Wissensdatenbank · DACH-Compliance · Steuer

Lexware – die kaufmännische Software für Kleinunternehmen und Mittelstand.

Lexware ist eine der bekanntesten Marken für Buchhaltungs- und Unternehmenssoftware im deutschsprachigen Raum. Vom cloudbasierten Lexware Office bis zur klassischen Desktop-Linie deckt die Produktfamilie Buchhaltung, Rechnungsstellung, Lohn und Warenwirtschaft ab. Als deutscher Anbieter mit Datenhaltung in der EU verbindet Lexware GoBD-Konformität, DATEV-Anbindung und ELSTER-Integration mit dem Anspruch an digitale Souveränität – für viele KMU der pragmatische Einstieg in geordnete Finanzprozesse.

18 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
Lexware
Haufe-Lexware · Kaufmännische Software
Typ
Buchhaltungs- / Unternehmenssoftware
Anbieter
Haufe-Lexware (Deutschland)
Modell
Cloud & Desktop
Zielgruppe
Kleinunternehmen & Mittelstand
Serverstandort
Deutschland / EU
Compliance
GoBD, ELSTER, E-Rechnung
INAGRO Relevanz für KMU-Buchhaltung im DACH-Raum
Kapitel 01 · Grundlagen

Was ist Lexware – und warum ist die Marke im Mittelstand so präsent?

Lexware ist eine Produktfamilie kaufmännischer Software für Kleinunternehmen, Selbstständige und den Mittelstand. Sie deckt die klassischen betriebswirtschaftlichen Aufgaben ab – Buchhaltung, Rechnungsstellung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Warenwirtschaft – und wird von Haufe-Lexware, einem etablierten deutschen Anbieter, entwickelt und gepflegt.

Der Name „Lexware“ steht seit vielen Jahren für kaufmännische Standardsoftware „von der Stange“, die bewusst auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten ist. Während große Konzerne komplexe ERP-Suiten betreiben, adressiert Lexware jene breite Schicht von Betrieben, die eine solide, gesetzeskonforme und bezahlbare Lösung für ihre Finanz- und Verwaltungsprozesse suchen – ohne monatelange Einführungsprojekte. Genau diese Positionierung erklärt die enorme Verbreitung: Lexware ist in vielen Handwerksbetrieben, Agenturen, Dienstleistern und Handelsunternehmen der stille Motor hinter Rechnung, Buchung und Lohnlauf.
Wichtig ist ein Verständnis der Zweiteilung der Marke. Historisch ist Lexware als Desktop-Software groß geworden – installierbare Programme, die lokal auf dem Rechner oder im Firmennetz laufen. Parallel dazu hat der Anbieter eine Cloud-Linie aufgebaut, die heute unter dem Namen Lexware Office firmiert (vielen noch als „lexoffice“ bekannt). Beide Welten existieren nebeneinander und bedienen unterschiedliche Bedürfnisse. Wer über Lexware spricht, sollte deshalb immer klären, ob die klassische Desktop-Familie oder die Cloud-Anwendung gemeint ist – die Antwort verändert fast jede weitere Überlegung zu Betrieb, Zusammenarbeit und Datenhaltung.

Vom Rechnungsprogramm zur betriebswirtschaftlichen Basis

Was viele Betriebe zunächst als reines Rechnungs- oder Buchhaltungsprogramm einführen, wächst in der Praxis oft zur zentralen kaufmännischen Basis heran. Aus der ersten Rechnung wird eine durchgängige Belegkette: Angebot, Auftrag, Lieferschein, Rechnung, Zahlungsabgleich und Buchung greifen ineinander. Für ein Kleinunternehmen bedeutet das einen spürbaren Schritt weg von Insellösungen wie Tabellenkalkulation und Textverarbeitung hin zu einem geordneten, nachvollziehbaren System. Genau dieser Reifegrad – von der Einzelaufgabe zur zusammenhängenden Prozesskette – ist der eigentliche Nutzen von Lexware für die Zielgruppe.

Warum Lexware für die DACH-Compliance relevant ist

In dieser Wissensdatenbank behandeln wir Lexware unter dem Blickwinkel der DACH-Compliance und Steuer. Der Grund: Kaufmännische Software ist in Deutschland kein reines Komfortthema, sondern berührt handfeste gesetzliche Pflichten. Wer Rechnungen schreibt, Belege bucht und Löhne abrechnet, bewegt sich im Rahmen von GoBD, Umsatzsteuerrecht, Aufbewahrungspflichten und – zunehmend – der E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich. Eine Software, die diese Anforderungen sauber abbildet, nimmt dem Unternehmen einen erheblichen Teil des Compliance-Risikos ab. Lexware positioniert sich seit jeher genau hier: als Werkzeug, das den gesetzlichen Rahmen des deutschen Rechnungswesens abbildet und laufend an neue Vorgaben anpasst.
INAGRO-Einschätzung

Lexware ist für viele KMU der pragmatische Mittelweg zwischen selbstgebauten Tabellen und einem vollwertigen ERP-System. Die Stärke liegt in der Fokussierung auf das deutsche Rechnungswesen und in der niedrigen Einstiegshürde. Die entscheidende Frage ist selten „Kann Lexware das?“, sondern „Passt die gewählte Edition und das Betriebsmodell zu unseren Prozessen und zu unserem Wachstum?“. Dieser Beitrag ist eine herstellerneutrale fachliche Einordnung und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Kapitel 02 · Produktfamilie

Die Produktfamilie und Editionen: Cloud versus Desktop

Lexware ist kein einzelnes Programm, sondern eine ganze Familie von Produkten. Die grundlegende Weichenstellung verläuft zwischen der cloudbasierten Anwendung Lexware Office und der klassischen Desktop-Linie mit ihren einzelnen Modulen. Wer die Logik dieser Zweiteilung versteht, findet leichter die passende Konstellation.

Die wichtigste Unterscheidung ist die zwischen Betriebsmodellen. Auf der einen Seite steht die Cloud-Welt: eine browserbasierte Anwendung, die als Software-as-a-Service bereitgestellt wird, automatisch aktualisiert wird und ortsunabhängig zugänglich ist. Auf der anderen Seite steht die Desktop-Welt: lokal installierte Programme, die auf dem eigenen Rechner oder Server laufen und deren Daten im eigenen Zugriff liegen. Beide bilden ähnliche fachliche Aufgaben ab, unterscheiden sich aber grundlegend in Bedienung, Zusammenarbeit, Aktualisierung und Datenhaltung.

