Wissensdatenbank · Microsoft · Low-Code-KI

AI Builder – KI ohne Programmierung in der Power Platform.

AI Builder ist die KI-Funktion der Microsoft Power Platform: eine Schicht vorgefertigter und anpassbarer KI-Modelle, die sich in Power Apps und Power Automate ohne tiefes Entwickler-Know-how einsetzen lässt. Rechnungen auslesen, Vorhersagen treffen, Texte kategorisieren, generative Prompts einbinden – all das, wo Prozesse ohnehin gebaut werden. Für den DACH-Mittelstand mit Microsoft-365-Landschaft ist AI Builder einer der pragmatischsten Wege, KI in echte Arbeitsabläufe zu bringen – mit klaren Voraussetzungen und einer Datenschutz-Dimension, die man mitdenken muss.

25 Min. Lesezeit
Aktualisiert · Juli 2026
Fachartikel · Expertenbeitrag
AI Builder
Microsoft · Redmond, USA
Typ
Low-Code-KI in der Power Platform
Plattform
Power Apps & Power Automate
Kernnutzen
Dokumente · Vorhersage · Prompts
Datenbasis
Microsoft Dataverse
Lizenz
Credit-basiert bzw. Add-on
Abgrenzung
Azure AI Services · AI Foundry
INAGRO Eignung Power-Platform-Häuser
Kapitel 01 · Überblick

Was ist AI Builder – und wofür lohnt er sich?

AI Builder ist die KI-Funktion der Microsoft Power Platform. Er stellt vorgefertigte und anpassbare KI-Modelle bereit, die sich ohne tiefes Entwickler-Wissen in Power Apps und Power Automate einbauen lassen – für das Auslesen von Dokumenten, für Vorhersagen, für die Kategorisierung von Texten und für generative Prompts. Kurz gesagt: AI Builder bringt KI genau dorthin, wo im Mittelstand ohnehin Anwendungen und Automatisierungen gebaut werden – in die Low-Code-Welt der Power Platform, direkt neben die Prozesse, die den Alltag ausmachen.

Der entscheidende Punkt: AI Builder ist keine eigenständige Plattform, sondern eine Fähigkeit innerhalb der Power Platform. Wer bereits mit Power Apps Formulare und Anwendungen baut oder mit Power Automate Abläufe automatisiert, kann KI-Bausteine hinzufügen, ohne das Werkzeug zu wechseln. Ein Modell zur Rechnungserkennung wird in einem Flow zu einer Aktion wie jede andere; eine Vorhersage wird zu einem Feld, das eine App befüllt. Diese Nähe zum bestehenden Bauwerkzeug ist der größte praktische Vorteil – und zugleich die Quelle vieler Missverständnisse, denn „KI in der Power Platform“ heißt nicht „KI umsonst“ und schon gar nicht „KI ohne Governance“.
Microsoft ordnet AI Builder als Low-Code-Angebot ein: gedacht für die Menschen, die Prozesse und Anwendungen bauen, ohne klassische Softwareentwickler zu sein – oft „Citizen Developer“ genannt. Statt ein KI-Modell selbst zu trainieren, zu hosten und über eine Programmierschnittstelle anzubinden, wählt man in AI Builder ein Modell aus, konfiguriert es über eine grafische Oberfläche und nutzt es im Flow oder in der App. Die Komplexität von Modell-Betrieb, Skalierung und Anbindung nimmt Microsoft ab.

Von der Idee zum eingebauten KI-Baustein

Der Kern des Nutzens lässt sich in einem Satz fassen: AI Builder schließt die Lücke zwischen der KI-Fähigkeit und dem konkreten Prozess. In vielen Organisationen bleibt KI eine abstrakte Möglichkeit, weil der Weg vom Modell zur produktiven Anwendung zu lang und zu technisch erscheint. AI Builder verkürzt diesen Weg drastisch: Ein vortrainiertes Modell zum Auslesen von Rechnungen ist in Minuten in einem Flow eingebunden, ein selbst trainiertes Kategorisierungs-Modell entsteht ohne eine einzige Zeile Code. Die KI wird vom Projekt zum Baustein.
Besonders wertvoll ist das für Fachabteilungen, die ihre eigenen Abläufe am besten kennen, aber keine Entwickler-Ressourcen haben: Der Einkauf automatisiert die Rechnungserfassung, der Vertrieb bewertet Anfragen, der Kundenservice sortiert eingehende E-Mails nach Thema. Aus einer generellen KI-Idee wird ein Werkzeug, das die Menschen, die den Prozess besitzen, selbst in die Hand nehmen können – im Rahmen einer klar geregelten Governance.

Drei Eigenschaften, die AI Builder definieren

  • Er lebt in der Power Platform – AI Builder arbeitet innerhalb von Power Apps und Power Automate, mit Microsoft Dataverse als Datenrückgrat. Es braucht keine separate KI-Umgebung und keinen eigenen Modell-Betrieb. Die KI ist ein Baustein neben den übrigen Bausteinen des Low-Code-Werkzeugs.
  • Er kombiniert Vorgefertigtes mit Anpassbarem – manche Modelle sind sofort einsatzbereit und decken gängige Aufgaben ab, andere trainiert man mit eigenen Daten auf den eigenen Fall. Wer die Unterscheidung kennt, wählt den passenden Weg statt des vermeintlich einfachsten.
  • Er ist verbrauchsbasiert lizenziert – die Nutzung von AI Builder hängt an einem Kontingent, das Microsoft über „AI Builder Credits“ und Add-ons regelt. Ohne verstandenes Kapazitäts-Modell plant man die Kosten an der Realität vorbei.
INAGRO-Einschätzung

Für Unternehmen mit etablierter Power-Platform- und Microsoft-365-Landschaft gehört AI Builder zu den pragmatischsten ersten KI-Anwendungsfällen – der Nutzen ist greifbar und die Einstiegshürde niedrig, weil das Werkzeug bereits da ist. Aber: AI Builder ist so gut wie der Prozess, in den er eingebettet wird, und seine Ergebnisse sind Vorschläge, keine Wahrheit. Wir empfehlen, AI Builder nicht als Feature einzuschalten, sondern als Vorhaben aufzusetzen: mit definiertem Anwendungsfall, geklärtem Kapazitäts- und Credit-Modell, sauberer Datenbasis in Dataverse und einer Governance, die festlegt, wer welche KI-Modelle bauen und produktiv setzen darf. Dies ist eine fachliche Einordnung und keine Rechtsberatung.

Kapitel 02 · Modelltypen

Modelltypen und Positionierung

AI Builder ist kein einzelnes Modell, sondern ein Baukasten. Der wichtigste Ordnungsbegriff dabei ist die Unterscheidung zwischen vorgefertigten Modellen, die sofort einsatzbereit sind, und anpassbaren Modellen, die man mit eigenen Daten trainiert. Hinzu kommt seit einiger Zeit eine dritte Familie: generative Prompts auf Basis großer Sprachmodelle. Wer diese Kategorien nicht auseinanderhält, wählt den falschen Weg – und wundert sich über Aufwand oder Ergebnisqualität.

