Wissensdatenbank · DACH-Compliance · Steuer

XRechnung – der strukturierte XML-Standard für die elektronische Rechnung.

XRechnung ist das in Deutschland etablierte, rein datenbasierte Rechnungsformat auf Basis der europäischen Norm EN 16931. Ursprünglich für Rechnungen an öffentliche Auftraggeber (B2G) entwickelt, gewinnt es durch die schrittweise E-Rechnungspflicht auch im geschäftlichen Umfeld (B2B) an Bedeutung. Dieser Fachartikel ordnet Standard, Struktur, Übermittlungswege und Umsetzung herstellerneutral ein.

19 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
XRechnung
XML-Rechnungsstandard · EN 16931
Typ
Strukturiertes XML-Format
Norm
EN 16931 (CEN)
Herkunft
KoSIT · öffentliche Verwaltung
Syntax
UBL & UN/CEFACT CII
Einsatz
B2G, zunehmend B2B
Übermittlung
Portale, Peppol, E-Mail
INAGRO Relevanz für den DACH-Mittelstand
Kapitel 01 · Grundlagen

Was ist XRechnung – und warum ist sie mehr als ein PDF?

XRechnung ist ein rein strukturiertes, XML-basiertes Rechnungsformat. Anders als eine gescannte oder als PDF verschickte Rechnung enthält sie keine Bilddarstellung, sondern maschinenlesbare Daten in einer klar definierten, standardisierten Struktur. Sie ist die deutsche Ausprägung der europäischen Norm EN 16931 und wurde ursprünglich für den Rechnungsverkehr mit der öffentlichen Verwaltung geschaffen.

Der zentrale Unterschied zur klassischen Rechnung liegt in der Maschinenlesbarkeit. Eine PDF-Datei ist für den Menschen gut lesbar, für eine Software aber zunächst nur ein Bild aus Text und Grafik. Die Empfängersoftware müsste die relevanten Felder – Rechnungsnummer, Betrag, Steuersätze, Positionen – erst mühsam wiedererkennen. Bei einer XRechnung entfällt dieser Zwischenschritt: Alle rechnungsrelevanten Angaben liegen als eindeutig ausgezeichnete Datenfelder vor und können ohne Interpretation direkt weiterverarbeitet werden. Das ist der Kern dessen, was der Gesetzgeber unter einer echten elektronischen Rechnung versteht.
Wichtig ist die begriffliche Klarheit: Eine per E-Mail versendete PDF-Rechnung ist im Sinne der aktuellen Regelungen keine E-Rechnung im engeren Sinne, sondern gilt als sonstige beziehungsweise elektronische Rechnung in einem nicht strukturierten Format. Als E-Rechnung im rechtlichen Sinne zählen nur strukturierte Formate, die der EN 16931 entsprechen – und genau in diese Kategorie fällt die XRechnung. Diese Unterscheidung zieht sich als roter Faden durch das gesamte Thema und ist die häufigste Quelle von Missverständnissen im Mittelstand.

Der Bezug zur europäischen Norm EN 16931

Grundlage der XRechnung ist die europäische Norm EN 16931, die ein gemeinsames semantisches Datenmodell für die elektronische Rechnung definiert. Vereinfacht gesagt legt die Norm fest, welche inhaltlichen Informationen eine Rechnung enthalten muss und wie diese Informationen bedeutungsmäßig zueinander stehen – unabhängig von der konkreten technischen Schreibweise. Sie beantwortet die Frage „Was steht in einer Rechnung und was bedeutet es?“ und schafft damit eine gemeinsame Sprache über Ländergrenzen und Systeme hinweg.
Die XRechnung ist eine sogenannte nationale Ausprägung (CIUS, Core Invoice Usage Specification) dieser Norm für den deutschen Verwaltungskontext. Sie schränkt den Spielraum der Norm an bestimmten Stellen ein und ergänzt spezifische deutsche Anforderungen. Man kann sich das wie einen Dialekt vorstellen: Die Grundsprache ist europäisch, die XRechnung passt sie an die konkreten Bedürfnisse und Rechtsvorgaben in Deutschland an. Gepflegt und weiterentwickelt wird der Standard durch eine Koordinierungsstelle der öffentlichen Verwaltung.

Datenformat statt Layout: die neue Denkweise

Der Umstieg auf XRechnung erfordert einen gedanklichen Perspektivwechsel. In der Welt der Papier- und PDF-Rechnung stand das Layout im Mittelpunkt: Wie sieht die Rechnung aus, wo steht das Logo, wie sind die Positionen formatiert? Bei der XRechnung ist das Layout zweitrangig – im Vordergrund stehen die Daten und ihre Struktur. Eine XRechnung hat streng genommen kein festes Aussehen; sie ist ein Datensatz, der bei Bedarf für den Menschen sichtbar aufbereitet (visualisiert) werden kann, aber nicht muss.
Diese Verschiebung hat weitreichende Folgen für die Praxis. Prozesse, die bisher auf dem Ausdruck oder dem PDF aufsetzten, müssen neu gedacht werden. Der Wert liegt nicht mehr im gedruckten Beleg, sondern in der durchgängigen, medienbruchfreien Verarbeitung der Rechnungsdaten – vom Erstellen über das Versenden und Empfangen bis zur automatisierten Prüfung und Buchung. Wer diesen Perspektivwechsel früh vollzieht, erschließt den eigentlichen Nutzen der E-Rechnung.
INAGRO-Einschätzung

XRechnung ist kein neues Buchhaltungsprogramm und keine Software, sondern ein Format – vergleichbar mit einer standardisierten Sprache für Rechnungsdaten. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Welche XRechnung-Software?“, sondern „Wie erzeugen, versenden, empfangen und archivieren wir strukturierte Rechnungen zuverlässig aus unseren bestehenden Systemen?“. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Kapitel 02 · Rechtlicher Rahmen & Anwendungsbereich

Rechtlicher Rahmen und Anwendungsbereich: von B2G zur B2B-Pflicht

Die XRechnung hat ihren Ursprung in einer europäischen Richtlinie zur elektronischen Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen. Aus dieser B2G-Wurzel ist inzwischen ein Format geworden, das durch die schrittweise Einführung der E-Rechnungspflicht auch den inländischen B2B-Bereich erreicht. Die folgenden Ausführungen sind allgemeiner Natur und stellen ausdrücklich keine Rechtsberatung dar.

Die europäische Ebene bildet den Ausgangspunkt: Eine EU-Richtlinie verpflichtete öffentliche Auftraggeber dazu, elektronische Rechnungen empfangen und verarbeiten zu können, und legte die Norm EN 16931 als gemeinsamen Nenner fest. Deutschland hat diese Vorgaben in nationales Recht überführt und mit der XRechnung ein konkretes Format geschaffen, das die Verwaltung als Standard nutzt. Von dort aus hat sich das Thema Schritt für Schritt in die breitere Wirtschaft ausgedehnt.

