Der Name „Lexware“ steht seit vielen Jahren für kaufmännische Standardsoftware „von der Stange“, die bewusst auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten ist. Während große Konzerne komplexe ERP-Suiten betreiben, adressiert Lexware jene breite Schicht von Betrieben, die eine solide, gesetzeskonforme und bezahlbare Lösung für ihre Finanz- und Verwaltungsprozesse suchen – ohne monatelange Einführungsprojekte. Genau diese Positionierung erklärt die enorme Verbreitung: Lexware ist in vielen Handwerksbetrieben, Agenturen, Dienstleistern und Handelsunternehmen der stille Motor hinter Rechnung, Buchung und Lohnlauf.
Wichtig ist ein Verständnis der Zweiteilung der Marke. Historisch ist Lexware als Desktop-Software groß geworden – installierbare Programme, die lokal auf dem Rechner oder im Firmennetz laufen. Parallel dazu hat der Anbieter eine Cloud-Linie aufgebaut, die heute unter dem Namen Lexware Office firmiert (vielen noch als „lexoffice“ bekannt). Beide Welten existieren nebeneinander und bedienen unterschiedliche Bedürfnisse. Wer über Lexware spricht, sollte deshalb immer klären, ob die klassische Desktop-Familie oder die Cloud-Anwendung gemeint ist – die Antwort verändert fast jede weitere Überlegung zu Betrieb, Zusammenarbeit und Datenhaltung.
Was viele Betriebe zunächst als reines Rechnungs- oder Buchhaltungsprogramm einführen, wächst in der Praxis oft zur zentralen kaufmännischen Basis heran. Aus der ersten Rechnung wird eine durchgängige Belegkette: Angebot, Auftrag, Lieferschein, Rechnung, Zahlungsabgleich und Buchung greifen ineinander. Für ein Kleinunternehmen bedeutet das einen spürbaren Schritt weg von Insellösungen wie Tabellenkalkulation und Textverarbeitung hin zu einem geordneten, nachvollziehbaren System. Genau dieser Reifegrad – von der Einzelaufgabe zur zusammenhängenden Prozesskette – ist der eigentliche Nutzen von Lexware für die Zielgruppe.
In dieser Wissensdatenbank behandeln wir Lexware unter dem Blickwinkel der DACH-Compliance und Steuer. Der Grund: Kaufmännische Software ist in Deutschland kein reines Komfortthema, sondern berührt handfeste gesetzliche Pflichten. Wer Rechnungen schreibt, Belege bucht und Löhne abrechnet, bewegt sich im Rahmen von GoBD, Umsatzsteuerrecht, Aufbewahrungspflichten und – zunehmend – der E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich. Eine Software, die diese Anforderungen sauber abbildet, nimmt dem Unternehmen einen erheblichen Teil des Compliance-Risikos ab. Lexware positioniert sich seit jeher genau hier: als Werkzeug, das den gesetzlichen Rahmen des deutschen Rechnungswesens abbildet und laufend an neue Vorgaben anpasst.
Die wichtigste Unterscheidung ist die zwischen Betriebsmodellen. Auf der einen Seite steht die Cloud-Welt: eine browserbasierte Anwendung, die als Software-as-a-Service bereitgestellt wird, automatisch aktualisiert wird und ortsunabhängig zugänglich ist. Auf der anderen Seite steht die Desktop-Welt: lokal installierte Programme, die auf dem eigenen Rechner oder Server laufen und deren Daten im eigenen Zugriff liegen. Beide bilden ähnliche fachliche Aufgaben ab, unterscheiden sich aber grundlegend in Bedienung, Zusammenarbeit, Aktualisierung und Datenhaltung.
Lexware Office (früher als lexoffice bekannt) ist die cloudbasierte Antwort des Anbieters auf den Trend zu ortsunabhängigem, kollaborativem Arbeiten. Die Anwendung läuft im Browser, benötigt keine lokale Installation und wird laufend im Hintergrund aktualisiert. Für Solo-Selbstständige, Gründerinnen und kleine Teams ist das attraktiv: Man startet schnell, arbeitet von überall und teilt Belege und Daten unkompliziert mit dem Steuerberater. Die Cloud-Linie ist typischerweise in gestaffelte Pakete gegliedert – vom einfachen Rechnungsschreiben bis zur vollständigen Buchhaltung mit Umsatzsteuer-Voranmeldung. Der konkrete Funktionsumfang der einzelnen Pakete sollte stets beim Anbieter geprüft werden, da sich Zuschnitt und Bezeichnungen weiterentwickeln.