Lexware Office – die Cloud-Linie

Lexware Office (früher als lexoffice bekannt) ist die cloudbasierte Antwort des Anbieters auf den Trend zu ortsunabhängigem, kollaborativem Arbeiten. Die Anwendung läuft im Browser, benötigt keine lokale Installation und wird laufend im Hintergrund aktualisiert. Für Solo-Selbstständige, Gründerinnen und kleine Teams ist das attraktiv: Man startet schnell, arbeitet von überall und teilt Belege und Daten unkompliziert mit dem Steuerberater. Die Cloud-Linie ist typischerweise in gestaffelte Pakete gegliedert – vom einfachen Rechnungsschreiben bis zur vollständigen Buchhaltung mit Umsatzsteuer-Voranmeldung. Der konkrete Funktionsumfang der einzelnen Pakete sollte stets beim Anbieter geprüft werden, da sich Zuschnitt und Bezeichnungen weiterentwickeln.

Die Desktop-Linie – bewährte Einzelmodule

Die Desktop-Familie ist historisch das Rückgrat der Marke und besteht aus mehreren, teils kombinierbaren Programmen. Sie richtet sich an Betriebe, die lokale Installation, mehr Funktionstiefe oder besondere Anforderungen an die Datenhaltung schätzen. Charakteristisch ist der modulare Aufbau: Buchhaltung, Lohnabrechnung und Warenwirtschaft gibt es einzeln oder in gebündelten Editionen, die mehrere Bereiche zusammenfassen.
Lexware buchhaltung
Desktop

Die klassische Finanzbuchhaltung als Desktop-Modul: Belege buchen, Umsatzsteuer-Voranmeldung erstellen, Auswertungen fahren. Rückgrat für Betriebe, die ihre FiBu lokal führen.

BereichBuchhaltung
ModellDesktop
ELSTERIntegriert
Lexware lohn+gehalt
Desktop

Lohn- und Gehaltsabrechnung mit den gesetzlichen Meldeverfahren. Bildet Sozialversicherung, Lohnsteuer und die einschlägigen elektronischen Übermittlungen ab.

BereichLohn / HR
ModellDesktop
MeldewesenIntegriert
Financial / Warenwirtschaft
Bundle

Gebündelte Editionen fassen mehrere Bereiche zusammen – etwa Buchhaltung, Lohn und Warenwirtschaft in einem Paket. Sinnvoll für Betriebe, die mehrere Funktionen aus einer Hand nutzen.

BereichKombiniert
ModellDesktop
ZielgruppeMittelstand
Die konkreten Produktnamen und ihr genauer Zuschnitt entwickeln sich über die Jahre weiter; der Anbieter fasst Module gelegentlich neu zusammen oder benennt Editionen um. Für die grundsätzliche Orientierung genügt das Muster: eine cloudbasierte Linie für schnellen, kollaborativen Einstieg und eine desktopbasierte Linie mit modularer Funktionstiefe. Die jeweils aktuell verfügbaren Editionen und deren Leistungsumfang sollten immer direkt beim Anbieter verifiziert werden.

Positionierung: Wann Cloud, wann Desktop?

Die Wahl zwischen Cloud und Desktop ist keine reine Geschmacksfrage, sondern eine Prozessentscheidung. Die Cloud-Linie punktet mit automatischen Updates, ortsunabhängigem Zugriff, einfacher Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei und geringem Wartungsaufwand – der Betrieb der Infrastruktur liegt beim Anbieter. Die Desktop-Linie punktet mit lokaler Datenhaltung, oft größerer Funktionstiefe in einzelnen Bereichen und Unabhängigkeit von einer permanenten Internetverbindung. Der Preis dafür ist eigener Wartungsaufwand: Updates, Datensicherung und Systempflege bleiben in der Verantwortung des Unternehmens.
Entscheidungshilfe

Als grobe Faustregel: Wer klein startet, mobil arbeitet und eng mit dem Steuerberater zusammenarbeiten will, ist mit der Cloud-Linie oft schneller und wartungsärmer unterwegs. Wer bereits eine gewachsene lokale IT betreibt, besondere Anforderungen an die Datenhaltung hat oder tiefe Funktionen in Warenwirtschaft und Lohn braucht, findet in der Desktop-Linie mehr Spielraum. Die Entscheidung sollte an den realen Prozessen und Wachstumsplänen ausgerichtet werden, nicht an der Technikpräferenz Einzelner.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Funktionsumfang und Kernfähigkeiten

Über alle Editionen hinweg deckt Lexware die betriebswirtschaftlichen Kernaufgaben eines kleinen bis mittleren Unternehmens ab: Buchhaltung, Rechnungsstellung, Lohn und Warenwirtschaft. Der genaue Umfang hängt von der gewählten Edition ab – das grundlegende Leistungsspektrum ist jedoch über die Linien hinweg vergleichbar.

Die Stärke von Lexware liegt darin, die typischen kaufmännischen Prozesse eines KMU in einem zusammenhängenden System abzubilden. Statt einzelner, unverbundener Werkzeuge entsteht eine Kette, in der Daten von der Angebotserstellung bis zur Buchung nur einmal erfasst werden müssen. Die folgenden vier Bereiche bilden den fachlichen Kern.

Buchhaltung und Umsatzsteuer

Das Herzstück ist die Finanzbuchhaltung. Belege werden erfasst und gebucht, Konten geführt, betriebswirtschaftliche Auswertungen erstellt. Für viele kleinere Betriebe besonders relevant ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die direkt aus der laufenden Buchhaltung erzeugt und elektronisch übermittelt werden kann. Je nach Edition und Betriebsart unterstützt Lexware sowohl die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als auch die doppelte Buchführung mit Bilanzierung. Welche Gewinnermittlungsart im Einzelfall zulässig oder verpflichtend ist, ist eine steuerliche Frage, die mit dem Steuerberater zu klären ist – die Software bildet beide Wege ab.