Die B2G-Pflicht: Bund, Länder und ihre Unterschiede

Im Verhältnis zwischen Unternehmen und öffentlicher Verwaltung (Business-to-Government, B2G) ist die elektronische Rechnung bereits seit einigen Jahren Realität. Öffentliche Auftraggeber des Bundes sind verpflichtet, elektronische Rechnungen entgegenzunehmen, und für Lieferanten des Bundes besteht – oberhalb bestimmter Schwellen und mit definierten Ausnahmen – die Pflicht, Rechnungen elektronisch einzureichen. Die XRechnung ist dabei der maßgebliche Standard des Bundes.
Auf Ebene der Länder ist das Bild uneinheitlicher: Die Bundesländer haben die Vorgaben zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit teils abweichenden Details umgesetzt – etwa bei Schwellenwerten, zulässigen Übermittlungswegen oder der Frage, ob auch der Empfang für die Verwaltung verpflichtend ist. Wer regelmäßig an öffentliche Auftraggeber liefert, muss deshalb die konkreten Anforderungen des jeweiligen Auftraggebers und Landes kennen. Eine pauschale Aussage über „die B2G-Pflicht“ gibt es nicht; entscheidend sind die Vorgaben im Einzelfall.

Die B2B-E-Rechnungspflicht: der eigentliche Treiber

Deutlich mehr Unternehmen betrifft die schrittweise eingeführte E-Rechnungspflicht im inländischen B2B-Bereich. Sie sieht vor, dass Rechnungen zwischen inländischen Unternehmen zunehmend in einem strukturierten elektronischen Format ausgetauscht werden müssen. Dabei ist zwischen zwei Richtungen zu unterscheiden, die sich zeitlich versetzt entwickeln: die Empfangsfähigkeit für strukturierte Rechnungen, die praktisch alle Unternehmen frühzeitig herstellen müssen, und die Versandpflicht, die gestaffelt und mit Übergangsregelungen greift.
Für die XRechnung bedeutet diese Entwicklung einen erheblichen Bedeutungsgewinn: Sie ist eines der Formate, die die Anforderungen an eine strukturierte, EN-16931-konforme Rechnung erfüllen, und damit auch im B2B ein zulässiges Standardformat. Unternehmen, die ohnehin an die öffentliche Hand liefern und XRechnung beherrschen, haben hier einen Startvorteil. Die genaue rechtliche Ausgestaltung – Fristen, Schwellen, Ausnahmen und Übergangsregelungen – ist beweglich und sollte stets aktuell geprüft werden; eine vertiefte Darstellung finden Sie im gesonderten Beitrag zur E-Rechnungspflicht.

Wer ist betroffen – und ab wann?

Die praktische Betroffenheit hängt von mehreren Faktoren ab: davon, ob ein Unternehmen an öffentliche Auftraggeber liefert, ob es inländische B2B-Umsätze tätigt, welche Rechnungsvolumina anfallen und welche Übergangsfristen greifen. Als Faustregel gilt jedoch, dass die Fähigkeit, strukturierte E-Rechnungen zu empfangen und zu verarbeiten, für nahezu jedes Unternehmen zur Grundausstattung wird – unabhängig davon, ob es selbst bereits verpflichtet ist, elektronisch zu versenden.
Genau deshalb ist Abwarten selten eine gute Strategie. Selbst wo eine Versandpflicht noch in der Zukunft liegt oder Übergangsregelungen gelten, werden Geschäftspartner und öffentliche Auftraggeber zunehmend strukturierte Rechnungen erwarten oder senden. Wer die Empfangs- und Verarbeitungsfähigkeit frühzeitig aufbaut, vermeidet Hektik zum Stichtag und kann die Umstellung als Anlass nutzen, seine Rechnungsprozesse insgesamt zu modernisieren.
Keine Rechtsberatung

Fristen, Schwellenwerte, Ausnahmen und Übergangsregelungen im B2G- und B2B-Bereich sind komplex, unterscheiden sich zwischen Bund und Ländern und ändern sich im Zeitverlauf. Die Angaben in diesem Kapitel sind allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Die verbindliche Bewertung Ihrer konkreten Pflichten klären Sie bitte mit Ihrem Steuerberater oder einer zur Rechtsberatung befugten Person.

Kapitel 03 · Aufbau & Syntax

Aufbau und Syntax: UBL, CII, Pflichtfelder und Leitweg-ID

Unter der Oberfläche folgt die XRechnung einer klaren Logik: ein gemeinsames semantisches Datenmodell nach EN 16931, umgesetzt in einer von zwei zulässigen technischen Syntaxen, ergänzt um Pflichtangaben und deutsche Besonderheiten wie die Leitweg-ID. Wer diese Struktur versteht, kann Fehlerquellen gezielt vermeiden.

Eine XRechnung ist im Kern eine XML-Datei – also eine textbasierte Datei, in der Informationen durch benannte Elemente ausgezeichnet sind. Diese technische Grundlage sorgt dafür, dass jedes Datenfeld eindeutig benannt und maschinell auffindbar ist. Der eigentliche Wert liegt jedoch weniger im XML selbst als in der standardisierten Bedeutung der Felder: Ein bestimmtes Element steht immer für denselben inhaltlichen Sachverhalt, egal welches System die Rechnung erzeugt hat.

Zwei Syntaxen: UBL und UN/CEFACT CII

Die EN 16931 erlaubt zwei technische Schreibweisen, in denen das semantische Modell abgebildet werden darf, und die XRechnung unterstützt beide: UBL (Universal Business Language) und UN/CEFACT CII (Cross Industry Invoice). Beide transportieren dieselben inhaltlichen Informationen, unterscheiden sich aber in der konkreten XML-Struktur, in der Benennung der Elemente und in der Verschachtelung. Man kann sich das wie zwei unterschiedliche Grammatiken für denselben Bedeutungsgehalt vorstellen.
Für Unternehmen ist wichtig zu wissen, dass eine Software beide Syntaxen erzeugen und – im Empfang – beide verarbeiten können sollte, da nicht vorhersehbar ist, welche Variante ein Geschäftspartner oder Auftraggeber verwendet. Welche Syntax intern bevorzugt wird, ist meist eine technische Detailfrage der eingesetzten Systeme. Die inhaltliche Gleichwertigkeit bedeutet: Eine korrekt erstellte UBL-XRechnung und eine korrekt erstellte CII-XRechnung sind rechtlich und fachlich gleichwertig; entscheidend ist die Konformität mit dem Standard, nicht die gewählte Syntax.