Die Desktop-Familie ist historisch das Rückgrat der Marke und besteht aus mehreren, teils kombinierbaren Programmen. Sie richtet sich an Betriebe, die lokale Installation, mehr Funktionstiefe oder besondere Anforderungen an die Datenhaltung schätzen. Charakteristisch ist der modulare Aufbau: Buchhaltung, Lohnabrechnung und Warenwirtschaft gibt es einzeln oder in gebündelten Editionen, die mehrere Bereiche zusammenfassen.
Die konkreten Produktnamen und ihr genauer Zuschnitt entwickeln sich über die Jahre weiter; der Anbieter fasst Module gelegentlich neu zusammen oder benennt Editionen um. Für die grundsätzliche Orientierung genügt das Muster: eine cloudbasierte Linie für schnellen, kollaborativen Einstieg und eine desktopbasierte Linie mit modularer Funktionstiefe. Die jeweils aktuell verfügbaren Editionen und deren Leistungsumfang sollten immer direkt beim Anbieter verifiziert werden.
Die Wahl zwischen Cloud und Desktop ist keine reine Geschmacksfrage, sondern eine Prozessentscheidung. Die Cloud-Linie punktet mit automatischen Updates, ortsunabhängigem Zugriff, einfacher Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei und geringem Wartungsaufwand – der Betrieb der Infrastruktur liegt beim Anbieter. Die Desktop-Linie punktet mit lokaler Datenhaltung, oft größerer Funktionstiefe in einzelnen Bereichen und Unabhängigkeit von einer permanenten Internetverbindung. Der Preis dafür ist eigener Wartungsaufwand: Updates, Datensicherung und Systempflege bleiben in der Verantwortung des Unternehmens.
Die Stärke von Lexware liegt darin, die typischen kaufmännischen Prozesse eines KMU in einem zusammenhängenden System abzubilden. Statt einzelner, unverbundener Werkzeuge entsteht eine Kette, in der Daten von der Angebotserstellung bis zur Buchung nur einmal erfasst werden müssen. Die folgenden vier Bereiche bilden den fachlichen Kern.
Das Herzstück ist die Finanzbuchhaltung. Belege werden erfasst und gebucht, Konten geführt, betriebswirtschaftliche Auswertungen erstellt. Für viele kleinere Betriebe besonders relevant ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die direkt aus der laufenden Buchhaltung erzeugt und elektronisch übermittelt werden kann. Je nach Edition und Betriebsart unterstützt Lexware sowohl die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als auch die doppelte Buchführung mit Bilanzierung. Welche Gewinnermittlungsart im Einzelfall zulässig oder verpflichtend ist, ist eine steuerliche Frage, die mit dem Steuerberater zu klären ist – die Software bildet beide Wege ab.
Die Rechnungsstellung ist für viele Anwender der Einstiegspunkt. Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Rechnungen lassen sich erstellen, verwalten und in eine durchgängige Belegkette bringen. Wiederkehrende Rechnungen, Mahnwesen und der Abgleich von Zahlungseingängen runden den Bereich ab. Entscheidend für die Compliance: Ausgangsrechnungen müssen den gesetzlichen Pflichtangaben genügen, und mit der fortschreitenden E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich gewinnt die Fähigkeit, strukturierte elektronische Rechnungsformate zu erzeugen und zu empfangen, an Bedeutung. Darauf gehen wir im Kapitel zu Integrationen näher ein.
Die Lohnabrechnung ist einer der anspruchsvollsten Compliance-Bereiche überhaupt, weil sie eine Vielzahl gesetzlicher Meldeverfahren, ständig wechselnder Beitragssätze und formaler Fristen umfasst. Lexware bildet die laufende Entgeltabrechnung ab und unterstützt die einschlägigen elektronischen Meldewege gegenüber Sozialversicherung und Finanzverwaltung. Gerade hier zeigt sich der Wert einer gepflegten Standardsoftware: Der Anbieter aktualisiert die abrechnungsrelevanten Parameter zum Jahreswechsel, sodass die Anwender nicht selbst jede gesetzliche Änderung nachverfolgen müssen. Die fachliche Verantwortung für die korrekte Abrechnung im Einzelfall bleibt dennoch beim Unternehmen beziehungsweise dessen Berater.
