weg wählen, nur weil er theoretisch mehr Freiheit verspricht. Die Empfehlung lautet, zuerst die Zielarchitektur (welche Edition, welcher Betriebsort, welche Kontrolle?) zu klären und erst dann das passende Bezugsmodell auszuwählen — nicht umgekehrt.
Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung & Betrieb: Brownfield, Greenfield und der laufende Betrieb

RISE verpackt den Weg in die Cloud, aber es entscheidet nicht darüber, wie migriert wird. Die Wahl zwischen Konvertierung des Bestands (Brownfield) und Neuaufbau (Greenfield) bleibt eine eigenständige, folgenreiche Entscheidung — und der Betrieb nach dem Go-live ist ein eigenes Kapitel.

Brownfield versus Greenfield im RISE-Kontext

Beim Brownfield-Ansatz (Systemkonvertierung) wird das bestehende ECC-System technisch nach S/4HANA überführt: Prozesse, Anpassungen und historische Daten bleiben weitgehend erhalten, die Architektur wird auf die neue Basis umgestellt. Der Reiz liegt in der Kontinuität und dem oft kürzeren Zeitrahmen; der Preis ist, dass Altlasten und technische Schulden mitwandern und das Clean-Core-Ziel gefährden können. Beim Greenfield-Ansatz wird ein neues System aufgesetzt und die Prozesse werden anhand von Standards neu modelliert; nur ausgewählte Daten werden übernommen. Das ergibt einen sauberen, standardnahen Start, verlangt aber deutlich mehr Prozess-Redesign und Change Management.
RISE ist mit beiden Ansätzen kombinierbar — das Bündel liefert Infrastruktur, Basisbetrieb und Werkzeuge, unabhängig davon, ob konvertiert oder neu aufgebaut wird. In der Praxis mischen reale Projekte die Ansätze häufig (selektive, hybride Vorgehensweisen), und die richtige Wahl folgt aus Prozessqualität, Anpassungstiefe, Datenmenge und Risikoappetit. Wichtig ist die begriffliche Trennung: Die Migrationsstrategie beantwortet, wie man von A nach B kommt; RISE beantwortet, wie dieser Weg kommerziell und betrieblich verpackt wird. Beide Fragen gehören getrennt und bewusst beantwortet.

Der laufende Betrieb: Verantwortungsteilung verstehen

Nach dem Go-live beginnt der Dauerbetrieb — und hier ist die Verantwortungsteilung das zentrale Thema. In RISE übernimmt SAP definierte Betriebsleistungen für die Infrastruktur und die technische Basis. Die Verantwortung für die fachliche Anwendung, die Prozesse, die Berechtigungen, die Weiterentwicklung und die Datenqualität bleibt jedoch beim Kunden (und seinem Partner). Diese Grenze — oft als geteiltes Verantwortungsmodell beschrieben — muss allen Beteiligten klar sein, damit im Betrieb keine Lücken entstehen, in denen sich niemand zuständig fühlt.
Praxis-Hinweis zu Einführung & Betrieb
Zwei getrennte Fragen: RISE ist das Bezugsmodell, Brownfield/Greenfield ist die Migrationsstrategie — das eine ersetzt nicht das andere. Für einen tragfähigen Betrieb sollte vor Vertragsschluss die Verantwortungsgrenze zwischen SAP-Basisbetrieb und eigener bzw. partnerseitiger Verantwortung schriftlich fixiert sein. Die fachliche Transformation (Prozesse, Daten, Akzeptanz) bleibt Aufgabe des Unternehmens.