Pflichtfelder, Geschäftsregeln und die Rolle der Validierung

Der Standard definiert eine Reihe von Pflichtangaben, ohne die eine Rechnung nicht konform ist – etwa Angaben zu Verkäufer und Käufer, Rechnungsnummer und -datum, Positionen, Steuerbeträgen und Zahlungsbedingungen. Darüber hinaus gibt es Geschäftsregeln (Business Rules), die logische Zusammenhänge prüfen: etwa dass Summen korrekt gebildet sind oder dass bestimmte Angaben nur in Kombination mit anderen zulässig sind. Diese Regeln sind der Grund, warum eine XRechnung nicht nur syntaktisch korrektes XML sein muss, sondern auch inhaltlich stimmig.
Hier kommt die Validierung ins Spiel. Vor dem Versand – und idealerweise auch beim Empfang – wird eine XRechnung gegen den Standard geprüft: Erfüllt sie die formalen Vorgaben, sind alle Pflichtfelder vorhanden, sind die Geschäftsregeln eingehalten? Eine Validierung deckt Fehler auf, bevor sie beim Empfänger zu einer Zurückweisung führen. Für die Verwaltung existieren definierte Prüfregeln, die als Maßstab dienen; im B2B ist eine Validierung ebenso sinnvoll, um Rückläufer und Nachfragen zu vermeiden. Eine unvalidierte Rechnung, die formal nicht konform ist, kann vom Empfängersystem schlicht abgelehnt werden.

Die Leitweg-ID: das Adressierungsmerkmal der Verwaltung

Ein deutsches Spezifikum ist die Leitweg-ID. Sie ist eine strukturierte Kennung, mit der eine Rechnung dem richtigen Empfänger innerhalb der öffentlichen Verwaltung eindeutig zugeordnet werden kann – vergleichbar mit einer präzisen Zustelladresse innerhalb einer großen, verzweigten Organisation. Im B2G-Kontext ist die Angabe der korrekten Leitweg-ID in der Regel verpflichtend; sie wird vom jeweiligen öffentlichen Auftraggeber vergeben und mitgeteilt.
Für den B2B-Bereich hat die Leitweg-ID keine unmittelbare Entsprechung – hier erfolgt die Adressierung über andere Mechanismen, etwa Peppol-Teilnehmerkennungen oder vereinbarte Übermittlungswege. Wer sowohl an die Verwaltung als auch an Unternehmen fakturiert, muss die Adressierungslogik beider Welten sauber auseinanderhalten. Ein häufiger Fehler in der Praxis ist eine fehlende, falsch formatierte oder veraltete Leitweg-ID – sie ist eine der typischsten Ursachen für zurückgewiesene B2G-Rechnungen.
Bestandteil Was er leistet Praxishinweis
Semantisches Modell (EN 16931) Definiert Inhalt und Bedeutung der Rechnungsfelder Gemeinsame Basis, syntaxunabhängig
Syntax UBL Eine der zwei zulässigen XML-Schreibweisen Empfang sollte beide Syntaxen können
Syntax UN/CEFACT CII Alternative XML-Schreibweise, inhaltlich gleichwertig Auch Basis des ZUGFeRD-Datenteils
Pflichtfelder Ohne sie ist die Rechnung nicht konform Vollständigkeit vor Versand sichern
Geschäftsregeln Prüfen logische Stimmigkeit (z. B. Summen) Validierung deckt Verstöße auf
Leitweg-ID Adressiert Empfänger in der Verwaltung Im B2G meist Pflicht, vom Auftraggeber vergeben
Struktur schlägt Optik

Bei der XRechnung entscheidet nicht das Aussehen, sondern die korrekte Struktur. Investieren Sie deshalb in eine saubere Datenerzeugung und in die Validierung vor dem Versand. Ob UBL oder CII, ob mit oder ohne Visualisierung – konform ist eine Rechnung nur, wenn Pflichtfelder und Geschäftsregeln stimmen. Genau hier lohnt sich Sorgfalt, weil Fehler sonst erst beim Empfänger auffallen.

Kapitel 04 · Erstellung & Verarbeitung

Erstellung und Verarbeitung: Erzeugung, Validierung, Visualisierung

Eine XRechnung wird im Idealfall nicht von Hand geschrieben, sondern automatisiert aus dem führenden System erzeugt, vor dem Versand geprüft und – für die menschliche Kontrolle – lesbar dargestellt. Auf der Empfangsseite kehrt sich der Prozess um. Die folgenden Ausführungen sind qualitativ und herstellerneutral.

Der große Nutzen der XRechnung entsteht erst, wenn sie in durchgängige, weitgehend automatisierte Prozesse eingebettet ist. Eine XML-Datei manuell zu tippen, wäre fehleranfällig und würde den Sinn des Formats verfehlen. Stattdessen sollte die Rechnung dort entstehen, wo die Daten ohnehin liegen: im ERP-, Warenwirtschafts- oder Buchhaltungssystem, das die Belegkette abbildet.

Erzeugung aus dem führenden System

In der Praxis erzeugt die kaufmännische Software die XRechnung aus den bereits erfassten Rechnungsdaten: Kundenstammdaten, Positionen, Preise, Steuersätze und Zahlungsbedingungen werden in die standardkonforme XML-Struktur überführt. Der Anwender arbeitet dabei idealerweise weiter in seiner gewohnten Oberfläche; das Format wird im Hintergrund erzeugt. Voraussetzung ist, dass die Stammdaten vollständig und korrekt sind – fehlt etwa eine Pflichtangabe beim Kunden, schlägt die Erzeugung oder spätestens die Validierung fehl.
Wo ein System die XRechnung nicht selbst erzeugen kann, kommen ergänzende Werkzeuge in Betracht: spezialisierte Konverter, Portale oder Dienste, die aus vorhandenen Daten ein konformes Format bilden. Für sehr geringe Rechnungsvolumina existieren zudem einfache Erfassungshilfen. Der grundsätzliche Anspruch bleibt jedoch, die Erzeugung so weit wie möglich in das führende System zu integrieren, statt einen isolierten Zusatzschritt zu etablieren, der wieder zu Medienbrüchen führt.

Validierung als Qualitätssicherung

Vor dem Versand steht die Validierung. Sie prüft die erzeugte Rechnung gegen die formalen Vorgaben des Standards und die hinterlegten Geschäftsregeln. Man kann sie sich wie eine automatische Rechtschreib- und Plausibilitätsprüfung für Rechnungsdaten vorstellen: Sie meldet fehlende Pflichtfelder, unstimmige Summen oder unzulässige Kombinationen, bevor die Rechnung das Haus verlässt. Viele Systeme integrieren eine solche Prüfung direkt in den Versandprozess; ergänzend existieren separate Prüfwerkzeuge.
Die Validierung ist mehr als eine Formalie. Sie ist der wirksamste Hebel, um Rückläufer, Nachfragen und Zahlungsverzögerungen zu vermeiden. Eine Rechnung, die formal nicht konform ist, kann vom Empfänger – gerade in der Verwaltung – automatisiert zurückgewiesen werden, ohne dass ein Mensch sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Eine konsequente Validierung vor dem Versand ist deshalb keine Kür, sondern Teil eines verlässlichen Rechnungsprozesses.