Vorgefertigte Modelle
Sofort

Von Microsoft vortrainierte Modelle für gängige Aufgaben – etwa das Auslesen von Rechnungen, Belegen oder Ausweisdokumenten, Textanalyse oder Spracherkennung. Ohne eigenes Training direkt nutzbar, aber auf den vordefinierten Zweck begrenzt.

AufwandSehr gering
TrainingKeins nötig
FlexibilitätBegrenzt
Anpassbare Modelle
Custom

Modelle, die man mit eigenen Daten auf den eigenen Fall trainiert – etwa ein Dokumenten-Modell für ein spezifisches Formular, eine Objekterkennung für eigene Produkte oder eine Kategorisierung nach unternehmenseigenen Klassen. Mehr Aufwand, dafür passgenau.

AufwandMittel
TrainingMit eigenen Daten
FlexibilitätHoch
Prompts & generative KI
Generativ

Auf großen Sprachmodellen basierende Prompt-Funktion: eine Anweisung in natürlicher Sprache erzeugt oder verarbeitet Text – zusammenfassen, umformulieren, extrahieren, klassifizieren. Flexibel und schnell aufgesetzt, aber mit besonderem Augenmerk auf Prüfung der Ausgabe.

AufwandGering
GrundlageSprachmodell
FlexibilitätSehr hoch

Vorgefertigt oder anpassbar: die Leitfrage

Die erste Weichenstellung bei jedem AI-Builder-Vorhaben lautet: Gibt es für meine Aufgabe bereits ein vorgefertigtes Modell, oder muss ich ein eigenes trainieren? Vorgefertigte Modelle sind der schnellste Weg – sie sind sofort einsatzbereit und decken häufige Standardaufgaben ab. Ihr Preis ist die Begrenztheit: Sie erkennen, wofür sie gebaut wurden, nicht mehr. Ein vorgefertigtes Rechnungs-Modell liest typische Rechnungsfelder aus, stößt aber an Grenzen, wenn ein sehr eigenes Belegformat oder ein branchenspezifisches Dokument verarbeitet werden soll.
An dieser Grenze beginnen die anpassbaren Modelle. Sie werden mit eigenen Beispieldaten trainiert und lernen dadurch die eigene Struktur – das spezifische Formular, die eigenen Produktkategorien, die unternehmenseigenen Klassen. Der Preis dafür ist Aufwand: Man braucht ausreichend und ausreichend gute Trainingsdaten, muss das Modell trainieren, prüfen und pflegen. Die Faustregel aus unseren Projekten lautet: Erst prüfen, ob ein vorgefertigtes Modell reicht, und nur dann eigenes Training anstoßen, wenn der Standard nachweislich nicht passt.

Die generative Wende: Prompts als eigene Familie

Neben den klassischen, auf einen Zweck trainierten Modellen hat sich mit generativer KI eine dritte Familie etabliert: Prompts auf Basis großer Sprachmodelle. Statt ein Modell auf eine feste Aufgabe zu trainieren, formuliert man eine Anweisung in natürlicher Sprache – „fasse diesen Text zusammen“, „extrahiere die Bestellnummer“, „ordne diese Rückmeldung einer Kategorie zu“ – und das Sprachmodell erledigt sie. Das ist außerordentlich flexibel und in Minuten aufgesetzt, verlangt aber ein anderes Qualitätsbewusstsein: Die Ausgabe ist generativ und damit variabel, sie sollte geprüft, mit Beispielen geführt und für kritische Prozesse abgesichert werden.
Für den Mittelstand eröffnet diese Prompt-Familie viele niedrigschwellige Anwendungsfälle, die vorher ein eigenes Modell erfordert hätten. Zugleich gilt: Generative Ausgaben können plausibel klingen und dennoch falsch sein. Wo eine Entscheidung Konsequenzen hat, gehört eine menschliche Prüfung oder eine klare Absicherung in den Prozess – der Prompt liefert einen Vorschlag, keine Gewissheit.
Orientierungs-Hinweis

Denken Sie in drei Schubladen: vorgefertigt für Standardaufgaben ohne Trainingsaufwand, anpassbar für den eigenen Spezialfall mit eigenen Daten und generative Prompts für flexible Text-Aufgaben. Beginnen Sie immer mit der einfachsten Schublade, die Ihren Fall abdeckt. Welche Modelle konkret verfügbar sind und in welcher Region, ändert sich regelmäßig und sollte bei Microsoft geprüft werden.

Kapitel 03 · Funktionsumfang

Funktionsumfang: was AI Builder kann

Hinter den drei Modelltypen steht eine konkrete Palette an Fähigkeiten. Sie lassen sich in vier Gruppen ordnen: das Verarbeiten von Dokumenten, das Treffen von Vorhersagen, das Erkennen und Kategorisieren von Inhalten und die generative Verarbeitung von Text. Bewusst ohne den Anspruch auf eine vollständige, tagesaktuelle Feature-Liste – der Funktionsumfang wächst und verändert sich fortlaufend.

Dokumentenverarbeitung

Das Auslesen strukturierter und halbstrukturierter Dokumente: Rechnungen, Belege, Bestellungen, Formulare. AI Builder extrahiert Felder wie Betrag, Datum oder Positionen und gibt sie als verwertbare Daten zurück – vorgefertigt für Standardbelege, anpassbar für eigene Formulare.

Papier zu Daten
Vorhersage

Auf Basis historischer Daten in Dataverse trifft ein Vorhersage-Modell binäre oder mehrstufige Prognosen – etwa, ob ein Vorgang wahrscheinlich erfolgreich abschließt oder Aufmerksamkeit braucht. Ein Werkzeug, um Prioritäten datenbasiert zu setzen statt aus dem Bauch.

Prognose statt Bauchgefühl
Objekt- & Kategorieerkennung

Objekterkennung findet und zählt Gegenstände in Bildern – etwa Produkte im Regal oder Bauteile auf einem Foto. Text- und Kategorie-Klassifizierung ordnet eingehende Inhalte automatisch definierten Klassen zu, etwa E-Mails nach Anliegen oder Rückmeldungen nach Thema.

Automatisch sortiert
Generative Text-Verarbeitung

Über Prompts verarbeitet AI Builder Text mit einem Sprachmodell: zusammenfassen, umformulieren, übersetzen, aus Freitext gezielt Informationen extrahieren. Die flexibelste Fähigkeit – ideal für Aufgaben, die sich schlecht in ein festes Modell pressen lassen.