Der Einführungs-Fahrplan in fünf Phasen

01
Readiness-Check & Zielbild
Ist-Aufnahme von Prozessen, Eigenentwicklungen und Datenqualität; gültige Wartungsfristen des eigenen Systems klären. Zielarchitektur (Edition, Betriebsort) und Migrationsstrategie (Brownfield/Greenfield) festlegen — und erst dann prüfen, ob RISE der passende Bezugsweg ist.
02
Vertrags- & Leistungsklärung
Bündelinhalte, Service-Level, enthaltene Kontingente (etwa BTP), Hyperscaler/Region und Verantwortungsgrenzen schriftlich klären. Datenschutz-, Datenhoheits- und Ausstiegsfragen (Laufzeiten, Lock-in) bewusst adressieren. Keine Rechtsberatung — juristische Prüfung einbinden.
03
Prozessdesign & Clean Core
Soll-Prozesse definieren, konsequent zwischen differenzierenden und standardisierbaren Prozessen trennen. Erweiterungen über die BTP statt Kernmodifikation planen, damit das System update- und cloud-fähig bleibt. Integrationslandschaft (Schnittstellen) früh kartieren.
04
Migration, Test & Go-live
Datenübernahme und -bereinigung, Aufbau der Cloud-Umgebung, Integration der Umsysteme. Strukturierte Tests und früh eingebundene Key User. Geplanter Produktivstart mit intensiver Hypercare-Phase — Datenqualität und Schnittstellen sind erfahrungsgemäß die teuren Themen.
05
Betrieb, Governance & Roadmap
Verantwortungsteilung im Betrieb leben, Governance und Center of Excellence etablieren, Release-Wechsel planbar einarbeiten. ROI messen, Clean-Core-Disziplin wahren und weitere Funktionen (Analytik, Automatisierung, KI) schrittweise und bedarfsgerecht erschließen.
Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

RISE with SAP im Mittelstand

Für den DACH-Mittelstand ist RISE zugleich verlockend und riskant: Es verspricht, den technischen Unterbau abzunehmen — genau das, wofür kleineren IT-Abteilungen oft die Kapazität fehlt. Doch das Bündel löst nicht die eigentlichen Herausforderungen einer Transformation, und die Anbieterbindung wiegt im Mittelstand besonders schwer.

Warum das Bündel für Mittelständler attraktiv wirkt

Viele mittelständische SAP-Kunden betreiben ein gewachsenes ECC und stehen vor derselben Migrationsfrage wie Konzerne — nur mit kleinerer IT-Mannschaft, engerem Budget und weniger tiefem SAP-Basis-Know-how. Für sie ist die Idee, Software, Infrastruktur und Basisbetrieb aus einer Hand und in einem Abonnement zu beziehen, nachvollziehbar attraktiv: Sie müssen keine eigene Cloud-Betriebsmannschaft aufbauen, reduzieren die Zahl der Vertragspartner und erhalten einen planbaren, laufenden Kostenrahmen statt hoher Anfangsinvestitionen. Gerade wo interne Ressourcen knapp sind, kann diese Entlastung real sein.

Wo die Grenzen liegen: Standardisierung, Bindung und interne Ressourcen

Zugleich gelten für den Mittelstand drei nüchterne Einschränkungen. Erstens: Das Bündel nimmt den fachlichen Kern der Transformation nicht ab. Prozessdesign, Datenbereinigung, Change Management und die Entscheidung, welche Eigenheiten aufgegeben werden, bleiben beim Unternehmen — und binden auch bei RISE erhebliche interne Kapazität. Zweitens: Die Anbieterbindung wiegt für Mittelständler oft schwerer, weil ihnen die Verhandlungsmacht großer Konzerne fehlt und ein späterer Ausstieg entsprechend aufwendig sein kann. Drittens: Die Frage, ob überhaupt die Private- oder eher eine schlankere, standardnahe Lösung passt, sollte offen geprüft werden — nicht jeder Mittelständler braucht die Tiefe, die RISE mitbringt.
Besonders relevant ist die kulturelle Frage der Standardisierung. Mittelständische Unternehmen verstehen ihre individuellen Prozesse häufig als Wettbewerbsvorteil und tun sich schwer, sie zugunsten des Standards aufzugeben. Doch jede beibehaltene Eigenheit erhöht Aufwand und Betriebskosten und gefährdet die Update-Fähigkeit. Ein wirtschaftliches RISE-Projekt im Mittelstand trennt daher konsequent zwischen den wenigen wirklich differenzierenden Prozessen und der Mehrheit, die ohne Schaden standardisiert werden kann.
Ehrliche Einordnung für den Mittelstand
Entlastung ja, Selbstläufer nein: RISE kann dem Mittelstand den technischen Unterbau abnehmen und Investitionen glätten — aber es ersetzt weder das Prozessdesign noch das Change Management, und es erhöht die Anbieterbindung. Die richtige Frage lautet nicht „RISE ja oder nein?“, sondern „Passt die Zielarchitektur zu unseren Prozessen und unserem Budget — und ist der gebündelte Weg dorthin für uns tragfähig?“. Im Zweifel herstellerneutral prüfen.