Visualisierung für die menschliche Kontrolle

Da eine XRechnung als reine Datendatei für den Menschen zunächst schwer lesbar ist, spielt die Visualisierung eine wichtige Rolle. Darunter versteht man die lesbare Aufbereitung des Datensatzes – etwa als Bildschirmansicht oder als erzeugtes PDF –, damit Sachbearbeiter die Rechnung prüfen, freigeben und im Zweifel nachvollziehen können. Wichtig ist das Verständnis, dass die Visualisierung nur eine Darstellung der Daten ist, nicht die Rechnung selbst: Rechtlich maßgeblich bleibt der strukturierte Datensatz, nicht sein hübsches Abbild.
Für den Empfangsprozess kehrt sich die Logik um: Die eingehende XML-Datei wird eingelesen, validiert, visualisiert und – im besten Fall – automatisiert zur Prüfung, Freigabe und Buchung weitergeleitet. Genau hier entfaltet die Automatisierung ihren Wert, weil die Rechnungsdaten ohne manuelles Abtippen direkt in die Verarbeitung fließen. Der Mensch bleibt in der Rolle des Prüfers und Freigebers, nicht des Erfassers.
Praxis-Hinweis

Der Nutzen der XRechnung steht und fällt mit der Datenqualität im führenden System. Uneinheitliche Kundenstammdaten, fehlende Steuerangaben oder unklare Positionslogik untergraben jede Automatisierung. Bevor Sie in Werkzeuge investieren, lohnt sich der Blick auf die Stammdaten – sie sind das Fundament, auf dem Erzeugung, Validierung und automatisierte Verarbeitung aufsetzen.

Kapitel 05 · Übermittlungswege & Integration

Übermittlungswege und Integration: Portale, Peppol und Systeme

Eine erstellte XRechnung muss auch zum Empfänger gelangen. Dafür gibt es mehrere Wege – von den zentralen Portalen der öffentlichen Verwaltung über das europäische Peppol-Netzwerk bis zu vereinbarten Wegen im B2B und der Integration in ERP- und Dokumentenmanagementsysteme. Der passende Weg hängt vom Empfänger und vom Volumen ab.

Ein verbreitetes Missverständnis ist, die XRechnung sei an einen bestimmten Übermittlungskanal gebunden. Das ist nicht der Fall: Format und Transport sind zwei getrennte Fragen. Dieselbe XRechnung kann – je nach Empfänger und Vereinbarung – über unterschiedliche Wege zugestellt werden. Umso wichtiger ist es, den jeweils erwarteten oder vorgeschriebenen Weg zu kennen, denn der Empfänger gibt in der Regel vor, wie er die Rechnung entgegennehmen möchte.

Die Verwaltungsportale: ZRE und OZG-RE

Für Rechnungen an den Bund existieren zentrale Eingänge, insbesondere die Zentrale Rechnungseingangsplattform (ZRE) sowie das OZG-konforme Rechnungseingangsportal (OZG-RE), das von einer Reihe von Behörden genutzt wird. Diese Portale nehmen elektronische Rechnungen entgegen und bieten typischerweise mehrere Einreichungswege an: den manuellen Upload der XML-Datei, eine geführte Web-Erfassung für gelegentliche Rechnungssteller sowie automatisierte Schnittstellen und – je nach Portal – die Anbindung über Peppol oder E-Mail.
Für Unternehmen mit geringem Volumen an die Verwaltung kann der manuelle Upload oder die Web-Erfassung genügen. Wer regelmäßig und in größerem Umfang an öffentliche Auftraggeber fakturiert, wird eine automatisierte Anbindung bevorzugen, um den manuellen Aufwand zu vermeiden. Welche Wege der konkrete Auftraggeber unterstützt und welche Leitweg-ID gilt, ist im Einzelfall zu klären – auch hier gilt: Der Empfänger definiert den Rahmen.

Peppol: das europäische Netzwerk

Ein zunehmend wichtiger Weg ist Peppol – ein internationales Netzwerk für den standardisierten elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten. Man kann es sich wie ein Zustellnetz mit definierten Regeln vorstellen: Sender und Empfänger sind über zertifizierte Zugangspunkte (Access Points) angebunden und über eindeutige Teilnehmerkennungen adressierbar. Eine über Peppol versendete Rechnung findet so automatisiert und sicher ihren Weg zum richtigen Empfänger, ohne dass beide Seiten eine bilaterale Verbindung einrichten müssen.
Für die XRechnung ist Peppol besonders interessant, weil es sowohl im B2G- als auch im B2B-Kontext funktioniert und über nationale Grenzen hinweg trägt. Der Zugang erfolgt in der Regel über einen Dienstleister, der als Access Point fungiert und die technische Anbindung übernimmt. Details zu Aufbau, Rollen und Nutzen des Netzwerks behandelt der gesonderte Beitrag zu Peppol. Für die Praxis genügt zunächst das Verständnis, dass Peppol ein etablierter, zukunftsfähiger Transportweg für strukturierte Rechnungen ist.

B2B-Wege und Integration in ERP und DMS

Im B2B-Bereich sind die Übermittlungswege vielfältiger und häufig Verhandlungssache zwischen den Geschäftspartnern. Neben Peppol kommen etwa der Austausch über E-Mail (mit der XML-Datei als Anhang), Anbindungen über EDI-Verfahren oder Plattformen und Portale in Betracht. Entscheidend ist die Abstimmung: Beide Seiten müssen wissen, in welchem Format und über welchen Weg die Rechnung übermittelt und wie ihr Eingang bestätigt wird.
Der eigentliche Effizienzgewinn entsteht aber erst durch die Integration in die vorhandene Systemlandschaft. Eine XRechnung, die automatisiert aus dem ERP versendet und auf der Gegenseite ebenso automatisiert eingelesen, geprüft und im Dokumentenmanagementsystem (DMS) revisionssicher abgelegt wird, verbindet die formale Pflicht mit echtem Nutzen. Umgekehrt bleibt eine E-Rechnung, die am Ende doch wieder ausgedruckt und manuell erfasst wird, eine verpasste Chance. Die Kunst liegt darin, den Transportweg und die Systemintegration so zu wählen, dass ein durchgängiger, medienbruchfreier Prozess entsteht.
Transport und Format trennen

Verwechseln Sie das Format (XRechnung) nicht mit dem Übermittlungsweg (Portal, Peppol, E-Mail). Dieselbe Rechnung kann über verschiedene Kanäle zugestellt werden. Klären Sie pro Empfängergruppe, welcher Weg erwartet wird, und richten Sie Ihre Prozesse auf die tatsächlich benötigten Kanäle aus – statt für jeden Sonderfall eine eigene Insellösung zu bauen.