Rechnungsstellung und Belegkette

Die Rechnungsstellung ist für viele Anwender der Einstiegspunkt. Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Rechnungen lassen sich erstellen, verwalten und in eine durchgängige Belegkette bringen. Wiederkehrende Rechnungen, Mahnwesen und der Abgleich von Zahlungseingängen runden den Bereich ab. Entscheidend für die Compliance: Ausgangsrechnungen müssen den gesetzlichen Pflichtangaben genügen, und mit der fortschreitenden E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich gewinnt die Fähigkeit, strukturierte elektronische Rechnungsformate zu erzeugen und zu empfangen, an Bedeutung. Darauf gehen wir im Kapitel zu Integrationen näher ein.

Lohn- und Gehaltsabrechnung

Die Lohnabrechnung ist einer der anspruchsvollsten Compliance-Bereiche überhaupt, weil sie eine Vielzahl gesetzlicher Meldeverfahren, ständig wechselnder Beitragssätze und formaler Fristen umfasst. Lexware bildet die laufende Entgeltabrechnung ab und unterstützt die einschlägigen elektronischen Meldewege gegenüber Sozialversicherung und Finanzverwaltung. Gerade hier zeigt sich der Wert einer gepflegten Standardsoftware: Der Anbieter aktualisiert die abrechnungsrelevanten Parameter zum Jahreswechsel, sodass die Anwender nicht selbst jede gesetzliche Änderung nachverfolgen müssen. Die fachliche Verantwortung für die korrekte Abrechnung im Einzelfall bleibt dennoch beim Unternehmen beziehungsweise dessen Berater.

Warenwirtschaft

Für Handels- und Produktionsbetriebe ergänzt die Warenwirtschaft das Bild. Artikelstämme, Lagerbestände, Bestellwesen und die Verbindung zum Verkauf lassen sich abbilden, sodass ein durchgängiger Fluss von der Bestellung über den Lagerbestand bis zur Rechnung entsteht. Der Funktionsumfang ist auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Betriebe zugeschnitten – nicht auf komplexe, mehrstufige Produktionsketten großer Industrieunternehmen. Auch hier gilt: Der genaue Leistungsumfang variiert je nach Edition und sollte beim Anbieter geprüft werden.
Praxis-Hinweis

Der größte Nutzen entsteht dort, wo die Bereiche zusammenspielen – wenn also die Rechnung automatisch in die Buchhaltung fließt, der Zahlungseingang zugeordnet wird und die Umsatzsteuer sich daraus ergibt. Betriebe, die Lexware nur als isoliertes Rechnungsprogramm nutzen und die Buchhaltung weiter in Tabellen führen, verschenken den eigentlichen Effizienzgewinn. Die Kunst liegt darin, die Kette bewusst durchgängig zu gestalten.

Kapitel 04 · Automatisierung & KI

Automatisierung und KI-Funktionen: Belegerkennung und Routine-Entlastung

Moderne Buchhaltungssoftware lebt zunehmend von Automatisierung. Auch Lexware setzt auf Funktionen, die wiederkehrende Handarbeit reduzieren – von der automatischen Belegerkennung über die Vorkontierung bis zum Abgleich von Bankbewegungen. Der Nutzen liegt weniger in spektakulären Effekten als in der stillen Entlastung von Routine.

Wenn heute von „KI in der Buchhaltung“ die Rede ist, geht es selten um autonome Entscheidungen und fast immer um Assistenzfunktionen: Software, die Vorschläge macht, Muster erkennt und den Menschen von stumpfer Wiederholarbeit befreit. Genau in diesem Sinn ist Automatisierung bei kaufmännischer Software zu verstehen. Die letzte Verantwortung – die Freigabe einer Buchung, die Prüfung eines Belegs – bleibt beim Menschen.

Belegerkennung und automatische Erfassung

Eine der wirkungsvollsten Automatisierungen ist die Belegerkennung. Ein fotografierter oder eingescannter Beleg wird ausgelesen, relevante Felder wie Betrag, Datum, Lieferant und Steuersatz werden extrahiert und als Vorschlag in die Erfassung übernommen. Statt jeden Beleg manuell abzutippen, kontrolliert der Anwender nur noch die vorgeschlagenen Werte und bestätigt oder korrigiert sie. Das spart Zeit und reduziert Tippfehler. Für die Zielgruppe kleiner Betriebe, in denen Buchhaltung oft nebenbei erledigt wird, ist das ein spürbarer Gewinn.

Vorkontierung und Lernlogik

Auf die Erfassung folgt die Zuordnung: Welchem Konto, welcher Kategorie ist ein Beleg zuzuordnen? Automatisierte Vorkontierung schlägt auf Basis früherer Buchungen und erkannter Muster eine passende Zuordnung vor. Je konsistenter ein Betrieb bucht, desto treffsicherer werden diese Vorschläge über die Zeit. Man kann sich das als lernende Routine vorstellen: Wiederkehrende Geschäftsvorfälle – die monatliche Miete, der Telefonanbieter, der Stromversorger – werden nach kurzer Zeit zuverlässig richtig vorgeschlagen. Auch hier gilt, dass es sich um Vorschläge handelt; die fachliche Kontrolle bleibt notwendig.

Bankabgleich und Zahlungszuordnung

Ein weiterer starker Automatisierungshebel ist die Anbindung des Geschäftskontos. Kontobewegungen werden importiert und automatisch den offenen Rechnungen und Belegen zugeordnet. Ein eingehender Betrag wird der passenden Ausgangsrechnung zugewiesen, eine Abbuchung dem passenden Eingangsbeleg. Der Abgleich offener Posten, der manuell mühsam ist, läuft so weitgehend im Hintergrund. Für die Liquiditätsübersicht eines Kleinbetriebs ist das oft der praktisch wertvollste Effekt der Automatisierung.
Automatisierung ersetzt keine Prüfung

Automatische Belegerkennung und Vorkontierung sind wertvolle Helfer – aber sie befreien nicht von der Sorgfaltspflicht. Falsch erkannte Beträge, vertauschte Steuersätze oder unpassende Vorschläge kommen vor und müssen erkannt werden. Wer Automatisierung als „einfach durchwinken“ missversteht, schleppt Fehler in die Buchhaltung und damit potenziell in Umsatzsteuer und Jahresabschluss. Die steuerliche Würdigung im Einzelfall bleibt Aufgabe des Steuerberaters; dieser Beitrag ist keine Steuerberatung.