Die Rolle des Implementierungspartners

Gerade im Mittelstand entscheidet die Qualität des Implementierungspartners oft stärker über den Projekterfolg als das Bezugsmodell. RISE liefert die technische Grundlage, aber die fachliche Umsetzung — Prozessdesign, Migration, Integration, Schulung — läuft in aller Regel über einen Partner. Hilfreich sind Partner mit nachweisbarer Erfahrung in der eigenen Branche und Unternehmensgröße, die die Realität knapper interner Ressourcen kennen und konsequent zum Standard raten, statt jeden Sonderwunsch zu erfüllen. Ein Partner, der individuelle Wünsche kritisch hinterfragt, schützt das Budget besser als einer, der alles verspricht.
Kapitel 09 · Kosten & DSGVO/Datenhoheit

Kosten, DSGVO & Datenhoheit

RISE verschiebt die Kostenlogik von der Investition zur Subskription — planbar, aber dauerhaft. Und weil das System in einer Cloud betrieben wird, rücken Datenhoheit und DSGVO in den Mittelpunkt. Beide Themen gehören vor Vertragsschluss geklärt, nicht danach.

Das Subskriptionsmodell: planbar, aber dauerhaft

RISE wird als Abonnement abgerechnet: Statt hoher Anfangsinvestitionen in Lizenzen und Infrastruktur fallen laufende, planbare Gebühren an, die Software, Cloud-Infrastruktur und Basisbetrieb umfassen. Das glättet die Kostenkurve und senkt die Einstiegshürde — verlagert die Ausgaben aber in dauerhafte, über die Vertragslaufzeit summierte Verpflichtungen. Über mehrere Jahre betrachtet kann sich das erheblich summieren, weshalb eine ehrliche Betrachtung immer die gesamte Laufzeit einbezieht und nicht nur die attraktiv wirkende Monats- oder Jahresrate.
Wichtig ist zudem, was das Abonnement nicht enthält. Die reine Subskription deckt Software, Infrastruktur und Basisbetrieb ab — aber die Transformation drumherum (Implementierungsberatung, Datenmigration und -bereinigung, Neubau von Eigenentwicklungen, Change Management, Schulung, interne Ressourcen und die Stabilisierungsphase) ist zusätzlicher Aufwand, der den größeren Teil der Gesamtkosten ausmachen kann. Wer nur die Abogebühr betrachtet und die Umsetzung „nebenbei“ einplant, unterschätzt das Projekt strukturell — dieselbe Erfahrung, die für S/4HANA-Einführungen generell gilt.
Kosten-Hinweis
Keine Exakt-Preise, aber klare Botschaft: Konkrete Preise für RISE hängen von Umfang, Nutzerzahl, Edition, Laufzeit und Verhandlung ab und gehören beim Anbieter geprüft — pauschale Zahlen wären unseriös. Verlässlich ist die Struktur: planbare Abogebühr für Software/Infrastruktur/Basisbetrieb plus separater, oft größerer Aufwand für die fachliche Transformation. Ein belastbares Budget rechnet die gesamte Laufzeit und einen Risikopuffer für Datenqualität und Schnittstellen mit ein.

DSGVO, EU-Rechenzentren und Datenhoheit

Weil RISE das System in einer Cloud betreibt, ist die Frage nach dem Datenstandort zentral. SAP bietet in der Regel den Betrieb in EU-Regionen an, und für datenschutzsensible Organisationen ist die Wahl einer EU-Region ein naheliegender Baustein. Entscheidend sind jedoch die konkreten vertraglichen und technischen Rahmenbedingungen: Wo genau liegen die Daten, wer hat Zugriff, welcher Hyperscaler betreibt die Infrastruktur, welche rechtliche Ordnung ist anwendbar, wie ist die Verschlüsselung geregelt und welche Zertifizierungen liegen vor. Cloud-Betrieb bedeutet nicht automatisch einen Verlust an Souveränität — aber Souveränität ergibt sich auch nicht von selbst, sondern aus der bewussten Gestaltung dieser Punkte.
DSGVO- & Datenhoheits-Setup

Beim Cloud-Bezug über RISE müssen Datenschutz und Datenhoheit von Beginn an sauber aufgesetzt werden — das ist eine organisatorische Pflicht und keine Rechtsberatung:

Datenstandort & Region
EU-Region und Hyperscaler prüfen und vertraglich festhalten
Auftragsverarbeitung (AVV)
mit SAP bzw. Betreiber abschließen und Subunternehmer klären
Zugriff & Verschlüsselung
Zugriffsrechte, Verschlüsselung und Schlüsselverwaltung regeln
Zertifizierungen & Audit
vorliegende Nachweise prüfen, Protokollierung sicherstellen
Laufzeit & Ausstieg
Vertragslaufzeiten, Lock-in und Datenrückgabe früh klären
Governance & Verantwortung
geteiltes Verantwortungsmodell und Zuständigkeiten fixieren
Praxis-Hinweis zu Kosten & Datenhoheit
Vor der Unterschrift: Kosten über die volle Laufzeit rechnen (Abo plus Transformation), Datenstandort und Zugriffe vertraglich sichern und Ausstiegsszenarien durchdenken. Datenhoheit ist im Cloud-Betrieb gestaltbar, aber kein Automatismus — sie muss aktiv verhandelt werden. INAGRO empfiehlt, diese Punkte mit den eigenen Datenschutz- und Compliance-Verantwortlichen sowie juristisch zu prüfen; dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Stärken und Grenzen von RISE nüchtern abgewogen

Stärken
  • Software, Infrastruktur und Basisbetrieb aus einer Hand, ein Vertrag
  • Weniger Schnittstellen und Zuständigkeitslücken im Betrieb
  • Planbare Subskription statt hoher Anfangsinvestition
  • Entlastung für Häuser ohne tiefe SAP-Basis-Kompetenz
  • Moderne Cloud-Basis als Fundament für Analytik und KI
  • Mit Brownfield und Greenfield gleichermaßen kombinierbar
Einschränkungen
  • Höhere Anbieterbindung, aufwendigere Wechsel (Lock-in)
  • Fachliche Transformation nicht enthalten (großer Zusatzaufwand)
  • Bündel-Inhalte und Verantwortungsgrenzen oft unklar
  • Dauerhafte Abokosten über die gesamte Laufzeit
  • Datenhoheit muss aktiv vertraglich gestaltet werden
  • Für manche Profile ist der entkoppelte Weg passender
Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu RISE with SAP