Kapitel 06 · Abgrenzung

Abgrenzung: XRechnung, ZUGFeRD und PDF im Vergleich

In der Praxis werden XRechnung, ZUGFeRD und die klassische PDF-Rechnung oft durcheinandergebracht. Eine saubere Abgrenzung ist die Voraussetzung, um für den eigenen Betrieb das passende Format zu wählen. Diese Darstellung ist bewusst formatneutral und beschreibt Ansätze, nicht Produkte.

Alle drei Begriffe kursieren im Zusammenhang mit der elektronischen Rechnung, meinen aber Unterschiedliches. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob und wie strukturierte, maschinenlesbare Daten enthalten sind. Wer diesen Punkt verstanden hat, kann die Formate zuverlässig einordnen und die häufigsten Missverständnisse vermeiden.

XRechnung: rein strukturiert

Die XRechnung ist ein rein strukturiertes Format: Sie besteht ausschließlich aus dem XML-Datensatz, ohne eingebettete Bilddarstellung. Sie ist maximal maschinenlesbar und der maßgebliche Standard im Verkehr mit der öffentlichen Verwaltung. Ihr „Nachteil“ – die fehlende unmittelbare Lesbarkeit für den Menschen – ist zugleich Ausdruck ihrer Konsequenz: Sie ist ein Datenformat, kein Dokument. Für die menschliche Prüfung wird sie bei Bedarf visualisiert.

ZUGFeRD: der hybride Ansatz

ZUGFeRD verfolgt einen hybriden Ansatz: Es kombiniert eine für den Menschen lesbare PDF-Datei mit einem darin eingebetteten strukturierten Datensatz. Der Empfänger sieht also eine gewohnte PDF-Rechnung, kann aber – wenn seine Software es unterstützt – die eingebetteten Daten automatisiert auslesen. ZUGFeRD basiert inhaltlich ebenfalls auf der EN 16931 und verwendet für den Datenteil die CII-Syntax, sodass es in seinen konformen Profilen die Anforderungen an eine strukturierte E-Rechnung erfüllen kann. Der hybride Charakter macht ZUGFeRD besonders attraktiv für Übergangsszenarien und für Empfänger, die noch nicht vollständig automatisiert verarbeiten.
Die Gemeinsamkeit ist wichtiger als der Unterschied: XRechnung und ZUGFeRD sind keine Gegner, sondern zwei zulässige Wege, eine EN-16931-konforme Rechnung umzusetzen. Der eine ist rein strukturiert, der andere hybrid. Welcher passt, hängt vom Empfänger und vom Prozess ab – nicht von einer grundsätzlichen Überlegenheit des einen über den anderen.

PDF und Papier: warum sie nicht mehr genügen

Die klassische PDF-Rechnung (ohne eingebetteten strukturierten Datensatz) und erst recht die Papierrechnung sind reine Bild- beziehungsweise Layoutformate. Sie enthalten keine unmittelbar auslesbaren Rechnungsdaten und gelten im Sinne der aktuellen Regelungen nicht als strukturierte E-Rechnung. Für Kontexte, in denen eine strukturierte E-Rechnung gefordert ist, genügen sie nicht mehr – unabhängig davon, wie professionell sie gestaltet sind. Das ist für viele Betriebe die schwierigste Umgewöhnung, weil die PDF-Rechnung über Jahre der bequeme Standard war.
Format Aufbau Maschinenlesbar Typischer Einsatz
XRechnung Reines XML (UBL oder CII) Voll strukturiert B2G-Standard, zunehmend B2B
ZUGFeRD PDF mit eingebettetem XML (CII) Strukturiert plus sichtbar Übergang, gemischte Empfänger
PDF (klassisch) Layout-/Bilddatei ohne Datensatz Nicht strukturiert Keine E-Rechnung im engeren Sinne
Papier Physischer Ausdruck Nicht maschinenlesbar Auslaufend, wo Pflicht greift

Wann welches Format?

Für den Verkehr mit der öffentlichen Verwaltung ist die XRechnung der sichere Standard. Im B2B kann – je nach Empfänger und Prozessreife – sowohl XRechnung als auch ZUGFeRD sinnvoll sein: XRechnung, wenn eine vollständig automatisierte Verarbeitung angestrebt wird und der Empfänger rein strukturierte Daten erwartet; ZUGFeRD, wenn eine sichtbare Rechnung gewünscht ist oder Empfänger unterschiedlich weit automatisiert sind. Viele Betriebe fahren in der Übergangsphase zweigleisig und stellen beide Formate bereit, je nachdem, was der jeweilige Partner benötigt.
INAGRO-Einschätzung

Es gibt kein pauschal „besseres“ Format – nur ein passendes je Empfänger und Prozess. XRechnung und ZUGFeRD sind beide EN-16931-konform und ergänzen sich. Wichtig ist, dass Ihre Systeme beide erzeugen und empfangen können und dass Sie pro Empfängergruppe wissen, was erwartet wird. Reine PDF- und Papierrechnungen sind dort, wo die E-Rechnungspflicht greift, keine tragfähige Option mehr.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb: von der Bestandsaufnahme zum laufenden Prozess

Die Umstellung auf XRechnung ist weniger ein einmaliges IT-Projekt als die Einführung eines dauerhaften Prozesses. Über den Erfolg entscheiden eine ehrliche Bestandsaufnahme, die richtige Reihenfolge (Empfang vor Versand), die Systemwahl und die Schulung der Beteiligten.

Wer die E-Rechnung als reines Formatthema behandelt, greift zu kurz. In Wahrheit berührt sie den gesamten Rechnungsprozess – vom Stammdatenmanagement über die Rechnungserstellung und -prüfung bis zur Archivierung. Eine gute Einführung nimmt diesen Prozess in den Blick und stellt nicht die Frage „Welches Tool kaufen wir?“, sondern „Wie sieht unser Rechnungsprozess künftig aus?“.

Bestandsaufnahme: Systeme, Partner, Volumina

Am Anfang steht eine nüchterne Bestandsaufnahme. Welche Systeme sind im Einsatz – ERP, Warenwirtschaft, Buchhaltung, DMS? Können sie strukturierte Rechnungen erzeugen und empfangen, und wenn ja, in welchen Formaten? An wen wird fakturiert – öffentliche Auftraggeber, B2B-Kunden, Endverbraucher – und in welchen Volumina? Von wem kommen Eingangsrechnungen, und in welcher Form? Diese Fragen bestimmen den Umfang der Umstellung und decken oft überraschende Lücken auf, etwa unvollständige Stammdaten oder Systeme ohne E-Rechnungsfähigkeit.