Text auf Anweisung

Dokumentenverarbeitung: der ergiebigste Startpunkt

In unseren Projekten ist die Dokumentenverarbeitung der mit Abstand häufigste erste AI-Builder-Anwendungsfall – und meist auch der überzeugendste. Der Grund ist einfach: Nahezu jedes Unternehmen verarbeitet regelmäßig Dokumente, deren Inhalt bisher von Menschen abgetippt oder mühsam kopiert wird. Rechnungen, Lieferscheine, Bestellungen, Formulare – überall dort, wo strukturierte Information auf Papier oder in PDF-Form eintrifft, entsteht manuelle Erfassungsarbeit. Ein Modell zur Dokumentenverarbeitung liest die relevanten Felder aus und übergibt sie als saubere Daten an den weiteren Prozess.
Wichtig ist die realistische Erwartung: Die Erkennung ist gut, aber nicht unfehlbar. Ungewöhnliche Layouts, schlechte Scanqualität, handschriftliche Ergänzungen oder branchenspezifische Sonderfelder können die Genauigkeit beeinträchtigen. Für einen produktiven Einsatz gehört deshalb ein Prüfschritt in den Prozess – ein Mensch bestätigt kritische Werte, bevor sie beispielsweise eine Zahlung auslösen. AI Builder verschiebt die Arbeit vom mühsamen Abtippen zur schnellen Kontrolle, und genau darin liegt der Gewinn.

Vorhersage und Erkennung: die Datenqualität entscheidet

Bei Vorhersage-Modellen und bei der Kategorie- und Objekterkennung gilt eine gemeinsame Grundregel: Das Modell ist nur so gut wie die Daten, mit denen es lernt. Ein Vorhersage-Modell, das auf lückenhaften oder verzerrten historischen Daten trainiert wird, liefert lückenhafte oder verzerrte Prognosen. Eine Objekterkennung, die mit zu wenigen oder zu einseitigen Beispielbildern trainiert wurde, erkennt in der Praxis unzuverlässig. Der Erfolg dieser Modelle entscheidet sich nicht in der KI, sondern in der Datenvorbereitung – ein Punkt, den technikbegeisterte Einführungen gern unterschätzen.
Für den Mittelstand heißt das: Vor dem ersten Vorhersage- oder Erkennungsmodell steht die ehrliche Frage nach der Datenbasis. Gibt es genug historische Fälle, sind sie sauber erfasst, decken die Trainingsbeispiele die reale Vielfalt ab? Wo diese Grundlage fehlt, ist die Vorbereitung der Daten der eigentliche erste Schritt – nicht das Training. Ein solides Vorhersage-Modell auf einer dünnen Datenbasis gibt es nicht.
Praxis-Hinweis

Starten Sie mit der Dokumentenverarbeitung, wenn Sie einen greifbaren ersten Nutzen suchen – hier ist der Weg von der Idee zur Ersparnis am kürzesten. Bauen Sie bei jedem Modell einen menschlichen Prüfschritt für kritische Werte ein und klären Sie bei Vorhersage- und Erkennungsmodellen zuerst die Datenbasis, bevor Sie trainieren. Der genaue Funktionsumfang und die Verfügbarkeit einzelner Modelle sollten bei Microsoft geprüft werden.

Kapitel 04 · Flows & Apps

KI im Einsatz: Flows und Apps

Die eigentliche Stärke von AI Builder liegt nicht in den Modellen selbst, sondern darin, wo sie zum Einsatz kommen: mitten in automatisierten Abläufen und Anwendungen. Ein KI-Modell entfaltet seinen Wert erst, wenn es Teil eines Prozesses wird – als Aktion in einem Power-Automate-Flow oder als Funktion in einer Power-App. Genau hier zeigt sich, warum die Einbettung in die Power Platform der entscheidende Hebel ist.

In Power Automate wird ein AI-Builder-Modell zu einer Aktion wie jede andere. Trifft eine Rechnung im Postfach ein, startet ein Flow, übergibt das Dokument an das Dokumentenverarbeitungs-Modell, erhält die ausgelesenen Felder zurück und schreibt sie in Dataverse oder ein Zielsystem – ohne dass ein Mensch etwas abtippt. Kommt eine Kundenanfrage per E-Mail, klassifiziert ein Kategorie-Modell das Anliegen und leitet die Nachricht automatisch an das richtige Team weiter. Die KI ist ein Glied in einer Kette, die vom Auslöser bis zum Ergebnis durchläuft.
In Power Apps wird die KI-Fähigkeit direkt in die Benutzeroberfläche eingewoben. Eine App zur Belegerfassung kann ein Foto entgegennehmen, es an ein AI-Builder-Modell übergeben und die erkannten Felder unmittelbar im Formular vorausfüllen – der Anwender prüft und korrigiert nur noch. Eine App im Vertrieb kann eine Vorhersage anzeigen, die dem Nutzer hilft, Prioritäten zu setzen. Die KI wird zum unsichtbaren Assistenten innerhalb der Anwendung, die die Fachabteilung ohnehin nutzt.

Der Baustein-Gedanke: KI als Aktion, nicht als Projekt

Der konzeptionelle Kern ist der Baustein-Gedanke: AI Builder macht KI zu einem Baustein, den man in bestehende Abläufe einsetzt, statt sie als eigenständiges Großprojekt zu behandeln. Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Wer bereits einen Genehmigungs-Flow oder eine Erfassungs-App betreibt, ergänzt eine KI-Aktion an der passenden Stelle, ohne den ganzen Prozess neu zu denken. Diese inkrementelle Einführung ist typisch für gelungene Low-Code-Projekte: klein anfangen, an einem konkreten Schritt Nutzen erzeugen, dann ausweiten.
Zugleich verschiebt dieser Ansatz die Verantwortung an eine ungewohnte Stelle. Wenn die Fachabteilung selbst KI-Bausteine in ihre Flows einbaut, entsteht Nutzen dort, wo das Prozesswissen sitzt – aber auch das Risiko, dass ohne Abstimmung produktive, datenverarbeitende KI entsteht. Die Antwort darauf ist keine Verbotskultur, sondern eine klare Governance: definierte Leitplanken, welche Daten verarbeitet werden dürfen, wer produktiv schalten darf und wo ein Freigabeschritt nötig ist.

Menschen im Prozess: Freigaben und Prüfschritte

Ein gut gebauter KI-Ablauf zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er den Menschen ersetzt, sondern dass er ihn an der richtigen Stelle einbindet. In der Dokumentenverarbeitung liest die KI die Werte aus, ein Mensch bestätigt die kritischen Felder, bevor eine Zahlung ausgelöst wird. Bei einer Klassifizierung schlägt die KI eine Kategorie vor, ein Mitarbeitender kann sie in Zweifelsfällen überschreiben. Power Automate erlaubt solche Freigabe- und Prüfschritte als natürlichen Bestandteil des Flows – die Automatisierung wird dadurch nicht schwächer, sondern verlässlicher.
Diese Kombination aus KI-Vorschlag und menschlicher Kontrolle ist für den Mittelstand oft der Idealzustand: Die KI erledigt die mühsame, repetitive Vorarbeit, der Mensch behält die Entscheidung und die Verantwortung. Gerade bei Prozessen mit rechtlichen oder finanziellen Folgen ist das kein Kompromiss, sondern die richtige Bauweise.
Kapitel 05 · Integration

Integration im Microsoft-Ökosystem

AI Builder ist kein Solitär, sondern tief mit dem übrigen Microsoft-Ökosystem verwoben. Seine Fähigkeiten entfalten sich erst im Zusammenspiel mit Power Apps, Power Automate und – als Datenrückgrat – Microsoft Dataverse. Wer dieses Zusammenspiel versteht, erkennt, warum AI Builder für Häuser mit bestehender Microsoft-Landschaft besonders naheliegend ist und wo die eigentliche Arbeit steckt.