Die konkreten Automatisierungs- und KI-Funktionen unterscheiden sich zwischen Cloud- und Desktop-Linie und entwickeln sich laufend weiter. Welche Funktionen in welcher Edition und in welchem Reifegrad verfügbar sind, sollte beim Anbieter geprüft werden. Grundsätzlich treibt die Cloud-Linie solche Assistenzfunktionen naturgemäß schneller voran, weil sie zentral aktualisiert wird und Muster über eine breite Nutzerbasis lernen kann – stets im Rahmen der geltenden Datenschutzvorgaben.
Kapitel 05 · Integrationen

Integrationen und Ökosystem: DATEV, Banken, ELSTER und E-Rechnung

Keine Buchhaltungssoftware steht für sich allein. Ihr praktischer Wert hängt entscheidend davon ab, wie gut sie sich in das Umfeld aus Steuerberater, Bank, Behörde und Geschäftspartnern einfügt. Lexware bietet für die wichtigsten Schnittstellen etablierte Wege – von der DATEV-Anbindung bis zur E-Rechnung.

Für ein KMU sind vier Integrationsrichtungen besonders relevant: die Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei, die Anbindung der Bank, die Kommunikation mit der Finanzverwaltung und der Austausch strukturierter Rechnungen mit Geschäftspartnern. Lexware adressiert alle vier.

DATEV-Schnittstelle und Steuerberater-Export

Die Brücke zum Steuerberater ist für viele Betriebe die wichtigste Schnittstelle überhaupt. In Deutschland arbeiten sehr viele Kanzleien mit DATEV. Lexware bietet die Möglichkeit, Buchhaltungsdaten in einem für die Kanzlei verwertbaren Format bereitzustellen – der klassische Weg ist ein DATEV-konformer Export der Buchungssätze und Belege, den die Kanzlei in ihre eigenen Systeme einliest. So kann das Unternehmen laufend in Lexware arbeiten, während die Kanzlei Jahresabschluss und steuerliche Würdigung in ihrer gewohnten Umgebung erledigt. Diese Arbeitsteilung ist im deutschen Mittelstand die Regel und einer der Gründe, warum die DATEV-Kompatibilität ein zentrales Auswahlkriterium ist.
Frühzeitig mit der Kanzlei abstimmen

Bevor eine Edition festgelegt wird, lohnt sich das Gespräch mit der Steuerkanzlei: Welchen Datenaustausch bevorzugt sie, welche Formate liest sie ein, wie sollen Belege übergeben werden? Ein sauber abgestimmter Export- und Übergabeweg erspart am Jahresende viel Nacharbeit. Die konkreten technischen Möglichkeiten der DATEV-Anbindung hängen von Edition und Version ab und sollten beim Anbieter und mit der Kanzlei verifiziert werden.

Bankanbindung und Zahlungsverkehr

Die Anbindung des Geschäftskontos ist die Grundlage für den in Kapitel 04 beschriebenen automatischen Zahlungsabgleich. Über etablierte Standards für den Bankdatenaustausch lassen sich Kontoumsätze importieren und – je nach Edition – auch Überweisungen und Zahlläufe anstoßen. Für Handels- und Dienstleistungsbetriebe ist zudem die Verbindung zu Zahlungsdienstleistern und Payment-Anbietern interessant, um Online-Zahlungen sauber in die Belegkette zu überführen. Die Verfügbarkeit einzelner Anbindungen variiert nach Produktlinie.

ELSTER-Anbindung

Die Kommunikation mit der Finanzverwaltung läuft in Deutschland über ELSTER. Lexware integriert diesen Weg für die einschlägigen Übermittlungen – allen voran die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die direkt aus der Buchhaltung erzeugt und elektronisch an das Finanzamt gesendet werden kann. Für viele Kleinbetriebe ist genau das ein zentraler Komfortgewinn: Die Voranmeldung entsteht als Nebenprodukt der laufenden Buchung und muss nicht separat im ELSTER-Portal erfasst werden. Weiterführende Informationen zur Schnittstelle selbst finden sich im eigenen Beitrag zu ELSTER in dieser Wissensdatenbank.

E-Rechnung: X-Rechnung und ZUGFeRD

Ein Thema mit stark wachsender Bedeutung ist die elektronische Rechnung. Im deutschen B2B-Bereich wird die Fähigkeit, strukturierte elektronische Rechnungen zu empfangen und zu erzeugen, schrittweise verpflichtend. Maßgeblich sind vor allem zwei Formate: die X-Rechnung als rein strukturierter Datensatz und ZUGFeRD als Hybridformat, das einen strukturierten Datensatz in ein PDF einbettet. Kaufmännische Software muss diese Formate beherrschen, damit Betriebe rechtskonform Rechnungen austauschen können. Lexware adressiert dieses Feld; welche Formate in welcher Edition unterstützt werden und wie der Empfang eingehender E-Rechnungen abgebildet ist, sollte angesichts der laufenden gesetzlichen Umsetzung beim Anbieter geprüft werden. Die Details der Pflicht selbst behandeln wir in den Beiträgen zur E-Rechnungspflicht und zur X-Rechnung.
Integrationsrichtung Zweck Relevanz für KMU
DATEV-Export Übergabe der Buchhaltung an die Steuerkanzlei Sehr hoch – Standard im deutschen Mittelstand
Bankanbindung Import von Kontoumsätzen, Zahlungsabgleich Hoch – Grundlage für Automatisierung
ELSTER Elektronische Übermittlung an das Finanzamt Hoch – u. a. Umsatzsteuer-Voranmeldung
E-Rechnung (X-Rechnung / ZUGFeRD) Strukturierter Rechnungsaustausch im B2B Steigend – mit der E-Rechnungspflicht
Kapitel 06 · Abgrenzung

Abgrenzung zu Wettbewerbern: Wo Lexware steht

Lexware bewegt sich in einem dicht besetzten Markt kaufmännischer Software. Um die Positionierung einzuordnen, hilft ein herstellerneutraler Blick auf die grundsätzlichen Kategorien von Lösungen – ohne einzelne Produkte gegeneinander auszuspielen. Entscheidend ist, welche Klasse von Lösung zum eigenen Reifegrad passt.