Reihenfolge: erst empfangen, dann versenden

Eine bewährte Priorisierung lautet: zuerst die Empfangs- und Verarbeitungsfähigkeit herstellen, dann den strukturierten Versand ausbauen. Der Grund ist praktisch: Eingehende E-Rechnungen wird ein Betrieb kaum steuern können – sie kommen, sobald Geschäftspartner umstellen. Wer sie nicht verarbeiten kann, steht schnell vor manueller Mehrarbeit oder verpassten Fristen. Der eigene Versand lässt sich dagegen planvoller gestalten und an Übergangsregelungen ausrichten.
Diese Reihenfolge deckt sich mit der rechtlichen Logik, nach der die Empfangsfähigkeit früher relevant wird als eine umfassende Versandpflicht. Betriebe, die diesen Zusammenhang verstehen, vermeiden den typischen Fehler, alle Energie in den perfekten Versand zu stecken, während die Eingangsseite ungeregelt bleibt.
01
Ist-Aufnahme und Betroffenheit klären
Systeme, Empfänger- und Absendergruppen, Rechnungsvolumina und die eigene rechtliche Betroffenheit erfassen. Ergebnis ist ein klares Bild, wo strukturierte Rechnungen künftig ein- und ausgehen und wo Lücken bestehen.
02
Empfangs- und Verarbeitungsfähigkeit herstellen
Zuerst sicherstellen, dass eingehende XRechnungen (und ZUGFeRD) zuverlässig eingelesen, validiert, visualisiert und zur Prüfung weitergeleitet werden können. Das schützt vor unkontrollierter Mehrarbeit.
03
Stammdaten bereinigen
Kunden-, Lieferanten- und Steuerstammdaten vervollständigen und vereinheitlichen. Fehlende Pflichtangaben oder inkonsistente Daten sind die häufigste Ursache für fehlgeschlagene Erzeugung und Validierung.
04
Versand und Übermittlungswege einrichten
Die Erzeugung konformer Formate aus dem führenden System aktivieren, Validierung integrieren und die je Empfänger passenden Wege (Portal, Peppol, B2B-Vereinbarung) einrichten.
05
Testen, schulen, in Betrieb nehmen
Mit echten Fällen testen, Mitarbeitende schulen und den Prozess produktiv setzen. Anschließend laufend überwachen, Rückläufer auswerten und die Automatisierung schrittweise vertiefen.

Betrieb: Monitoring und kontinuierliche Pflege

Nach der Einführung beginnt der Dauerbetrieb. Standards, Prüfregeln und rechtliche Rahmenbedingungen entwickeln sich weiter, und die eingesetzten Systeme müssen entsprechend aktuell gehalten werden. Ein einfaches Monitoring – etwa der Anteil erfolgreich zugestellter Rechnungen, die Quote der Rückläufer und deren Ursachen – hilft, Probleme früh zu erkennen. Die E-Rechnung ist damit kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Prozess, der gepflegt werden will.
Kapitel 08 · Einsatz im Mittelstand

Einsatz im Mittelstand: typische Szenarien und Nutzen

Die XRechnung betrifft den Mittelstand quer durch alle Branchen – vom Handwerksbetrieb mit gelegentlichen Verwaltungsaufträgen bis zum Handels- oder Dienstleistungsunternehmen mit hohem Rechnungsvolumen. Die folgenden Szenarien zeigen typische Ausgangslagen und den jeweiligen Nutzen.

So unterschiedlich die Betriebe sind, so wiederkehrend sind die Muster. Allen gemeinsam ist, dass die anfängliche Pflicht sich in einen echten Effizienzgewinn verwandeln lässt, wenn die Umstellung nicht als lästige Auflage, sondern als Anlass zur Prozessverbesserung verstanden wird. Der Weg dorthin führt über die Verbindung von Formatpflicht und Automatisierung.
Handwerksbetrieb mit Verwaltungsaufträgen

Ein Betrieb liefert gelegentlich an öffentliche Auftraggeber und muss XRechnungen mit korrekter Leitweg-ID einreichen. Für geringe Volumina genügen oft die Web-Erfassung oder der Upload im Portal, bis eine Systemintegration lohnt.

B2G-fähig ohne Großprojekt
Handel mit hohem Rechnungsvolumen

Ein Handelsbetrieb versendet und empfängt viele Rechnungen. Hier lohnt die automatisierte Erzeugung aus dem ERP, die Anbindung über Peppol und die medienbruchfreie Verarbeitung eingehender Rechnungen im DMS.

Durchgängige Automatisierung
Dienstleister mit gemischten Empfängern

Ein Dienstleister fakturiert an Verwaltung, Unternehmen und teils Endkunden. Die Herausforderung ist die richtige Formatwahl je Empfänger – XRechnung, ZUGFeRD oder weiterhin sichtbare Rechnung im zulässigen Rahmen.

Formatwahl nach Empfänger
Eingangsrechnungen im Griff

Unabhängig vom eigenen Versand müssen eingehende E-Rechnungen verarbeitet werden. Wer sie automatisiert einliest, prüft und archiviert, verwandelt die Empfangspflicht in einen schlankeren Kreditorenprozess.

Weniger manuelle Erfassung

Wo der Nutzen liegt – und wo die Stolpersteine

Der greifbarste Nutzen der XRechnung im Mittelstand ist die Reduktion manueller Arbeit: kein Abtippen eingehender Rechnungen, weniger Übertragungsfehler, schnellere Durchlaufzeiten und eine sauberere Datenbasis für Buchhaltung und Auswertungen. Hinzu kommt die Rechtssicherheit gegenüber öffentlichen Auftraggebern und – zunehmend – gegenüber B2B-Partnern, die strukturierte Rechnungen erwarten.
Die typischen Stolpersteine sind ebenso vorhersehbar: unvollständige Stammdaten, die die Erzeugung scheitern lassen; die Unterschätzung der Eingangsseite; die Annahme, ein PDF genüge weiterhin; sowie fehlende Klarheit darüber, welcher Empfänger welchen Weg und welches Format erwartet. Diese Fallstricke sind vermeidbar – vorausgesetzt, die Umstellung wird als Prozessthema und nicht als bloße Formatumschaltung angegangen.
Stärken
  • Erfüllt die Anforderungen im B2G und den strukturierten B2B-Bereich
  • Voll maschinenlesbar – Basis für weitgehende Automatisierung
  • Herstellerneutraler, offen dokumentierter Standard
  • Reduziert manuelle Erfassung und Übertragungsfehler
  • Zwei zulässige Syntaxen sichern breite Kompatibilität
  • Zukunftsfähig durch Verankerung in der EN 16931
Einschränkungen
  • Ohne Visualisierung für Menschen nicht unmittelbar lesbar
  • Erfordert vollständige, konsistente Stammdaten
  • Leitweg-ID und Übermittlungsweg je Empfänger klären
  • Empfangsseite wird häufig unterschätzt
  • Systeme müssen laufend aktuell gehalten werden
  • Rechtliche Fristen und Ausnahmen ändern sich
Kapitel 09 · Kosten, GoBD & DSGVO