Power Apps
App-Ebene

Die Low-Code-Plattform für Geschäftsanwendungen. AI Builder liefert KI-Funktionen direkt in Formularen und Bildschirmen – etwa das Vorausfüllen von Feldern aus einem Foto oder das Anzeigen einer Vorhersage im Arbeitsbildschirm der Fachabteilung.

RolleOberfläche
KI-NutzenIn der App
Power Automate
Ablauf-Ebene

Die Automatisierungs-Plattform für Abläufe. AI Builder wird hier zur Aktion im Flow – ein KI-Schritt zwischen Auslöser und Ergebnis, der Dokumente ausliest, Text klassifiziert oder eine generative Verarbeitung anstößt, ohne menschliches Zutun.

RolleProzess
KI-NutzenIm Flow
Microsoft Dataverse
Datenbasis

Die gemeinsame Datenplattform der Power Platform. Dataverse speichert die Geschäftsdaten, auf denen Vorhersage-Modelle lernen, und nimmt die Ergebnisse der KI wieder auf. Es ist zugleich Compliance-Anker mit Rechte- und Sicherheitsmodell.

RolleDaten & Sicherheit
KI-NutzenTrainings- & Zielort

Dataverse als stilles Rückgrat

Das oft unterschätzte Zentrum dieser Integration ist Microsoft Dataverse – die Datenplattform, auf der die Power Platform aufsetzt. Vorhersage-Modelle in AI Builder lernen aus Daten, die in Dataverse liegen; die Ergebnisse von Dokumentenverarbeitung oder Klassifizierung werden häufig nach Dataverse zurückgeschrieben. Dataverse ist damit sowohl die Quelle als auch das Ziel vieler KI-Vorgänge. Wer AI Builder ernsthaft einsetzen will, kommt an einer sauberen Datenhaltung in Dataverse nicht vorbei – die Qualität der Datenplattform bestimmt die Qualität der KI-Ergebnisse mit.
Ebenso wichtig: Dataverse bringt ein ausgereiftes Sicherheits- und Berechtigungsmodell mit. Wer auf welche Daten zugreifen darf, ist auf Ebene der Datenplattform geregelt – und diese Regeln gelten auch für die KI-Vorgänge, die auf diesen Daten arbeiten. Das ist ein handfester Vorteil gegenüber isolierten KI-Werkzeugen: Die Zugriffskontrolle ist nicht neu zu erfinden, sondern erbt sich aus der bestehenden Governance der Plattform.

Anschluss an Microsoft 365 und Copilot Studio

Über die Kern-Trias hinaus fügt sich AI Builder in das breitere Microsoft-Ökosystem ein. Die Power Platform ist eng mit Microsoft 365 verzahnt, sodass Flows Dokumente aus SharePoint oder Anhänge aus Outlook verarbeiten und Ergebnisse in Teams zurückspielen können. Auch die Verbindung zu Copilot Studio, dem Werkzeug für eigene Copilot-Agenten, ist relevant: KI-Fähigkeiten aus der Power Platform lassen sich in Konversations-Szenarien einbinden, sodass ein Agent etwa ein hochgeladenes Dokument auswertet.
Für Häuser mit gewachsener Microsoft-Landschaft ist genau diese Verzahnung das entscheidende Argument: AI Builder verlangt keine neue Insel, sondern nutzt die bereits vorhandenen Bausteine – Identität, Datenhaltung, Sicherheitsmodell, Kollaboration. Der Preis dieser Bequemlichkeit ist eine bewusste Bindung an das Microsoft-Ökosystem, die man als strategische Entscheidung anerkennen sollte, nicht als beiläufige technische Wahl.
Integrations-Hinweis

Behandeln Sie Dataverse als das Fundament, nicht als Nebensache: Saubere, gut strukturierte Daten und ein durchdachtes Berechtigungsmodell entscheiden über den Erfolg jedes AI-Builder-Modells. Die enge Verzahnung mit Power Apps, Power Automate und dem übrigen Microsoft-365-Kosmos ist der große Vorteil – und zugleich eine bewusste strategische Bindung an das Microsoft-Ökosystem.

Kapitel 06 · Abgrenzung

Abgrenzung zu Azure AI Services und AI Foundry

Eine der häufigsten Fragen im Mittelstand lautet: Brauche ich AI Builder oder die Azure-KI-Dienste? Beide kommen von Microsoft, beide bieten KI-Fähigkeiten – doch sie zielen auf grundverschiedene Zielgruppen. AI Builder ist Low-Code für die Power Platform, Azure AI Services und AI Foundry sind Pro-Code für Entwickler. Wer diese Trennung versteht, wählt das richtige Werkzeug für die richtige Aufgabe – und vermeidet den teuren Umweg über die falsche Ebene.

Kriterium AI Builder Azure AI Services / AI Foundry
Zielgruppe Fachanwender, Citizen Developer, Power-Platform-Bauer Softwareentwickler, Data Scientists, Pro-Code-Teams
Ansatz Low-Code, grafische Konfiguration Pro-Code, Programmierschnittstellen und SDKs
Einbettung In Power Apps und Power Automate In eigene Anwendungen und Systeme frei integrierbar
Flexibilität Auf die Power-Platform-Szenarien fokussiert Sehr hoch, volle Kontrolle über Modelle
Einstiegshürde Niedrig Höher, erfordert Entwicklungs-Know-how
Typischer Einsatz Prozess-KI in bestehenden Low-Code-Abläufen Maßgeschneiderte KI-Anwendungen, große Skalierung

Low-Code trifft Pro-Code: zwei Ebenen desselben Angebots

Der klarste Weg, die Beziehung zu verstehen, ist die Vorstellung zweier Ebenen. AI Builder ist die Low-Code-Ebene: Er richtet sich an Menschen, die Prozesse und Anwendungen bauen, ohne Entwickler zu sein, und verpackt KI in eine grafische, konfigurierbare Form. Azure AI Services und AI Foundry sind die Pro-Code-Ebene: Sie richten sich an Entwickler und Data-Science-Teams, die KI-Fähigkeiten über Programmierschnittstellen in eigene Anwendungen einbauen, Modelle feinsteuern und volle Kontrolle über den Betrieb behalten wollen. Beide gehören zum selben Microsoft-Kosmos, adressieren aber unterschiedliche Fähigkeiten und Verantwortlichkeiten.
Interessanterweise ist die Grenze keine Mauer: AI Builder stützt sich technisch auf Fähigkeiten, die im Azure-KI-Kosmos beheimatet sind, und macht sie für die Low-Code-Welt zugänglich. Man kann sich AI Builder als die bequeme, vorkonfektionierte Tür zu einem Teil dessen vorstellen, was Azure AI Services im vollen Umfang und mit voller Kontrolle bieten. Der Preis dieser Bequemlichkeit ist geringere Flexibilität; der Gewinn ist eine drastisch niedrigere Einstiegshürde.