Was ist RISE with SAP in einem Satz?
RISE with SAP ist kein eigenes ERP, sondern ein kommerzielles Bündel („Business Transformation as a Service“), das Software (SAP S/4HANA Cloud, meist Private Edition), Cloud-Infrastruktur, Tools und Basisbetriebsleistungen in einem Abonnement zusammenfasst — SAPs bevorzugter Weg, bestehende (meist ECC-)Kunden in die Cloud zu überführen.
Was ist der Unterschied zwischen RISE with SAP und S/4HANA?
S/4HANA ist die ERP-Software, RISE ist das Bezugs- und Transformationsmodell darum herum. S/4HANA lässt sich auch außerhalb von RISE beziehen (etwa als klassische On-Premise-Lizenz). RISE fügt der Software gezielt Cloud-Infrastruktur, Basisbetrieb, Migrationstools und Services hinzu und verpackt alles in einem Subskriptionsvertrag mit SAP als zentralem Ansprechpartner. Kurz: S/4HANA ist der Motor, RISE das gebündelte Servicepaket darum.
Woraus besteht das RISE-Bündel?
Typischerweise aus SAP S/4HANA Cloud (meist Private Edition) als Kern, der SAP Business Technology Platform (BTP) für Erweiterungen und Integration, der Cloud-Infrastruktur (meist bei einem Hyperscaler), definierten Managed-Service- und Betriebsleistungen sowie Transformations- und Migrationstools. Welche Komponenten in welchem Umfang enthalten sind, hängt vom Paketzuschnitt und Vertragsstand ab und ändert sich — vor Vertragsschluss beim Anbieter prüfen.
Was ist im RISE-Abonnement nicht enthalten?
In der Regel nicht enthalten sind die fachliche Implementierungs- und Prozessberatung, das Change Management, die Bereinigung und Aufbereitung der Altdaten, der Neubau oder die Anpassung von Eigenentwicklungen sowie das interne Projekt- und Betriebsteam. Diese Leistungen laufen meist über einen Implementierungspartner und sind separat zu beauftragen — sie machen häufig den größeren Teil der Gesamtkosten aus.
Was ist der Unterschied zwischen RISE with SAP und GROW with SAP?
Beides sind kommerzielle Bündel, keine eigenen Produkte. RISE richtet sich an Bestandskunden und die Transformation gewachsener Systeme — im Kern meist die S/4HANA Cloud Private Edition. GROW adressiert Neukunden und den Mid-Market mit der Public Edition und einem auf schnelle, standardnahe Einführung ausgelegten Paket. Vereinfacht: RISE ist der Weg für die, die schon SAP haben und transformieren; GROW ist der Weg für den schlanken Neueinstieg.
Was kostet RISE with SAP?
Konkrete Preise hängen von Umfang, Nutzerzahl, Edition, Laufzeit und Verhandlung ab und lassen sich nicht seriös pauschalisieren — sie gehören beim Anbieter geprüft. Verlässlich ist die Struktur: eine planbare, laufende Abogebühr für Software, Infrastruktur und Basisbetrieb, plus separater und oft größerer Aufwand für die fachliche Transformation (Beratung, Migration, Change Management). Ein belastbares Budget rechnet die gesamte Laufzeit und einen Risikopuffer mit ein.
Kann ich RISE mit Brownfield und Greenfield nutzen?
Ja. RISE ist das Bezugs- und Betriebsmodell und mit beiden Migrationsstrategien kombinierbar. Brownfield konvertiert das bestehende ECC-System technisch nach S/4HANA (kontinuierlich, aber mit Altlasten), Greenfield baut neu auf und modelliert Prozesse nach Standards (sauber, aber aufwendiger). Die Wahl der Strategie ist von der Wahl von RISE getrennt und folgt aus Prozessqualität, Anpassungstiefe, Datenmenge und Risikoappetit.
Wo liegen meine Daten bei RISE, und wie steht es um die DSGVO?
RISE betreibt das System in einer Cloud, üblicherweise mit der Option eines Betriebs in EU-Regionen bei einem Hyperscaler. Für die DSGVO entscheidend sind die konkreten Rahmenbedingungen: Datenstandort, Zugriffsmöglichkeiten, Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV), Verschlüsselung, Zertifizierungen und Ausstiegsszenarien. Datenhoheit ist im Cloud-Betrieb gestaltbar, aber kein Automatismus — sie muss aktiv verhandelt und vertraglich gesichert werden. Dies ist keine Rechtsberatung; die Prüfung gehört zu Datenschutz und Recht.
Erhöht RISE die Abhängigkeit von SAP?
Tendenziell ja. Die Bündelung von Software, Infrastruktur und Betrieb in einem Vertrag reduziert Schnittstellen und Koordinationsaufwand, erhöht aber die Anbieterbindung und macht spätere Wechsel aufwendiger. Dieser Zielkonflikt zwischen Bequemlichkeit und Bindung wird nicht aufgehoben, sondern verschoben. Wer RISE wählt, sollte Vertragslaufzeiten, Ausstiegsszenarien und Datenrückgabe bewusst adressieren — statt sie hinter dem Komfortversprechen verschwinden zu lassen.
Ist RISE with SAP für den Mittelstand geeignet?
Es kann passen, ist aber kein Selbstläufer. RISE kann dem Mittelstand den technischen Unterbau abnehmen und Investitionen glätten — gerade bei knappen IT-Ressourcen eine echte Entlastung. Es ersetzt jedoch nicht Prozessdesign, Datenbereinigung und Change Management und erhöht die Anbieterbindung, die für Mittelständler besonders schwer wiegt. Die Entscheidung sollte der Zielarchitektur, dem Budget und den Ressourcen folgen und im Zweifel herstellerneutral geprüft werden.

ERP-Transformation strategisch angehen

Brauchen Sie eine ehrliche RISE-with-SAP-Bewertung?

Wir prüfen herstellerunabhängig, ob der gebündelte Weg über RISE für Ihr Unternehmen der richtige ist: Zielarchitektur und Edition, Abgrenzung zur klassischen Lizenz und zu GROW, Kosten- und Laufzeit-Realität, Datenhoheit und Governance – pragmatisch und auf den Mittelstand zugeschnitten.

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