Der Markt lässt sich grob in mehrere Bänder einteilen. Am einen Ende stehen sehr schlanke, cloudnative Rechnungs- und Buchhaltungstools für Solo-Selbstständige. In der Mitte liegen die klassischen KMU-Buchhaltungslösungen, zu denen Lexware zählt. Am anderen Ende stehen vollwertige ERP-Systeme, die weit über das Rechnungswesen hinausgehen und ganze Wertschöpfungsketten abbilden. Die Kunst der Auswahl besteht darin, das eigene Unternehmen im richtigen Band zu verorten.

Gegenüber schlanken Cloud-Tools

Am unteren Ende des Marktes gibt es sehr einfache, oft günstige Werkzeuge, die primär Rechnungen schreiben und eine Basis-Buchhaltung ermöglichen. Lexware Office spielt in diesem Feld mit, bringt aber typischerweise mehr Tiefe im deutschen Rechnungswesen und ein etabliertes Ökosystem mit. Der Unterschied zeigt sich weniger beim Rechnungsschreiben als bei Umsatzsteuer, Meldeverfahren und der sauberen Übergabe an die Kanzlei. Für einen Betrieb, der über das reine Rechnungsschreiben hinauswächst, ist diese Tiefe ein Argument.

Gegenüber anderen etablierten KMU-Lösungen

Im mittleren Band konkurriert Lexware mit anderen etablierten Anbietern kaufmännischer Software für den deutschsprachigen Raum. Diese Lösungen ähneln sich im Grundprinzip: Sie bilden das deutsche Rechnungswesen ab, unterstützen DATEV und ELSTER und richten sich an KMU. Unterschiede liegen im Detail – in der Bedienlogik, der Tiefe einzelner Module, der Branchenausrichtung und der Preisgestaltung. Eine seriöse Auswahl vergleicht deshalb nicht Marken gegen Marken, sondern die konkrete Abdeckung der eigenen Anforderungen. Wer etwa eine besonders anspruchsvolle Warenwirtschaft oder branchenspezifische Funktionen braucht, sollte gezielt prüfen, welches Produkt das am besten trifft.

Gegenüber vollwertigen ERP-Systemen

Am oberen Ende stehen ERP-Systeme, die das Rechnungswesen als einen Baustein unter vielen führen und zusätzlich Produktion, Projektsteuerung, CRM und komplexe Lieferketten abbilden. Solche Systeme sind mächtiger, aber auch aufwendiger in Einführung, Betrieb und Kosten. Lexware ist bewusst nicht dieses System – und das ist eine Stärke, solange die Anforderungen im KMU-Rahmen bleiben. Der kritische Moment kommt, wenn ein Betrieb aus den Grenzen einer KMU-Buchhaltungslösung herauswächst: Dann stellt sich die Frage nach dem Übergang zu einer umfassenderen Plattform.
Stärken
  • Klarer Fokus auf das deutsche Rechnungswesen
  • Niedrige Einstiegshürde, schnelle Produktivität
  • Etabliertes Ökosystem mit DATEV- und ELSTER-Bezug
  • Cloud- und Desktop-Option unter einer Marke
  • Deutscher Anbieter mit Datenhaltung in der EU
  • Laufende Pflege der gesetzlichen Parameter
Einschränkungen
  • Kein Ersatz für vollwertiges ERP bei hoher Komplexität
  • Warenwirtschaft auf KMU-Bedarf zugeschnitten
  • Zwei Produktwelten – Wechsel will geplant sein
  • Funktionsumfang je Edition sehr unterschiedlich
  • Wachstum kann Systemwechsel erforderlich machen
  • Branchenspezifika ggf. nur eingeschränkt abgedeckt
Herstellerneutrale Einordnung

Diese Abgrenzung nennt bewusst keine Konkurrenzprodukte in einer Rangfolge. Der Markt ist vielfältig, und die „beste“ Lösung gibt es nicht – nur die passende. Aus INAGRO-Sicht ist Lexware eine solide, ausgereifte Wahl für den Kernbereich der KMU, deren Anforderungen sich im Rahmen von Buchhaltung, Rechnung, Lohn und einer überschaubaren Warenwirtschaft bewegen. Je weiter ein Betrieb in Richtung komplexer, integrierter Prozesse wächst, desto sorgfältiger sollte der Zeitpunkt eines möglichen Systemwechsels geplant werden.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb: Cloud, Desktop und Migration

Die Einführung einer kaufmännischen Software entscheidet oft über ihren späteren Nutzen. Bei Lexware unterscheiden sich Einführung und Betrieb deutlich zwischen Cloud- und Desktop-Linie. Ein strukturierter Start – mit sauberen Stammdaten und klaren Prozessen – verhindert die typischen Anfangsfehler.

Grundsätzlich gilt: Der technische Start ist bei Lexware bewusst niederschwellig gehalten. Der eigentliche Erfolg entsteht aber nicht durch die Installation, sondern durch die saubere Einrichtung der Grundlagen – Kontenrahmen, Nummernkreise, Steuersätze, Artikel- und Kundenstämme. Wer hier von Anfang an Ordnung schafft, erspart sich später mühsame Korrekturen.

Einführung der Cloud-Linie

Die Cloud-Anwendung startet ohne lokale Installation: Registrierung, Grundeinrichtung, los geht es im Browser. Diese Niedrigschwelligkeit ist ihr großer Vorteil – gerade Gründer und kleine Teams sind schnell arbeitsfähig. Der Betrieb liegt vollständig beim Anbieter: Updates, Verfügbarkeit, Datensicherung auf Infrastrukturebene und Weiterentwicklung erfolgen zentral. Für das Unternehmen bedeutet das minimalen IT-Aufwand, aber auch eine gewisse Abhängigkeit vom Anbieter und von einer funktionierenden Internetverbindung.