Die Entscheidungsfrage für den Mittelstand

Für ein mittelständisches Unternehmen lautet die praktische Leitfrage nicht „AI Builder oder Azure“, sondern: Wer soll die KI bauen und betreiben? Wenn die Fachabteilung mit Power-Platform-Werkzeugen ihre eigenen Prozesse ergänzt und Standardfähigkeiten ausreichen, ist AI Builder der naheliegende, schnelle Weg. Wenn hingegen ein Entwicklungsteam eine maßgeschneiderte KI-Anwendung mit besonderen Anforderungen an Modell, Skalierung oder Integration bauen soll, führt der Weg über die Pro-Code-Ebene von Azure AI Services und AI Foundry.
In der Praxis schließen sich beide nicht aus, sondern ergänzen einander: Viele Häuser nutzen AI Builder für die breite Masse einfacher, prozessnaher Anwendungsfälle und greifen für einzelne anspruchsvolle Projekte zur Pro-Code-Ebene. Die Kunst liegt darin, für jeden Fall die passende Ebene zu wählen, statt alles auf einer Ebene erzwingen zu wollen – ein Anwendungsfall, der Low-Code überfordert, gehört nach Azure; ein Fall, der mit Low-Code lösbar ist, sollte nicht unnötig zum Entwicklungsprojekt aufgebläht werden.
Abgrenzungs-Hinweis

Merksatz: AI Builder ist Low-Code für die Fachabteilung, Azure AI Services und AI Foundry sind Pro-Code für Entwickler. Wählen Sie die Ebene nach der Frage, wer bauen soll und wie hoch die Anforderung ist – nicht nach dem Namen. Beide ergänzen einander im selben Microsoft-Kosmos. Der konkrete Funktions- und Preisvergleich sollte bei Microsoft geprüft werden.

Kapitel 07 · Einführung & Betrieb

Einführung und Betrieb in der Praxis

Damit AI Builder produktiv Nutzen stiftet, müssen einige technische und organisatorische Voraussetzungen erfüllt sein. Die zentrale davon ist unscheinbar, aber folgenreich: AI Builder ist nicht einfach im Power-Platform-Plan „enthalten“, sondern verbrauchsbasiert lizenziert. Wer die Voraussetzungen kennt, vermeidet die häufigste Enttäuschung – „die KI-Funktion ist plötzlich aufgebraucht“ oder „warum kostet das extra“.

01
Anwendungsfall vor Werkzeug klären
Am Anfang steht nicht das Modell, sondern der Prozess. Welcher konkrete, messbare Schritt soll KI-gestützt werden – die Rechnungserfassung, die E-Mail-Sortierung, eine Vorhersage? Ein klar abgegrenzter, wertvoller Erstfall ist die Grundlage jedes gelungenen AI-Builder-Vorhabens und schützt vor Technikverliebtheit ohne Nutzen.
02
Datenbasis prüfen und vorbereiten
Vor allem anpassbare Modelle und Vorhersagen leben von Daten. Gibt es genug, sind sie sauber, decken sie die reale Vielfalt ab, liegen sie sinnvoll in Dataverse? Die Datenvorbereitung ist oft der aufwendigste Teil – und der, der über Erfolg oder Enttäuschung entscheidet. Vorgefertigte Modelle sind hier anspruchsloser.
03
Lizenz- und Credit-Modell verstehen
AI Builder wird über eine verbrauchsbasierte Kapazität abgerechnet – häufig als „AI Builder Credits“ bezeichnet, die pro Umgebung zugeteilt werden, sowie über Add-on-Kapazität. Jeder KI-Vorgang verbraucht Kontingent. Ohne verstandenes Modell wird die Kapazität unerwartet knapp. Details und aktuelle Konditionen sollten bei Microsoft geprüft werden.
04
Modell wählen, konfigurieren, testen
Erst wenn Fall, Daten und Lizenz geklärt sind, wird das passende Modell gewählt – vorgefertigt, anpassbar oder Prompt. Es wird konfiguriert, bei Bedarf trainiert und mit realistischen, eigenen Beispielen getestet, bevor es produktiv geht. Ein Test mit echten, typischen Fällen ist aussagekräftiger als jede allgemeine Genauigkeitsangabe.
05
Governance und Berechtigungen setzen
Wer darf KI-Modelle bauen, wer produktiv schalten, welche Daten dürfen verarbeitet werden? Über die Verwaltung der Power Platform und das Dataverse-Sicherheitsmodell werden diese Leitplanken gesetzt. Governance ist bei Low-Code besonders wichtig, weil viele Menschen bauen können – ohne Regeln entsteht Wildwuchs.
06
Prüfschritte und Betrieb regeln
Wo greift ein Mensch prüfend ein, wie werden Ergebnisse überwacht, wer pflegt Modelle nach, wenn sich Formulare oder Daten ändern? Ein KI-Modell ist kein Selbstläufer: Es braucht Überwachung, gelegentliches Nachtrainieren und einen klaren Betriebsverantwortlichen, bevor die erste produktive Nutzung startet.

Das Credit-Modell: die stille Weiche

Die wichtigste Betriebs-Erkenntnis ist zugleich die am häufigsten übersehene: AI Builder ist verbrauchsbasiert lizenziert. Er ist nicht selbstverständlich in jedem Power-Platform-Plan unbegrenzt enthalten, sondern hängt an einer Kapazität, die Microsoft über sogenannte AI Builder Credits und Add-on-Kapazität regelt. Jeder KI-Vorgang – jedes ausgelesene Dokument, jede Vorhersage, jeder Prompt – verbraucht ein Stück dieses Kontingents. Ist es aufgebraucht, stehen die Funktionen nicht mehr zur Verfügung, bis Kapazität nachgekauft oder zugeteilt wird.
In der Praxis heißt das: Die Einführung von AI Builder ist immer auch eine Entscheidung über Kapazität und Kosten. Ein Vorhaben, das mit einem kleinen Pilotvolumen gut aussieht, kann im Vollbetrieb deutlich mehr Kontingent verbrauchen – gerade generative Prompts und hohe Dokumentenvolumina summieren sich. Wer das ausblendet, schaltet eine Funktion frei und übersieht, dass er zugleich einen laufenden Verbrauch startet. Die genauen Konditionen, Credit-Mengen und Add-on-Modelle ändern sich regelmäßig und sollten bei Microsoft geprüft werden.