Kosten, GoBD, DSGVO und Aufbewahrung im Blick

Die Umstellung auf XRechnung berührt nicht nur Technik, sondern auch Kostenfragen und Compliance – insbesondere die GoBD-konforme, revisionssichere Aufbewahrung und den Datenschutz. Die folgenden Ausführungen sind allgemeiner Natur und ersetzen ausdrücklich keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Weil die XRechnung selbst ein offener, lizenzkostenfreier Standard ist, entstehen Kosten nicht für das Format, sondern für seine Umsetzung: für Software, Anbindungen, Beratung und interne Aufwände. Belastbare Pauschalpreise lassen sich seriös nicht nennen, weil die Situation jedes Betriebs anders ist. Dieser Beitrag beschreibt deshalb die Kostenlogik statt konkreter Zahlen.

Kostenlogik statt Preisschild

Die Umsetzungskosten hängen von der Ausgangslage ab: Kann das vorhandene ERP- oder Buchhaltungssystem XRechnung bereits erzeugen und empfangen, kann der Aufwand gering sein – oft genügt eine Aktivierung oder ein Update. Fehlt die Fähigkeit, kommen Kosten für ergänzende Module, Konverter, Portalnutzung oder die Anbindung an ein Netzwerk wie Peppol über einen Dienstleister hinzu. Weitere Faktoren sind das Rechnungsvolumen, der Automatisierungsgrad, die Zahl der Übermittlungswege und der interne Schulungs- und Umstellungsaufwand.
Sinnvoll ist der Blick auf die Gesamtbetrachtung: Den Kosten stehen Einsparungen durch reduzierte manuelle Arbeit, weniger Fehler und schnellere Durchlaufzeiten gegenüber. Für eine belastbare Einschätzung empfiehlt sich eine Betrachtung des konkreten Ist-Zustands und der vorhandenen Systeme – pauschale Preisangaben aus Sekundärquellen führen in diesem beweglichen Feld regelmäßig in die Irre. Verbindliche Konditionen für Software und Dienste sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen.

GoBD und revisionssichere Aufbewahrung

Ein zentrales Compliance-Thema ist die Aufbewahrung. Für die XRechnung gilt der Grundsatz, dass das rechtlich maßgebliche Original der strukturierte Datensatz ist – nicht dessen Visualisierung. Das hat unmittelbare Folgen für die Archivierung: Es genügt nicht, ein aus der XRechnung erzeugtes PDF abzulegen; aufzubewahren ist die XML-Datei selbst, und zwar in einer Weise, die den Grundsätzen der GoBD entspricht – unveränderbar, vollständig, nachvollziehbar und über die gesetzlichen Fristen hinweg maschinell auswertbar.
Praktisch bedeutet das, dass die eingesetzten Archiv- oder Dokumentenmanagementsysteme in der Lage sein müssen, strukturierte Rechnungsdatensätze revisionssicher zu speichern und wiederauffindbar zu halten. Ergänzend gehört zur GoBD-Konformität eine Verfahrensdokumentation, die den gesamten Prozess von Erzeugung über Übermittlung bis Archivierung beschreibt. Ob eine konkrete Lösung diese Anforderungen erfüllt und wie die Verfahrensdokumentation im Einzelfall auszugestalten ist, gehört in die Abstimmung mit dem Steuerberater – die Software schafft die Voraussetzungen, die Compliance-Verantwortung bleibt beim Unternehmen.

DSGVO und Datenschutz bei Übermittlung und Speicherung

Auch der Datenschutz ist relevant, denn Rechnungen enthalten regelmäßig personenbezogene Daten – etwa bei Rechnungen an oder von Einzelunternehmern und natürlichen Personen. Bei der Übermittlung über Portale, Netzwerke oder Dienstleister sowie bei der Speicherung stellt sich die Frage, wer die Daten verarbeitet, wo sie liegen und auf welcher vertraglichen Grundlage. Wird ein externer Dienstleister – etwa ein Peppol-Zugangspunkt oder ein Cloud-Archiv – eingebunden, sind typischerweise ein Auftragsverarbeitungsvertrag und die Prüfung von Serverstandort und etwaigen Drittlandtransfers erforderlich.
Compliance & Aufbewahrung – was zu prüfen ist

Rund um XRechnung entscheidet die konkrete Ausgestaltung über die Compliance. Die folgenden Punkte gehören in jede Prüfung – als Checkliste, nicht als Rechtsberatung. Für die verbindliche Bewertung ziehen Sie Ihren Steuerberater beziehungsweise Datenschutzbeauftragten hinzu.

Original-Datensatz
Die XML-Datei ist das Original und maßgeblich aufzubewahren, nicht das PDF.
GoBD-Archivierung
Unveränderbar, vollständig, nachvollziehbar und maschinell auswertbar speichern.
Verfahrensdoku
Prozess von Erzeugung bis Archivierung dokumentieren, mit Steuerberater abstimmen.
Dienstleister & AVV
Bei externen Diensten Auftragsverarbeitung, Serverstandort und Transfers prüfen.
Keine Steuer- oder Rechtsberatung

Die Ausführungen zu Kosten, GoBD, Aufbewahrung und DSGVO sind allgemeine Hinweise und ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls. Steuerliche Aufbewahrungspflichten, GoBD-Anforderungen und datenschutzrechtliche Vorgaben können sich ändern und hängen von Ihrer konkreten Situation ab. Für die verbindliche Bewertung wenden Sie sich an Ihren Steuerberater oder eine zur Rechtsberatung befugte Person. Konkrete Preise und Konditionen prüfen Sie bitte direkt beim jeweiligen Anbieter.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur XRechnung

Diese Fragen tauchen in unseren Gesprächen zur E-Rechnung am häufigsten auf – sachlich und allgemein beantwortet. Eine verbindliche Beurteilung Ihres Einzelfalls ersetzt das nicht; dafür sind Anbieter, Steuerberater und Datenschutzbeauftragter zuständig.