Einführung der Desktop-Linie

Bei der Desktop-Linie ist die Einführung aufwendiger, aber auch kontrollierter. Die Software wird lokal oder auf einem Server installiert, konfiguriert und mit den vorhandenen Stammdaten befüllt. Der Betrieb liegt beim Unternehmen: Updates müssen eingespielt, Datensicherungen organisiert und die Systemumgebung gepflegt werden. Dafür bleiben die Daten im eigenen Zugriff, und es besteht Unabhängigkeit von einer permanenten Online-Verbindung. Für Betriebe mit vorhandener IT-Betreuung ist das gut beherrschbar; für sehr kleine Betriebe ohne IT-Unterstützung ist der laufende Pflegeaufwand ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte.
01
Anforderungen und Edition klären
Vor jeder Einführung steht die nüchterne Bestandsaufnahme: Welche Bereiche werden gebraucht – nur Rechnung, oder auch Buchhaltung, Lohn und Warenwirtschaft? Cloud oder Desktop? Erst daraus ergibt sich die passende Edition. Der Abgleich mit dem Steuerberater gehört an diese Stelle.
02
Stammdaten sauber aufsetzen
Kontenrahmen, Steuersätze, Nummernkreise, Kunden- und Artikelstämme werden strukturiert angelegt. Dies ist die wichtigste und am häufigsten unterschätzte Phase – hier gelegte Fehler ziehen sich durch alle späteren Prozesse.
03
Bestandsdaten migrieren
Bestehende Daten aus Altsystemen oder Tabellen werden übernommen. Offene Posten, Salden und historische Belege müssen konsistent überführt werden. Ein sauberer Stichtag und eine geprüfte Übernahme verhindern doppelte oder fehlende Buchungen.
04
Prozesse und Schnittstellen einrichten
Bankanbindung, ELSTER-Zugang, DATEV-Export und – wo relevant – E-Rechnungswege werden konfiguriert und getestet. Ziel ist eine durchgängige Kette von der Rechnung bis zur Übergabe an die Kanzlei.
05
Testlauf, Schulung, Produktivstart
Vor dem echten Start werden typische Vorgänge durchgespielt und die Anwender geschult. Ein begleiteter erster Monatsabschluss deckt Restfehler auf, bevor sie sich einschleifen. Danach folgt der geordnete Produktivbetrieb.

Migration und Wechsel zwischen den Welten

Ein besonderes Thema ist der Wechsel – etwa von einem Altsystem zu Lexware oder von der Desktop- in die Cloud-Linie. Solche Migrationen sind machbar, verlangen aber Sorgfalt: Datenstrukturen müssen abgeglichen, Stammdaten bereinigt und ein sauberer Übergabestichtag festgelegt werden. Der häufigste Fehler ist die überstürzte Migration ohne Datenbereinigung, bei der Altlasten und Inkonsistenzen einfach mitgeschleppt werden. Ein Wechsel ist immer auch eine Gelegenheit, aufzuräumen. Aus INAGRO-Sicht lohnt es sich, Migrationen als kleines Projekt zu behandeln – mit klarem Plan, Testphase und Rückfallebene – statt sie nebenbei zu erledigen.
Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Einsatz im Mittelstand: typische Szenarien

Lexware ist am stärksten dort, wo der Zuschnitt auf kleine und mittlere Betriebe zur Realität passt. Die folgenden Szenarien zeigen, in welchen Konstellationen die Software ihren Nutzen typischerweise am besten entfaltet – und wo die Grenzen der Zielgruppe erreicht sind.

Der rote Faden durch alle Szenarien ist die Frage der Passung. Lexware ist kein Alleskönner für jede Unternehmensgröße, sondern eine bewusst fokussierte Lösung. Wo diese Fokussierung zum Betrieb passt, überzeugt sie mit Reife und Pragmatismus; wo der Betrieb darüber hinauswächst, kündigt sich ein Systemwechsel an.
Solo & Kleinstbetrieb

Selbstständige und Kleinstunternehmen nutzen vor allem die Cloud-Linie, um Rechnungen zu schreiben, Belege per Foto zu erfassen und die Umsatzsteuer-Voranmeldung abzugeben. Der Steuerberater bekommt die Daten sauber übergeben.

Schneller Einstieg, wenig IT
Handwerk & Dienstleistung

Handwerksbetriebe und Dienstleister bilden mit Buchhaltung und Rechnung die komplette kaufmännische Basis ab. Wiederkehrende Rechnungen, Mahnwesen und Bankabgleich strukturieren den Alltag ohne großen Overhead.

Durchgängige Belegkette
Handel mit Lager

Kleine und mittlere Handelsbetriebe nutzen zusätzlich die Warenwirtschaft: Artikelstämme, Bestände und Bestellwesen verbinden sich mit Verkauf und Buchhaltung zu einem durchgängigen Fluss.

Ware, Verkauf, Buchung vereint
Betriebe mit Personal

Sobald Mitarbeitende beschäftigt werden, kommt die Lohn- und Gehaltsabrechnung hinzu. Die laufende Pflege der gesetzlichen Parameter durch den Anbieter entlastet den Betrieb bei einem besonders regelungsdichten Thema.

Lohn-Compliance aus der Standardsoftware

Zusammenarbeit mit dem Steuerberater als Erfolgsfaktor

Ein wiederkehrendes Muster erfolgreicher Lexware-Nutzung im Mittelstand ist die enge, gut organisierte Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei. Das Unternehmen übernimmt die laufende Erfassung – Rechnungen, Belege, Zahlungsabgleich –, die Kanzlei übernimmt Jahresabschluss und steuerliche Würdigung. Diese Arbeitsteilung funktioniert dann reibungslos, wenn Datenformate, Übergabewege und Zuständigkeiten von Anfang an geklärt sind. Reibung entsteht fast immer dort, wo unklar ist, wer welchen Schritt verantwortet und in welcher Qualität die Daten übergeben werden.