Für Handels- und Produktionsbetriebe ergänzt die Warenwirtschaft das Bild. Artikelstämme, Lagerbestände, Bestellwesen und die Verbindung zum Verkauf lassen sich abbilden, sodass ein durchgängiger Fluss von der Bestellung über den Lagerbestand bis zur Rechnung entsteht. Der Funktionsumfang ist auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Betriebe zugeschnitten – nicht auf komplexe, mehrstufige Produktionsketten großer Industrieunternehmen. Auch hier gilt: Der genaue Leistungsumfang variiert je nach Edition und sollte beim Anbieter geprüft werden.
Wenn heute von „KI in der Buchhaltung“ die Rede ist, geht es selten um autonome Entscheidungen und fast immer um Assistenzfunktionen: Software, die Vorschläge macht, Muster erkennt und den Menschen von stumpfer Wiederholarbeit befreit. Genau in diesem Sinn ist Automatisierung bei kaufmännischer Software zu verstehen. Die letzte Verantwortung – die Freigabe einer Buchung, die Prüfung eines Belegs – bleibt beim Menschen.
Eine der wirkungsvollsten Automatisierungen ist die Belegerkennung. Ein fotografierter oder eingescannter Beleg wird ausgelesen, relevante Felder wie Betrag, Datum, Lieferant und Steuersatz werden extrahiert und als Vorschlag in die Erfassung übernommen. Statt jeden Beleg manuell abzutippen, kontrolliert der Anwender nur noch die vorgeschlagenen Werte und bestätigt oder korrigiert sie. Das spart Zeit und reduziert Tippfehler. Für die Zielgruppe kleiner Betriebe, in denen Buchhaltung oft nebenbei erledigt wird, ist das ein spürbarer Gewinn.
Auf die Erfassung folgt die Zuordnung: Welchem Konto, welcher Kategorie ist ein Beleg zuzuordnen? Automatisierte Vorkontierung schlägt auf Basis früherer Buchungen und erkannter Muster eine passende Zuordnung vor. Je konsistenter ein Betrieb bucht, desto treffsicherer werden diese Vorschläge über die Zeit. Man kann sich das als lernende Routine vorstellen: Wiederkehrende Geschäftsvorfälle – die monatliche Miete, der Telefonanbieter, der Stromversorger – werden nach kurzer Zeit zuverlässig richtig vorgeschlagen. Auch hier gilt, dass es sich um Vorschläge handelt; die fachliche Kontrolle bleibt notwendig.
Ein weiterer starker Automatisierungshebel ist die Anbindung des Geschäftskontos. Kontobewegungen werden importiert und automatisch den offenen Rechnungen und Belegen zugeordnet. Ein eingehender Betrag wird der passenden Ausgangsrechnung zugewiesen, eine Abbuchung dem passenden Eingangsbeleg. Der Abgleich offener Posten, der manuell mühsam ist, läuft so weitgehend im Hintergrund. Für die Liquiditätsübersicht eines Kleinbetriebs ist das oft der praktisch wertvollste Effekt der Automatisierung.
Die konkreten Automatisierungs- und KI-Funktionen unterscheiden sich zwischen Cloud- und Desktop-Linie und entwickeln sich laufend weiter. Welche Funktionen in welcher Edition und in welchem Reifegrad verfügbar sind, sollte beim Anbieter geprüft werden. Grundsätzlich treibt die Cloud-Linie solche Assistenzfunktionen naturgemäß schneller voran, weil sie zentral aktualisiert wird und Muster über eine breite Nutzerbasis lernen kann – stets im Rahmen der geltenden Datenschutzvorgaben.
Für ein KMU sind vier Integrationsrichtungen besonders relevant: die Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei, die Anbindung der Bank, die Kommunikation mit der Finanzverwaltung und der Austausch strukturierter Rechnungen mit Geschäftspartnern. Lexware adressiert alle vier.