Governance bei Low-Code: Freiheit mit Leitplanken

Die zweite Betriebs-Besonderheit folgt aus dem Wesen von Low-Code: Weil viele Menschen ohne Entwickler-Ausbildung KI-Bausteine bauen können, entsteht ohne Regeln leicht Wildwuchs – unkontrollierte Modelle, unklare Datenverarbeitung, doppelte Lösungen. Die Antwort ist eine bewusste Governance: Über die Verwaltung der Power Platform und die Berechtigungen in Dataverse wird gesteuert, wer in welcher Umgebung KI-Modelle erstellen und produktiv setzen darf und welche Daten dabei verarbeitet werden dürfen. Diese Leitplanken schränken nicht die Kreativität ein, sondern machen sie erst verantwortbar.
Betriebs-Hinweis

Merken Sie sich: AI Builder ist verbrauchsbasiert – jeder KI-Vorgang kostet Kontingent. Klären Sie das Credit- und Kapazitätsmodell, bevor Sie vom Pilot in den Vollbetrieb gehen, und rechnen Sie mit steigendem Verbrauch bei Skalierung. Setzen Sie bei Low-Code frühzeitig Governance-Leitplanken, damit aus vielen Bauenden kein Wildwuchs wird. Konkrete Credit-Mengen und Konditionen bei Microsoft prüfen.

Kapitel 08 · Mittelstand

AI Builder im deutschen Mittelstand

Hier die Szenarien, in denen AI Builder in unseren Projekten am häufigsten echten Mehrwert liefert – von der Rechnungserfassung über die E-Mail-Triage bis zur Qualitätskontrolle und Vorhersage. Bewusst ohne Versprechen exakter Zeitersparnisse, dafür mit realistischen Wirkungs-Indikatoren aus der Praxis der Prozessautomatisierung.

Rechnungs- & Belegerfassung

Eingehende Rechnungen und Belege werden automatisch ausgelesen und die Daten in den weiteren Prozess übergeben – ein Mensch prüft nur noch kritische Felder. Aus stundenlangem Abtippen wird eine schnelle Kontrolle. Der Klassiker unter den AI-Builder-Fällen.

Abtippen entfällt
E-Mail- & Anfragen-Triage

Eingehende E-Mails und Anfragen werden automatisch nach Anliegen kategorisiert und an das richtige Team geleitet. Der Kundenservice gewinnt Zeit, die Bearbeitung startet schneller, und nichts bleibt im gemeinsamen Postfach liegen.

Automatisch verteilt
Vorhersage & Priorisierung

Auf Basis historischer Daten schätzt ein Modell, welche Vorgänge Aufmerksamkeit brauchen – etwa gefährdete Aufträge oder aussichtsreiche Anfragen. Das Team setzt Prioritäten datenbasiert statt aus dem Bauch. Voraussetzung ist eine solide Datenhistorie.

Datenbasiert priorisieren
Bilderkennung & Bestand

Objekterkennung zählt und identifiziert Gegenstände auf Fotos – etwa Produkte im Regal, Bauteile oder Prüfobjekte. Nützlich für Bestandsaufnahme, Wareneingang oder einfache visuelle Kontrollen direkt aus einer mobilen Power-App heraus.

Sehen und zählen

Warum Prozessautomatisierung der ergiebige Ansatzpunkt ist

Der Mittelstand ist voll von repetitiven, regelbasierten Vorgängen, die bislang Menschen erledigen, weil sie ein Fünkchen Interpretation verlangen – ein Dokument lesen, eine E-Mail einordnen, eine Priorität setzen. Genau an dieser Stelle setzt AI Builder an: Er automatisiert nicht die Entscheidung, sondern die mühsame Vorarbeit, die ihr vorausgeht. Das macht ihn zu einem der wenigen KI-Anwendungsfälle, deren Nutzen die betroffenen Mitarbeitenden sofort im eigenen Arbeitsalltag spüren – weil eine lästige, wiederkehrende Aufgabe leichter wird.
Zugleich gilt für alle Szenarien dieselbe Grundregel: AI Builder liefert einen exzellenten Vorschlag, keine verbindliche Wahrheit. Bei der Rechnungserfassung prüft ein Mensch die Werte, bevor eine Zahlung ausgelöst wird. Bei der Vorhersage bleibt die Entscheidung beim Menschen, die KI liefert nur die Einschätzung. Die KI verschiebt Aufwand von der mühsamen Erledigung zur schnellen Prüfung – und das ist der eigentliche Gewinn der Prozessautomatisierung.

Die Kehrseite: KI ist kein Ersatz für einen guten Prozess

Eine ehrliche Beratung benennt auch das Risiko. AI Builder in einen chaotischen, schlecht definierten Prozess zu setzen, macht den Prozess nicht besser, sondern beschleunigt nur das Chaos. Wenn die Datenbasis lückenhaft ist, liefert die Vorhersage unbrauchbare Ergebnisse. Wenn niemand für die Pflege der Modelle zuständig ist, verfällt die Qualität still, sobald sich Formulare oder Daten ändern. Die KI löst nicht das Problem eines unklaren Prozesses; sie verstärkt, was schon da ist – im Guten wie im Schlechten. Der größte Hebel bleibt ein sauber durchdachter Prozess. AI Builder ist ein Werkzeug innerhalb dieses Prozesses, kein Ersatz für ihn.
Kapitel 09 · Kosten & DSGVO

Kosten, DSGVO und Datenhoheit

Zwei Themen entscheiden über die Tragfähigkeit eines AI-Builder-Vorhabens: die Kosten-Logik und der Datenschutz. Bei den Kosten zählt das Verständnis des verbrauchsbasierten Modells mehr als jede Momentaufnahme eines Preises. Beim Datenschutz gilt: AI Builder verarbeitet als Dienst eines US-Konzerns potenziell personenbezogene Daten – das berührt DSGVO, EU-Datenverarbeitung und Datenhoheit. Dies ist eine fachliche Einordnung und keine Rechtsberatung.

Verbrauch
Credits / Kapazität
AI Builder Credits
  • Verbrauchsbasierte Kapazität, die pro Umgebung zugeteilt wird. Jeder KI-Vorgang verbraucht Kontingent. Grundlage der Nutzung – Mengen und Konditionen bei Microsoft prüfen.
Add-on
Zusatz / Kapazität
Kapazitäts-Add-on
  • Zusätzliche AI-Builder-Kapazität, die man erwirbt, wenn das Grundkontingent nicht reicht. Skaliert mit dem Nutzungsvolumen – relevant beim Übergang vom Pilot zum Vollbetrieb.
Plattform
Basis / Lizenz
Power Platform
  • AI Builder setzt eine Power-Platform-Umgebung mit Power Apps und/oder Power Automate voraus. Diese Lizenzen sind eine eigene, vorgelagerte Kostenposition.
Gesamtbild
TCO / Programm
Kapazität + Einführung
  • Neben Credits und Lizenzen zählen Datenvorbereitung, Einführung, Governance und Datenschutz-Konzept zu den realen Kosten. Die Kapazität allein ist nicht das Programm.