Wann die Grenzen der Zielgruppe erreicht sind

Es gehört zur Ehrlichkeit einer Einordnung, auch die Grenzen zu benennen. Wenn ein Betrieb mehrere Standorte konsolidieren, komplexe mehrstufige Produktion abbilden, tiefe Projektkostenrechnung betreiben oder eine große Zahl paralleler Nutzer mit fein abgestuften Rechten verwalten muss, stößt eine KMU-Buchhaltungslösung an ihre Grenzen. Das ist kein Mangel des Produkts, sondern eine Frage der Kategorie. Der kluge Umgang damit besteht darin, das Wachstum zu beobachten und den Übergang zu einer umfassenderen Lösung rechtzeitig zu planen, statt eine Standardsoftware über ihre Bestimmung hinaus zu dehnen.
Kapitel 09 · Kosten & Datenhoheit

Kosten, DSGVO und Datenhoheit: der Souveränitätsvorteil eines DE-Anbieters

Zwei Themen entscheiden in der Praxis oft über die Auswahl: die Kostenstruktur und die Frage der Datenhoheit. Bei beiden lohnt ein nüchterner Blick – und gerade beim Datenschutz spielt Lexware als deutscher Anbieter mit EU-Datenhaltung eine Stärke aus. Die folgenden Ausführungen sind allgemeiner Natur und stellen keine Rechtsberatung dar.

Kaufmännische Software ist eine Investition, die sich über Jahre auszahlen soll. Neben dem reinen Anschaffungs- oder Abopreis zählen die Folgekosten: Updates, Support, Schulung, IT-Betreuung und der Aufwand für saubere Prozesse. Wer nur auf den Grundpreis schaut, unterschätzt regelmäßig die Gesamtbetrachtung.

Kostenmodelle: Abo versus Kauf

Grundsätzlich stehen sich zwei Kostenlogiken gegenüber. Die Cloud-Linie folgt typischerweise einem Abonnementmodell mit laufenden, meist monatlichen oder jährlichen Gebühren – dafür sind Updates, Betrieb und Weiterentwicklung eingeschlossen. Die Desktop-Linie folgt eher einem Modell aus einmaliger Lizenzierung beziehungsweise Jahresversionen, bei dem der Betrieb und teils die Aktualisierung in der eigenen Verantwortung liegen. Welches Modell günstiger ist, lässt sich nicht pauschal sagen; es hängt von Nutzungsdauer, Zahl der Anwender und dem Wert ab, den man automatischen Updates und geringem IT-Aufwand beimisst. Konkrete Preise und Paketzuschnitte ändern sich laufend und sollten stets direkt beim Anbieter geprüft werden – dieser Beitrag nennt bewusst keine Zahlen, um keine veraltete Information zu transportieren.
Keine Rechts- oder Steuerberatung

Die Ausführungen zu Datenschutz, GoBD und gesetzlichen Pflichten sind allgemeine Einordnungen ohne Bezug auf einen konkreten Einzelfall. Rechtslage, Aufbewahrungspflichten und die Anforderungen an eine ordnungsmäßige Buchführung entwickeln sich weiter. Für die verbindliche Beurteilung Ihrer Situation – etwa zur GoBD-Konformität Ihrer konkreten Prozesse oder zur Ausgestaltung eines Auftragsverarbeitungsvertrags – wenden Sie sich an Ihren Steuerberater oder eine zur Rechtsberatung befugte Person.

GoBD-Konformität in der Praxis

Für die deutsche Buchführung sind die GoBD – die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form – der zentrale Rahmen. Eine gepflegte Standardsoftware wie Lexware ist darauf ausgelegt, GoBD-relevante Anforderungen zu unterstützen: Unveränderbarkeit von Buchungen, Nachvollziehbarkeit, Protokollierung und revisionssichere Aufbewahrung. Wichtig ist die richtige Erwartung: Software allein macht einen Betrieb nicht GoBD-konform. Konformität entsteht aus dem Zusammenspiel von Software, sauberen Prozessen und einer Verfahrensdokumentation, die beschreibt, wie im Betrieb tatsächlich gebucht und archiviert wird. Die Software liefert die technische Grundlage; die organisatorische Umsetzung liegt beim Unternehmen.
Datenhoheit & EU-Souveränität

Lexware ist ein deutscher Anbieter mit Datenhaltung im europäischen Rechtsraum. Für Betriebe, die Wert auf digitale Souveränität legen, ist das ein handfester Vorteil: sensible Finanz-, Lohn- und Kundendaten liegen bei einem Anbieter, der dem europäischen Datenschutzrecht unterliegt – ohne die Unsicherheiten, die bei Datenverarbeitung außerhalb der EU auftreten können. Die folgenden Punkte sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine rechtliche Prüfung.

Anbieter
Deutsches Unternehmen, EU-Rechtsraum
Datenhaltung
In Deutschland / EU (beim Anbieter prüfen)
DSGVO
Verarbeitung nach EU-Datenschutzrecht
AV-Vertrag
Bei Cloud-Nutzung erforderlich

Was EU-Souveränität konkret bedeutet

Digitale Souveränität ist mehr als ein Schlagwort. Für ein Unternehmen, das mit besonders schützenswerten Daten arbeitet – Lohnabrechnungen, Kundendaten, Umsatzzahlen –, ist es rechtlich und strategisch relevant, ob diese Daten dem europäischen Datenschutzregime unterliegen oder potenziell dem Zugriff von Behörden aus Drittstaaten ausgesetzt sind. Ein deutscher Anbieter mit EU-Datenhaltung reduziert diese Unsicherheit erheblich. Bei Cloud-Nutzung liegt zudem eine Auftragsverarbeitung vor, für die ein entsprechender Vertrag (AV-Vertrag) abzuschließen ist. Für die Desktop-Linie stellt sich die Frage anders: Hier liegen die Daten ohnehin im eigenen Zugriff, dafür trägt das Unternehmen die volle Verantwortung für deren Sicherung und Schutz. Beide Wege sind datenschutzkonform gestaltbar – sie verlagern nur die Verantwortung unterschiedlich.
INAGRO-Fokus

INAGRO leistet keine Steuer- oder Rechtsberatung – die fachliche Würdigung steuerlicher und rechtlicher Sachverhalte bleibt Sache der jeweiligen Berater. Unser Beitrag liegt in Prozess und Systemen: die passende Edition auswählen, Stammdaten und Schnittstellen sauber aufsetzen, den Datenfluss zwischen Rechnung, Bank, Buchhaltung und Kanzlei konsistent gestalten und die technische Grundlage für GoBD-Konformität und Datenschutz schaffen. Dass Lexware als deutscher Anbieter im EU-Rechtsraum agiert, ist dabei ein Baustein einer souveränen, gut beherrschbaren Systemlandschaft.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Lexware

Diese Fragen tauchen in unseren Gesprächen am häufigsten auf – sachlich und allgemein beantwortet. Eine verbindliche Beurteilung Ihres Einzelfalls ersetzt das nicht; dafür sind Ihr Steuerberater und die jeweils aktuellen Angaben des Anbieters maßgeblich.