Die Brücke zum Steuerberater ist für viele Betriebe die wichtigste Schnittstelle überhaupt. In Deutschland arbeiten sehr viele Kanzleien mit DATEV. Lexware bietet die Möglichkeit, Buchhaltungsdaten in einem für die Kanzlei verwertbaren Format bereitzustellen – der klassische Weg ist ein DATEV-konformer Export der Buchungssätze und Belege, den die Kanzlei in ihre eigenen Systeme einliest. So kann das Unternehmen laufend in Lexware arbeiten, während die Kanzlei Jahresabschluss und steuerliche Würdigung in ihrer gewohnten Umgebung erledigt. Diese Arbeitsteilung ist im deutschen Mittelstand die Regel und einer der Gründe, warum die DATEV-Kompatibilität ein zentrales Auswahlkriterium ist.
Die Anbindung des Geschäftskontos ist die Grundlage für den in Kapitel 04 beschriebenen automatischen Zahlungsabgleich. Über etablierte Standards für den Bankdatenaustausch lassen sich Kontoumsätze importieren und – je nach Edition – auch Überweisungen und Zahlläufe anstoßen. Für Handels- und Dienstleistungsbetriebe ist zudem die Verbindung zu Zahlungsdienstleistern und Payment-Anbietern interessant, um Online-Zahlungen sauber in die Belegkette zu überführen. Die Verfügbarkeit einzelner Anbindungen variiert nach Produktlinie.
Die Kommunikation mit der Finanzverwaltung läuft in Deutschland über ELSTER. Lexware integriert diesen Weg für die einschlägigen Übermittlungen – allen voran die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die direkt aus der Buchhaltung erzeugt und elektronisch an das Finanzamt gesendet werden kann. Für viele Kleinbetriebe ist genau das ein zentraler Komfortgewinn: Die Voranmeldung entsteht als Nebenprodukt der laufenden Buchung und muss nicht separat im ELSTER-Portal erfasst werden. Weiterführende Informationen zur Schnittstelle selbst finden sich im eigenen Beitrag zu ELSTER in dieser Wissensdatenbank.
Ein Thema mit stark wachsender Bedeutung ist die elektronische Rechnung. Im deutschen B2B-Bereich wird die Fähigkeit, strukturierte elektronische Rechnungen zu empfangen und zu erzeugen, schrittweise verpflichtend. Maßgeblich sind vor allem zwei Formate: die X-Rechnung als rein strukturierter Datensatz und ZUGFeRD als Hybridformat, das einen strukturierten Datensatz in ein PDF einbettet. Kaufmännische Software muss diese Formate beherrschen, damit Betriebe rechtskonform Rechnungen austauschen können. Lexware adressiert dieses Feld; welche Formate in welcher Edition unterstützt werden und wie der Empfang eingehender E-Rechnungen abgebildet ist, sollte angesichts der laufenden gesetzlichen Umsetzung beim Anbieter geprüft werden. Die Details der Pflicht selbst behandeln wir in den Beiträgen zur E-Rechnungspflicht und zur X-Rechnung.
Der Markt lässt sich grob in mehrere Bänder einteilen. Am einen Ende stehen sehr schlanke, cloudnative Rechnungs- und Buchhaltungstools für Solo-Selbstständige. In der Mitte liegen die klassischen KMU-Buchhaltungslösungen, zu denen Lexware zählt. Am anderen Ende stehen vollwertige ERP-Systeme, die weit über das Rechnungswesen hinausgehen und ganze Wertschöpfungsketten abbilden. Die Kunst der Auswahl besteht darin, das eigene Unternehmen im richtigen Band zu verorten.
Am unteren Ende des Marktes gibt es sehr einfache, oft günstige Werkzeuge, die primär Rechnungen schreiben und eine Basis-Buchhaltung ermöglichen. Lexware Office spielt in diesem Feld mit, bringt aber typischerweise mehr Tiefe im deutschen Rechnungswesen und ein etabliertes Ökosystem mit. Der Unterschied zeigt sich weniger beim Rechnungsschreiben als bei Umsatzsteuer, Meldeverfahren und der sauberen Übergabe an die Kanzlei. Für einen Betrieb, der über das reine Rechnungsschreiben hinauswächst, ist diese Tiefe ein Argument.