Warum wir keine exakten Preise nennen

Bewusst nennt dieser Artikel keine konkreten Beträge. Microsofts Preise, die Zuteilung von AI Builder Credits, die Add-on-Konditionen und die Zuordnung von Verbrauch zu Vorgängen ändern sich regelmäßig, unterscheiden sich nach Region, Vertragsform und bestehendem Rahmenvertrag und sind über Enterprise-Vereinbarungen individuell verhandelbar. Jede hier genannte Zahl wäre morgen womöglich falsch und würde eine Scheingenauigkeit vortäuschen. Verlässlich ist die Kosten-Logik: eine verbrauchsbasierte Kapazität, die mit dem Nutzungsvolumen skaliert, plus die vorgelagerten Power-Platform-Lizenzen und die realen Einführungs- und Betriebskosten. Für eine belastbare Kalkulation gehört die aktuelle Preisliste – idealerweise über den eigenen Microsoft-Partner oder das Vertragswerk – in die Rechnung, nicht ein Wert aus einem Artikel.
Datenschutz- & Datenhoheits-Stack

AI Builder erbt die Compliance-Basis Ihres Microsoft-Mandanten und der Power Platform – inklusive Auftragsverarbeitungsvertrag, Verschlüsselung und Dataverse-Sicherheitsmodell. Die Sensibilität entsteht durch die Verarbeitung möglicherweise personenbezogener Inhalte in Dokumenten, E-Mails und Datensätzen. Diese Punkte sind besonders relevant:

Rechtsgrundlage
Für die Verarbeitung personenbezogener Daten eine Rechtsgrundlage und klare Zweckbindung sicherstellen
EU-Region
Umgebung und Datenverarbeitung in einer EU-Region wählen, Verfügbarkeit bei Microsoft prüfen
EU Data Boundary
EU-Datenverarbeitung nutzen, Restrisiko durch US Cloud Act bewusst bewerten
AVV
Auftragsverarbeitungsvertrag mit Microsoft prüfen und dokumentieren
Dataverse
Berechtigungen, Speicherorte und Löschfristen für Trainings- und Ergebnisdaten regeln
Training
Zusagen zur Nutzung der Daten fürs Modelltraining kennen und im AVV verankern

Personenbezogene Daten in KI-Vorgängen

Der Ausgangspunkt jeder datenschutzrechtlichen Betrachtung ist die Frage, ob AI Builder personenbezogene Daten verarbeitet – und das ist oft der Fall. Eine Rechnung enthält Namen und Adressen, eine E-Mail-Klassifizierung verarbeitet den Inhalt von Nachrichten, ein Vorhersage-Modell lernt möglicherweise aus Daten, die sich auf Personen beziehen. Sobald das zutrifft, sind die Regeln der DSGVO einschlägig: Es braucht eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung, eine klare Zweckbindung und Transparenz gegenüber den Betroffenen. Anders als bei rein technischen Daten berührt die Verarbeitung personenbezogener Inhalte unmittelbar die Rechte der Betroffenen und sollte vor dem produktiven Einsatz sauber bewertet werden.
Ein besonderer Punkt betrifft die Trainingsdaten anpassbarer Modelle: Wer ein Modell mit eigenen Dokumenten oder Datensätzen trainiert, verarbeitet die darin enthaltenen personenbezogenen Daten in einem neuen Zweck. Diese Verarbeitung gehört ausdrücklich in die Betrachtung – von der Rechtsgrundlage über die Speicherung der Trainingsdaten bis zur Löschung. Es reicht nicht, nur den produktiven Betrieb zu prüfen; das Training selbst ist bereits eine Verarbeitung.

US Cloud Act, EU-Region und die Trainings-Frage

Zur Datenhoheit gehören drei Aspekte, die man auseinanderhalten sollte. Erstens: Microsoft bietet mit EU-Regionen und der EU Data Boundary eine Verarbeitung von Kundendaten innerhalb der EU an, was die Datenresidenz stärkt – die tatsächliche Verfügbarkeit für die einzelnen AI-Builder-Fähigkeiten und Regionen sollte bei Microsoft geprüft werden. Zweitens: Als US-Konzern unterliegt Microsoft dennoch dem US Cloud Act, sodass ein Restrisiko eines behördlichen Zugriffs bestehen bleibt – die EU-Verarbeitung reduziert dieses Risiko deutlich, hebt es aber nicht vollständig auf. Für die meisten Mittelständler ist das bei bewusster Konfiguration akzeptabel; für Berufsgeheimnisträger, besonders sensible Daten oder KRITIS-nahe Bereiche gehört diese Frage in eine sorgfältige, fallbezogene Bewertung.
Drittens die Frage, ob Ihre Inhalte das KI-Modell trainieren: Für die Power Platform und AI Builder gelten die Datenschutz- und Nutzungszusagen des Microsoft-Mandanten, wonach Kundendaten in der Compliance-Grenze des Mandanten verbleiben. Das sollte als das behandelt werden, was es ist: eine vertragliche Zusage des Anbieters, die man kennen, im konkreten Fall prüfen und im eigenen Vertragswerk (AVV) verankern sollte – kein von außen unabhängig überprüfbarer technischer Zwang. Die genauen Zusagen und ihre Grenzen sollten bei Microsoft im aktuellen Stand geprüft werden.
Wichtiger Hinweis

Die Aussagen zu DSGVO, US Cloud Act, EU Data Boundary und der Trainings-Zusage sind eine fachliche Einordnung und keine Rechtsberatung. Die konkrete Bewertung hängt vom Einzelfall ab – von Datenkategorien, betroffenen Personen, gewählter Region und Konfiguration. Binden Sie Datenschutz- und Rechtsfunktion ein, klären Sie Rechtsgrundlage, Zweckbindung und Speicherung, bevor Sie AI Builder mit personenbezogenen Daten produktiv nutzen – einschließlich der Trainingsdaten anpassbarer Modelle. Konkrete Regionen, Zusagen und Konditionen bei Microsoft prüfen.

Kapitel 10 · Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu AI Builder

Diese Fragen tauchen in unseren Beratungsgesprächen am häufigsten auf – kurz, sachlich und herstellerneutral beantwortet.