Was ist Lexware genau?
Lexware ist eine Produktfamilie kaufmännischer Software des deutschen Anbieters Haufe-Lexware. Sie deckt Buchhaltung, Rechnungsstellung, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie Warenwirtschaft ab und richtet sich an Kleinunternehmen, Selbstständige und den Mittelstand. Es gibt eine cloudbasierte Linie (Lexware Office, früher lexoffice) und eine klassische Desktop-Linie mit einzelnen Modulen und gebündelten Editionen.
Was ist der Unterschied zwischen Lexware Office und der Desktop-Linie?
Lexware Office ist die cloudbasierte, browserbasierte Anwendung: keine lokale Installation, automatische Updates, ortsunabhängiger Zugriff, Betrieb beim Anbieter. Die Desktop-Linie wird lokal oder auf einem Server installiert, bietet oft mehr Funktionstiefe und lokale Datenhaltung, verlangt dafür aber eigenen Aufwand für Updates, Datensicherung und Systempflege. Beide bilden ähnliche fachliche Aufgaben ab, unterscheiden sich aber in Betrieb, Zusammenarbeit und Datenhaltung.
Ist Lexware GoBD-konform?
Lexware ist als gepflegte Standardsoftware darauf ausgelegt, GoBD-relevante Anforderungen wie Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit und revisionssichere Aufbewahrung zu unterstützen. Wichtig ist aber: GoBD-Konformität entsteht nicht durch Software allein, sondern durch das Zusammenspiel aus Software, sauberen Prozessen und einer Verfahrensdokumentation. Die verbindliche Beurteilung Ihrer konkreten Buchführung ist eine steuerliche Frage für Ihren Berater.
Kann Lexware Daten an DATEV und den Steuerberater übergeben?
Ja. Lexware bietet die Möglichkeit, Buchhaltungsdaten in einem für Steuerkanzleien verwertbaren Format bereitzustellen – der klassische Weg ist ein DATEV-konformer Export von Buchungssätzen und Belegen. So kann das Unternehmen laufend selbst erfassen, während die Kanzlei Jahresabschluss und steuerliche Würdigung in ihrer gewohnten Umgebung erledigt. Die genauen technischen Möglichkeiten hängen von Edition und Version ab und sollten mit der Kanzlei und beim Anbieter abgestimmt werden.
Unterstützt Lexware die E-Rechnung (X-Rechnung, ZUGFeRD)?
Die elektronische Rechnung gewinnt mit der schrittweisen E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich stark an Bedeutung. Maßgeblich sind vor allem die X-Rechnung als strukturierter Datensatz und ZUGFeRD als Hybridformat. Lexware adressiert dieses Feld; welche Formate in welcher Edition unterstützt werden und wie der Empfang eingehender E-Rechnungen abgebildet ist, sollte angesichts der laufenden gesetzlichen Umsetzung beim Anbieter geprüft werden. Details zur Pflicht selbst finden sich in unseren Beiträgen zur E-Rechnungspflicht und zur X-Rechnung.
Wo werden meine Daten gespeichert?
Lexware ist ein deutscher Anbieter, der im europäischen Rechtsraum agiert. Bei der Cloud-Linie liegt die Datenhaltung nach Anbieterangaben in Deutschland beziehungsweise der EU – der konkrete Standort sollte beim Anbieter geprüft werden. Für Betriebe mit hohem Anspruch an digitale Souveränität ist die EU-Datenhaltung ein Vorteil gegenüber Anbietern, deren Datenverarbeitung außerhalb der EU stattfindet. Bei der Desktop-Linie liegen die Daten ohnehin im eigenen Zugriff des Unternehmens.
Was kostet Lexware?
Die Cloud-Linie folgt typischerweise einem Abonnementmodell mit laufenden Gebühren inklusive Updates und Betrieb; die Desktop-Linie eher einem Modell aus Lizenzierung beziehungsweise Jahresversionen mit eigenem Betriebsaufwand. Konkrete Preise, Paketzuschnitte und Bezeichnungen ändern sich laufend und sollten direkt beim Anbieter geprüft werden. Neben dem Grundpreis lohnt eine Gesamtbetrachtung inklusive Support, Schulung und IT-Aufwand.
Für welche Unternehmensgröße eignet sich Lexware?
Lexware ist bewusst auf Kleinunternehmen, Selbstständige und den Mittelstand zugeschnitten. In diesem Rahmen – Buchhaltung, Rechnung, Lohn und eine überschaubare Warenwirtschaft – überzeugt die Lösung mit Reife und niedriger Einstiegshürde. Wächst ein Betrieb in Richtung mehrstufiger Produktion, mehrerer konsolidierter Standorte oder sehr komplexer Prozesse, nähert er sich dem Bereich vollwertiger ERP-Systeme, und ein Systemwechsel sollte rechtzeitig geplant werden.
Wie unterstützt INAGRO bei Lexware?
INAGRO leistet ausdrücklich keine Steuer- oder Rechtsberatung – diese bleibt Sache Ihres Steuerberaters. Unser Beitrag liegt in Prozess und Systemen: passende Edition und Betriebsmodell auswählen, Stammdaten und Schnittstellen sauber aufsetzen, den Datenfluss zwischen Rechnung, Bank, Buchhaltung und Kanzlei konsistent gestalten, Migrationen strukturiert begleiten und die technische Grundlage für GoBD-Konformität und Datenschutz schaffen. So läuft die kaufmännische Software als verlässliches Fundament, statt zur wiederkehrenden Baustelle zu werden.

Kaufmännische Software sauber aufsetzen

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Von der Auswahl der passenden Edition über sauber aufgesetzte Stammdaten bis zum durchgängigen Datenfluss zwischen Rechnung, Bank, Buchhaltung und Kanzlei – INAGRO sorgt für die technische Grundlage, auf der Ihre kaufmännische Software als verlässliches Fundament läuft. Pragmatisch, herstellerneutral und ohne Steuer- oder Rechtsberatung.

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