Im mittleren Band konkurriert Lexware mit anderen etablierten Anbietern kaufmännischer Software für den deutschsprachigen Raum. Diese Lösungen ähneln sich im Grundprinzip: Sie bilden das deutsche Rechnungswesen ab, unterstützen DATEV und ELSTER und richten sich an KMU. Unterschiede liegen im Detail – in der Bedienlogik, der Tiefe einzelner Module, der Branchenausrichtung und der Preisgestaltung. Eine seriöse Auswahl vergleicht deshalb nicht Marken gegen Marken, sondern die konkrete Abdeckung der eigenen Anforderungen. Wer etwa eine besonders anspruchsvolle Warenwirtschaft oder branchenspezifische Funktionen braucht, sollte gezielt prüfen, welches Produkt das am besten trifft.
Am oberen Ende stehen ERP-Systeme, die das Rechnungswesen als einen Baustein unter vielen führen und zusätzlich Produktion, Projektsteuerung, CRM und komplexe Lieferketten abbilden. Solche Systeme sind mächtiger, aber auch aufwendiger in Einführung, Betrieb und Kosten. Lexware ist bewusst nicht dieses System – und das ist eine Stärke, solange die Anforderungen im KMU-Rahmen bleiben. Der kritische Moment kommt, wenn ein Betrieb aus den Grenzen einer KMU-Buchhaltungslösung herauswächst: Dann stellt sich die Frage nach dem Übergang zu einer umfassenderen Plattform.
Grundsätzlich gilt: Der technische Start ist bei Lexware bewusst niederschwellig gehalten. Der eigentliche Erfolg entsteht aber nicht durch die Installation, sondern durch die saubere Einrichtung der Grundlagen – Kontenrahmen, Nummernkreise, Steuersätze, Artikel- und Kundenstämme. Wer hier von Anfang an Ordnung schafft, erspart sich später mühsame Korrekturen.
Die Cloud-Anwendung startet ohne lokale Installation: Registrierung, Grundeinrichtung, los geht es im Browser. Diese Niedrigschwelligkeit ist ihr großer Vorteil – gerade Gründer und kleine Teams sind schnell arbeitsfähig. Der Betrieb liegt vollständig beim Anbieter: Updates, Verfügbarkeit, Datensicherung auf Infrastrukturebene und Weiterentwicklung erfolgen zentral. Für das Unternehmen bedeutet das minimalen IT-Aufwand, aber auch eine gewisse Abhängigkeit vom Anbieter und von einer funktionierenden Internetverbindung.
Bei der Desktop-Linie ist die Einführung aufwendiger, aber auch kontrollierter. Die Software wird lokal oder auf einem Server installiert, konfiguriert und mit den vorhandenen Stammdaten befüllt. Der Betrieb liegt beim Unternehmen: Updates müssen eingespielt, Datensicherungen organisiert und die Systemumgebung gepflegt werden. Dafür bleiben die Daten im eigenen Zugriff, und es besteht Unabhängigkeit von einer permanenten Online-Verbindung. Für Betriebe mit vorhandener IT-Betreuung ist das gut beherrschbar; für sehr kleine Betriebe ohne IT-Unterstützung ist der laufende Pflegeaufwand ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte.
Ein besonderes Thema ist der Wechsel – etwa von einem Altsystem zu Lexware oder von der Desktop- in die Cloud-Linie. Solche Migrationen sind machbar, verlangen aber Sorgfalt: Datenstrukturen müssen abgeglichen, Stammdaten bereinigt und ein sauberer Übergabestichtag festgelegt werden. Der häufigste Fehler ist die überstürzte Migration ohne Datenbereinigung, bei der Altlasten und Inkonsistenzen einfach mitgeschleppt werden. Ein Wechsel ist immer auch eine Gelegenheit, aufzuräumen. Aus INAGRO-Sicht lohnt es sich, Migrationen als kleines Projekt zu behandeln – mit klarem Plan, Testphase und Rückfallebene – statt sie nebenbei zu erledigen.
Der rote Faden durch alle Szenarien ist die Frage der Passung. Lexware ist kein Alleskönner für jede Unternehmensgröße, sondern eine bewusst fokussierte Lösung. Wo diese Fokussierung zum Betrieb passt, überzeugt sie mit Reife und Pragmatismus; wo der Betrieb darüber hinauswächst, kündigt sich ein Systemwechsel an.