Was ist AI Builder?
AI Builder ist die Low-Code-KI-Funktion der Microsoft Power Platform. Er stellt vorgefertigte und anpassbare KI-Modelle bereit, die sich ohne tiefes Entwickler-Wissen in Power Apps und Power Automate einsetzen lassen – etwa für die Dokumentenverarbeitung, für Vorhersagen, für die Kategorisierung von Texten und für generative Prompts. AI Builder ist keine eigenständige Plattform, sondern eine Fähigkeit innerhalb der Power Platform, mit Microsoft Dataverse als Datenrückgrat.
Was ist der Unterschied zwischen vorgefertigten und anpassbaren Modellen?
Vorgefertigte Modelle sind von Microsoft vortrainiert und sofort einsatzbereit – sie decken gängige Standardaufgaben ab, sind aber auf ihren vordefinierten Zweck begrenzt. Anpassbare Modelle trainiert man mit eigenen Daten auf den eigenen Fall, etwa ein Dokumenten-Modell für ein spezifisches Formular. Sie sind flexibler und passgenauer, verlangen aber ausreichend gute Trainingsdaten und mehr Aufwand. Die Faustregel: zuerst prüfen, ob ein vorgefertigtes Modell reicht, und nur bei nachweislichem Bedarf ein eigenes trainieren.
Wofür brauche ich AI Builder – und wofür Azure AI Services?
AI Builder ist die Low-Code-Ebene für Fachanwender und Citizen Developer, die KI in Power-Platform-Abläufe einbauen, ohne zu programmieren. Azure AI Services und AI Foundry sind die Pro-Code-Ebene für Entwickler und Data-Science-Teams, die KI über Programmierschnittstellen in eigene Anwendungen integrieren und volle Kontrolle behalten wollen. Die Leitfrage lautet: Wer soll die KI bauen und wie hoch ist die Anforderung? Beide gehören zum selben Microsoft-Kosmos und ergänzen einander.
Wie wird AI Builder in Prozesse eingebunden?
In Power Automate wird ein AI-Builder-Modell zu einer Aktion im Flow – etwa zum Auslesen einer eingehenden Rechnung oder zum Klassifizieren einer E-Mail zwischen Auslöser und Ergebnis. In Power Apps wird die KI-Fähigkeit direkt in die Benutzeroberfläche eingewoben, etwa um Felder aus einem Foto vorauszufüllen. Der Grundgedanke ist, KI als Baustein in bestehende Abläufe zu setzen, statt sie als eigenständiges Großprojekt zu behandeln – idealerweise mit menschlichen Prüfschritten an kritischen Stellen.
Welche Rolle spielt Dataverse?
Microsoft Dataverse ist das Datenrückgrat der Power Platform und damit auch von AI Builder. Vorhersage-Modelle lernen aus Daten in Dataverse, und Ergebnisse von Dokumentenverarbeitung oder Klassifizierung werden häufig dorthin zurückgeschrieben. Dataverse ist zugleich Compliance-Anker mit einem ausgereiften Sicherheits- und Berechtigungsmodell, das auch für die KI-Vorgänge gilt. Eine saubere, gut strukturierte Datenhaltung in Dataverse ist eine wesentliche Voraussetzung für gute KI-Ergebnisse.
Was kostet AI Builder?
Wir nennen bewusst keine exakten Preise, da Microsofts Preise, die Zuteilung von AI Builder Credits und die Add-on-Konditionen sich häufig ändern und nach Region und Vertrag variieren. Verlässlich ist die Kosten-Logik: AI Builder ist verbrauchsbasiert lizenziert – jeder KI-Vorgang verbraucht Kontingent, das über Credits pro Umgebung und Kapazitäts-Add-ons geregelt wird. Hinzu kommen die vorgelagerten Power-Platform-Lizenzen sowie die realen Kosten für Datenvorbereitung, Einführung und Governance. Konkrete Beträge und Credit-Mengen sollten bei Microsoft geprüft werden.
Was bedeutet „verbrauchsbasiert“ konkret?
Jeder KI-Vorgang – jedes ausgelesene Dokument, jede Vorhersage, jeder Prompt – verbraucht ein Stück eines Kapazitäts-Kontingents, das Microsoft über AI Builder Credits und Add-on-Kapazität regelt. Ist das Kontingent aufgebraucht, stehen die Funktionen nicht mehr zur Verfügung, bis Kapazität nachgekauft oder zugeteilt wird. Praktisch heißt das: Ein Vorhaben, das im kleinen Pilot günstig aussieht, kann im Vollbetrieb deutlich mehr verbrauchen. Der erwartete Verbrauch sollte vor der Skalierung realistisch abgeschätzt und bei Microsoft geprüft werden.
Ist AI Builder DSGVO- und datenhoheitsfreundlich?
AI Builder erbt die Compliance-Basis Ihres Microsoft-Mandanten und der Power Platform, und Microsoft bietet EU-Regionen und mit der EU Data Boundary eine EU-Datenverarbeitung sowie einen Auftragsverarbeitungsvertrag an. Als US-Konzern unterliegt Microsoft jedoch dem US Cloud Act, sodass ein Restrisiko bleibt. Entscheidend sind die bewusste Wahl einer EU-Region, die Regelung von Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Speicherung und Löschung sowie die Betrachtung auch der Trainingsdaten. Die konkrete Bewertung hängt vom Einzelfall ab und ist keine Rechtsberatung – Datenschutz- und Rechtsfunktion sollten vor der produktiven Nutzung einbezogen werden.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse von AI Builder?
In der Regel gut, aber nicht unfehlbar. Die Dokumentenerkennung kann bei ungewöhnlichen Layouts, schlechter Scanqualität oder Sonderfeldern an Grenzen stoßen; Vorhersagen sind nur so gut wie die Datenbasis, auf der sie lernen; generative Prompts können plausibel klingen und dennoch falsch liegen. Für interne Vorarbeit sind die Ergebnisse meist sofort brauchbar; wo es auf Verbindlichkeit ankommt – etwa vor einer Zahlung –, gehört ein menschlicher Prüfschritt dazwischen. Behandeln Sie AI-Builder-Ergebnisse als hochwertigen Vorschlag, nicht als revisionssichere Wahrheit.
Wie unterstützt INAGRO bei der Einführung von AI Builder?
Wir prüfen herstellerneutral, ob und wo sich AI Builder für Ihr Unternehmen rechnet, und begleiten den gesamten Weg: Identifikation eines klar abgegrenzten Erstfalls, Prüfung und Vorbereitung der Datenbasis in Dataverse, Analyse des Kapazitäts- und Credit-Modells, Wahl zwischen vorgefertigten, anpassbaren und generativen Modellen, Abgrenzung zu Azure AI Services für Pro-Code-Fälle, Datenschutz- und Governance-Konzept sowie ein Pilot mit menschlichen Prüfschritten. Den genauen Umfang stimmen wir nach einem unverbindlichen Erstgespräch auf Ihre Power-Platform-Landschaft und Ihre Prozesse ab.

Low-Code-KI verantwortungsvoll einführen

Bereit für eine ehrliche AI-Builder-Strategie?

Von der Auswahl des richtigen Anwendungsfalls über die Datenvorbereitung in Dataverse und die Modellwahl bis zu Kapazitäts-Modell, Datenschutz-Konzept, Governance und produktivem Pilot: INAGRO prüft herstellerunabhängig, ob und wo sich AI Builder für Ihr Unternehmen rechnet – pragmatisch auf den Mittelstand zugeschnitten und mit messbarem Ergebnis.

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