Was genau ist eine XRechnung?
Die XRechnung ist ein rein strukturiertes, XML-basiertes Rechnungsformat auf Basis der europäischen Norm EN 16931. Sie enthält keine Bilddarstellung, sondern maschinenlesbare Rechnungsdaten in einer standardisierten Struktur. Ursprünglich für den Verkehr mit der öffentlichen Verwaltung entwickelt, ist sie inzwischen auch im geschäftlichen Bereich (B2B) ein zulässiges Standardformat für die elektronische Rechnung.
Ist eine PDF-Rechnung schon eine E-Rechnung?
Im engeren, rechtlichen Sinne nicht. Eine klassische PDF-Rechnung ist ein Bild- beziehungsweise Layoutformat ohne strukturierten, maschinenlesbaren Datensatz. Als E-Rechnung gelten strukturierte Formate, die der EN 16931 entsprechen – dazu zählt die XRechnung, ebenso die konformen Profile von ZUGFeRD (PDF mit eingebettetem Datensatz). Eine reine PDF-Datei genügt dort, wo eine strukturierte E-Rechnung gefordert ist, nicht.
Was ist der Unterschied zwischen XRechnung und ZUGFeRD?
Beide basieren inhaltlich auf der EN 16931 und können die Anforderungen an eine strukturierte E-Rechnung erfüllen. Die XRechnung ist ein rein strukturiertes XML ohne sichtbare Darstellung. ZUGFeRD ist hybrid: eine für den Menschen lesbare PDF-Datei mit einem darin eingebetteten strukturierten Datensatz. Welches Format passt, hängt vom Empfänger und Prozess ab – für die öffentliche Verwaltung ist die XRechnung der maßgebliche Standard.
Was ist die Leitweg-ID und brauche ich sie immer?
Die Leitweg-ID ist eine strukturierte Kennung, die eine Rechnung dem richtigen Empfänger innerhalb der öffentlichen Verwaltung eindeutig zuordnet. Im B2G-Kontext ist ihre Angabe in der Regel verpflichtend; sie wird vom jeweiligen öffentlichen Auftraggeber vergeben. Im B2B-Bereich gibt es keine unmittelbare Entsprechung – dort erfolgt die Adressierung über andere Mechanismen wie Peppol-Kennungen oder vereinbarte Übermittlungswege.
UBL oder CII – welche Syntax soll ich verwenden?
Die EN 16931 erlaubt beide Syntaxen, und die XRechnung unterstützt sie gleichwertig. UBL und UN/CEFACT CII transportieren dieselben Informationen in unterschiedlicher XML-Schreibweise. Für den Empfang sollte Ihre Software beide verarbeiten können, da nicht vorhersehbar ist, welche ein Partner nutzt. Welche Syntax intern erzeugt wird, ist meist eine technische Detailfrage der eingesetzten Systeme und rechtlich ohne Belang, solange die Rechnung konform ist.
Wie versende ich eine XRechnung an eine Behörde?
Für Rechnungen an den Bund gibt es zentrale Eingänge wie die Zentrale Rechnungseingangsplattform (ZRE) und das OZG-konforme Portal (OZG-RE). Diese bieten typischerweise mehrere Wege: manuellen Upload der XML-Datei, eine geführte Web-Erfassung, automatisierte Schnittstellen und – je nach Portal – Peppol oder E-Mail. Welche Wege und welche Leitweg-ID der konkrete Auftraggeber verlangt, sollten Sie im Einzelfall klären; die Länder haben teils eigene Portale und Regelungen.
Was ist Peppol und brauche ich es?
Peppol ist ein internationales Netzwerk für den standardisierten elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten, über das sich XRechnungen sicher und automatisiert zustellen lassen – im B2G wie im B2B. Der Zugang erfolgt in der Regel über einen Dienstleister als Zugangspunkt. Ob Peppol sinnvoll ist, hängt von Ihren Empfängern und Volumina ab. Für einzelne Verwaltungsrechnungen kann ein Portal-Upload genügen; bei höherem Volumen lohnt eine Netzwerkanbindung. Details finden Sie im Beitrag zu Peppol.
Wie muss ich eine XRechnung aufbewahren?
Rechtlich maßgeblich ist der strukturierte Datensatz, also die XML-Datei – nicht deren Visualisierung. Aufzubewahren ist daher die XML-Datei selbst, und zwar GoBD-konform: unveränderbar, vollständig, nachvollziehbar und über die gesetzlichen Fristen maschinell auswertbar. Ein aus der Rechnung erzeugtes PDF allein genügt nicht. Wie die Archivierung und die zugehörige Verfahrensdokumentation konkret auszugestalten sind, klären Sie mit Ihrem Steuerberater – dies ist keine Steuerberatung.
Muss ich XRechnungen empfangen können, auch wenn ich nur an Privatkunden fakturiere?
Die Fähigkeit, strukturierte E-Rechnungen zu empfangen und zu verarbeiten, wird für nahezu jedes Unternehmen zur Grundausstattung, weil Eingangsrechnungen von Geschäftspartnern zunehmend strukturiert kommen – unabhängig davon, an wen Sie selbst fakturieren. Ob und ab wann Sie selbst strukturiert versenden müssen, hängt von Ihrer konkreten Konstellation und den geltenden Fristen ab. Die verbindliche Bewertung Ihrer Pflichten gehört zu Ihrem Steuerberater; dies ist keine Rechtsberatung.
Wie unterstützt INAGRO bei der Umstellung auf XRechnung?
INAGRO begleitet herstellerneutral die Einführung der E-Rechnung: von der Bestandsaufnahme der Systeme und Prozesse über die Herstellung der Empfangs- und Versandfähigkeit, die Bereinigung der Stammdaten und die Auswahl passender Übermittlungswege bis zur Integration in ERP und Dokumentenmanagement. Die steuerliche Würdigung bleibt Sache Ihres Steuerberaters, die rechtliche Bewertung von Datenschutzfragen Ihres Datenschutzbeauftragten. Wir sorgen für die technische und prozessuale Grundlage eines sauberen, durchgängigen Rechnungsprozesses.

E-Rechnung souverän umsetzen

Bereit, die XRechnung in Ihre Prozesse zu integrieren?

Von der Bestandsaufnahme über die Herstellung der Empfangs- und Versandfähigkeit bis zu Übermittlungswegen (Portale, Peppol, B2B), Stammdaten, Systemintegration und GoBD-konformer Archivierung – INAGRO sorgt für die technische und prozessuale Grundlage eines durchgängigen Rechnungsprozesses. Pragmatisch, herstellerneutral und ohne Steuer- oder Rechtsberatung.

Seit 2006 am Markt

Erfahrung aus über 100 Digitalprojekten

DSGVO & Souveränität

Datenschutz von Anfang an mitgedacht

Rückmeldung in 24 h

Schnell, direkt, unverbindlich