Ein wiederkehrendes Muster erfolgreicher Lexware-Nutzung im Mittelstand ist die enge, gut organisierte Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei. Das Unternehmen übernimmt die laufende Erfassung – Rechnungen, Belege, Zahlungsabgleich –, die Kanzlei übernimmt Jahresabschluss und steuerliche Würdigung. Diese Arbeitsteilung funktioniert dann reibungslos, wenn Datenformate, Übergabewege und Zuständigkeiten von Anfang an geklärt sind. Reibung entsteht fast immer dort, wo unklar ist, wer welchen Schritt verantwortet und in welcher Qualität die Daten übergeben werden.
Es gehört zur Ehrlichkeit einer Einordnung, auch die Grenzen zu benennen. Wenn ein Betrieb mehrere Standorte konsolidieren, komplexe mehrstufige Produktion abbilden, tiefe Projektkostenrechnung betreiben oder eine große Zahl paralleler Nutzer mit fein abgestuften Rechten verwalten muss, stößt eine KMU-Buchhaltungslösung an ihre Grenzen. Das ist kein Mangel des Produkts, sondern eine Frage der Kategorie. Der kluge Umgang damit besteht darin, das Wachstum zu beobachten und den Übergang zu einer umfassenderen Lösung rechtzeitig zu planen, statt eine Standardsoftware über ihre Bestimmung hinaus zu dehnen.
Kaufmännische Software ist eine Investition, die sich über Jahre auszahlen soll. Neben dem reinen Anschaffungs- oder Abopreis zählen die Folgekosten: Updates, Support, Schulung, IT-Betreuung und der Aufwand für saubere Prozesse. Wer nur auf den Grundpreis schaut, unterschätzt regelmäßig die Gesamtbetrachtung.
Grundsätzlich stehen sich zwei Kostenlogiken gegenüber. Die Cloud-Linie folgt typischerweise einem Abonnementmodell mit laufenden, meist monatlichen oder jährlichen Gebühren – dafür sind Updates, Betrieb und Weiterentwicklung eingeschlossen. Die Desktop-Linie folgt eher einem Modell aus einmaliger Lizenzierung beziehungsweise Jahresversionen, bei dem der Betrieb und teils die Aktualisierung in der eigenen Verantwortung liegen. Welches Modell günstiger ist, lässt sich nicht pauschal sagen; es hängt von Nutzungsdauer, Zahl der Anwender und dem Wert ab, den man automatischen Updates und geringem IT-Aufwand beimisst. Konkrete Preise und Paketzuschnitte ändern sich laufend und sollten stets direkt beim Anbieter geprüft werden – dieser Beitrag nennt bewusst keine Zahlen, um keine veraltete Information zu transportieren.
Für die deutsche Buchführung sind die GoBD – die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form – der zentrale Rahmen. Eine gepflegte Standardsoftware wie Lexware ist darauf ausgelegt, GoBD-relevante Anforderungen zu unterstützen: Unveränderbarkeit von Buchungen, Nachvollziehbarkeit, Protokollierung und revisionssichere Aufbewahrung. Wichtig ist die richtige Erwartung: Software allein macht einen Betrieb nicht GoBD-konform. Konformität entsteht aus dem Zusammenspiel von Software, sauberen Prozessen und einer Verfahrensdokumentation, die beschreibt, wie im Betrieb tatsächlich gebucht und archiviert wird. Die Software liefert die technische Grundlage; die organisatorische Umsetzung liegt beim Unternehmen.
Digitale Souveränität ist mehr als ein Schlagwort. Für ein Unternehmen, das mit besonders schützenswerten Daten arbeitet – Lohnabrechnungen, Kundendaten, Umsatzzahlen –, ist es rechtlich und strategisch relevant, ob diese Daten dem europäischen Datenschutzregime unterliegen oder potenziell dem Zugriff von Behörden aus Drittstaaten ausgesetzt sind. Ein deutscher Anbieter mit EU-Datenhaltung reduziert diese Unsicherheit erheblich. Bei Cloud-Nutzung liegt zudem eine Auftragsverarbeitung vor, für die ein entsprechender Vertrag (AV-Vertrag) abzuschließen ist. Für die Desktop-Linie stellt sich die Frage anders: Hier liegen die Daten ohnehin im eigenen Zugriff, dafür trägt das Unternehmen die volle Verantwortung für deren Sicherung und Schutz. Beide Wege sind datenschutzkonform gestaltbar – sie verlagern nur die Verantwortung unterschiedlich.